Buch lesen: "Weihnachtswunsch: Erotische Novelle"
Malin Edholm
Weihnachtswunsch: Erotische Novelle
Lust
Weihnachtswunsch: Erotische Novelle ÜbersetztAlina Becker Original JulönskningenCopyright © 2018, 2019 Malin Edholm und LUST All rights reserved ISBN: 9788726157055
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
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Ich hätte nie gedacht, dass ich weiter nach Norden ziehen würde, aber jetzt bin ich hier. Frierend und auf der Stelle tretend. Verdammt, es ist kalt. Kann der Bus nicht bald kommen? Regnerisch und scheußlich. Auf jeden Fall kann ich mir den Krach sparen, den wir während unserer letzten gemeinsamen Zeit hatten. Das war schrecklich. Wir hatten noch nie zuvor gestritten, vielleicht war das das Problem. Vielleicht braucht es Krach in einer Beziehung? Als eine Art Beweis, dass beide sich um alles kümmern ... Aber ich bin keine streitsüchtige Person. Wir hatten nicht genug gemeinsam, um in den ersten Jahren einen Streit vom Zaun zu brechen. Und somit wurde alles zum Streit. Meine Mutter – Psychologin – würde sicherlich sagen, dass wir den Streit automatisch als Ende betrachtet haben, um das Unvermeidliche zu beschleunigen. Im vergangenen Herbst war alles so wunderbar, wir waren sogar zusammen im Urlaub gewesen. Haben Glühwein getrunken und an den Ständen im Hyde Park Tüten mit kleinen Pfannkuchen mit heißer Apfelsoße und Zimt gekauft, sind bei Harrods herumgeschlendert und haben uns kuschelige Kaschmirpullover und lustige Sachen angesehen, schokoladenglasierte Ameisen zum Beispiel. Überall hingen Christbaumkugeln und Dekorationen in verschiedenen Farben, in denen sich unsere lächelnden Gesichter spiegelten. Es glitzerte und wir strahlten. Geschneit hatte es nicht, weder in London noch zu Hause, aber es war trotzdem gemütlich, weil wir einander hatten. Es war eine Zeit voller Umarmungen und langer Abende und Wochenenden unter der Bettdecke gewesen. Wir sahen uns Game of Thrones, Grey’s Anatomy und Downton Abbey an. Darüber hinaus so viele Filme, dass ich sie nicht mehr alle aufzählen könnte.
Die einzige Pause von der maßlosen Gemütlichkeit war der heiße Sex. Aber auch der ist Vergangenheit. Ich erinnere mich an das letzte Mal, als wir Sex hatten. Es war der Tag vor Heiligabend und die ganze Wohnung roch nach Glühwein, Äpfeln und Kardamom. Einfach berauschend. Ich hatte den Tag damit verbracht, unseren Weihnachtsbaum in Gold und Rot zu schmücken. Mit einer Lichterkette, die ich mit viel Aufwand zwischen den Ästen anordnete. Ich hatte auch ein langes Schaumbad genommen und mich mit einem nach Lavendel duftenden Öl eingerieben und, ungewohnterweise, meine Beine rasiert, damit sie glatter waren als meine Brust. Ich wartete darauf, dass sie auf unserem Bett lag und nur ein Paar durchsichtige, perlenbesetzter Stringhöschen trug. Es war mein letzter verzweifelter Versuch, die Leidenschaft und die hochexplosive Chemie zwischen uns wiederzuerlangen, die wir einmal gehabt hatten. Ich war schon extrem geil, als sie die Tür öffnete. Ich hatte den ganzen Tag für mich gehabt, und das meiste davon damit verbracht, meinen Körper im warmen Wasser zu entspannen. Meine Erregung und Verführung funktionierten. Sie war erregter als in den Monaten zuvor. Ich ließ mir nichts anmerken, als sie sich schnell auszog und sich auf mich legte. Erst als sie anfing, meinen Nacken zu küssen, sodass alle meine Haare aufstanden und ich das Gefühl hatte, mein Körper würde sich verknoten, lächelte ich sie an und presste meinen Hintern gegen ihre Muschi. Sie drückte mich in die Matratze, während sie mich leckte, bis ich anfing zu stöhnen. Dann drang sie in mich ein, vaginal und anal zugleich. Der Druck und das kribbelnde Gefühl tief in mir nahmen zu. Ich schwoll an und presste mich ihr entgegen. Ihr Daumen fand meine Klitoris, und der Orgasmus überrollte mich mit seiner ganzen wundervollen Kraft. Ich revanchierte mich schnell, und in dieser Nacht kamen wir beide öfter als je zuvor. Es endete wieder in der Badewanne, wo wir es ohne Unterlass, abwechselnd hart und sanft trieben und den Schaum und die Hälfte des Badewassers verspritzten.
