Buch lesen: "Beziehungsguide Mensch-Hund"
Helen Zulch & Daniel Mills
Beziehungsguide
Mensch-Hund
Tipps für ein harmonisches Zusammenleben
Mit einem Vorwort von Victoria Stilwell
© 2018 KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH
Konrad-Zuse-Straße 3, D-54552 Nerdlen/Daun
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www.kynos-verlag.de
Übersetzt aus dem Englischen von Annika Mohr
Titel der englischen Originalausgabe : Helping Minds Meet. Skills for a better life with your dog
© Helen Zulch, Daniel Mills and Peter Baumber and Veloce Publishing Ltd 2015©
Grafik & Layout: Kynos Verlag
eBook (epub)-Ausgabe der Printversion 2018
eBook(epub)-ISBN: 978-3-95464-187-1
ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-95464-168-0
Bildnachweis: Alle Fotos Peter Baumber außer Titelbild: Adobe Stock/Daxiao Productions
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einführung
1. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse
2. Grenzen der gegenseitigen Erwartungen
3. Wir alle machen mal Fehler
4. Wir sprechen nicht die gleiche Sprache
5. Kommunikation ist ein wechselseitiger Prozess
6. Das Leben ist besser, wenn beide Seiten nachdenken, bevor sie handeln
7. Wir funktionieren beide besser, wenn wir weniger gestresst sind
8. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir uns vergnügen können
Anhang 1
Anhang 2
Anhang 3
Die Darsteller
Vorwort
von Victoria Stilwell
Die heutigen Haushunde haben eine unerreichte Fähigkeit, sich anzupassen, sich zu entwickeln und komplexe und gegenseitige Beziehungen mit uns einzugehen. Als jemand, der sich dazu verschrieben hat, die Welt zu einem besseren Ort für Hunde zu machen, bin ich immer wieder erstaunt über deren scheinbar unendliche Fähigkeit zu begeistern, zu überraschen, herauszufordern und unser Leben zu bereichern.
Als Hundetrainerin und Verhaltensexpertin ist es meine Hauptaufgabe, Menschen zu helfen, eine gesündere Bindung zu ihren Hunden aufzubauen - indem sie besser verstehen, wie ihre Hunde die Welt um sich herum wahrnehmen. Es ist mittlerweile schon zu einem Klischee geworden, wenn man sagt, dass Trainer eher die Besitzer erziehen als die Hunde, aber es ist etwas Wahres dran. Zwar muss man auf der einen Seite den Hunden Hilfestellung geben, damit sie in der von uns geschaffenen Umgebung bestehen können, aber andererseits haben die von mir als Trainerin beobachteten Probleme ihren Ursprung oft in Situationen, die vermieden werden könnten, wenn die Besitzer besser beraten worden wären. Wissen ist Macht - aber mit so vielen widersprüchlichen Informationen, wie sie in der heutigen Hundewelt kursieren, ist schwer zu entscheiden, an wen man sich wenden soll.
Mit diesem Buch liefern Helen Zulch und Daniel Mills die Informationen und das Wissen, das jeder Hundeliebhaber braucht, um seinen Hund wirklich zu verstehen, um über die gemeinsame Beziehung nachzudenken und wahrzunehmen, wie das eigene Verhalten die gegenseitige Bindung verstärken kann.
