Buch lesen: "Füße"
Meiner Frau Alexandra sowie meinen Söhnen Sebastian, Simon und Jonas in Liebe und Dankbarkeit gewidmet.
FÜSSE
Dr. med. Stefan Feiler

INHALT
Einleitung
Ohne Füße geht nichts
Warum dieses Buch?
KAPITEL 1
Das „Navi“ für den Fuß: Anatomie von Fuß und Sprunggelenk
So finden Sie sich am Fuß zurecht
KAPITEL 2
Fußuntersuchung beim Spezialisten
Untersuchung mit System
Klinische Untersuchung
Röntgen
Ultraschall
Kernspintomographie
Computertomographie
Wie erkenne ich den Spezialisten?
KAPITEL 3
Hallux valgus – die Ballenzehe
Wer kennt ihn nicht?
Klinische Untersuchung
Röntgen
Behandlung
KAPITEL 4
Hallux rigidus – die Steifzehe
Krankheitsbild und Ursachen
Klinische Untersuchung
Röntgen
Behandlung
KAPITEL 5
Hammer- und Krallenzehen
Was ist eine Hammer-, Krallen-, Klauen- oder Malletzehe?
Klinische Untersuchung
Röntgen und Kernspintomographie
Therapie
Angeborene Zehenfehlstellungen
KAPITEL 6
Schneiderballen
Spiegelbild des Hallux valgus
Klinische Untersuchung
Röntgen
Behandlung
Weitere Fehlstellungen der fünften Zehe
KAPITEL 7
Nervenkompressionssyndrome
Engpässe für die Nerven
Tarsaltunnelsyndrom (TTS)
Morton-Neuralgie
KAPITEL 8
Knick-Plattfuß
Knick-Plattfuß beim Erwachsenen
Klinische Untersuchung
Röntgen
Kernspin- und Computertomographie
Behandlung
Knick-Plattfuß beim Kind
KAPITEL 9
Hohlfuß
Krankheitsbild
Klinische Untersuchung
Röntgen
Kernspin- und Computertomographie
Therapie
KAPITEL 10
Fersenschmerzen
Fersenschmerzen lokalisieren
„Drei Etagen mit Keller“. Im Haus der Fersenschmerzen
Tendinose der Achillessehne
Haglund-Ferse
Insertionstendopathie der Achillessehne und hinterer Fersensporn
Entzündung der Plantarfaszie oder der „klassische“ Fersenspornschmerz
Nervenengpass an der Ferse – der Baxter-Nerv
KAPITEL 11
Achillessehnenverletzungen
Akute Achillessehnenruptur
Chronische Achillessehnenruptur
KAPITEL 12
Ermüdungsbrüche und Stressfrakturen
„Marschfraktur“ und Sportverletzung
Klinische Untersuchung
Therapie
KAPITEL 13
Sprunggelenkserkrankungen
Akute Instabilität – die Umknickverletzung
Chronische Instabilität des Sprunggelenks
Impingement-Syndrome
Osteochondrale Läsionen des Talus (OLT)
Arthrose des oberen Sprunggelenks
KAPITEL 14
Fußprobleme durch Diabetes Mellitus
Das Diabetische Fußsyndrom (DFS)
Der Charcot-Fuß (DNOAP)
ANHANG
Glossar
Weiterführende Links
Impressum
Abbildungsverzeichnis
EINLEITUNG
„Ein schöner Fuß ist eine große Gabe der Natur. Diese Anmut ist unverwüstlich.“
Johann Wolfgang von Goethe (1809)
Ohne Füße geht nichts
Was wären wir ohne unsere Füße? Haben Sie sich das schon einmal gefragt?
Unsere Füße im Alltag
Füße sind in unserer Sprache allgegenwärtig. Sie finden sich nicht nur beim oben zitierten Goethe, sondern auch im Alltagsdeutsch: Fußball, Fußboden, Fußnote, Fußstapfen, Fußtritt, Fußvolk, Fußwaschung, Fußweg, Fußabtreter … um nur einige Beispiele zu nennen.
