Buch lesen: "Psychische Störungen bei Säuglingen und Kleinkindern"

Die Autorin
Dr. rer. nat. Margarete Bolten, Co-Leiterin der Sprechstunde für Säuglinge, Klein- und Vorschulkinder der Klinik für Kinder- und Jugendliche der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPKKJ) und am Universitätskinderspital Beider Basel (UKBB).
Margarete Bolten
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1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-036290-1
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pdf: ISBN 978-3-17-036291-8
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Geleitwort zur Buchreihe
Klinische Psychologie und Psychotherapie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Verhaltenstherapeutische Interventionsansätze
Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter sind weit verbreitet und ein Schrittmacher für die Entwicklung weiterer psychischer Störungen im Erwachsenenalter. Für einige der für das Kindes- und Jugendalter typischen Störungsbereiche liegen empirisch gut abgesicherte Behandlungsmöglichkeiten vor. Eine Besonderheit in der Diagnostik und Therapie von Kindern mit psychischen Störungen stellt das Setting der Therapie dar. Dies bezieht sich sowohl auf den Einbezug der Eltern, als auch auf mögliche Kontaktaufnahmen mit dem Kindergarten, der Schule, der Jugendhilfe usw. Des Weiteren stellt die Entwicklungspsychopathologie für die jeweiligen Bände ein zentrales Kernthema dar.
Ziel dieser neuen Buchreihe ist es, Themen der Klinischen Kinder- und Jugendpsychologie und Psychotherapie in ihrer Gesamtheit darzustellen. Dies umfasst die Beschreibung von Erscheinungsbildern, epidemiologischen Ergebnissen, rechtliche Aspekte, ätiologischen Faktoren bzw. Störungsmodelle, sowie das konkrete Vorgehen in der Diagnostik unter Berücksichtigung verschiedener Informanten und das konkrete Vorgehen in der Psychotherapie unter Berücksichtigung des aktuellen Wissenstandes zur Wirksamkeit.
Die Buchreihe besteht aus Bänden zu spezifischen psychischen Störungsbildern und zu störungsübergreifenden Themen. Die einzelnen Bände verfolgen einen vergleichbaren Aufbau wobei praxisorientierte Themen wie bspw. Fallbeispiele, konkrete Gesprächsinhalte oder die Antragsstellung durchgehend aufgenommen werden.
Christina Schwenck (Gießen)
Hanna Christiansen (Marburg)
Tina In-Albon (Landau)
Die Herausgeberinnen
Prof. Dr. Tina In-Albon, Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Universität Koblenz-Landau. Leitung der Landauer Psychotherapie-Ambulanz für Kinder und Jugendliche und des Studiengangs zur Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie der Universität Koblenz-Landau.
Prof. Dr. Hanna Christiansen, Professur für Klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters an der Philipps-Universität Marburg; Leiterin der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie-Ambulanz Marburg (KJ-PAM) sowie des Kinder- und Jugendlichen-Instituts für Psychotherapie-Ausbildung Marburg (KJ-IPAM).
Prof. Dr. Christina Schwenck, Professur für Förderpädagogische und Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, Justus-Liebig-Universität Gießen. Leiterin der postgradualen Ausbildung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie.
Inhalt
1 Geleitwort zur Buchreihe
2 1 Erscheinungsbild, Entwicklungspsychopathologie und Klassifikation
3 1.1 Entwicklungspsychopathologische Grundlagen
4 1.2 Symptomatik und Klassifikation
5 1.3 Erscheinungsbild häufiger Störungen im Säuglings- und Kleinkindalter
6 1.3.1 Exzessives Schreien
7 1.3.2 Schlafstörungen und Probleme mit der Schlafregulation
8 1.3.3 Frühkindliche Fütter- und Essstörungen
9 1.4 Klassifikation im Säuglings- und Kleinkindalter
10 1.4.1 Klassifikation des Exzessiven Schreiens
11 1.4.2 Klassifikation von Schlafstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter
12 1.4.3 Klassifikation von Fütter- und Essstörungen
13 1.5 Überprüfung der Lernziele
14 2 Epidemiologie, Verlauf und Folgen
15 2.1 Epidemiologie des exzessiven Schreiens
16 2.2 Verlauf und Folgen des Exzessiven Schreiens
17 2.3 Epidemiologie der Schlafstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter
18 2.4 Verlauf und Folgen von Schlafstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter
19 2.5 Epidemiologie der Fütter- und Essstörungen
20 2.6 Verlauf der der Fütter- und Essstörungen
21 2.7 Überprüfung der Lernziele
22 3 Komorbidität und Differenzialdiagnostik
23 3.1 Komorbidität und Differenzialdiagnostik des Exzessiven Schreiens
24 3.2 Komorbidität und Differenzialdiagnostik bei Schlafstörungen
25 3.3 Komorbidität und Differenzialdiagnostik bei frühkindlichen Fütter- und Essstörungen
26 3.4 Überprüfung der Lernziele
27 4 Diagnostik und Indikation
28 4.1 Ziele und Struktur des diagnostischen Prozesses
29 4.2 Besonderheiten des diagnostischen Prozesses im Säuglings- und Kleinkindalter
30 4.3 Exploration und Anamnese
31 4.4 Kategoriale Klassifikation nach DC: 0-5
32 4.5 Dimensionale Symptomerfassung
33 4.5.1 Basisdiagnostik im Säuglings- und Kleinkindalter
34 4.5.2 Störungsspezifische Fragebögen
35 4.6 Beurteilung der Eltern-Kind-Beziehung
36 4.7 Beurteilung der psychosozialen Umwelt
37 4.8 Standardisierter Entwicklungstestung
38 4.9 Differenzial- und Ausschlussdiagnostik
39 4.10 Psychopathologischer Befund
40 4.11 Spezifisches Vorgehen bei Fütter- und Essstörungen
41 4.11.1 Diagnostik bei Gedeihstörungen
42 4.12 Überprüfung der Lernziele
43 5 Störungstheorien und -modelle
44 5.1 Exzessives Schreien
45 5.2 Schlafstörungen
46 5.2.1 Kindfaktoren
47 5.2.2 Interaktionelle Faktoren
48 5.2.3 Proximal extrinsische Elternfaktoren
49 5.3 Fütter- und Essstörungen
50 5.4 Überprüfung der Lernziele
51 6 Psychotherapie
52 6.1 Therapieantrag
53 6.2 Therapieziele und Behandlungsplan
54 6.3 Konzeptionelle Grundlage der Behandlung
55 6.4 Therapieindikation
56 6.4.1 Behandlung von Schrei- und Schlafproblemen im ersten Lebensjahr
57 6.4.2 Behandlung von Schlafstörungen ab dem zweiten Lebensjahr (ab 12 Monaten)
58 6.5 Überprüfung der Lernziele
59 7 Psychotherapieforschung
60 7.1 Exzessives Schreien
61 7.1.1 Kogitiv-behaviorale orientierte Ansätze beim Exzessiven Schreien
62 7.1.2 Tiefenpsychologisch orientierte Ansätze beim Exzessiven Schreien
63 7.1.3 Alternative Behandlungsansätze beim Exzessiven Schreien
64 7.2 Schlafstörungen
65 7.3 Fütter- und Essstörungen
66 7.4 Überprüfung der Lernziele
67 8 Rechtliche Aspekte
68 8.1 Einbezug der Bezugspersonen
69 8.2 Recht auf Information
70 8.3 Mitwirkungspflichte Eltern
71 8.4 Recht auf Geheimhaltung
72 8.4.1 Vorgehensweise bei einer Mitteilung an das Jugendamt
73 8.5 Überprüfung der Lernziele
74 9 Zusammenfassung und Ausblick
75 Literatur
76 Stichwortverzeichnis
1 Erscheinungsbild, Entwicklungspsychopathologie und Klassifikation
Fallbeispiel
Pauls (14 Monate) Mutter wird in der Kinderklinik vorstellig, da sie am Rande ihrer Kräfte ist. Der Junge weist zum Zeitpunkt des Erstgespräches eine generalisierte Regulationsstörung mit Schrei-, Schlaf- und Fütterproblemen auf. Nico weigerte sich bisher (seit Beginn der Einführung fester Nahrung im Alter von 6 Monaten) feste Nahrung in Form von Brei oder Finger Food zu sich zu nehmen, so dass die Mutter in zunehmender Frequenz stillen musste. Durch das häufige Stillen entwickelte sich aber sowohl das Schlafverhalten als auch die Selbstregulation mehr und mehr dysfunktional. Zum Zeitpunkt des Eintrittes in die Kinderklinik, verlangt Nico annähernd stündlich nach der Brust, verweigert jegliche feste Nahrung und wird fast ständig von der Mutter im Arm gehalten und umhergetragen. Er weint sehr viel und schläft tagsüber kaum. Auch in der Nacht ist sein Schlaf stark fraktioniert.
