Buch lesen: "Der Traum von Paris: Erotische Novelle"
Amanda Backman
Der Traum von Paris: Erotische Novelle
Übersetzt von: Gertrud Schwarz
Lust
Der Traum von Paris: Erotische Novelle Übersetzer Gertrud Schwarz Original Drömmen om Paris Copyright © 2019, 2019 Amanda Backman und LUST All rights reserved ISBN: 9788726312782
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
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Ich zucke zusammen, als der Wind meinen Rock erwischt und mein komplettes linkes Bein sichtbar wird. Ich bleibe stehen und rücke ihn zurecht. Meine schwarzen Sandalen klackern über die Kopfsteinpflasterstraße voller Touristen. Einige von ihnen blicken über ihre Sonnenbrillen, um zu sehen, ob sie einen Blick auf nackte Haut erhaschen können. Bilde ich mir das Pfeifen aus der Ferne nur ein? Ich werde etwas verlegen und eile um die Ecke, um in Ruhe auf die Straßenkarte im Smartphone zu gucken. Ich gehe nicht gern falsch und verliere dabei Zeit, ich bin viel zu nervös, um es zu ertragen, wenn ich mich verlaufe. Er sagte, dass ich um die Mittagszeit bei der rue Saint-Lazare 108 sein sollte, aber ich wage kaum mehr zu hoffen. Ich habe seitdem nichts mehr von ihm gehört. Vielleicht war das nur ein Witz, seine Art zu zeigen, dass er die Kontrolle über mich hat.
Was, wenn ich da warte und er nie auftaucht. Was, wenn er weiß, dass ich hingefahren bin. Dass ich noch immer Hoffnung habe. Laut Karte sollte es fünfzehn Minuten zu Fuß dahin dauern, und ich stelle fest, dass ich noch reichlich Zeit habe. Trotzdem beschließe ich, so schnell wie möglich hinzugehen, damit ich vielleicht einen guten Platz finden kann, an dem ich alle überblicke, ohne gesehen zu werden. Paris glänzt in der Sonne.
Mehrere Softeis tanzen an meinem Blickfeld vorbei, während ich gehe. Kinderlachen und knutschende Paare links und rechts. Chinesische Touristen, die schlecht gelaunt an einer Fontäne stehen. Mein roter Paillettenrock fühlt sich schön an meinen frisch rasierten Beinen an. Ich bin zufrieden, dass ich dieses Jahr hübsch braungebrannt bin, spaziere weiter die Straße entlang und nähere mich sicheren Schrittes meinem Ziel. Obenrum trage ich ein kühles Top, das richtig kurz ist. Es lässt einen schmalen Spalt, durch den man meine sonnengeküsste, gut trainierte Taille sehen kann, und sorgt auf meinen Armen dafür, dass man mein Tattoo erkennen kann. Ich denke an Alfons. Sein alberner, doofer Name, der perfekt zu seinen verspielten, hellblauen Augen passt. Ungezügelt hoffe ich, dass er seinen strohblonden Schopf in der Frisur trägt, die ich am meisten mag: kurz an den Seiten und mit reichlich Pony, durch die man die Finger wuscheln kann. Vielleicht trägt er sogar eine teure Sonnenbrille und ein weißes Hemd und raucht eine Zigarette. Das wäre irre. Hör auf zu hoffen, du Idiotin. Er wird nicht da sein. Mein Bauch zieht sich zusammen. Mein weißer Baumwollstring mit der Spitze fühlt sich eng an, aber das süße Gefühl des Rocks an meinen nackten Pobacken kompensiert das. Vorfreude und Angst kitzeln mich gleichermaßen. Meine Haare sehen jedenfalls perfekt aus. Jedenfalls so perfekt, wie sie heutzutage sein können. Ich habe die Farbe rauswachsen lassen und habe vor ein paar Tagen die Spitzen geschnitten, sodass nur meine natürliche Haarfarbe übrig ist. Jetzt wippt es beim Gehen gegen meine ausgeprägten Kieferknochen, und ich fühle mich ziemlich heiß. Ich trage nur wenig Wimperntusche. Ich will mich pur fühlen, wenn ich ihn sehe. Echt, sozusagen.