Ebenso bezieht sich eine Vielzahl von Redewendungen direkt oder im übertragenen Sinn auf die Füße. Dazu gehören Ausdrücke wie ein sicheres Auftreten haben, auf großem Fuß leben, sich etwas Schritt für Schritt erarbeiten, kalte Füße bekommen, auf Freiersfüßen unterwegs sein, mit dem falschen Fuß aufstehen …
Wenn wir die Aktivitäten beschreiben, die uns unsere Füße ermöglichen, steht uns ebenfalls ein großer Variantenreichtum zur Verfügung: Rennen, springen, laufen, tanzen, hüpfen, tapsen, spazieren, hinken, schlendern, schleichen, dribbeln, watscheln, schreiten, marschieren, trampeln, treten, balancieren – oder ganz einfach – stehen und gehen.
Genauso selbstverständlich wie in der Sprache verwenden wir unsere Füße Tag ein Tag aus für unsere Mobilität. Wir nehmen sie kaum mehr wahr und setzen voraus, dass sie funktionieren. Das sind wir ja sprichwörtlich von Kindesbeinen an so gewohnt. Die Füße sind der von den Augen am weitesten entfernte Körperteil. Wie oft achten Sie beim Betrachten Ihres Spiegelbildes auf die Füße? Wenn überhaupt, dann doch eher auf die neuen Schuhe. Ganz davon abgesehen zeigen die meisten Spiegel die Füße gar nicht.
Den Füßen Beachtung schenken
In der täglichen Sorge und Pflege werden die Füße nicht selten gegenüber Gesicht, Händen und anderen Körperpartien vernachlässigt. Das erlebe ich in meiner Fußsprechstunde immer wieder. Bei rund 50 bis 70 Paar Füßen, die pro Sprechstundentag im wahrsten Sinne des Wortes durch meine Hände laufen, habe ich da inzwischen einen guten Überblick. Nur wenige gönnen ihren Füßen regelmäßig eine professionelle kosmetische oder sogar medizinische Pflege bei einem Podologen, wie die nichtärztlichen Fachleute für Ihre Füße heißen.
Erst, wenn die Füße anfangen zu schmerzen, wird uns ihr Wert ganz schnell bewusst. Beschwerden am Fuß bremsen uns aus, egal, ob sie schlagartig beginnen oder erst schleichend einsetzen. Im Ernstfall kann uns der Fußschmerz im wahrsten Sinne des Wortes sogar ganz aus dem Verkehr ziehen.
Was nun? Wo bekommen Sie kompetente Beratung? An wen können und sollen Sie sich wenden? An diesem Punkt hoffe ich, Ihnen mit meinem Buch, das Sie nun in den Händen halten, mit gutem Rat zur Seite zu stehen.
Warum dieses Buch?
Nun, da könnte ich es mir einfach machen und antworten, dass es einen vergleichbar aktuellen und wissenschaftlich fundierten Ratgeber für Probleme an Fuß und Sprunggelenk bisher nicht gibt. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Den Wunsch, ein solches Buch zu schreiben, hatte ich schon sehr lange. Die Gründe dafür sind vielschichtig.
Unsere Füße verständlich erklärt
Tatsächlich kenne ich kein vergleichbares Nachschlagewerk über die Füße außer das, welches Sie nun in Ihren Händen halten. Wer einen Blick ins Regal gut sortierter Buchhandlungen wirft, findet dort zunächst viel Literatur zu anderen orthopädischen Gesundheitsproblemen wie Rückenschmerz, Kniearthrose und das Leben mit künstlichen Gelenken, auch in Form von gut lesbaren und für Laien verständlich geschriebenen Ratgebern. Zum Themenkomplex Fuß und Sprunggelenk gibt es ebenfalls viele hervorragende Werke – aber nur in der Rubrik „Fachbuch“, also von Ärzten für Ärzte geschrieben. Braucht ein Patient Informationen, die ihm verständlich erklären, welche Ursachen für seine Probleme am Fuß in Frage kommen und welche Behandlungsmöglichkeiten es dafür gibt, wird er vergeblich suchen. Allenfalls findet er Literatur über alternative Heilmethoden oder stößt auf die rasant zunehmende Zahl an „Barfußbüchern“. Nicht dass ich etwas gegen das Barfußgehen einzuwenden hätte, aber es ist nicht das Patentrezept gegen Fußschmerzen.
In meiner Spezialsprechstunde für Fuß- und Sprunggelenkserkrankungen erlebe ich jeden Tag, dass der Bedarf nach einem umfassenden und nicht nur Medizinern zugänglichen Ratgeber groß ist. Meine Patienten sind sehr dankbar und hören mit großem Interesse zu, wenn ich Ihnen ihr oft sehr schmerzhaftes Problem verständlich erläutere und gleichzeitig mögliche Auswege aus der Misere anbiete. Ich erkläre tatsächlich sehr gerne und bin bemüht, Fachwissen in verständliches Deutsch zu übersetzen. Das wissen meine Patienten. Und ich empfinde es als großes Kompliment, wenn sie mir sagen, dass sie das auch zu schätzen wissen.
