Buch lesen: "Insel der Lust"

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Marina Vargas

Insel
der Lust

Erotischer Roman


www.Elysion-Books.com

ELYSION-BOOKS

Print; 1. Auflage: April 2020

eBook; 1. Auflage: April 2020

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© 2020 BY ELYSION BOOKS GMBH, LEIPZIG

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UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinert

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LAYOUT &WERKSATZ: Hanspeter Ludwig

www.imaginary-world.de

ISBN (gedrucktes Buch) 978-3-96000-081-5

ISBN (ebook) 978-3-978-3-96000-082-2

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Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

1

»Sonne, Strand, traumhafte Lagunen, Wellness. In zweieinhalb Wochen sozusagen runderneuert!«

Die Mitarbeiterin des Reisebüros lächelte Marie Berger aufmunternd zu. Ihre Kundin saß ein wenig unsicher auf der Kante des Besucherstuhls und schaute auf die bunten Katalogbilder, die einen Traumurlaub präsentierten.

»Das wird besonders gerne von Singles gebucht«, schob die Angestellte nach. Ihr Blick hatte sich kurz von Marie gelöst und war auf die drei Personen gefallen, die bereits mehr oder weniger geduldig im Hintergrund warteten. Die wunderschöne indonesische Insel, die sie der unentschlossenen jungen Frau gerade vorgestellt hatte, war bereits der achte Vorschlag.

Langsam sollte die Kundin mal zu Potte kommen!

»Sieht gut aus«, murmelte sie gerade.

»Na, dann machen wir das doch«, meinte die Angestellte jetzt aufgeräumt und legte die Hände bereits auf die Tastatur ihres Computers.

Die Kundin rutschte auf ihrem Stuhl herum und atmete tief ein. Sie schien keine von der energischen und entschlussfreudigen Sorte zu sein. In diesem Moment klingelte auch noch das Telefon und einer der Wartenden näherte sich, mit Blick auf seine Uhr.

»Dauert es noch lange? Meine Mittagspause ist gleich vorüber«, meinte er.

Die Angestellte lächelte gezwungen und schüttelte den Kopf.

»Wir sind gleich soweit«, sagte sie optimistischer, als sie es tatsächlich war. Ihre Finger tanzten ungeduldig auf der Tastatur. Als ihre gehemmte Kundin dann endlich nickte, stieß die Angestellte einen Stoßseufzer aus. Sie blickte auf den Mann hinter Marie Berger und lächelte ihn beruhigend an, während sie geschwind die Eingaben machte. Ein paar Minuten später schob sie ihrer Kundin die Unterlagen zu.

»Sie werden sehen – dieser Urlaub wird unvergesslich!«

Sie sollte gar nicht ahnen, wie recht sie damit hatte!

2

Marie betrachtete sich im Spiegel. Eine schlanke, mittelgroße Frau, vielleicht ein bisschen rund am Bauch, mit einem schön geformten festen Busen, mit sanft über die Schultern fallendem dunkelblonden Haar und großen, blauen Augen schaute zurück. Nicht übel, wenngleich auch noch ein wenig blass. Aber das würde sich ja vermutlich in den kommenden Tagen schnell ändern. Sie trug einen schwarzen Badeanzug und entschied, noch einen rot und grün gemusterten Pareo darüber zu wickeln. Es war ihr erster Tag auf der Trauminsel und sie hatte vor, ihn am Strand zu verbringen. Ein bisschen erstaunt war sie bei ihrer Ankunft am Vortag schon gewesen. Der Flieger nach Makasar war proppenvoll gewesen, doch am Flughafen wurden nur sie und ein Paar zur Weiterreise auf die Insel abgeholt. Vermutlich hatte sie ohne ihr Wissen ein sehr exklusives Ambiente gebucht. Egal wie, sie freute sich sehr darauf. Sie waren mit einem Wasserflugzeug auf eine der Inseln weitergereist, von dort nach einer einstündigen Überfahrt mit der Fähre an ihrem Ziel angekommen. Es erhob sich wie ein Kleinod aus herrlichen Lagunen und weißen Stränden am Rand, sowie dichtem Grün im Inneren aus dem türkisblauen Meer. Das ganze Gelände gehörte zu der wunderschönen Anlage, in der sie untergekommen war. Kleine, landestypische Bungalows lagen um das eingeschossige Haupthaus mit Rezeption und Restaurant verstreut in einem großzügigen Garten voll saftigem Grün und bunter, exotischer Pflanzen. Alles duftete nach Blüten und Meer. Die gesamte Atmosphäre war so entspannt, dass der Alltag bereits innerhalb der ersten Minuten von ihr abgefallen war. Es schien auch zu stimmen, dass dieses Hotel gerne von Singles gebucht wurde. Heute früh hatte sie im Speisesaal fast nur Einzelreisende und wenige Paare gesehen. Umso besser! Dann fiel sie wenigstens nicht so auf.

