Buch lesen: "Die Syntax-Pragmatik-Schnittstelle"
Sonja Müller
Die Syntax-Pragmatik-Schnittstelle
Ein Studienbuch
A. Francke Verlag Tübingen
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© 2019 • Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG
Dischingerweg 5 • D-72070 Tübingen
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E-Book-Produktion: pagina GmbH, Tübingen
ePub-ISBN 978-3-8233-0095-3
Inhalt
Vorwort
1. Hintergründe1.1 Syntaktische Aspekte1.1.1 Lineare Aspekte der Wortstellung1.1.2 Hierarchische Aspekte der Wortstellung1.1.3 Grundannahmen des Grammatikmodells1.2 Informationsstruktur1.2.1 Fokus-Hintergrund-Gliederung1.2.2 Topik-Kommentar-Gliederung1.2.3 Diskursrelationen
2. Vorfeldbesetzung2.1 Drei Möglichkeiten der Vorfeldbesetzung2.1.1 Formale Bewegung2.1.2 Basisgenerierung2.1.3 Echte A'-Bewegung2.1.4 Beispielanalyse2.1.5 Die Syntax des Vorfelds2.2 Präferenzen der Vorfeldbesetzung2.2.1 Geschriebene (monologische) Sprache2.2.2 Gesprochene (dialogische) Sprache
3. Das linke Mittelfeld 3.1 Die Position von Topiks im Mittelfeld 3.2 Evidenz für die Topikposition 3.3 Konsequenzen der Analyse 3.4 Beispielanalyse
4. Herausstellungen nach links4.1 Typen der Herausstellung nach links4.2 Linksversetzung und Hängendes Topik4.2.1 Grammatische Unterschiede und Gemeinsamkeiten4.2.2 Diskursfunktionale Unterschiede4.2.3 Syntaktische Analysen
5. Herausstellungen nach rechts5.1 Typen der Herausstellung nach rechts5.2 Rechtsversetzung und Reparatur-Nachtrag5.3 Die Rechtsversetzung im Diskurs5.3.1 Markierung des Diskurstopiks5.3.2 Spontanitätsgrade/Äußerungsregister5.3.3 Spontansprache5.3.4 Nicht-spontane Sprache5.4 Die Syntax der Rechtsversetzung5.4.1 Eine Doppelsatzstruktur-Analyse5.4.2 Die Rechtsversetzung als PF-Phänomen
6. Verbdritt-Strukturen6.1 Gibt es Verbdritt-Sätze im Deutschen?6.1.1 Verbdritt-Sätze in der Zeitungssprache und im Kiezdeutsch6.1.2 Mehrfache Vorfeldbesetzung?6.1.3 Die Funktion der Verbdritt-Sätze6.1.4 Weitere Verbdritt-Kandidaten6.2 Verbdrittsätze in der Zeitungssprache – ein Wettbewerbsmodell6.2.1 Konkurrenz der Strukturen6.2.2 Kategorien der Elemente im Vorfeld6.2.3 Abfolgeprinzipien6.2.4 Anwendung des Modells6.2.5 Vor- und Nachteile der Wettbewerbsanalyse6.3 Verbdrittsätze in der gesprochenen Umgangssprache – Kiezdeutsch6.3.1 Kiezdeutsch als Varietät des Deutschen6.3.2 Beschränkungen6.3.3 Eine syntaktische Analyse
7. Wurzelphänomene7.1 Strukturelle und lexikalische Wurzelphänomene7.2 Erklärungsansätze7.2.1 Funktional – Assertivität7.2.2 Funktional und syntaktisch – Illokution und die Syntax von Adverbialsätzen7.2.3 Syntaktisch – Interventionseffekte7.3 Die Verbzweit-Stellung als Wurzelphänomen im Deutschen7.3.1 Die Datenlage7.3.2 Erklärungsansätze
Literatur
Sachregister
Vorwort
Gegenstand dieses Buches sind Phänomene an der Syntax-Pragmatik-Schnittstelle. Meine Absicht ist es, anhand der betrachteten Strukturen aufzuzeigen, inwiefern bestimmte (syntaktisch auffällige) Strukturen mit bestimmten Diskursfunktionen bzw. informationsstrukturellen Status einhergehen.
Ich verstehe das Buch nicht als reine Einführung in die Pragmatik/Informationsstruktur oder in die Syntax. Vielmehr möchte ich aufzeigen, an welchen Stellen die ansonsten meist in Isolation behandelten Konzepte miteinander interagieren.
Ich beabsichtige mit diesem Band auch, neue Forschungsliteratur für ein Lehrbuch zugänglich zu machen. Bücher zur Syntax und Pragmatik beschränken sich oftmals auf alte Arbeiten und (kanonische) Erkenntnisse. Zu Schnittstellenphänomenen, wie ich sie hier behandeln möchte, hat es in den letzten 15 Jahren sehr viel Forschungsarbeit gegeben, die deshalb auch in der universitären Lehre Beachtung finden sollte. Ich hoffe, mit diesem Band Lehrmaterialien zu einem Thema bereitzustellen, die über das Niveau einer Einführung hinausgehen und deshalb die Lücke zwischen genuinen Fachtexten und Grundlagenliteratur schließen können.
