Buch lesen: "Textlinguistik"
Textlinguistik
15 Einführungen und eine Diskussion
Nina Janich
A. Francke Verlag Tübingen
© 2019 • Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG
Dischingerweg 5 • D-72070 Tübingen
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E-Book-Produktion: pagina GmbH, Tübingen
ePub-ISBN 978-3-8233-0106-6
Inhalt
Vorwort zur 2. Auflage
Einleitung (1. Auflage 2008) (Nina Janich)
I Grundlegende Orientierungen
1 Text und Textlinguistik (Ulla Fix) 1.1 Die Disziplin ‚Textlinguistik‘ 1.2 Die Kategorie ‚Text‘ 1.3 Textualität – ein konzentrisch erweiterter Textbegriff 1.4 Text und Typik von Texten 1.5 Text und Stil 1.6 Neuere Aspekte der Textbetrachtung
2 Text und Diskurslinguistik (Ingo H. Warnke) 2.1 Diskurs als textübergreifende Struktur 2.2 Richtungen und Akzentuierungen der Diskurslinguistik 2.3 Gegenstandsbereiche der Diskurslinguistik 2.4 Methoden der Diskurslinguistik
II Forschungsansätze der Textlinguistik im Einzelnen
3 Textgrammatische Ansätze (Christina Gansel & Frank Jürgens) 3.1 Strukturell-grammatische Textauffassungen der 1960er-Jahre 3.2 Textgrammatik als pragmatische Grammatik – ein neuer Beschreibungsansatz
4 Textsemantische Ansätze (Andreas Lötscher) 4.1 Die textsemantische Betrachtungsweise: Fragestellung und Abgrenzungen 4.2 Isotopie und semantische Kontiguität 4.3 Kontiguitätsbeziehungen und propositionale Beziehungen zwischen Sätzen 4.4 Theorie rhetorischer Strukturen – Rhetorical Structure Theory (RST) 4.5 Text als Entfaltung einer Kernidee 4.6 Thema als Textvorgabe 4.7 Schlussüberlegungen und Ausblick
5 Textpragmatische und kommunikative Ansätze (Wolfgang Heinemann) 5.1 Textlinguistik – eine „Revolution“ in der Linguistik 5.2 Pragmatische Grundlagenforschung 5.3 Die pragmatische Wende in der Linguistik 5.4 Textstrukturen und Textfunktionen 5.5 Konversationsanalyse 5.6 Handlungs- und kommunikationsorientierte Ansätze 5.7 Textpragmatische Implikationen – methodologische Konsequenzen
6 Textsorten und ihre Beschreibung (Kirsten Adamzik) 6.1 Fragestellungen und Zugänge zum Phänomen 6.2 Grobunterscheidungen 6.3 Texteigenschaften und ihre Typologisierung 6.4 Abstraktionsebenen: Zum Verhältnis von Text und Typ 6.5 Schlussbemerkungen [2008] 6.6 Neuere Entwicklungen (2018)
7 Intertextualität und Text(sorten)vernetzung (Nina Janich) 7.1 Einführung 7.2 Intertextualität und Textlinguistik 7.3 Aspekte einer systematischen Beschreibung von Intertextualität 7.4 Vorschläge zur Typologisierung intertextueller Beziehungen 7.5 Schluss: Von der Operationalisierbarkeit intertextueller Interpretation
III Textproduktion und Textrezeption
8 Mündlichkeit und Schriftlichkeit von Texten (Peter Koch & Wulf Oesterreicher) 8.1 Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Medium und Konzeption 8.2 Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Ebenen des Sprachlichen 8.3 Zum Textbegriff 8.4 Diskurse zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit: universale Aspekte 8.5 Diskurse zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit: diskurstraditionelle Aspekte 8.6 Diskurse zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit: einzelsprachliche Aspekte 8.7 Mündlichkeit und Schriftlichkeit im aktuellen DISKURS/TEXT