Marie verstaute Sonnencreme, Handtuch und ein Buch in ihrer Strandtasche, setzte Hut und Sonnenbrille auf und machte sich dann auf den Weg. Von den Bungalows aus führten geschwungene, hell gepflasterte Wege durch den parkähnlichen Garten. Sie ließ den Poolbereich mit seinem hellblauen Becken und den Liegestühlen hinter sich, denn sie wollte ans Meer. Über jeden von diesen Wegen, so hatte es ihr die Mitarbeiterin an der Rezeption erklärt, gelange man zu einer Bucht.

»Es gibt aber auch noch jede Menge geschützter Plätze. Sie müssen einfach am Meer entlanggehen. Ganz unbeobachtete Stellen auf einer vorgelagerten Insel erreicht man mit dem Boot. Falls Sie also darauf Wert legen, sagen Sie uns Bescheid, dann fährt sie ein Angestellter von uns hin.« Dabei hatte die Mitarbeiterin einmal kurz und komplizenhaft gezwinkert.


Tatsächlich gelangte sie kurz darauf an eine traumhafte, kleine Bucht. Sand, so weiß und fein wie Puderzucker, ging in dunkeltürkisfarbenes Meer über, das mit leichtem Wellenschlag ans Land kam. Es war Platz genug. Nur wenige Menschen befanden sich hier. Die meisten davon saßen oder lagen allein, zu zweit oder in kleinen Grüppchen unter Sonnendächern aus Palmwedeln. Marie beschloss, zunächst noch ein Stück am Meer entlangzugehen. Sie wandte sich nach links, zog ihre Schuhe aus und watete im flachen Wasser los.

Es war traumhaft! Das Türkis des Meeres reichte bis zum Horizont, wo es vom hellen Blau des Himmels abgelöst wurde. Kein Schiff, keine Surfer, überhaupt keine Wassersportler, waren zu sehen. Das Wasser leckte an Maries Füßen und sie konnte es kaum erwarten, sich in die Fluten zu stürzen und ein Stück hinaus zu schwimmen. Die Bucht endete an einer niedrigen Felsklippe, die sie im tieferen Wasser umrundete. Ihr Pareo wurde nass, doch obwohl sie sonst eher pingelig war, machte ihr das nichts aus. Schließlich hatte sie Urlaub, da konnte sie alles einfach mal locker nehmen. Der sich an die Felsnase anschließende Strand war sehr klein und Marie beschloss, noch ein Stück weiter zu gehen, bis zum nächsten. Dort gefiel es ihr auf Anhieb, die anschließende Bucht war sanft gerundet und von Palmen begrenzt. Außer ihr war kein Mensch zu sehen. Das war perfekt für ihren ersten Sonnentag. Marie ließ ihre Tasche in den weißen Sand fallen, holte ihr Liegetuch aus der geräumigen Basttasche und breitete es im Halbschatten eines hohen Strauchs auf dem dem Meer abgewandten Teil der Bucht aus. Gleich dahinter begann eine exotische Vegetation aus hohen Palmen und saftig grünen Sträuchern. Um sie herum herrschte absolute Stille, vom Rauschen des Meeres einmal abgesehen.

Erst als sie sich niedergelassen hatte, hörte sie ein Geräusch, das sie nicht zuordnen konnte. Gab es hier Tiere? Aufmerksam blickte sie um sich, sah jedoch nichts. Erst, als das Geräusch noch einmal ertönte, konnte sie es lokalisieren.

Was … ist das?, schoß es ihr dennoch durch den Kopf. Es dauerte einen Moment, bis sie realisiert, was ein Stück weiter, mitten im Grün, vor sich ging. Marie starrte auf die beiden Menschen, die sich dort befanden. Eine Frau und ein Mann, beide waren nackt. Marie erkannte etwas Rotes zu Füßen der Frau. Vielleicht ein Badeanzug.

Die Fremde stand vornübergebeugt und stützte sich mit den Händen am Stamm einer Palme ab. Ihr Unterkörper war weit nach hinten geschoben, sie hatte die Beine gespreizt. Der Mann, der hinter ihr stand, knetete hingebungsvoll ihre Hinterbacken und die Frau seufzte bei dieser Massage tief und erregt. Dieses Seufzen hatte Marie gehört.

Ich muss hier weg! Das Paar hatte sie noch nicht gesehen, obwohl sie tatsächlich nicht weit entfernt waren. Marie hatte bereits nach ihrer Tasche gegriffen, da zögerte sie.

Wenn ich mich jetzt bewege, sehen sie mich auf jeden Fall und wissen, dass ich sie beobachtet habe.

Sie hielt inne. Die Situation war einfach schrecklich. Da saß sie an einem einsamen, kleinen Strand und weit und breit war niemand zu sehen, außer diesem nackten Paar in einer absolut intimen Situation! Am besten, sie legte sich still auf ihr Handtuch, zog sich den Hut übers Gesicht und tat so, als sähe sie nichts. Doch sie konnte den Blick nicht von den beiden abwenden. Die Frau warf den Kopf in den Nacken und sagte etwas. Marie konnte die Sprache nicht verstehen, aber der Klang der Stimme elektrisierte sie sofort. Die Frau klang lockend, bittend auf eine völlig ursprüngliche Art. Fast wie eine Katze, die den Kater mit gutturalen Tönen lockt! Marie schlug die Augen nieder, doch dann blickte sie sofort wieder hin. Der Mann war sichtlich erregt. Sein Glied stand stramm vom Bauch weg und Marie beobachtete fasziniert und entsetzt zugleich, wie er es mit seiner Rechten umfasste und einige Male langsam und fest massierte. Marie schluckte hart. Sie hatte in ihrem Leben bisher nicht viele Liebesbeziehungen gehabt. Meist hatte der Sex unter der Bettdecke oder im Dunkeln stattgefunden und nicht selten war es ein eher einseitiges Vergnügen gewesen. Eindeutig auf Seiten der Männer! Vermutlich, so tröstete sie sich in bestimmten Momenten, war ihr der Richtige eben noch nicht begegnet. Aber eines wusste sie genau: Sie hatte einen so großen Penis noch nie gesehen.

Während der Mann eine Hand langsam von der Eichel bis zum Schaft gleiten ließ und mit der anderen gleichzeitig zwischen die Schenkel der vor ihm stehenden Frau eintauchte, wurde Maries Mund trocken und ihr Herz fing heftig an zu schlagen. Eine Hitzewelle breitete sich in ihrem Körper aus, wanderte vom Gesicht über den Hals, die Brüste und dann hinunter zum Unterleib, der gleich darauf an einer intimen Stelle zu pochen begann.

Der Mann trat nun etwas zurück und zog mit beiden Händen die Hinterbacken der Frau auseinander. Marie konnte die Augen nicht von dem Schauspiel abwenden. Jetzt tauchte er seine Eichel ganz leicht in die Vagina der Frau ein, die inzwischen zusammenhanglose Worte ausstieß. Marie beobachtete fasziniert, wie die Fremde verzückt die Augen geschlossen hatte und nun ihren Unterleib leicht vor und zurück bewegte. So, als wolle sie mehr von dem Schwanz, der sich nur ein kleines Stück in ihr befand. Das Gesicht des Mannes war angespannt. Es fiel ihm offenbar nicht leicht, das Ganze noch weiter hinauszuzögern. Dennoch drang er noch nicht in die Frau ein, sondern massierte sie offenbar mit seinem Ständer. Schweiß perlte über seine glattrasierte, muskulöse Brust. Die Frau gab jammernde Töne von sich und dann, mit einem festen, schnellen Ruck, drang ihr Partner ganz in sie ein. Sie schrie auf, und er zog sein Glied wieder aus ihr heraus. Selbst auf die Entfernung konnte Marie sehen, dass es vor Nässe geradezu troff! Die Frau musste unglaublich feucht sein.

So feucht, wie Marie inzwischen auch. Entsetzt realisierte sie, wie ihr Körper auf das Liebesspiel der beiden reagierte. Nämlich mit einem eindeutigen, heißen und fast schmerzhaften Pochen im Inneren ihrer Vagina!

