Buch lesen: "Kreativ sein als Naturfotograf*in"

Nur wenige Menschen können Naturfotos so treffend beurteilen wie Bart Siebelink. Er besitzt die Gabe, Dinge in einem Foto zu sehen, die man oft selbst nicht erkennen oder in Worte fassen kann. Diese Fähigkeit entwickelte er während seiner Lehrtätigkeit an der Kunstakademie Willem de Kooning, Rotterdam. Bart stammt aus einer Lehrerfamilie. Daher verschafft ihm nichts mehr Befriedigung, als die Kreativität in anderen zum Aufblühen zu bringen. Und deshalb hat er das Buch geschrieben, nach dem er selbst immer gesucht hat.
Barts Fotos gewinnen regelmäßig Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben und wurden in zahlreichen Büchern und Zeitschriften veröffentlicht. So gewann er manche lobende Erwähnungen beim Wettbewerb »Europäischer Naturfotograf des Jahres« der GDT (Gesellschaft für Naturfotografie e.V.) und im Jahr 2020 den Fritz Pölking Award des Glanzlichter-Wettbewerbs der Fürstenfelder Naturfototage.
Gemeinsam mit Edo van Uchelen hat er in den Niederlanden das »Handbuch der Naturfotografie« veröffentlicht. In den letzten Jahren hat er sich zunehmend auf die kreative Weiterentwicklung konzentriert, für die er Foto-Coachings anbietet. Mehr über Bart und sein Kursangebot erfahren Sie auf mentornatuurfotografie.nl
| Zu diesem Buch – sowie zu vielen weiteren dpunkt.büchern – können Sie auch das entsprechende E-Book im PDF-Format herunterladen. Werden Sie dazu einfach Mitglied bei dpunkt.plus+: www.dpunkt.plus |
Bart Siebelink
Kreativ sein als Naturfotograf*in
Kreativität entfalten und den eigenen Stil entwickeln
Aus dem Niederländischen von Stephanie Wloch

Bart Siebelink, mentornatuurfotografie.nl
Lektorat: Rudolf Krahm
Übersetzung: Stephanie Wloch, www.tuliparola-translations.de
Copy-Editing: Sandra Petrowitz, www.sandra-petrowitz.de
Satz: Birgit Bäuerlein
Herstellung: Stefanie Weidner
Umschlaggestaltung: Helmut Kraus, www.exclam.de, unter Verwendung eines Fotos des Autors
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN:
| 978-3-86490-772-2 | |
| 978-3-96910-075-2 | |
| ePub | 978-3-96910-076-9 |
| mobi | 978-3-96910-077-6 |
Translation Copyright für die deutschsprachige Ausgabe © 2021 dpunkt.verlag GmbH Wieblinger Weg 17 · 69123 Heidelberg
Copyright © 2019 by Uitgeverij PiXFACTORY
Title of the Dutch original: Grip op creativiteit: Ontwikkel jouw eigen stijl als natuurfotograaf, ISBN 978-9079588244, PiXFACTORY · Watergoorweg 104, 3861 MA Nijkerk
Translation Copyright © 2021 by dpunkt.verlag. All rights reserved.
Hinweis: Der Umwelt zuliebe verzichten wir auf die Einschweißfolie.
Schreiben Sie uns: Falls Sie Anregungen, Wünsche und Kommentare haben, lassen Sie es uns wissen: hallo@dpunkt.de.
Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Abbildungen, auch auszugsweise, ist ohne die schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und daher strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen.
Es wird darauf hingewiesen, dass die im Buch verwendeten Soft- und Hardware-Bezeichnungen sowie Markennamen und Produktbezeichnungen der jeweiligen Firmen im Allgemeinen warenzeichen-, marken- oder patentrechtlichem Schutz unterliegen.
Alle Angaben und Programme in diesem Buch wurden mit größter Sorgfalt kontrolliert.
Weder Autor noch Verlag noch Übersetzer können jedoch für Schäden haftbar gemacht werden, die in Zusammenhang mit der Verwendung dieses Buches stehen.