Was ist passiert? Habe ich die Beziehung weggeworfen, die zu Ehe, Kindern und einem glücklichen Leben hätte führen können? Habe ich zu viel verlangt? Sollte ich erkennen, dass nichts perfekt ist, und so weitermachen wie gehabt? Obwohl solche Gedanken nichts nützen, ist es jetzt spät. Wir haben beide zu viel gesagt, um es zurücknehmen zu können. Ich werde ihre Familie zu Weihnachten vermissen, ihre herzliche, liebevolle Familie und den ständigen Geruch von frischem Gebäck in der Wohnung ihrer Eltern. Die Umarmungen ihrer Mutter ... Ich fühle, wie mir die Tränen in die Augen schießen, und schlucke sie herunter, als ich den Bus kommen sehe. Zeit für einen weiteren Tag in der Uni.
Die heutigen Vorlesungen sind in Ordnung, es steht eine Lektion über das antike Griechenland, die griechischen Götter und ihre Mythologie an. Die Lektüre über Zeus, Hera und alle anderen allzu menschlichen Götter mit ihren Intrigen, ihrem Verlangen und ihren Liebesaffären unterdrückt mein Verlangen nach einer eigenen Liebschaft. Zumindest stillt sie das Verlangen nach einer Liebe à la Hollywood, und ich denke, dass ich mich vielleicht mit der Katze und netten Freunden zufriedengeben kann. Dann sehe ich meine Klassenkameradin, die sich neben mir Notizen macht, und bemerke den schönen Ring, der schwer auf ihrem Ringfinger thront, und mit einem Seufzer weiß ich, dass ich leider eine hoffnungslose Romantikerin bin, die all die dramatischen Liebesgeschichten liebt und sich nicht für eine platonische Liebe entscheiden kann.
Ich habe den Faden des Dozenten verloren und schaue aus dem Fenster. Überrascht sehe ich, dass die ersten feinen Flocken fallen. Schnee? Schnee am 1. November, das hat es lange nicht mehr gegeben. Der Schnee kommt normalerweise nach Neujahr, nicht vor Weihnachten, wenn sich alle danach sehnen. Aber jetzt bin ich weit im Norden, und hier fällt Schnee. Ich hatte noch nicht einmal Zeit gehabt, mich danach zu sehnen.
Als ich meinen Unterricht verlasse und zum Bus gehe, bleibe ich kurz stehen – alles hat sich verändert. Der Schnee fällt weiter und schmilzt auf meiner Wange. Vor mir sehe ich jetzt eine Weihnachtskarte in Originalgröße. Alles ist weiß. Es ist, als hätte ein Riese die Welt mit weißer Farbe bemalt. Ein paar Zentimeter Schnee liegen über allem und verdecken Fahrräder, Mülleimer, Gehsteige ... alle Orientierungspunkte sind weg, und ich bin mitten in einem Universum von Weiß. Ich atme die frische Luft ein und nehme einen Duft nach Kerzen und Orange wahr, der aus meinem Inneren kommt.
Immer noch völlig sprachlos wird mir langsam bewusst, dass mein Mund offensteht und meine Augen ganz trocken sind. Die ersten Schritte im unberührten Schnee zu machen stimmt mich unglaublich friedvoll. Es ist so herrlich ruhig, also ignoriere ich den Bus, setze meine Kopfhörer auf und höre „It’s beginning to look a lot like Christmas“ von Michael Bublé auf Spotify. Dann laufe ich die vierzig Minuten nach Hause.
Die kostenlose Leseprobe ist beendet.