Buch lesen: "Verbotene Orte: Das Flugzeug - Erotische Novelle"

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Vanessa Salt

Verbotene Orte: Das Flugzeug - Erotische Novelle

Übersetzt

Gertrud Schwarz

Lust

Verbotene Orte: Das Flugzeug - Erotische Novelle ÜbersetztGertrud Schwarz

Original

Förbjudna platser: Flygplanet

Coverbild/Illustration: Shutterstock

Copyright © 2018, 2020 Vanessa Salt und LUST

All rights reserved

ISBN: 9788726386332

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.

Verbotene Orte
Das Flugzeug

„Herrgott noch mal! Müssen Sie das wie ein Hund in sich reinschlingen? Und das stinkt.“

Ich halte beim Kauen inne. Sehe nach rechts. Die adrette Bürofrau starrt mich an. Lesebrille aus Horn, Dutt im Nacken und einen Stapel Bücher auf dem Schoß. Aufgeschlagene, zerlesene Bücher. Mehrere.

Gibt es solche Leute wirklich?

Sie sieht wie ein Klischee aus. Beige-grau angezogen mit viereckiger Handtasche. Sicher hat sie Absatzschuhe an. Wie alt ist sie – achtzig? Sie ist offensichtlich jung, vielleicht fünfunddreißig, aber sie trägt Klamotten wie eine alte Oma. Außer den Rock. Vielleicht. Der ist ein wenig hochgerutscht und hat einen langen Schlitz, durch den man die helle Haut sehen kann, fast bis zur Höschenkante. Bilde ich mir das ein? Hat sie ein Höschen an?

„Na?“ Sie nickt zu meinem Brötchen. „Könnten Sie aufhören zu essen oder sich wenigstens wegdrehen?“

Ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Wertes Fräulein, ich bitte vielmals um Entschuldigung. Es war natürlich nicht meine Absicht, hier etwas in mich reinzuschlingen.“

„Sie klingen ironisch.“

„Finden Sie?“

Sie rümpft die Nase. „Diese Einstellung wird Sie eines Tages teuer zu stehen kommen.“

„Wenn Sie das sagen.“ Ich drehe mich so gut wie möglich im Sitz weg und drücke mich ans Fenster. Meine Hand zittert. Ich hoffe, wir fliegen bald los, sodass ich richtig essen kann. Die Bitch hat vielleicht damit recht, dass ich schlinge, aber es ist auch nicht so einfach, im Flugzeug zu essen.

Draußen fährt der Asphalt vorbei. Aschgrau und hässlich, mit weißen Linien drauf. Der Himmel ist bewölkt, die Luft diesig. Es ist schön, Stockholm hinter sich zu lassen. Den Winter. Gewiss ist es ein milderer Winter als sonst, aber kalt ist es trotzdem. Drei Grad Plus und Regen. Der Regen hängt in der Luft, bereit, sich auf uns zu werfen. Aber dann sind wir sicher schon hoch über den Wolken.

Es knarzt in den Lautsprechern.

Hallo und herzlich willkommen an Bord von Scandinavian Airlines. Ich heiße Johanna Svahn und bin Ihre Pilotin. Ich werde Sie heute nach New York fliegen.

Unglaublich, endlich mal versteht man, was die sagen.

Unser Copilot ist Nathan Wills hier neben mir. Unsere Reise wird voraussichtlich acht Stunden und fünfzehn Minuten dauern. Die Wetteraussichten sind gut. Möglicherweise wird es etwas turbulent gegen …

„Verdammte Scheiße. Mist.“

Ich ziehe den Gurt fester an und werfe einen Blick nach rechts. Die verbiesterte Frau wühlt in ihrer Handtasche. Sie steht auf der Spitze des Buchbergs und die Frau scheint nicht finden zu können, was sie sucht. Jedenfalls nehme ich das an, so, wie sie flucht.

verstehe, dass einige einfach zwischenlanden würden, aber Sie müssen verstehen, dass …

„Miss.“ Eine Flugbegleiterin wedelt mit der Hand vor der Frau herum. „Stellen Sie die Tasche an Ihre Füße.“

Die Bitch gibt mit einem falschen Lächeln auf, rollt mit den Augen und tut wie geheißen. Es klirrt, als ihre Handtasche auf dem Boden aufkommt. Etwas stößt gegen meinen Schuh und rollt unter den Sitz.

„Die Bücher auch, bitte.“

Ohne ein Wort befolgt meine Sitznachbarin auch das, aber die Atmosphäre um sie herum ist mit Eiskristallen gefüllt. Die Bücher landen unordentlich zu unseren Füßen. Warum hat sie die überhaupt mitgenommen? Sie ist die reinste wandernde Bibliothek.

