Buch lesen: "Deutsch als Zweitsprache in der Schule"

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Der Autor

Apl. Prof. Dr. Stefan Jeuk studierte Sonderschulehramt und arbeitete als Sonderschullehrer. Er promovierte zum Zweitspracherwerb mehrsprachiger Kinder in Kindertageseinrichtungen. Zurzeit lehrt er am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und leitet dort das Sprachdidaktische Zentrum. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Zweitspracherwerb und Mehrsprachigkeit, Schriftspracherwerb sowie Anfangsunterricht im Deutschunterricht der Grundschule.

Stefan Jeuk

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5., überarbeitete Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

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ISBN 978-3-17-039002-7

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Geleitwort

Die großen internationalen Vergleichsstudien zu Schul- und Schülerleistungen vom Beginn des Jahrhunderts haben spürbare Innovationen im gesamten Bildungssystem bis hinein in die konkreten unterrichtlichen Praktiken mit sich gebracht. Auch die Forschungslandschaft rund um das Lehren und das Lernen wurde durch diese Impulse nachhaltig beeinflusst und wirkt ihrerseits weiter auf die Entwicklung von Schule und Unterricht ein.

Eine der Lehren aus diesen Studien war die Anerkennung der Notwendigkeit von Interdisziplinarität: Lehren und Lernen, wissenschaftlich betrieben, kann nur durch das Zusammenspiel pädagogischer, psychologischer, fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Theorien und Befunde befriedigend erklärt und gesteuert werden. In der pädagogischen Praxis kann keine Lerntheorie ohne Bezug auf eine konkrete Inhaltsdomäne und keine Lehrmethode ohne Curriculumsbezug und ohne Beachtung der individuellen Lernvoraussetzungen erfolgreich sein. Die je eigenen Perspektiven und Erkenntnisse der Psychologie, der Pädagogik und der beiden schulisch zentralen Fachdidaktiken Mathematik und Deutsch, vertreten in den Disziplinen der Herausgebenden, sollen in den einzelnen Bänden dieser Reihe jeweils zu einem kohärente Gesamtbild zusammengeführt werden. Neben der Interdisziplinarität liegt besonderer Wert auf einer – weit verstandenen – Empirie: Erfahrungswissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse zum Lehren und Lernen stehen jeweils im Mittelpunkt der Darstellung. Schließlich fokussieren alle Bände der Reihe den Anwendungsbezug: Die entfalteten Themen, Diskurse und Fachgebiete sind jeweils unmittelbar bedeutend für Schule und Unterricht. Insgesamt präsentieren die Bände die wichtigsten unterrichtlich relevanten Forschungsthemen und -ergebnisse aus den unterschiedlichen Disziplinen.

Die vorliegende Reihe umfasst thematisch den Vorschul-, Grundschul- und weiterführenden Schulbereich bis etwa zur zehnten Klassenstufe. Konzipiert ist sie für (zukünftige) Lehrende, auch für PädagogInnen und PsychologInnen in weiteren Anwendungsfeldern im Bildungssystem. Mit dem »Lehren und Lernen« werden die oben angesprochenen politisch-praktischen Veränderungen im pädagogischen und fachlichen Feld und in der Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern aufgegriffen, indem die Ergebnisse der empirischen Forschung in den zentralen Bereichen des Lehrens und Lernens aus interdisziplinärer Perspektive für professionelle Anwender verständlich und kompakt dargestellt werden.

