Buch lesen: "Altersgerechte Ausbildung in der Jugendfeuerwehr"

Schriftart:

[1]Die Roten Hefte 108

Silke Wehrle

[2]Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

Die Abbildungen stammen – sofern nicht anders angegeben – von den Autoren.

1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-036484-4

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-038668-6

epub: ISBN 978-3-17-038669-3

mobi: ISBN 978-3-17-038670-9

Für den Inhalt abgedruckter oder verlinkter Websites ist ausschließlich der jeweilige Betreiber verantwortlich. Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.

[3]Inhaltsverzeichnis

1  Vorwort

2  1 Pubertät 1.1 Abschied von der Kindheit – Zeit des Zweifels und der Unsicherheit 1.2 Die »zweite Trotzphase« oder »Das Kind im Teenager« 1.3 Patentrezepte gibt es nicht 1.4 Selbstkontrolle

3  2 Soziale Grundbedürfnisse 2.1 Die Bedürfnis-Pyramide 2.2 Der Mensch als soziales Wesen 2.3 Ausbilder als psychologischer Beistand 2.4 Selbstkontrolle

4  3 Anforderungen an die Ausbilder 3.1 Rechtliche Absicherung 3.2 Aufsichtspflicht 3.3 Beginn und Ende der Aufsichtspflicht 3.4 Praktische Überlegungen zur Einhaltung der Aufsichtspflicht 3.5 Umgang mit Alkohol, Drogen und Sexualdelikten 3.6 Selbstkontrolle

5  4 Jugendfeuerwehrdienste für alle 4.1 Vergleich Fußball – Feuerwehr 4.2 Einheitliche und strukturierte Ausbildung 4.3 Altersgerechte Inhalte 4.4 Kompetenzorientierte Ausbildung 4.5 Selbstkontrolle

6  5 Nachhaltige und effektive Wissensvermittlung 5.1 Die vier Lerntypen 5.2 Wissensvermittlung mit allen Sinnen 5.3 Die 4-Stufen-Methode 5.4 Selbstkontrolle

7  6 Kommunikation 6.1 Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen 6.2 Kommunikation kann funktionieren 6.3 Die wichtigsten Kommunikationsregeln 6.4 Selbstkontrolle

8  7 Motivation 7.1 Das Geheimnis des Erfolgs 7.2 Selbstmotivation des Ausbilders 7.3 Tipps und Tricks für die Teammotivation 7.4 Die S.M.A.R.T.-Methode 7.5 Voraussetzungen für die Teamentwicklung 7.6 Selbstkontrolle

9  8 Feedback-Geben leicht gemacht 8.1 Regeln für den Feedbackgeber 8.2 Regeln für den Feedbacknehmer 8.3 Aktives Zuhören und Verstehen im Feedbackgespräch 8.4 Selbstkontrolle

10  9 Regeln in der Jugendfeuerwehr 9.1 Lieber Gebote statt Verbote 9.2 Jugendliche einbeziehen 9.2.1 Einbezug eines Einzelnen 9.2.2 Einbezug des Teams 9.3 Übung ist das halbe Leben 9.4 Eins nach dem anderen 9.5 Anerkennung und Lob 9.6 Beharrlichkeit und Klarheit 9.7 Visualisierung und regelmäßige Wiederholungen 9.8 Die sechs goldenen Regeln 9.9 Selbstkontrolle

11  10 Regel-Verstoß 10.1 Regeln sind zum Brechen da 10.2 Das »Gelb-Rote-Kartenprinzip« 10.3 Selbstkontrolle

12  11 Das Team und dessen Prozesse 11.1 Definition »Team« 11.2 Grunddynamik im Team 11.3 Soziale Grundbedürfnisse im Team 11.4 Die 5 Phasen der Teamentwicklung 11.5 Typische Rollen im Team 11.6 Selbstkontrolle

13  12 Mobbing 12.1 Was ist Mobbing 12.2 Arten und Anzeichen von Mobbing 12.3 Die Phasen des Mobbingprozesses 12.4 Maßnahmen zur Vermeidung von Mobbing 12.5 Selbstkontrolle

14  13 Kooperation zwischen Erwachsenen und Jugendlichen 13.1 Eigenverantwortliches Verhalten 13.2 Präventive Maßnahmen 13.3 Umgang mit Störenfrieden 13.4 Selbstkontrolle

