Buch lesen: "Der Reiniger: Teil 6 - Aufräumen"

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Inger Gammelgaard Madsen

Der Reiniger
Aufräumen - Teil 6

SAGA Egmont

Der Reiniger: Aufräumen - Teil 6

übersetzt aus dem Dänischem von Kirsten Vesper nach

Sanitøren

Copyright © 2017, 2018 Inger Gammelgaard Madsen und Lindhardt og Ringhof Forlag A/S

All rights reserved

ISBN: 9788711970591

1. Ebook-Auflage, 2018

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach

Absprache mit Lindhardt og Ringhof gestattet.

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6: Aufräumen

„Warum guckst du dir den nochmal an?“, fragte Mark Haldbjerg und ließ Rolands ohnehin schon angespannten Körper zusammenzucken. Er hatte ihn gar nicht kommen hören. Roland selbst war früh da gewesen, eben genau um Zeit zu haben, den rechtsmedizinischen Bericht zu Julius Habekosts Selbstmord nochmal durchzulesen. Karina war auf Seeland, zusammen mit Viktor Enevoldsen.

„Guten Morgen, Mark. Ähm, ich wollte bloß gerade etwas überprüfen“, murmelte er.

„Was Julius Habekost betrifft, wie ich sehe, aber der Fall ist doch geschlossen, Roland.“

Mark hängte seine Jacke über den stummen Diener und glättete den Schlips. Er sollte heute in Verbindung mit einem Fall, für den er gemeinsam mit Viktor Enevoldsen zuständig gewesen war, vor die Presse treten. Ein diensthabender Polizist hatte es nicht geschafft, sich einem Bürger gegenüber, der 112 angerufen hatte, richtig auszudrücken.

„Ich weiß, aber …“

Mark schaute auf seine Uhr und schätzte, dass er noch genug Zeit für einen Kaffee hatte.

„Willst du auch einen?“, fragte er vom Kaffeeautomaten aus. Roland nahm dankend an.

Mark stellte den Becher vor ihm ab und setzte sich auf der anderen Seite des Tisches an seinen Computer.

„Na, wie war es eigentlich gestern Nachmittag, vom Landespolizeipräsidenten zurechtgewiesen zu werden?“, erkundigte er sich ein bisschen zu heiter; denn das war es bestimmt nicht gewesen. Roland hatte eine glaubwürdige Geschichte erfinden müssen wegen des Fundes der Zigarettenschachtelfolie mit Gregor Petrovs Fingerabdruck, ohne Anne Larsen in die Sache mit reinzuziehen, und als er einen plötzlich entstandenen Gedanken in seinem Kopf im Laufe der Nacht mehrmals gedreht und gewendet hatte, war er für ihn so realistisch geworden, dass er ihn dem Landespolizeipräsidenten problemlos darlegen konnte ohne das Gefühl zu haben, er würde lügen. Auf diese Weise hatte er seine Haut gerettet, sodass er keine Abmahnung dafür bekam, den Etat der Landespolizei mit privaten Angelegenheiten zu belasten.

„Du hast natürlich von der Frau gehört, die die beiden Müllmänner heute Morgen tot in einer Gasse gefunden haben, oder?“, fragte er.

„Ja, diese Drogensüchtige.“

„Ja, das schreiben die Onlinezeitungen. Eine ganz gewöhnliche Drogentote. Aber tatsächlich ist es Eva Maja Karlsen, die sie mit einer Spritze im Hals gefunden haben. Patrick Asps Frau.“

„War sie nicht auch drogenabhängig? Ich glaube, ich erinnere mich, dass …“

„Doch, als Asp im Bandenmilieu war, waren sie sicher beide auf Drogen, aber als sie ihr gemeinsames Kind erwarteten, änderte sich die Lage. Patrick Asp zog sich aus dem Milieu zurück und so viel ich weiß, war nichts mehr mit Drogen.“

„Also, als sie das Kind erwarteten, das Patrick Asp später mit bloßen Händen erstickte.“

„Ja, aber … das ist ja eine ganz andere Geschichte. Das Interessante ist, dass seine Frau ein Verhältnis hatte mit – ja, man glaubt, es ist eine Lüge. Gregor Petrov.“

„Dem Reiniger?! Sie hatte ein Verhältnis mit … ach, du Scheiße.“ Mark geriet ins Stocken und kratzte sich den roten Vollbart. „Woher weißt du das, verflixt nochmal?“

Roland nippte an dem heißen Kaffee.

„Ich kenne eine Journalistin. Die wissen immer irgendwas. Aber das soll heißen, es gibt eine Verbindung zwischen Patrick Asp und dem Reiniger.“

„Ob der Reiniger sich nicht vorsehen sollte, wenn er ein Verhältnis mit Patrick Asps Frau hatte? Die sind, soviel ich weiß, in diesen Kreisen recht rabiat bei sowas und …“

„Jetzt hör mal zu, Mark. Von Asp gibt es wiederum eine Verbindung sowohl zu Karl Dallerup, der ihn verurteilt hat, als auch zu Vivian Elsted, die es nicht geschafft hat, ihn freisprechen zu lassen, und …“

„Und zu Julius Habekost, der Asp Drogen und Handys ins Gefängnis geliefert hat. Sitzt du deswegen wieder mit diesem rechtsmedizinischen Bericht da?“

„Ja, wenn der Reiniger etwas damit zu tun hat, dann ist es vielleicht kein Selbstmord. Vivian Elsted ist vielleicht gar nicht aus eigenem Verschulden verunglückt und Karl Dallerup – ja, wer weiß, was aus ihm geworden ist? In dieser Sache gibt es nichts Neues.“

„Aber trotzdem, Roland.“ Mark lehnte sich gedankenvoll auf seinem Stuhl zurück und sah ihn prüfend an. „Warum sollte Habekost ermordet werden?“

„Das ist die Frage.“

Mark lächelte plötzlich.

