Wander-Geheimtipps Bregenzer WaldText

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Touren für Neugierige

Wander-
Geheimtipps
Bregenzerwald

25 unbekannte Pfade abseits des Trubels

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Inhalt

Tourenüberblick

Vorwort

Willkommen im Bregenzerwald!

Wandern im Bregenzerwald

Vom Rheintal ins Bregenzerwaldgebirge

1Nördlich der Bregenzer Ach

Vom Gebhardsberg nach Langen

2Auf alten Wegen und Schienen

Von Kennelbach nach Buch

3Eine Wallfahrt durch das Moos

Von Rickenbach nach Alberschwende

4An der Dornbirner Ach

Von der Karrenseilbahn nach Gütle

5Ins einsame Bergdörfchen

Von Hohenems nach Ebnit

Im Vorderwald

6Ein Mann, ein Dorf

Von Ach nach Thal

7Auf dem Sulzbergstock

Von Doren nach Sulzberg

8Durch den Bärentobelsteig

Von Krumbach nach Riefensberg

9Im Ab und Auf zur Ach

Von Alberschwende nach Doren

10Die Brücken-Tour

Von Hittisau nach Lingenau

11Am Hang des Hittisbergs

Von Hittisau nach Sibratsgfäll

12Keineswegs eine Rosskur

Von Lingenau nach Krumbach

Im Mittelwald

13Ein Höhenzug und viel Kultur

Von Alberschwende nach Schwarzenberg

14Auf der alten Bahnstrecke

Von Egg nach Müselbach

15Am Klaratsberg

Von Großdorf nach Ittensberg

16Zur Hochälpelealpe

Von Andelsbuch zur Lustenauer Hütte

17Am Hang von Sattel und Niedere

Von Andelsbuch nach Egg

Im Hinterwald

18Zum Mittelpunkt des Bregenzerwalds

Von Bezau zur Sattelalpe

19Die Vier-Dörfer-Tour

Von Bezau nach Schnepfau

20Am Ende des Tals

Von Bizau nach Schönenbach

21Hindernislauf zur Schnellvorsäß

Von Mellau-Klaus nach Bezau

22Auf die Sünser Spitze

Von Damüls nach Mellau

23Unter dem Diedamskopf

Von Schoppernau nach Au

24Auf Franz Michael Felders Spuren

Von Hinterhopfreben nach Schoppernau

25Auf der Alten Salzstraße

Von Warth nach Hochkrumbach

Zugabe

Register

Impressum


1 Nördlich der Bregenzer Ach


10 Die Brücken-Tour


14 Auf der alten Bahnstrecke


21 Hindernislauf zur Schnellvorsäß


22 Auf die Sünser Spitze

Piktogramme erleichtern den Überblick


leicht
mittel
schwierig
Gehzeit
Höhenunterschied
Weglänge
Einkehr
Kinderfreundlich
Sehenswürdigkeit
Wintergeeignet
viel Sonne
eher Schatten
Bademöglichkeit
Anreise mit Bahn/Bus

Zeichenerklärung zu den Tourenkarten


Wandertour
Tourenvariante
Richtungspfeil
Ausgangs-/Endpunkt der Tour
Bahnlinie mit Bahnhof
S-Bahn
Tunnel
Seilbahn, Gondelbahn
Bushaltestelle
Parkmöglichkeit
Hafen
Autofähre
Personenfähre
Flugplatz
Kirche
Kloster
Burg/Schloss
Ruine
Wegkreuz
Denkmal
Turm
Leuchtturm
Windpark
Windmühle
Mühle
Hotel, Gasthof, Restaurant
Jausenstation
Schutzhütte, Berggasthof (Sommer/Winter)
Schutzhütte, Berggasthof (Sommer)
Unterstand
Grillplatz
Jugendherberge
Campingplatz
Information
Museum
Bademöglichkeit
Bootsverleih
Sehenswürdigkeit
Ausgrabung
Kinderspielplatz
schöne Aussicht
Aussichtsturm
Wasserfall
Randhinweispfeil
Maßstabsleiste

Tourenüberblick




Vorwort

Für die Einheimischen heißt er einfach nur »der Wald« und seine Einwohnerinnen und Einwohner »die Wälder« – ohne »l«. Der Bregenzerwald, der über Jahrhunderte hinweg nur lose Verbindungen über hohe Passwege zur namensgebenden vorarlbergischen Landeshauptstadt hatte, ist eine für die Alpen typische Talschaft, zusammengehalten durch einen Fluss, die Bregenzer Ach, an dessen Ufern die vielen kleinen Dörfer liegen. 22 Gemeinden gehören offiziell dazu, es gibt keine einzige Stadt, keine Burg, keine riesigen Fabrikanlagen, keine Autobahn, nur noch einen kleinen Museumszug und ein einziges kleines Kloster. Es gibt hier keine Getreideäcker und so gut wie keine Siloanlagen; Kühe, Pferde und Ziegen grasen noch auf Weide und Alpe. Und es gibt auch gar nicht mehr so viel Wald, aber trotzdem überall das alles prägende Holz.

