Buch lesen: "Komm rein! Erotische Novelle"

Schriftart:

Alexandra Södergran

Komm rein! Erotische Novelle

Lust

Komm rein! Erotische Novelle ÜbersetztGertrud Schwarz Original Kom inCopyright © 2019, 2019 Alexandra Södergran und LUST All rights reserved ISBN: 9788726301465

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.

Als er das Schloss der Haustür unten hörte, warf er sich sofort nach vorn und schaltete den Fernseher aus. Langsam und vorsichtig, um kein Geräusch zu verursachen, machte er die Spielkonsole aus. Jetzt war sie drinnen. Ihm war klar, dass seine Mutter wieder so einen Tag hatte, an dem sie erst zur Arbeit ging, es sich dann aber anders überlegte.

Bald würde sie unten den Fernseher anschalten, vielleicht ein wenig in der Küche rumoren, aber früher oder später würde sie merken, dass er noch immer zu Hause war. Er hatte keine Lust auf ein Gespräch darüber, echt nicht. Also zog er sich an und entschied sich für den Weg aus dem Fenster.

Wegen der Kälte war der Fensterrahmen verzogen und er musste so vorsichtig wie möglich dran rütteln, damit das Fenster aufging. Als sie unten den Wasserhahn aufdrehte, rumpelte es in den alten Rohren – und er rüttelte extra kräftig. Das Fenster flog auf. Er schwang sich mithilfe des Abfallrohres geschmeidig nach draußen. Von dort konnte er das Fenster wieder zudrücken, das vom Wind nicht aufgehen würde. Er sprang, wie er es so viele Male vorher schon getan hatte, und landete fast lautlos im Schnee. Als er sich dann unter dem Wohnzimmerfenster vorbeischlich, fiel im auf, wie viel Spaß er hatte. Er hatte den Feind an der Nase herumgeführt. Aber er machte sich nicht die Mühe, reinzusehen, er hörte den laufenden Fernseher und konnte sich alles vorstellen.

Als er um die Ecke kam, richtete er sich wieder auf und ging zur Hintertür der Garage. Die Tür war fast nie verschlossen, aber falls sie es doch war, hatte er einen Ersatzschlüssel unter den Motor des kaputten Rasenmähers gelegt, der halb vom Gras mehrerer Sommer bedeckt war sowie vom Schnee, der vom Dach gefallen war.

Er wischte die Strümpfe am kalten Betonboden ab und schlüpfte in die Gummistiefel mit den Profilsohlen. Dann zog er sich Opas alte Waldarbeiterjacke und ein Paar Arbeitshandschuhe an. So vorsichtig wie möglich hob er den Griff der Schneeschaufel an. Trotzdem kratzte das Metall über den Betonboden. Sofort stieg die Wut in ihm auf und seine Kiefermuskeln spannten sich an. Dass das so schwierig sein muss!

Sobald er das Miststück freigemacht und angehoben hatte, horchte er mit dem ganzen Körper. Ein schwaches Murmeln vom Fernseher, sonst nichts.

Er schloss die Tür, schlich sich durch die Hecke raus und spazierte in Richtung Berg. Er dachte nicht so sehr darüber nach, was er machen würde. Wenn er nur auf den Berg käme, war alles gut. Von da aus konnte er überall hin, wenn er wollte. Es gab immer irgendwas Neues. Wo man ihn nicht kannte.

Die Einfahrten von Leuten freizuschippen war seine Idee gewesen. Aber wie so viele andere Ideen, war sie in der Theorie sehr viel besser gewesen als in der Praxis. Schnee schippen war kein leicht verdientes Geld. Das erste Mal hatte er 2000 Kronen an einem Tag gemacht, aber am nächsten Morgen hatte er so schlimme Rückenschmerzen, dass er kaum aufstehen konnte. Es dauerte eine Woche, bis er wieder raus kam, und dann gab es niemanden mehr, der die Einfahrt geschippt kriegen wollte. Und dann schmolz der Schnee. Aber jetzt hatte es mehrere Tage tüchtig geschneit und seine Mutter hatte ihn manchmal mit einer Mischung aus Enttäuschung und Resignation angesehen, was ihm umgehend Schuldgefühle machte. Er hasste das. Er hasste es, wenn jemand ihm Schuldgefühle machen wollte.

Sie sagte, dass sie es nicht aushielt, dass er einfach nach Hause kam. Er glaubte, dass sie es in Wahrheit nicht aushielt, dass er ihr so ähnlich war. Wenn er wie sie immer nach Hause ging, würde sie an sich selbst erinnert werden. Und das war das Letzte, das sie wollte. Die olle Kuh.

Er versuchte, jetzt nicht mehr an sie zu denken. Dass er so viel an sie dachte, lag daran, dass es so mühsam war, auf den Berg zu kommen. Und wenn er müde wurde, wurde er wütend. Und wenn er wütend war, dachte er an sie. Stattdessen fing er jetzt an, von Geld zu träumen. Was er machen könnte, wenn er Geld hätte. Er wollte den Motorradführerschein machen und eine richtige Sportmaschine kaufen. BMW oder Yamaha. Dann würde er losfahren, wohin er wollte. Und er hatte bereits beschlossen, dass er erst das Bike kaufen und dann ausziehen würde. Wenn er wählen müsste. Er dachte an all die Weiber, die er haben könnte, wenn er das Bike hätte. Jedes Wochenende eine neue.

Er spazierte lange durch den Wald, von einer Joggingspur zur anderen, bis er müde wurde. Ohne zu überlegen war er bereits an einigen Wohngegenden vorbeigegangen. Jetzt hatte es wieder zu schneien begonnen und er erinnerte sich an den ganzen Mist. Unten am Flüsschen stand ein gelbes Haus und von dort führten ein paar ungleichmäßige Autospuren in den Schnee, bis zur Ausfahrt, die einen Steinwurf weiter unten lag. Durch die Hecke sah man, dass das Licht im Haus brannte.

Die kostenlose Leseprobe ist beendet.