Sprachwandel - Bedeutungswandel

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Sascha Bechmann

Sprachwandel – Bedeutungswandel

Eine Einführung

A. Francke Verlag Tübingen

© 2016 • Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG

Dischingerweg 5 • D-72070 Tübingen

www.francke.de • info@francke.de

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

E-Book-Produktion: pagina GmbH, Tübingen

ePub-ISBN 978-3-8463-4536-8

Inhalt

  Vorwort

  Hinweise zur Lektüre

 I Sprachwandel1 Was ist Sprache — und woher kommt sie?1.1 Brauchen wir Sprache und wenn ja, wozu?1.2 Warum sprechen wir so und nicht anders? — Eine sprachhistorische Spurensuche1.3 Weiterführende und vertiefende Literatur2 Was ist das Wesen der Sprache?2.1 Welche Sprachauffassungen gibt es?2.2 Welche Sprachauffassung ist die richtige?2.3 Ist Sprache das Ergebnis menschlicher Planung?2.4 Weiterführende und vertiefende Literatur3 Was ist Wandel?3.1 Warum verändern sich die Dinge in der Welt?3.2 Was ist Sprachwandel?3.3 Weiterführende und vertiefende Literatur4 Was sind die Prinzipien des Sprachwandels?4.1 Nach welchen Prinzipien wandeln sich Sprachen?4.2 Gibt es Sprachwandelgesetze?4.3 Weiterführende und vertiefende Literatur5 Was sind die Ursachen des Sprachwandels?5.1 Unter welchen Bedingungen wandeln sich Sprachen?5.2 Weiterführende und vertiefende Literatur6 Was sind die Folgen des Sprachwandels?6.1 Zurück in die Zukunft? — Sprachwandel gestern und heute6.2 Führt Sprachwandel zum Sprachverfall?6.3 Kann man Sprachwandel vorhersagen oder aufhalten?6.4 Weiterführende und vertiefende Literatur7 Noch Fragen? — Repetitorium und Übungen zum Sprachwandel7.1 Repetitorien und Übungsaufgaben7.2 Arbeitshilfe für Dozierende I: Fragenpool für Modulprüfungen7.3 Arbeitshilfe für Dozierende II: Seminararbeitsthemen

 II Bedeutungswandel8 Was ist die Bedeutung eines Wortes?8.1 Was ist das Besondere am Bedeutungswandel?8.2 Ist die Bedeutung eines Wortes ein Ding in der Welt?8.3 Ist die Bedeutung eines Wortes eine Vorstellung?8.4 Ist die Bedeutung eines Wortes eine (Gebrauchs-)Regel?8.5 Weiterführende und vertiefende Literatur9 Was sind die Prinzipien des Bedeutungswandels?9.1 Was sind Gebrauchsregeln?9.2 Wie verändern sich Gebrauchsregeln?9.3 Weiterführende und vertiefende Literatur10 Was sind die Ursachen und Verfahren des Bedeutungswandels?10.1 Bedeutungswandel und technischer Fortschritt — beste Freunde oder nur Bekannte?10.2 Mega geil oder erschreckend scharf? — die Mechanismen des Bedeutungswandels10.3 Weiterführende und vertiefende Literatur11 Was sind die Folgen des Bedeutungswandels auf der Wortebene?11.1 Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan — werden Wörter besser oder schlechter durch Bedeutungswandel?11.2 Von Asterix zu Obelix — verändert sich der Umfang eines Wortes durch Bedeutungswandel?11.3 Ist Abstrahierung ein universeller Effekt des Bedeutungswandels?11.4 Weiterführende und vertiefende Literatur12 Was sind die Folgen des Bedeutungswandels auf der Sprachebene?12.1 Führt Bedeutungswandel zu Mehrdeutigkeit?12.2 Verändert Bedeutungswandel das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten?12.3 Verändert Bedeutungswandel die Grammatik einer Sprache?12.4 Weiterführende und vertiefende Literatur13 Bedeutungswandel 2.0 — wohin geht die Reise?13.1 Frame-Semantik — was sind Frames und wie bestimmen sie die Bedeutung eines Wortes?13.2 Wie verändern sich Frames?13.3 Lassen sich die Frame-Semantik und die Gebrauchstheorie der Bedeutung miteinander verknüpfen?13.4 Weiterführende und vertiefende Literatur14 Noch Fragen? — Repetitorium und Übungen zum Bedeutungswandel14.1 Repetitorien und Übungsaufgaben14.2 Arbeitshilfe für Dozierende III: Fragenpool für Modulprüfungen14.3 Arbeitshilfe für Dozierende IV: Seminararbeitsthemen

  Abbildungsverzeichnis

  Tabellenverzeichnis

  Literaturverzeichnis

  (Grundlagen-)Literatur zur Vertiefung

  Glossar

  Sachregister

Vorwort

Nichts ist so beständig wie der Wandel.

