Buch lesen: "Spinning ist was für Friseure - Das neue Buch der Radsportzitate"
Andreas Beune
SPINNING IST
WAS FÜR FRISEURE
Das neue Buch der Radsportzitate

Andreas Beune:
Spinning ist was für Friseure
Das neue Buch der Radsportzitate
Covadonga Verlag, Bielefeld - 2013
ISBN-Print 978-3-936973-79-2
ISBN-eBook 978-3-936973-84-6
Covadonga ist der Verlag für Radsportliebhaber.
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eBook-Herstellung und Auslieferung:
readbox publishing, Dortmund
www.readbox.net
Inhalt
An der Startlinie
Granden
Von Seriensiegern, Phänomenen und Campionissimi
Classiques
Die großen Eintagesrennen
Etappenweise
Die großen Rundfahrten
Typfragen
Von Vollblutsprintern, Bergziegen und Charmepedaleuren
Die ganze Welt dreht sich
Andere Länder, andere Sitten
Beobachtungsgabe
Fundstücke aus der Medienlandschaft
Risiko!
Von Sturzflügen und Dopingsümpfen
Das starke Geschlecht
Die feminine Seite des Radsports
Ohne Lizenz
Alle Mann auf die Räder!
Die lieben Verwandten
Über MTBs und Crosser, Triathleten und Flieger
Rennintelligenz
Das Rad, die Philosophie und überhaupt
Rennfahreralltag
Radsportweisheiten aus der Praxis
An der Startlinie
Radprofis kommunizieren gerne. Zwar mag es unter Berufsrennfahrern ein weithin akzeptiertes Schweigegelübde zum Thema Doping gegeben haben (und immer noch geben), doch was andere Aspekte ihres Sports angeht, zeigen sich professionelle Pedaleure mittlerweile ziemlich offenherzig. Das beweisen nicht nur die zahlreichen publizierten Autobiografien, die keineswegs ausschließlich von den großen Trophäensammlern geschrieben wurden. Auch auf ihren Homepages oder in den sozialen Netzwerken im Internet geben Radprofis Einblicke in ihr Alltagsleben. Nicht zuletzt erfreut sich auch bei ihnen der Kurzmitteilungsdienst Twitter enormer Beliebtheit. Über den Kreis der aktiven und pensionierten Profis hinaus gibt es zudem etliche weitere Menschen, die sich regelmäßig mit Herzblut über den Radsport äußern – seien es Sportdirektoren, Journalisten oder Fans. Auch hier hat das Internet in den vergangenen Jahren für eine Art Meinungsexplosion gesorgt.
Für den Betrachter dieser Sportart ergibt sich daraus eine herrliche Vielstimmigkeit, die in etwa so bunt ist wie die Trikots des Mapei-Rennstalls in den neunziger Jahren. Von wohlüberlegten Bonmots bis hin zu spontan Gefühlsausbrüchen ist alles dabei: Weis- und Bosheiten, Liebes- und Kriegserklärungen, Skurriles und Erhellendes …
Fast zehn Jahre sind vergangen, seit im Covadonga Verlag mit »Rennfahrerblut ist keine Buttermilch« ein erstes Buch mit Zitaten aus der Welt des Radsports erschienen ist. Seitdem ist der Zitatenschatz des Radsports weiter kräftig gewachsen – genau wie die Oberschenkel manch Fahrers nach entsprechender Medikamentenbehandlung könnte ein Zyniker oder allzu oft Enttäuschter spotten. Wie die Zahl der sauberen Profis in der jüngeren Vergangenheit mögen die gnädiger Gestimmten entgegenhalten.
Unabhängig davon gilt: Der Radsport lebt, weil auf der ganzen Welt viele Menschen mit und für ihn leben. Das möchte dieses Buch auf seine Weise abbilden.