 
 

Der Bregenzerwald ist eine Einheit in der Vielfalt und trotz touristischer Erschließung noch immer, zum Glück, eine kleine Welt für sich. Und eine Talschaft mit wunderschöner, abwechslungsreicher Landschaft und einem offenen und freundlichen Menschenschlag mit einem lieblichen, wenn auch für ungeübte Ohren aufs Erste nicht immer ganz leicht zu verstehenden Dialekt. Die Orte sind klein und übersichtlich und oft weit verstreut in die Landschaft eingebettet, umgeben von den Vorsäßen und Alpen mit ihren Kapellen, Bildstöcken, Brunnen und Feldkreuzen. Und wer hier wandert, muss damit rechnen, einen Weidezaun zu übersteigen, um sich den Weg dann mit den einheimischen Tieren zu teilen, die das für gewöhnlich recht gelassen hinnehmen.

Kurzum, der Bregenzerwald besticht durch seine landschaftliche Schönheit, durch seine vielen Möglichkeiten zum Wandern, vom Flussuferweg bis zum Hochgebirgsgipfel, durch seine eigene Kultur und seine aufgeschlossenen Bewohner, durch seinen »stillen« Tourismus, im Sommer wie im Winter. Oder anders gesagt, ohne viele weitere Worte zu machen: Willkommen im Bregenzerwald!

Konstanz, im Dezember 2020

Benedikt Grimmler


Dieser Wegweiser in Schnepfau beweist: Der Bregenzerwald ist ein Wanderparadies.


Saftige Wiesen vor dem Meierhof bei Riefensberg

Willkommen im Bregenzerwald!
Vorderer, Mittlerer und Hinterer Wald

Grob setzt sich der Bregenzerwald aus mehreren klar erkennbaren Teilen zusammen: dem nördlichen Vorderen Wald, der noch durch weite Flächen und hohe Hügel geprägt ist, eine voralpenländische Mittelgebirgslandschaft. Im Süden, unterhalb des Durchbruchs der Ach bei Bersbuch, beginnt der Hintere Wald, bestimmt durch die aufragenden Gipfel des Hochgebirges, das hier bis deutlich über 2500 Meter hinaufreicht. Dazwischen liegt noch, als drittes, der Mittlere Wald, eine weite Ebene um Egg, Schwarzenberg und Andelsbuch.

Die Subersach, ein tief eingeschnittener Nebenfluss, war lange Trennlinie zwischen den zwei bzw. drei Teilen und ist noch heute als Dialektgrenze erkennbar. Waren es einstmals die charakteristischen Holzbrücken, so sind es heute monumentale Stahlbetonkonstruktionen, die die Region verbinden. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist gleichwohl geblieben. Wie erwähnt hatte man über Jahrhunderte hinweg aufgrund der Abgeschlossenheit zu Rheintal, Allgäu und Arlberggebiet, die nur über hochgelegene Saumwege erreichbar waren, wenig Verbindung zur Außenwelt. Es entstand eine eigene Identität, die auch zu geschichtlichen Sonderentwicklungen führte.


Hoch oben im Gebirge finden sich meist nur noch rote Markierungen.


Die Bregenzer Ach verbindet (fast) alle Gemeinden des Bregenzerwalds.

In unserem Buch stellen wir von den 22 Gemeinden 21 vor (Schröcken ist die Ausnahme – das wird nachgeholt, versprochen!), dazu auch einige Orte am Rand und im Rheintal, um ein möglichst umfassendes Bild des Bregenzerwalds zu geben und seine zahlreichen Facetten vorzustellen – und dies auf Wegen, die nicht immer den üblichen Routen folgen.

Bregenzerwaldgebirge und Nagelfluhkette

Ganz so einfach ist es mit der klaren Aufteilung aber dann doch wieder nicht, denn die historische und die moderne touristische Region Bregenzerwald sind nicht komplett identisch mit dem sogenannten Bregenzerwaldgebirge.

Der Vordere Wald gehört zur Nagelfluhkette, die über die Landesgrenze bis weit hinein nach Bayern reicht; der Mittlere und der Hintere Wald sind – geologisch und offiziell definiert von den Alpenvereinen – das eigentliche Bregenzerwaldgebirge, das sich jedoch südlich bis ins Große Walser- und westlich bis ins Rheintal ausdehnt. Um das Ganze noch etwas komplizierter zu machen, gehören die Gebirgszüge östlich von Au bereits zur Arlberggruppe, darunter Bregenzerwälder-Klassiker wie der Diedamskopf und der Widderstein sowie auch die höchste Erhebung der Region, die Braunarlspitze mit ihren 2649 Metern. Der berühmteste, markanteste und auch unheimlichste Berg der Talschaft, der buchstäblich seinen Schatten auf den Bregenzerwald wirft, ist jedoch die Kanisfluh (2044 m), eine enorme Bergwand.