Bei einem Thema, bei dem zwei Teilbereiche linguistischer Beschreibung aufeinander treffen, ist es natürlich nicht zu vermeiden, dass auf unabhängige Erkenntnisse beider Teilgebiete Bezug genommen wird. Ich habe deshalb Kapitel 1 eingefügt, das Hintergründe zu beiden Beschreibungsebenen vorstellt. Das Kapitel verfolgt nicht das Ziel, eine genuine Einführung in diese Themenbereiche zu geben (auf entsprechende Arbeiten verweise ich), sondern einige der Aspekte einzuführen, auf die die Ansätze, die in den Kapiteln 2 bis 7 vorgestellt werden, Bezug nehmen, und für die es sich m.E. deshalb lohnt, sie vorweg in Isolation zu betrachten. Die Auswahl der eingeführten Konzepte orientiert sich an den in den Folgekapiteln behandelten Ansätzen.
Jedes Kapitel dieses Studienbuches schließt mit Übungsaufgaben zum jeweiligen Thema. Die Lösungen zu den Aufgaben stehen auf der Homepage zum Buch unter http://www.narr-studienbuecher.de/ zum Download zur Verfügung.
Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Tillmann Bub, der mein Vorhaben befürwortet und die Entstehung des Buches anschließend begleitet hat, sowie bei Julia Schumacher für die Durchsicht des Buches, ihre Korrekturen und weiteren Verbesserungsvorschläge.
Ich würde mich freuen, wenn aus diesem Band zur Interaktion von Syntax und Pragmatik weitere Beiträge zu anderen Schnittstellen hervorgingen.
Köln, im Dezember 2018 Sonja Müller
1. Hintergründe
In diesem Kapitel werden einige Aspekte aus den Bereichen der Syntax (Abschnitt 1.1) und der Informations-/Diskursstruktur (Abschnitt 1.2) eingeführt, die in die Beschäftigung mit den Phänomenen, die in den Kapiteln 2 bis 7 untersucht werden, eingegangen sind.
1.1 Syntaktische Aspekte
Im Bereich der Syntax orientieren sich die in diesem Buch vorgestellten Arbeiten weitestgehend an den Vorstellungen der Generativen SyntaxGenerative Syntax, wie sie seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts als Folge auf die ersten Arbeiten Chomskys (weiter)entwickelt wurde.
1.1.1 Lineare Aspekte der Wortstellung
Absicht der Syntaxforschung ist es, Modelle zu entwickeln, die Regularitäten im deutschen Satzbau abzubilden vermögen. Eine erste Erkenntnis in diesem Bereich ist die Beobachtung, dass die Konstituenten eines Satzes auf der horizontalen Ebene nicht beliebig angeordnet werden können.
Eine frühe Generalisierung über derartige lineare Regularitäten stellt das Topologische FeldermodellTopologisches Feldermodell (TFM) dar, das in seinen Grundzügen schon auf Drach (1937) zurückgeht. Das Modell besteht aus fünf Feldern: VorfeldVorfeld (VF), linke SatzklammerLinke Satzklammer (LSK), MittelfeldMittelfeld (MF), rechte SatzklammerRechte Satzklammer (RSK), NachfeldNachfeld (NF).
Für die Besetzung der Felder gelten bestimmte Bedingungen: So kann im Vorfeld eine Konstituente stehen. Die Beispiele in (1a) bis (1d) zeigen, dass diese Konstituente im Prinzip beliebig groß sein kann, solange es sich um eine Konstituente handelt. Da Konstituenten z.B. durch Pronominalisierung ermittelt werden können, können wir die Forderung aufgrund von (1a) als erfüllt ansehen (zu KonstituententestsKonstituententest vgl. z.B. Wöllstein-Leisten et al. 1997: 12ff.).
| (1) | VF | LSK | MF | RSK | NF | |
| a. | Er | hat | die arme Frau geheiratet. | |||
| b. | [Der Mann] | hat | die arme Frau geheiratet. | |||
| c. | [Der reiche Mann] | hat | die arme Frau geheiratet. | |||
| d. | [Der reiche Mann aus Kampen] | hat | die arme Frau geheiratet. |
In der LSK stehen entweder die KonjunktionKonjunktion oder das finite VerbFinites Verb. Die Konjunktion besetzt diese Position in der Regel im Falle konjunktional eingeleiteter Nebensätze, wie sie in (2a) bis (c) auftreten.
