Buch lesen: "Die Sehnsucht nach dem Geigenbauer: Erotische Novelle"

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Irse Kræmer

Die Sehnsucht nach dem Geigenbauer: Erotische Novelle

Lust

Die Sehnsucht nach dem Geigenbauer: Erotische NovelleOriginal ViolinbyggerenCoverbild/Illustration: Shutterstock Copyright © 2020, 2020 Irse Kræmer und LUST All rights reserved ISBN: 9788726441185

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.

Michaels ungeduldige Stimme drang durch die Badezimmertür.

"Bist du bald fertig? Ich warte schon ewig, und wir hatten abgemacht..."

"Ich bin in zwei Sekunden da!"

Die Anspannung rollte mir durch den Magen. Nur Michael konnte dieses Gefühl in mir hervorrufen. Er war schon immer ein ungeduldiger Mensch gewesen. Ich öffnete die Tür und ging ins Schlafzimmer, um meine Tasche zu holen, und ging mit genervtem Blick in die Küche. Michael stand schon fertig angezogen in seiner Jacke da und ging zur Tür, sobald er mich sah.

"Der Wetterbericht sagt, dass es regnen wird. Vielleicht solltest du lieber etwas Praktisches anziehen?"

Meine Stimme war, wie so oft, mahnend und streng, wie damals, als das Haus voller spielender Kinder gewesen war.

Er sah mich müde an. "Was soll ich denn deiner Meinung nach anziehen?"

"Wie wäre es denn mit dem schwarzen Wollmantel und deiner neuen Regenjacke? Dann hast du sowohl etwas Schickes als auch etwas Praktisches dabei."

Schnell schob ich ein schiefes Lächeln hinterher. Es wäre doch dumm, wenn unser romantisches Wochenende schon verdorben wäre, bevor es überhaupt begann? Ich musste mich selbst daran erinnern, dass ich nicht seine Mutter war. Und wir hatten uns beide darauf gefreut, endlich mal wieder dem Alltagstrott zu entfliehen.

Ich ging zum Auto, während Michael hinter uns abschloss. Dann ließ er sich schwer neben mir in den Fahrersitz plumpsen und machte das Radio an.

"Ich freue mich darauf, mal wieder Stadtluft zu schnuppern, und du?"

Ich betrachtete sein Profil. Er war ein gutaussehender Mann, sein Gesicht hatte noch immer diesen jugendlichen Ausdruck und die Zeit war glimpflich mit ihm umgegangen.

"Doch, schon, es wird schön sein, mal wieder rauszukommen.", erwiderte er emotionslos, und es fiel mir schwer zu erraten, ob er noch immer genervt war.

"Landstraße oder Autobahn?", fragte er und sah mich kurz an.

Ich blickte ihn ausdruckslos an. Das durfte er selbst entscheiden.

"Was möchtest du?", fragte er wachsam.

"Mir ist es wirklich egal. Es kommt halt darauf an, ob du dir zwischendurch mal die Beine vertreten möchtest. Du fährst schließlich."

"Ich bin fit, lass uns die Autobahn nehmen!", er stellte einen anderen Kanal ein, und ruhige Musik floss durch die Lautsprecher ins Auto.

Wir hatten kein Bedürfnis, miteinander zu sprechen. Das Schweigen war keineswegs unangenehm, denn wir hatten ein langes Leben, auf das wir zurückblicken konnten, und kannten uns gut genug. Und trotzdem schien manchmal dieses Gefühl durch, als hätten wir einfach nichts mehr zueinander zu sagen. Hatten wir unser Kontingent an Wörtern verbraucht, es für die Kinder, die praktischen Fragen des Alltags und aus Stress geborene Streitgespräche verschwendet? Ich durchsuchte mein Inneres, um wenigstens ein paar Worte zu finden, die nicht hohl und gleichgültig klangen, aber während der nächsten halben Stunde hielten wir beide den Blick steif nach vorn auf die Straße gerichtet, und das Schweigen dominierte.