Die Mutter berichtet, dass sie selbst aufgrund einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in psychiatrischer Behandlung sei. Sie könne das Schreien von Paul kaum aushalten. Das Verhalten ihres Sohnes rufe bei ihr extreme Stressgefühle und Anspannung hervor. In den letzten Wochen sei es ihr zunehmend schwergefallen, sich unter Kontrolle zu behalten. Manchmal möchte sie nur schreien. Gleichzeitig sei sie sehr gerne Mutter und betrachte Paul als ihren Lebensmittelpunkt.
Lernziele
• Sie wissen, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um von auffälligem Verhalten im Säuglings- und Kleinkindalter zu sprechen.
• Sie kennen die Definition des exzessiven Schreiens nach Wessel.
• Sie kennen die häufigsten Schlafstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern, können diese beschreiben und von Normvarianten abgrenzen.
• Sie kennen mind. zwei Klassifikationssysteme, welche spezifisch für psychische Auffälligkeiten im Säuglings- und Kleinkindalter (0–5 Jahre) entwickelt wurden.
• Sie kennen den Begriff »Pädiatrische Fütterstörungen« und können ihn definieren.
1.1 Entwicklungspsychopathologische Grundlagen
Verhaltensprobleme und psychische Störungen können bereits bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten. Entsprechend dem Entwicklungsstand sehr junger Kinder, sehen wir vor allem Schwierigkeiten mit der Verhaltensregulation in verschiedenen Kontexten. Dies ist im Altersbereich von 0–3 Jahren vor allem die Regulation von Erregungen und Stress (bzw. Emotionen), Verhaltensabläufen, des Schlaf-Wach-Rhythmus und der Nahrungsaufnahme. Im folgenden Kapitel sollen deshalb die Erscheinungsbilder der drei Hauptproblembereiche Schreien, Schlafen und Nahrungsaufnahme beschrieben werden. Dabei werden neben den jeweiligen Definitionen von Störungen in diesen Bereichen auch psychopathologische Entwicklungsmodelle und die Klassifikationsmöglichkeiten aufgezeigt.
Das Entwicklungsmodell von Sroufe (1989) sieht in den ersten sechs Lebensjahren eines Kindes folgende Entwicklungsaufgaben vor:
1. Regulierung innerer Abläufe wie beispielsweise Schlaf und Nahrungsaufnahme (0–6 Monate)
2. Bindung und motorische Selbstkontrolle (6–12 Monate)
3. Sprache, Exploration und Autonomie (1–3 Jahre)
4. Impulskontrolle und Beziehung zu Peers (3–6 Jahre)
1.2 Symptomatik und Klassifikation
Störungen in der frühen Kindheit sind eng mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems und der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben verknüpft. Daraus folgt, dass sich die Symptomatik bei sehr jungen Kindern zumeist anders als bei älteren Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen äußert und sich mit zunehmendem Alter verändern kann. Folglich müssen bei der Beurteilung eines Kindes im Säuglings- und Kleinkindalter entsprechende Normvarianten von pathologischen Abweichungen des Verhaltens und der Emotionalität unterschieden werden.
Merke
In Anlehnung an Steinhausen (2019) gilt ein Verhalten dann als auffällig, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
a) das Verhalten ist hinsichtlich des chronologischen Alters bzw. des Entwicklungsalters nicht angemessen;
b) die Symptome persistieren über eine spezifische Dauer hinweg und
c) im Rahmen soziokultureller und ökonomischer Rahmenbedingungen wird das Verhalten von der Mehrheit als nicht normativ beurteilt.
Weiterhin muss das kindliche Verhalten zu Leiden, sozialer Einengung, Beeinträchtigung der Entwicklung oder negativen Auswirkungen für andere führen.
Gemäß der im Kasten genannten Definition von auffälligem Verhalten von Steinhausen (2019), müssen Symptome im Säuglings- und Kleinkindalter zwingend in Bezug zu normativen Entwicklungsverläufen und zur erwartenden Variationsbreite von Verhaltensmerkmalen gesetzt werden. Dabei sind insbesondere die Verhaltens- und Emotionsregulation, die Aufmerksamkeitssteuerung und die Handlungskontrolle, aber auch die gesellschaftlichen und sozialen Normen für die Beurteilung relevant.
1.3 Erscheinungsbild häufiger Störungen im Säuglings- und Kleinkindalter
1.3.1 Exzessives Schreien
Schreien gehört zum normalen Verhaltensrepertoire von Säuglingen. Es sichert ihr Überleben, indem es Bezugspersonen als auch Fremde motiviert, die Ursache für das Schreien zu finden, zu beheben und dadurch das Schreien zu beenden. Schreien kann viele Ursachen haben: Hunger, Müdigkeit, körperliches Unwohlsein, Schmerzen oder der Wunsch nach Nähe sind die häufigsten. Wenn Säuglinge jedoch deutlich mehr schreien, als dies von den Eltern erwartet wird, sehr unruhig und quengelig sind, kaum in den Schlaf und zur Ruhe gebracht werden können und auf angemessene Beruhigungsversuche nicht ansprechen, spricht man vom exzessiven Schreien. Das exzessive Schreien wird in der Alltagssprache auch »Drei-Monats-Koliken« oder »Kolikenschreien« genannt. Damit wird im Allgemeinen das vermehrte Schreien von Säuglingen, welches meist auf die ersten drei Lebensmonate begrenzt ist, umschrieben. Diese passagere Schreiproblematik tritt meist in physiologischen Reifungs- und Adaptationsphasen auf und geht zudem oftmals mit einer Beeinträchtigung der Schlaf-Wach-Regulation aber auch mit Problemen bei der Nahrungsaufnahme einher. Abzugrenzen ist diese zeitlich begrenzte Schreiproblematik vom persistierenden exzessiven Schreien, welches über den vierten bzw. sechsten Lebensmonat hinaus anhält. Dieses ist häufig mit einer tieferliegenden, erworbenen oder vererbten erhöhten Reaktivität auf Umweltreize bzw. größeren Schwierigkeiten die eigene Erregung bzw. Emotionen zu regulieren. Bedingt durch diese regulativen Schwierigkeiten haben die betroffenen Kinder meist auch in anderen Bereichen (z. B. beim Schlafen, beim Essen oder in Trennungssituationen) Probleme.
Merke
Das Kennzeichen des exzessiven Schreiens ist, das ein anfallsartiges, unstillbares Schreien, das ohne erkennbaren Grund bei einem ansonsten körperlich gesunden Säugling, auftritt. Angemessene Beruhigungsversuche der Eltern haben bei diesen Kindern meist keinen Erfolg.
Zur Definition des exzessiven Schreiens wird die so genannte 3er-Regel von Wessel et al. (1954) herangezogen.
Definition
Ein Kind schreit dann exzessiv, wenn die Schrei- und Unruhephasen:
1. länger als drei Stunden pro Tag,
2. öfter als dreimal pro Woche und
3. länger als drei Wochen anhalten.
Auch wenn die Schreiproblematik im Rahmen physiologischer Reifungs- und Adaptationsphasen in den ersten Lebensmonaten auftritt, geht sie jedoch zumeist mit einer erheblichen Belastung der Eltern einher. Das Schreien selbst, aber auch Schwierigkeiten bei der Schlaf-Wach-Regulation können zu einer abnormen Erregung bzw. chronischen Erschöpfung bei der Hauptbezugsperson führen. Betroffene Kinder haben oftmals nur sehr kurze Tagschlafphasen (meist weniger als 30 Minuten) und ausgeprägte Ein- und Durchschlafprobleme. Dies führt zu einer Kumulation der Schreiphasen in den späten Nachmittags- und Abendstunden durch Übermüdung bzw. Reizüberflutung.
Exzessiv schreiende Säuglinge sprechen vielfach auf angemessene Beruhigungsversuche nicht an. Zudem fallen sie sowohl während ihrer Wachphasen als auch im Schlaf durch eine erhöhte Schreckhaftigkeit auf. Die Kinder sind filterschwach auf den meisten Sinneskanälen, wodurch sie nur schlecht »abschalten« können und sehr geruchs-, geräusch-, berührungs- oder lageempfindlich sind. Da sie auf Stimuli oft mit starker Erregung reagieren, sind exzessiv schreiende Säuglinge schneller überreizt (Papousek & von Hofacker, 1998). Weitere beobachtbare Merkmale des Schreiens sind ein hoher Muskeltonus mit Überstrecken von Kopf und Rumpf, geballten Fäusten, hochroter Hautfarbe oder schriller Schreie.
Organische Ursachen können in der Regel beim exzessiven Schreien nicht gefunden werden. Akhnikh und Kolleginnen (2014) schätzen auf der Basis ihrer Literaturübersicht, dass bei weniger als 5 % aller exzessiv schreienden Säuglinge ein organisches Problem die Verhaltensschwierigkeiten erklären kann. Dies deckt sich mit Erfahrungen in klinischen Alltagssettings. Nur in äußerst seltenen Fällen konnte eine organische Ursache für das vermehrte Schreien bei Säuglingen, welche in einer Spezialambulanz für Säuglinge und Kleinkinder behandelt wurden, gefunden werden (Bolten, Glanzmann, & Di Gallo, 2020).