Buch lesen: "Alles Hertha!"
Michael Jahn

Unverzichtbares Wissenrund um die alte Dame
VERLAG DIE WERKSTATT
Herthas Platzierungen in der Bundesliga

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Satz und Gestaltung: Verlag Die Werkstatt
ISBN 978-3-7307-0237-6
Stand aller Daten: Juli 2015
Inhalt
1 11Freunde
2 Abgefunden
3 Abschiedsspiel
4 Abseitsfalle
5 Abstellungsgebühren
6 Abteilungen
7 Alex Alves
8 Albtraumgegner
9 Alter
10 American Football
11 Amis
12 Anti-Randale-Prämie
13 Arsenal
14 Ausblick
15 Ausländer
16 Badewanne
17 Bayern-Schreck
18 Becherwurf
19 Berlin-Sieger
20 Berufe-Elf
21 Beten
22 Blau-weiße Hertha
23 Bierbrunnen
24 Brasil
25 Brüderpaare
26 Brutal
27 Bubis
28 Budenzauber
29 Burchert, Sascha
30 Bus
31 BWO
32 Champions-League-Sieger
33 Dardai-Quartett
34 Dauerkartenverkauf
35 Dauerrenner
36 DDR
37 Derby
38 Direktoren-Posten
39 Dresden
40 Ebert-Lied
41 Ehrentafel
42 Endspiel (1929)
43 Erlebnistour
44 Ersatzeltern
45 Europacup querbeet
46 Ewige Tabelle
47 Fahne
48 Fanklubs
49 Fehlschuss
50 Feuerteufel
51 Flucht
52 Frank Zander
53 Freibier
54 Fremd-Erfolge
55 Frösche
56 Fruchtbar
57 Früher Vertrag
58 G14
59 Gehaltsetat
60 Geheimniskrämerei
61 Gelsenkirchen
62 Goldene Zwanziger
63 Golz
64 Ha-Ho-He
65 Hall of Fame
66 Hautnah
67 Hertha
68 Hertha-Echo
69 Herthaner des Jahres
70 Herthaschiff
71 Herthinho
72 Höhenkammer
73 Hooligan-Attacke
74 Hunderter
75 –ic-Auswahl
76 Jahrhundert-Elf
77 Jakobsweg
78 Jos’ Welt
79 Jubiläumstore
80 Jugend-Akademie
81 Käfig
82 Kapitäne
83 Kapriolen
84 Klima
85 KKR
86 Kneipiers
87 Knöllchen-Meister
88 Kurzarbeiter
89 Lieder
90 Lichtenrade
91 Lokomotive
92 Lottogewinn
93 Magath, Felix
94 Manager
95 Mansiz, Ilhan
96 Marathondistanz
97 Marktwert
98 Mentalcoach
99 Miete
100 Mitglieder
101 Nationaltrainer
102 Negativrekord
103 Nullnummer
104 Nummer 1
105 Oldie
106 Orte
107 Otto
108 Plumpe
109 Pokalpleiten
110 Politiker-Gewäsch
111 Polyvalent
112 Pressekonferenz
113 Promis
114 Publikumsliebling
115 Real Madrid (I)
116 Real Madrid (II)
117 Redford, Robert
118 Rekorde
119 Relegation
120 Röber, Jürgen
121 Rotation
122 Rotfieber
123 Rys, Miro
124 Schlabberhose
125 Schlöndorff, Volker
126 Schneeschimmelpilz
127 Schotte
128 Schwarzer Tag
129 Sicherheit
130 Simunic, Josip
131 Skibbe, Michael
132 Sobek-Poppe
133 Sozial
134 Spieler
135 Spitznamen
136 Sprachrohre
137 Sprint-Star
138 Stadionsprecher
139 Sterne
140 Stopper
141 Strafstoßversager
142 Sünder
143 Tabellenführer
144 Tagesarbeit
145 Tattoos
146 Thailand
147 Ticket-Run
148 Top Ten
149 Tor des Monats
150 Torreigen
151 Torjäger-Kanone
152 Trainer
153 Transfers
154 Traumkulisse
155 Twitter
156 Ultimatum
157 Umfragen
158 Ungeschlagen
159 Uruguay
160 Verbindlichkeiten
161 Verbrecherjagd
162 Vereinszentrum
163 Versetzung
164 Verwählt
165 Wahlmann
166 Wappen
167 Wattenscheid
168 Wechselfehler
169 Wedding
170 Weinkenner
171 Weltmeister
172 Weltmeister-Begrüßer
173 Weltmeister-Cousin
174 Weltrekorde
175 Wetter
176 Wir Herthaner
177 Zahlenwerk
178 Zaubertor
179 Zecke
180 Zuschauerrekorde
181 Zuschauerschnitt
182 Zweitliga-Torhüter
183 Quellen
184 Zum Autor
185 Persönliche Top-Ten Michael Jahn
