Buch lesen: "Verbotene Orte: die Schweißerin - Erotische Novelle"
Vanessa Salt
Verbotene Orte: die Schweißerin
Erotische Novelle
LUST
Verbotene Orte: die Schweißerin
Original:
Förbjudna platser: Svetsaren
Übersetzer: Alina Becker Copyright © 2019, 2019 Vanessa Salt und LUST All rights reserved ISBN: 9788726304176
1. E-book Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.
Verbotene Orte: die Schweißerin
Erotische Novelle
Dass manch einem das Einparken so schwerfällt ...
Love flucht leise in seinem BMW i8. Keine Chance, an die E-Ladestation heranzukommen. Ein abgenutzter Toyota steht zu nahe.
Nicht nur kaputt, sondern auch versaut. Die Räder stehen klar über der Linie.
Er reckt sich leicht auf dem Sportwagensitz, bis ihm etwas einfällt und er sich verstohlen umschaut. Es muss albern aussehen, wenn ein Blondschopf, wie er, Probleme hat, über das Lenkrad zu sehen. Love hatte nicht damit gerechnet, dass die Sitze des Coupé-Modells so tief sind.
Obwohl es hier stockdunkel ist. Niemand kann mich sehen.
In Luleå ein BMW i8 Coupé zu fahren, ist natürlich verrückt, aber wenn man es sich beim Vater ausleiht, gibt es nicht viel zu überlegen. Und wenn der Herr Papa einem dann auch erlaubt, seine eigene Ladestation zu installieren ...
Verdammt, war das knapp!
Der Toyota neben ihm sieht doppelt so hoch aus. Trotzdem streift Love mit seinem frisch gewaschenen Coupé den Seitenspiegel des anderen Wagens.
Er robbt auf den Beifahrersitz und stößt die Tür auf, die sich sowohl nach außen als auch nach oben öffnet, fast wie der Flügel einer Möwe. Platz braucht man dafür sowieso. Love macht sich eine geistige Notiz, seinen Vater zu bitten, eine größere Parkfläche für ihn zu arrangieren.
Schließlich muss man noch aus seinem Auto aussteigen können. Vor allem, wenn man zum Spätdienst abkommandiert wird.
Gut, dass man so gelenkig ist.
Schmächtig, meinst du wohl?
Love verdrängt die nagenden Gedanken. Vom Grübeln wird er auch nicht größer.
Das Coupé ist auch nur ein Mittel zur Kompensation ...
Love beißt sich auf die Lippen. Außerdem ist ihm kalt. Luleå im November fühlt sich an wie ein Bad in einem halb geschmolzenen McFlurry. Die ganze Zeit. Er flucht erneut, als ihm Schneematsch in die niedrigen Schuhe schwappt.
***
Papas Liebling zu sein und mit 30 Jahren im Stahlwerk einen verantwortlichen Posten im betrieblichen Gesundheitsmanagement zu bekleiden, hat sowohl gute als auch schlechte Seiten. Oft wird Love kein Respekt entgegengebracht, oder er wird ihm zusammen mit übertriebener Ja-Sagerei und Schleimerei serviert. Love denkt darüber nach, während er den viel zu warmen Kamelhaarmantel von Oscar Jacobson ablegt. Love hatte bei seinem alten Herrn nur andeuten müssen, wie vorteilhaft sich ein abschließbarer Kleiderschrank im Büro machen würde, und Schwupps stand das Eichenmöbel dort.
Definitiv ein Pluspunkt.
Was natürlich störte, wie das kleine Knirschen im Schuh oder das quälende Gefühl, immer etwas zu vergessen, war der Gedanke daran, was passieren würde, wenn Papa nicht mehr im Hintergrund die richtigen Fäden zog, oder wenn er Love nicht länger für bestimmte Aufgaben vorschlagen konnte. Müsste er dann wie in einem amerikanischen Film all seine Sachen in einen Karton packen und gehen? Gebückt und auf den Boden starrend, während alle ehemaligen Kollegen den Kopf abwenden?
Natürlich nicht, Love. Hast du sie noch alle?
Das Zusammenpacken würde jedenfalls nicht lange dauern. Auf dem blank polierten Tisch stehen nur sein Laptop und ein gerahmtes Foto von Mutter und Vater. Nichts weiter.
