Herzstücke in Hannover

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EIN KLEINES STÜCK FERNOST

Am südlichen Ende des Stadtparks Hannover versteckt sich ein urtümlicher japanischer Teegarten. Hier finden Besucher Ruhe und Entspannung. Gleichzeitig ist er aber auch ein Zeichen der Städtefreundschaft zwischen der Leinemetropole und Hiroshima, die seit Jahrzehnten intensiv gepflegt wird.

Es ist eines der botanischen Geheimnisse Hannovers. In einer kleinen Ecke am südlichen Ende des schönen Stadtparks im Zooviertel versteckt sich ein japanischer Teegarten. 1996 wurde er eingeweiht und steht für die Städtepartnerschaft zwischen Hannover und der japanischen Metropole Hiroshima. Regelmäßig werden hier traditionelle Teezeremonien veranstaltet. Besucher können sich besonders über die Blütezeit der Rhododendren im Mai, die der Rosen im Juni und Juli und die der Prachtstauden von August bis September freuen.

Sie finden in dem kleinen Stück fernöstlicher Gartenbaukunst aber auch Ruhe und Besinnung, das macht den Garten zu einer Oase mitten in der hektischen Stadt. Der Hintergrund dieses Gartens ist jedoch ernst. Hiroshima als Abwurfstelle einer der Atombomben und Hannover als im Krieg weitestgehend zerstörte Stadt fanden sich im Rahmen der Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs in den 1960er-Jahren zusammen.


Nur wenige Meter entfernt liegt mit dem Rosencafé ein schöner Ort für einen Imbiss. Die Einrichtung des kleinen Pavillons erinnert dabei an die 1950er-Jahre und macht das Café zu einem tollen Fotomotiv.

Gegenseitige Besuche und der Austausch von Schülergruppen prägten lange die Beziehung. Noch heute wird traditionell am Jahrestag des Atombombenabwurfs auf die japanische Metropole, am 6. August 1945, der Opfer auf beiden Seiten gedacht.

Das kleine Teegärtchen wirkt vor diesem Hintergrund dabei wie ein Mahnmal der Zivilisation gegen die Gräuel des Kriegs, und es vereint die Lehren japanischen Gartenbaus in ihrer Mischung aus Strenge, Disziplin, Detailverliebtheit und Tradition.

Japanischer Teegarten im Stadtpark · Mo–So 8–21 Uhr · Theodor-Heuss-Platz 1 · 30175 Hannover


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FISCH GIBT’S

Das Seestern ist das wohl älteste Fischrestaurant Hannovers. Gäste bekommen hier traditionelle Gerichte und eine kleine Zeitreise ins gute alte Westdeutschland. Denn an der Einrichtung und der Speisekarte wurde in den vergangenen Jahren sehr wenig geändert. Schließlich hat sich hier das Leckere längst durchgesetzt.

Hannovers Fußballfans singen wegen ihrer gepflegten Feindschaft mit den Anhängern von Werder Bremen gerne mal den Schlachtruf: »Und wir kaufen unseren Fisch in Steinhude!« Die sicher nicht ganz ernst gemeinte Beleidigung spielt dabei auf das Steinhuder Meer als Fischereirevier in der Region an. Doch für Fischliebhaber müssen es nicht unbedingt Tiere aus der Region sein, wenn sie schlemmen wollen. Das Restaurant Seestern in der Innenstadt bekommt einen Großteil seines Angebots seit Jahrzehnten aus Hamburg. Dort wird der Fisch frisch im Hafen eingekauft, bevor er dann den Weg an die Leinemetropole findet.

Das vermutlich älteste Fischrestaurant Hannovers – es wurde 1928 eröffnet – ist eines der kulinarischen Geheimnisse der Stadt. Gab es früher in den Städten noch viele dieser Fischbratereien, gehören die meisten Läden inzwischen zu austauschbaren Ketten – aber nicht so das individuell geführte Seestern.