| (2) | VF | LSK | MF | RSK | NF | |
| a. | dass | der arme Mann die reiche Frau heiraten | wird | |||
| b. | weil | die Hobbydetektivin den Fall | löste | |||
| c. | als | eine Chance auf den Klassenerhalt bestanden | hat |
Das finite Verb steht in selbständigen Sätzen wie in (1a) bis (1d) in der LSK. Wenn die LSK durch eine Konjunktion besetzt ist, steht das finite Verb in der RSK, wie in (2a) bis (c). Manche Autoren vertreten auch, dass in der RSK auch infinite Bestandteile des Prädikats (wie Partizipien und Infinitive) positioniert werden. Wir werden in Abschnitt 1.1.2 sehen, dass die Generalisierung, dass diese Position nur durch das finite Verb gefüllt wird, eine einfache Zuordnung erlaubt, die andernfalls nicht möglich wäre. Im MF stehen alle Konstituenten, die zwischen den Elementen in den Satzklammern vorkommen. Das NF wird meist durch Nebensätze besetzt oder durch ,schwere‘ nicht-satzwertige Konstituenten. (3) zeigt einige Beispiele für mögliche NF-Besetzungen (zu weiteren Details des TFMs vgl. auch Wöllstein-Leisten et al. 1997: 53–64, Wöllstein 2010).
| (3) | VF | LSK | MF | RSK | NF | |
| a. | [Der Pfarrer] | sagt | [dass der reiche Mann die arme Frau geheiratet hat]. | |||
| b. | Sie | hat | den Mann gesehen, | [der das Shampoo gestohlen hat]. | ||
| c. | Ich | bin | meinem Nachbarn nie begegnet | [all die Jahre, die ich in Bielefeld gelebt habe]. |
Durch die Aufteilung der Konstituenten auf die Felder bildet das TFM eine wichtige Generalisierung des Deutschen ab: Für das finite Verb gibt es im Satz drei mögliche Positionen: Es kann in der letzten Position stehen. Dann resultiert ein Verbend (VE)-SatzVerbend-Satz. Geht eine Konstituente voraus, steht das finite Verb in der zweiten Position (Verbzweit (V2)-SatzVerbzweit-Satz). Ist das Vorfeld unbesetzt, liegt ein Verberst (V1)-SatzVerberst-Satz vor.
Vergleicht man eine Reihe von Strukturen im Feldermodell, stellt man fest, dass bestimmte Konstituenten an verschiedenen Stellen im Satz stehen können. Diese Variabilität in der Wortstellung hat man durch die Annahme zu erfassen versucht, dass Konstituenten sich – unter gewissen Gesetzmäßigkeiten – umstellen lassen. Diese Metapher der BewegungBewegung ist in einem ganz bestimmten Paradigma verankert, der Generativen SyntaxGenerative Syntax, und innerhalb dieses Paradigmas in einem bestimmten Modell, der TransformationsgrammatikTransformationsgrammatik (vgl. Chomsky 1957, 1965), aus der sich die Rektions- und BindungstheorieRektions- und Bindungstheorie (Chomsky 1981) sowie im Laufe der Zeit weitere Modellvarianten (vgl. u.a. das Minimalistische ProgrammMinimalistisches Programm seit Chomsky 1995) entwickelt haben. Es gibt andere Grammatikmodelle, die mit dem, was wir im Folgenden als Umstellung behandeln, auf andere Art umgehen. Die Betrachtung dieser bestimmten syntaktischen Sichtweise motiviert sich für uns allein daraus, dass die Ansätze, die in den Kapiteln 2 bis 7 vorgestellt werden, im Rahmen dieser Vorstellungen entwickelt worden sind.
Die generative Syntaxforschung geht davon aus, dass es eine zugrundeliegende SatzstrukturZugrundeliegende Satzstruktur gibt, aus der andere Strukturen abgeleitet werden. Diese zugrundeliegende Struktur ist im Deutschen die Abfolge SOVSOV (Subjekt-Objekt-Verb), d.h. die Abfolge des Nebensatzes.
Ausgehend von dieser Grundabfolge lassen sich jegliche Sätze leicht ableiten. In (5) sind die Sätze aus (4) im TFM abgebildet.
| (4) | a. | weil Maria den Hund füttert |
| b. | Füttert Maria den Hund? | |
| c. | Maria füttert den Hund. | |
| d. | Den Hund füttert Maria. | |
| e. | Wen füttert Maria? | |
| f. | Peter sagt, dass Maria den Hund füttert. |

In der Grundabfolge, der sogenannten TiefenstrukturTiefenstruktur, ist die Wortstellung SOV. Diese tritt im Nebensatz ohnehin auf. Um die anderen Sätze abzuleiten, sind die drei Operationen in (6) vonnöten.
| (6) | Bewegungsoperationen | |
| a. | Finitumvoranstellung | |
| b. | Topikalisierung | |
| c. | Extraposition | |
Durch die FinitumvoranstellungFinitumvoranstellung wird das finite Verb von der RSK in die LSK bewegt. Durch die Anwendung dieser Umstellung erhält man in der Regel einen selbständigen SatzSelbständiger Satz. Sie erfolgt in (4)/(5) deshalb in (b) bis (f). Wird eine Konstituente umgestellt, hinterlässt sie in ihrer UrsprungspositionUrsprungsposition eine Spur (t für Englisch trace). Die Indizes zeigen uns, welche Spur zu welcher Konstituente gehört. Bei der TopikalisierungTopikalisierung wird eine Konstituente aus dem MF ins VF umgestellt. Dies ist der Fall in (c) bis (f). In (e) wird die vorangestellte Phrase zuvor noch w-pronominalisiert, d.h. durch ein w-Pronomenw-Pronomen ersetzt. Man spricht deshalb auch von w-Bewegungw-Bewegung. Bei der ExtrapositionExtraposition wird eine satzwertige oder nicht-satzwertige ,schwere‘ Konstituente ins NF versetzt, wie z.B. in (f). Die abgeleitete Struktur, d.h. die Struktur, die nach den Umstellungen vorliegt, ist die sogenannte OberflächenstrukturOberflächenstruktur.
1.1.2 Hierarchische Aspekte der Wortstellung
Nach derartigen linearen Generalisierungen betrachten wir im Folgenden ein komplexeres Modell, das auch für Hierarchien aufkommt (vgl. z.B. Grewendorf & Hamm & Sternefeld 1987: 213–227). Im TFM ist allein entscheidend, dass bestimmte Wörter überhaupt Konstituenten bilden, weil es z.B. die Beschränkung gibt, dass im VF nur eine Konstituente stehen kann. Konstituenten sind allerdings intern strukturiert. Der Pfarrer ist intuitiv sicherlich von geheiratet zu unterscheiden, wenngleich beide Konstituenten gleichermaßen im VF stehen können.
Man hat sich zahlreiche Strukturen von Phrasen angeschaut und herausgefunden, dass sie unter einem bestimmten Abstraktionsniveau gleich aufgebaut sind. Das Ergebnis dieser Analyse ist die sogenannte X'-TheorieX'-Theorie (lies: X-bar), die für alle Phrasen in allen Sprachen die Struktur in (7) voraussagt.

Jede Phrase besteht aus einem KopfKopf X0. Dies ist das zentrale Element der Phrase, das ihr ihren Namen gibt. Der Kopf nimmt eine andere Phrase obligatorisch zu sich, das KomplementKomplement (YP). Dieser komplexere Teil der Phrase (die X'-Ebene, die der Theorie den Namen gibt) kann zudem durch einen SpezifikatorSpezifikator (Spec) ggf. modifiziert werden. Dann ist die Phrase abgeschlossen.
Nicht in allen Phrasen hat man einen Spezifikator. Tritt er nicht auf, kann die Zwischenebene der Repräsentation (X') ausgelassen werden. Die Phrase besteht dann aus XP und X0. (Zur X'-Theorie vgl. z.B. Fanselow & Felix 1993: 40–61, Philippi & Tewes 2010: 82–100).
Mit diesem Strukturerzeugungsmechanismus lassen sich verschiedenste Arten von Phrasen generieren bzw. analysieren. In (8) liegen jeweils VerbalphrasenVerbalphrase (VPn) vor. Das Verb ist der Kopf der Phrase, es bestimmt über die Gestalt seines Komplements. Das Dreieck verwendet man in der Darstellung, wenn die interne Struktur der Phrase übergangen wird (vgl. z.B. (9) und (10)). Der Spezifikator der VP ist z.B. besetzt, wenn zwei Objekte beteiligt sind, wie in (10).
| (8) | a. | [ein Buch] kaufen |
| b. | [dass Hans ein Eis isst] sagen | |
| c. | [in den Urlaub] fahren |

(11) zeigt Beispiele für NominalphrasenNominalphrase (NPn).
| (11) | a. Tochter [des Arztes] |
| b. Entdeckung [Amerikas] |
Bei NPn ist die Spec-Position z.B. besetzt, wenn ein Artikel auftritt (vgl. (13)).

In (14) liegen PräpositionalphrasenPräpositionalphrase (PPn) vor.
| (14) | a. | auf [dem Baum] |
| b. | unter [dem Tisch] |

In (16) treten AdjektivphrasenAdjektivphrase (APn) auf.
| (16) | a. | [auf das Fahrrad] stolz |
| b. | [dem König] treu |

In allen Beispielen projiziertProjektion ein Kopf eine Phrase. Weitere Elemente, die vom Kopf gefordert werden, treten hinzu. Dabei muss ein Kopf keine derartigen Forderungen an Komplemente stellen. Er kann auch alleine eine Phrase aufspannen. (18) und (19) zeigen zwei Beispiele.

Die Kategorien N, A, V und P, die in (8) bis (19) vorkommen, sind lexikalische KategorienLexikalische Kategorie. Innerhalb einer Phrase stehen nur Einheiten, die zur ValenzstrukturValenzstruktur der lexikalischen Einheit gehören, d.h. die als syntaktische Mitspieler vom Kopf vorgegeben werden. Die Mitspieler sind die ArgumenteArgument einer lexikalischen Kategorie.
In (8a) hat kaufen z.B. eine Leerstelle für eine NP im Akkusativ (AKK), in (12) Tochter für eine NP im Genitiv (GEN), in (15) auf für eine NP im Dativ (DAT) und in (17) stolz eine für eine PP. Jegliche fakultative Angaben, die nicht vom Kopf gefordert sein können, sind nicht Teil der Phrase. Um auch adverbiale BestimmungenAdverbial wie schnell in schnell zur Schule gehen in der Struktur abzubilden, gibt es die Operation der AdjunktionAdjunktion. Dabei wird der Knoten einer XP verdoppelt, wodurch eine Position geschaffen wird: Da sich schnell in (20) auf die VP bezieht, wird in diesem Fall der VP-Knoten verdoppelt.

Während die lexikalischen Kategorien es erlauben, einzelne Phrasen abzubilden, muss das Inventar von N(omen), A(djektiv), V(erb) und P(räposition) um funktionale KategorienFunktionale Kategorie erweitert werden, um die gesamte Satzstruktur erfassen zu können.
Betrachtet man eine VP wie in (21), etabliert der verbale Kopf eine Situation. Das heißt, bekannt sind die Verbsemantik sowie die Mitspieler (NPs, PPs).

Das Verb kann in einem Satz nur finit oder infinit sein. Das finite VerbFinites Verb flektiert nach Person, Numerus, Tempus und Verbmodus. Dabei besteht ein Zusammenhang zwischen diesen Finitheitsmerkmalen und dem Subjekt. Tritt ein finites Verb auf, benötigt man auch ein sichtbares Subjekt. Das Subjekt kongruiertKongruenz mit dem finiten Verb in Person und Numerus (in (22) 3. Person, Singular).
| (22) | a. | [Der Mann] läuft. |
| b. | [Der Mann] kauft [ein Buch]. | |
| c. | [Der Mann] gedenkt [des Freundes]. | |
| d. | [Der Mann] dankt [dem Freund]. |
Das Subjekt steht immer im Nominativ. Der Kasus der Objekte ändert sich je nach vorkommendem Verb ((22b) Akkusativ, (22c) Genitiv, (22d) Dativ).
Man nimmt deshalb an, dass der Kasus eines Objekts vom Verb bestimmt wird, während das Subjekt seinen Kasus von den Finitheitsmerkmalen des finiten Verbs erhält. Für die Repräsentation eines Satzes nimmt man deshalb an, dass es oberhalb der VP eine IP (= Inflection PhraseInflection Phrase) gibt (vgl. (23)). Der Kopf dieser Phrase ist I0 und nimmt die VP als sein Komplement.

I0 beinhaltet kein lexikalisches Material, sondern die Merkmale für Person, Numerus, Tempus und Modus. Das Verb gelangt dieser Vorstellung nach als Verbstamm in die Struktur und erhält dort seine Finitheitsmerkmale, die in Form bestimmter Endungen realisiert werden. Das Verb muss sich von V0 zu I0 bewegen (wenn es finit ist), um diese Merkmale in I0 zu erhalten. Darüberhinaus weist I0 SpecIP den Nominativkasus zu, weshalb das Subjekt in genau dieser Position steht (vgl. (24)).