9 Mündliche Textproduktion: Informationsorganisation in Texten (Christiane von Stutterheim & Wolfgang Klein) 9.1 Einführung 9.2 Aufgaben bei der Textproduktion 9.3 Der QUAESTIO-Ansatz 9.4 Erläuterung an einem Beispiel 9.5 Steuerungsfaktoren bei der sprachlichen Formulierung 9.6 Einige Ergebnisse experimenteller Studien 9.7 Ausblick
10 Schriftliche Textproduktion: Formulieren als Problemlösung (Gerd Antos) 10.1 Der erste Satz 10.2 Textherstellen als problemlösendes Handeln: ein erster Einordnungsversuch 10.3 Textproduktionsforschung zwischen Textlinguistik und Schreibforschung 10.4 Pragmatische Leistungen des Textherstellens 10.5 Grundzüge einer Theorie des Formulierens 10.6 Zusammenfassung und Ausblick
11 Textproduktion und Kontext: Domänenspezifisches Schreiben (Eva-Maria Jakobs) 11.1 Einführung 11.2 Domänenspezifisches Schreiben 11.3 Das Forschungsgebiet „Schreiben am Arbeitsplatz“ 11.4 Kontextuelle und personale Faktoren des Textproduzierens 11.5 Kontextfaktor KULTUR 11.6 Kontextfaktor DOMÄNE
12 Kriterien der Textbewertung am Beispiel Parlando (Peter Sieber) 12.1 Was heißt einen Text bewerten? 12.2 Textqualität – was könnte das sein? 12.3 Das Zürcher Textanalyseraster als Suchhilfe für Textqualitäten 12.4 Textqualitäten – ein Blick auf ein Jahrhundert Schreiben in der Schule 12.5 Parlando als Textmuster 12.6 Wie kommt es zu solchen Entwicklungen? – Vier Thesen 12.7 Textqualität und Textbewertung
13 Textverstehen und Textverständlichkeit (Susanne Göpferich) 13.1 Vorstufen der Verständlichkeit: Leserlichkeit und Lesbarkeit 13.2 Die Verständlichkeit von Texten 13.3 Das Karlsruher Verständlichkeitskonzept 13.4 Methoden zur empirischen Verständlichkeitsprüfung
IV Textlinguistik und neue Medien
14 Hypertextlinguistik (Angelika Storrer) 14.1 Hypertext: Ideengeschichte und Begriffsbestimmung 14.2 Zur Textualität von Hypertexten 14.3 Hypertextlinguistik: Forschungsfragen und Perspektiven
15 Computerlinguistik und Textanalyse (Manfred Stede) 15.1 Vorbemerkung: Computerlinguistik und Textlinguistik 15.2 Werkzeuge der automatischen Analyse 15.3 Computerlinguistische Modelle der Textstruktur 15.4 Korpora in Computerlinguistik und Textlinguistik 15.5 Die Methodik der Mehr-Ebenen-Analyse
16 Textlinguistik und Digitalität: eine Diskussion (Eva Martha Eckkrammer) 16.1 Mediale Gesetzmäßigkeiten und textuelle Wandelerscheinungen 16.2 Der Medienwechsel und die Konsequenzen 16.3 Theoretische und methodische Herausforderungen 16.4 Zukünftige Forschungsfragen
Gesamtliteraturverzeichnis
Register
Vorwort zur 2. Auflage
Die vorliegende, aktualisierte und ergänzte zweite Auflage der „Textlinguistik“ stellt in der vorliegenden Form eine besondere Mischung dar: Angesichts der hier vorgestellten grundlegenden und immer noch gültigen Begrifflichkeiten und Ansätze ist sie eine forschungshistorische Dokumentation zur Entwicklung der Textlinguistik in Deutschland und zu wesentlichen Begriffen und Analysekategorien. Insofern haben die Ausführungen in allen Kapiteln weiterhin ihre Gültigkeit, auch wenn sich die Textlinguistik in vielerlei Hinsicht in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt hat. Durch Aktualisierungen in einzelnen Kapiteln und vor allem durch die Aufnahme eines neuen, 16. Kapitels ist diese Einführung aber zugleich der Versuch, aktuellste Entwicklungen und Forschungsliteratur vor allem im Kontext der Digitalisierung der Gesellschaft zu berücksichtigen und theoretisch-methodisch zu diskutieren.
