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INKA LOREEN MINDEN

In Fahrt gebracht

Sexy Story aus der Weltstadt mit Herz

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In Fahrt gebracht

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Leseprobe »Im Bannkreis der Lust«

Über die Autorin

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Inhalt

Zwischen den Schaustellern Anna und Ben kriselt es. Sie lieben sich, aber er ist eher zurückhaltend im Bett und reagiert kaum auf ihre ausgefalleneren Wünsche. Als sie gebeten wird, eine neue Attraktion in Bens Geisterbahn zu testen, stimmt sie arglos zu. Doch schon bald muss sie mit einem wohligen Schauern feststellen, dass dort Überraschungen ganz anderer Art auf sie warten …

ca. 35 Seiten (ohne Extras)

Hinweis

Diese Geschichte erschien zuvor beim Rowohlt-Verlag unter demselben Titel und war auch im Buch »Fucking Munich – Heiße Geschichten aus der Weltstadt mit Herz« enthalten.

Die Story wurde überarbeitet und inhaltlich geringfügig verändert. Sie erzählt eine romantisch-erotische Liebesgeschichte mit softem BDSM und hat ein Happy End.

Weitere Titel der Reihe (alle unabhängig voneinander lesbar):

Im Bannkreis der Lust

Liebesspiele auf Schloss Nymphenburg

Englisch im Garten

Außer Kontrolle (Gay Romance)

Schon länger erschienen:

Hot Shot

Verteufelte Lust (Extrabuch)

Oder alle zusammen im Sammelband

Sündhaft, heiß & fesselnd

genießen

In Fahrt gebracht

Was für ein schöner Tag, dachte Anna. Heute würde sich das Geschäft lohnen.

Sie saß im Kassenhäuschen des »Dark Torture«, das von außen wie eine Burgruine aussah, und gab Tickets für die Fahrt aus. Der Duft von gebrannten Mandeln und Zuckerwatte stieg ihr in die Nase. Lautsprecherdurchsagen und die Musik der anderen Buden und Fahrbetriebe dröhnten bis in ihre winzige Kabine. Auf dem Oktoberfest gab es an die zweihundert Schaustellerbetriebe, davon etwa achtzig Fahrgeschäfte. Deshalb herrschte für gewöhnlich Trubel. Anna mochte das – am meisten die Geräusche aus der Geisterbahn: schauriges Lachen, Kreischen und Todesschreie. Das Rumpeln der Gondeln im Inneren der Halle übertrug sich bis zu ihr und brachte ihren Drehstuhl zum Vibrieren.

Ihr Freund Ben arbeitete in dem Fahrgeschäft, auf dem bewegliche Sensenmänner, Monster und allerlei andere blutrünstige Gestalten saßen. Anna half an der Kasse aus, solange in der Schießbude ihrer Familie nicht viel los war. Außerdem stand man sich da nur gegenseitig im Weg, deshalb konnte man sie dort entbehren.

Als Schausteller zu leben war hart, dennoch liebte Anna den Job. Und sie liebte Ben. Gern sprang sie im Familienbetrieb seiner Eltern ein, auch, weil sie ihrem Liebsten dort nah war. Heute hatte sie sich sogar geschminkt und ihrem braunen Haar mit einem Rotton zu mehr Farbe verholfen, um besonders attraktiv für ihn zu sein.

Leider hatten sie sich in den letzten Tagen kaum gesehen. In ihrer knapp bemessenen Freizeit war Ben mit seinem Bruder Hannes unterwegs gewesen – wenn das überhaupt stimmte. Womöglich hatte er sich auch mit einer anderen Frau vergnügt, denn im Bett lief es gerade nicht gut zwischen ihnen. Zwar war Ben zuvorkommend und verwöhnte sie, aber sie traute sich nicht, ihm zu sagen, was sie wirklich wollte. Einmal hatte sie sich überwunden, da hatte Ben geantwortet: »Du spinnst ja, ich schlag doch keine Frauen!«

Damit war das Thema für ihn erledigt gewesen.

Vielleicht war es besser, wenn sie sich trennten. Irgendwann würde der Tag kommen, an dem sie dem Mann begegnete, der sie verstand. Oder war sie nicht normal, weil sie Lust empfand, wenn ihr jemand Schmerzen zufügte?

Ihr Magen verkrampfte sich, als sie daran dachte, Ben zu verlassen. Dennoch lächelte sie tapfer und sagte: »Ich wünsche eine schaurige Fahrt«, als sie einem Jugendlichen ein Ticket verkaufte. Nun stand niemand mehr an.

Vom Nachmittag an bis in die Nacht hinein würde es stressig werden, aber noch ging es relativ entspannt zu. Keine langen Wartezeiten an den Fahrgeschäften.

Heute war ein besonders warmer Septembertag, weshalb Anna lediglich ein Sommerkleid und Sandalen trug. Verträumt verfolgte sie die Schwünge des riesigen Piratenschiffs, das auf der anderen Straßenseite stand. Es flog so hoch in den blauen Himmel, dass es sich beinahe überschlug. Genau wie ihr Herz. Ob sie Ben direkt fragen sollte, ob er eine andere hatte?