Andreas Beune, Bielefeld im Mai 2013
Granden
»Papa, er ist ein Kannibale.«
Im Juli des Jahres 1969 brach der »Fußballkrieg« zwischen Honduras und El Salvador aus, kurz darauf blickte die Menschheit gebannt zum Mond, wo ein Astronaut einen ersten Schritt auf neuem Geläuf unternahm. In Frankreich ging fast zeitgleich die 56. Tour de France zu Ende. Die Mannschaftswertung sicherte sich Faema, ein italienischer Kaffeemaschinenhersteller. Bester Fahrer dieses Teams war Eddy Merckx. Der Belgier gewann nicht nur erstmals die Frankreich-Rundfahrt, sondern auch die Berg-, Punkte- und Kombinationswertung. Ein einmaliger Coup. Merckx’ Profikollege Christian Raymond berichtete seiner zwölfjährigen Tochter später von diesem Phänomen: Da gebe es einen Fahrer, der einfach niemand anderen etwas gewinnen ließ. Dank der spontanen Antwort der Tochter war Eddy Merckx um einen Spitznamen reicher, den er sich Zeit seiner Karriere durch ungezählte Husarenritte wahrlich verdiente.
An diese Anekdote erinnerte die »New York Times« anlässlich eines Besuchs, den Eddy Merckx der Stadt im Jahr 2011 abstattete. Nicht erwähnt wurde, ob Merckx dabei auch das Etablissement »The Cannibal« in der East Street aufgesucht hat. Ein Feinkostgeschäft mit angeschlossenem Restaurant, in dem es vor allem zwei Dinge gibt: Fleisch und Bier. Auf der Website findet sich auch die Erklärung des für ein Lebensmittelgeschäft ungewöhnlichen Namens: »Oh, und der Name? Der stammt von dem Rundfahrtspezialisten Eddy Merckx, der in den 60ern und 70ern als ›Kannibale‹ bekannt war.«
Eine kulinarische Verbeugung vor den Großen der Zunft gibt es auch andernorts. In Belfast zum Beispiel wartet das »Coppi Restaurant« mit mediterran inspirierten Gaumenfreuden auf. Die Besucher der Internetseite werden dabei nicht mit Fotos der angebotenen Speisen begrüßt, sondern stilecht mit einem Bild des Namenspatrons. Auf eine Konkurrenzlokalität mit dem Namen »Bartali« (und katholischen Fastenspeisen auf der Karte) warten Belfasts Gourmets und Radsport-Veteranen indes noch vergeblich. Bisher.
Coppi zeugte Anquetil; Anquetil aber zeugte Merckx; Merckx aber zeugte Hinault; Hinault aber zeugte LeMond; LeMond aber zeugte Induráin; Induráin aber zeugte Armstrong … Coppi indes wurde aus ausgemergelter Erde geformt, die das Blut der schönen Menschen eines vom Krieg verwüsteten Landes getränkt und fruchtbar gemacht hatte. Gott war damals gerade nicht verfügbar.
Bob Roll
Radsportlegenden werden in Zeitungen und Cafés gemacht. Und wieder zerstört.
Herman Chevrolet, flämischer Radsportjournalist
Merckx, das ist Attila für den Radsport.
»L’Équipe«
Merckx? Er war vielleicht kein Tyrann … aber in gewisser Weise war er ein Mafioso.
Patrick Sercu
Wenn ich mit Merckx zusammen vorn in einer Spitzengruppe fuhr, konnte ich mich nie des Gefühls erwehren, nur ein Schlachtopfer zu sein, das gerade zum Altar geführt wird.
Franco Bitossi
Ein Mann wie ein Waldbrand, ja, ein Ein-Personen-Flächenbrand, das war Merckx.
Giancarlo Ferretti
Wo immer in den siebziger Jahren ein Radrennen stattfand, wurde das Wort Gott folgendermaßen ausgesprochen: MERCKX.
Eric Fottorino, »Le Monde«-Herausgeber und Hobbyradsportler
Das Königreich Belgien ist vom Merckxismus befallen.
Das ehemalige Schweizer Magazin »Sport«
Wenn Eddy so weitermacht, ist es mit dem Merckxismus in drei Jahren vorbei.
Jacques Anquetil
Ich fand eigentlich immer schon, dass Merckx einfach nicht genug Gegenwind bekam.
Rik Van Looy
Ich verstehe nicht, warum sich die Leute beklagen, Merckx habe den Radsport vorhersehbar gemacht. Beschwert sich etwa irgendwer, Molière habe das Theater zerstört, Bach die Musik oder Chaplin das Kino?
Pierre Chany, langjähriger Leiter des »L’Équipe«-Radsportressorts
Noch halb im Schlaf rieb ich mir die Müdigkeit aus den Augen und sah das Gelbe Trikot über einer Stuhllehne hängen. Mein erster Gedanke war: Was mache ich im Zimmer von Merckx?