Hunde kommen nicht mit dem Wissen zur Welt, dass das Zerbeißen eines Schuhs „schlecht“ oder das Urinieren auf einen Teppich falsch ist. Wir als ihre Versorger müssen ihnen beibringen, was angemessen ist und sie von dem wegführen, was es nicht ist. Das ist nicht durch Schreien oder strenge Bestrafung getan, was nur den Stress erhöht und die Bindung zwischen Hund und Mensch schwächt, sondern es geht darum, sich die Zeit zu nehmen, um zu verstehen, warum ein Verhalten auftaucht und dann auf positive Art daran zu arbeiten, es anzupassen oder zu ändern.
Dieses Buch wird Ihnen nicht nur dabei helfen, Ihrem Hund wertvolle Fähigkeiten fürs Leben beizubringen, es wird Sie auch zum Nachdenken darüber bringen, wie Ihr Hund Ihr eigenes Verhalten wahrnehmen könnte. Von unserer menschlichen Sprache zum Beispiel geht während der „Übersetzung in Hündisch“ sehr viel verloren. So machen wir Gesten, die als Bedrohung wahrgenommen werden können, auch wenn das gar nicht unsere Absicht ist. Wir können verwirrend sein und hohe Erwartungen haben, die unsere Hunde nicht erfüllen können, wenn wir ihnen nicht die passenden Mittel dazu geben. Die Autoren helfen Ihnen anhand von Arbeitsblättern dabei, mit diesen Erwartungen umzugehen und zu beobachten, festzuhalten und darüber nachzudenken, was unsere Hunde brauchen. Es ist wirklich selten, dass ein Buch so viele großartige Informationen anbietet und gleichzeitig seine Leser dazu ermutigt, selber aktiv darüber nachzudenken, wie sie diese ihrem Hund entsprechend vermitteln können.
Hunde sind intelligente, fühlende Wesen, die das Zusammensein mit uns genießen, aber trotzdem ihr einzigartiges „Hundsein“ bewahren. Egal, wie sehr wir sie auch zu domestizieren versuchen: Wir dürfen dabei nie vergessen, dass sie eine hoch entwickelte Spezies sind, die noch immer Züge und Verhaltensweisen eines Raubtiers in sich tragen, dem das Grundbedürfnis nach Sicherheit äußerst wichtig ist. Hunde drängen nicht etwa mit dem Ziel in unser Zuhause, der Rudelführer sein zu wollen, wie Ihnen manche Leute glauben machen möchten, sondern sie streben von Natur aus etwas an, das sie sich gut und sicher fühlen lässt – und gegebenenfalls auch ihre Sicherheit und ihr Überleben gewährleistet. Das kann sich manchmal in Verhaltensweisen äußern, die nicht besonders gut in unsere menschliche Welt passen. Deshalb brauchen wir Unterstützung, wenn solche Probleme auftauchen sollten - in erster Linie sollten sie aber von vorneherein verhindert werden.
Beziehungsguide Mensch-Hund ist mehr als nur ein Buch – es ist eine unentbehrliche Quelle, die Sie durch die Komplexitäten der Hundesprache und des Hundeverhaltens führt und Ihnen hilft, eine harmonische Beziehung zu schaffen, die auf Beständigkeit und Vertrauen basiert. Hunden das Zurechtkommen in einer zivilisierten Menschenwelt beizubringen, hat nichts mit Dominanz oder Einschüchterung zu tun; vielmehr geht es um Zusammenarbeit, Motivation, Stärkung, Vertrauen und Spaß. Das ist das Rezept einer erfolgreichen Mensch-Hund-Beziehung und eines gemeinsamen glücklichen Lebens.