Neben dem neuen Diskussionskapitel 16 von Eva Martha Eckkrammer wurden die Kapitel 6 (Adamzik), 10 (Antos), 11 (Jakobs) und 15 (Stede) in Teilen aktualisiert und um wichtige Hinweise ergänzt. Bei fast allen Artikeln wurden außerdem in die „Kommentierten Literaturtipps“ einzelne neuere Titel aufgenommen, auf die summarisch auch hier schon hingewiesen sei: Es ist eine ganze Reihe neuer Studienbücher und Einführungen zum Thema erschienen (zur Textanalyse Brinker u.a. 82014, zu Text und Stil z.B. Krieg-Holz/Bülow 2016 oder Hoffmann 2017, zu TextsortenTextsorteGebrauchstextsorteTextsorteHypertextsorte z.B. Fandrych/Thurmair 2011, zur Intertextualität z.B. Berndt/Tonger-Erk 2013, zur Diskurslinguistik z.B. Spitzmüller/Warnke 2011, Niehr 2014 oder Bendel Larcher 2015). Auch neue einschlägige Handbücher sind entstanden und bieten umfangreiche Überblicke (z.B. zu Wissen in und Wissen über gesprochene(n) und geschriebene(n) Texten Birkner/Janich 2018; zu Textsorten und Handlungsmustern Habscheid 2011; zu Schreib- und Textproduktionsforschung Jakobs/Perrin 2014; zur Diskurslinguistik Warnke 2018).
Im Zuge der Aktualisierung und Modernisierung der Einführung wurden auch besondere Textbausteine neu formatiert: Anregungen zu eigener Forschung und offenen Fragestellungen finden sich nun unter
, und unter
werden strittige theoretische und methodische Aspekte diskutiert.
Gedankt sei Lukas Daum für die Unterstützung bei Korrektur und Redaktion sowie dem Gunter Narr Verlag und insbesondere Valeska Lembke für die wie immer sehr gute Betreuung des Bandes.
Nachdem wir die erste Auflage dem damals jüngst verstorbenen Klaus Brinker gewidmet haben, nehmen wir in und mit dieser zweiten Auflage herzlich und mit Trauer im Herzen Abschied von Kolleginnen und Kollegen, die bei der ersten Auflage noch als AutorInnen mitgewirkt haben: von Susanne Göpferich, von Wolfgang Heinemann, von Peter Koch und von Wulf Oesterreicher.
Darmstadt im Juni 2018 Nina Janich
Einleitung (1. Auflage 2008)
Nina Janich
Die Idee für eine Einführung in die Textlinguistik, deren Kapitel von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren geschrieben werden, die also sozusagen aus 15 Einzeleinführungen renommierter Textlinguistinnen und Textlinguisten besteht, entstand im Rahmen einer Ringvorlesung an der Technischen Universität Darmstadt im Wintersemester 2006/2007 (finanziell großzügig unterstützt von der AG „Modernes Lehren und Lernen“ der TU Darmstadt). Ich hatte in diesem Semester eine Textlinguistik-Vorlesung „mit lebendiger Bibliographie“ abgehalten, zu der ich zahlreiche der in diesem Buch vertretenen Autorinnen und Autoren eingeladen hatte, selbst über ihre textlinguistischen Forschungen zu berichten. Auf diesem Weg sollten die Studierenden die Möglichkeit haben, ihre Studienlektüre auch einmal „in persona“ kennenzulernen, anstatt nur durch das Referat ihrer Dozentin – denn viele der geladenen und hier vertretenen Forscherinnen und Forscher haben bereits selbst Einführungen in die Textlinguistik verfasst (z.B. Heinemann/Viehweger 1991, Fix/Poethe/Yos 2001, Gansel/Jürgens 22007, Heinemann/Heinemann 2002, Adamzik 2004, Bracˇicˇ u.a. 2007). Zur Ringvorlesung hatte auch der bekannte Textlinguist Klaus Brinker (auf den in vielen der vorliegenden Beiträge verwiesen wird) zugesagt, er verstarb jedoch leider nach kurzer schwerer Krankheit kurz vor Semesterbeginn – ihm sei die Einführung daher gewidmet.