Linda ist nicht mit auf dem Foto. Seine rebellische Schwester. Gepierct und tätowiert und ... nicht mehr hier. Lebt irgendwo in Berlin. In einem „Künstlerkollektiv“.
Love malt fast automatisch Gänsefüßchen in die Luft, wenn er über sie nachdenkt.
Ach, scheiß drauf ...
Linda und Love. Zwei wie Pech und Schwefel. Bis Linda genug hatte und unüberlegt etwas von Patriarchat , Spießbürger und Chauvinistenschwein schrie. Dann ging sie fort. Papa bezahlte heimlich ihr Ticket.
Love lacht auf.
Und trotzdem vermisst du sie.
Und ein Mädchen. Mit den Mädchen läuft es schon eine ganze Weile schlecht. Eigentlich schon ziemlich lang. Luleå ist klein, wenn man nicht länger studiert.
Love schlendert zum Schreibtisch, rollt den Lederstuhl hervor und nutzt die Gelegenheit, sein Spiegelbild in der Tischoberfläche zu betrachten. Obwohl sie schwarz ist, glänzt sie wie Glas. Love fährt sich mit der Hand durch die Haare und korrigiert seinen Seitenscheitel. Ihm fällt auf, dass er das immer so macht: auf den Tisch schauen und die Frisur richten.
Morgen mache ich es anders.
***
Love versucht, sich auf einen Punkt auf Gunnars Stirn zu konzentrieren. Wer ist Gunnar noch gleich ... der Vorarbeiter? Jedenfalls redet er jetzt schon eine Weile. Irgendetwas darüber, dass es Zeit ist, sich mal mit jemandem von unten zu unterhalten ... Mit jemandem, der einen kaum auszusprechenden oder auch nur vorstellbaren Namen trägt.
Love seufzt und lehnt sich so weit zurück, wie es sein Stuhl erlaubt. Er verschränkt die Hände hinter dem Nacken. Das kann er, weil er sich jeden Tag die Achseln rasiert. Außerdem lässt er sich jeden Monat von Amazon ein Paket mit einer besonderen Deo-Marke schicken. Mit Aluminium hat Love kein Problem. Er arbeitet schließlich mit Metall.
Irgendwo hat er mal gelesen, dass dieses Bloßstellen der Achseln eine Geste der Macht ist. Es signalisiert dem anderen, dass man ihn als unterlegen und nicht bedrohlich ansieht. Scheint aber keine Wirkung zu zeigen.
Verdammt, kann der schwätzen.
Gunnar wirkt überhaupt nicht bedrohlich, aber er scheint etwas zu wollen.
Ja?
Dass ich mich unten blicken lasse.
Goodwill, Love ...
„ Okay, ich komme in zehn Minuten runter. Sie zeigen mir dann, wer ... was von mir will.“ Love kippt wieder mit dem Stuhl nach vorne und legt die gefalteten Hände auf den Tisch. Gunnar murmelt, dass er dafür dankbar ist.
Aber klar doch.
„ Ich ziehe mir nur zuerst Schutzkleidung an.“
„ Natürlich.“ Gunnars Bemerkung klingt, als wäre Love ein fünfzehnjähriger Praktikant. „Sie wissen ja, wo Sie sie finden. Und vergessen Sie den Helm nicht.“
Love starrt ihn an. Auf Gunnars abgenutzte Arbeitskleidung. Spannt sie nicht am Bauch? Er hat Tränensäcke unter den Augen. Als sich die Tür hinter ihm schließt, tippt Love eine digitale Notiz auf seinem Laptop: „Wie alt ist Gunnar? Frag den Alten.“
Dann kramt er in seiner Hosentasche herum und holt sein iPhone XS heraus. Es ist glatt, aber zu schön, um es in einer Hülle zu verstecken. Alles aus Glas und in Gold. Love lächelt vor sich hin, schaltet es ein und stellt die Zeit ein, zu der die Heizung des Coupés anspringen soll.
Halb sechs passt. Verdammt, was werde ich müde sein ...
Er drückt auf Senden.
***
Nebel schlägt sich auf dem Visier nieder. Der Helm kneift und Love weiß bereits, dass seine Frisur ruiniert ist. Sein Schutzanzug ist zu groß und die Füße rutschen in den Stiefeln.
Ich sehe wie ein Kasper aus. Wie ein tragischer Clown auf Beruhigungsmitteln.
Es ist heiß. Schrecklich heiß.
Die Leute murmeln und geben Anweisungen und schreien „Nein“ und „Ja“ und „Weiter so“. Die Hintergrundgeräusche prallen auf Loves Helm, es wird geklopft, gewalzt und die gigantischen Abzüge heulen. Es ist warm auf einer Seite seines Gesichts, wo sich flüssiges Eisen wie ein grimmiger Lavastrom den Weg durch eine riesige Rinne bahnt und in einer riesigen Stahlwanne landet. Die ist so groß, dass wahrscheinlich zehn Personen darin stehen und trotzdem nicht über den Rand schauen könnten. Trotzdem landen große Spritzer des flüssigen Erzes auf dem Boden, während die Wanne hin und her gedreht wird, damit der große Eisenklumpen darin nicht gerinnt. Das verschüttete Eisen funkelt und knistert.
Love schwitzt.
Ihm läuft der Schweiß über Stirn, Rücken und die Innenseite der Oberschenkel. Er hasst das.
Zum Glück musst du das nicht so oft ertragen, du Waschlappen ...
Er beißt die Zähne so heftig zusammen, dass der Kiefer knackt. Zeigt auf Gunnar, der breitbeinig und mit vor dem Schritt verschränkten Händen dasteht. Er ist größer als Love. „Wer wollte mich jetzt sprechen?“ Love klingt piepsig.
Konzentrier dich!
„ Da kommt sie.“ Gunnar hebt grüßend die Hand.
„ Sie?“
„ Ja?“
„ Aber, na ja, das war irgendwie nicht zu verstehen ...“
„ Hallo, ich heiße Yazmin Ansarinia.“
„ Hä?“ Love starrt in ein Paar große braune Augen. Unter einer gerunzelten Stirn. Er verlagert seinen Schwerpunkt auf den anderen Fuß, räuspert sich und blinzelt, um durch ihr spiegelndes Visier sehen zu können. „Love“, sagt er und fügt nach einer Sekunde, als sich nichts an den zusammengezogenen Augenbrauen hinter dem Visier ändert, hinzu: „Gotthardson.“
Er lässt seine ausgestreckte Hand sinken. Und zieht ihr dabei den Schutzhandschuh aus.
Blöd gelaufen, Love …
Der Blick dieser braunen Augen ist immer noch auf ihn gerichtet, die Hand hat sie auf ihr Herz gelegt, zwar ohne Handschuh, aber trotzdem.
Hat sie sich jetzt wirklich verbeugt? Verdammt – verbeugt?
Love nickt kurz und verschränkt die Hände hinter dem Rücken.
„ Yazmin ist Bergbauingenieurin und bringt ihre Fachkompetenz bei uns ein, unter anderem bei der Temperaturkontrolle und dem Materialverlust.“ Gunnar spricht über sie, als würde er eine neue Mathematiklehrerin vorstellen. Die überqualifiziert ist, aber eine Weile als Vertretungslehrerin arbeiten muss. Bevor das Problem von der KTH gelöst wird. Oder dem MIT.
Love errötet.
Was sie wohl sonst noch alles gelernt hat?
„ Ja, schön ...“
Er könnte sich auf die Zunge beißen.
„ Schön?“ Sie hat eine klare Stimme, die alle Geräusche durchdringt. Alle. Und jetzt zieht sie ihre schönen Augenbrauen hoch.
Er muss jetzt zur Normalität zurückkehren. „Sie wollten mit mir sprechen ... über eine bestimmte Vorkehrung?“ Ihre Stirn glättet sich etwas. Love kann aber immer noch eine Falte erkennen, die sich über ihre Nasenwurzel zieht. Sie hat eine schöne Nase. Schmal und mit kleinen, bebenden Nasenflügeln.
Konzentriere dich, verdammt!
„ Haben Sie die Rinne dort gesehen?“ Sie deutet mit ihrer nackten Hand auf die gerade gefüllte Wanne. „Und all das verschüttete Material?“ Jetzt gestikuliert sie in Richtung des Bodens, wo ein Arbeiter steht, der ein bisschen wie ein Astronaut aussieht und mit einer langen Harke funkelnde und zischende Schlangen aus verschüttetem Metall durch ein Gitter im Boden stößt.
Love schaut auf ihre Hand. Irgendwie anmutig. Sinnlich. Und der Arm daran muss genauso anmutig sein, glaubt er, weil die schäbige Schutzkleidung wirklich alles verbirgt, was schön sein kann. Oder eben alle ... Graziösheit ...?