Krumbach mit seiner typischen Wälderkirche

Allzu sehr verwirren lassen sollte man sich von dieser Einteilung für Experten jedoch nicht – wer durch den Wald reist, wird die Bergwelt auch einfach so genießen können und froh sein, dass er an einem Tag mal eher auf Hügeln, an einem anderen Tag auch mal steil auf eine Bergspitze wandern kann. Flach geht es allerdings nie zu, kein Wunder bei Höhenunterschieden von knapp über 400 Metern auf Bodenseeniveau bis hinauf auf 2650 Meter.

Leben im Bregenzerwald

Besiedelt wurde der Bregenzerwald erst nach dem Jahr 1000, vereinzelt aber mag der eine oder andere auch schon früher dort gelebt haben, denn bereits die Römer liebten die Region als Jagdgebiet, wie auch viele spätere Herrschaften. Es waren die lokalen Größen, die anfangs den Wald unter sich aufteilten: die Bregenzer Herzöge, das Kloster Mehrerau, schließlich die Habsburger. Die einzelnen Dörfer wurden nach und nach gegründet, aber man blieb quasi unter sich. Die Oberherrschaft der abgelegenen Region blieb lose, im Hinteren Wald bildete sich die sogenannte »Wälderrepublik« heraus, eine Art demokratisch halbautonome Versammlung der Einwohner, nachgewiesen seit 1522 und aufgelöst erst zu Zeiten der kurzen bayerischen Besatzung (s. Tour 18). Für das Grundverständnis der Wälder ist diese Selbstständigkeit noch immer – zu Recht – bedeutsam. Es waren übrigens gerade die Frauen, die in mehreren Aufständen jegliche Versuche der Unterwerfung durch Fremdmächte meist erfolgreich abwehrten. Heute ist man Fremden gegenüber natürlich sehr aufgeschlossen; auch wenn das Wälderbähnle nur noch sehr verkürzt verkehrt – aber durch ein hervorragendes Busnetz ersetzt wurde –, ist der Tourismus naturgemäß eine der wichtigsten Einnahmequellen.


Neugierig sind nicht nur diese Ponys in Stollen, …


… sondern auch diese ungewöhnlichen Kirchenbesucherinnen in Schönenbach.

Armut dagegen war früher stets ein Problem – eines, das erstaunliche kreative Lösungsmöglichkeiten hervorbrachte. Zu den eher tristen Folgen gehörten die »Schwabenkinder«, Bauern, die ihre Kinder mindestens für die Sommermonate in die wohlhabenderen Gebiete Oberschwabens senden mussten, um sie dort Geld verdienen zu lassen. Doch die Bregenzerwälder zogen auch aus, um ganz andere Fähigkeiten unter Beweis zu stellen: Sie waren nämlich überaus begabte Künstler. Ohne die »Auer Zunft« ist das Barockzeitalter nicht denkbar, Meisterwerke der Baukunst von St. Gallen bis zur Birnau sind Bregenzerwälder Künstlern wie Architekten, Malern und Bildhauern zu verdanken. Der Wald selbst ist ohnehin ein Genuss für Architekturliebhaber. Holz ist natürlich das Baumaterial Nr. 1, und so entstanden die wunderschönen charakteristischen Wälderhäuser der vergangenen Jahrhunderte, aber auch insbesondere ganz moderne Bauten – hier ist es gelungen, zeitgenössische Architektur hervorragend mit der Tradition und Rücksicht auf die Landschaft zu vereinen.

Unterhalb des Lorenapasses reicht der Blick von Maltach bereits bis zum Bodensee.

Zwei Punkte möchten wir noch herausheben. Die selbstbewussten Bregenzerwälderinnen haben wir schon erwähnt. Es ist wahrscheinlich geradezu charakteristisch, dass sie es sind, die noch immer ihre traditionelle Tracht, die Juppe, an Sonn- und Feiertagen mit Stolz tragen. Weit entfernt von Landzeitschriften- und Oktoberfestkitsch gehört auch für junge Mädchen die Ausstattung mit der eigenen Juppe einfach dazu. In Riefensberg kann man sich die Herstellung dieses Gewands vorzeigen und erklären lassen (s. Tour 8). Und dann ist da noch die Bewirtschaftung des Bregenzerwalds im Dreierrhythmus, seit Jahrhunderten die Arbeitszeiten, aber auch die Landschaft bis heute bestimmend. Im Winter wohnt die Familie mit ihrem oft nicht allzu großen Viehbestand natürlich auf dem Hof in einer der typischen Streusiedlungen um den Ortskern aus Kirche und Gemeindeamt. Im Frühjahr bis Juli aber geht es mit Sack, Pack und den Tieren auf die Vorsäß, um dort die Weiden zu nutzen, in eine Hütte auf gut 800–1200 Metern Höhe. Noch höher hinaus, auf die Alpe, zieht man dann im Hochsommer bis Mitte September, ehe es anschließend noch einmal für ein paar Wochen auf die Vorsäß geht, bis im Oktober dann das Leben im Dorf erneut beginnt. Der Bregenzerwald liefert noch heute über 50 Prozent der Vorarlberger Milch und Milchprodukte, darunter den ebenso legendären wie einfach nur unglaublich guten Bergkäse aus Heumilch.