Sie beobachte, wie der Mann die Frau mit festen, kräftigen Stößen nahm, wie sie sich im Höhepunkt aufbäumte und er gleich danach ebenfalls zum Orgasmus kam. Dabei zog er seinen Penis aus der Frau heraus und ergoss sich auf deren Hinterbacken. Marie schnappte nach Luft bei diesem Anblick. Sie meinte, keine Sekunde mehr still sitzen zu können, so sehr pochte und zog es in ihrem Schoß. Noch nie hatte sie einem Paar beim Sex zugesehen. Noch nicht einmal einen Porno hatte sie bisher angesehen. Und nun das. Direkt vor ihrer Nase, live und ganz authentisch.

Die Frau war nach dem Orgasmus auf die Knie gesunken und hockte nun mit vornüber gebeugtem Oberkörper am weißen Sand. Sie keuchte. Der Mann beugte sich nach vorne, gab ihr einen Kuss auf die Schulter und sie drehte den Kopf und sagte etwas zu ihm. Er lachte kurz, bevor er sich umdrehte, um seine Badehose aufzuheben. Gleich darauf entfernte er sich in die von Marie entgegengesetzte Richtung. Die Frau indessen erhob sich, um sich ebenfalls wieder anzukleiden. Gleich darauf kam sie direkt auf Marie zu, die völlig nervös und mit hochrotem Kopf nach ihrem Buch griff. Doch die Fremde hatte sie schon gesehen. Während sie in einem superknappen, knallroten Bikini an Marie vorbeiging, streifte sie ihr lächelnder Blick. Dann war sie vorbei und ließ eine zutiefst verwirrte Marie zurück.


Marie hatte sich in die erfrischenden Fluten gestürzt und war zwanzig Minuten lang zügig geschwommen. Danach fühlten sich ihre Beine etwas weniger wie Wackelpudding an. Doch die Bilder in ihrem Kopf wollten nicht weichen. Der geschmeidige Körper der Frau mit den vollen Brüsten und den erregt zusammengezogenen Warzen. Das pralle Glied des Mannes. Die Bewegungen dieser beiden nackten, schwitzenden Körper. Der Schrei der Frau …

Schluss jetzt, ich will nicht mehr daran denken! rief sich Marie zur Ordnung. Das Meer und die körperliche Anstrengung hatten sie etwas entspannt. Sie legte sich auf den Rücken und schob sich ihren Sonnenhut über das Gesicht.

Jetzt entspann dich und denke an etwas anderes.

Die Hitze sickerte durch den Halbschatten und machte sie dösig. Doch kurz bevor sie einschlief, spürte sie eine Bewegung neben sich. Erschrocken blickte sie auf und sah in zwei dunkelblaue, lächelnde Augen.

»Hallo. Ich bin Michael. Du bist neu hier?«, sagte er mit australischem Akzent. Marie nickte und schluckte. Der Mann war sehr attraktiv. Blondes, von der Sonne gebleichtes Haar fiel ihm weit in den Nacken. Ein dunkler Dreitagebart gab ihm etwas Verwegenes. Und der Anblick seines braun gebrannten, durchtrainierten Körpers in der knappen Badehose war auch nicht ohne.

»Darf ich?«, fragte er mit einem Blick auf ihre Füße. »Sie sehen noch so … angespannt aus.«

Ehe Marie noch etwas sagen konnte, hatte der Australier sich bereits vor ihr in den Sand gesetzt und griff nach ihrem linken Fuß.

»Wunderschön. Zarte Fesseln«, sagte er. Dabei fuhr er mit sanften Bewegungen über ihre Knöchel. »Und allerliebste, kleine Zehen«. Er blinzelte ihr zu und Marie, die immer noch kein Wort herausbekam, starrte ihn einfach nur an. Irgendwie schien alles so locker-leicht, dass sie sich komisch vorgekommen wäre, ihm ihren Fuß zu entziehen. Seine Hände waren kräftig und sanft zugleich. Mit beiden Daumen massierte er ihre Fußsohlen in kleinen, kreisenden Bewegungen, strich mit den Fingerknöcheln darüber, knetete die Zehen, einen nach dem anderen und ließ seine Fingerspitzen in die Zwischenräume gleiten. Das Kribbeln, das er dabei in ihr auslöste, versuchte sie, zu verbergen. Was ging in diesem Mann vor, dass er einfach so daherkam, um ihre Füße zu massieren? Dabei machte er so unangestrengt Konversation, dass Marie sich trotz ihrer Verwirrung bald in einer angeregten Unterhaltung mit ihm wiederfand. Sie erfuhr, dass er bereits seit vier Wochen hier war und sein Urlaub nun fast vorbei sei. Dass es nicht das erste – und ganz sicher nicht das letzte Mal – sei, dass er die Insel besuche. Dabei blinzelte er ihr verschwörerisch zu. Marie erzählte, sie habe schon lange vorgehabt, mal etwas Wellness im Urlaub zu machen.