15  14 Zusammenarbeit mit den Eltern in der Jugendfeuerwehr 14.1 Unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit mit den Eltern in der Jugendfeuerwehr 14.1.1 Das Tür- und Angelgespräch 14.1.2 Das Elterngespräch 14.2 Elternbriefe und Elterninformationsvermittlung 14.3 Der Elternabend 14.4 Hospitationen 14.5 Feste und Feiern 14.6 Selbstkontrolle

16  Schlussgedanken

17  Literatur- und Quellenverzeichnis

18  Anhang Lösungen zu den Selbstkontrollen

[7]Vorwort

Mit diesem kleinen Büchlein möchten wir Dir als Ausbilder eine praktische Hilfestellung zur Hand geben, die Dir den Alltag in der Jugendfeuerwehr erleichtern und Dir die Freude am Umgang mit Kindern und Jugendlichen erhalten soll – egal ob Du ein Ausbilder-Neuling oder schon länger dabei bist. Sicherlich ist nicht jeder Vorschlag für jeden etwas, doch jeder findet bestimmt einige Punkte, die für ihn praktikabel und sinnvoll erscheinen.

Du bist mit Feuer und Flamme in Deiner Feuerwehr aktiv und brennst für die dortige Jugendarbeit? Doch eventuell warst Du auch schon mal kurz davor alles hinzuschmeißen, aufzugeben und die Jugendfeuerwehr sein zu lassen, um etwas zu machen, was Dir nicht die letzten Nerven raubt? Dann bist Du mit diesen Gedanken und Gefühlen nicht allein, denn es geht vielen Ausbildern in der Jugendfeuerwehr ähnlich.

Auch wenn der Spruch »früher war alles besser und einfacher« immer als nostalgische Aussage belächelt wurde und immer noch wird, so kann man doch mit Sicherheit sagen, dass der Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der heutigen Zeit zu einer Herausforderung geworden ist. Das digitale Zeitalter, die neuen Medien, die sich wandelnde Gesellschaft, ein neues Verständnis von Familie und Zusammengehörigkeit, ein verlorengehendes Pflichtgefühl und der »moralische Zerfall« sind Schlagworte, die heutzutage immer wieder im Zusammenhang mit jungen Leuten genannt werden.

 [8]Aber ist bei der Jugend von heute wirklich »Hopfen und Malz« verloren oder gibt es Möglichkeiten, wie man genau diese in die Jugendfeuerwehr holen und vor allem auch in ihr halten kann?

 Wie reagieren wir angemessen, wenn es mit den Jugendlichen eskaliert und der Frust immer größer wird?

 Wie kann störendes Benehmen in konstruktives und kooperatives Verhalten umgewandelt, Stimmung und Motivation verbessert sowie junge Menschen für die Jugendfeuerwehr begeistert werden?

 Ist es möglich, klare Strukturen zu schaffen und ein einheitliches Regelwerk einzuführen?

Wir wünschen viel Freude beim Lesen, den einen oder anderen »Aha-Effekt« und viel Erfolg beim Ausprobieren, Umsetzen und Beibehalten.


Die Autoren möchten hiermit darauf hinweisen, dass jede männliche Form von Jugendlicher/Ausbilder etc. immer auch weiblich und divers gemeint ist und nur aus leserlichen Gründen vereinfacht angeführt wird. das Wort »Ausbilder« immer gleichgesetzt mit Betreuer, Jugendwart, Jugendleiter und dergleichen ist. mit »Eltern« generell jede Art von Erziehungsberechtigten gemeint sind. mit Jugendfeuerwehrdienst sämtliche Zusammenkünfte, Ausbildungen, Ausflüge und Tätigkeiten im Rahmen der Jugendfeuerwehr gemeint ist.

[9]1 Pubertät

Für die meisten Erwachsenen ist das Wort »Pubertät« und alles, was damit in Zusammenhang steht etwas, das sie in Angstschweiß ausbrechen lässt. Besonders in der schwierigen Zeit der Pubertät, in der sich Kinder und Jugendliche selbst finden und sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzen müssen, wird der Umgang mit Erwachsenen oft zur Machtprobe. Allerdings sind gerade in einer solchen Zeit Hobbys besonders wichtig – eignen sie sich doch für Kinder und Teenager gleichermaßen und geben sowohl Halt als auch Kontinuität in dieser Übergangsphase zum Erwachsenwerden. Etwas zu können, gemeinsam zu schaffen und auch mal Hürden zu überwinden macht stark und gibt das Gefühl, in einem Team eingegliedert zu werden. Genau hier kann die Jugendfeuerwehr mit Euch als Ausbilder ansetzen, um junge Menschen einerseits mit ins Boot zu holen und zu motivieren, andererseits den Spaß mit lebenslangem Lernen zu verbinden.

