Buch lesen: "Verbotene Orte - Der Arzt: Erotische Novelle"

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Vanessa Salt

Verbotene Orte - Der Arzt: Erotische Novelle

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Verbotene Orte - Der Arzt: Erotische Novelle ÜbersetztGesa Füßle Original Förbjudna platser: LäkarenCoverbild / Illustration: Shutterstock Copyright © 2018, 2019 Vanessa Salt und LUST All rights reserved ISBN: 9788726151640

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.

Verbotene Orte

Der Arzt

Hier sind nur lauter alte Leute. Opas mit Stock oder Rollator, die aussehen, als hätten sie ihr Mindesthaltbarkeitsdatum vor langem überschritten, Omas mit fauligem Atem, Omas mit losen Zähnen, Omas mit Bart und last, but not least: die, die reden. Gesellschaftskranke Leute, die Hallo und Wie geht’s zu jedem sagen, der vorbeigeht. Auch zu denen, die deutlich zeigen, dass sie kein Interesse haben; ein Handy, das das halbe Gesicht verdeckt, spricht eine deutliche Sprache.

Jedenfalls für mich.

Außerdem redet man nicht mit Fremden. Nicht hier in Uppsala – und auch nicht in Stockholm. Sowas macht man vielleicht im Ausland.

„Agda. Haben wir hier eine Agda?“

Eine Frau im typischen weißen Kittel blickt ins Wartezimmer. Brille. Kurze Haare. Sie sieht aus, als würde sie hier schon viel zu lange arbeiten. Vielleicht hatte sie mal irgendwelche Ambitionen, wollte einen Job in einem „richtigen“ Krankenhaus, aber ist im Ärztehaus hängengeblieben. Das geht vielen so. Ich bin dankbar für meinen Bürojob, bei dem ich nicht jeden Tag die Ärsche von irgendwelchen Leuten angucken muss.

Ich seufze und setze mich auf dem knarrenden Stuhl zurecht. Wäre mein Handy nicht komplett leer gewesen, hätte ich mehr Spaß gehabt, aber nun habe ich keine Wahl, als die anderen anzusehen. Wie so eine schreckliche Person, neben der man nicht sitzen will, weil sie immer ganz nah an einem dransitzt und einem dann über die Schulter guckt. Weil sie sich nicht selber beschäftigen kann.

Zwei Agdas stehen auf, und die Ärztin muss nachprüfen und die eine dann bitten, sich wieder zu setzen. Drama auf hohem Niveau. Ich will die Uhr checken, aber dann erinnere ich mich. Das Handy. Verdammt.

Nachdem die eine Agda mit der Ärztin das Zimmer verlassen hat, kommt der nächste Arzt rein. Ich starre ihn an.

Starre.

Es kann ja wohl nicht so attraktive Ärzte geben? Allein die Haare … Sie sind so dunkel und wuschelig, als käme er gerade aus einem Sommersturm. Bürstet er die nicht? Oder sehen sie immer so aus, auch wenn er sich anstrengt? Unfassbar sexy ist das. Und der Dreitagebart auch. Sicher ganz schön stachelig, wenn man den anfasst. Mann, würde ich das jetzt gern tun.

Cassandra, reiß dich zusammen! Du weißt doch noch, was das letzte Mal passiert ist, als du versucht hast, mit einem Arzt zu flirten.

Julia, die mich angestachelt hat. Das Kribbeln innendrin. Ich weiß noch, wie ich mein verführerischstes Lächeln rausholte, wie ich das Laken ein bisschen über die Brust runterzog und mehr als nötig mit den Hüften wackelte. Der Plan war, dass der Arzt mich küssen sollte. Knutschen war nicht nötig. Julia saß im Wartezimmer und wartete auf mich.

Ich habe in meinem Leben nicht so was Peinliches erlebt. Der Arzt tastete meine Brust ab – ja, weil ich mir natürlich eine Geschichte mit einem Knötchen ausgedacht hatte – und während er das machte, legte ich meine Hand auf seine Wange und …

Zu schlimm.

Als ob ich je mit so einem Quatsch durchkäme. Ärzte sind Profis. Genauso wenig wie ich im Büro einem Kollegen über den Bart streichen würde, würden die ihre Patientinnen angraben. Wahrscheinlich war das sogar verboten. Alles Lustige ist ja verboten.

„Cassandra“, liest der Mann vom Papier ab. Ich gucke hoch. Freundliche, dunkle Augen treffen meinen Blick.

„Ja?“ Meine Stimme klingt piepsig. Schnell hebe ich meine Handtasche vom Boden auf, stehe auf und zupfe mein Kleid zurecht. Gehe einige Schritte, ohne den Augenkontakt zu verlieren. Und treffe auf seine ausgestreckte Hand.

Aus der Nähe sind seine Pupillen schwarz wie das All und die Iris braun wie Gras im Sonnenuntergang. Seine Hand ist warm. Aber er lächelt nicht. Ist er zu allen so ernst – oder nur zu mir?

„Marco“, sagt er.

„Cassandra.“

„Ich weiß. Kommen Sie mit.“

Ich weiß? Wie lahm kann man sein?

Er dreht sich um und geht vom Wartezimmer in einen langen, engen Flur entlang. Weiß, logisch. Bei Ärzten ist alles weiß. Ich gehe hinterher und nicke freundlich, wenn wir eine Krankenschwester passieren. An den Wänden hängt Kunst. Schuhe klappern auf dem glänzenden Boden. Dann bleibt Marco plötzlich stehen, öffnet eine Tür und gestikuliert mich hinein.

„Setzen Sie sich. Sie können Ihre Tasche da an den Haken hängen, wenn Sie möchten.“

„Danke.“

Er sinkt auf den weinroten Schreibtischstuhl vor dem Computer und ich setze mich auf den Holzstuhl, der offenbar für Besucher vorgesehen ist. Still starrt er auf den einen Bildschirm. Klickt ein bisschen mit der Maus. Scrollt.

Und nun? Ich schlage die Beine übereinander und warte. Sollte er nicht fragen, warum ich hier bin?

Das Tageslicht sickert zwischen den Jalousien hindurch, wo ein paar Pflanzen im Fenster stehen. Die Ränder des Bildschirms sind mit Post-its in verschiedenen Farben bedeckt und an der Wand auf der anderen Seite hängen merkwürdige Geräte. Vielleicht welche für die Ohren?

„Fertig mit der Inspektion?“

Ich zucke zusammen. „Ich inspiziere gar nichts. Ich warte nur, dass wir anfangen.“

„Gut.“ Sein Blick bleibt an meinem hängen. „Also Sie sind hier, um ein paar Leberflecke untersuchen zu lassen, richtig?“

„Ja.“

„Weil Sie Angst vor Krebs haben?“

„Haben das nicht alle?“ Ich ziehe etwas an einem Faden vom Kleid, muss mich auf irgendwas konzentrieren, um nicht das Atmen zu vergessen. „Ich sonne mich gern und möchte das nur sicherheitshalber kontrollieren lassen.“

Er lässt seinen Blick über meine entblößte Haut streifen. Arme, Brustkorb, Beine. Das enge Kleid bedeckt nur die halben Oberschenkel, aber ich hatte heute Morgen nicht viel zur Auswahl. Achtundzwanzig Grad sind wirklich kein Jeanswetter. Glücklicherweise haben sie anscheinend eine Klimaanlage hier drinnen.

Die kostenlose Leseprobe ist beendet.