Buch lesen: "Ulrich Schmidel: Der erste Geschichtschreiber der La Plata-Länder (1535-1555)"
Robert Lehmann-Nitsche
Ulrich Schmidel: Der erste Geschichtschreiber der La Plata-Länder (1535-1555)

Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2020
EAN 4064066117979
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zur ersten Auflage.
Vorwort zur zweiten Auflage.
I.
II.
III.
IV.
Schluß.
Verzeichnis der Literatur
Vorwort zur ersten Auflage.
Inhaltsverzeichnis
Wenig bekannt in weiteren Kreisen ist die älteste Geschichte Argentiniens, welche nicht lange nach der Entdeckung Amerikas ansetzt. Und doch verdienen gerade diese Zeiten genauer gekannt und gewürdigt zu werden; geben sie uns doch den Schlüssel zum Verständnis vieler politischer, wirtschaftlicher und sozialer Vorgänge der Gegenwart, welche den Europäer befremden. Aber ganz abgesehen davon, gehört es zur allgemeinen Bildung, wenigstens oberflächlich von den ältesten geschichtlichen Vorgängen der La Plata-Länder etwas zu wissen, und wir Deutsche sollten uns das ganz besonders zu Herzen nehmen; wie Federmann in Venezuela und Staden in Brasilien, so hat am Silberstrom Ulrich Schmidel seine Erlebnisse aufgezeichnet, und seine »warhafftige und liebliche Beschreibung etlicher furnemen Indianischen Landschafften und Insulen, die vormals in keiner Chronicken gedacht, und erstlich in der Schiffart Ulrici Schmidts von Straubingen, mit großer gefahr erkundigt, und von ihm selber auffs fleißigst beschrieben und dargethan« hat ihm die ehrenvolle Bezeichnung als ersten Geschichtschreiber der La Plata-Länder eingetragen.
Verfasser dieses Heftchens hält es daher nicht für überflüssig, aus der hauptsächlichsten Literatur und unter vielfach wörtlicher, nicht immer extra als solcher bezeichneten Übernahme wichtiger Stellen eine übersichtliche Darstellung jener alten Vorgänge vorzulegen, welche allen denen willkommen sein dürfte, welche sich darüber orientieren wollen.


Vorwort zur zweiten Auflage.
Inhaltsverzeichnis
Die Ende 1909 in Buenos Aires gedruckte erste Auflage wurde nur in 300 Exemplaren hergestellt und war bald vergriffen. Dem Deutschtum im Auslande könnte aber wohl gedient werden, wenn die Kenntnis von dem wackeren Ulrich Schmidel in den weitesten Kreisen verbreitet würde, und so ließ ich die vorliegende zweite Auflage anfertigen. Geändert wurde nur der Titel, wo die Jahreszahlen 1535–1555 zugefügt wurden. Sonstige Änderungen an dem ganz volkstümlich gehaltenen Heftchen vorzunehmen, lag keine Veranlassung vor.
Möge die deutsche Kolonie zu Buenos Aires bei passender Gelegenheit sich ihres Landsmannes entsinnen. Mögen die vorliegenden bescheidenen Zeilen diese Anregung in weite und denkende Kreise tragen!
Buenos Aires, 14. September 1911.
Der Verfasser.



I.
Inhaltsverzeichnis
»Als Columbus«, so beginnt Kohl sein schönes Buch, »im Jahre 1492 von Europa aussegelte, um auf einem nach Westen gerichteten Seewege die vielgepriesenen, volk- und produktenreichen Länder des östlichen und südlichen Asiens (Japan, China, den ostindischen Inselarchipel) zu erreichen, lag vor seinem Geiste als Fahrstraße ein ganz freier Ozean, ein weites Meer, wie er es sich zwischen beiden Weltteilen dachte.« Es ist bekannt, daß er bei seiner Ankunft in den Antillen glaubte, in der Tat schon diese breite Wasserkluft übersegelt zu haben und mitten zwischen den ostasiatischen Inseln in der Nähe von Japan oder in Japan selbst angelangt zu sein. Auf seinen weiteren Reisen fand er aber immer wieder den Zugang zu den reichen Provinzen des »Groß-Chans« (Kaisers von China) durch eine Barriere verschlossen, und seine Hoffnung, eine freie Durchfahrt, eine Meerenge nach Westen und Asien zu finden, wurde stets getäuscht. Auch alle ihm nachfolgenden Seefahrer ahnten anfänglich noch nichts von einem zusammenhängenden kolossalen Festlande, hielten vielmehr die von ihnen entdeckten Länder für Inseln von größerem oder geringerem Umfange.
»Da man nach den Reisen des Columbus und seiner Zeitgenossen«, schließt Kohl diesen Abschnitt, »erfahren hatte, daß man im Karaibischen Meere in Central-Amerika mit Schiffen schwerlich durchkommen könne, so hoffte man denn auf solche Durchlasse im Norden und im Süden dieser Central-Partie, auf die Möglichkeit einer Durch- oder Umsegelung sowohl des nördlichen als auch des südlichen großen Länder-Flügels, und es entstanden so die viele Jahre lang fortgesetzten Bestrebungen zu der Auffindung einer nordwestlichen und einer südlichen Durchfahrt vom Osten zum Westen. Beide gaben Anlaß zu ganz großartigen Expeditionen, die allmählich die richtige geographische Kenntnis des Nordens und Südens Amerikas herbeiführten.«
Hier interessiert uns nur der Süden. Aus diesen Bestrebungen erklärt sich die Entdeckung Brasiliens durch den Portugiesen Cabral (1500); die portugiesische Expedition zur Fortsetzung dieser Entdeckung, an welcher Vespucci teilnahm und welche ihn, was irrtümlich sein dürfte, sogar bis zum 52° südl. Br. geführt haben soll (1501); und die Expedition des Gonzalo Coelho (1503), welche allerdings unglücklich verlief und nur das jetzige Bahia erreichte. Schließlich auch die Reise des Spaniers Juan Díaz de Solís, welcher den Rio de la Plata entdeckte und dessen Persönlichkeit das folgende Kapitel behandeln soll.
Die kostenlose Leseprobe ist beendet.