1.1 Abschied von der Kindheit – Zeit des Zweifels und der Unsicherheit

Die Pubertät ist eine der schwierigsten Entwicklungsphasen auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Diese Zeitspanne im Alter zwischen 11 und 17 Jahren ist ein Prozess der emotionalen, körperlichen und sozialen Verselbständigung der Kinder, der alle Beteiligten vor sehr hohe Ansprüche stellt.


Bild 1: Unterschied zwischen Minderjährigen und Erwachsenen (nach Koch, 2019)

Zudem ist die Pubertät eine Zeit des Zweifelns und der Unsicherheit. Die Pubertierenden fühlen sich nicht mehr als Kind, aber die Welt der Erwachsenen erscheint oft unverständlich und mysteriös. Auch wenn der offensichtliche Unterschied zu Erwachsenen allein schon im physischen Erscheinungsbild ersichtlich ist, gibt es auch Differenzen in der emotionalen Stabilität sowie im kognitiven Bereich. Daher sind generelle Anforderungen an Kinder und Jugendliche anders als an Erwachsene und auch die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit sind viel niedriger.

Die Zeit der Pubertät ist häufig von vielen Herausforderungen geprägt: das Gefühlschaos der ersten Liebe, Probleme mit [11]dem veränderten eigenen Körper, Sinnkrise, Stimmungsschwankungen etc. Die Mädchen und Jungen, die zu uns in die Jugendfeuerwehr kommen, sind meistens zwischen acht und 18 Jahren alt und befinden sich damit zu Beginn bzw. mitten in der Pubertät.


Bild 2: Die Lebensphasen des Menschen

Oft haben die Ausbilder keine pädagogische Ausbildung und meist noch wenig Erfahrung im Umgang mit (eigenen) Kindern. Dadurch fällt es wiederholt schwer zu verstehen, was in den pubertierenden Jugendlichen vorgeht – auch wenn wir alle selbst mal jung waren. Da die Pubertät nicht nur körperliche Veränderungen mit sich bringt, sondern auch den emotionalen [12]Zustand und das Sozialverhalten der Jugendlichen beeinflusst, ist ein routinierter Umgang mit Jugendlichen ein wichtiges Unterfangen. Die Geschlechtsreife entwickelt sich und die Hormone, die für diesen Prozess verantwortlich sind, führen zu extremen Stimmungsschwankungen – in Nanosekunden von gut gelaunt zu hochexplosiv. Diese Launenhaftigkeit ist der häufigste Grund für mögliche Auseinandersetzungen in der Jugendfeuerwehr. Konflikte solcher Art sollten jedoch nicht einfach unterdrückt werden, sondern sind sogar wichtig – kennzeichnen sie doch oft den ersten Abschied von der Kindheit hin zum Erwachsenwerden. In dieser Phase bilden Jugendliche ihre ersten eigenen Grundsätze und Meinungen, die eigenen Charakterzüge festigen sich und äußere Vorkommnisse werden bewusster wahrgenommen.

[13]1.2 Die »zweite Trotzphase« oder »Das Kind im Teenager«


Bild 3: Das Kind in der Trotzphase

In der Lebensphase der Pubertät geht es darum, seine eigene Identität zu entwickeln und sich sowohl bewusst als auch unbewusst von den Erwachsenen abzugrenzen. Ein Grund für die auftretenden Differenzen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen kann die veränderte Urteilsfähigkeit sein, wodurch das Handeln der Erwachsenen eher in Frage gestellt und [14]kritisiert wird. Zusätzlich verändern sich mit der körperlichen Reife auch die Rollen der Jugendlichen in ihrem Leben und sie wollen dementsprechend als Erwachsene behandelt werden. Die Heranwachsenden wollen auch für ihren Freizeitbereich mehr Verantwortung übernehmen, Erwachsene hingegen wollen diese oft vor »Schaden« bewahren und nehmen so eine Gegenposition ein. Diese Distanzierung ist sehr bedeutend, denn die Kinder und Jugendlichen lernen, ihre eigene Urteilsfähigkeit und Meinung zu entwickeln. Sie loten ihr Handeln aus und analysieren dabei die Reaktionen von außen. Häufig wird die Pubertät aus genau diesen Streitigkeiten auch die »zweite Trotzphase« genannt.