Erst schaute er sie perplex an, dann lachte er und meinte: »So kann man es auch nennen. Du bist wohl eine von den Frauen, die für die Dinge nette Umschreibungen finden!« Sein Blick dabei war so direkt, dass Marie spürte, wie sie rot wurde.

Sie fand die Bemerkung komisch, sagte aber nichts dazu. Der Tag war bisher schon verwirrend genug gewesen. Sie legte sich lieber zurück und genoss Michaels Berührungen. Er verwöhnte ihre Füße so gekonnt, dass sie um ein Haar angefangen hätte zu schnurren.

»Wir könnten diese … ähm … Wellness-Behandlung gerne heute Abend fortsetzen. Wie wäre es nach dem Abendessen?« Michaels Augen schienen Funken zu sprühen. »Natürlich nur, wenn ich deinen Geschmack treffe. Du weißt ja, wie das hier läuft. Also – keine Angst, falls du schon etwas anderes vorhast oder einfach keine Lust, sag es ruhig.« Er schaute sie abwartend an.

Marie schüttelte automatisch den Kopf. »Ich habe nichts vor«, sagte sie. Warum sich nicht mit dem Australier treffen? Vielleicht würden sie einen Cocktail zusammen trinken und ein bisschen weiter plaudern.

»Prima, dann bis heute Abend!« Er winkte ihr lässig zu, dann erhob er sich und ging ein paar Schritte am Strand entlang. Marie beobachtete ihn, wie er einige Meter weit ins Wasser watete, bis es ihm fast bis zur Hüfte reichte, dort untertauchte, prustend wieder nach oben glitt und dann ein paar Kraulbewegungen machte, bevor er wieder an Land kam. Marie musste schlucken, als sie ihn so sah. Wasserperlen liefen seinen durch Sport hervorragend modellierten Körper entlang. Die feuchte Badehose lag so eng an, dass seine ganze Männlichkeit gut sichtbar war. Marie musste unwillkürlich daran denken, wie lange es schon her war, dass sie den nackten Körper eines Mannes berührt hatte. Wie es sich wohl anfühlen mochte, die Finger über Michaels Brust und Bauch gleiten zu lassen?

Ob sein Penis sofort hart wird, wenn man ihn berührt? Wieder sah sie das Bild der beiden Menschen im Liebesspiel vor sich.

Verdammt, was ist das hier für eine aufgeheizte Atmosphäre!

Als habe Michael ihre Gedanken gelesen, blickte er noch einmal zu ihr herüber und winkte ihr zu. »Heute Abend. Ich freue mich auf dich!« Dann verschwand er hinter dem Felsvorsprung. Ein Mann, so sexy wie die Sünde!


Marie kehrte erst am Nachmittag ins Hotel zurück. Während sie unter der Dusche stand und sich Sand, Salz und Sonnenmilch vom Körper wusch, wanderten ihre Gedanken schon zu ihrer abendlichen Verabredung. Was sollte sie anziehen? Die meisten Frauen hier waren ziemlich offenherzig gekleidet. Sie hatte bereits jede Menge Spaghettiträger-Tops, tiefe Ausschnitte, enge Shirts und kurze Röcke gesehen. Da wollte sie nicht so bieder daherkommen. Vor dem Urlaub hatte sie sich in einer Aufwallung von Mut ein zweiteiliges Ensemble in Blau- und Grüntönen gekauft. Es bestand aus einer schulterfreien, eng anliegenden Korsage und dem dazu passenden engen Minirock. Dazu Sandalen mit hohen Korksohlen, das würde gehen. In ein flauschiges Badetuch gewickelt schlenderte sie nach der Dusche erst einmal auf die kleine Terrasse vor ihrem Schlafzimmer. Bananenstauden und eine Art Farn wucherten üppig davor und ragten weit über die Holzbrüstung. Dahinter erstreckte sich der Rasen und ganz am Ende konnte man den Strand und das Meer sehen. Die Frau im Reisebüro hatte Recht gehabt. Das hier war ein echter Traum!