„Soll das heißen, du hast dem Landespolizeipräsidenten eingeredet, dass diese Folie, die du unvorschriftsmäßig eingeschickt hast, zu dem Selbstmord-Fall und damit auch zu Jørgen Moses und Leif Skovbys Fall gehört?“

Roland nickte eifrig.

„Aber der Fall ist doch geschlossen, Roland, wie …“

„Die Polizei hat Jørgen und Leif gestern Abend erneut befragt. Es ist sehr wichtig für die Polizei und Interpol, Gregor Petrov in die Finger zu kriegen.“

„Trotzdem, Roland, das ist doch kein DUP-Fall mehr …?“

„Nein, aber …“

Mark stand plötzlich auf und warf einen weiteren Blick auf seine Uhr.

„Das hier ist interessant, Roland, aber ich muss jetzt echt los. Bis später.“

„Okay, viel Erfolg mit der Presse.“

Roland vertiefte sich wieder in den rechtsmedizinischen Bericht über den Gefängniswärter und in die Fotos seines übel zugerichteten Körpers. Man konnte ein Fragezeichen daransetzen, ob es sich eigentlich um Julius Habekost handelte, da sein Gesicht ziemlich malträtiert war. Aber Mark hatte Recht. Warum ihn ermorden? Könnte jemand den Reiniger bezahlt haben, um den Mord zu begehen, und wenn ja, wer? Patrick Asp? Er hatte ein Motiv; Julius Habekost war dabei gewesen, als Lieferant von Drogen und Handys ins Gefängnis aufzufliegen und hätte die Verbindung zu ihm ausplaudern können, aber trotzdem – war das nicht ein bisschen zu dünn?

Er nahm die Augen nicht von den Bildern, als er nach dem Telefon griff. Es war Anne Larsen. Sie klang aufgewühlt.

„Ich habe gerade erfahren, dass die Frau, die heute Morgen in Aarhus tot in einer Gasse gefunden wurde, als Eva Maja Karlsen identifiziert wurde, Patrick Asps Frau.“ Sie keuchte fast.

„Ja, Anne. Das ist mir klar.“

„Sie war kein Junkie, Roland! Ich bin mir sicher, dass dieser Uwe Finch sie getötet hat. Hast du herausgefunden, wer er in Wirklichkeit ist?“

Rolands Fokus verschwand von den Bildern. Er hatte Anne Larsen wegen des Ergebnisses des Fingerabdrucks nicht Bescheid gegeben, und hätte er das müssen? Der Landespolizeipräsident hatte sehr deutlich gemacht, dass nicht herauskommen durfte, dass sie Gregor Petrov auf der Spur waren, aber auf der anderen Seite war Anne diejenige, die ihn ausfindig gemacht hatte. Er schaute auf die Uhr.

„Hast du Zeit für ein kleines Mittagessen?“, fragte er.

Anne Larsen kam zehn Minuten später als verabredet ins Restaurant Gäst, das auf der anderen Straßenseite fast direkt gegenüber den Räumlichkeiten der Polizeibehörde am Bahnhofsplatz lag. Als sie gesagt hatte, sie habe ohnehin etwas in Aarhus zu erledigen, um über den Mord in der Gasse zu berichten, hatte er vorgeschlagen, sie könnten sich hier treffen.

„Entschuldigung. Der Verkehr“, sagte sie außer Atem und nahm ihren Rucksack ab. Sie hatte ihn problemlos entdeckt, da er einen freien Tisch am Fenster gefunden und ihr Zeichen gemacht hatte, als sie vorbeigeflitzt kam. Nun fand er es plötzlich merkwürdig, dass er hier gesessen, auf sie gewartet und sie zum Mittagessen eingeladen hatte. Früher hatte er alles getan, um schön Abstand zu Journalisten zu halten. Er hätte sagen können, dass es nicht gelungen war, einen Fingerabdruck auf der Folie zu finden. Das wäre bei weitem das Leichteste gewesen, aber Anne Larsen war etwas Besonderes. Sie war keine gewöhnliche Journalistin. Sie hatte Fähigkeiten, von denen er wusste, dass er sie jetzt brauchen konnte.

„Ich bin schon ganz gespannt, was du mir erzählen willst“, meinte sie und lächelte, als sie den Stuhl zurückzog und sich setzte. Er reichte ihr die Speisekarte.

„Ich habe Antipasti misto bestellt, gemischte italienische Spezialitäten“, informierte er.

„Natürlich“, sagte sie, immer noch mit diesem Lächeln. Sie bestellte einen Salat mit Schinken, Mozzarella, Oliven und Tomaten. Dann schaute sie ihn abwartend an.

„Das, was ich dir hier erzähle, ist äußerst vertraulich und darf nicht herauskommen. Ist das klar?“

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Umfang:
31 S. 1 Illustration
ISBN:
9788711970591
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