Victoria Stilwell
Einführung
Widmung
Dieses Buch widmen wir unseren Eltern und unseren Lebenspartnern, die uns viele der Lektionen im Buch durch ihre Liebe gelehrt haben. Danke.
Danksagung
Wir danken herzlich allen Hunden und ihren Besitzern, die sich an dem Fotoshooting für dieses Buch beteiligt haben. Es braucht Zeit und Hingabe, um das richtige Foto zu machen, aber wir denken, dass sie diesen Prozess genau so sehr genossen haben wie wir. Wir hoffen, ihre Beteiligung hilft diesem Buch dabei, Hundehalter aus aller Welt zu erreichen.

Die Hundehaltung kann uns körperliche und psychische Vorteile verschaffen, außerdem mehr Bewegung und mehr soziale Kontakte.
Ein paar Worte vorab
Unsere Beziehung zu Hunden hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Aber trotz seiner Anpassungsfähigkeit und seiner scheinbar nie endenden Bereitschaft, es uns recht machen zu wollen, bleibt der Hund in vielen Punkten das gleiche Wesen, das vor Tausenden von Jahren domestiziert wurde. Unsere Ansichten über Hunde und unsere Haltung ihnen gegenüber haben sich dagegen verändert, und wenn wir Hunde heute immer stärker als Familienmitglieder integrieren, kann es passieren, dass wir dabei sehr leicht grundlegende Unterschiede zwischen uns aus den Augen verlieren. Diese Unterschiede können uns bereichern, uns aber auch frustrieren, wenn wir nicht innehalten und uns in die Situation unserer Hunde hineinversetzen.
Die enge Bindung, die viele Halter inzwischen mit ihrem Hund haben und der Stress des modernen Lebens bedeuten mehr Anforderungen an den Hund, was die Erfüllung spezieller Erwartungen betrifft. Dies trifft besonders auf in unseren Haushalten lebende Familienhunde zu, die auch den Schwerpunkt dieses Buches bilden. Manches gilt jedoch auch für alle Hunde, seien es Assistenzhunde, Militärhunde oder Hütehunde auf einer Farm. Diese Anforderungen können zu Spannungen in unseren Beziehungen mit ihnen führen, weshalb wir mehr denn je im Hinterkopf behalten müssen, dass sich eine gute Beziehung durch Respekt und Wertschätzung gegenüber den Unterschieden auszeichnet, die eine jede Beziehung so einzigartig machen.
Gut zu wissen
Eine gute Beziehung ist sowohl für Sie als auch für Ihren Hund wichtig. Ihre Qualität hängt davon ab, wie sich jeder dem anderen gegenüber in guten und in schlechten Zeiten verhält. Eine gute Beziehung erfordert dauerhaften Einsatz, was aber nicht automatisch harte Arbeit bedeuten muss.


Dies ist besonders wichtig, denn die traurige Realität ist, dass viele Hunde im Tierheim landen, wenn sie nicht in den menschlichen Haushalt hineinpassen oder nicht den Normen der menschlichen Gesellschaft entsprechen. Gleichzeitig leiden die Familien, die diese Hunde aufgeben, an dem Elend, das eine gebrochene Beziehung mit sich bringt. Die Hund-Mensch-Beziehung sollte für beide Seiten von Vorteil sein: Hunde sollten also gut für Menschen sein und Menschen gut für Hunde.
Dieses Buch soll Besitzern besser zu verstehen helfen, dass wir trotz der angeborenen Unterschiede, die uns durch unsere Spezies vorgegeben werden, das gegenseitige Wohlbefinden fördern und erfüllende Beziehungen genießen können.

Die Arbeit, die Sie sich beim Aufbau einer starken Beziehung mit Ihrem Hund machen, wird belohnt, wenn Sie Spaß an gemeinsamen Aktivitäten haben.
Gut zu wissen
Das Herzstück einer vertrauensvollen Beziehung ist die Annahme, dass jede Seite normalerweise in guter Absicht handelt. Das heißt aber nicht, dass wir dies immer richtig verstehen oder die Dinge immer so sind, wie wir sie gerne hätten. Bei Herausforderungen müssen wir miteinander kommunizieren, um uns besser zu verstehen, anstatt einfach Vermutungen über die Absicht des jeweils anderen anzustellen.


Ein tiefergehendes Verständnis unserer Unterschiede und deren Anerkennung bedeutet, dass wir einen potenziellen Konflikt in eine neue Möglichkeit umwandeln können - ob dies nun durch einen Kompromiss oder durch kreatives Denken ist, das Lösungen für beide Seiten hervorbringt. Unsere Unterschiede sollten eine Bereicherung für unser beider Leben sein anstatt als Schwierigkeiten betrachtet zu werden, die man überwinden muss. Wenn Sie bereits deutliche Schwierigkeiten in der Beziehung zu Ihrem Hund haben und vielleicht schon das Vertrauen und die Zuversicht im Umgang mit ihm verlieren, raten wir Ihnen dringend, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, anstatt sich einzig und allein auf dieses Buch zu verlassen. Wir alle lernen ständig und haben somit die Möglichkeit, unser Verhalten und unsere Beziehungen zu ändern: wir müssen einfach nur den richtigen Weg finden, eine Beziehung zu unterstützen, um erfolgreich damit umzugehen.
Gut zu wissen
Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Beziehung mit unserem Hund ist: Wir sollten uns unserer Unterschiede bewusst sein und sie genießen, wenn sie uns glücklich machen. In Situationen, in denen sie zu Konflikten führen, sollten wir sie mit Respekt behandeln. Das ist der Grundgedanke, auf den dieses Buch aufbaut.