HERAKLIT VON EPHESOS (etwa 520–460 v. Chr.)

Der gegenwärtige Zustand unserer Sprache gibt Anlass zu vielfältigen Betrachtungen, bisweilen ist er auch Auslöser solcher Ängste und Sorgen, die deutsche Sprache könne an Schönheit und Wohlklang verlieren. Mehr noch: Manche Menschen glauben, die Sprache werde durch uns Sprecher dem Verfall anheimgegeben, weil wir schändlich mit ihr umgingen. Nun, stimmt das? Verfällt unsere Sprache mehr und mehr zu etwas, was KomplexitätKomplexität und Schärfe verloren hat und in Zukunft nur noch basale Bruchstücke von alter sprachlicher Eleganz und Würde aufweist?

Sprache ist nicht statisch, sie ist dynamisch – ohne dass sie selbst aber in irgendeiner Weise lebendig wäre. Hier irren die Sprachpuristen, denn sie gehen von einem organischen Bild der Sprache aus, so wie es im 19. Jahrhundert populär wurde. Begriffe wie „SprachverfallSprachverfall“ oder auch „Wortschöpfung“ zeugen noch heute davon. „Lebendig“ ist eine Sprache im Grunde nur so lange, wie die Sprecher einer Sprache lebendig sind. Das Leben, also das Werden, Wachsen, Schrumpfen und Vergehen einer Sprache, ist stets gekoppelt an das Sein der Sprecher. So verwundert es kaum, dass auch der Wandel irgendwie an die Sprecher gebunden sein muss. Aber wie? Auf diese Frage sucht und findet diese Einführung Antworten.

Wenn Sie wissen wollen, wie das Sein und das Werden der Sprachen funktionieren, dann lesen Sie dieses Buch. Sie werden sehen, dass es eine lohnenswerte Reise ist durch die Welten der Sprachwissenschaft, bei der wir immer auch andere Wissenschaften streifen werden. So ist Sprachwandel durchaus auch ein Phänomen, das z.B. Soziologen ebenso interessiert wie Politologen und Kulturwissenschaftler, denn Sprachwandel findet auf allen Ebenen der Sprache und in allen Wirkungsbereichen statt. Kurzum, sprachliche Veränderungen lassen sich überall finden: im Internet, in sozialen Netzwerken, in der Literatur und in den Fachsprachen. Das Wesen des Wandels ist, dass er stetig und unaufhaltsam ist. Und es ist äußerst spannend, sich diesem Wesen Schritt für Schritt zu nähern. Dieses Buch soll Ihnen in Ihrem Studium Fahrplan und Kompass durch die oft undurchsichtigen (und wissenschaftsgeschichtlich alten) Fahrwasser der Sprachwandelforschung und der Historischen Linguistik sein.

Dieses Buch betrachtet Sprache als ein veränderliches System und es will zeigen, auf welche Weise Sprachen sich verändern und auf welchen Ebenen Wandel feststellbar ist. Aber: Dieses Buch ist keine Sprachgeschichte (des Deutschen oder einer anderen Sprache), sondern eine thematische Hinführung aus einer handlungstheoretischen Sichtweise.