11Freunde
2010 stieg Hertha BSC in die 2. Bundesliga ab und hatte in Lucien Favre und Friedhelm Funkel zwei Trainer verbraucht. Manager Michael Preetz, erst ein Jahr im Amt, stand danach vor der bislang größten Herausforderung seiner zweiten Karriere: Er musste den Stamm der Abstiegsmannschaft halten, mit sehr wenig Geld neue Spieler holen, die Sponsoren beschwichtigen, das gefrustete Berliner Publikum versöhnen und sofort wieder aufsteigen. Dennoch gab Preetz grünes Licht für ein einmaliges Experiment: Tim Jürgens vom Fußballmagazin „11Freunde‟ durfte Preetz eine Saison lang hautnah begleiten – so viel Nähe zum Tagesgeschäft hatte zuvor kein Bundesligamanager zugelassen. Nach dem geglückten Aufstieg erschien im Juni 2011 eine 20-seitige Reportage. Der Neid seiner „11Freunde‟-Kollegen war Jürgens sicher.
Abgefunden
Manch Profi und Funktionär ging im Streit. Hertha musste hohe Abfindungen zahlen. Die Top Drei:
Dieter Hoeneß: Der langjährige Manager (1997-2009) verließ den Verein nach rund 13 Jahren im Juni 2009. „Unterschiedliche Auffassungen zwischen den Gremien und dem Vorsitzenden der Geschäftsführung über die künftige Vereins- und Geschäftspolitik‟ lautete der offizielle Grund. Hertha zahlte Hoeneß dem Vernehmen nach eine Abfindung von rund 1,2 Millionen Euro.
Christian Fiedler: Der langjährige Torhüter und spätere Torwarttrainer musste 2013 gehen. Unter Cheftrainer Jos Luhukay kam es im Trainerstab auf der Position des Torwarttrainers zu einer Neuausrichtung. Also wurde die Zusammenarbeit trotz laufenden Vertrages vom Verein gekündigt. Fiedler zog vor das Arbeitsgericht Berlin-Brandenburg und klagte. Nach mehreren Verhandlungen kam es zu einem Vergleich: Hertha musste Fiedler eine Abfindung in Höhe von 579.000 Euro zahlen.
Lucien Favre: Der Schweizer Trainer wurde im Herbst 2009 vorzeitig entlassen und kritisierte hernach auf einer von ihm einberufenen Pressekonferenz seinen Arbeitgeber. Hertha klagte wegen „vereinsschädigenden Verhaltens‟. Es kam zu einer Auseinandersetzung vor dem Schiedsgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der Streit endete mit einem Vergleich, und Favre verließ Berlin mit einer Abfindung in Höhe von rund 450.000 Euro.
Abschiedsspiel
Bislang gab es bei Hertha erst ein Abschiedsspiel für verdienstvolle Profis. Am 27. Juli 2003 standen Michael Preetz und Eyjölfur Sverrisson zum letzten Mal im Hertha-Trikot auf dem Rasen. Sie wurden mit einem Abschiedsspiel gegen Galatasaray Istanbul geehrt. Beim 4:1-Sieg vor 35.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion wechselte Trainer Huub Stevens das Duo nach 49 Minuten aus, woraufhin es auf einer Ehrenrunde stürmisch gefeiert wurde. Im Stadion sangen „Nello und friends‟ (Herthas Teamleiter Nello di Martino) das berühmte Lied „Time to say goodbye‟. Höhepunkt: Vor dem Tor zum 3:1 hatte Herthas Rekordschütze Preetz (84 Bundesligatreffer) dem rustikalen Abwehrspieler Sverrisson den Ball vorgelegt. Der Isländer verwertete. Preetz und Sverrisson sind bis heute eng befreundet und tauschen sich auch in ihren Funktionen als Hertha-Manager bzw. Islands U21-Auswahltrainer regelmäßig aus.