Unsere Hunde bei so etwas Einfachem wie dem glücklichen Rennen durch eine Sommerwiese zu beobachten, ist eine Bereicherung für unser Leben.
Dies ist kein Trainingsbuch, sondern ein Ratgeber, der Ihnen hilft, Ihr eigenes Verhalten Ihrem Hund gegenüber sowie die Auswirkungen auf sein Verhalten zu reflektieren. Weil Beziehungen dynamisch und immer im Wandel sind, sind wir davon überzeugt, dass Sie zu verschiedenen Zeitpunkten im Zusammenleben mit Ihrem Hund unterschiedliche Interessenschwerpunkte in diesem Buch finden werden. Wir hoffen, dass jedes Kapitel, unabhängig von Ihrer Erfahrung mit Hunden, dazu beiträgt, Ihre Beziehung in beiderseitigem Interesse zu bereichern.
1. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse
In einer erfolgreichen Partnerschaft sind die Rollen oft nicht gleichmäßig verteilt, sondern jeder hat seine eigenen Stärken, die die des jeweils anderen ergänzen. Zwar teilen sich Hund und Mensch ein gemeinsames Zuhause und gehen bemerkenswerte Beziehungen miteinander ein, aber sie haben sich in einem unterschiedlichen Umfeld mit unterschiedlichen Fähigkeiten entwickelt und müssen deshalb darauf achten, wie die jeweiligen Unterschiede in Stärken umgewandelt werden können, die die Beziehung schließlich erfolgreich machen. Die Idee von sich ergänzenden Stärken bezieht sich nicht nur auf verschiedene Fähigkeiten wie zum Beispiel die des Hundes, mit seinem großartigen Geruchssinn Schmuggelware zu finden. Es kann sein, dass das eine Individuum das andere dazu ermutigt, aufmerksamer zu sein und dadurch bessere Entscheidungen zu treffen. Letztlich bereichert es das Leben beider Partner.

Hunde, vor allem junge, mögen es, auf etwas herumzubeißen. Entsprechende ungefährliche Kaugegenstände oder geeignetes Kauspielzeug verhindern, dass Ihr Hund Ihren kostbaren Besitz zernagt.
Es passiert leicht, dass solche Unterschiede zwischen Mensch und Hund zu Spannungen führen. Wenn wir jedoch akzeptieren, dass wir unterschiedliche Bedürfnisse haben und dies mit Vorsicht und einer fantasievollen Beachtung behandeln, können wir das positive Potenzial in der Beziehung mit unseren Hunden voll ausschöpfen.
Gut zu wissen
Die Dinge, die Ihren Hund glücklich machen, können sich von denen unterscheiden, die Sie glücklich machen und umgekehrt. Individuelle Unterschiede sind ein wichtiger Bestandteil von Beziehungen, die ein stärkeres Team hervorbringen können. Es sind Planung und Voraussicht nötig, um beiden Seiten das zu ermöglichen, was sie möchten, ohne dabei in einen Konflikt zu geraten - zum Beispiel, indem man Grenzen und Regeln für Mensch und Hund festsetzt oder indem man bestimmte Verhaltensweisen durch entsprechendes Training kontrolliert.