Marie ging zurück ins Zimmer und ließ sich aufs Bett plumpsen. Vielleicht sollte sie noch ein Nickerchen machen vor dem Abendessen, damit ihr danach nicht so schnell die Augen zufielen. Sie war im Alltag keine Nachteule, musste morgens früh raus und ging daher auch zeitig zu Bett. Bei ihrer Verabredung mit Michael wollte sie lieber fit sein. Gedankenverloren zog sie die Schublade des Nachttisches auf und stieß gleich darauf einen spitzen Schrei aus. Was war das denn? In der Schublade lag etwas Längliches, dunkelblaues, in einer durchsichtigen Verpackung. Sie hatte intuitiv begriffen, was es war, obwohl sie so ein Spielzeug noch nie besessen hatte.

Ein Vibrator! Den muss jemand vergessen haben!, schoss es ihr durch den Kopf. Mit spitzen Fingern holte sie das Ding heraus und betrachtete es neugierig von allen Seiten. Es war das erste Mal überhaupt, dass sie ein solches Gerät in der Hand hatte. Nicht, dass es sie nicht gereizt hätte! Bei den wenig befriedigenden sexuellen Erlebnisse, die sie bisher hatte, war es ihr durchaus in den Sinn gekommen, der Sache etwas nachzuhelfen. Aber in einen Sexshop gehen und sich beraten lassen, das kam für Marie nicht infrage. Und eine Bestellung im Internet aufgeben, das wäre nur dann gegangen, wenn sie gewusst hätte, was sie wollte. Und genau das war das Problem – sie hatte einfach keine Ahnung. So war es bei einem zaghaften Gedanken geblieben. Und jetzt hielt sie ein solches Objekt in der Hand. Wie konnte jemand einen niegelnagelneuen Vibrator vergessen? Und warum hatte das Zimmermädchen das Ding nicht entfernt?

Marie drehte das Sexspielzeug unschlüssig hin und her. Neugierig blickte sie dann noch einmal in die Schublade. Dort lag noch etwas. Eine Packung Kondome fischte sie heraus und eine kleine Tube mit etwas, das sich als Gleitgel herausstellte. Marie schoss das Blut ins Gesicht. Da hatte jemand wohl seine ganzen erotischen Reisebegleiter liegen lassen! Unbenutzt und originalverpackt noch dazu!

Schnell legte sie die Sachen zurück in die Schublade und schob sie mit einem lauten Knall zu. Was sollte sie damit machen? Am Empfang abgeben? Bei der Vorstellung, mit einem Vibrator, einer Packung Kondome und einer Tube Gleitgel durchs Hotel zu laufen, um sie dann mit vielwortigen Erklärungen einem Angestellten zu übergeben, schüttelte sie sich. Nein, das war nicht ihr Problem, entschied sie. Sie würde die Sachen dort lassen, wo sie waren. Sollte sich das Hotel darum kümmern, wenn sie abgereist war. Dann entschloss sie sich, mit einem Blick auf die Uhr, sich statt eines Nickerchens lieber einen Aperitif zu gönnen.


Beim Abendessen konnte sie Michael nicht entdecken. Sie hatte sich einen Platz an einem kleinen Tisch am äußeren Ende des Speisesaals gesucht und beobachtete verstohlen die Leute um sie herum. Gestern hatte am Nebentisch ein Paar gesessen, das sehr vertraut wirkte und den ganzen Abend miteinander geflirtet hatte. Heute saß die Frau von gestern an ihrem angestammten Platz, der Mann jedoch war ein anderer. Marie beobachtete staunend, wie die beiden die Köpfe zusammensteckten und sich eindeutig lüsterne Blicke zuwarfen.

Na, die geht ja ran! Gestern einen Partner, heute schon den nächsten Urlaubsflirt.

Jemand schritt an ihrem Tisch vorbei und lächelte sie an. Eine Frau, etwa in ihrem Alter. Das dunkelrote Haar fiel lockig bis zur Hüfte. Sie war alleine und einen Moment lang befürchtete Marie, sie würde sich zu ihr setzen wollen. Doch die Frau schaute sie lediglich auf eine undefinierbare Art an und ging dann weiter.

Wo ist Michael?

Offensichtlich hatte er das Abendessen ausfallen lassen. Erst später, als Marie an der Bar saß und vor lauter Nervosität einen Brandy trank, trat er plötzlich neben sie.

»Hallo, Schönheit«, begrüßte er sie ungezwungen. Er hievte sich auf einen Barhocker neben sie und bestellte für sich einen Whisky.

»Isst du gar nicht hier im Hotel?«, platzte Marie heraus.

Michael zuckte die Schultern.

»Ich war auf einer Nachbarinsel. Hatte noch etwas zu erledigen und habe eine Kleinigkeit auf der Fähre zu mir genommen.« Er lächelte und Marie wurde nervös. Hoffentlich versprach er sich nicht zu viel von dem Abend. Sie würde ein, zwei Drinks mit ihm nehmen und dann auf ihr Zimmer gehen. So hatte sie es sich vorgenommen.

»Komm, wir gehen nach nebenan.« Michael griff nach ihren Gläsern und bevor Marie protestieren konnte, ging er voran durch einen halbrunden Durchgang in einen Raum, der hinter der Bar lag. Gedämpftes Licht umfing sie, von irgendwoher kam Musik und erst, als ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte sie einen DJ im hinteren Bereich des Raumes. Links und recht zogen sich kleine Tische und Stühle im Halbkreis entlang nach vorne, dazwischen befand sich eine große, jetzt noch völlig leere Tanzfläche.

»Gleich wird hier wesentlich mehr Betrieb herrschen. Wenn alle nach dem Essen hierher kommen, die sich noch um einen Flirt für die Nacht bemühen«, erklärte Michael ruhig. Sie nahmen Platz und Marie bemerkte, wie nah er sich neben sie setzte.

»Nervös?«

Sie nickte.

»Ich vergaß, du bist ja das erste Mal hier«, lächelte er.

»Bin ich dein erster Flirt?«

»Flirt?« Marie blickte ihn verwundert an.

»Na ja, so heißt das hier. Wenn man jemanden kennengelernt hat und sich mehr mit ihm vorstellen kann.«

Der ging ja ran!

Marie schnappte nach Luft und setzte gleich darauf ihr Glas ab. Michael würde doch nicht etwa glauben, sie wolle sich an ihn heranmachen? Ihr fiel keine höfliche Umschreibung ein, um diesen Irrtum sofort aufzuklären. Michael blickte derweil schon zur Tanzfläche, auf der sich gerade ein Paar eingefunden hatte. Der Mann, schon etwas älter und mit grauen Schläfen, umfasste seine Partnerin, eine vollschlanke Brünette, und die beiden fingen an zu tanzen. Eine Weile beobachteten Marie und Michael das Paar schweigend. Sie harmonierten hervorragend, der Hüftschwung der Frau war gleichzeitig elegant und lasziv, der Mann führte seine Partnerin mit federleichter Hand. Sie hob den Kopf und blickte ihn an. Ein Lächeln erschien auf den Gesichtern der beiden, dann zog der Mann sie unmerklich näher und im selben Moment veränderte sich der Ausdruck ihrer Augen, wurde direkter. Jetzt kamen noch zwei andere Paare auf die Tanzfläche und Michael griff nach Maries Hand.

»Lass uns auch tanzen«, bat er und zog sie mit sich.

Er war einen Kopf größer als sie und als sie die Rechte auf seine Schulter legte, musste sie wieder an den Nachmittag denken. Sie sah seinen attraktiven Körper vor sich, wie er aus dem Wasser kam und die Badehose sich eng angeschmiegt hatte. Michaels Augen blickten lächelnd zu ihr herunter. Die Musik war langsam, sinnlich und ihre beiden Körper bewegten sich in diesem Rhythmus. Michael ließ eine Hand über ihren Rücken gleiten und löste ein nervöses Flattern in der Bauchgrube aus. Er schob die Finger unter ihr dunkelblondes, glattes Haar, das sie an diesem Abend offen trug. Sein Daumen glitt mit festen Bewegungen über den Haaransatz, in der kleinen Grube am Hals entlang nach oben und dann wieder zum Nacken. Marie bekam eine Gänsehaut. Sie hätte Michael gerne gesagt, er solle aufhören. Für eine solche Berührung war ihre Bekanntschaft noch zu jung. Doch die Gänsehaut schickte kleine, aufregende Schauer ihren Körper entlang, die ihr gefielen. Marie bemerkte, dass auch andere Paare eng und mit erotisch anmutenden Bewegungen tanzten. Die ganze Atmosphäre kam ihr wie elektrisch aufgeladen vor. War das immer so? Und wenn ja, warum war ihr das bisher in ihrem Alltagsleben nicht aufgefallen? Vielleicht waren das auch lediglich Besonderheiten, wie sie eben an Urlaubsorten vorkamen? Oder lag es daran, dass diese Ferienanlage hauptsächlich von Singles besucht war, die wohl alle keine Zeit verlieren wollten?

Trotz dieser Erklärungsversuche wusste Marie instinktiv, dass es so nicht war. Sie hatte keine Ahnung, warum alle Urlauber um sie herum offensichtlich erotische Signale aussendeten, aber ganz normal kam es ihr nicht vor. Ein Paar löste sich voneinander und ging mit schnellen Schritten in einen angrenzenden Raum. Ein zweites Paar erhob sich von einem der Tische und folgte ihnen.

»Was ist dort?«, fragte Marie Michael.

»Möchtest du hinübergehen? Würde dir das Spaß machen?«, flüsterte er ihr ins Ohr und Marie spürte, wie sich sämtliche Härchen auf ihrem Körper aufrichteten.

»Spaß machen?«, murmelte sie verwirrt. Michael nahm sie bereits an der Hand und zog sie mit sich. Der Zugang zu dem Raum war mit einem dicken, dunklen Vorhang versehen. Dahinter herrschte fast vollkommene Dunkelheit. Erst nach wenigen Schritten, sie hielt sich an Michael fest, der mit schlafwandlerischer Sicherheit vor ihr herging, konnte Marie einzelne, kleine Lichtquellen ausmachen. Dann hörte sie es und sofort war ihr ganzer Körper in heller Alarmbereitschaft. Um sie herum flirrte die Luft. Leise Seufzer mischten sich mit geflüsterten Worten und wollüstigem Stöhnen.

»Was geht denn hier ab?« Marie blieb abrupt stehen und ließ Michaels Hand los. Der drehte sich zu ihr um und flüsterte ihr etwas zu.

»Keine Angst, hier geht noch gar nichts ab. Das ist sozusagen der Raum zum Vorglühen, quasi die Fortsetzung des Tanzes. Vollendete Tatsachen zu schaffen ist hier tabu. Wer sich hier einig wird, geht anderswohin.«

Marie verstand nur Bahnhof. Mit geschärftem Blick erkannte sie auf einmal in einer kleinen Nische neben sich zwei Frauen. Die eine hatte ihren Rock bis zur Hüfte hochgezogen, die andere ließ ihre Hand auf deren weißem Höschen kreisen. Sie küssten sich. Zwei Schritte weiter lehnte ein Paar an der Wand, beide waren komplett bekleidet, doch seine Hände lagen unter ihrem Shirt und kneteten ihre Brüste. Marie wollte umkehren und davonlaufen. Das war ja allerhand! Dass Leute, die sich gerade kennen gelernt hatten, hier schon so auf Tuchfühlung gingen und das vom Hotel nicht nur geduldet war, sondern offensichtlich auch noch forciert wurde, fand sie empörend. Michael hatte sie jedoch schon in eine kleine Nische geschoben und ließ sich auf einer lederbezogenen Bank nieder.

»Komm, setz dich«, forderte er Marie auf und zog sie zu sich. Erhitzt und durcheinander plumpste sie neben ihn.

Unwillkürlich stellte sie fest, wie männlich er roch und welche Wärme seine Haut ausstrahlte.

»Was magst du?«, fragte er sie nun leise und griff nach ihrer Hand.

»Wie meinst du das?«

»Ich will wissen, ob du gerne schmust oder lieber gleich zur Sache kommst?«

Marie verstand immer noch nicht, was er wissen wollte. Da griff Michael kurzerhand nach ihrer Hand und legte sie auf seinen Schoß. Sie schnappte laut nach Luft und zog ihren Arm sofort weg.

»So meine ich das. Zur Sache kommen«, sagte er, nun mit fragendem und ungeduldigen Unterton.

€3,99
Altersbeschränkung:
0+
Umfang:
224 S. 7 Illustrationen
ISBN:
9783960000822
Verleger:
Rechteinhaber:
Bookwire
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