Sich abzugrenzen ist gerade heutzutage, im Vergleich zu früher, nicht immer einfach. Nicht selten leben die heutigen Erwachsenen ähnlich wie die Jugendlichen, d. h. sie hören die gleiche Musik, ziehen sich jugendlich und »hipp« an und haben die gleichen Hobbys. Die jungen Leute spüren und sehen kaum noch Unterschiede, was die Rebellion gegen die Welt der Erwachsenen oft nur vergrößert.

Kinder und Jugendliche haben in dieser Phase das große Bedürfnis nach Autonomie und respektvoller Behandlung. Es ist ihnen dabei sehr wichtig, an Entscheidungen teilhaben zu können und gehört zu werden. Wir als Ausbilder sollten versuchen, ihnen eine angemessene Verantwortung innerhalb der Jugendfeuerwehr zu übertragen und sie somit auf ihrem Weg zu bestärken. Mögliche Verantwortungsbereiche wären etwa die Pflege des Gerätehauses, die Organisation von Speisen und Getränken für den Jugendfeuerwehrdienst, die Kleiderverwaltung und ähnliche Aufgaben, die je nach Jugendfeuerwehr unterschiedlich ausfallen können. Auch können [15]während des Jugendfeuerwehrdienstes ältere Jugendliche die jüngeren anleiten bzw. unterstützen, da die Akzeptanz der Anleitung durch andere Kinder bzw. Jugendliche oft größer ist als durch Erwachsene. Dies sollte jedoch im Hintergrund und immer in Abstimmung mit dem Ausbilder geschehen.

1.3 Patentrezepte gibt es nicht

Leider gibt es im Umgang mit pubertierenden jungen Menschen keine Standardlösungen, sondern jede Situation muss für sich betrachtet und evaluiert werden. Grundsätzlich gibt es jedoch einige Verhaltenstipps, die den Umgang mit Pubertierenden erleichtern können und je nach Kontext und Sachlage in Betracht gezogen werden sollten. Im Folgenden einige Vorschläge:

 Erwachsene sind Vorbilder – innerhalb und außerhalb der Feuerwehr.

 Gleiche Regeln für Groß und Klein.

 Gemeinsam(e) Regeln aufstellen.

 Kein »Bester-Kumpel-Verhalten« den Kindern und Jugendlichen gegenüber.

 Konsequente Meinung und Reaktion.

 Sicherheit und Orientierung geben durch Aufzeigen notwendiger Grenzen (Regeln).

 Bedürfnisse beachten.

 Möglichkeit der Meinungsäußerung durch die jungen Leute selbst und ein daraus resultierendes Treffen von Entscheidungen durch sie.

 Kritik und Konflikte nicht persönlich nehmen.

 [16]Bei Erfolg Lob aussprechen – Anerkennung und Wertschätzung zeigen.

 Stärke zeigen durch Entschuldigen bei eigenem Fehlverhalten den Kindern und Jugendlichen gegenüber.

 Durch Fehler lernen lassen und diese Möglichkeit auch anbieten (ohne materiellen oder menschlichen Schaden zu verursachen).

 Fehler bzw. Fehlverhalten eines Einzelnen nicht vor der Gruppe bloßstellen.


Bild 4: Oops – Patentrezepte gibt es nicht

Es müssen nicht immer alle Verhaltenstipps angewendet werden, manchmal reicht es jedoch schon aus, ein paar Dinge praktisch umzusetzen, um eine kriselnde Situation zu beschwichtigen und »unter Kontrolle« zu bekommen.


[17]Zum Schluss ein kleiner Geheimtipp für alle Ausbilder: Humor ist, wenn man trotzdem lacht – auch wenn die Situation einen zu überfordern scheint. Gelassenheit und ein Lächeln können oft den ersten Wind aus den Segeln nehmen! Bevor Du impulsiv Deine Meinung vertrittst oder schimpfst, atme innerlich tief durch, zähle bis drei und versuche dann mit ruhiger Stimme zu reden. Emotionsgeladene Reaktionen lösen oft Trotzreaktionen aus.