Ein Hund hat andere Prioritäten als ein Mensch
Zwar haben Dinge wie das Überleben für alle Lebewesen gleichermaßen Vorrang, aber in vielen Bereichen haben Hunde und Menschen unterschiedliche Prioritäten. Hunde haben beispielsweise einen phänomenalen Geruchssinn. Wenn Sie Ihrem Hund dabei zusehen, wie er eine Spur verfolgt, die wir nicht wahrnehmen können, kann das eine tolle Erfahrung sein. Solche Unterschiede sind Teil des Schönen an einer Partnerschaft, die wir mit Hunden bilden, aber sie haben üblicherweise auch eine Kehrseite: Hunde können von geruchlichen Veränderungen gestört oder abgelenkt werden, die wir vielleicht gar nicht bemerken.
So können sie zum Beispiel auf den Geruch eines Lufterfrischers oder auf eine läufige Hündin in der Nähe reagieren. Manche Gerüche - wie der zuletzt erwähnte - können eine enorme Auswirkung auf die Stimmung des Hundes haben. Wenn sich das Verhalten Ihres Hundes also ändert und Sie den Grund dafür nicht kennen, kann es an einem Geruch liegen, den wir nicht riechen können oder der uns unwichtig erscheint, Ihren Hund jedoch beeinflusst.
Top Tipp

Geben Sie Ihrem Hund Zeit, die Gerüche in seinem Umfeld zu untersuchen. Für Hunde ist es wichtig, in einem neuen und auch in einem bekannten Umfeld herumzuschnüffeln, wenn sich das Geruchsbild dort womöglich verändert hat. Respektieren Sie dieses Bedürfnis. Wenn Ihr Hund Ihnen durch sein Verhalten mitteilt, dass er sich unwohl fühlt, respektieren Sie dies und reagieren Sie entsprechend, um ihm zu helfen (siehe auch Kapitel 5), selbst wenn Sie den Grund dafür nicht erkennen können.


Manchmal sind es die einfachen Dinge wie Stehenbleiben auf dem Spaziergang und die Schafe beobachten, die Ihren Hund glücklich machen. Solange es ungefährlich ist und sich der Hund angemessen gegenüber dem verhält, was gerade seine Aufmerksamkeit erregt, profitiert er davon, wenn er sich die Zeit zum Betrachten nehmen kann. Gut möglich, dass Sie dabei auch etwas mehr über seinen Charakter erfahren.

Diese Hunde genießen es, während eines Spaziergangs gemeinsam zu schnüffeln. Dabei werden viele ihrer Bedürfnisse erfüllt, unter anderem das Sammeln wichtiger Informationen über ihr Umfeld und ein entspanntes Zusammensein.
Diese Möglichkeit, Gerüche (ob mit oder ohne Leine) zu untersuchen, ist wichtig. Es ist daher sinnvoll, dem Hund an der Leine Zeichen wie „du kannst schnüffeln“ oder „jetzt ist keine Zeit zum Schnüffeln“ (siehe Anhang 1) beizubringen, um Konflikte durch unterschiedliche Prioritäten zu vermeiden: zum Beispiel, wenn Sie dringend von A nach B müssen, Ihr Hund aber Urinmarken untersuchen möchte!
Den meisten Hunden macht es nichts aus, nass und schmutzig zu werden und sie merken nicht, dass die Sauberkeit Ihres neuen Teppichs wichtig für Sie ist. Diese potenzielle Konfliktquelle kann durch spezielle Regeln und Routinen umgangen werden, die es Ihrem Hund erlauben, sich schmutzig zu machen, aber gewährleisten, dass er es akzeptiert, vor Betreten des Hauses gesäubert zu werden. Dieser Kompromiss ist wesentlich fairer, als ihm diesen Spaß draußen vorzuenthalten.
Gut zu wissen
Ihr Hund wird auch seine eigenen Duftmarken draußen hinterlassen wollen - erlauben Sie ihm das, solange es aus menschlicher Sicht angemessen ist!



Es ist normal, dass Hunde an Dingen riechen, die wir vielleicht ekelhaft finden, wie zum Beispiel am Kot anderer Hunde. Viel Aufsehen darum könnte ein Problem erzeugen, wo eigentlich gar keines ist. Wenn er natürlich kurz davor ist, sich darin zu wälzen oder etwas zu fressen, was Sie nicht möchten, können Sie ihn auf ruhige Art davon wegrufen.
Ein weiterer Grund für unsere unterschiedlichen Prioritäten ist, dass wir unserem Hund seine biologischen Grundbedürfnisse zur Verfügung stellen oder kontrollieren (zum Beispiel Futter, Unterkunft, Fortpflanzung etc.), während wir dafür arbeiten müssen, um sie für uns selbst zu erreichen.

Das Revier mit Urin zu markieren ist sowohl für Rüden als auch für Hündinnen ein normales Verhalten.

Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Hund sich einer bestimmten Aktivität widmet, zum Beispiel in eine schlammige Pfütze zu springen, können Sie ihn anleinen oder ihn mit einem Spielzeug ablenken, während Sie ihn schnell an den Pfützen vorbeilotsen.
Gut zu wissen
Es ist wichtig, das Ihr Hund ein Hund zu sein. Es ist in Ordnung, ihm manchmal die freie Wahl zu lassen, wenn das gefahrlos möglich ist. Genießen Sie es, ihm dabei zuzusehen (und lernen Sie davon), statt verärgert oder angewidert zu sein. Wenn er Dinge tut, die Sie nicht möchten oder von denen Sie befürchten, sie könnten schädlich für ihn sein, ist eine Einschränkung oder Vermeidung bestimmter Situationen oder Gebiete nicht die einzige Lösung. Eine kreative Planung für solche Situationen (zum Beispiel Ablenkungsmanöver oder das Beibringen von Alternativverhalten) ermöglichen beiden fröhliche und ungefährliche Ausflüge, die Sie und Ihren Hund glücklich und gesund halten.


Das kann unsere Prioritäten insofern beeinflussen, als dass Ihr Hund die Interaktion mit Ihnen als Wichtigstes überhaupt ansieht, während Sie Ihre Prioritäten auf Ihren Job oder andere Dinge legen müssen, die Sie von Ihrem Hund fernhalten. Manche Hunde empfinden die Trennung durch die Abwesenheit ihres Halters stressig* oder sie finden das Alleinsein einfach uninteressant. Sie müssen daher sicherstellen, dass Ihr Hund nicht leidet, wenn er alleine gelassen wird und während des Tages angemessen betreut und beschäftigt wird. Wenn Sie zuhause sind, sollten Sie eine Beschäftigung mit ihm wählen, die ihm Freude bereitet.

Jeder Hund sollte in seinem Zuhause einen sicheren Rückzugsort haben. Dies kann ein Bett, ein Korb oder eine Hundebox sein. Am wichtigsten ist, dass Ihr Hund sich dort sicher und geborgen fühlt. In Anhang 2 finden Sie weitere Informationen dazu, wie Sie für Ihren Hund einen sicheren Rückzugsort einrichten.
Top Tipp

Es ist sinnvoll, Ihrem Hund ein Signal beizubringen, das ihm sagt: „Ich kann mich gerade wirklich nicht um dich kümmern“. Damit weiß er, dass er manchmal bei Ihnen seinen Wunsch nach Aufmerksamkeit erfüllt bekommt, aber ein andermal respektieren muss, dass Sie beschäftigt sind. Wenn Sie ihm dies klar, freundlich und konsequent vermitteln, wird er lernen, dass er sich in solchen Zeiten mit sich selbst beschäftigen muss. Das verhindert, dass er aufgebracht ist und Sie mit lästigem, Aufmerksamkeit suchenden Verhalten stört (siehe Fotos auf den Seiten 76 und 77 für mehr Informationen dazu).