Mit diesem Studienbuch wird eine Lücke geschlossen, die bislang in der Einführungsliteratur zu beklagen ist: Gegenwärtig existiert keine didaktisch auf die Erfordernisse der gestuften Studiengänge ausgerichtete Einführung in dieses klassische Themenfeld. Dies ist umso erstaunlicher, als dass Fragestellungen der historischen Linguistik noch immer zu den grundlegenden WissensbeständenWissensbestände in den linguistisch ausgerichteten Fächern zählen und in den Curricula fest verankert sind. Diachrone Betrachtungen von Sprache gehören ebenso wie neuere diskursanalytische Fragen auch heute noch zum Kernbestand der linguistischen Schule an allen deutschen Universitäten. Dabei stehen in der modernen Sprachwissenschaft nicht mehr in erster Linie die Prinzipien oder sprachlich universalen Gesetze des Sprachwandels im Fokus, dafür umso mehr Ansätze, die der neueren Pragmalinguistik zugeordnet werden können.

Zu den Hauptproblemen der Lehre in diesem Bereich zählt die Tatsache, dass die bislang zu diesem Thema verfügbare Literatur äußerst heterogen – und in vielen Fällen für das Selbststudium ungeeignet – ist. So stehen Studierende wie auch Lehrende vor dem Problem, Informationen aus unterschiedlichen Lehr- und Fachbüchern extrahieren und bündeln zu müssen. Die beiden Themengebiete Sprach- und Bedeutungswandel werden in zahlreichen sprachhistorischen Einführungen zwar aufgegriffen, geraten dort aber ins Hintertreffen; die Ausführungen sind oftmals verkürzt, was das Verständnis komplexer Sachverhalte erschwert. Auf der anderen Seite gibt es viele Fachbücher ohne didaktische Ausrichtung, die entweder auf einer hohen theoretischen Abstraktionsebene operieren oder das Thema in einer für Studienanfänger schwer überschaubaren Dichte und Breite behandeln. Sowohl theoretisch abstrakte als auch thematisch dichte Lehrbücher, wie etwa die hervorragende Sprachgeschichte des Deutschen von WEGERA und WALDENBERGER oder diejenige von NÜBLING et al., sind für das Bachelorstudium nur bedingt geeignet. Dasselbe lässt sich über diejenigen Bücher sagen, die lediglich Teilaspekte thematisieren. Auch sie taugen nur eingeschränkt für die Wissensvermittlung im Grundstudium.

 

Aus diesen Gründen ist dieses Studienbuch als leicht lesbare Einführung konzipiert, die sich sowohl für das Selbststudium eignet als auch als Grundlage für ein einsemestriges Grundseminar taugt.

Dabei wurde eine inhaltliche Zweiteilung des Buches umgesetzt, die sich bereits im Titel widerspiegelt: Die Bereiche Sprachwandel und Bedeutungswandel werden getrennt betrachtet, auch wenn der Bedeutungswandel als Spezialfall des Sprachwandels zu klassifizieren ist. Zum einen soll damit dem Umstand Rechnung getragen werden, dass in der akademischen Lehre das Thema Bedeutungswandel häufig isoliert betrachtet wird; zahlreiche Seminare befassen sich ausschließlich mit historisch-semantischen Fragestellungen. Zum anderen ist diese Zweiteilung sinnvoll, weil es sehr spezielle Erklärungsmodelle (insbesondere moderne gebrauchstheoretische Ansätze) gibt, die dem Bedeutungswandel einen eigenen Status zuweisen. Zwar kann der Bedeutungswandel im Speziellen nicht isoliert von einer Theorie sprachlichen Wandels im Allgemeinen gedacht werden, so dass die Kenntnis solcher Theorien für das Verständnis des Bedeutungswandels notwendig ist. Aufgrund der KomplexitätKomplexität semantischer Veränderungen und der dahinter stehenden Prozesse ist sie aber allein nicht hinreichend.

Zum Schluss erlauben Sie mir ein paar persönliche Worte. Mein großer Dank gilt Anke Peters aus der Germanistischen Mediävistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, deren geschultes Auge mir geholfen hat, das Manuskript zu diesem Buch möglichst frei von Tippfehlern an den Verlag geben zu können. Manche Sätze in diesem Buch sind erst durch sie in eine lesbare Form geschliffen worden. Zudem war mir ihr sprachhistorisches Wissen an vielen Stellen eine Hilfe.

Dieses Buch ist zudem der Ausdruck meiner eigenen wissenschaftlichen Prägung, für die ich meinem Lehrer und Doktorvater Rudi Keller dankbar bin. Er war es, der im Studium mein Interesse für linguistische Fragestellungen geweckt und später stets gefördert hat. Besonders seine Theorie zum allgemeinen Sprachwandel und seine Gedanken zum Bedeutungswandel bei deutschen Adjektiven haben mich früh in ihren Bann gezogen. Wenn man mich heute fragt, wie und warum ich Sprachwissenschaftler geworden bin, dann ist die Antwort leicht: Weil ich mich irgendwann dafür zu interessieren begann, wie das alles funktioniert. Das mit dem Wandel der Sprachen. Heute weiß ich: Sprache ist Gewordenes aus Gewesenem und so wird es auch in Zukunft sein. Als Sprecher befinden wir uns heute auf einer schmalen Entwicklungsstufe unserer Sprache. Wir stehen dabei in einer direkten Traditionslinie mit unseren Vorfahren. Und wir formen die Sprache durch unser Handeln zu dem, was sie einmal sein wird. Das finde ich unheimlich spannend. Sie auch? Dann wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der Lektüre.

Düsseldorf, im August 2016 Sascha Bechmann

Hinweise zur Lektüre

Bevor wir uns dem eigentlichen Kern des Sprach- und Bedeutungswandels zuwenden können, möchte ich noch einige Informationen zur Lektüre und zum richtigen Umgang mit diesem Buch voranschicken.

Dieses Studienbuch versteht sich als Arbeitsbuch und ist in erster Linie für das Selbststudium geschrieben. Ich habe versucht, Komplexes einfach darzustellen. Das bleibt nicht ohne Folgen. Wissenschaftliche Unschärfe hier und da mögen mir meine Fachkolleginnen und -kollegen nachsehen. Denn: Für diese Leserschaft ist dieses Buch nicht geschrieben worden. Der Anspruch an dieses Buch lautet: Es kann weitestgehend ohne Vorwissen gelesen werden. Dass eine diesem Anspruch verpflichtete Einführung nicht möglich ist, ohne das ein oder andere zu verkürzen und zu simplifizieren, ist klar – und eher eine Stärke als eine Schwäche dieses Buches.

Selbstgesteuertes Lernen soll dazu dienen, einen möglichst nachhaltigen Lernerfolg zu erzielen. Die Leser werden dazu befähigt, sich die wesentlichen Inhalte selbstständig anzueignen. Dazu werden die Inhalte anschaulich und unter weitgehendem Verzicht auf (für das Verständnis unnötige) Fachterminologie vermittelt. Die hohe Kunst der fachsprachlichen Reduktion gerät bei basalen WissensbeständenWissensbestände unseres Faches aber an ihre Grenzen. Ich empfehle daher, vor der Lektüre eine Einführungsveranstaltung in die Sprachwissenschaft zu besuchen.

Als begleitendes Nachschlagewerk zu dieser Einführung empfehle ich Ihnen das „Lexikon der Sprachwissenschaft“ von HADUMOD BUSSMANN. Darin lassen sich alle nicht vermeidbaren Fachwörter nachlesen – es ist zudem ein unabdingbarer Begleiter durch Ihr sprachwissenschaftliches Studium. Dieses Lexikon ist nicht nur deshalb von unschätzbarem Wert, weil darin die wesentlichen Begriffe der Sprachwissenschaft präzise erklärt werden, sondern auch, weil sich eine reichhaltige Fülle an Literaturempfehlungen zu jedem Einzelaspekt finden lässt. Alternativ kann ich Ihnen das hervorragende linguistische Wörterbuch von THEODOR LEWANDOWSKI aus dem Jahr 1994 ans Herz legen, das aber leider nur noch antiquarisch zu beziehen ist. Wesentliche Begriffe, die heute zum Wissensbestand der Sprachwissenschaft zählen, fehlen zwar darin, dennoch ist es ein wertvolles Hilfsmittel.