Auch in meinen Patientenseminaren bemerke ich immer wieder, wie ausgeprägt der Wunsch nach Gesundheitsinformationen zu Fuß und Sprunggelenk ist. Welche Themen den Teilnehmern dabei besonders am Herzen liegen, zeigen die vielen Fragen, die sie mir im Anschluss an meine Ausführungen stellen. Ich habe versucht, dies in meinem Buch besonders zu berücksichtigen.
Ein Blick auf die Statistik der Fußerkrankungen
Wie sehr beratende Literatur zum orthopädischen Funktionskomplex Fuß und Sprunggelenk fehlt, sehe ich außerdem an den nackten Zahlen. Werfen Sie dazu mit mir einen Blick in die umfangreiche Datensammlung des Statistischen Bundesamtes. Drei von vier Deutschen leiden während ihres Lebens unter Fußproblemen. Die Zahl der Betroffenen in der Schweiz und in Österreich dürfte sich hiervon kaum unterscheiden. Eine weitere Statistik zeigt, dass in deutschen Krankenhäusern in jüngster Vergangenheit innerhalb von sechs Jahren die Anzahl der Operationen allein am Vorfuß von 100 000 auf 150 000 gestiegen ist. Der Vorfuß umfasst in erster Linie die Zehen. Das heißt, die Steigerungsrate bei Operationen von Zehenfehlstellungen beträgt 50 Prozent!
In Deutschland sind alle Operationsverfahren aus sämtlichen Fachgebieten nach dem sogenannten OPS-Code verschlüsselt. Operationen an den Zehen beginnen mit dem Code 5-788. Bei Frauen sind diese Eingriffe inzwischen in die Top Ten der OP-Statistik deutscher Kliniken aufgestiegen. Von solchen Zuwachsraten können andere Fachgebiete der Chirurgie nur träumen. Dabei darf bei den Zehen-Operationen eine erhebliche Grauzone nicht vergessen werden: Inzwischen werden Eingriffe mit den ersten Codeziffern 5-788 vorwiegend ambulant von niedergelassenen Spezialisten durchgeführt. Diese Zahlen tauchen in der oben zitierten Statistik gar nicht erst auf. Ich führe die überwiegende Zahl dieser Vorfuß-Operationen ebenfalls ambulant durch. Die Krankenkassen fordern dies mehr und mehr.
Der Fuß besteht aber nicht nur aus Zehen, wo gesundheitliche Probleme durch Fehlstellungen nicht selten auch schon in jüngeren Jahren auftreten. Die Operationsstatistiken der Kliniken zeigen auch eine deutliche Steigerung bei den komplexen Eingriffen am Mittelfuß und Rückfuß. Diese Operationen führe auch ich ausschließlich stationär im Krankenhaus aus und trage somit zur Wachstumsrate dieser Statistik bei. Auf der einen Seite zeigen die hohen Zahlen, dass Fußerkrankungen häufiger werden. Gründe dafür sind der demographische Wandel und unsere Lebensumstände mit einem Trend zu weniger Bewegung und mehr Übergewicht. Beides bedingt zwangsläufig eine Zunahme verschleißbedingter Erkrankungen am Bewegungsapparat im Allgemeinen sowie am Fuß und Sprunggelenk im Speziellen. Auf der anderen Seite ist die Steigerung der Eingriffe so zu erklären, dass es natürlich auch immer fortschrittlichere Operationsverfahren für eine immer größer werdende Zahl an inzwischen gut erforschten und gut behandelbaren Fußproblemen gibt.
Fortschritte der Fußchirurgie
Im Laufe meiner Facharztausbildung habe ich selbst miterleben dürfen, dass sich in der Fußchirurgie eine wahrhaft rasante Entwicklung vollzogen hat. Das zeigt sich gerade im Vergleich zu den heute noch etablierten Verfahren in der Behandlung von Wirbelsäulen-, Hüft- und Knieleiden. Inzwischen kann ich auf mehr als 20 Jahre orthopädische und 15 Jahre speziell fußchirurgische Tätigkeit zurückblicken. Ich weiß also, wovon ich rede.