Die Flugbegleiterin geht fort und die Frau wendet sich zu mir. „Was gucken Sie so, Landei?“

„Landei?“

„Nennt man die Leute nicht so, die mit karierten Hemden und löchrigen Jeans rumlaufen?“ Sie spitzt den Mund mit erhobenem Kinn. „Haben Sie die so gekauft, oder gehen Sie einfach schlecht mit Ihren Sachen um?“

„So gekauft.“

„Also glauben Sie, das ist cool?“

Ich schiebe mir den Rest meines Brötchens rein und kaue demonstrativ. Es drückt gegen die Backen. Schmeckt nach Knoblauchsauce. „Ich fand sie hübsch.“

„Hey, man redet nicht mit Essen im Mund.“

Ich schlucke runter. Zu schnell, es brennt im Hals. „Dafür, dass Sie mich so eklig finden, sind Sie aber sehr social, Blondie. Wollen Sie nicht lesen?“

„Blondie?“

„Sie sind doch blond, oder nicht?“ Ich linse zum Dutt. „Sieht ziemlich blond aus.“

Sie schnaubt. „Ist gefärbt.“

„Lassen Sie mich jetzt in Ruhe oder nicht?“

Sie seufzt, beugt sich nach vorne und sieht in den Fußraum. Oder vielmehr in den Fußraum, den wir eigentlich hätten, wenn ihr Kram da nicht überall liegen würde. Wie die schlimmste Schummlerin hebt sie zwei der Bücher wieder auf. Dann stellt sie sie neben sich auf den Sitz, ordentlich, mit den Buchrücken nach oben. Als ob das ein bestimmtes Ritual für sie wäre. Oder als ob die Nähe der Bücher ihr Sicherheit gibt, und der Duft nach Staub und Buchseiten.

teilweise klar mit Regenwahrscheinlichkeit, aber im Vergleich zu Stockholm ist es …

Ich lehne mich ans Fenster. „Darf ich fragen, warum Sie so verbittert sind?“

„Das würde zu weit gehen, Cowboy.“

„Sorry.“ Was kann man ihr noch für lustige Namen geben? Puppe? Adlibris? Bibliothek, oder reicht Bitch vielleicht einfach?

„Barbie.“ Ich sage das eher zu mir selbst, aber die Frau scheint es gehört zu haben. Sie fingert an den Buchrücken herum. Klappert irritierend herum. Dumpf, aber unangenehm. Lange, angemalte Fingernägel in meinem Augenwinkel.

„Woher wussten Sie das?“

„Was?“

„Dass ich Barbie genannt werde.“

„Ach, darling.“ Ich starre in die graue Welt da draußen. Betrachte den Asphalt, das Gras und die Pfosten. Graues Gras. Im Hintergrund der graue Wald vor dem weißen Himmel. „Das habe ich nur geraten.“

„Ich heiße Bianca.“

Stellt sie sich mir gerade vor? Habe ich das Ungeheuer gezähmt? Sie klingt ehrlich. Als ob sie aus irgendeinem Grund möchte, dass ich ihren Namen weiß. Warum sollte sie das wollen? Ich dachte, sie verabscheut mich. Was habe ich gesagt, dass sie ihre Meinung geändert hat?

Dass mich das überhaupt interessiert. Mit Fremden reden ist echt nicht mein Ding. Ich habe eine lange Reise vor mir und allein der Gedanke, neben einer plappernden Frau zu sitzen, verursacht eine Gänsehaut bei mir. Nicht, dass ich etwas gegen Frauen hätte – überhaupt nicht. Ich habe etwas gegen Menschen im Allgemeinen. Gegen die sozialen, die gern in Gesellschaft sind. Ich will in Ruhe gelassen werden. Alleine sitzen.

Bianca, ich reise nicht ohne Grund alleine. Ich will keine Gesellschaft haben. Und ganz sicher nicht von dir. Verstanden?

Seufz. Nein, das kann ich nicht sagen. Wenn ich doch nur gemeiner wäre. Das wäre toll. Wie einfach mein Leben dann wäre.

„Jack“, sage ich schließlich, ohne ihr die Hand zu reichen. Das wäre zu viel, aber ich werfe ihr immerhin einen Blick zu, um nicht allzu unsozial rüberzukommen. Lächle unbeholfen, aber reserviert. Versuche durch meinen Gesichtsausdruck zu zeigen, dass ich freundlich bin, aber nicht mehr mit ihr zu tun haben möchte.

wünschen wir Ihnen eine gute Reise.