Psychologische Grundbedürfnisse
Neben dem sozialen Miteinander gehören Schutz und Sicherheit zu den wichtigsten psychologischen Grundbedürfnissen Ihres Hundes, das gilt sowohl daheim als auch draußen. Die meisten Leute müssen sich nie damit auseinandersetzen, was es bedeutet, permanent verschreckt oder verängstigt zu sein, da die meisten von uns in einer relativ sicheren Gesellschaft leben und wir verstehen, was um uns herum gerade passiert. Das trifft jedoch nicht unbedingt auf unsere Hunde zu. Daher ist es wichtig, dass Ihr Hund einen sicheren Rückzugsort in Ihrem Zuhause hat (siehe Anhang 2), in dem er alles unter Kontrolle hat und weiß, dass ihm nichts geschehen wird. Jeder sollte diesen Platz respektieren, ihm jederzeit Zutritt darauf geben und ihn darin nicht stören.
Unterwegs und vor allem in sozialen Situationen müssen wir gewährleisten (und unserem Hund dies vermitteln, indem wir ihn unterstützen), dass ihm nichts geschieht, wenn er bei uns ist. Wir sollten also immer verlässlich sein, sodass unser Hund uns in allen Situationen vertrauen kann – auch, wenn wir den Grund für sein Verhalten nicht verstehen und auch dann, wenn es uns peinlich ist oder uns frustriert (zum Beispiel, wenn unser Hund einen anderen Hund anknurrt).
Wir lieben vielleicht nicht immer, was unser Hund tut, aber wir sollten immer unseren Hund lieben und ihn unterstützen, auch wenn er Fehler macht. Wütend zu werden ist nicht nur kontraproduktiv, sondern entzieht unserem Hund auch die soziale Unterstützung, die er braucht, um sich zu einem selbstbewussten Individuum zu entwickeln. Dies trifft vor allem dann zu, wenn sich hinter seinem Verhalten Angst oder Unsicherheit verbergen – zum Beispiel, wenn er etwas zu vermeiden versucht. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir unangemessene oder schwierige Verhaltensweisen einfach akzeptieren und damit leben müssen, vielmehr müssen wir einen längerfristigen Plan entwickeln, um das Verhalten unseres Hundes zu ändern, während wir ihm zeitnah helfen.
Gut zu wissen
Um das Wohlbefinden unseres Hundes zu gewährleisten, müssen wir neben seinen körperlichen Grundbedürfnissen auch bestimmte psychologische Grundbedürfnisse erfüllen.



Eine Entdeckungstour, ohne Leine, ist für die meisten Hunde eine der besten Möglichkeiten, ihr Bedürfnis nach Erkundung und Interaktion zu erfüllen. Auf Spaziergängen sicher und kontrollierbar zu sein, ist daher eine der wichtigsten Fähigkeiten, die es für Hunde zu meistern gilt.
Gut zu wissen
Wenn Ihr Hund einfach nicht an einem Spielzeug oder an einer Aktivität interessiert ist, ist es sinnlos und nicht bereichernd – egal, was auf der Packung steht. Ebenfalls muss nicht „Spielzeug“ draufstehen, um ein Spielzeug zu sein. Treffen Sie zuhause also eine klare Unterscheidung zwischen Spielzeugen und ähnlich aussehenden Nicht-Spielgegenständen: es ist beispielsweise keine gute Idee, Ihrem Hund ein altes T-Shirt oder Schuhe zum Spielen zu geben, sonst könnte er denken, alle solche Sachen seien immer auch automatisch Spielzeug.


Beschäftigung ist eine persönliche Sache
Ein anderes psychologisches Grundbedürfnis, das wir mit unseren Hunden teilen, ist geistige Beschäftigung: Zum Beispiel, die Umwelt zu erkunden und spielerisch Informationen über sie einzuholen. Da wir die Möglichkeit haben, viele Aspekte unserer eigenen Welt zu kontrollieren – durch Reisen, Fernsehen oder Lesen – würdigen wir es vielleicht nicht, dass wir dieses Bedürfnis normalerweise jeden Tag erfüllen, die meisten Hunde diese Möglichkeit dazu jedoch nicht haben. Als Besitzer ist es daher unsere Pflicht, unseren Hunden dieses Bedürfnis zu erfüllen, indem wir ihre Umwelt bereichern.
Wir alle haben unterschiedliche Vorlieben im Leben, weshalb einige Dinge für manche Individuen interessanter sind als für andere. Dabei gibt es einige Grundprinzipien zur Beschäftigung – zum Beispiel, dass der Empfänger ein bestimmtes Gerät bedienen und kontrollieren kann (siehe unten). Aber nur, weil ein Hersteller behauptet, ein großartiges Spielzeug produziert zu haben, bedeutet das noch nicht, dass Ihr Hund das zwangsläufig genauso sehen muss.