Die vorliegende Einführung soll Ihnen als Kompass und als Richtschnur dienen, damit Sie erste (eigene) Wege durch das spannende und weite Feld des Sprach- und Bedeutungswandels finden können. Dafür benötigt es eine sinnvolle Struktur. Wie ein roter Faden ziehen sich deshalb einige Aspekte durch dieses Buch, die helfen sollen, sich zurecht zu finden. Dies sind im Wesentlichen folgende Elemente und Strukturen:

Wichtige Grundbegriffe sind im Text durch Fettdruck hervorgehoben. Die linguistischen Theorien und Modelle in diesem Buch sind an der konkreten sprachlichen WirklichkeitWirklichkeitsprachliche ausgerichtet. Anschauliche Beispielsätze und historisches Datenmaterial werden das Verständnis erleichtern. Zudem werden wissenschaftstheoretische Kernthesen in diesem Buch optisch hervorgehoben. An manchen Stellen werden Ihnen zudem bedeutende Vertreter einer Theorie oder eines Faches in einem kurzen Who is who vorgestellt.

Kernthesen und präzise Merksätze, die das Verständnis erleichtern, werden durch Textboxen optisch hervorgehoben. Die Boxen sind durch dieses SymbolSymbol markiert: [bad img format].

Alle Kapitel beginnen mit dem Abschnitt „Ziele und Warm-up“. Hier finden Sie eine kurze Erläuterung des Gegenstands des jeweiligen Kapitels sowie die avisierten Lernziele. Unter dem Aspekt Warm-up sollen intuitiv zu beantwortende Impulsfragen zum ersten Nachdenken über die dann folgende Thematik anregen. Sie erkennen das Warm-up an diesem SymbolSymbol: [bad img format].

Hinweise zu weiterführender Literatur zum Inhalt des vorangestellten Lehrstoffs runden jedes Kapitel ab. Dabei handelt es sich um eine Auswahl, die weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Exklusivität erhebt. In aller Regel werden hier nur diejenigen Werke empfohlen, die in einem unmittelbaren Bezug zu den Inhalten des Kapitels stehen. Erkennbar sind diese Literaturhinweise an diesem SymbolSymbol: [bad img format].

Beiden Teilen dieses Buchs ist mit Kapitel 7 und Kapitel 14 jeweils ein eigener Wiederholungs- und Übungsteil gewidmet (Repetitorium). Dort finden Sie kurze und prägnante Zusammenfassungen der Kapitel. Sie können die Repetitorien im Ganzen durcharbeiten – oder jeweils im Anschluss an die einzelnen Kapitel. Sie selbst bestimmen, wann und wie Sie Ihr Wissen festigen. Übungsaufgaben dienen der Selbstüberprüfung des Wissens und lassen sich ohne weitere Hilfsmittel in angemessener Zeit beantworten. Auf Lösungen kann und soll bewusst verzichtet werden, da Standardlösungen und -antworten nicht gewünscht sind. Vielmehr sollen die Fragen der Beschäftigung mit dem vermittelten Stoff dienen und sind so konzipiert, dass sie eindeutig zu beantworten sind. Sie erkennen die Übungsaufgaben an diesem SymbolSymbol: [bad img format]

Kapitel 7 und 14 bieten zudem Arbeitshilfen für Dozierende wie mögliche Klausurfragen zur zielgerichteten Überprüfung der Lernziele oder Vorschläge für Hausarbeitsthemen. Hinweise für Dozierende finden sich auch an anderen Stellen des Buchs und sollen Anregungen für die akademische Lehre liefern, sofern diese Einführung in der universitären Lehre verwendet wird.

Dem Textteil ist ein ausführliches Literaturverzeichnis angefügt. Es bildet die Beiträge zum Forschungsfeld in weiten Teilen ab, erhebt aber ebenfalls keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zusätzlich gibt es ein hilfreiches Verzeichnis mit Grundlagenliteratur zum Sprachwandel.

Das Studienbuch enthält im Anhang ein Sachwortverzeichnis, das den Zugriff auf wichtige Begriffe vereinfacht. Ein Glossar mit wichtigen linguistischen Grundbegriffen rundet den Band ab.

[bad img format]Hinweis für Dozierende:

Die Gliederung des Studienbuches in 14 Kapitel ermöglicht es Lehrenden, das Buch zur Grundlage eines einsemestrigen Seminars zu machen. Dabei kann jedes Kapitel Inhalt einer Sitzung sein und z.B. durch historisches Datenmaterial, Übungstexte, Originalarbeiten o.Ä. ergänzt werden. Hier empfehlen sich beispielsweise das umfangreiche Textkorpus zum Frühneuhochdeutschen (Bonner Frühneuhochdeutsch-Korpus; online verfügbar unter www.korpora.org/fnhd) oder das Korpus zur mittelhochdeutschen Sprach- und Literaturgeschichte der Universität Trier (Digitales mittelhochdeutsches Textarchiv; online verfügbar unter http://mhgta.uni-trier.de).