Bernard Thévenet über die Tour 1975
Warum ich immer so blass bin? Naja, so sieht man halt aus, wenn man sein Leben lang im Schatten von Eddy Merckx gestanden hat.
Joop Zoetemelk
Merckx mag der Stärkste gewesen sein, aber Coppi war der Größte.
Gian Paolo Ormezzano, italienischer Sportjournalist
Coppi und Bartali sind in die Geschichtsbücher eingegangen. Sie sind bekannter als fast alle anderen Figuren in der Geschichte Italiens, weil sie dem Land einst Hoffnung gaben.
Marco Pinotti
Bei uns in Italien diskutieren die Menschen heute noch beim Abendessen, wer von beiden besser war.
Marco Pinotti
Bartali ist ein Mann der Tradition. Er ist ein metaphysischer, von den Heiligen geschützter Mensch. Coppi hat im Himmel keinen, der sich um ihn kümmert. Er sitzt allein auf seinem Rad, hat keinen Engel auf der Schulter, der mittritt. Er denkt rational und glaubt nur an den Motor, der ihm gegeben wurde, an seinen Körper.
Curzio Malaparte, italienischer Schriftsteller
Bartalis Geheimnis war sein langsames Herz. Es schlug nur ein Mal in der Stunde, und wenn es das tat, gab ihm das genug Kraft, dass er auch den Eiffelturm hätte hochfahren können.
Ralph Hurne, Autor des Radsportromans »The Yellow Jersey«
Ihr werdet siegen wie Bartali!
Papst Pius XII. im Jahr 1948 in einer großen Ansprache an die katholische Jugend – noch am selben Sonntag musste Bartali eine deftige Niederlage einstecken
Ich brauchte keine Drogen. Vertrauen in die Muttergottes hat mich vor Erschöpfung und Schmerzen bewahrt.
Gino Bartali
Coppi hat sich nie bekreuzigt. Gott hat eh etwas Besseres zu tun, als einem Radrennfahrer zu helfen.
Fausto Coppi über Fausto Coppi (wie üblich in der dritten Person)
Sein früher Tod hat Coppi als eine Ikone bewahrt, die von der heutigen Realität völlig unberührt bleibt. Andere Radsport-Champions sind alt, senil oder fett geworden. Auf einigen liegt der Schatten von Dopingskandalen oder unverhohlener Kommerzialisierung. Coppi aber bleibt makellos.
William Fotheringham, britischer Radsportjournalist und Coppi-Biograf
Täve ist bescheiden, immer fröhlich, sieht aus wie eine Mischung aus Hans Modrow, Fred Astaire und Sepp Herberger und redet auch so.
»Der Spiegel« über Täve Schur
Wenn der sich vorgenommen hatte, 150 Kilometer zu fahren, ohne zu pinkeln, dann hat er’s geschafft. Und wenn ihm die Blase platzte.
Jan Schur über seinen Vater Täve
In den Bergen war mein Schatten mein einziger Gegner.
Federico Bahamontes
Wenn du nur gewinnst, kommt dein Name in die Statistiken. Wenn du überzeugst, kommst du ins Buch der Träume.
Jacques Anquetil
Wenn ich nicht dafür bezahlt würde, würde ich nicht einen Meter fahren.
Jacques Anquetil
Ich habe Jacques lange Zeit wie einen Hexenmeister betrachtet, der das große Geheimnis des Radfahrens entdeckt hatte.
Cyrille Guimard über Anquetil
Schon als zehnjähriger Bengel wollte er unbedingt reich werden, »um viel Kuchen essen zu können«, denn täglich kam er auf dem Schulweg an einer Bäckerei vorbei, und als Einziger konnte er sich die ausgestellten Süßigkeiten nicht leisten. Aus Frustration wurde der bettelarme Poulidor Radrennfahrer.
»Die Zeit« 1975 über Raymond Poulidor
Monsieur Poulidor, ich spreche Ihnen das Lob und die Bewunderung des französischen Volkes für Ihren Mut und Ihre Zähigkeit aus. Wenn der Sieger der Tour de France per demokratischer Wahl bestimmt würde, würde das Votum gewiss auf Sie fallen.
Valérie Giscard-d’Estaing, französischer Staatspräsident von 1974 bis 1981
Ich fahre Rennen, um zu gewinnen, nicht um die Leute zu erfreuen.
Bernard Hinault
Jeden Tag gibt es etwas, das mir verdeutlicht, warum ich diesen Sport so liebe.
Bernard Hinault
Die Nacht vor dem Rennen habe ich wie ein Baby geschlafen, weil ich wusste, dass ich am nächsten Tag gewinnen werde.
Bernard Hinault
Ich bin nicht besser als die anderen, ich kann nur mehr aushalten.
Bernard Hinault
Ein Champion bist du, wenn du auch in einem Terrain gewinnst, das dir nicht liegt.
Bernard Hinault
In New York kam mal ein Reporter auf unser Hotelzimmer und fragte Hinault, wie er sich mental optimal auf ein Rennen einstimme. »Nutzen Sie Visualisierungstechniken? Hören Sie irgendwelche inneren Stimmen, die Sie antreiben?« Hinault wälzte sich nur lachend auf seinem Bett und kriegte sich – ohne Übertreibung – geschlagene zwanzig Minuten nicht mehr ein.
Greg LeMond
Hinault? Der Kerl fährt dich nicht nur kaputt, er denkt dich auch kaputt.
Marino Lejaretta
Ich glaube, dass es zwei Phasen im Leben gibt: eine, um Rad zu fahren, und die andere, um sich in die richtige Arbeit zu stürzen.
Bernard Hinault
Zeigt mir einen Franzosen, der mit neunzehn in die USA gegangen ist, sich einen Vertrag als Baseball-Profi erkämpft und geschafft hat, was ich auf dem Rad erreicht habe.
Greg LeMond
Greg ist ein hervorragender Zweiter, aber einfach kein Sieger.
Laurent Fignon im Jahr 1985
In deinem Leben kommt doch als Erstes das Auto, dann das Rad, und dann erst ich.
Sean Kellys Frau Linda klagt an
Da mag was dran sein, nur die Reihenfolge ist falsch. Das Rad steht an erster Stelle.
Sean Kellys Replik
Sean Kelly gilt im Allgemeinen als der schweigsamste Radrennfahrer des letzten Jahrzehnts. Fragen von Rundfunkreportern beantwortet er, wenn’s irgend geht, ganz ernsthaft mit einem Kopfnicken.
»Der Spiegel« im Jahr 1986
Womit ich am meisten hadere, ist, dass wir gleich alt sind. Gott hätte es ja auch so richten können, dass ich nur gegen seinen Bruder fahren muss.
Gianni Bugno über Miguel Induráin
Ach Miguel, mit diesem Arsch kommst du nie einen Berg hoch.
Der Vater von Miguel Induráin zu Beginn von dessen Profikarriere
Die Gelassenheit habe ich von meinem Vater geerbt, einem Bauern. Du säst aus, du wartest auf das Wetter, dann erntest du … Eines aber musst du immer: Arbeiten.
Miguel Induráin
Meine Stärke lag darin, dass ich ausgeglichener und ruhiger war als die meisten anderen Fahrer.
Miguel Induráin
Wäre ich mit einem aggressiven Charakter geboren worden, hätte ich gewiss ein paar Rennen mehr gewinnen können.
Miguel Induráin
Jan wird Sportler des Jahres? Naja, eigentlich sollte es ja um das ganze Jahr gehen und nicht heißen »Sportler des Monats Juli«.
Erik Zabel, 1997
Seine Taille ist jetzt so interessant wie die von Top-Model Naomi Campbell.
»L’Équipe« über Jan Ullrichs jährlich wiederkehrende Gewichtsprobleme
Ich habe im Feld viele dünne Fahrer gesehen, aber nur wenige Tour-Sieger.
Jan Ullrich zu seinen Kritikern
Ich sehe überhaupt keine Alarmglocken läuten.
Jan Ullrich zu seiner Verfassung vor der Tour de France 2004
An Wunder zu glauben, fällt schwer. Lourdes liegt schon hinter uns.
Jan Ullrichs Betreuer Rudy Pevenage über den wachsenden Rückstand seines Schützlings bei der Tour 2004
In einem Feld ohne Doping hätte Ullrich sie alle geschlagen, und das auf Jahre.
Jef D’hont, belgischer Radsportpfleger und Enthüllungsbuchautor
Classiques
»Manche Leute schenken einen Ring, wenn sie einen Hochzeitsantrag machen. Ich habe ihr einen Pflasterstein geschenkt.«
Paris–Roubaix – die »Königin der Klassiker«, die »Hölle des Nordens« – ist ein herrlich unzeitgemäßes und ungerechtes Rennen voller Staub und Schlamm und Schläge, eine Belastungsprobe für Material und Taktik. Ein solches Rennen verdient eine außergewöhnliche Siegestrophäe, keinen goldglänzenden Protzpreis. Mit dem Pflasterstein-Original gibt es für den Tagesbesten eine durch und durch authentische Auszeichnung. Als der Belgier Johan Van Summeren, ein Hüne, der in seiner Laufbahn oft als verlässlicher Domestik eigene Siegchancen hintanstellte, 2011 das Rennen nach erfolgreichem Ausflug in die Ausreißergruppe und anschließender beherzter Solo-Attacke gewann, war der Jubel so groß, dass er im Überschwang seiner Freundin unmittelbar nach der Ankunft im Velodrom von Roubaix einen Heiratsantrag machte. Da die Freundin sich ihre Brötchen als Radsportjournalistin verdiente, wusste sie nur zu gut um die symbolische Bedeutung des massiven Pavé-Pokals als Ringersatz. Sie hat dann auch nicht mit »Nein« geantwortet.
Gleich drei dieser nordfranzösischen Belohnungssteine hat der Schweizer Ausnahmefahrer Fabian Cancellara erstrampelt. Nach den ersten Erfolgen aus den Jahren 2006 und 2010 hatte seine Frau die beiden Steinbrocken daheim in der Schweiz in den Fenstern der hauseigenen Sauna platziert. 2013 kam ein dritter Stein ins dritte Fenster – weitere Durchschaumöglichkeiten weist die Sauna allerdings nicht auf. »Der vierte Stein ist noch weit weg«, erklärte Fabian Cancellera kurz nach seinem Paris–Roubaix-Sieg im April 2013 auf die Frage, was er denn machen wolle, wenn er auch im darauffolgenden Jahr wieder gewinnen sollte: »Unser Haus umbauen wollen wir eigentlich nicht.«
Die auf derlei Maßnahmen spezialisierten Handwerker rund um Bern sollten sich von dieser Aussage nicht blenden lassen und sich schon mal die Aprilmonate der kommenden Jahre freihalten.
Bei Paris–Roubaix geht es darum, wer die Eier und den härtesten Hintern hat, nicht darum, wer der talentierteste Fahrer ist. Ich liebe das. Das ist der Grund, warum das Rennen so großartig ist.
Jonathan Vaughters
Ab Doullens war die Landschaft nur noch trostlos. Die zerborstenen Bäume sahen aus wie Gerippe, die Straßen waren voller Schlaglöcher oder von Panzern zerstört. Statt Vegetation gab es am Straßenrand nur Militärfahrzeuge in erbärmlichem Zustand. Von den Häusern der Dörfer war nicht viel mehr übrig geblieben als die Mauern. Eugène Christophe rief aus: »Dies hier ist wirklich die Hölle des Nordens.«
Victor Breyer, Radsportredakteur der Veranstalterzeitung »L’Auto«, kommentiert das Paris–Roubaix im Nachkriegsjahr 1919
Für mich gibt es nur das Fazit: Roubaix ist geil! So viele Glückshormone hat mein Körper noch nie ausgeschüttet. Etwas Härteres habe ich zwar auch noch nie erlebt, aber das Hochgefühl im Velodrom von Roubaix ist wie ein Rausch.
John Degenkolb
Meine älteste Erinnerung an den Radsport ist die, dass ich 1980 am Küchentisch saß und Paris–Roubaix im Fernsehen sah. Ich ließ meine Eltern mit der Autorität, wie sie nur ein Sechsjähriger haben kann, wissen, dass ich eines Tages Paris–Roubaix gewinnen werde.
Roger Hammond
Paris–Roubaix ohne Regen ist kein richtiges Paris–Roubaix.
Sean Kelly
Wenn ich angehalten hätte, um einen Kaffee zu trinken, hätten sie auch angehalten.
Fabian Cancellara beklagt die taktische Einfalt in der Spitzengruppe bei Paris–Roubaix 2011
Du musst die Steine mögen. Das ist das Wichtigste.