Abseitsfalle
Max Fischer und Emil Domscheidt gehörten in den 1920er Jahren der erfolgreichen Hertha-Mannschaft an, die mehrmals um die Deutsche Meisterschaft spielte. Die beiden Abwehrspieler kannten sich sehr gut und verstanden sich auf dem Rasen beinahe blind. Hunderte von Angreifern tappten damals in ihre berühmte Abseitsfalle. Die Abseitsregel war im Jahr 1925 vom Weltfußballverband (FIFA) geändert worden. Waren es bis dahin drei gegnerische Spieler gewesen, die zwischen dem Tor und dem Angreifer stehen mussten, waren es nun nur noch deren zwei. Fischer und Domscheidt wussten das zu nutzen. Wie auf ein geheimes Kommando traten sie wenige Schritte in Richtung gegnerische Hälfte und stellten damit bei der Ballabgabe den gegnerischen Stürmer, der sich zu weit nach vorne gewagt hatte, ins Abseits. Sie gelten als die Erfinder der Abseitsfalle.
Abstellungsgebühren
Nach der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien bekam Hertha von der FIFA Abstellungsgebühren in Höhe von 145.905 Euro überwiesen – für die Nationalspieler John Anthony Brooks (USA) sowie Adrian Ramos (Kolumbien). Auch der Sommer-Zugang 2014, Valentin Stocker (Schweiz/FC Basel), nahm an der Weltmeisterschaft teil. Unter Trainer Ottmar Hitzfeld spielte er in Brasilien für die Schweizer Nationalmannschaft.
Die weiteren WM-Teilnehmer von Hertha BSC:
Erich Beer: 1978 in Argentinien für Deutschland
Kjetil Rekdal: 1998 in Frankreich für Norwegen
Marko Rehmer: 2002 in Japan/Südkorea für Deutschland
Bart Goor: 2002 in Japan/Südkorea für Belgien
Josip Simunic: 2002 in Japan/Südkorea und 2006 in Deutschland für Kroatien
Gilberto: 2006 in Deutschland für Brasilien
Niko Kovac: 2006 in Deutschland für Kroatien
Arne Friedrich: 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika für Deutschland
Abteilungen
Neben dem Profifußball gehören zum Verein auch andere Abteilungen, von denen einige inzwischen verschwunden sind.
Die Fußball-Amateure: Die Abteilung umfasst 450 Mitglieder (inklusive Futsal).
Die Sänger: 1927 entstand die Abteilung Gesang, die in den 1990er Jahren wieder aufgelöst wurde.
Die Kegler: 1924 entstand die Abteilung Kegeln, die bis heute existiert und gut organisiert ist. Mehrmals konnte der Titel des Deutschen Meisters gewonnen werden. Die Abteilung hat 65 Mitglieder.
Die Boxer: 1948 entstand die Abteilung Boxen, die mehrmals den Titel eines deutschen Mannschaftsmeisters erringen konnte. Geboxt wird bei Hertha noch immer. Die Abteilung hat 173 Mitglieder.
Die Tischtennisspieler: 1969 entstand die Abteilung Tischtennis, die bis heute im Spielbetrieb steht und einst sogar mit den Herren in der Zweiten Bundesliga spielte. Die Abteilung hat 124 Mitglieder.
Die Eishockeyspieler: Ja, Hertha spielte sogar einmal Eishockey! 1969 wurde von Hertha eine Eishockeymannschaft zum Spielbetrieb angemeldet. 1969/70 spielte das Team in der Regionalliga Nord (3. Liga). Vor der Saison 1970/71 wurde die Mannschaft aber zurückgezogen und im Sommer 1971 aufgelöst. Die besten Spieler schlossen sich dem Berliner Schlittschuh-Club an. Im Juli 1971 gab es eine Eishockeyfusion zwischen Hertha BSC und dem BFC Preussen, danach den Anschluss an den Berliner Schlittschuh-Club.