Die Vorlesung profitierte ungemein nicht nur von der Lebendigkeit ihrer Beiträgerinnen und Beiträger, die in einem solchen Buch natürlich nicht vermittelt werden kann, sondern auch von der Vielfalt der Perspektiven, so dass die Idee entstand, diese Perspektivenvielfalt in einer Art „Sammeleinführung“ zusammenzubringen. Das bedeutet allerdings auch, dass kontroversen Ansichten Raum gegeben wurde und die in den einzelnen Kapiteln vertretenen Positionen einander widersprechen können (vgl. z.B. die Kapitel 6 und 8 und ihre unterschiedliche Einschätzung der Relevanz der mündlich-schriftlich-Kategorie für Texttypologisierungen oder die unterschiedlichen Diskursbegriffe in den Kap. 2 und 8).
Die vorliegende Einführung versucht, erstens einen klassischen Überblick über die textlinguistische Forschung der letzten vierzig Jahre sowie über aktuelle theoretische und methodische Fragen der Textlinguistik zu bieten und zweitens – handlungs- und anwendungsorientiert und dem aktuellen Fokus auf kognitionslinguistischen Ansätzen folgend – Einblicke in Problemstellungen der Textproduktion und Textrezeption zu geben. Dies alles tut sie nicht im Stile eines klassischen Sammelbandes mit völlig autonomen Beiträgen, wie er beispielsweise von Gerd Antos und Heike Tietz vor gut zehn Jahren mit „Die Zukunft der Textlinguistik. Traditionen, Transformationen, Trends“ (1997) vorgelegt wurde. Stattdessen haben wir versucht, in Form von vielfach aufeinander bezogenen Kapiteln gemeinsam ein Buch zu schreiben, das sich in Studium und wissenschaftlicher Lehre als eine Einführung lesen lässt, auch wenn eine gewisse Heterogenität bei insgesamt 18 verschiedenen Autorinnen und Autoren mit unterschiedlichen inhaltlichen Anliegen und Schreibstilen nicht geleugnet werden soll.
Als zentrales Problem eines solchen Konzepts (für die Textsorte Einführung!) erwies sich – nicht verwunderlich – der zugrunde gelegte Textbegriff, der dementsprechend auch von Kapitel zu Kapitel etwas variieren kann. Der Begriff des Textes selbst ist Gegenstand des ersten einführenden Kapitels von Ulla Fix und des sechsten Kapitels von Kirsten Adamzik im Rahmen der Grobdifferenzierung von Textsorten, unter der Perspektive von Mündlichkeit und SchriftlichkeitSchriftlichkeit diskutiert im 7. Kapitel von Peter Koch und Wulf Oesterreicher sowie am Phänomen des HypertextsHypertext problematisiert dann noch einmal im Kapitel 14 von Angelika Storrer. Ansonsten lässt sich die Frage des Textbegriffs für die vorliegende Einführung etwas pointiert auf die Feststellung verkürzen, dass insgesamt der konventionelle Begriff des sprachlichen, medial schriftlichen und linear aufgebauten Textes dominiert, dass aber beispielsweise mündliche Formen wie GesprächeGespräch in den Textbegriff der einzelnen Autorinnen und Autoren ebenso eingeschlossen sein können (z.B. ganz explizit in den Kapiteln 3, 5, 8 und 9, problematisiert auch in Kapitel 6) wie visuelle Bestandteile oder Teiltexte und damit das Textualitätsmerkmal der MultimedialitätMultimedialität (wie in den Kapiteln 1, 7, 13 oder 14). Diesen Dimensionen des Textbegriffs konnten jedoch aus Gründen des Umfangs keine spezifischen Kapitel gewidmet werden (also z.B. zu Gesprächssorten und Gesprächsanalyse (siehe Knapp nur unter 5.5) oder zu einem semiotischen Textverständnis und Text-Bild-BeziehungenText-Bild-Beziehung).
Wer sich für die Frage der Textdefinition – insbesondere im Zeitalter der neuen Medien – interessiert, dem sei zum einen ein Aufsatz von Maximilian Scherner (1996) zur Begriffsgeschichte von Text empfohlen und zum anderen der Sammelband von Ulla Fix u.a. (2002) zur linguistischen Preisfrage „Brauchen wir einen neuen Textbegriff?“ (darin zum Beispiel die von Michael Klemm zusammengestellte Sammlung von Textdefinitionen oder die Diskussion der Preisträgerin Eva Martha Eckkrammer).