»Wenn ich nur wüsste, was ich machen soll«, murmelte sie.

Anna genoss die Tage, die sie mit ihrer Familie auf der Theresienwiese verbrachte, auch wenn der September und der Oktober die anstrengendsten Monate im ganzen Jahr waren. Die »Wiesn« war immerhin das größte Volksfest der Welt – eine Attraktion schon für sich –, das jährlich über sechs Millionen Menschen besuchten.

München war eine tolle Stadt. Die Schausteller blieben noch eine Woche hier, bevor sie abbauten und weiterzogen, auf ein anderes Volksfest. Wenn sich die Wege ihrer Geschäfte einmal trennten, blieb Anna bei Ben. Seit drei Jahren war sie ein Teil seiner Familie. Jeder hatte sie akzeptiert, und Anna fand seine Eltern sehr sympathisch. Ohne die Probleme im Bett und diese Unsicherheit, ob ihr Liebster sie betrog, hätte alles wunderbar sein können.

Plötzlich bemerkte sie Bens drei Jahre älteren Bruder Hannes, der, die Hände tief in den Jeanstaschen vergraben, über die Straße schlenderte, genau auf sie zu. Dabei grinste er frech.

Die Geschwister halfen beide im Familienunternehmen. Sie wechselten sich stündlich ab und erschreckten in grusliger Verkleidung die Fahrgäste.

Ihr Herz machte einen Sprung, weil Hannes sie im ersten Augenblick an Ben erinnerte. Beide hatten rabenschwarzes Haar, waren groß und sportlich, aber charakterlich grundverschieden. Hannes war ein Draufgänger und Ben der Vorsichtige.

Sie würde viel besser zu Hannes passen.

Himmel, was ging nur in ihrem Kopf vor? Sie liebte Ben, nur ihn! Er war ihr wenigstens treu, während es sein Bruder nie lange bei einer Frau hielt.

Aber wenn Ben doch nicht treu war? Wo steckte er nur, wenn er frei hatte?

Ach, in ihrem Kopf purzelte alles durcheinander.

Hannes befand sich in Begleitung von Mona, einer guten Bekannten von Anna. Ihr blondes Haar leuchtete in der Sonne. Während Hannes sie kurz grüßte und in der Geisterbahn verschwand, öffnete Mona die Tür des Kassenhäuschens und sagte: »Ich übernehme.«

Verdutzt überließ Anna ihr den Platz. »Hast du nicht Schicht am Kinderkarussell?«

»Meine Schwester ist eingesprungen«, antwortete Mona und schob die Tickets von einer Seite zur anderen.

»Hier ist doch was faul!«

»Süße …« Mona drehte sich augenrollend zu ihr herum. »Ben hat eine Überraschung für dich, aber das darf ich dir eigentlich gar nicht sagen.«

Eine Überraschung! Anna strahlte plötzlich. »Wo ist er?«

»Du sollst eine Runde Geisterbahn fahren. Dann wirst du sehen. Mehr hat er mir nicht verraten, und ich hab schon zu viel erzählt.«

»Ich danke dir!«, rief Anna und grinste. »Vermutlich will er mir eine neue Attraktion zeigen.«

Mona nickte. »Kann sein. Fahr eine Runde und klopf ihm auf die Schulter. Du weißt doch, wie sehr Männer Bestätigung für ihr Ego benötigten.«

Anna stand gern zur Verfügung, wenn sich Ben oder Hannes eine neue Attraktion einfallen ließen und ein Testopfer brauchten. »Okay, dann bis später.« Tatsächlich freute sie sich, Ben zu begegnen. Was er sich wohl ausgedacht hatte?

Am Einstieg traf sie Hannes und seinen Vater Peter. Er war einen Kopf kleiner als seine Söhne und bereits ergraut. Aber für sein Alter schien er noch sehr fit zu sein, nur die Hüfte machte ihm zu schaffen, weshalb er hauptsächlich am Einlass arbeitete und kaum noch in der Bahn herumkletterte.

»Machst du eine Pause, Anna?«, fragte er.

Sie schüttelte den Kopf. »Benjamin möchte mir unbedingt etwas Neues zeigen. Mona übernimmt solange.« Vor seinen Eltern sprach sie seinen Namen immer ganz aus, aber niemals, wenn sie mit Ben allein war. Er fand, der Name passe nicht zu einem erwachsenen Mann, sondern eher zu einem Kind oder einem Elefanten in blauen Hosen.

»Er soll es nicht zu bunt treiben. Neulich hat er einer Oma fast einen Herzinfarkt beschert.« Peter zwinkerte vergnügt, doch dass er Schmerzen hatte, war nicht zu übersehen.

»Leg dich ein wenig hin, Papa«, sagte Hannes, der Anna in die Gondel half. »Heute Abend gibt’s noch genug zu tun.«

»Was würde ich nur ohne euch machen.« Peter seufzte und verließ humpelnd das Fahrgeschäft.