5 4 3 2 1 0
Gewidmet
meiner Mutter Leny Siebelink
und meinem guten Freund Ray Teixeira
»So wird handgreiflich, daß es eine andere Natur ist, die zu der Kamera als die zum Auge spricht … Vom Optisch-Unbewußten erfahren wir erst durch sie …«
Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, 1935 (1955)

Genau wie diese junge Gottesanbeterin beschreiten Sie mit der Lektüre dieses Buches einen neuen, aufregenden Weg.
Vorwort
Die Fotografie hat eine lange Tradition als Kunstform. Der Kulturphilosoph Walter Benjamin meinte, dass sie sogar die Fähigkeit besäße, jegliche andere Kunst überflüssig zu machen. Bemerkenswert ist, dass diese Tradition nicht bei den professionellen Künstlern begann: Ihre Fotografien dienten höchstens als Hilfsmittel für die Schaffung ihrer Bilder. Fotografien von Modellen waren deutlich günstiger als die teuren Honorare für die lebenden Modelle, weil sie die Anzahl der Sitzungen für Porträts reduzierten. Auch die Erinnerung an die Landschaften, die der Künstler darstellen wollte, wurde durch die Fotos länger lebendig gehalten.
Die Emanzipation der Fotografie als eigenständige Kunstform ist vor allem den Amateuren zu verdanken, den »Liebhabern« im ursprünglichen Wortsinn. Der entscheidende Impuls dafür war die Tatsache, dass sich viele Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kamera leisten konnten. Es erschienen Zeitschriften über Fotografie und Bücher, die zur persönlichen Entwicklung der Amateurfotografen beitrugen. In den fünfziger und sechziger Jahren war beispielsweise Peter Charpentier in den Niederlanden ein bekannter Publizist, der so manchem Fotografen mit seinen Büchern auf die Sprünge half und so zu einer neuen populären Kunstform beitrug.
Im Rahmen der Fotografie als Kunstform stellt die Naturfotografie eine besondere Domäne dar. Seit der Geburt der bildenden Kunst galt die Natur als eine Quelle der Inspiration. Jahrhundertelang haben Künstler die Natur studiert, von ihr gelernt und sind ihr gefolgt, um sie so getreu wie möglich wiederzugeben. Dieser Akt galt auch als Suche nach der Natur in ihrer reinsten Form, als Symbol für das Schöne und Gute im Menschen, aber auch als sinnliche Befriedigung der Lust. In der Romantik wurde die Natur in all ihrer unermesslichen Größe gezeigt, um die Bedeutungslosigkeit des Menschen zu veranschaulichen.
Das Schöne an der Natur ist, dass man immer von ihr umgeben ist, selbst im Zentrum von Großstädten. Es ist ein unerschöpfliches Thema, immer verfügbar und im Prinzip immer interessant.
Seit der digitalen Revolution hat sich die Naturfotografie in kürzester Zeit denn auch zu einem der beliebtesten Trends entwickelt. Es ist, als hätte Walter Benjamin dies vorausgesehen, als er 1935 schrieb: »So wird handgreiflich, daß es eine andere Natur ist, die zu der Kamera als die zum Auge spricht … Vom Optisch-Unbewußten erfahren wir erst durch sie …«
Es ist wunderbar, dass Bart Siebelink als prominenter niederländischer Naturfotograf und Dozent an der Willem-de-Kooning-Kunstakademie in diesem Buch die Verbindung zwischen der Naturfotografie als einer Beinahe-Kunstform und der Notwendigkeit herstellt, sich selbst als Fotograf herauszufordern, um ursprüngliche, originelle, die Fantasie anregende Fotos zu machen. Damit tritt er gleichsam in die Fußstapfen von Peter Charpentier und schafft es, die Verbindung zwischen »hoher« und »niedriger« Kunst herzustellen.
Jeroen Chabot Direktor, Willem de Kooning Academie – Hogeschool Rotterdam
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Warum dieses Buch?
Warum Sie?
Warum ich?
BEZUGSRAHMEN
Was ist das richtige Mindset?