Andreas Gold, Cornelia Rosebrock, Renate Valtin & Rose Vogel

Inhalt

1  Geleitwort

2  Vorwort

3  Einleitung

4  1 Deutsch als Zweitsprache in Deutschland

5  1.1 Begriffsbestimmung

6  1.2 Bildungsbenachteiligung

7  1.3 Deutsch als Zweitsprache als Bildungsaufgabe in der Schule

8  2 Zweitspracherwerb

9  2.1 Kindliche Sprachaneignung

10  2.2 Zweitspracherwerbstheorien

11  2.3 Einflussfaktoren auf den Zweitspracherwerb

12  2.4 Der Einfluss der Erstsprache

13  3 Verlauf des Zweitspracherwerbs und Lernschwierigkeiten

14  3.1 Alltagskommunikation und Bildungssprache

15  3.2 Zweitspracherwerb im Vorschul- und Schulalter

16  3.3 Schwierigkeiten beim mündlichen Sprachgebrauch

17  3.4 Schwierigkeiten beim schriftlichen Sprachgebrauch

18  3.5 Mehrsprachigkeit und Behinderung

19  4 Sprachstandserhebung und Leistungsbewertung

20  4.1 Aufgaben und Ziele von Sprachstandserhebungen

21  4.2 Standardisierte Verfahren

22  4.3 Informelle Verfahren

23  4.4 Fehleranalysen und die Frage der Leistungsbewertung

24  5 Pädagogische und didaktische Modelle

25  5.1 Migrationspädagogik

26  5.2 Modelle zweisprachiger Erziehung

27  5.3 Didaktische Modelle des DaF-Unterrichts

28  5.4 Didaktische Modelle des DaZ-Unterrichts

29  6 Methoden der Sprachförderung und des Sprachunterrichts

30  6.1 Sprachförderung im Elementarbereich

31  6.2 Sprachunterricht und Sprachförderung in der Schule

32  6.3 Spezielle Methoden des Sprachunterrichts und der Sprachförderung

33  Literatur

34  Stichwortverzeichnis

Vorwort

Sehr viele Kinder und Jugendliche wachsen in Deutschland mehrsprachig auf. Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher werden jedoch nicht immer ausreichend auf diesen Umstand vorbereitetet. In Bildungsplänen und Beschlüssen der Kultusministerkonferenz findet sich häufig ein Verweis auf die Kompetenzen der mehrsprachigen Lernenden und die Vorgabe, dass diese Kompetenzen wertgeschätzt und in den Unterricht und die Förderung einbezogen werden sollen. In der Praxis werden mehrsprachige Kinder und Jugendliche jedoch häufig als Problemgruppe wahrgenommen.

Meine Auseinandersetzung mit dem Thema begann Anfang der 1990er Jahre mit meiner Arbeit als Sonderschullehrer für sprach- und lernbehinderte Kinder: In der Praxis hatte ich viele mehrsprachige Kinder, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hatten, in meiner Ausbildung hatte ich jedoch keine Kompetenzen hinsichtlich des Umgangs mit mehrsprachigen Kindern erworben. Obwohl im Studium der Sprachbehindertenpädagogik das Thema Spracherwerb einen Studienschwerpunkt bildete, stand hier ausschließlich der Erwerb einer Sprache im Fokus. Wie mehrsprachige Spracherwerbs- und Bildungsprozesse ablaufen, wurde nicht diskutiert. Dies hat sich in den letzten Jahren geändert, im Arbeitsbereich »Deutsch als Zweitsprache« sind einige erfreuliche Entwicklungen zu beobachten.

Seit 1999 befasse ich mich auch wissenschaftlich mit diesem Thema, und ich musste feststellen, dass es auf die komplexe Frage, wie mehrsprachige und heterogene Lerngruppen am besten unterrichtet werden können, keine einfachen Antworten gibt; vieles ist noch ungeklärt, und manches lässt sich auch nicht ohne Weiteres klären. Meine Erfahrungen und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema »Deutsch als Zweitsprache« bilden die Basis dieses Bandes. Einige Inhalte sind bereits in anderen Publikationen vorgestellt worden, neu ist jedoch die Orientierung an der Zielgruppe der Lehrkräfte und der Versuch, eine Reihe von konkret handhabbaren Vorschlägen in die Erörterungen einzuflechten. In diesem Band wird versucht, eine Zusammenfassung der wichtigsten Grundlagen des Unterrichts mit mehrsprachigen Lerngruppen vorzulegen. Das Thema wird so aufbereitet, dass Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sich möglichst viele Grundlagen aneignen können, die sie für ihren pädagogischen Alltag benötigen.

Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen, die mich in den letzten Jahren bei meiner Arbeit unterstützt haben, vor allem Elke Grundler und Joachim Schäfer für vielfältige Korrektur- und Überarbeitungsvorschläge. Außerdem danke ich dem Kohlhammer-Verlag, insbesondere Ulrike Albrecht, sowie den Herausgeberinnen und dem Herausgeber der Reihe für ihre umfangreiche Unterstützung. Mein besonderer Dank gilt jedoch allen Kindern und Familien, mit denen ich im Laufe meiner Forschungstätigkeiten zusammenarbeiten durfte. Ihre Offenheit und Bereitschaft zur Zusammenarbeit bildet die Basis aller meiner Untersuchungen.

Ludwigsburg, im Januar 2010 Stefan Jeuk

Für die Neuauflage wurde der Text korrigiert und geringfügig überarbeitet, dabei wurden aktuelle Entwicklungen berücksichtigt. Ich danke Esin IsilGülbeyaz für wichtige Korrektur- und Überarbeitungsvorschläge. Ludwigsburg, im Januar 2013 Stefan Jeuk

Für die dritte Auflage wurde der Text überarbeitet und ergänzt, hierbei wurden aktuelle Entwicklungen berücksichtigt. Neu hinzugekommen ist ein Kapitel zu Mehrsprachigkeit und Behinderung ( Kap. 3.5). Insbesondere Kapitel 6 wurde um aktuelle Ansätze erweitert. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen für ihre Unterstützung und für hilfreiche Hinweise. Insbesondere danke ich den Kolleginnen und Kollegen am Sprachdidaktischen Zentrum der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg für die intensive und überaus gewinnbringende Zusammenarbeit.

Seit der Erstauflage des Bandes im Jahr 2010 hat sich der Arbeitsbereich »Deutsch als Zweitsprache« gemeinsam mit der Mehrsprachigkeitsforschung in Deutschland zu einem äußerst dynamischen und vielfältigen Arbeitsbereich entwickelt. Dazu beigetragen hat unter anderem der von Bernt Ahrenholz initiierte Workshop »Deutsch als Zweitsprache, Migration und Mehrsprachigkeit«, der im Jahr 2019 zum 15. Mal stattfand. Bernt Ahrenholz verstarb im November 2019 zu unserer großen Bestürzung kurz vor Stattfinden des Workshops. Ihm ist diese Überarbeitung gewidmet.

Für die 5. Auflage wurde der Text erneut überarbeitet und ergänzt. Insbesondere die Kapitel 1, 2 und 5 wurden aktuellen Entwicklungen angepasst. Ich danke allen Kolleg*innen des Workshops und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, insbesondere den Mitarbeiter*innen des Sprachdidaktischen Zentrums, für vielfältige Anregungen, Hinweise und Kritik.

Ludwigsburg, im Herbst 2020, Stefan Jeuk

Einleitung

Es herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass mehrsprachige Kinder und Jugendliche im Laufe der Schulzeit nicht immer den Sprachstand in der Zweitsprache Deutsch erreichen, der notwendig wäre, um ohne zusätzliche Sprachförderung gemeinsam mit deutschen Kindern nach einheitlichen Bildungsstandards beschult zu werden. Mehrsprachige Schüler*innen weisen signifikant häufiger einen sonderpädagogischen Förderbedarf auf oder besuchen eine Schulform, die nicht zum Abitur führt, als einsprachig deutsche Schüler*innen, dafür besuchen vergleichsweise weniger mehrsprachige Jugendliche ein Gymnasium. Die Gründe für die Bildungsbenachteiligung sind nicht immer auf individuelle Lernschwierigkeiten zurückzuführen, sondern auch auf Defizite auf Seiten der Bildungseinrichtungen. Ein Aspekt hiervon ist, dass es an einsprachig (= monolingual) verfassten Schulen nur wenige konzeptionelle Überlegungen gibt, wie mit Mehrsprachigkeit umzugehen sei. Häufig wird davon ausgegangen, dass der Erwerb zweier Sprachen im Prinzip kein Problem sei und dass es im Vorschulalter gelingen müsse, Deutsch als Zweitsprache so zu erwerben, dass eine Beschulung gemeinsam mit einsprachig deutschen Kindern problemlos möglich sei.