Die Autobahn war zwar schneller, aber auch langweiliger. Hier gab es nichts Interessantes, keine unerwarteten Kleinode der Landschaft, die einen verzaubern konnten. Hätten wir die Landstraße genommen, hätte es zumindest die Möglichkeit gegeben, den einen oder anderen magischen Moment zu erhaschen. Ein Reh am Waldrand, oder ein verstecktes Hexenhäuschen. Hier auf der Autobahn war das einzig Unerwartete ein Unfallwrack, und das war ja nun wirklich alles andere als magisch. War das jetzt unser Leben? Wenn ich an unser Sexleben dachte, war zumindest das nicht viel besser. Die immer gleichen, langweiligen Bewegungen. Erst ein bisschen Kuscheln, dann ein paar gleichgültige Küsse, die schon lange keine Leidenschaft mehr gesehen hatten. Wir liebten einander, aber wir vermochten es nicht mehr so ganz, das Feuer der Leidenschaft zu entzünden, das in der Jugend so gefährlich lodert. Immer öfter passierte es, dass ich keinen Orgasmus bekam, wenn er mich mit den Fingern befriedigte. Und das Schlimmste war, dass ich genau wusste, dass es meine eigene Schuld war. Ich konnte einfach nicht loslassen, konnte mich ihm nicht hingeben, konnte nicht entspannen, wenn wir uns so nahe waren.

Ich gab mir wirklich Mühe, aber irgendwann musste ich seine Hand wegschieben und seinem steifen Penis Einlass gewähren, damit wir es hinter uns bringen konnten. Wenn ich unter der Dusche stand und mich mit dem Wasserstrahl verwöhnte, bekam ich immer einen Orgasmus - ich wusste also, dass ich es nicht verlernt hatte. Ich sah aus dem Augenwinkel zu ihm hinüber, und eine lange vergessene Erinnerung tauchte mit einem Mal wieder in mir auf. Zwei junge Menschen, halb über einem Esstisch, eng umschlungen in wilder Passion, mit hungrigen Bewegungen wie Löwen, die seit Wochen nicht gefressen hatten. Mein Unterbewusstsein sah sie, und mein Unterleib erwachte nach all den Jahren plötzlich wieder zum Leben. Meine Wangen wurden warm, und meine Lippen öffneten sich ganz eben, als ich tief seufzen musste. Michael sah mich mit einem durchdringenden Blick an.

"Ist alles in Ordnung?"

"Was meinst du?" fragte ich, und musste mich räuspern. Frosch im Hals.

"Du hast so geseufzt, und das bedeutet wohl, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist?"

"Ach was, nein, ich hab nur an etwas denken müssen..."

"Etwas nicht so Gutes, nehme ich an?" Seine Stimme klang müde.

"Nee. Willst du einen Schluck Cola?", lenkte ich ab und zog die Flasche aus der Tasche auf der Rückbank, schraubte den Deckel ab und reichte ihm die Flasche.

"Danke!" Er trank einen Schluck, und Stille senkte sich erneut über uns.

Ich drehte die Flasche zu und tat so, als würde ich meine Benachrichtigungen auf dem Handy überprüfen. Der Schirm blieb schwarz, aber vor meinem inneren Auge sah ich wieder die beiden in leidenschaftlicher Umarmung Verschmolzenen. Ein tiefsitzendes Verlangen nach vergangenen Zeiten bohrte sich in mein Herz wie ein Messer, mit einem Mal wurde der Frosch in meinem Hals zu einem Kloß, und ich konnte kaum atmen. Ich bekam plötzlich Lust, Michael zu bitten, umzudrehen, woanders hinzufahren. Woher kamen diese vermaledeiten Erinnerungen so plötzlich? Die letzten 25 Jahre waren sie im Verborgenen geblieben. Mein Leben mit Kindern, Arbeit und allerlei Alltäglichem war so massiv gewesen, dass es für sentimentale Erinnerungen keinen Platz gab. Ich atmete ein paar Mal tief ein und aus. Langsam bekam ich meine Gefühle wieder in den Griff, und der Kloß in meinem Hals wurde ein wenig kleiner. Aber warum gerade jetzt? Weil unsere Jüngste ausgezogen war, und jetzt nur Michael und ich zurückblieben? Nein, denn das war ja nun schon einige Wochen her, und da wäre der Gedanke doch sicherlich schon früher gekommen. Die Wahrheit war wohl eher die, dass wir uns gerade direkt auf die Stadt zu bewegten, die Schauplatz meiner bewegenden Erinnerung gewesen war. Das Bild in meinem Innern zeigte ein Liebespaar in hemmungsloser Ekstase.

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