Während dieser mehr als zwei Jahrzehnte ist die Fußchirurgie aus einer Art Dornröschenschlaf erwacht. Sie hat sich zu einem eigenen und hoch anerkannten Spezialgebiet in der Orthopädie und Unfallchirurgie ausgebildet. Damit hat die Fußchirurgie eine Entwicklung hinter sich, wie sie vor langer Zeit schon die Handchirurgie erlebt hat. Heute sind beide eigene Fachdisziplinen.
Im Fokus der Orthopädie standen lange Zeit vor allem heroisch anmutende Operationen wie die Implantation künstlicher Hüft- und Kniegelenke sowie aufwendige Prozeduren an der Wirbelsäule. Eingriffe an den Füßen wurden über Jahrzehnte in stiefmütterlicher Art an die jüngsten Assistenzärzte der Klinik delegiert. Zudem galt, etwas überspitzt formuliert, die Behandlung der „kleinen Fußübel“ quasi mit dem Knoten der letzten Naht als abgeschlossen. Daran hat sich heute enorm viel verändert. Viele Fuß- und Sprunggelenksprobleme sind erfolgreich behandelbar. Das ist konsequenter Ursachenanalyse, der Entwicklung sowohl biomechanisch fundierter orthopädietechnischer und physiotherapeutischer Therapien sowie innovativen Operationstechniken zu verdanken. Besonders groß sind die Erfolgsaussichten, wenn Sie sich an einen spezialisierten Arzt wenden. Diese Fachgruppe wächst in jüngster Zeit stark. Das zeigen die steigenden Mitgliedszahlen der beiden etablierten fußchirurgischen Gesellschaften (
Weiterführende Links). Und so treffen Patienten heute glücklicherweise immer seltener auf Orthopäden, die bei stark schmerzenden Fußbeschwerden nur achselzuckend kapitulieren und sagen: „Da kann ich leider nichts mehr machen“ oder „damit müssen Sie leben“.
Es ist mir ein Anliegen, die Leser mit meinem Buch an den Ergebnissen dieser dynamischen Entwicklung der Fußchirurgie teilhaben zu lassen. Die folgenden Kapitel vermitteln Kenntnisse über Ursachen, typische Beschwerden und die heute zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen zahlreicher Krankheitsbilder an Fuß und Sprunggelenk. Eine Operation ist dabei für mich immer erst das letzte Mittel der Wahl. Das Buch informiert Sie ausführlich über die Krankheitsbilder an Fuß und Sprunggelenk, die ich regelmäßig in der Fußsprechstunde meiner Praxis bei Erwachsenen sehe. Die vielen oft angeborenen Erkrankungen und Fehlstellungen der Füße im Kindes- und Jugendalter habe ich aus Platzgründen ausgespart, ebenso die schweren Verletzungen im Fußbereich, wie sie nach Unfällen in Akutkliniken als Notfall behandelt werden.
Ihre Fragen – meine Antworten
Ich versuche, sowohl grundlegende als auch spezielle Fragen zu beantworten – Fragen, wie ich sie tagtäglich in meiner Fußsprechstunde gestellt bekomme.
Was ist bei Fußschmerzen der mögliche Auslöser?
Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?
Wie finde ich einen Spezialisten?
Wie kann mir durch einen Spezialisten geholfen werden?
Was darf ich als Patient von einer Therapie erwarten?
Wann ist eine Operation bei meinen Beschwerden sinnvoll?
Gibt es Alternativen zur Operation?
Das Buch kann entweder Kapitel für Kapitel oder auch „quer“ gelesen werden. Die Teile über die Anatomie und den Untersuchungsgang der Füße sind aber eine wichtige Voraussetzung für das Verständnis vieler Folgeinformationen. Da die einzelnen Wissensbereiche aufeinander aufbauen, gibt es außerdem zahlreiche Querverweise. Am Ende des Buchs finden Sie mit dem Glossar eine Art „Vokabelheft“. Es hilft Ihnen, hin und wieder verwendete Fachausdrücke sehr schnell zu übersetzen. Wie Sie sehen, habe ich mich als Arzt den Füßen mit Leib und Seele verschrieben. Ich hoffe, dass Sie als Leser dieses Thema genauso spannend finden werden wie ich.