1.4 Selbstkontrolle

1 Für wen gelten Regeln?Für die AusbilderNur für die JugendlichenFür Ausbilder, Kinder und Jugendliche

2 Sollen Kinder und Jugendliche ihre Meinung äußern dürfen?JaNeinNur in bestimmten Situationen

3 Wodurch zeigen Ausbilder ihre Stärke?Sie brüllen und schreien, um sich Gehör zu verschaffen.Sie gestehen den Kindern und Jugendlichen gegenüber eigene Fehler ein.Sie halten ihren Jugendfeuerwehrdienst unbeirrt weiter, auch wenn nicht alle zuhören.

[18]2 Soziale Grundbedürfnisse

Alle Menschen haben bestimmte Grundbedürfnisse und möchten diese erfüllt haben. Aus diesem Grund verfolgt jedes menschliche Verhalten ein bestimmtes Ziel, bewusst oder unbewusst. Grundbedürfnisse sind die Voraussetzung für das körperliche und seelische Wohlbefinden und die Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit (LpB, 2017). Um mit zunehmendem Alter selbständiger und kompetenter die eigene Bedürfnisbefriedigung übernehmen zu können, braucht der Mensch fortlaufende und an das jeweilige Alter angepasste Anregung, Förderung und Anforderung.

2.1 Die Bedürfnis-Pyramide

Die Maslowsche Bedürfnispyramide des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow (1908 -1970) ist eine simple und anschauliche Darstellung der Hierarchie menschlicher Bedürfnisse und Motivationen (LpB, 2017):

 Physiologisches Bedürfnis:Bedürfnis nach regelmäßigem Schlaf-Wach-Rhythmus, Nahrungsaufnahme, Körperpflege, Gesundheitsfürsorge und Körperkontakt.

 Sicherheitsbedürfnis:Bedürfnis nach Schutz vor Gefahren und Krankheiten.

 [19]Zugehörigkeits- und Liebesbedürfnis:Bedürfnis nach Mitgliedschaft in einer sozialen Gemeinschaft sowie nach emotionaler Nähe und Verbundenheit. Speziell Kinder und Jugendliche benötigen verlässliche, konstante Bezugspersonen, einfühlendes Verständnis, Zuwendung und mit zunehmendem Alter eine Unterstützung bei der Initiierung und Aufrechterhaltung von zwischenmenschlichen und emotionalen Bindungen sowie eine Förderung in der Entwicklung sozialer Fertigkeiten und emotionaler Kompetenzen.

 Wertschätzungs- und Geltungsbedürfnis:Bedürfnis, sich in der sozialen Gemeinschaft zu integrieren und Anerkennung und Bestätigung zu erfahren. Kinder und Jugendliche brauchen Bezugspersonen, die ihre Individualität und Eigenständigkeit positiv spiegeln und Erfahrungen der Selbstwirksamkeit ermöglichen. Diese sollen auch ihr Selbstbewusstsein stärken und sie altersgemäß zu weiteren Leistungen durch Spiel und Anregung herausfordern.

 Bedürfnis nach Selbstverwirklichung:Bedürfnis, Persönlichkeit entsprechend der Fähigkeiten und Talente zu entfalten.

So einfach die Darstellung dieser Bedürfnisse anhand der Pyramide auch ist, dürfen wir nicht vergessen, dass der Mensch ein komplexes Wesen ist und Ausnahmen immer die Regeln bestätigen. Das Modell soll dem grundsätzlichen Hintergrund[20]verständnis der menschlichen Psyche dienen, um den Umgang miteinander zu erleichtern und zu vereinfachen.

Beruhend auf der Maslowschen Bedürfnispyramide können wir zusammenfassend sagen, das Kind bzw. der Jugendliche will…

 … dazugehören, sich beliebt und geliebt fühlen.

 … wichtig sein, Bedeutung haben.

 … sich fähig fühlen und Einfluss nehmen können.

 … sich geborgen und sicher fühlen.


Bild 5: Die Bedürfnispyramide nach Maslow (1908 – 1970)

Genres und Tags

Altersbeschränkung:
0+
Veröffentlichungsdatum auf Litres:
18 Dezember 2025
Umfang:
145 S. 60 Illustrationen
ISBN:
9783170386693
Rechteinhaber:
Bookwire
Download-Format: