Buch lesen: "Spanischer Sommer: Erika Lust-Erotik"
Olrik
Spanischer Sommer: Erika Lust-Erotik
Lust
Spanischer Sommer: Erika Lust-Erotik ÜbersetzungKirsten Evers Original Spansk sommerCopyright © 2018, 2019 Olrik und LUST All rights reserved ISBN: 9788726076196
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach
Absprache mit LUST gestattet.
Spanischer Sommer
Es waren Sommerferien und ich war planlos glücklich, denn meine Freundin und ich hatten uns einvernehmlich dazu entschlossen, unsere Beziehung zu beenden. Ganz unproblematisch war es gewesen – rein emotional. Wir hatten sowieso ein halbes Jahr lang keinen Sex gehabt, wodurch sich unsere Beziehung zu einer Art WG-Freundschaft entwickelt hatte, was für keinen von uns auf Dauer zufriedenstellend gewesen wäre. Wir wohnten zusammen in meiner Wohnung und, ganz der Gentleman, hatte ich vorgeschlagen, dass sie bleiben könne, bis sie etwas Neues gefunden habe. Und so hatte ich die vergangenen zwei Monate auf der Couch geschlafen.
Das war ziemlich blöd.
Hauptsächlich darum, weil es etwas verlierermäßig rüberkommt, als beinahe 30-Jähriger in der eigenen Wohnung auf dem Sofa schlafen zu müssen. Und natürlich auch, weil ich so jede Nacht vor dem Einschlafen von dem fantastischen Sex fantasieren konnte, den wir zu Anfang unserer Beziehung pausenlos gehabt hatten.
Aber jetzt hatte sie endlich etwas Neues gefunden – ab dem Ersten des kommenden Monats, und daher hatte ich den Entschluss gefasst, meinen Freund Raoul, der in Spanien lebte, zu besuchen, um ihr die Möglichkeit zu geben, in aller Ruhe auszuziehen – und mir, endlich wieder ein erwachsener Mann mit Single-Status zu sein.
In seinen zahllosen Einladungen hatte Raoul versäumt zu erwähnen, dass er in einer Einzimmerwohnung über 100 km außerhalb von Madrid lebte. Also nicht gerade Hacienda mit Meerblick, was mich dort erwartete.
Ich hatte kurzerhand einen Rucksack gepackt und den nächsten Flieger nach Madrid genommen. Erst auf dem riesigen Bahnhof war mir klar geworden, wie weit weg Raoul eigentlich wohnte. Zwei Stunden mit dem Zug, dann einmal umsteigen und schließlich noch eine Stunde Busfahrt. Meine Endstation entpuppte sich als verschlafenes kleines Dörfchen in den Bergen, und ich machte mich gleich auf die Suche nach Raouls Haus.
Ich hatte ihm die Woche zuvor geschrieben, dass ich jetzt endlich von unseren Plänen Ernst machen und ihn nächste Woche besuchen würde. Er hatte geantwortet, das sei perfekt, und hatte mir seine Adresse geschickt. Dann hatte ich ihm einige Tage vor meiner Ankunft mitgeteilt, wann ich ankommen würde, und lediglich einen hochgestreckten Daumen von ihm empfangen.
Als ich dann durch die Straßen wanderte, bekam ich jedoch ein mulmiges Gefühl und begann zu bezweifeln, ob er überhaupt zu Hause sei. Ich fand seine Adresse und klingelte.
Niemand antwortete. Aber ich konnte hören, dass drinnen rumort wurde, also klingelte ich ein zweites Mal.
Dieses Mal wurde es still, und dann hörte ich Murmeln und Gekicher.
Raoul öffnete die Tür mit wirren Haaren und einem krausen Bademantel, den er sich offensichtlich in aller Eile übergeworfen hatte. Hinter ihm konnte ich gerade noch ein splitternacktes Mädchen durch eine Tür stürzen sehen, bevor diese ins Schloss fiel.
Da wusste ich, dass ich einen denkbar schlechten Zeitpunkt für meine Ankunft gewählt hatte.
Lachend ließ Raoul mich ein und schlug mir kameradschaftlich auf den Rücken. Er drückte mir ein Dosenbier in die Hand und verschwand im Schlafzimmer, um „kurz was zu regeln". Und es wurde geregelt. Wohl aber nicht ganz so, wie Raoul sich das vorgestellt hatte, denn ich hörte zunächst eine sehr laute und wütende Frauenstimme, die auf Spanisch schimpfte, während Raoul versuchte zu erklären, dass alles in Ordnung sei. Schließlich wurde auch er wütend und begann ebenfalls das Schimpfen. Dann wurde wohl mit Kissen geworfen und dann wurde es einen Augenblick lang still.
Und dann machten sie da weiter, wo ich sie durch meine Ankunft unterbrochen haben musste.
Ich wartete bestimmt eine Stunde lang mit meinem einsamen Bier in der Hand, bevor Raoul etwas atemlos und lachend wieder aus dem Schlafzimmer kam. Er entschuldigte sich sehr, aber seine Freundin sei vor genau zwei Tagen aus Madrid gekommen.
Ich lachte und versicherte ihm, das sei überhaupt kein Problem. Ich würde einfach einen Erkundungsgang machen und mich dann hinterher ganz still und leise aufs Sofa legen.
Darüber war er sehr dankbar, konnte ich sehen, also sprang ich schnell unter die Dusche und fühlte mich danach wunderbar erfrischt und sauber – und bärenhungrig.
Die kostenlose Leseprobe ist beendet.