Buch lesen: "Lieder von Lessing"
Gotthold Ephraim Lessing
Lieder von Lessing

Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2020
EAN 4064066108960
Inhaltsverzeichnis
Cover
Titelblatt
Text
"
alphabetisch nach Titeln sortiert
Alexander
An Amor
An den Anakreon
An den Horaz
An den Wein
An die J. L***
An die Kunstrichter
An die Leier
An die Schwalbe
An eine kleine Schöne
Antwort eines trunknen Dichters
Auf sich selbst
Das Alter
Das Bild an Hrn. H.
Das Erdbeben
Das Leben
Das Paradies
Das Schäferleben
Das Umwechseln
Das aufgehobene Gebot
Der Donner
Der Faule
Der Fehler
Der Fehler der Natur an Hr. M.
Der Flor
Der Genuß
Der Geschmack der Alten
Der Handel
Der Irrtum
Der Regen
Der Schiffbruch
Der Schlaf
Der Sommer
Der Sonderling
Der Tabak
Der Tausch an Hr. W.
Der Tod
Der Verlust
Der Vetter und die Muhme
Der Wunsch
Der alte und der junge Wein
Der bescheidene Wunsch
Der größte Mann
Der müßige Pöbel
Der neue Welt-Bau
Der philosophische Trinker
Der schwörende Liebhaber
Der trunkne Dichter lobt den Wein
Die 47ste Ode Anakreons
Die Abwechslung
Die Antwort
Die Beredsamkeit
Die Betrübnis
Die Biene
Die Diebin
Die Einwohner des Mondes
Die Ente
Die Faulheit
Die Gespenster
Die Gewißheit
Die Haushaltung
Die Küsse
Die Küsse
Die Kunstrichter und der Dichter
Die Liebe
Die Musik
Die Mutter
Die Namen
Die Planetenbewohner
Die Redlichkeit
Die Schöne von hinten
Die Sparsamkeit
Die Stärke des Weins
Die Türken
Die Versteinerung
Die Wetterprophezeiung
Die drei Reiche der Natur
Die lügenhafte Phyllis
Die lehrende Astronomie
Die schlafende Laura
Die schlimmste Frau
Die verschlimmerten Zeiten
Die wider den Cäsar verschworne Helden
Eine Gesundheit
Für wen ich singe
Heldenlied der Spartaner
Ich
Jungfer Lieschens Knie
Küssen und Trinken
Lied
Lied aus dem Spanischen
Lob der Faulheit
Nach der 15. Ode Anakreons
Niklas
Phillis
Phyllis an Damon
Phyllis lobt den Wein
Refutatio Papatus
Salomon
Trinklied
Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche
[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius]
Alexander
Der Weise sprach zu Alexandern.
"Dort, wo die lichten Welten wandern,
Ist manches Volk, ist manche Stadt."
Was tut der Mann von tausend Siegen?
Die Memme weint, daß dort zu kriegen,
Der Himmel keine Brücken hat.
Ists wahr, was ihn der Weise lehret,
Und finden, was zur Welt gehöret,
Daselbst auch Wein und Mädchen statt:
So lasset, Brüder, Tränen fließen,
Daß dort zu trinken und zu küssen,
Der Himmel keine Brücken hat.
An Amor
Amor, soll mich dein Besuch
Einst erfreuen—
O so lege dein Gefieder
Und die ganze Gottheit nieder.
Diese möchte mich erschrecken,
Jenes möchte Furcht erwecken,
Furcht, nach flatterhaften Küssen,
Meine Phyllis einzubüßen.
Komm auch ohne Pfeil und Bogen,
Ohne Fackel angezogen…
Stelle dich, um mir lieb zu sein,
Als ein junger Satyr ein.
An den Anakreon
Anakreon singt, alles fühlet:
Und alles gähnt wenn Codrus spielet.
Anakreon, sprich, wie man spielt,
Daß niemand gähnt, daß alles fühlt.
Du schweigst? Doch mit beredtern Blicken,
Die mich in Bacchus Laube schicken,
Sprichst du: Mein Lehrer war der Wein.
Wohl! Wohl! Er soll auch meiner sein!
An den Horaz
Horaz, wenn ich mein Mädchen küsse,
Entflammt von unserm Gott, dem Wein,
Dann seh ich, ohne kritsche Schlüsse,
Dich tiefer als zehn Bentleys ein.
