Buch lesen: "Der Geist: Erotische Novelle"
Vanessa Salt
Der Geist: Erotische Novelle
Gertrud Schwarz
Lust
Der Geist: Erotische Novelle ÜbersetzerinGertrud Schwarz Original AndenCopyright © 2019, 2020 Vanessa Salt und LUST All rights reserved ISBN: 9788726320978
1. Ebook-Auflage, 2020
Format: EPUB 2.0
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Metadata: erotik, begierde, lust, genuss, leidenschaft, hetero, frau, mann, geist, mystik
Amanda ist eigentlich eine gewöhnliche Frau, aber sie ist sexuell frustriert und versteht die Männerwelt nicht. Eines Tages findet sie einen kleinen Glasflakon, der sie geradezu hypnotisiert. Als sie das Fläschchen öffnet, kommt ein Flaschengeist hervor, der ihren Körper vor Sehnsucht brennen lässt. Soll sie sich wirklich dem Geist hingeben, ihn ihre Wünsche erfüllen und sie gleichzeitig ausfüllen lassen?
„Der Geist“ ist eine spannende erotische Kurzgeschichte mit einer Mischung aus Lust und Mystik.
Noch ein Schwimmer kentert und ich muss so lachen, dass mir die Limo aus der Nase kommt. Nicht, weil ich unbedingt hier sein will – tatsächlich wollte ich schon vor einer Stunde gehen – aber es ist nicht lustiger, wenn man es tut.
„Musst du immer so schadenfroh sein?“ Elvira schüttelt theatralisch den Kopf, während sie die karierte Decke unter uns zurechtzupft. „Das war mein Bruder, der da gekentert ist.“
„Er wird es wohl überleben.“
Es ist der dreizehnte April in Uppsala und das heißt Floßrennen auf dem Fyrisfluss. Die Technikstudenten der Universität zeigen stolz ihre Flöße, während sie sich vor Tausenden erniedrigen. Klar, einige fallen nicht in den kleinen Wasserfall – aber nicht viele.
Jedenfalls dieses Jahr nicht.
Obwohl die Kälte schwer in der Luft hängt, ziehen sie sich Schwimmwesten und alberne Klamotten an und klettern auf ihr selbstgebautes Floß. Recipe for disaster for disaster, wenn man mich fragt. Das Schauspiel anzusehen ist eine Art Pflicht, wenn man hier wohnt. Jedenfalls, wenn man jemanden kennt, der teilnimmt, und das tue ich. Leider.
Die Luft ist voller Stimmengewirr, das Publikum hängt über dem Geländer, Rotzgören schwenken ihre Pimmelballons (ja, so etwas gibt’s) und Teenagerinnen bahnen sich durch Umarmungen den Weg zum One-Night-Stand. Direkt am Steg war kein Platz zu kriegen, deshalb haben Elvira und ich uns stattdessen ans Wasser gesetzt. Hier ist nicht so viel Action. Ab und zu tauchen neue Flöße unter der Brücke rechts auf, aber erst wenn sie am ersten Wasserfall sind, beginnt der Spaß. Von hier aus kann man die kenternden Flöße nur erahnen. Elvira macht das nichts aus, sie ist vor allem an den unterschiedlichen Bauarten interessiert. Manchmal jauchzt sie auf, wenn extra ungewöhnliche Flöße vorbeikommen, wie eben, als ein großer Penis vorbeitrieb. Alle, die auf dem Floß „ritten“ waren halbnackte junge Frauen. In den Schwimmwesten konnte man Busenspalten und nasse Haut erahnen.
Jetzt sehe ich nur noch ihre Rücken, aber ich weiß noch, wie ihre Arme von den Wassertropfen glänzten. Es wurde ganz still, als sie vorbeiglitten. Jemand lachte auf, aber wir anderen ließen ihn mit Blicken verstummen. Sexy Pferdeschwänze und ein kollektives Kichern von den Floßbesitzerinnen. Lange Hälse und schlanke Beine. Vermutlich hatten sie wegen der Kälte Gänsehaut.
Manchmal muss ich hinstarren, wenn ich Frauen sehe, die Modelmaße haben. Ich weiß, dass ich mich nicht mit ihnen vergleichen sollte, aber das ist schwierig. Ich selbst sehe gewöhnlich aus, mit meiner bleichen Haut und den kohlschwarzen Haaren. Ich verschmelze mit meiner Umgebung. Wenn ich nicht alle drei Monate meine Haare färben würde, wären sie straßenköterblond, und ich würde noch mehr verschmelzen – oder sogar verschwinden. Wird mich je ein Mann so ansehen, wie die Männer die Frauen auf dem Floß anglotzen?
„Amanda, was ist das?“ Elvira knufft mich und zeigt zum Flussufer, wo die Steintreppe mit den drei Stufen im Wasser verschwindet. Ihre blonden Haare locken sich unter der Mütze und sie lächelt so aufgeregt, wie nur sie es kann.
„Was denn?“
„Da glänzt was. Ach, das ist wahrscheinlich nichts.“ Sie wendet sich wieder den Flößen zu. „Guck mal, ein Drachenfloß!“
Einige Sekunden später sehe ich es auch. Etwas Kleines, das an der Wasseroberfläche glänzt. Kann es von einem kaputten Floß stammen? Was auch immer es ist, es sieht spannend aus.