Die Beachvolleyballer: 2005 kamen die bekannten Beachvolleyballerinnen Sara Goller und Lara Ludwig, beides Nationalspielerinnen, zu Hertha BSC und starteten unter dem Hertha-Logo bei Welt-und Europameisterschaften. 2012 startete das Duo bei den Olympischen Spielen in London und kam bis ins Viertelfinale. Anfang 2013 beendete Sara Goller ihre erfolgreiche Karriere, während Laura Ludwig mit ihrer neuen Partnerin Kira Walkenhorst zum Hamburger SV wechselte. Somit gibt es bei Hertha keine Beachvolleyballer mehr.
Die Frauenfußballerinnen: Seit 2009 kooperiert Hertha mit der Frauenfußball-Abteilung des 1. FC Lübars. Die Mannschaft spielt in der Zweiten Bundesliga und erhält materielle und logistische Unterstützung durch Hertha BSC. Der Kooperationsvertrag läuft bis 2016. Nach der Saison 2014/15 errang der 1. FC Lübars die Meisterschaft in der Zweiten Liga, konnte aber aus „finanziellen und strukturellen Gründen‟ nicht aufsteigen.

Alex Alves
Im Juni 2013 gab es ein außergewöhnliches Fußballspiel im Berliner Jahn-Sportpark. 5.000 Zuschauer waren zum Abschiedsspiel für den im November 2012 verstorbenen Brasilianer Alex Alves gekommen.
Stürmer Alves, noch immer der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte (Stand: Juni 2015, 7,6 Mio. Euro Ablöse im Jahr 2000), spielte von 2000 bis 2003 bei der Hertha und galt als eine der schillerndsten Figuren beim Hauptstadtklub. Der extrovertierte Profi sorgte immer wieder für Schlagzeilen – sowohl auf dem Rasen als auch außerhalb des Spielfeldes. Er starb, finanziell beinahe am Ende, an einer seltenen Knochenmarkserkrankung.
Hertha-Fan Stefan Willkommen, ein Freund der Familie Alves, organisierte daraufhin ein Abschiedsspiel, bei dem sich im Jahn-Sportpark das „Alex-Alves-Memorial-Team‟ und ein All-Star-Team von Hertha-Freundschaftsklub Karlsruher SC gegenüberstanden. Die Alves-Auswahl siegte mit 7:5, Referee war der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Bernd Heynemann aus Magdeburg.
Im Alves-Team standen Profis, die zusammen auf stolze 1.671 Bundesligaspiele kamen. Mit dabei u.a.: Marko Pantelic, Stefan Beinlich, Patrick Ebert, Dick van Burik, Bryan Roy, Piotr Reiss, Andreas Schmidt, Sixten Veit und der Brasilianer Ailton. Trainer war Jürgen Röber. Die Veranstaltung verlief äußerst emotional. Auch Alves’ Witwe Nadia Franca sowie seine in Berlin geborene Tochter Alessandra waren anwesend. Ein ergreifender Abend voller Tore und Tränen.
Albtraumgegner
| Gerd Müller | 20 Spiele gegen Hertha/19 Tore |
| Miroslav Klose | 16 Spiele/11 Tore |
| Jupp Heynckes | 18 Spiele/11 Tore |
| Klaus Toppmöller | 13 Spiele/10 Tore |
| Claudio Pizarro | 19 Spiele/10 Tore |
| Klaus Fischer | 26 Spiele/10 Tore |
| Oliver Neuville | 22 Spiele/9 Tore |
| Werner Weist | 13 Spiele/9 Tore |
| Dieter Müller | 15 Spiele/9 Tore |
| Roland Wohlfahrt | 7 Spiele/ 8 Tore |
Alter
Der Georgier Lewan Kobiaschwili traf am 22. Spieltag der Saison 2013/14 beim 2:1-Sieg von Hertha beim VfB Stuttgart zum 1:0. Er war damals 36 Jahre und 277 Tage alt und damit der älteste Torschütze von Hertha in der Bundesliga.
American Football
Herthas ehemaliger Mittelstürmer und Kapitän Axel Kruse verdingte sich nach dem Karriereende als Football-Spieler beim Team Berlin Thunder. Er gewann sogar zwei World-Bowl-Titel.