Dann fühl ich sie, die süßen Küsse,
Die ein barbarscher Biß verletzt,
Sie, welche Venus, nebst dem Bisse,
Mit ihres Nektars Fünfteil netzt.*
Dann fühl ich, mehr als ich kann sagen
Die Göttin, durch die Laura küßt,
Wie sie sich Amathunts entschlagen,
Und ganz in mich gestürzet ist.**
Sie herrscht im Herzen, sie gebietet;
Und Laura löscht die Phyllis aus.
Sie herrscht im Herzen? nein, sie wütet;
Denn Laura hält mich ab vom Schmaus.
*—dulcia barbare Laedentem oscula, quae Venus Quincta parte sui Nectaris imbuit.
**-in me tota ruens Venus Cyprum deseruit.
An den Wein
Wein, wenn ich dich itzo trinke,
Wenn ich dich als Jüngling trinke,
Sollst du mich in allen Sachen
Dreist und klug, beherzt und weise,
Mir zum Nutz, und dir zum Preise,
Kurz, zu einem Alten machen.
Wein, werd ich dich künftig trinken,
Werd ich dich als Alter trinken,
Sollst du mich geneigt zum Lachen,
Unbesorgt für Tod und Lügen,
Dir zum Ruhm, mir zum Vergnügen,
Kurz, zu einem Jüngling machen.
An die J. L***
Natürlichs Ebenbild der Liebe!
Nimm hier dein künstlich Ebenbild;
Das, wenn man dich auch drüber schriebe,
Doch seines Meisters Schwäche schilt.
Dem Maler laß es nicht entgelten,
Wenn dir dies Bild zu wenig gleicht:
Nur auf das Urbild mußt du schelten,
Wenn dich sein Pinsel nicht erreicht.
Dich, ähnlichstes von allen Bildern,
Hat die Natur hervorgebracht:
Jedoch wie kann ein Künstler schildern,
Was die Natur vollkommen macht?
An die Kunstrichter
Schweigt, unberauschte, finstre Richter!
Ich trinke Wein, und bin ein Dichter.
Tut mir es nach, und trinket Wein,
So seht ihr meine Schönheit ein.
Sonst wahrlich, unberauschte Richter,
Sonst wahrlich seht ihr sie nicht ein!
An die Leier
Töne, frohe Leier,
Töne Lust und Wein!
Töne, sanfte Leier,
Töne Liebe drein!
Wilde Krieger singen,
Haß und Rach und Blut
In die Laute singen,
Ist nicht Lust, ist Wut.
Zwar der Heldensänger
Sammelt Lorbeern ein;
Ihn verehrt man länger;
Lebt er länger? Nein.
Er vergräbt im Leben
Sich in Tiefsinn ein:
Um erst dann zu leben,
Wann er Staub wird sein.
Lobt sein göttlich Feuer,
Zeit und Afterzeit!
Und an meiner Leier
Lobt die Fröhlichkeit.
An die Schwalbe
Die 12te Ode Anakreons.
Schwatzhafteste der Schwalben, sprich,
Was tu ich dir? wie straf ich dich?
Soll ich dich um die Schwingen
Mit meiner Schere bringen?
Soll ich, zu deiner Pein,
Ein andrer Tereus sein?
Und willst du gern der Progne gleichen?
Mußt du, zu frühe Schwätzerin,
Mußt du von meiner Schäferin
Mir meinen schönen Traum verscheuchen?
An eine kleine Schöne
Kleine Schöne, küsse mich.
Kleine Schöne, schämst du dich?
Küsse geben, Küsse nehmen,
Darf dich itzo nicht beschämen.
Küsse mich noch hundertmal!
Küß und merk der Küsse Zahl.
Ich will dir, bei meinem Leben!
Alle zehnfach wiedergeben,
Wenn der Kuß kein Scherz mehr ist,
Und du zehn Jahr älter bist.
Antwort eines trunknen Dichters
Ein trunkner Dichter leerte
Sein Glas auf jeden Zug;
Ihn warnte sein Gefährte:
Hör auf! du hast genug.
Bereit vom Stuhl zu sinken,
Sprach der: Du bist nicht klug;
Zu viel kann man wohl trinken,
Doch nie trinkt man genug.
Auf sich selbst
Ich habe nicht stets Lust zu lesen.
Ich habe nicht stets Lust zu schreiben.
Ich habe nicht stets Lust zu denken;
Kurzum, nicht immer zu studieren.
Doch hab ich allzeit Lust zu scherzen.
Doch hab ich allzeit Lust zu lieben.
Doch hab ich allzeit Lust zu trinken;
Kurz, allezeit vergnügt zu leben.
Verdenkt ihr mirs, ihr sauern Alten?