Schwierigkeiten und Defizite beim Erwerb der Zweitsprache Deutsch führen im Lauf der Schulzeit unter Umständen zu immer größeren Lernschwierigkeiten, die sich auch auf die Sachfächer auswirken. Die Kompetenzen in den Herkunftssprachen der Kinder spielen hingegen in der deutschen Schule kaum eine Rolle. So werden mehrsprachige Kinder häufig als Defizitträger wahrgenommen, da sie von Beginn der Schulzeit an mit einsprachig deutschen Kindern verglichen werden, die nur in einer Sprache kommunizieren müssen und die zum Zeitpunkt der Einschulung in der Regel, soweit es sich nicht um Kinder aus gravierend soziokulturell benachteiligenden Verhältnissen oder um sprachbehinderte Kinder handelt, die Unterrichtssprache altersgemäß beherrschen.

Ein anderer Zusammenhang wird bei der Interpretation der Ergebnisse internationaler Studien deutlich: Schüler*innen mit einem sogenannten Migrationshintergrund sind im deutschen Schulsystem erfolgreicher, wenn man sie mit denjenigen deutschen Kindern und Jugendlichen vergleicht, die unter denselben benachteiligenden sozialen Umständen leben. Die starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft trifft diese Schüler*innen in besonderem Maße. Im schulischen Alltag vermischen sich in der Wahrnehmung häufig soziale und migrationsbedingte Aspekte. Es kann davon ausgegangen werden, dass vieles, was in den Augen der Lehrkräfte migrationsbedingte oder kulturelle Differenzen sind, auf sozioökonomische Differenzen zurückzuführen bzw. ein Ergebnis komplexer soziokultureller Wechselwirkungen ist.

In den sozialen Bedingungen ist nur ein Grund für die Bildungsbenachteiligung zu sehen. Ein anderer liegt darin, dass viele mehrsprachige Kinder in Kindergarten und Grundschule nicht ausreichend gute Gelegenheiten haben, sich die deutsche Sprache angemessen anzueignen. Mehrsprachige Kinder, die viele Kontakte zur Zweitsprache Deutsch haben, haben auch wenig Probleme, die deutsche Sprache zu erwerben. Darüber hinaus scheint die Qualität der vorschulischen und schulischen Sprachförderung eine entscheidende Rolle zu spielen. Erst in den letzten Jahren wurde deutlich, dass sprachliche Fähigkeiten, die vielfach als Voraussetzung für schulische Bildung gesehen werden, im Kindergarten und in der Schule erst noch vermittelt werden müssen.

Aus dem Gesagten ergibt sich zweierlei: Zum einen ist die Förderung der Zweitsprache Deutsch bei mehrsprachigen Kindern genuine Aufgabe von Kindertageseinrichtungen und Schulen. Eine zentrale Aufgabe kommt hier dem Deutschunterricht zu, da im Verlauf des Schriftspracherwerbs und des weiterführenden Lese- und Schreibunterrichts bestimmte sprachliche Formen, die eben für die Schriftlichkeit kennzeichnend sind, erst vermittelt werden. Zum anderen ist die Unterstützung des Zweitspracherwerbs in allen Fächern über die gesamte Schulzeit hinweg eine zentrale Aufgabe, da in allen Fächern Verknüpfungen zu Weltwissen und somit zum Wortschatz- und Bedeutungserwerb gelegt werden.