Amis
Einige ehemalige Hertha-Profis besaßen eine starke Affinität zu den USA. Sie setzten dort ihre Karriere fort oder beendeten in den Staaten ihre Laufbahn. Und ein paar gute Dollars gab es natürlich auch zu verdienen.
Herthaner bei den Amis
Arno Steffenhagen (geb. 24.9.1949 in Berlin): Der Stürmer war in den Bundesliga-Bestechungsskandal 1971 verwickelt und bekam eine Sperre. Steffenhagen (1 Länderspiel für Deutschland) ging in die USA und spielte 1978 für Chicago Sting in der nordamerikanischen Soccer League (NASL). Später wechselte er zu den Toronto Blizzards und zu den Vancouver Whitecaps.
Volkmar Groß (geb. 31.1.1948 in Berlin, gest. 3.7.2014): Der Torhüter (1 Länderspiel für Deutschland) war in den Bundesligaskandal verwickelt und spielte Ende der 1970er Jahre in den USA bei den Minnesota Kicks bzw. San Diego Socks.
Karl-Heinz Granitza (geb. 1.11.1951 in Lünen): Der Torjäger spielte von 1978 bis 1984 bei Chicago Sting und wurde Meister in der NASL. Granitza war der erfolgreichste frühere Herthaner in Amerika. Er schoss in 199 Spielen stattliche 128 Tore und wurde zum Sportler des Jahres in Chicago gewählt.
Bernd Gersdorff (geb. 18.11.1946 in Berlin): Der Stürmer verdiente sein Geld bei San Jose Earthquakes und bei den San Diego Soccers. Das war im Jahr 1980.
Hans Weiner (geb. 29.11.1951 in Neunkirchen): Der Abwehrspieler spielte von 1982 bis 1984 bei Chicago Sting, dem wohl beliebtesten Verein deutscher Profis.
Arne Friedrich (geb. 29.5.1979 in Bad Oeynhausen): Der Abwehrmann und 82-fache deutsche Nationalspieler, viele Jahre Hertha-Kapitän, beendete seine Laufbahn 2012/13 bei Chicago Fire.
Amis bei Hertha:
Anthony Sanneh (geb. 1.6.1971 in St. Paul): Der US-amerikanische Nationalspieler kam 1998 von Washington D.C. zu Hertha und spielte von 1998 bis 2001 in Berlin.
John Anthony Brooks (geb. 28.1.1993 in Berlin): Der Abwehrspieler besitzt die deutsche und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Beide Fußballverbände bemühten sich um ihn. Brooks, der einen amerikanischen Vater und eine deutsche Mutter hat, entschied sich für die USA und wurde dort Nationalspieler. Seit 2012 Profi bei Hertha BSC, wurde er 2014 ins WM-Aufgebot der USA nominiert und kam in Brasilien zum Einsatz.
Jürgen Klinsmann (geb. 30.7.1964 in Göppingen): Der deutsche Ex-Nationalspieler und spätere Teamchef der Nationalmannschaft ist seit Juli 2011 Nationaltrainer der USA. Er lebt seit vielen Jahren in Kalifornien. Klinsmanns erstes Bundesligaspiel, das er als achtjähriger Junge erlebte, war die Partie VfB Stuttgart gegen Hertha BSC. 2004 wurde er Mitglied bei Hertha BSC und bekam die Mitgliedsnummer 18.
Alfredo Morales (geb. 12.5.1990 in Berlin): Von 2008 bis 2013 bei Hertha/jetzt FC Ingolstadt, ist ein deutsch-amerikanischer Profi mit peruanischer Abstammung. Gab sein Debüt in der US-Nationalelf unter Coach Jürgen Klinsmann im Jahr 2013.