Ihr habt ja allzeit Lust zu geizen;
Ihr habt ja allzeit Lust zu lehren;
Ihr habt ja allzeit Lust zu tadeln.
Was ihr tut, ist des Alters Folge.
Was ich tu, will die Jugend haben.
Ich gönn euch eure Lust von Herzen.
Wollt ihr mir nicht die meine gönnen?
Das Alter
Nach der 11ten Ode Anakreons.
Euch, lose Mädchen, hör ich sagen:
"Du bist ja alt, Anakreon.
Sieh her! du kannst den Spiegel fragen,
Sieh, deine Haare schwinden schon;
Und von den trocknen Wangen
Ist Blüt und Reiz entflohn."—
Wahrhaftig! ob die Wangen
Noch mit dem Lenze prangen,
Wie, oder ob den Wangen
Der kurze Lenz vergangen,
Das weiß ich nicht; doch was ich weiß,
Will ich euch sagen: daß ein Greis,
Sein bißchen Zeit noch zu genießen,
Ein doppelt Recht hat, euch zu küssen.
Das Bild an Hrn. H.
Das, Maler, ist dein Meisterstücke!
Ja, H**, ja; an Anmut reich,
Sieht dies Kind meinem Kinde gleich.
Das ist sein Haar; dies seine Blicke;
Das ist sein Mund; das ist sein Kinn.
O Freund, o laß dichs nicht verdrüssen,
Und sieh auf jene Seite hin:
Ich muß, ich muß das Bildchen küssen.
Wie zärtlich nimmts den Kuß nicht an:
Nur schade, daß es ihn nicht wiedergeben kann.
Das Erdbeben
Bruder, Bruder, halte mich!
Warum kann ich denn nicht stehen?
Warum kannst du denn nicht gehen?
Bruder geh, ich führe dich.
Sachte Bruder, stolperst du?
Was? Du fällst mir gar zur Erden?
Halt! ich muß dein Retter werden.
Nu? Ich falle selbst dazu?
Sieh doch Bruder! Siehst du nicht,
Wie die lockern Wände schwanken?
Sieh, wie Tisch und Flasche wanken!
Greif doch zu! das Glas zerbricht!
Himmel, bald, bald werden wir
Nicht mehr trinken, nicht mehr leben!
Fühlst du nicht? des Grunds Erbeben
Droht es Bruder mir und dir.
Limas Schicksal bricht herein!
Bruder, Bruder, wenn wir sterben,
Soll der Wein auch mit verderben?
Der auf heut bestimmte Wein?
Nein, die Sünde wag ich nicht.
Bruder, wolltest du sie wagen?
Nein, in letzten Lebenstagen
Tut man gerne seine Pflicht.
Sieh, dort sinket schon ein Haus!
Und hier auch! Nun muß man eilen!
Laß uns noch die Flasche teilen!
Hurtig! Hurtig! trink doch aus!
Das Leben
Sechs Tage kannt ich sie,
Und liebte sie sechs Tage.
Am siebenten erblaßte sie,
Dem ersten meiner ewgen Klage.
Noch leb ich, zauderndes Geschick!
Ein pflanzengleiches Leben.
O Himmel, ist für den kein Glück,
Dem du Gefühl und Herz gegeben!
Oh! nimm dem Körper Wärm und Blut,
Dem du die Seele schon genommen!
Hier, wo ich wein, und wo sie ruht,
Hier laß den Tod auf mich herab gebeten kommen!
Was hilft es, daß er meine Jahre
Bis zu des Nestors Alter spare?
Ich habe, trotz der grauen Haare,
Womit ich dann zur Grube fahre,
Sechs Tage nur geliebt,
Sechs Tage nur gelebt.
Das Paradies
Sein Glück für einen Apfel geben,
O Adam, welche Lüsternheit!
Statt deiner hätt ich sollen leben,
So wär das Paradies noch heut.—
Wie aber, wenn alsdann die Traube
Die Probefrucht gewesen wär?
Wie da, mein Freund?—Ei nun, ich glaube—
Das Paradies wär auch nicht mehr.
Das Schäferleben
Komm Freund! wir wollen Schäfer werden.
Dies stille Volk besitzet noch
Die süße Ruh, das Glück der Erden.
Was zauderst du? Komm Freund! komm doch!
Dort blüht bei aufgeräumten Sinnen
Noch alte Treu und Redlichkeit,
Auch in den schönsten Schäferinnen.
Dort, dort ist noch die güldne Zeit.
Wird dir es schwer, die Stadt zu lassen,
Wo nichts als falsche Mägdchen sind?
Die kostenlose Leseprobe ist beendet.