Während Elvira in eine andere Richtung guckt, erhebe ich mich von der Decke und gehe im Zickzack zwischen den Zuschauern durch, die ebenfalls diesen Aussichtsplatz gewählt haben. Es dauert nicht lange, bis ich an der Treppe bin. Die Frühlingskälte sticht in den Wangen, es scheint stärker zu werden, je näher ich ans Wasser komme, aber ich muss wissen, was da so glänzt.
Mein Herz schlägt wie wild, als ich die Hand zur Oberfläche ausstrecke. Elvira ruft mich, glaube ich, aber ihre Stimme ist weit weg. Alles ist weit weg. Als ob alles außer mir und dem Ding im Nebel versunken ist.
Das Ding ist ein bisschen weitergeschwommen. Ist es nicht grünlich? Doch. Und geriffelt. Bald komme ich dran. Ich strecke mich noch ein bisschen, weil ich den Fuß nicht noch weiter runtersetzen will und dann nass werde, wenn das Wasser die Steintreppe überspült. Ein bisschen noch. Die Fingerspitzen kommen dran, dann die Handfläche. Ich schließe die Hand um das nasse Glas. Atme aus. Es ist glatt, aber ich habe es.
Sofort kehren die Geräusche zurück. Aufgeregte Stimmen, die den Studierenden zujubeln, heulende Kinder und die gellende Mikrofonstimme, die den aktuellen Stand vom Wettbewerb mitteilt.
Ich setze mich so weit wie möglich von den anderen entfernt hin, und erst als ich sicher bin, dass sie mich in Ruhe lassen werden und dass niemand hersieht, öffne ich die Hand und sehe es mir an. Ein Schauer läuft mir vom Nacken den ganzen Rücken herab. Mir ist kalt und warm gleichzeitig. Ich bin aufgeregt und ganz ruhig.
In meiner Hand liegt ein Glasflakon, der sehr hübsch ist. Er ist nur so groß wie die Handfläche, der Flaschenhals guckt zwischen den Fingern hervor. Er würde in einen Antikladen in Östermalm passen, denn er sieht wirklich uralt aus. Kleine, glatte Rillen bedecken die Seiten und ich nehme an, dass sie wie Fischschuppen aussehen sollen, denn die Flaschenöffnung sieht aus wie ein geöffneter Fischmund. Die Details sind geschickt herausgearbeitet und der Hersteller muss dafür Hunderte Stunden gebraucht haben.
Ich wackle an dem kleinen Korken, der die Flasche verschließt. Nicht, weil etwas darin zu sein scheint – keine spannende Mitteilung und keine Flüssigkeit mit magischen Kräften. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick.
„Amanda! Was machst du?“
Elviras aufgeregte Stimme durchbricht den Nebel. Schnell verstecke ich das Fläschchen in meiner Handtasche, schließe den Reißverschluss und sehe auf.
Zeit, wieder ins Gewühle zurückzukehren.
***
Sobald ich zu Hause bin, hole ich den Flakon hervor und stelle ihn auf den Tisch im Flur. Starre ihn an. Dann ziehe ich meine Schuhe und Jacke aus, stelle die Tasche weg und überlege, was ich tun soll.
Ich sollte ihn öffnen.
Oder? Wäre es nicht besser, ihn irgendwo abzugeben? Er gehört sicher jemandem, der unglaublich viel Zeit investiert hat, um ihn herzustellen. Ihn zu behalten wäre eventuell sogar Diebstahl.
„Miau.“
„Hallo, Schätzchen.“ Ich beuge mich nach unten und schmuse ein bisschen mit Artemis. Sie miaut laut, während ich ihr weiches, hellgraues Fell streichle. Es dauert ein Weilchen, bis sie zufrieden von dannen zieht.
Ich nehme den Flakon und nehme ihn mit ins Schlafzimmer. Dort stelle ich ihn auf den Nachttisch. Auf jeden Fall ist er eine hübsche Deko – aber ich spüre, dass er mehr sein kann. Obwohl ich hungrig bin und aufs Klo muss, setze ich mich im Schneidersitz auf das ungemachte Bett und bearbeite den Korken. Ich muss kontrollieren, dass wirklich nichts drin ist.
Als ich an dem Korken wackle, dauert es nicht lange, bis er nachgibt. Mit einem Plop fliegt er heraus und nimmt eine Wolke eingeschlossener Luft mit. Ich niese und muss die Augen schließen. Als ich sie wieder öffne, sehe ich, wie … nein, das kann nicht sein.
Oder?
Der Nebel nimmt die Form von etwas Großem, Lebendem an. Vor meinen Augen formt sich ein Geist. Er sieht wirklich wie ein Geist aus einem Film aus, nur ein bisschen wirklichkeitsgetreuer. Seine Haut ist nicht blau oder irgendwie richtig existent. Eher bildet die durchsichtige Luft einen Männerkörper. Breite Schultern, nackter Oberkörper und ein Bauch, der nach allzu vielen Sit-ups aussieht.
Oder nach genau richtig vielen.
Man könnte glauben, dass eine Macht von oben meine Gebete erhört hat, einen Mann zu finden. Jemand glaubt eindeutig, dass ich schon zu lange Single gewesen bin. Andererseits hat der Geist keine Beine und somit auch nichts zwischen den Beinen, was das Ganze etwas …
„Wo bin ich?“, donnert eine Stimme, tief wie ein Gewitter. „Wo bin ich?“
„Äh, bei mir zu Hause.“
Passiert das gerade wirklich? Ich habe immer geglaubt, dass es auf der Welt mystische Wesen gibt, aber das hier scheint mir doch zu unglaublich zu sein. So etwas passiert in echt nicht.
Die kostenlose Leseprobe ist beendet.