Buch lesen: "Der Reiter: Erotische Novelle"

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Elena Lund

Der Reiter: Erotische Novelle

Lust

Der Reiter: Erotische Novelle

ÜbersetztMareike Zoege Original Ryttaren - erotisk novell Coverbild / Illustration: Shutterstock Copyright © 2019, 2019 Elena Lund und LUST All rights reserved ISBN: 9788726228335

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.

Der Reiter

Als Cecilia sich für den Nebenjob in dem Reitstall bei Strängnäs bewarb, hatte sie sich einen klassischen, kleinen, etwas heruntergekommenen Stall vorgestellt. Eine Reitschule für muffelige Dreizehnjährige und müde Pferde. Wer die Stellenanzeige aufgegeben hatte, wusste sie nicht, und bisher hatte sie auch nicht weiter darüber nachgedacht. Ihre ausgelaugte Betreuerin auf dem Arbeitsamt hatte sie ihr unter die Nase gehalten und mit heiserer Raucherstimme hervorgekrächzt: „Sie sind doch früher geritten, oder?“

Doch was sie vorfindet, ist kein heruntergekommener Reitstall für gelangweilte Teenager. Es ist ein Gutshof. Hier stehen vorgezogene, frisch eingepflanzte Bäume, zu grün und üppig so früh im März. Sie tauchen die Allee, die auf das große Haus zuführt, in ein leuchtendes, grünes Licht. Es ist ein Reitstall wie aus Cecilias Kinderbüchern, wenn man diesen Komplex aus strahlend weißen Häusern überhaupt Stall nennen kann. So etwas hat sie sich überhaupt nicht vorgestellt, und das macht sie nervös. Ein Gefühl, das sie verabscheut.

Das Haus am Ende der Allee ist eine dreistöckige Villa mit Veranda und Flügeltür. „Sternéus“ steht in silberner Schrift über der Tür. Links hinter dem Haus sieht sie zwei große Reithallen und einen gigantischen Reitplatz. Dort galoppiert ein Pferd mit einem Reiter. Schon von weitem sieht man, wie geschickt er ist. Ein Grüppchen aus etwa fünf Personen steht am Zaun und schaut zu. Alles ist mit ordentlich geharkten, weißen Schotterwegen und penibel beschnittenen, hellgrünen Büschen umringt. Der ganze Hof liegt ruhig und verlassen da, abgesehen von der etwas merkwürdigen Ansammlung weiblicher Bewunderinnen am Reitplatz. Weiter kommt Cecilia nicht in ihren Beobachtungen, bevor eine Frau mittleren Alters, die Haare in einem strengen Zopf, aus dem Haus kommt.

„Cecilia?“, fragt sie, und bevor Cecilia antworten kann: „Sie sind spät dran.“

„Circa vier Minuten?“, sagt sie und bereut sofort, nicht einmal Hallo gesagt zu haben, bevor sie anfängt, sich zu verteidigen. Die Frau sieht auf ihre Armbanduhr. „Genau vier Minuten, Cecilia. Beeindruckendes Zeitgefühl.“ Cecilia lächelt verkrampft und bringt ein „Entschuldigung, es wird nicht wieder passieren“ heraus, aber dieser Job ist wirklich völlig in Ordnung und sie will ihn nicht wegen einer schicken Allee und einem schlechten Ton aufs Spiel setzen. Die Frau nickt. Sie stellt sich als Magdalena Sternéus vor und zeigt Cecilia in zügigem Tempo die Ställe. Cecilia versucht vergeblich, ihre Begeisterung zurückzuhalten. Als sie den ersten, kleineren Stall betreten, verkrampft sich ihr Herz in einer kindlichen Entzückung. Alle Pferde sind französische Halbblüter und glänzen in der warmen Beleuchtung wie Eichen. Cecilia geht vor Magdalena her und obwohl sie weiß, dass sie keine Information verpassen sollte, blendet sie Magdalenas Stimme ab und zu aus. Sie legt die Hand ans Maul eines hellen Hengstes, der warm in ihre Handfläche schnaubt. Genau das hier hat sie vermisst, diesen Geruch, diese Kraft und diesen Zufluchtsort.

„Das hier sind unsere Pferde“, sagt Magdalena. Cecilia wendet sich widerwillig von dem Hengst ab und dreht sich zu Magdalena um. „Sie werden vor allem für diesen Stall zuständig sein“, fährt Magdalena fort. „Hier halten Sie alles sauber und ordentlich.“ Cecilia nickt nur.

„Sie werden auch die Hauptverantwortung dafür haben, sich um Williams Pferd zu kümmern“, sagt Magdalena dann. Sie hat die Arme verschränkt und schaut Cecilia an, als würde sie auf eine Antwort oder eine Reaktion warten. Es bleibt still, etwas zu lange, und Cecilia sieht sich suchend um.

„Raftalid ist gerade nicht hier“, sagt Magdalena, geht weiter in den Stall hinein und deutet auf eine der zwei leeren Boxen. „Sie sind draußen und reiten, danach steht er hier.“

„William?“, sagt Cecilia und lacht. Magdalena lacht nicht. Aber etwas in ihrem Gesichtsausdruck verändert sich.

„Sie wissen nicht, wer er ist, oder?“, sagt sie.

Cecilia weiß nicht, was sie antworten soll. Sollte sie das wissen? Sie sieht ein, dass sie ein bisschen hätte recherchieren sollen, aber dazu hatte sie einfach keine Motivation.

„Gut“, sagt Magdalena schließlich. „Sie sind hier, um sich sorgfältig und gründlich um Williams Pferd zu kümmern, das hat immer höchste Priorität, und Sie richten sich genau nach Williams Wünschen. Okay?“

Cecilia nickt. Wenn dieser Raftalid nun so viel ungeteilte Aufmerksamkeit braucht, sollte William sich vielleicht selbst um ihn kümmern. Aber sie antwortet nur: „Selbstverständlich.“

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