Buch lesen: "Bergkrach"

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Paul Keller

Bergkrach
Vollständige Sammlung der Erzählungen und Gedichte

von Paul Keller in schlesischer Mundart

Saga

Bergkrach

German

© 1932 Paul Keller

Alle Rechte der Ebookausgabe: © 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen

All rights reserved

ISBN: 9788711517529

1. Ebook-Auflage, 2016

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt und Ringhof und Autors nicht gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com – a part of Egmont, www.egmont.com

Ei der letzta Walpurgisnacht hott amol de schläscha Barge Krach mitsomm. Wer hotte dan Krach ongefanga? Nattierlich kee andrer Mensch als wie der Zotabarg. A hotte die Schniekuppe ’ne ale Gake gehissa.

„Was?“ schrie die Schniekuppe. „Du Fatzke! Was unterstiehste dich? Bin ich nich eure Kenigin?“

„Nee, du bist ’ne ale Gake“, verhorrte der Zotabarg uff sem dicka Kuppe.

„Nu, du niederträchtiger Latschel, du Faffermandla, du Ziegequork, du! Ich bin doch ’ne feine, gebild’te Dame.“

„Jawohl, ja, Sie sein ’ne feine, gebildete Dame“, sate der Huchwald, dar sich zu benahma weeß, weil a vo a Salzburner Kurgästa Plüh und Bildung gelernt hot.

„Hal ock du die Frasse“, sate der klobige Zotabarg zum Huchwald, „sunst verrot ich’s erst, daß de anne Liebschoft mit der Eule hust. Ich sah’s schun, wie ihr euch immer pussiert. Und der Sturchbarg stieht nie weit vo euch weg.“

„Pfui, pfui, Zotaberg“, schrie der frumme Kreuzbarg bei Striegau, und durch olle die viele Foffabarge ei der Schlesing ging a Sturm, und sie hielta ’m Zotabarg ’ne Revermande. Der beleidigte Huchwald schmieß augenblicklich dam groba Kerle ’n Päpel Wulka on a Kupp, und de Eule schamte sich wie ’ne ale Jumfer. Der Sturchbarg tat wie tulpe.

„Was ist denn das für ein Skandal?“ fragte das Huche Rad (’s war zu Kaisers Geburtstag Werkliches Geheemes Huches Rad gewurn). „Wer lärmt denn da und stört die Nachtruhe?“

„Ach, Exzellenz“, sate die Schniekuppe, „’s sein nämlich wieder die klein’ Leute im Paterre, die Spektakel machen.“

„Natürlich der Pöbel“, sate ’s Werkliche Geheeme Huche Rad. „Wo sind denn unsere Polizisten, die beiden Sturmhauben?“

Die Sturmhauba schliefa leider. ’s Huche Rad grief ei seine tiefe Hosatasche, ei die gruße Schniegrube, zug an weißa Zädel raus und machte sich ’ne omtliche Notiz über die schläfrige Pulzisten.

Nu war’s a bißle stille. Uff emol pläkte der Pietschabarg bei Ingerschdurf wie a Feuerkolb. A behauptete unter vielem Gewinsele, der Zotabarg hätt’ a mitt’m Fuße geschippt.

„’s ies gar nie wohr“, striet’s der Zotabarg ob, „der ale Lopps, der Pietschabarg, is wieder bepietscht. Eene Krohe hot a immer eim Stäppel, merschtenteels aber ’n ganza Heffa.“

„Ich — ich bien — — ganz — ganz — un — un — gar — nie — be — besuffa“, druxte der Pietschabarg, „aber — Zotabarg, du — du bist — uffte — uffte genug — benabelt.“

Olle Barge ei der Schläsing lachte, und der Zotabarg kriegte ’ne ganz verknuchte Bust. A recht’s alle mitnandern ei ganz urnara Ausdrücka vür, wie uffte eim Johre daß sie benabelt gewast wär’n. ’s war ’ne lausige Litanei.

Wenn’s wor ies, was der Kerl sate, do sein de schläs’scha Barge ’n ganz versuffne Klike. Und das Schlimmste derbeine ies: die hüchsta Spitza, die sein am üfftesta eim Nabel, die kleen’n Kneppe, die blein viel klorer. Aber manchmal erwischt se’s och. Sugar ’m frumma Kreuzbarge sate der Zotabarg nach, a hätte monchmol ’n kleen’n Stäbrich.

„Aber“, so schluß a, „bei a Monnsbildern is ni a su schlimm, wenn se sich ooch manchmol asu recht eihüll’n, wenn sich aber a Froovulk ei der Wuche drei-, vier-, fünf-, sechs-, siebamol benabelt, dos ies ane Offaschande. Und a sittes Froovulk ies äben die Schniekuppe.“

Die Schniekuppe kreeschte ver Wutt.

„Zotabarg“, krächzt’ se, „du bist ju a ganz gemeener, urnarer, geweniglicher Dingrich. Nu, du tummer Grootsch, du! Wos verstiehst’n du, wie’s ei hucha und hichsta Kreesen hargieht? Do is asu viel Wind und eisige Kälde, doß ma sich monchmol a bisserla eisacka muß. Muß, du Offe, hierscht es? Aber du warst ja schun immer asu a aler Stänkerfritze, dar keene Ruh’ gab und sich über olles und jedes die Frasse zerriß. Deswägen hot dich ju och ünser Herrgott aus der onständiga Sudetenreihe rausgesotzt. Weil du keene Ruhe gibst, do hot a dich obseits vo alla ganz allene gesotzt, wie der Schulmeester anne recht biese Range alleene uff eene Uxabanke setzt.“

A schollendes Gelächter vu olla Barga. Do war sugar der Altvater uffgewacht, dar schun siehr wacklig und taprig ies und immer eischläft, ob wos lus ies oder nich. „Wos — wos ies denn eegentlich?“ fragt a däsig.

„Ach, alter Herr“, sate die würdige Bischofskuppe bei Ziegenhols, „es ist doch heute wieder die sündige Walpurgisnacht, da machen eben die Berge Skandal und lästern und führen gemeine Redensarten.“

„Ahähähähä“, dröselte der Altvater, „jajajaja! ’s war immer asu — ’s war immer asu.“

Und wie a das su leise dudelte und mit eem verschlofna Blicke nach seim Lieblingstöchterla, ’m Heidebrünnel, nieber liebäugelte, schlief a ooch schunt wieder ei.

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€4,99
Altersbeschränkung:
0+
Veröffentlichungsdatum auf Litres:
05 Mai 2025
Umfang:
18 S. 1 Illustration
ISBN:
9788711517529
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Bookwire
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