Während Anna wartete, winkte sie Mona zu, die durch die Scheibe des Kassenhäuschens zurückwinkte, und schaute sich um. Seit einer Weile war niemand mehr zugestiegen, und hinter ihr kamen keine neuen Gäste. Sie würde ganz allein durch die Geisterbahn fahren. Ein wenig mulmig war ihr schon zumute.

 

Plötzlich öffnete sich eine unsichtbare Tür an der Wand neben den Gleisen und ein Kapuzenmann steckte den Kopf heraus. Das konnte nur Ben sein! Sofort ging die Tür wieder zu und die Gestalt war in der Bahn verschwunden.

Aha, er lauerte schon auf sie.

Annas Spannung wuchs, doch sie grinste in sich hinein. Gut, er wollte sie erschrecken. Als ob sie sich gruselte. Sie war vorbereitet.

Mit einem Ruck setzte sich der Wagen in Bewegung. Das Burgtor vor ihr öffnete sich und sie fuhr in den Turm, in dem sie völlige Dunkelheit umfing.

Langsam ratterte die Gondel spiralförmig nach oben in den zweiten Stock. Die riesige Bahn war wirklich nichts für schwache Nerven. Wenn es nach Anna ginge, würde sie kein Kind mitfahren lassen. Es gab zwar eine Altersempfehlung ab zwölf Jahren, aber daran hielten sich nicht alle. Das Dark Torture war eine Geisterbahn mit besonders grauenhaften Schockeffekten. Die Gestalten sahen verdammt echt aus. Auf den ersten Blick erkannte man nicht, ob es sich dabei um Puppen handelte. Und die Besucher erschraken umso mehr, wenn plötzlich eines dieser Wesen tatsächlich auf sie zukam und sie anfasste. Ben und Hannes, obwohl beide erwachsene Männer, empfanden immer einen Heidenspaß, die Fahrgäste zu schocken.

Schauriges Geheul begrüßte sie in der obersten Etage. Wölfe mit Schaum vor dem Maul schnappten nach ihr, und ein einäugiger Zombie raste auf sie zu und sauste im letzten Augenblick über sie hinweg. Peter scheute keine Kosten, um seine Attraktionen möglichst realistisch zu präsentieren. Lautsprecher in der Gondel suggerierten den Gästen, dass Geister mit ihnen fahren würden, die ihnen die schlimmsten Dinge zuflüsterten.

Die Fahrt führte an Spiegeln vorbei, in denen die Besucher nicht nur sich selbst sahen, sondern auch die Gespenster, die auf der Gondel hockten. Anna lehnte sich zurück und krallte die Finger ins Sitzpolster. So ganz allein war es ihr doch ein wenig unheimlich. In vielen anderen Geisterbahnen konnte man Kabel und Steckdosen erkennen oder andere Details, die darauf hindeuteten, dass alles bloß Show war. Nicht hier. Im Dark Torture war die Illusion perfekt.

»Sie werden dich holen«, wisperte es in ihr Ohr. Anna erschauderte wohlig. Sie mochte den Nervenkitzel.

Die Stelle, an der Ben normalerweise auftauchte, kannte sie. Gleich hinter der geköpften Hexe und dem Sensenmann, der seine Klinge bedrohlich nah über den Häuptern der Fahrer schwingen ließ. Aber Ben war nicht da. Niemand griff in ihren Wagen, um sie zu erschrecken.

Hatte er seinen Einsatz verpasst?

Sie drehte sich um, erkannte im Dunkeln allerdings nichts.

Die Gondel wurde langsamer, als sie an dem schreienden Mann auf der Streckbank vorbeikam, dessen Arme abgerissen wurden, sodass Blut hervorsprudelte. Den Gästen spritzte hier Wasser ins Gesicht, das durch das rote Licht bloß aussah wie Blut. Ein kühler Strahl traf ihr Kleid, sodass sich ihre Brustwarzen zusammenzogen. Wegen der zu erwartenden Temperaturen hatte sie auf einen BH verzichtet.

Wie immer hing Anna ihren Fantasien nach, wenn sie durch das Dark Torture fuhr. Nicht der Mann lag in ihren Träumen auf der Streckbank, sondern sie. Allerdings würde sie lustvoll gefoltert werden, von dem schwarzen Henker, der gewöhnlich nach der Hexe auf sie wartete: Ben.

Anna hatte ihm einmal davon erzählt. Er hatte nur doof gegrinst und sie nicht ernst genommen. Wie auch, sie hatte schließlich nie wirklich mit ihm über ihre Sehnsüchte geredet, sondern nur versucht, ihn mit der Nase drauf zu stoßen.

Plötzlich griff jemand nach ihr. Sie schrie auf, weil sie darauf nicht gefasst gewesen war. Eine große Gestalt in einer schwarzen Kutte zog sie aus der Gondel. Anna konnte das Gesicht unter der weiten Kapuze nicht erkennen, weil das dunkelrote Licht zu wenig Helligkeit spendete. Ihre Proteste gingen in den schaurigen Schreien des Gefolterten unter. Außerdem herrschte in der Bahn allgemein ein hoher Lärmpegel, weshalb Ben meist Ohrstöpsel trug.