Anti-Randale-Prämie
Die Deutsche Bahn war von 2006 bis 2015 treuer Haupt- und Brustsponsor von Hertha. Nach der Saison 2013/14, Hertha war auf Platz 11 in der 1. Bundesliga eingelaufen, gab es einen stattlichen Nachschlag von der Bahn: die so genannte „Anti-Randale-Prämie‟. Bei der Vertragsverlängerung hatte die Bahn auf einer speziellen Klausel bezüglich der Hertha-Fans bestanden. Gemeinsam mit dem Verein und den Anhängern waren Projekte und Spielregeln vereinbart worden, die zu einem friedlichen Auftreten beitragen sollten. Das klappte gut, und Bahnchef Rüdiger Grube lobte: „Das Intelligente an der Vereinbarung ist: Hertha wird nicht bestraft, wenn mit den Fans etwas passiert, aber wird belohnt, wenn alles glatt läuft. Wir zahlen zu einem Sockelbeitrag eine beachtliche Summe on top.‟ Die soll 2013/14 bei rund einer Million Euro gelegen haben. Im Sommer 2015 beendete die Deutsche Bahn das Engagement als Hauptsponsor bei Hertha, wird dem Verein aber als Exklusivsponsor treu bleiben.
Arsenal
Arsenal London mit Trainer Arsène Wenger setzt gern auf deutsche Spieler. Mit Mesut Özil, Lukas Podolski und Per Mertesacker spielten zuletzt gleich drei deutsche Nationalspieler für den Premier-League-Klub. Auch zwei junge Akteure, die einst für Jugendmannschaften von Hertha BSC aufliefen und in Berlin ausgebildet wurden, versuchen sich bei Arsenal am Sprung in den Profibereich: Leander Siemann (Jahrgang 1995) ist seit Juli 2011 in London, und Gedion Zelalem (Jahrgang 1997) spielt seit Januar 2013 für die Gunners. Zelalem bekam bereits einen Profivertrag bis 2017.
Ausblick
Der Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte gilt als einer der schönsten Plätze in Europa. Der ehemalige Hertha-Trainer Jürgen Röber residierte dort für einige Jahre ab 2000 in einer wunderschönen Wohnung und schwärmte ob der perfekten Lage. Am goldenen Klingelschild des schneeweißen Hauses ließ er damals lediglich zwei Buchstaben anbringen: „J.R.‟. Das erinnerte an J.R. Ewing, den Fiesling aus der Kultserie „Dallas‟. Später zog Röber in eine Wohnung am Potsdamer Platz. Er fühlt sich mitten in der Stadt eben am wohlsten.
Ausländer
Ausländer, die in der Bundesliga für Hertha BSC spielten:
Brasilien: 14
Kroatien: 9
Niederlande: 7
Dänemark, Norwegen, Tschechien: jeweils 5
USA, Türkei, Polen, Schweiz: jeweils 4
Schweden, Ungarn, Serbien: jeweils 3
Österreich, Argentinien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Griechenland, Jugoslawien, Kamerun, Japan: jeweils 2
Angola, Belgien, England, Frankreich/Guinea, Frankreich/Kongo, Georgien, Ghana, Iran, Island, Kolumbien, Nigeria, Portugal, Rumänien, Tadschikistan/Österreich, Thailand, Tunesien, Jugoslawien, Ukraine, Slowakei, Elfenbeinküste: jeweils 1
Dazu kommen die Deutsch-Tunesier Änis Ben-Hatira und Sami Allagui.
Zur Saison 2014/15 verpflichtete Hertha den Japaner Genki Haraguchi, die beiden Niederländer John Heitinga und Roy Beerens, den Schweizer Valentin Stocker sowie Salomon Kalou von der Elfenbeinküste. Damit erhöhte sich die Zahl der Ausländer auf sieben Niederländer, vier Schweizer und zwei Japaner. Kalou war der erste Profi aus der Elfenbeinküste.
Badewanne
Trainer Helmut Kronsbein (geb. 1914, gest. 1991) prägte viele Jahre die Bundesliga-Geschicke von Hertha. Sein Privatleben verlief nach dem Karriereende weniger geradlinig. Im Juli 1979 wurde seine Frau Gerda tot in der gefüllten Badewanne der gemeinsamen Wohnung aufgefunden. Als Todesursache galt Selbstmord durch Stromschlag. Neben der Leiche wurde ein eingeschalteter Fön gefunden. Erst viele Jahre später kam es zu erneuten Ermittlungen. Wegen diverser Ungereimtheiten wurde schließlich im August 1984 ein Indizienprozess gegen Kronsbein eröffnet – wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Kronsbein wurde freigesprochen und starb 1991 mit 76 Jahren in der Uni-Klinik in Berlin-Steglitz.