Abläufe sind wichtiger als Ergebnisse: Spitzenfotos sind Beifang
Verlassen Sie sich auf den Prozess
Der Lernzyklus
Geschmack ist ein korrupter Gradmesser
Der kreative Prozess
Wie sieht ein kreativer Prozess aus?
Wie durchlaufen Sie den Prozess? Starten Sie Ihr eigenes Projekt!
ROADMAP Kreativer Prozess
Aufgabe: An die Arbeit mit der Roadmap!
Sich festzufahren gehört dazu
Bildsprache
Inhalts-, form- und kontextabhängige Zeichen
Was sind die inhaltsabhängigen Zeichen?
Was sind die formabhängigen Zeichen?
Was sind die kontextabhängigen Zeichen?
Was sind die inhaltsabhängigen Zeichen?
Was sind die formabhängigen Zeichen?
Was sind die kontextabhängigen Zeichen?
Was sind die inhaltsabhängigen Zeichen?
Was sind die formabhängigen Zeichen?
Was sind die kontextabhängigen Zeichen?
Auswirkungen des Kontexts
Was macht dieses Stück Erdboden an der Wand?
Gestalt und Semiotik
Symbole
Metaphern
Rhetorik
Die Sprache des Ausschnitts
Das Serendipity-Prinzip
Orientierung
Wie füttern Sie Ihren kreativen Prozess?
Faszination
Beobachten und erkennen
Ereignisse auf einem Sandweg
Aufgabe: Ankommen im Hier und Jetzt
Die Bedeutung Ihrer Innenwelt
Miksang: kontemplative Fotografie
Die Kunst des Assoziierens
Aufgabe: Code Orange
Praxis: Dies ist die Wasserphase
Fünf Fragen zum Orientierungs-Check
Fünf Tipps für bessere Orientierung
Entwicklung der Idee
Wie gelangen Sie zum Kern?
Wie sieht Ihr Plan vom Ausgangspunkt bis zum Konzept aus?
Aufgabe: Wie machen das die Meister?
Noch mehr Recherche
Ein weiteres Beispiel
Wählen Sie Ihr Medium
Ordnen und auswählen
Zwölf Auswahl-Tipps
Sechs Vorschläge zum Ordnen
Wie macht man eine Serie?
Welche Bildfunktionen gibt es?
Die Bedeutung von Sprache
Treffende Titel
Visuelle Überlegungen
Aufgabe: Erstellen Sie ein Moodboard
Praxis: Dies ist die Feuerphase
Fünf Fragen zum Orientierungs-Check
Fünf Konzept-Aktionstipps
Gestaltung
Wie macht man ein Bild interessant?
Bildkonventionen durchbrechen
High Key und Low Key
Bildzuschnitt
Restformen
Drehen, spiegeln, neigen
(Extremes) Einzoomen, Neudefinition
Aufgabe: Kopflose Tiere
Wie weit kann man gehen?
Rhythmus, Wiederholung und Bildreim
Komplexität, Schichtung, zwei Aufgaben
Experimentieren
Zufall und Unvollkommenheiten
Verfeinern
Ecken und Ränder
Schärfen
Kontrast
Seitenverhältnis
Stativ, Stativ, Stativ!
Praxis: Dies ist die Erdphase
Fünf Fragen zum Konzeptcheck
Fünf Konzept-Aktionstipps
Reflexion
Woher wissen Sie, wann es gut ist?
Selbstreflexion
Welcher Naturfotografen-Typ sind Sie?
Denken Sie über Ihre Ergebnisse nach
Vorstellungskraft
Schaffenskraft
Ausdruckskraft
Nachdenken über Ihren Prozess
Festgefahren, was jetzt?
Risiko-Bilder
Feedback
Diskurs und Jargon
Warum der Diskurs so wichtig ist
Erläuterndes Glossar
Praxis: Dies ist die Luftphase
Fünf Reflexionsfragen für Sie selbst
Fünf Reflexionsfragen zu Ihren Ergebnissen
Fünf Reflexionsfragen zu Ihrem Prozess
Dank

Einleitung
Warum dieses Buch?