Alfons und ich trafen uns das erste Mal an der Universität von Lund. Wir wurden bei Büchern, Zigaretten und Rotwein Freunde und konnten so ehrlich miteinander sein, wie ich es noch nie mit jemandem erlebt habe. Auch unsere dunklen Seiten konnten wir zeigen, was fast die Ursache für die tiefe Anziehung war, die zwischen uns wuchs. Aus verschiedenen Gründen ist in den ersten Jahren nie etwas zwischen uns passiert. Er war mit einer anderen zusammen und ich ging mit jemandem, mit dem ich nach einer Weile Schluss machte. Dann war er Single, zog dann aber nach Paris, um Künstler zu werden und davon zu leben. Er war eine kreative Seele, ein Denker. Er wollte es wie Baudelaire in seinem dunklen, verregneten Paris haben. Wie er über Poesie und Kunst sprach, war erregend. Es war immer sein Intellekt, der mich am neugierigsten machte. Seine schnelle Schnauze und seine Art, einen ganzen Raum zu begeistern. Er war außerdem ungewöhnlich charmant und hatte einen wachen Blick, durch den man voll da war, wenn er redete. Sein Lachen und Lächeln und die dahinterliegende, dunkle Mystik waren wie eine Droge für mich. Einmal nahm er bei einer Feier meine Hand unter dem Tisch. Alle hatten angefangen, in bester Alkohollaune lauthals über MS zu sprechen, während seine Mutter gerade genau die Diagnose bekommen hatte. Er brauchte Unterstützung. Und wählte mich. Ich wurde so geil, dass ich mich auf dem Stuhl wand, um überhaupt sitzenbleiben zu können und ihn nicht aus dem Zimmer zu ziehen, um ihn für alle offensichtlich zu lieben. Das durfte nicht passieren. Unsere SMS-basierte und emotionale Affäre war vorbei und alle Lügen, die wir den anderen, unseren Freunden, erzählt hatten, damit wir unauffällig beieinander sein konnten, waren aufgeflogen. Menschen waren verletzt worden. Aber vielleicht war es das trotzdem wert, wenn man bedenkt, dass du dich jetzt, viele Jahre später, auf seinen Wunsch hin in Paris befindest, denke ich und spüre einen Moment der Reue, während ich weitergehe.
Am Ende unseres Studiums passierte es einmal, dass wir uns bei einer Party einer Kommilitonin zufällig alleine in der Küche wiederfanden. Alle waren zu einer Bar weitergezogen, aber ich wollte erst noch meinen Cidre aus dem Kühlschrank holen. Er wollte wohl das Gleiche tun. Wir mögen sogar die gleiche Sorte. Wir blieben stehen. Als wir uns in die Augen sahen, wurde uns klar, wie allein wir gerade waren. Dass wir in einem extra Zimmer standen, ohne die Blicke der Umgebung auf uns. Bis auf einen grünen Discolaser, der Muster auf die Wände und unsere Gesichter zauberte, war es dunkel. Ein Funke hätte das Haus in Brand gesetzt.
„Alfons …“, fast hauchte ich es, aber man hörte es wegen der lauten Musik nicht. Er ging auf mich zu, aber das dauerte mir zu lange. Ich ging ein paar schnelle Schritte zu ihm, wusste aber nicht, was ich machen sollte. Da standen wir, unsere Lippen ein paar Zentimeter auseinander, und atmeten schwer. Meine Hand hob sich wie von selbst und legte sich sanft auf seine rechte Wange.
„Gabriella …“, sagte er, und wir sahen einander wieder an. Meine Hand glitt durch seinen Pony und mich durchfuhr ein Schauer. Ich spürte, wie seine Hände nach meiner Taille griffen, gierig und fast zu kräftig. Dann trafen wir uns in unserem ersten, leidenschaftlichen Kuss. Es war, als wären meine Ohren zugemauert, ich verschwand nach innen und in dem Augenblick fühlte ich ausschließlich. Wir drückten uns aneinander, hatten viel zu wenig Zeit. Einmal traten wir kurz zurück, um Luft zu holen, aber Alfons war mit seiner Hand schnell wieder an meinem Hosenbund und zog mich zurück in seinen Arm. Zu seinem Mund. Ich flüsterte „ich muss dich heute Nacht haben“ in sein Ohr und bekam ein frustriertes Murmeln aus seinem Hals als Antwort. Ich konnte sehen, wie sein Puls unter der Haut schlug, genau am Schlüsselbein, und konnte nicht widerstehen, es zu küssen. Er zog neckend an meinen Haaren und stöhnte mir ins Ohr. Ein Geräusch ließ uns aufschrecken. Wir ließen uns schnell los und richteten unsere Klamotten. Versuchten, den Sex aus der Luft zu bekommen. Wühlten im Kühlschrank. Nach zehn Sekunden kam die ganze Partygruppe zurück, hatte sich umentschieden. Bis sieben Uhr morgens ging die Party dort weiter. In der Nacht passierte nichts mehr, denn später tauchte seine Freundin betrunken auf und spuckte. Wir sprachen danach nicht mehr miteinander, es war einfach zu verdammt kompliziert. Ich fühlte mich manchmal ausgenutzt, aber verstand auch die Situation. Verstand, dass es so wichtig für mich war, ihn in meinem Leben zu behalten, sodass ich mich durch die Jahre kämpfte.
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