Buch lesen: "Das erste Mal: Erotische Novelle"
Lea Lind
Das erste Mal: Erotische Novelle
Übersetzerin: Rebecca Jakobi
Lust
Das erste Mal: Erotische Novelle ÜbersetzerRebecca Jakobi Original Den første gang Copyright © 2019, 2019 Lea Lind und LUST All rights reserved ISBN: 9788726301250
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
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Im Park sehe ich Anna überall. In den Spiegelungen der Wasserpfützen, zwischen den Wolken und aus den Baumkronen hervorschauend. Es ist ein komisches Gefühl, dass sie so nah, und doch so fern ist. Zumindest geographisch gesehen. Ich seufze tief und fahre eine Hand durch meine James-Dean-Frisur, die sie immer scherzhaft als schmierige Zuckerwatte bezeichnet hat, aber trotzdem nicht missen wollte.
„Mit dem Haarwachs machst du ja Flecken auf mein Kissen“, lachte sie, als ich zum ersten Mal in ihrer korallenen Bettwäsche lag. Als ich zum ersten Mal überhaupt in fremder Bettwäsche lag. „Aber je länger du hier bleibst, desto besser“, flüsterte sie und tippte mit den Fingerspitzen auf die Fettflecken. „Denn ab jetzt bist du auch hier, wenn du nicht hier bist …“
Sie drückte den Zeigefinger in den Kissenbezug, malte unsichtbare Herzen darauf und dann auf mich. Mein Penis erhob sich in dem Moment, als sich ihr Blick von Unschuld zu Lust wandelte. Wir wussten beide, wo das enden würde, auch wenn keiner von uns es schon mal gemacht hatte. Auch wenn es an diesem Tag noch nichts wurde.
Sie führte die Fingerspitze zu ihren feuchten Lippen und begann an ihr zu saugen – ohne den Blick von meinen hungrigen Augen abzuwenden.
„Muss ich jetzt um Erlösung betteln?“, kicherte sie.
Ich fiel über sie her und küsste sie gierig.
Ich spüre es auf meiner Haut, als wäre es gestern gewesen. Vielleicht fühlt sich deshalb alles so leer an, jetzt, wo Anna weg ist. Es ist, als wäre kein Leben mehr in mir. Keine aktiven Knochen, Muskeln, Zellen und Sehnen. Nur tote Organe, geronnenes Blut und Adern, die wie schlaffe, bordeauxrote Fäden nach unten hängen. Ein totes Herz, das genauso brennend liebt wie zuvor … Wo geht es hin? Und ein Penis, der sich ständig aufstellt, ohne dass Anna ihn empfangen kann? Was soll er tun? „Ihr habt aber nicht Schluss gemacht?“, wandte Marco neulich ein, während wir im Park Basketball spielten.
Er schleuderte den Ball direkt in meine Arme. Verwirrt stolperte ich ein paar Schritte rückwärts. Sammelte mich und schüttelte den Kopf. Denn nein, wir hatten nicht Schluss gemacht. Aber … es ist schwer zu erklären. Ich kann nur soviel sagen, dass ich zum ersten Mal verstehe, was die Leute meinen, wenn sie love hurts sagen, obwohl nach außen hin alles gut aussieht.
Ich beginne, schneller zu gehen. Gehe vom Park auf den Boulevard. Fische mein Handy aus der Hosentasche und checke Annas Instagram-Profil. Nichts Neues. Nicht seit dem Abschiedsfoto vom Flughafen – dem Sonnenuntergang hinter der Tragfläche auf dem Weg nach Oslo.
Ich würde alles dafür geben, sie wieder bei mir zu haben. Zu fühlen, wie die richtige Anna ihren Kopf auf meine Schulter legt. Mich vom Duft ihrer Haut berauschen lassen und den schönen, kurzen Atemzügen lauschen zu können, die immer eine sonisch-meditative Wirkung auf mich haben. Wie das schnarrende Geräusch, das Babys zum Einschlafen brauchen.
Ich weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll. Auch ihre Nachrichten sind weniger geworden. Das verunsichert mich. Obwohl ich nicht an meiner Liebe zu ihr zweifle. Obwohl wir beide gesagt hatten, dass wir daran festhalten wollten. Aber ich weiß nicht, was ich jetzt erwarten kann. Ihr steht es schließlich auch zu, erst einmal in ihrem alten Haus anzukommen. In ihrem alten Leben …
Die kostenlose Leseprobe ist beendet.