Peter Van Petegem
Mein größter Sieg? 1950 habe ich Paris–Roubaix gewonnen. Gut, eigentlich haben sie Coppi als Sieger geehrt, aber seien wir doch mal ehrlich: Fausto fuhr doch außer Kategorie. Dieser Mann ist vom Teufel besessen, er ist nicht mehr zu Hause unter den Menschen.
Maurice Diot
Paris–Roubaix ist wie eine schöne Frau. Du willst sie unbedingt haben, aber du wirst abgewiesen, immer und immer wieder, und dann wirft das Miststück sich plötzlich auch noch irgendeinem Dahergelaufenen an den Hals.
Marc Madiot
Notfalls trage ich mein Rad nach Roubaix.
Servais Knaven, Überraschungssieger von 2001, vor seiner 16. Paris–Roubaix-Teilnahme, mit der er seine Karriere beendete
Mir gefällt das Amstel Gold Race. Das Rennen ist taktisch anspruchsvoll, und es hat die besten Zuschauer. Sie fangen schon früh morgens mit dem Trinken an und sind bereits ziemlich in Stimmung, wenn das Rennen dann losgeht.
Simon Gerrans
Der Cauberg ist auf seine Weise auch ein Berg der Holländer, ein Ort, den die Radsportfans aus den Niederlanden für sich vereinnahmt haben. Genau wie Alpe d’Huez, nur mit dem Vorteil, dass der Cauberg direkt vor ihrer Haustür liegt.
Leo Van Vliet, Ex-Profi und Organisator des Amstel Gold Race
Es ist, als ob du durch einen Tunnel aus Krach fährst, den du beinahe anfassen kannst.
Eddy Planckaert, Sieger der Flandern-Rundfahrt 1988, über die Muur van Geraardsbergen
Eine Ronde ohne die Muur ist wie die Rolling Stones ohne Mick Jagger.
Geert Vandenbon, Mitbegründer des Museums der Flandern-Rundfahrt in Oudenaarde
Zwei Mal Platten, drei Mal gewechselt, hundert Mal gequält. Meine erste Flandern-Rundfahrt hat mich komplett überwältigt. Das war zum Teil wie bei einem gigantischen Rockkonzert.
John Degenkolb
Man fühlt sich wie ein Rockstar, der auf die Bühne kommt. Die Fans stehen so nahe, dass man den Atem der Leute riechen kann, die uns anfeuern. Das macht den Radsport so besonders. War etwa ein Wayne Rooney jemals einem Fan so nahe, als er einen Pass spielte oder ein Tor erzielte?
Geraint Thomas über die Flandern-Rundfahrt
Die Muur ist ein Rendezvous mit deinem eigenen Charakter.
Eddy Planckaert
Was man bei der Übertragung von der Ronde zu sehen bekommt, ist ein Flandern, wie es früher mal war. Es scheint auch Äcker zu geben. Das ist seltsam. Denn eigentlich besteht Flandern heute doch nur noch aus Beton und IKEA-Parkplätzen.
Dimitri Verhulst, belgischer Schriftsteller
Was haben wir getan, dass man uns in die Hölle schickt?
Bernard Hinault über den Koppenberg
Seien wir doch mal ehrlich: Das Schlimmste an den Hügeln den Flandern-Rundfahrt sind doch jedes Mal die zehn Kilometer Gemetzel, die vorausgehen.
Walter Planckaert
»Wenn ihr den Koppenberg so toll findet, warum macht ihr aus der Ronde nicht ein Querfeldein-Rennen?«
Frans Verbeeck
In Flandern gibt es keine Taktik. Du musst einfach nur Rad fahren. Aber das so hart wie nirgends sonst.
Moreno Argentin
Geht heim – ich habe einen halben Tag Vorsprung.
Henri Van Lerberghe, Sieger der Flandern-Rundfahrt 1919
Als ich zum ersten Mal nach Flandern kam, habe ich mir fast in die Hose gemacht. Ich hatte in der Zeitung schreckliche Geschichten gelesen von bärenstarken Flandriens, prähistorischen Wetterumständen und unbefahrbaren Straßen. Ich wusste noch nicht mal, was Kasseien überhaupt waren.
Fiorenzo Magni
Was ein echter Flandrien war? Du musstest so hart in die Pedale treten können, dass du nicht mehr wusstest, aus welchem Dorf du kamst.