Heißt das so? Nein, es muss Graziösität heißen ... oder?
„ Hören Sie mir zu?“ Love hört die Schärfe in Yazmins Stimme, während er Gunnars Blick im Nacken spürt. Die braunen Augen verengen sich.
„ Verschüttet? Ja, das ist immer so. Das Eisen läuft zu langsam, als dass im ersten Anlauf alles aufgefangen werden kann.“ Er bemerkt, wie dumm das klingt. „Wenn die Wanne gekippt wird, damit das Erz nicht verhärtet ...“
„ Ich weiß, warum die Wanne gekippt wird.“ Sie seufzt und stemmt eine Hand in die Hüfte.
„ Wäre nett, wenn Sie mich nicht unterbrechen würden.“ Love spürt, wie Zorn in ihm aufsteigt. Aber der mischt sich mit ... Ja, womit eigentlich?
„ Da gab es nicht viel zu unterbrechen.“ Braunauge schiebt das Kinn vor. Love muss sich Mühe geben, nicht zu auffällig auf ihre Hand zu glotzen, die ihre Taille extrem betont, und in ihm die Frage aufkommen lässt, was sich wohl unter dem groben Stoff abzeichnet.
„ Wenn Sie das sagen.“ Love versucht, den Schokoladenblick zu erwidern. „Gehen wir rüber und ...“
„ Das ist nicht notwendig. Ich habe einige Ideen, wie wir den Verlust reduzieren oder beseitigen und das Arbeitsumfeld in der Schmelze verbessern können.“
Die Hitze wird langsam unerträglich. Es ist, als würde er das verschüttete Eisen tatsächlich fühlen können. Der gesamte linke Teil von Loves Gesicht glüht.
Darf’s ein bisschen Krebs sein?
„ Aha?“ Love versucht es mit einem lässigen Tonfall. Tatsächlich aber schaut er auf ihre kastanienbraune Mähne, die unter ihrem Helm hervorquillt. Jetzt, da sie den Kopf dreht und auf den Krisenherd schaut, ist sie deutlich sichtbar. Die Locken kringeln sich über ihrem Rücken und Love merkt, dass sein „Aha?“ alles andere als blasiert klingt.
„ Wenn wir die Temperatur nur um 300 Grad erhöhen, fließt die Schmelze besser, die Viskosität sinkt und ...“
„ Wissen Sie, wie viel Energie benötigt wird, um die Temperatur nur um 50 Grad zu erhöhen?“
Sie hebt leicht den Kopf und Love fragt sich, ob das Visier blendet oder ob Schokolade tatsächlich funkeln kann. „Ich war noch nicht fertig?“
Obwohl sie leise spricht, fühlt es sich an, als würden ihre Worte in ihrem Helm widerhallen.
„ Hm, ja, okay, ich muss eine Weile darüber nachdenken. Im Büro.“ Love hat die Kontrolle über seine Stimme wiedergewonnen. „Ist das alles?“
Ein paar Sekunden lang ist alles ruhig, bevor er merkt, dass er ihr ebenso ins Wort gefallen ist, wie sie ihm.
„ Fürs Erste. Offenbar.“ Die braunen Augen sind jetzt wirklich nichts weiter als schmale Schlitze. Und ihr Kiefer sieht angespannt aus. Love tritt unwillkürlich einen Schritt zurück und stößt gegen Gunnar, der nicht rechtzeitig ausweichen kann.
Yazmin nickt kurz und winkt Gunnar zum Abschied zu.
Aber Love fällt auch das Zucken ihres Mundwinkels auf .
***
Love zieht den Overall aus und knöpft die Knöpfe auf, die den Reißverschluss bedecken, während sein Helm schon auf der Bank neben ihm liegt. Er ist allein in der Umkleidekabine und starrt sich im Spiegel an. Das dünne blonde Haar liegt wie ein fettiger Kuchen auf seiner linken Kopfseite. Dreck auf der Wange. Er wischt ihn mit dem Handschuh fort.
Verdammter Reißverschluss…
Er hat sich knapp über dem Nabel verhakt. Stoff zwischen Schieber und Haken. Fest. Und er kann nicht aus dem Overall steigen, weil die Öffnung nicht groß genug ist.
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