Oberhalb der IP setzt sich der funktionale Überbau fort. Innerhalb der finiten Sätze lässt sich ferner unterscheiden, ob es sich um selbständige oder unselbständige Sätze handelt (vgl. (25)).
| (25) | a. | weil Maria den Hund füttert |
| b. | Maria füttert den Hund. |
Selbständige Sätze unterscheiden sich zudem darin, welcher Satztyp vorliegt. Es kann sich z.B. um einen DeklarativsatzDeklarativsatz (wie in (25b)) oder einen InterrogativsatzInterrogativsatz (vgl. den Entscheidungs(E)-InterrogativsatzEntscheidungs-Interrogativsatz in (26a) und den w-Interrogativsatzw-Interrogativsatz in (26b)) handeln.
| (26) | a. | Füttert Maria den Hund? |
| b. | Wen füttert Maria?/Wer füttert den Hund? |
Die Phrase, die für diese Information zuständig ist, ist die CP (= Complementizer Phrase). Der Kopf dieser Phrase ist C0, ihr Komplement die IP. In einem unselbständigen Satz beinhaltet C0 die Konjunktion (vgl. (27)).

In einem selbständigen Satz (vgl. (28)) beinhaltet C0 das finite Verb, das sich von I0 weiterbewegt. In einem V1-SatzVerberst-Satz ist SpecCP leer, in einem V2-SatzVerbzweit-Satz beinhaltet SpecCP eine Konstituente, die aus ihrer Basisposition in diese Position vorangestellt wird.

Im Gegensatz zu N, A, V und P, den lexikalischen KategorienLexikalische Kategorie, handelt es sich bei I und C um funktionale KategorienFunktionale Kategorie. Sie weisen weniger semantisch fassbaren Inhalt auf, wie man ihn Nomen, Adjektiven, Verben oder Präpositionen (bzw. ihren Phrasen) mehr oder weniger einfach zuschreiben kann, sondern sie erfüllen eine Aufgabe der Grammatik.
Oben haben wir gesehen, dass die Finitheit in I0 verankert wird und in dieser Phrase die Nominativzuweisung an das Subjekt erfolgt bzw. die Kongruenz zwischen dem Subjekt und dem finiten Verb hergestellt wird. Innerhalb der CP wiederum entscheidet sich, ob ein selbständiger oder unselbständiger Satz vorliegt und um welchen Satztyp es sich handelt.
Man kann die Positionen des CP/IP-ModellsCP/IP-Modell auf die Felder des Topologischen FeldermodellsTopologisches Feldermodell beziehen. Das Vorfeld entspricht dabei SpecCP, die linke Satzklammer (LSK) wird C0 zugeordnet und die rechte Satzklammer (RSK) entspricht I0. Unter dieser Sicht werden keine weiteren Operationen benötigt, als die drei, die wir bereits kennengelernt haben. Lediglich die Finitumvoranstellung muss etwas erweitert werden. Die TopikalisierungTopikalisierung hat als Ziel SpecCP, bei der FinitumvoranstellungFinitumvoranstellung wird das Verb nicht nur von I0 nach C0 bewegt, sondern es wird von V0 über I0 zu C0 angehoben. Für unsere Darstellung vom Anfang würde dies bedeuten, dass das Verb zunächst unflektiert im MittelfeldMittelfeld steht und in die RSK bewegt wird, um flektiert zu werden, bevor es in die LSK vorangestellt wird.
Wenn I0 der RSK entspricht, fehlt in der Repräsentation in (28) noch das NachfeldNachfeld. Man hat hier angenommen, dass per AdjunktionAdjunktion an die IP eine Position erzeugt wird, in die extraponierte Konstituenten bewegt werden (vgl. (29)).

Ein weiteres funktionales Element ist der D-Kopf, der eine DP projiziert (vgl. Abney 1987, für eine Zusammenfassung vgl. Philippi & Tewes 2010: 115ff.). Wie I0 beinhaltet dieser Kopf grammatische Merkmale. Die für D relevanten Merkmale sind DefinitheitDefinitheit und SpezifizitätSpezifizität.