Briek Schotte
Die Entwicklung der modernen Flandern-Rundfahrt hat etwas Öbszönes. Nirgends sonst sieht man den Parvenüstaat Flandern treffender verkörpert. All die VIPs und Politiker, die sich da tummeln. Und der Flandrien? Ach, den gibt es doch schon seit fünfzig Jahren nicht mehr. Der letzte war Briek Schotte. Punkt, aus. Dass die Presse immer noch darüber schreibt, ist nichts anderes als ewig gestrige Faulheit.
Hugo Camps, Journalist
Die Flandern-Rundfahrt ist das Olympia von Belgien. Da ist das ganze Land auf den Beinen. Für sechs Stunden steht die Zeit still. Wer gewinnt, wird in den Himmel gehoben.
Andreas Klier
Ich weiß jetzt, wie sich die Beatles gefühlt haben.
Bradley Wiggins über die Begeisterung der Zuschauer nach seinem Zeitfahr-Olympiasieg 2012
Das ist so groß, so wunderbar – und in spätestens sechs Stunden bin ich betrunken.
Bradley Wiggins feiert seinen Olympiasieg vor heimischem Publikum
Es war das Wahnsinnigste, was ich je in meinem Leben erlebt habe. Es gab nicht eine Stelle zum Pinkeln.
André Greipel über die Zuschauermassen beim olympischen Straßenrennen 2012
Bei Olympia lagen wir auf einer Etage mit den Handballern, Bahnfahrern und ein paar anderen, da hieß es immer nur: Oh, Platz 6 – super, weiter A-Kader. Da lachen wir Profis uns doch tot drüber. Allein mit dem, was ein Olaf Ludwig monatlich an Vorabzugssteuer entrichten muss, bezahlt er 15 Mann vom A-Kader bar.
Erik Zabel
Bei jedem anderen Radrennen würde man sagen: Hierher komme ich nicht noch einmal wieder. Die Zimmer sind sehr spartanisch und erinnern von der Einrichtung an Jugendherbergen. Heute früh, als einer irgendwo im Haus duschte, dachte ich, ich werde in meinem Bett gleich mit nass, so laut war das.
Tony Martin während der Olympischen Spiele 2012
Peking war toll – wenn nur die Radrennen nicht gewesen wären.
Olympia-Bilanz 2008 von Stefan Schumacher
Mailand–Sanremo ist kein Rennen, das man gerne fährt, aber ein hervorragendes Rennen, um es zu gewinnen.
Sean Kelly
Wenn du Mailand–Sanremo gewinnen willst, musst du die Abfahrt vom Poggio auch blind nehmen können.
Francesco Moser
Mailand–Sanremo ist eine Diva, eine Scarlett Johansson. Zweihundert Mann reißen sich um sie, wollen sie unbedingt haben, aber sie lässt immer nur einen ran.
Michel Wuyts, belgischer Radsportreporter
Ich konnte mich teilweise kaum auf dem Rad halten und musste mich am Auto aufhalten, wo mir mein Mechaniker heißen Tee über Hände, Füße und Rücken schütten musste!
Björn Thurau über ein schnee- und regenreiches Mailand–Sanremo 2013
Edvald Boasson Hagen kam zum Bus und duschte dann im Rennanzug. Mat Hayman war unterkühlt und zitterte. Er gab dem belgischen Fernsehen ein Interview, an das er sich bis heute nicht erinnern kann.
Ian Stannard über die Ausgabe von Kuurne–Brüssel–Kuurne im Frühjahr 2010, bei der wegen eines Unwetters nur 26 Fahrer das Ziel erreichten
Die Frühjahrsklassiker wurden auf Dantes Pergamentpapier verfasst – genau dort, wo die »Göttliche Komödie« in »Inferno« übergeht.
Bob Roll
Ein Sieg bei einem Klassiker oder einem großen Rennen ist kein Diplom, auf das du dich für den Rest deines Lebens berufen könntest. Im Radsport gibt es keine Diplome, es ist eher so, als stündest du ständig vor dem Examen.
Eddy Merckx
Zusammen mit Eddy Merckx habe ich alle Klassiker gewonnen, die es zu gewinnen gab. Ich Paris–Tours und er den Rest.
Noël van Tyghem
Die kostenlose Leseprobe ist beendet.