Interaktive Futterspiele können Ihrem Hund geistige Auslastung und Beschäftigung bieten. Wenn Sie ihm zeigen, wie man solche Spiele benutzt, ist das nebenbei eine angenehme Art, um Ihre Beziehung zu stärken.
Sie werden sicherlich eine gute Vorstellung von dem haben, was Ihr Hund mag. Scheuen Sie sich aber nicht davor, Ihrem Hund neue Aktivitäten und Spielzeuge anzubieten und seine Reaktion darauf zu beobachten. Dies kann auch für Sie bereichernd sein, vor allem, wenn Sie ungeahnte Talente in Ihrem Hund entdecken. Beachten Sie jedoch, dass viele der neueren Hundespielzeuge auf dem Markt ein bisschen Training mit Ihrem Hund voraussetzen, damit er diese versteht. Nehmen Sie sich also etwas Zeit für die richtigen Einführungen.
Wenn Sie gerade erst anfangen und unsicher sind, was Ihrem Hund gefallen könnte (seien Sie dabei nicht an Rasse-Klischees gebunden!), kaufen oder stellen Sie eine Auswahl an günstigen (aber sicheren) Spielzeugen her und bieten Sie diese Ihrem Hund an, um zu sehen, für welches er sich am meisten interessiert.
Tipps für Beschäftigung
Bieten Sie sinnvolle Beschäftigung an. Schauen Sie sich das Spielzeug oder andere Gegenstände an, die Ihr Hund hat oder hatte und achten Sie darauf, welche davon benutzt werden (und wann) und welche nicht. Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Sachen, sind die Kauspielzeuge zum Beispiel alle zerstört, aber der Futterspender wird ignoriert? Bevorzugt Ihr Hund eine bestimmte Spielzeuggröße oder bestimmte Materialien? Berücksichtigen Sie, was Ihnen dies über die Vorlieben Ihres Hundes verrät und versuchen Sie, Ihrem Hund Variationen davon zur Verfügung zu stellen.
Verändern Sie die Verfügbarkeit der Spielzeuge. Hunde können sich schnell an Spielzeug gewöhnen, daher ist es sinnvoll, einen Spielzeugschrank zu haben, um an verschiedenen Tagen die Spielzeuge zu wechseln. Das bietet sich besonders für Spielzeug an, das Ihr Hund zunächst mag, aber danach weniger Interesse daran zeigt. Sammeln Sie einige der Spielzeuge ein, die Ihr Hund liegen lässt, legen Sie sie für einen anderen Tag zur Seite und ersetzen Sie sie durch anderes Spielzeug. Hat Ihr Hund allerdings ein Spielzeug, das er wie eine Schmusedecke mit sich herumträgt, legen Sie dieses an seinen Rückzugsort, anstatt es wegzuräumen.
Gleichen Sie bei sich zuhause Vorhersehbarkeit mit Kontrolle aus. Ein gutes Wohlbefinden hängt von der richtigen Menge an Kontrolle über die Umgebung ab, die mit einem bestimmten Maß an unvorhersehbaren, aber überwiegend erfreulichen Überraschungen ausgeglichen sein sollte. Das hält den Geist glücklich und gesund. Ein zu vorhersehbarer Ablauf wird langweilig, ein zu unvorhersehbarer Ablauf beunruhigend. Versuchen Sie, Ihrem Hund ein Signal beizubringen, das verlässlich bestimmte Abläufe ankündigt – zum Beispiel, dass er immer auf einer bestimmten Unterlage gebürstet wird. Wenn er also die Matte sieht, weiß er, was er erwarten kann. Bringen Sie ihm auch bei, dass es entsprechende Verhalten gibt, die sich auszahlen werden, wenn er vorzeitig erkennt, dass vielleicht etwas passiert, wie zum Beispiel ruhig an der Tür zu sitzen, wenn Sie andeuten, dass es Zeit für den Spaziergang ist. Ihr Hund kann diese freundlichen erlernten Antworten möglicherweise auch dazu nutzen, um Ihnen mitzuteilen, was er möchte (zum Beispiel Ihre Aufmerksamkeit) und gibt Ihnen Anregungen, was und wann Sie etwas machen sollen.
Die kostenlose Leseprobe ist beendet.