Bei jeder Initiative neige ich dazu, mich zu fragen: warum? Was nützt sie, was kann ich damit tun, welchen höheren Zweck erfüllt sie? Was mich betrifft, so haben Sie als Leser dieses Buchs ein Recht auf eine gute Begründung. Gleichzeitig stelle ich mir hier diese Warum-Frage laut. Alles, was jetzt folgt, kann daher als ein innerer Dialog gesehen werden: die Auswirkungen meines eigenen Kampfes, um meine Gedanken wieder zu ordnen und in Einklang zu bringen. Manchmal dezidiert, manchmal bewusst vage im Ton, aber immer so geschrieben, dass man den roten Faden nicht verliert.
Seit langer Zeit habe ich das starke Gefühl, dass Kreativität in der Naturfotografie bisher kaum ein Thema war. Das meiste, was sich dazu finden lässt, ist fragmentarischer Natur und eher anekdotisch als methodisch. Höchste Zeit also, das Buch zu schreiben, nach dem ich immer gesucht, das ich aber nie gefunden habe.
Wo soll man anfangen? Vielleicht sollten wir zuerst das Rauschen beseitigen, das den Begriff Kreativität umgibt. Bei den meisten Büchern, Websites, Workshops oder Aktivitäten, die für sich Kreativität als Thema in Anspruch nehmen, fällt mir immer das Gleiche auf: Sie beschränken sich auf Produkte, Techniken und Fertigkeiten. Auch alles, was deutlich vom üblichen Vorgehen abweicht, wird automatisch als »kreativ« etikettiert: ein bestimmter Filter, eine bestimmte Nachbearbeitung, Doppelbelichtung oder Extrembelichtung. Aus Sicht der Marketingabteilungen, die den Verbraucher immer wieder zum Kauf verleiten müssen, ist das verständlich, aber um diese Art der Kreativität geht es in diesem Buch definitiv nicht.
Es gibt unzählige »kreative« Workshops, in denen man nur die Anwendung bestimmter Techniken lernt. Dabei rückt man zwar der Entwicklung der Kreativität ein Stück näher, bewegt sich aber hauptsächlich auf der Umsetzungsebene und fällt manchmal sogar in die Trickkiste. Das wird hier etwas später im Text sicher ausreichend thematisiert, aber auch das ist nicht die Art von Kreativität, um die es in diesem Buch wirklich geht.
Dann gibt es noch die Kreativität als eine Art heiliger Gral, als die Fähigkeit, immer wieder neue, frische Ideen zu entwickeln. Wie kommt es, dass einige Fotografen ständig originelle Einfälle haben und so sensationelle Fotos machen, dass Sie perplex fragen: Warum habe ich das denn nicht gesehen? Sie kennen wahrscheinlich die quälende Frage: Woher kommen diese kreativen Ideen?
Letzteres ist genau die Art von Kreativität, die in diesem Buch beleuchtet werden soll. Denn Kreativität ist keine Technik oder Methode, sondern vor allem eine Haltung, ein Mindset. Die Kunst besteht nämlich nicht darin, ein »kreatives« Foto zu kopieren, das jemand anderes schon einmal gemacht hat. Nein, die Kunst besteht darin, jederzeit und überall eigenständig neue Themen oder Situationen zu erkennen, die Potenzial für besondere Fotos haben können. Dafür braucht man drei Elemente: ein Motiv, Kamerakompetenz und eine Vision. Das erste Element kann man ausfindig machen und besuchen, das zweite kann man unkompliziert trainieren. Aber dieses letzte Element, die Vision, ist viel weniger greifbar, obwohl sie die Quelle kreativer und unverwechselbarer Fotografie ist. Dieses Buch hilft Ihnen, eine Vision zu entwickeln.
»Gleichzeitig stelle ich mir diese Warum-Frage laut.