Gelegen in einer sonst eher unscheinbaren Nebenstraße kommen hier seit Jahrzehnten beliebte Gerichte wie Brat- oder Backfisch auf den Tisch. Dazu gibt es selbst gemachten Kartoffelsalat oder Bratkartoffeln und leckere Remoulade.

Die Bedienungen sind aufmerksam, schnell und freundlich, und die Einrichtung lädt zu einer Zeitreise ein: Hier findet sich das gute alte Westdeutschland. Zusammen mit dem Essen entsteht so das gleiche Gefühl wie damals im Urlaub an der Nordsee mit den Großeltern. Das Seestern wirkt von außen unscheinbar, doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Denn hier geht es wirklich vor allem um das leckere Essen, und das ist auch gut so.

Seestern · Mo–Fr 11–18, Sa 11–17 Uhr · Andreaestraße 2 · 30159 Hannover · Tel. 0511 / 32 87 83

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KOCHEN OHNE KNOCHEN

Lange bevor vegetarische und vegane Ernährung Trend wurde, setzte das Restaurant Hiller am Rande der Innenstadt auf eine Ernährung ohne tierische Produkte. Bereits 1955 wurde es eröffnet und hat sich in den Jahrzehnten danach immer wieder neu erfunden. Die Qualität und die Liebe zum Essen blieben dabei immer hoch.

Es gab Zeiten, da tauschten sich Vegetarier und Veganer in Hannover wie in einer Art Geheimbund aus, wo sich gut essen gehen ließ. Das Angebot war lange Zeit eher mäßig, aber auf ein Restaurant konnten sich Menschen, die auf tierische Produkte verzichten, seit Jahrzehnten verlassen: das Restaurant Hiller zwischen der Innenstadt und der Südstadt.

Lange bevor es hip wurde, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren und in jeder Kochshow Rezepte mit Tofu vorgestellt wurden, wurde im Hiller Kochen ohne Knochen praktiziert. Wie durch Absicht gelegen in der Blumenstraße bietet das Restaurant seit 1955 ausschließlich tierfreien Genuss zu moderaten Preisen. Seit 2012 sind alle Produkte außerdem komplett vegan.

Lange Zeit war das Hiller die einzige Möglichkeit, um Essen ohne tierische Produkte zu genießen und nicht nur Kartoffeln und Gemüse zu bekommen. Denn dass vegane Ernährung nichts mit Verzicht zu tun hat, das zeigen die zahlreichen Gerichte, und das riechen Sie bereits, wenn Sie in das liebevoll eingerichtete Restaurant kommen.

Zum Mittag gibt es immer ein kleines Drei-Gänge-Menü, abends können Sie neben den Menüs außerdem noch à la carte auswählen. Wenn Sie sich denn bei der großen Auswahl entscheiden können, denn hier wird kreativ gekocht. Futterneid beim Blick auf den Teller des Nachbarn ist da garantiert. Die Gerichte richten sich dabei auch nach dem saisonalen Angebot.

Dazu gibt es zahlreiche frisch gepresste Säfte, Bio-Weine und Bio-Bier sowie fair gehandelten Tee und Kaffee. Wer Lust hat auf veganes Schlemmen, der ist im Hiller genau richtig.

Hiller · Mo–Sa 12–23 Uhr · Blumenstraße 3 · 30159 Hannover · Tel. 0511 / 32 12 88 www.restaurant-hiller.de

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DIE EXPERTEN FÜR SPIELZEUG

Der Weiße-Kreuz-Platz hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gewandelt. War er früher Teil der offenen Heroinszene in der Stadt, treffen sich hier inzwischen die Mütter aus der List. Der Spielzeugladen Fridolin’s ist hier schon ewig heimisch und einer der besten in der Region.

Ein Stück der Berliner Mauer erinnert hier an die bewegende Geschichte Deutschlands. Früher wollten Eltern ihre Kinder auf dem Weiße-Kreuz-Platz nicht spielen lassen, weil hier Heroinabhängige ihrer Sucht nachgingen. Doch inzwischen hat sich das Image dieses Platzes am Anfang der beliebten Lister Meile geändert. In den Cafés treffen sich die Kreativen und Schicken aus der Oststadt und der List zum Kaffee oder Cocktail – und auch der Platz wird immer häufiger zum Picknicken oder für politische Aktionen genutzt. Man könnte sagen, die Gentrifizierung hier ist abgeschlossen.

Doch ein paar Sachen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht geändert, und das ist gut so: Denn fast am Anfang der Lister Meile steht seit 1980 einer der schönsten Spielzeugläden der Stadt: das Fridolin‘s. Bereits bevor man das Geschäft betreten hat, ist man ein Stück verzaubert. Der Spielzeugladen hat vor der Tür aufwendig allerlei Klimbim platziert. Seien es Windspiele oder eine Auswahl von komischen Postkarten – der Laden fällt auf. Drinnen erwartet Besucher dann ein Paradies des pädagogisch wertvollen Spielens sowie eine riesige Auswahl an Gummitierchen, Drachen und allerlei Holzspielzeug. Besonders die Auswahl an Baukästen und Erlebnisspielen sucht in Hannover ihresgleichen. Hier finden Sie das passende Geschenk zum Kindergeburtstag, aber auch erwachsene Spieler kommen hier auf ihre Kosten.

Früher wurde das Angebot von vielen als »zu öko« verlacht, inzwischen hat das Geschäft mit seinem vielseitigen Angebot aber eine Nische besetzt, die abseits der großen Spielzeugsupermärkte immer mehr Menschen begeistert und erfreut.

Fridolin’s · Mo–Fr 10–19, Sa 10–16 Uhr · Lister Meile 21 · 30161 Hannover Tel. 0511 / 31 23 56 · www.fridolins-spielzeug.de



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ISS DICH GLÜCKLICH

Mit viel Liebe für gutes Essen betreiben die Geschwister Julia und Sonja Faber ihr Restaurant Zurück zum Glück. Hier kann man toll frühstücken, lecker Kuchen essen, und auch der Mittagstisch lohnt sich. Wer nur einen Snack braucht, findet in ihrem kleinen Bistro ein paar Meter weiter genau das Richtige.

 

Zwischen List und Zooviertel pulsiert das Leben einer eigenen Welt. Die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover am Emmichplatz ist für die Kreativen und Musischen in der Stadt das Zentrum. Doch auch die Künstler können nicht allein von ihrer Leidenschaft leben. Gut, dass sie gleich zwei Möglichkeiten in direkter Nähe haben, sich zu stärken: das Restaurant und das Bistro Zurück zum Glück.

Wenn es warm wird in Hannover, treffen sich hier die zahlreichen Musikstudenten auf einen Kaffee. Der kleine Pavillon vom Zurück zum Glück gegenüber der Musikhochschule zieht die Künstler und Kreativen, aber auch die Familien aus dem Stadtteil an. Das Angebot reicht dabei von klassischen Kaffeespezialitäten bis hin zu ausgefallenen Limonaden. Dazu gibt es kleine Imbisse – Getränke und Essen sind bio. Die Bedienung ist schnell und freundlich.

Doch den beiden Betreiberinnen, den Schwestern Julia und Sonja Faber, reicht es nicht zu zeigen, dass auch Fast Food lecker und bio sein kann. Wer aufwendiger essen mag, der geht in das gleichnamige Stammrestaurant der studierten Ernährungswissenschaftlerinnen in die Hindenburgstraße, keine fünf Minuten zu Fuß entfernt. Dort finden sich neben einer großen Frühstücksauswahl ein leckerer Mittagstisch und auch zahlreiche Spezialitäten, von Schupfnudeln über leckere Salate und Suppen bis zu aufwendigen Tagesgerichten. Alles wird frisch zubereitet, ist ebenfalls bio, und die Servicekräfte sind liebevoll und engagiert. Am Wochenende empfiehlt es sich, vor einem Besuch unbedingt einen Tisch zu reservieren, denn es kann hier schnell voll werden.

Zurück zum Glück · Mo–Do 9–21, Fr–Sa 9–18, So 10–18 Uhr · Hindenburgstraße 7 30175 Hannover · Tel. 0511 / 89 97 88 80 · www.zurueckzumglueck.de


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DES KRÜMELMONSTERS KLEINE SCHWÄCHE

Schnöckern, so nennen alteingesessene Hannoveraner das Naschen leckerer Kekse. Doch nicht nur für Naschkatzen ist das Stammhaus von Bahlsen interessant: Auch architektonisch ist es ein Hingucker. Und der goldene Keks hat durch einen Studentenstreich internationalen Ruhm erlangt.

Da hängt er wieder, der goldene Keks. Hoch oben über der viel befahrenen Podbielskistraße hat die Gebäckfirma Bahlsen ihr Wappen mit dem weltweit bekannten Leibnizkeks wieder aufgehängt. Dabei sah es lange so aus, als würde der Rahmen für immer leer bleiben. Schließlich hatte Anfang 2013 ein ganz fieser Dieb den Keks geklaut: das Krümelmonster.

Was klingt wie eine urbane Legende ist eine der skurrilen Geschichten Hannovers. Eines Nachts verschwand der goldene Keks an dem Stammhaus. Es dauerte viele Tage, ohne dass der Verlust überhaupt jemandem auffiel. Im Januar setzte dann Bahlsen eine Belohnung von 1000 Euro für die Ergreifung der Täter aus. Die Diebe schickten aber kurz darauf einen Erpresserbrief an die Lokalzeitungen und die Polizei, räubertypisch mit ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben und einer sehr ungewöhnlichen Forderung.


Im Bahlsen-Haus gibt es einen Lagerverkauf des Unternehmens. Dort gibt es die Kekse zu günstigeren Preisen als im Supermarkt.

Bahlsen solle die Belohnung von 1000 Euro an ein Tierheim spenden und alle Stationen des Kinderkrankenhauses in Hannover-Bult mit Leibnizkeksen versorgen. »Aber die mit Schoko«, schrieb der Erpresser, der auf dem Foto aussah wie das Krümelmonster aus der Sesamstraße.

Bahlsen verlangte daraufhin die Rückgabe des berühmten Wappens. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen aber an, 52 000 Kekspackungen an 52 soziale Einrichtungen in Niedersachsen zu spenden, wenn sie ihren Keks zurückbekämen. Das Krümelmonster hielt Wort, und eines Tages hing der Keks tatsächlich am Hals der Pferdestatue vor dem Hauptgebäude der Leibniz-Universität.

Bahlsen-Haus · Podbielskistraße 11 · 30163 Hannover · www.bahlsen.de



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FRANZÖSISCHES BISTRO-FEELING

Ausgefallene französische Leckereien, überraschende Menüs mit großer Detailliebe, leckere Kuchen und ein klassisches Ambiente: Das Café Restaurant Emma in Langenhagen bietet gute Küche im aufwendig renovierten alten Bahnhof – nur 15 Minuten mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof entfernt.

Rund hundert Jahre nach seiner Fertigstellung scheint der S-Bahnhof Langenhagen Pferdemarkt seine wirkliche Bestimmung gefunden zu haben: In dem aufwendig und liebevoll renovierten Gebäude residieren seit 2016 Hannovers Experten für französische Lebensart: Koch Ingo Welt und seine Frau Anja Debou haben mit ihrer persönlichen Mischung aus bodenständiger, aber raffinierter Bistro-Küche, aufwendigen Menü-Events und leckeren Kuchen und Torten ein kulinarisches Kleinod in der Vorstadt geschaffen.

Welt und Debou gelten seit vielen Jahren als feste Größe unter den hannoverschen Liebhabern der französischen Küche: Sie stehen für authentische Gerichte zwischen französischen Klassikern, saisonalen Kleinigkeiten und einer guten Auswahl an Weinen und Spirituosen. Besonders empfehlenswert im Emma ist die Vorspeisenauswahl: Neben Klassikern wie Hummus oder Linsensalat finden Sie dort auch ausgefallenere Variationen von Fisch, Fleisch oder Gemüse.

Dass Koch Ingo Welt aber nicht nur pikante Küche drauf hat, beweist er mit seinen Kuchen, Torten und nicht zuletzt mit den Nachspeisen: Besonders die Variationen von Schokolade sind ein Genuss: Schokolade in drei Stärken trifft auf exotische und sanfte Fruchtaromen.

Wer die rund 15-minütige Fahrt vom Hauptbahnhof in die Vorstadt nicht scheut, findet im Café Restaurant Emma alles für eine tolle Kaffee- und Kuchenzeit oder einen gelungenen Abend. Die ehemalige Bahnhofsempfangshalle eignet sich darüber hinaus super für Feste.

Café Restaurant Emma · Bahnhofsplatz 9 · 30853 Langenhagen · Tel. 0511 / 80 09 11 84 www.emma-cafe-restaurant.de · direkt im S-Bahnhof Langenhagen Pferdemarkt


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DIE HEIMAT DER KANZLERPLATTE

Knüppel und Geröll, Schimanski-Teller oder eben Kanzlerplatte – es gibt viele Bezeichnungen für eines der beliebtesten Essen der Deutschen: Currywurst mit Pommes. Doch nirgendwo gibt es das Gericht in Hannover so traditionell wie in der alten Kneipe Plümecke. Das wusste auch schon so mancher Prominente zu schätzen.

»Einmal Kanzlerplatte, bitte.« In Hannovers Kneipen ist das eine übliche Bestellung. Denn auch wenn Gerhard Schröder schon seit 2005 nicht mehr Deutschlands oberster Politiker ist, seine Vorliebe für deftige Speisen ist bekannt. Dass der ehemalige Kanzler in einer seiner Ehen mit einer Vegetarierin verheiratet war, ist längst gegessen. Denn er gab einem der absoluten Lieblingsgerichte der Deutschen seinen Namen, zumindest in Hannover: Currywurst mit Pommes.

Dass die Currywurst zwar nicht in Hannover erfunden wurde, man sie in der Stadt aber an vielen Orten lecker essen kann, ist Konsens. Aber an der Frage, wo genau es in Hannover die beste Wurst gibt, daran soll schon so manche Freundschaft zerbrochen sein. Dabei wirkt die Diskussion über einen länglichen Fleischlappen mit frittierten Kartoffeln für Uneingeweihte sicherlich eher lächerlich. Doch viele Alteingesessene kommen bei der Diskussion irgendwann auf das Traditionslokal Plümecke in der List.

Von außen wirkt die Kneipe auf Ästheten und Freunde der sogenannten Neuen Deutschen Küche sicherlich ein wenig abstoßend, doch das Plümecke gilt seit Jahrzehnten als einer der besten Orte in Hannover, um deftige Hausmannskost zu soliden Preisen zu bekommen. Die Einrichtung ist hier traditionell, das Bier frisch vom Fass, und gerne verfängt man sich am Tresen einmal in aufregende Diskussionen über Fußball, die Nachrichten oder eben Politik. Dass Schröder selbst hier während seiner Zeit im Landtag ein und aus gegangen ist, das erzählt man sich immer noch.

Was bleibt: Wer gerade keine Lust auf Sushi oder Salat hat, der findet im Plümecke eine scheinbar untergegangene Welt. Hier können Sie das alte Westdeutschland einatmen. Nur der Geruch von filterlosen Zigaretten fehlt.

Plümecke · Mo–Fr 17–24 Uhr · Voßstraße 39 · 30161 Hannover · Tel. 0511 / 66 09 69


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FERNÖSTLICHER SCHMELZTIEGEL DER GENÜSSE

Im Alltag der südkoreanischen Großstädte finden Sie Street-Food-Imbisse klassisch an Wegrändern oder in der Nähe von Bahnhöfen. Die Familie Choi hat dieses Prinzip erweitert und bietet in ihrem Restaurant Chois seit 2008 die spannende vielseitige, aromatische Küche Koreas mitten in Hannover an.

Von den Plätzen im ersten Stock direkt an der Lister Meile lässt sich das Treiben auf der Straße beobachten, während auf dem Korean Barbecue Grill oder im Hot Pot Fleisch und Gemüse brutzeln. Die Eintopfsuppe wird gemeinsam am Tisch befüllt, ein bisschen wie beim Fondue. Neben Rind und Schwein gibt es auch einen rein vegetarischen Pot.

Chois · Lister Meile 61 · 30161 Hannover · Tel. 0511 / 31332 · www.restaurant-chois.de


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DIE KLEIDUNG MIT DEM GUTEN GEWISSEN

Ästhetisch, hochwertig und nachhaltig – das Bekleidungssyndikat verkauft nur fair gehandelte und vegane Kleidung, die gleichzeitig aber toll aussieht. Einmal in der Woche bietet der Versand einen Fabrikverkauf in den Räumen des Unabhängigen Jugendzentrums in der Kornstraße an.

Herkunft und Produktionsbedingungen der Hosen, Hemden, Pullis, Schuhe und Unterwäsche werden von dem Team streng kontrolliert: Alles muss fair gehandelt sein, die Stoffe müssen aus biologischem Anbau stammen, und kein Tier darf bei der Verarbeitung zu Schaden gekommen sein. Ein hoher Anspruch, der hier seit Jahren eingehalten wird.

Bekleidungssyndikat · Mi 16–19 Uhr · Kornstraße 32 · 30167 Hannover www.bekleidungssyndikat.de



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KUNST, SO WILD WIE DAS LEBEN

Wilde Performances, provokante Konzerte und elegante Ausstellungen – die Galerie bei Koc zeigt, wie lebendig die Kunstszene Hannovers sein kann. Die Künstler, die Betreiber Cem Koc für die Ausstellungen sucht, kommen dabei aus der ganzen Welt, um in der Nordstadt ihre Visionen vom Leben zu zeigen.

Die Nachbarn sind ja einiges gewöhnt hier in der Nordstadt. Um die Ecke hängen im Sommer immer die Punks rum, rund um die Lutherkirche versammeln sich die Jungen und Wilden zum Feierabendbier, und wenn im Oktober die neuen Studenten kommen, wirkt der Stadtteil manchmal wie eine Partymeile. Also zucken die meisten Passanten nur mit den Schultern, wenn in der Galerie bei Koc wieder einmal eine Performance oder ein Konzert aufgeführt wird. Oder sie bleiben gebannt stehen, schauen durch das große Fenster oder gehen einfach rein in den kleinen Ausstellungsraum.

 

Die Off-Galerie zwischen Engelbosteler Damm und Universität hat sich innerhalb kürzester Zeit zum Treffpunkt der alternativen Kunstszene in Hannover entwickelt. Ausstellungen mit Künstlern aus Israel, Frankreich oder den USA treffen hier auf Konzerte von Musikern aus dem Punk- oder Noise-Bereich. Dem Betreiber Cem Koc ist die Nähe zur Musik genauso wichtig wie eine Haltung in der Auswahl der Ausstellungen, die er nahezu alleine bewältigt. Hier wird Kunst gelebt und nicht präsentiert wie in einem Hochglanzmagazin. Dazu gehören dann auch lange Partys nach Vernissagen.

Bei Koc treffen sich Musiker, Künstler und Designer, um sich die wechselnden Ausstellungen anzuschauen oder einfach gemeinsam das nächste große Projekt zu planen. Schon einige Bands wurden hier gegründet und manche Idee ausgebrütet. Es ist eine Galerie genau wie der Stadtteil: kreativ, jung, spontan und vor allem laut und lebendig. Dafür kommen sogar die Lindener in die sonst von ihnen verhasste Nordstadt. Und die Nachbarn drücken gerne ein Auge zu, schließlich wissen sie ja das Bunte in ihrem Stadtteil zu schätzen.

Bei Koc · Mo–Fr 17–20 Uhr · Hahnenstraße 8 · 30167 Hannover Tel. 0172/4 01 30 22 · www.cemkoc.de