Bayern-Schreck
Stürmer Detlef Szymanek (geb. 1954) schoss in 40 Bundesligaspielen zwischen 1974 und 1977 14 Tore für Hertha. In die Historie ging er vor allem wegen eines Spiels beim FC Bayern München ein. 1975/76 unterlag Hertha in München spektakulär mit 4:7. In der Halbzeit stand es bereits 6:0 für den FC Bayern. Danach gelangen Jungprofi Szymanek drei Tore gegen Nationaltorhüter Sepp Maier. Er traf in der 82., 87. und 89. Minute. „Alle mit dem Fuß‟, erinnert sich Szymanek.
Becherwurf
Zu einem Skandal kam es in der zweiten Runde des DFB-Pokalwettbewerbs am 25. Oktober 2006. Hertha spielte beim Regionalligisten Stuttgarter Kickers. Die Berliner führten mit 2:0, als ein von einem Zuschauer geworfener Plastikbecher Linienrichter Kai Voss traf. Der brach zusammen und musste eine Woche krankgeschrieben werden. Die Polizei stürmte derweil den Block, aus dem der Becher geflogen war, und fasste den Täter. Das Spiel wurde nach 82 Minuten abgebrochen und 2:0 für Hertha gewertet. Der Täter musste 13.500 Euro zahlen (10.000 Euro an den DFB, 3.500 Euro an die Stuttgarter Kickers) und wurde zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
Berlin-Sieger
Der Berliner Fußball-Verband (BFV) ermittelt gemeinsam mit der „Fußballwoche‟ seit 2011 die „Fußballer der Saison‟. Berlins Fußballanhänger geben dabei ihre Stimme ab. Die Sieger in der Kategorie „Profis‟ waren oft Herthaner: 2010/11 Pierre-Michel Lasogga (33,6 Prozent der Stimmen), 2011/12 Thomas Kraft (32,4 Prozent), 2012/13 Ronny (38,12 Prozent).
Berufe-Elf
Michael Kellner; Jürgen Weber, Luggi Müller, Kurt Müller, Hans-Joachim Förster, Christian Müller, Dietmar Krämer, Karl-Heinz Hausmann, Benjamin Köhler, Christian Fährmann, Rainer Blechschmidt. Trainer: Jupp Schneider
Beten
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?‟
Weithin sichtbar strahlt dieser Bibelvers golden auf kardinalrotem Untergrund. Jeder, der aus den Katakomben des Olympiastadions den Weg zum Spielfeld antritt, kann diese Worte lesen. Die Kapelle im Olympiastadion ist ein ganz besonderer Ort und ganz nahe am sportlichen Wettkampf, bei dem sich ab und an existenzielle Fragen stellen: Was ist ein Sieg tatsächlich wert? Wie weit gehen wir dafür? Würden wir alles aufs Spiel setzen? Dieser Ort regt zum Nachdenken an in der Hektik vor und nach einem Fußballspiel. Er ist ein Platz zum Innehalten, zur Andacht, zur Besinnung. Das goldene Oval, dem Olympiastadion in seiner Form nachempfunden, beherbergt Bibelverse, die übersetzt in 18 Sprachen an den Wänden zu lesen sind.
Pfarrer Dr. Bernhard Felmberg stieß dieses seltene Projekt im Jahr 2002 an, als das Olympiastadion eine Totalrenovierung erfuhr. Gemeinsam mit dem katholischen Geistlichen Diakon Gregor Bellin betreut Felmberg ehrenamtlich die Kapelle im Stadion. Felmberg spielte während seines Theologiestudiums selbst Fußball. „Kirche und Sport miteinander zu verbinden, war immer mein Ziel‟, sagt der Pfarrer. 2006 konnte das Projekt mit der Stadionkapelle umgesetzt werden. Seitdem steht der Andachtsraum Sportlern, Fans und Besuchern zur Verfügung.
Am Spieltag wird die Kapelle 90 Minuten vor Anpfiff der Partie geöffnet. 45 Minuten vor Beginn eines Spiels beginnt die Andacht. Interessierte treffen sich am Eingang zum Block C. Fans, Mitarbeiter von Hertha, Mitglieder von Fanklubs, Anhänger der gegnerischen Mannschaft oder auch Spieler finden hier kurz Ruhe. Felmberg sagt: „Wir haben hier Hertha-Fans getraut, getauft und um sie getrauert.‟ Nach den Spielen findet man die Geistlichen in den Katakomben des Stadions am Ende der Mixed-Zone. Ab und an brauchen auch Profis eben ein wenig Trost.