Zum Aufbau dieses Buches:
Die Einführung versteht sich als Lehrbuch im universitären Unterricht und bemüht sich um eine didaktische Heranführung an die sprachwissenschaftliche Teildisziplin der Textlinguistik. Deshalb ist – neben dem gemeinsamen Literaturverzeichnis – jedes Kapitel zusätzlich mit kommentierten Literaturtipps versehen. Zentrale Begriffe und Kategorien sind durch Kapitälchen hervorgehoben. Schließlich sollen zweierlei „besondere“ Textbausteine den Einführungscharakter unterstützen: Die mit dem Symbol des Blitzes [ab 2. Auflage
] versehenen Textabschnitte verweisen auf theoretische und/oder methodische Probleme oder immer noch diskutierte Fragen in der Forschung, die mit dem Symbol der Glühbirne [ab 2. Auflage
] versehenen Textblöcke regen zur eigenen Forschungsarbeit (z.B. im Rahmen von wissenschaftlichen Haus- oder Abschlussarbeiten) an, indem sie auf konkreten weiteren Forschungsbedarf hinweisen.
Das Buch beginnt unter der Überschrift I Grundlegende Orientierungen mit zwei einführenden Kapiteln, die den Text (bzw. das sprachwissenschaftliche Verständnis von ‚Text‘ und damit zusammenhängende Erkenntnisinteressen) in den Kontext der Textlinguistik einerseits (Kap. 1/Fix), der Diskurslinguistik andererseits stellen (Kap. 2/Warnke). Damit sind grundlegende Orientierungen gewonnen, die neben der Problematisierung des Textbegriffs und aktueller Forschungsperspektiven auch zeigen, wie sich Textlinguistik und Diskurslinguistik zunehmend näher kommen. Der zweite Teil des Buches, II Forschungsansätze der Textlinguistik im Einzelnen, bietet in insgesamt fünf Kapiteln einen Überblick über die zentralen sprachwissenschaftlichen Herangehensweisen an Texte. Es werden textgrammatische (Kap. 3/Gansel und Jürgens), textsemantische (Kap. 4/Lötscher) und im weitesten Sinne textpragmatische Ansätze (Kap. 5/Heinemann) vorgestellt, die zugleich zu einem gewissen Grad eine Chronologie der textlinguistischen Forschung widerspiegeln: Nach der Überwindung des Satzes als größter Einheit sprachwissenschaftlicher Untersuchungen beschäftigte sich die Textlinguistik in ihren Anfangsjahren vor allem mit grammatischen Phänomenen der Textverflechtung. Diese wurden bald durch themenbezogene Zugänge erweitert und schließlich in pragmatische Zugriffe auf Texte integriert. Dabei ist wichtig, dass sich die Ansätze nicht einfach abgelöst haben, sondern integrativ zusammengeführt wurden. Heute ist man sich weitgehend darin einig, dass Texte Ausdrucksformen sprachlich-kommunikativen Handelns sind, dass aber zum Verständnis dieses kommunikativen Handelns alle sprachlichen Ebenen, d.h. zum Beispiel auch die Grammatik der Sätze, die Semantik der verwendeten Lexik oder die propositionale StrukturStrukturArgumentationsstrukturStrukturHandlungsstrukturStrukturHauptstrukturStrukturIllokutionsstrukturStrukturMakrostrukturStrukturMikrostrukturStrukturNebenstrukturStrukturThema-Rhema-Struktur des Textes untersucht werden müssen. Daher enthalten die Kapitel 3 und 4 bereits pragmatische Perspektiven auf die Grammatik und das ThemaThemaSubthemaThemaTeilthemaThemaTextthema von Texten, die forschungsgeschichtlich erst nach den in Kapitel 5 dargestellten Ansätzen entwickelt wurden. Da längst nicht mehr nur der Einzeltext im Fokus der Textlinguistik steht, widmen sich die Kapitel 6 (Adamzik) und 7 (Janich) den Textsorten und der (Un-)Möglichkeit ihrer Typologisierung sowie – unter dem Stichwort IntertextualitätIntertextualitätTextsorten-IntertextualitätIntertextualität – den verschiedenen Formen von Text- und Textsortenvernetzung.