Die Lautsprecher verstummen und das Brummen geht los. Lautes Brummen. Ich scheine direkt an den Motoren zu sitzen. Wunderbar. Die Stimmen der Passagiere verschwinden. Ich weiß nicht, ob sie verstummt sind oder ob das Flugzeug einfach zu laut ist. Es wird schneller, eilt die Startbahn entlang und die Flugbegleiterinnen schnallen sich an. Klick, klick, klick. Wir werden noch schneller. Ich habe einen leichten Druck auf der Brust – wie einen Turbo.

Ich schiele erneut nach rechts.

Bianca starrt in den Sitzbildschirm, obwohl er aus ist. Ihre dünnen Finger klammern sich an die Bücher. Sie trägt beige-rosa Nagellack, der an den Kanten abgeplatzt ist. Sie kaut also an den Fingernägeln. Ihr Kinn zittert und wenn ich mich nicht täusche, läuft ihr eine Träne über die Wange. Eine weitere wartet im Augenwinkel.

Ich lehne mich zu ihr. „Alles klar?“

„Was?“ Sie flüstert, bewegt kaum einen Muskel. Ihre Augen sind so weit geöffnet, dass man das Weiß rund um ihre Iris sieht. Voller Äderchen.

Jetzt, wo ich drüber nachdenke, sieht sie ziemlich müde aus. Irgendwie fertig. Die geschmacklose Bluse hat kleine Kaffeeflecken auf dem einen Ärmel, Haarnadeln sind aus dem Dutt gefallen und die Naht vom Rock sitzt schief. Sie scheint sich eilig geschminkt zu haben – sie hat leichte schwarze Striche auf der Wange und ihre Vorderzähne sind rotmeliert.

„Ich meine, geht es Ihnen gut?“

„Warum sollte es nicht? Oh!“

Wir heben ab.

„Flugangst?“

Sie nickt.

Ich weiß nicht, welcher Instinkt mich gerade leitet. Sicher etwas Primitives, Ursprüngliches. Eine beschützende Eigenschaft, von der ich bisher nichts wusste. Aber ich nehme ihre Hand und halte sie fest. Die Hand einer Fremden. Hätte ich mir vor einer Stunde vorgestellt, dass ich die Hand einer Fremden halten würde, ehe der Tag vorbei war, hätte ich darüber gelacht. Über den Witz. Denn Jack tut so etwas nicht. Ihm würde niemals einfallen, so etwas Dummes zu tun. Nein, nicht einmal für eine Frau.

Biancas Hand ist kühl und ihre Finger stärker, als ich gedacht hätte. Es fühlt sich gut an, ihre Hand zu halten. Richtig. Und sie wehrt sich nicht dagegen. Sie scheint es auch zu wollen.

„Vielleicht“, flüstert sie, als hätte sie vergessen, dass sie bereits genickt hatte.

Plötzlich sieht sie fahl aus. Elend. Ihre Lider flattern und ihre Lippen bewegen sich. Ich würde sie gern in den Arm nehmen. Ihr sagen, dass alles gut wird, ihr die Statistik aufzeigen und ihr erzählen, wie oft ich schon geflogen bin. Es gibt nichts, wovor sie Angst haben müsste. Ich will ihr über die Haare streichen.

Reiß dich zusammen, Jack.

Ich lächle. Diesmal richtig. „Reden hilft. Was hast du in New York vor?“

Sie sieht mich an, als wäre ich ein Außerirdischer. Antwortet nicht.

„Ich verspreche, dass das hilf… Au!“ Sie lockert den Griff, aber nicht viel. „Berufliche Reise?“ Ich quetsche die Worte hervor, man muss mir anhören, wie weh sie mir tut. Ihre Nägel bohren sich in mein Fleisch.

Sie nickt steif.

„Und du arbeitest als …?“

„Schule“, zischt sie. „Schulleitung.“

Das erklärt alles. Die Bücher, die steife Art. Das tantige Outfit, das Dominanz und Webstuhl in sich vereint. Zu fein für eine Bibliothekarin, zu beige für eine Anwältin und viel zu unschön für eine Sekretärin. Direktorin passt perfekt. Mangelnder Charme und herablassende Art ist wahrscheinlich ein Teil der Jobbeschreibung.

„Werbung“, antworte ich auf die Frage, die sie nicht gestellt hat. „AD.“

Man sieht ihr an, dass sie mich nicht versteht. Ihre Augen flackern.

Die kostenlose Leseprobe ist beendet.