Mit diesem Band sollen Lehrkräften aller Schularten Hilfen an die Hand gegeben werden, wie Kinder mit Deutsch als Zweitsprache unterstützt werden können. Hierzu wird zunächst die Lebens- und Bildungssituation mehrsprachiger Kinder in Deutschland dargestellt. Die Kenntnis der lebensweltlichen Mehrsprachigkeit ist eine wichtige Voraussetzung dafür, mehrsprachige Kinder in Deutschland besser zu verstehen ( Kap. 1). Im 2. Kapitel werden Ergebnisse der aktuellen Zweitspracherwerbsforschung vorgestellt, sofern sie für schulische Lernprozesse relevant sind; im 3. Kapitel geht es um die sprachlichen Bereiche, die für mehrsprachige Kinder besonders schwer zu erwerben sind. Das 4. Kapitel widmet sich der Sprachstandsfeststellung und der Sprachdiagnostik. Dies ist ein Thema, das in jüngerer Zeit zunehmend an Bedeutung gewann, wird doch von Lehrkräften erwartet, Förderung und Unterricht aufgrund von Lernstandsanalysen und individuellen Beobachtungen zu konzipieren. Auch im Rahmen von Zuweisungsentscheidungen (z. B. Zurückstellung vom Schulbesuch oder Zuweisung zusätzlicher Sprachförderangebote) werden diagnostische Vorgehensweisen immer wichtiger. Im 5. und 6. Kapitel stehen die Förderung und der Unterricht im Zentrum. Ausgehend von den Prämissen einer interkulturellen Pädagogik werden in Kapitel 5 didaktische Modelle vorgestellt und diskutiert, in Kapitel 6 werden die Überlegungen auf Fragen der Sprachförderung und des Sprachunterrichts übertragen.

Die Konzeption dieses Bandes wird von der Vorstellung geleitet, dass Deutsch als Zweitsprache eine Bildungsaufgabe ist, die mehrsprachige Schüler*innen über die ganze Kindergarten- und Schulzeit und noch darüber hinaus begleitet und dass dieser Bereich deshalb eine fächerübergreifende Aufgabe für alle Lehrer*innen in allen Schularten darstellt.

1 Deutsch als Zweitsprache in Deutschland

Unter optimalen Bedingungen sind Kinder in der Lage, zwei oder mehr Sprachen ohne besondere Schwierigkeiten zu lernen. Diese Bedingungen sind häufig, aber nicht zwingend, in mehrsprachigen Familien gegeben. Da der Erfolg beim Erwerb mehrerer Sprachen auch von den Lernbedingungen abhängig ist, ist es nicht möglich, aus der zweifellos faszinierenden Sprachlernfähigkeit von Kindern pauschal zu schließen, dass der Erwerb mehrerer Sprachen in jedem Fall problemlos verlaufen müsse. Um sich der Frage, unter welchen Bedingungen eine (zweite oder weitere) Sprache erfolgreich gelernt werden kann, zu stellen, muss zunächst geklärt werden, in welchem Rahmen das Lernen erfolgt. Im Rahmen der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit werden mehrsprachige Kinder und Jugendliche häufig als Personen wahrgenommen, die in der Schule Lernschwierigkeiten haben.

Viele mehrsprachige Kinder und Jugendliche, die deutsche Schulen besuchen, haben zum Zeitpunkt der Einschulung hohe Kompetenzen in ihrer Erstsprache. Außerdem haben einige von ihnen schon viel in der Zweitsprache Deutsch gelernt. Damit können sie mehr als die meisten einsprachig deutschen Kinder, die ja nur in einer Sprache kommunizieren können. Die Kompetenzen in der Zweitsprache Deutsch reichen aber bei einigen Kindern nicht aus, um dem Unterricht, der für einsprachige Kinder konzipiert ist, ohne Weiteres zu folgen. Da sich die Sprachschwierigkeiten auf alle schulischen Lernbereiche auswirken, ist es auch Aufgabe aller Lehrkräfte, die besonderen Lernvoraussetzungen mehrsprachiger Kinder und Jugendlicher zu berücksichtigen und diese bei der Aneignung der Zweitsprache Deutsch zu unterstützen. Andere Kinder wandern erst im Laufe der Schulzeit nach Deutschland ein. Für sie gilt es, Angebote so zu konzipieren, dass sie möglichst schnell zu den einsprachigen Kindern aufschließen können.

Altersbeschränkung:
0+
Veröffentlichungsdatum auf Litres:
18 Dezember 2025
Umfang:
301 S. 19 Illustrationen
ISBN:
9783170390041
Rechteinhaber:
Bookwire
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