KAPITEL 1
Das »Navi« für den Fuß: Anatomie von Fuß und Sprunggelenk
So finden Sie sich am Fuß zurecht
Dieses Kapitel soll Ihnen helfen, sich wie mit einem „Navi“ am Fuß zu orientieren. Es versucht, die Komplexität und Dichte an Komponenten, die als Ganzes den Fuß ausmachen und in ihrem Zusammenspiel dieses feinmechanische Wunderwerk funktionieren lassen, nachvollziehbar für Sie darzustellen.
Wenn Sie in den folgenden Kapiteln das Gefühl haben, bei der Lektüre nicht mehr zu wissen, wovon am Fuß gerade die Rede ist, dann „schalten“ Sie dieses Navi ein, indem Sie hierher zurückblättern. Scheuen Sie sich nicht, ein permanentes Lesezeichen oder eine andere Merkhilfe einzulegen. So können Sie jederzeit auf den anatomischen Skizzen wie auf einer Landkarte nachsehen, wo Sie sich beim Lesen am Fuß befinden. Auch die vielen medizinischen Fachbegriffe, die bei der ersten Nennung etwas dicker gedruckt sind, müssen Sie sich nicht merken. Ich werde häufig die deutsche Übersetzung verwenden, die es für jeden Baustein der Fußanatomie wie Knochen, Gelenke, Bänder, Sehnen, Muskeln, Nerven und Blutgefäße gibt. Wenn mir in einem der Folgekapitel dennoch ein Fachwort rausrutscht, ohne es auch verständlich auf Deutsch zu umschreiben, können Sie an dieser Stelle immer nachschlagen. Denn ohne zu wissen, was und wo beispielsweise das Kahnbein am Fuß ist, wird es unter Umständen schwierig für Sie, eine von mir beschriebene Erkrankung und ihre Behandlung richtig zu verstehen. Falls es Ihre Umgebung beim Lesen ermöglicht, ziehen Sie doch einfach Ihre Schuhe und Strümpfe aus und versuchen Sie, meinen Beschreibungen in diesem Kapitel mit Ihren Fingern am Fuß zu folgen. Sehr viele anatomische Strukturen liegen nämlich oberflächlich und lassen sich gut ertasten.
[1 a–b] Fußregionen: funktionelle (links) und anatomische (rechts) Einteilung
Anatomische und funktionelle Einteilung
Durch das obere Sprunggelenk ist der Fuß beweglich mit dem Unterschenkel verbunden. Hier erfolgt die Kraftumlenkung der vertikalen Körperhaltung in die horizontale Fläche des Fußes. Das Sprunggelenk wird durch die Knöchelgabel von Schien- und Wadenbein sowie der annähernd halbkugelförmigen Gelenkfläche des Sprungbeins gebildet.
Der Fuß selbst besteht aus Sicht der Anatomie aus Vorfuß, Mittelfuß und Fußwurzel. Zum Vorfuß zählen die fünf Zehen, die jeweils aus einzelnen Gliedern bestehen. Zum Mittelfuß gehören die fünf Mittelfußknochen, zur Fußwurzel die sieben Fußwurzelknochen.
Nach funktionellen und therapeutischen Gesichtspunkten werden die drei Bereiche etwas anders unterteilt: in Vorfuß, Mittelfuß und Rückfuß.
Zum Vorfuß gehören die Zehen, die Zehenballen und die Mittelfußknochen (Metatarsalia) bis zur sogenannten Lisfranc-Linie. Diese Gelenklinie wird durch die fünf Gelenke zwischen den Fußwurzelknochen und den Mittelfußknochen gebildet. Deshalb heißen diese Gelenke Tarso-Metatarsal-Gelenke.
An dieser Gelenklinie beginnt der Mittelfuß. Er reicht bis zur Chopart-Gelenklinie und besteht neben dem Lisfranc-Gelenk aus fünf Fußwurzelknochen, dem Kahnbein (Os naviculare), drei Keilbeinen (Os cuneiforme mediale, intermedius und laterale) sowie dem Würfelbein (Os cuboideum).
Die Chopart-Gelenklinie und die beiden verbleibenden Fußwurzelknochen Sprungbein (Talus) und Fersenbein (Calcaneus) bilden den Rückfuß.

[2] Die Lisfranc- und Chopart-Gelenklinie
Detaillierter betrachtet gibt es fünf Gruppen von Bauelementen, die teilweise in Schichten übereinanderliegend den Fuß „am Laufen halten“:
Knochen
Gelenkverbindungen mit Gelenkkapseln und Bändern
Muskeln und ihre Sehnen
Nerven
Blutgefäße