Blau-weiße Hertha
Blau-weiße Hertha, du bist unser Sportverein.
Blau-weiße Hertha, du wirst es immer sein.
Wo du spielst, da rollt das Leder ungestüm ins Tor.
Wo du schießt, da ruft ein jeder:
Hertha vor – noch ein Tor.
Blau-weiße Hertha, dir gehört der Sieg.
Keiner spielt so schön wie du, schießt wie du, trifft wie du,
du bleibst unser Sportverein.
Schuss-Tor-hinein.
An dem schönen Strand der Spree,
dort spielt Hertha BSC,
der Berliner groß und klein
schwört auf den Verein.
Ob es regnet oder schneit.
jeder hat für Hertha Zeit.
Sonntags sieht man ganz Berlin
ganz vergnügt zur Plumpe ziehn.
Blau-weiße Hertha, du bist unser Sportverein.
Blau-weiße Hertha, du wirst es immer sein.
So sangen das Lied die Hertha-Fans 1930 nach dem Gewinn der ersten Deutschen Meisterschaft. Das Lied ging nach der Melodie von „Oh, Donna Clara‟, eines populären Schlagers jener Tage.
1961 machte die Combo „Die Drei Travellers‟ die Hymne neu bekannt. 2013 präsentierte das „Hertha-Echo‟ – das Fanradio des Vereins – das Lied in einer Neuauflage zusammen mit den „Berlin City Stompers‟. Gesungen wurde es von Hertha-Urgestein Lothar Heinze.
Bierbrunnen
In Berlin gibt es etwa zwei Dutzend Kneipen, in denen sich besonders viele Hertha-Fans treffen, Siege feiern oder gemeinsam trauern und ihre Biere trinken. Nur wenige haben jedoch ein derart nostalgisches Flair wie jene echte Berliner Kneipe mitten im Gesundbrunnen, wo Hertha einst ihre Heimat hatte: Der „Bierbrunnen an der Plumpe‟.
Die Kneipe mit dem Slogan „In ist, wer drin ist! – Dufte Berliner Kiezkneipe im Gesundbrunnen‟ befindet sich an einem historischen Standort in der Behmstraße 3/Ecke Badstraße. Gegenüber ist der Bahnhofsvorplatz des großen S-Bahnhofs Gesundbrunnen, einem Drehkreuz für Umsteiger. Der Platz trägt seit einigen Jahren den Namen von Hanne Sobek, dem Kapitän der Meistermannschaften von 1930 und 1931. Sobek, der populärste Hertha-Spieler der 1920er und 1930er Jahre, wohnte gleich um die Ecke in der Behmstraße Nummer 9. Bis 1974 stand nur einige hundert Meter von der Kneipe entfernt das berühmte Stadion „Plumpe‟, wo Hertha große Triumphe feierte.
1974 machte der ehemalige Hertha-Präsident Wolfgang Holst („Holst am Zoo‟) den „Bierbrunnen‟ auf. Exakt in jenem Jahr, in dem die Plumpe abgerissen wurde. Später entstanden dort Wohnsilos. Seit 2002 versucht Andrea Klyszcz als Wirtin und Besitzerin, das alte Flair zu erhalten. An den Wänden hängen wunderschöne großformatige Schwarz-Weiß-Fotos aus den 1930er Jahren. Die Hertha-Mannschaft, die damals Meister wurde. Szenen von Spielen an der Plumpe. Solche bebilderte Zeitgeschichte in Sachen Hertha BSC findet sich sonst in keiner anderen Berliner Kneipe. Der Tresen ist rund, es gibt Berliner Kindl, Schultheiss und Märkischen Landsmann. Wer die Spiele der Hertha auf dem kleinen Fernseher sehen will, guckt allerdings in die Röhre. Die 600 Euro für „Sky‟ will die Wirtin nicht investieren. Es lohne sich nicht. So gibt es die Ergebnisse nur im Videotext. Neben dem Fernseher hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Wer die Wirtin kränkt, wird aufgehängt‟.