Alles, was jetzt folgt, kann daher als ein innerer Dialog angesehen werden.«

Zwei Seeadler, fotografiert im Donaudelta, Rumänien. Nikon D800, 500 mm, 1/2000 s, Blende 11, ISO 800, -2,3 EV, Stativ

Zurückgebogene Staubblätter einer roten Protea, einer südafrikanischen (Kap-)Blume. Man könnte darin auch kleine Fäuste erkennen, die Haarbüschel festhalten. Nikon D800, 35 mm Makro, 1/100 s, Blende 5,6, ISO 400, 0,3 EV, Blitz
Warum Sie?
Wollen Sie sich als leidenschaftlicher Fotograf weiterentwickeln und von anderen unterscheiden? Dann ist dieses Buch wie für Sie gemacht. Der Ausgangspunkt ist die Entwicklung Ihrer philosophischen Seite, eine Seite, die bei vielen Fotografen nur wenig zum Vorschein kommt. Wenn Sie mit den vier Naturfotografen-Profilen vertraut sind, werden Sie den Philosophen wahrscheinlich als einen von ihnen kennen. Es ist das am wenigsten greifbare Profil, aber es ist wichtig, dieses zu entwickeln, wenn man kreativ vorgehen will.
Für diejenigen, die diese Profile noch nicht kennen, werden sie hier kurz vorgestellt. Eine detaillierte Beschreibung finden Sie auf Seite 168–169.
Da ist zunächst einmal der Biologe, der Artenkenner, der von Natur aus motivorientiert vorgeht. Viele Biologen sind Sammler, die mit Bestimmungsführer und Natur-App durch die Landschaften ziehen.
Der zweite Fotografentyp ist der Techniker, dessen Name Programm ist. Von Natur aus hat der Techniker wenig oder gar keine biologischen Feldkenntnisse, aber eine ausgeprägte Faszination für die Digitalkamera. Er schreckt auch vor den versteckten Funktionen nicht zurück.
Ein dritter Fotografentyp ist der Künstler, für den das Bild und die Komposition wichtiger sind als das Motiv oder die Technik. Künstler haben keine Probleme, Motive zu finden. Ein morscher Baumstamm ist für sie mindestens so verführerisch wie eine seltene Tierart. Der Künstler staunt über die Natur um ihn herum; draußen zu sein ist an sich schon ein Erlebnis.
Schließlich gibt es den Philosophen, der sich im Voraus fragt, was Fotos eigentlich aussagen (wollen). Der Philosoph wird von einer persönlichen Suche nach dem tieferen Sinn getrieben und ist in der Lage, originelle Zusammenhänge herzustellen.
Der ideale Naturfotograf vereint all diese Typen in sich. Aber die Realität ist widerspenstig. Auf meiner niederländischen Website www.centrum-voornatuurfotografie.nl/test können alle, die der niederländischen Sprache mächtig sind, den Test »Welche Art Naturfotograf sind Sie?« machen, wenn sie wissen wollen, zu welcher Kategorie sie gehören.
Mittlerweile haben über 3500 Naturfotografen diesen Test absolviert. Und was stellt sich heraus? Die meisten von ihnen sind primär biologisch getrieben. Nicht weniger als 35 Prozent der Befragten hatten den Biologen als höchste Punktzahl, gefolgt von den Kategorien Techniker (30 Prozent) und Künstler (28 Prozent). Der Philosoph erzielte nur 7 Prozent. Fazit: Für erfahrene Fotografen, die technisch, biologisch und künstlerisch fortgeschritten sind, ist die Pflege des Philosophen die größte Herausforderung für ihre weitere Entwicklung.
Klingt das nicht aufregend? Wenn Sie unbedingt weiterlesen möchten, ist jetzt der Moment für eine letzte Warnung gekommen. Wenn der Philosoph die Oberhand gewinnt, kann man als Fotograf ziemlich demotiviert werden: Man wird sich nämlich fragen, wofür man das alles tut und welchen tieferen Sinn es hat. Ist es überhaupt sinnvoll? Solche Gedanken können lähmend sein und den Spaß in freier Natur bremsen. Eine gewisse Lockerheit im Umgang mit dem Inhalt dieses Buchs ist daher sinnvoll. Fordern Sie sich selbst heraus, gehen Sie neue Wege, aber immer nach dem Motto: alles kann, nichts muss!