Die Inhalte der einzelnen Kapitel können im Hochschulunterricht in teilnehmerorientierten Sozialformen (Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Partnerarbeit, offene Moderation) gewinnbringend und aktivierend erarbeitet werden. Da Kapitel 7 und 14 der Wiederholung dienen, wäre es anzudenken, die Sitzungen 7 und 14 für Zwischen- und Abschlussprüfungen zu nutzen.

Der besseren Lesbarkeit halber werden Personenbezeichnungen in diesem Buch in der maskulinen Form genannt. Verstehen Sie dies bitte einzig unter dem Aspekt der sprachlichen ÖkonomieÖkonomie – die im Übrigen eine wichtige Bedingung für Sprachwandel ist. Auf einer Waage, die zwischen sprachlicher political correctness einerseits und guter Lesbarkeit von Texten andererseits pendelt, bevorzuge ich stets den Ausschlag zugunsten der Prägnanz.

I Sprachwandel

Sprachen sind bei Weitem das wichtigste Vehikel

kultureller Entfaltung und zugleich das wichtigste Element

nationaler, übrigens auch persönlicher, Identität.

Helmut Schmidt (1918–2015)

1 Was ist Sprache — und woher kommt sie?

Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiss nichts von seiner eigenen.

JOHANN WOLFGANG GOETHE (1749–1832)

[bad img format]Ziele und Warm-up

Der Begriff Sprachwandel begegnet uns nicht nur im wissenschaftlichen Diskurs, sondern auch im Alltag (z.B. in den Medien). Besonders im Zusammenhang mit Stil und „gutem Ausdruck“ wird oft intensiv diskutiert, in welchem Zustand sich unsere Sprache befindet. Sprachwandel wird immer dann zum Thema, wenn Veränderungen auffällig werden. Solche Veränderungen werden gerne als Fehler oder zumindest als Abweichungen von der sprachlichen Norm interpretiert. Vor allem im Vergleich zu früheren Sprachzuständen werden diese Abweichungen als Wandel offensichtlich. Aber was ist das eigentlich, was sich da wandelt?

Ebenso, wie man nur verstehen kann, was ein Regenschirm oder eine Taschenuhr ist, wenn man weiß, was Regen, Schirm, Tasche und Uhr sind, kann man nur begreifen, was Sprachwandel bedeutet, wenn man weiß, was Sprache und Wandel eigentlich sind. Deshalb sehen wir uns in einem ersten Schritt den eigentlichen Gegenstand einmal genauer an, mit dem sich dieses Buch beschäftigt. Wir müssen uns zum Einstieg nämlich die Fragen stellen: Was ist Sprache? Und wozu haben wir sie eigentlich?

 

In diesem ersten Kapitel werden wir zunächst gemeinsam überlegen, welcher Gegenstand überhaupt zu betrachten ist, wenn vom Wandel in der Sprache die Rede ist. Diese Überlegungen werden wir dann im zweiten Kapitel mit der Frage verknüpfen, wie Sprache und Wandel miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Wir nähern uns also über die nachfolgenden Definitionen der Grundbegriffe dem Phänomen des allgemeinen Sprachwandels, das in diesem ersten Teil der Einführung im Fokus stehen soll. Zudem dienen die Ausführungen dazu, das spezielle Phänomen des Bedeutungswandels im zweiten Teil dieses Buches besser verstehen zu können.

Dazu kreisen wir in diesem Kapitel zunächst den Begriff Sprache ein. Beantworten Sie bitte zum Einstieg die folgenden Fragen und machen Sie sich gerne auch stichwortartige Notizen dazu:

 Was ist eine Sprache? Schlagen Sie die Definition in einem Lexikon nach!

 Wie viele Verwendungsweisen des Wortes Sprache fallen Ihnen ein? Gibt es eigentlich so etwas wie die Sprache?

 Können Sie denken, ohne zu sprechen?

 Sprechen Sie eine Fremdsprache? Was ist ähnlich und was ist völlig anders, als Sie es aus Ihrer Muttersprache kennen?