Da das kommunikative Handeln mit Texten und die damit zusammenhängenden kognitionswissenschaftlichen Fragestellungen im Fokus der aktuellen Textlinguistik stehen, wendet sich der dritte Teil der Einführung der Textproduktion und Textrezeption (III) und damit verstärkt den Kommunikationsteilnehmern, also den Autoren und Lesern und ihrem Umgang mit Texten, zu. Dieser Teil des Buches dient weniger dazu, weit gespannte Überblicke zu bieten (wie dies vor allem die Aufgabe der Kapitel 3–7 ist), sondern stellt in detaillierterer Form ausgewählte Ansätze vor, zu denen häufig auch jeweils ausführliche Monographien der Autorinnen und Autoren vorliegen. Im Kapitel 8 (Koch/Oesterreicher) wird mit dem in der Forschung intensiv rezipierten Modell von ‚Sprache der NäheNähe – Sprache der DistanzDistanz‘, d.h. der Differenzierung zwischen medialer vs. konzeptioneller SchriftlichkeitSchriftlichkeit vs. Mündlichkeit, die Grundlage für eine pragmatische Einordnung verschiedenster Textausprägungen geschaffen. Kapitel 9 (Stutterheim/Klein) beschäftigt sich mit der mündlichen Textproduktion, d.h. damit, wie sehr die leitende Frage (die QuaestioQuaestio), die jedem Text zugrunde liegt, dessen Gestalt beeinflusst. Kapitel 10 (Antos) wendet sich dagegen der Produktion schriftlicher Texte zu und entwickelt eine Theorie des Formulierens, die die Produktion eines Textes als ein zu lösendes Problem auffasst, dem nur mit einem „dialektischen“ ProblemlösenProblemlösen, dialektisches in Form ständiger Reformulierung beizukommen ist. In Kapitel 11 (Jakobs) wird die Textproduktion schließlich in den beruflichen Kontext gestellt, um zu verdeutlichen, in welcher Form nicht nur die in den beiden vorangegangenen Kapiteln im Mittelpunkt stehenden textinhärenten, sondern auch kontextuelle Faktoren das Abfassen von Texten wesentlich beeinflussen. Die beiden folgenden und diesen Teil abschließenden Kapitel 12 (Sieber) und 13 (Göpferich) beschäftigen sich dagegen mit den Ergebnissen von Textproduktionsprozessen und beziehen damit auch die Rezipientenperspektive ein: Kapitel 12 stellt das Zürcher Textanalyseraster vor, mit dessen Hilfe sich Textbewertung operationalisieren lässt, und veranschaulicht Bewertungsprobleme am ParlandoParlando-Phänomen, einer vor allem für die Deutschdidaktik wie auch die Sprachkritik spannenden „Veränderung kommunikativer Grundmuster in der Schriftlichkeit“ (Sieber). In Kapitel 13 wird das Karlsruher VerständlichkeitskonzeptVerständlichkeitskonzept, Karlsruher erläutert, das der Textbewertung vor allem unter der Perspektive der VerständlichkeitVerständlichkeit und der Adressatenangemessenheit dient und in dem sprachwissenschaftliche u.a. mit instruktionspsychologischen Kategorien verbunden werden.
Im letzten Teil IV Textlinguistik und neue Medien wird im Sinne eines Ausblicks zum einen der HypertextHypertext als neues Textphänomen diskutiert (Kap. 14/Storrer) und werden zum anderen Möglichkeiten und Grenzen computergestützter Methoden der Textlinguistik vorgestellt (Kap. 15/Stede), mit denen umfangreiche Textkorpora textlinguistischen Fragestellungen unterzogen werden können.
Ich danke den Autorinnen und Autoren für ihre Flexibilität gegenüber redaktionellen Eingriffen meinerseits, dem Narr Verlag und Frau Susanne Fischer für die gewohnt gute Zusammenarbeit sowie Margarete Mollenhauer für die Sisyphos-Arbeit bei der Erstellung des Gesamtliteraturverzeichnisses.