Die Elfen der Dämmerung: 3 dicke Fantasy Sagas auf 1500 Seiten

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Die Elfen der Dämmerung: 3 dicke Fantasy Sagas auf 1500 Seiten

Alfred Bekker et al.

Published by Alfred Bekker präsentiert, 2021.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Die Elfen der Dämmerung: 3 dicke Fantasy Sagas auf 1500 Seiten

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Die Dämmerschmiede

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Prolog

Schatten am Horizont

Rückkehr der Finsternis

Aufbruch ins Unbekannte

Ai'Lith, die ewige.

Barkon

Das Gehöft

Im Schneesturm

Der Fremde

Krieg und Frieden

In den Todessümpfen

Der Verrat

Die Zwergenkönige

Gefangen

Der Drachenreiter

Der Austausch

Drachenflug

Kenran'Del

Der Seelenstein

Nachtschatten

Verbranntes Land

Irrungen und Wirrungen

Die Nachtmahre

Ravenhorst

Die Dämmerschmiede

Der Überfall

Die Weltenbresche

Epilog I

Epilog II

Elfen gegen Orks: Die Saga um Ravic

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Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Godwin – Freund der Götter: Fantasy Saga Gesamtausgabe

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Godwins Traum vom Bund des Friedens – Teil 1

1

2

3

4

5

Godwins Pakt mit den Göttern – Teil 2

1

2

3

4

5

Godwin und die Diener des Bösen – Teil 3

1

2

3

4

5

Godwin bei den Ansibarii – Teil 4

1

2

3

4

Godwin und der unversöhnliche Fürst – Teil 5

1

2

3

4

Godwin und Richwin, der Wolf – Teil 6

1

2

3

4

Godwin und der Bund der Stämme – Teil 7

1

2

3

4

Godwin und die große Schlacht – Teil 8

1

 

2

3

Heimkehr unter schlechtem Stern – Teil 9

1

2

3

Die Flucht zu den Ansibarii – Teil 10

1

2

3

4

Godwin – verraten und verkauft – Teil 11

2

3

4

5

Der Wolf und die Schakale – Teil 12

1

2

3

4

Further Reading: Alle Orks! Sieben Fantasy Abenteuer

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Also By Frank Rehfeld

Also By Pete Hackett

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Die Elfen der Dämmerung: 3 dicke Fantasy Sagas auf 1500 Seiten


Von Alfred Bekker, Frank Rehfeld, Pete Hackett

Dieser Band enthält folgende Fantasy Sagas:

Frank Rehfeld: Die Dämmerschmiede

Alfred Bekker: Elfen gegen Orks – Die Saga um Ravic

Pete Hackett: Godwin – Freund der Götter

––––––––


Ravic ist der Sohn eines Orks und einer Elfin. Im Orkland verspottet man ihn deshalb als Elfensohn, bei den Elfen hingegen verachtet man ihn als Orkling. Ein tiefer Zorn erfüllt Ravic deshalb - ein Zorn, der ihn als Krieger zu einem Berserker macht. Ein blutiger Raubzug führt ihn ausgerechnet ins Herz des Elfenreichs...




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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVER: Ewan Morrisson und W.Oeckl Motive - Steve Mayer, 2020.jpg

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Dämmerschmiede


Die Legende von Arcana

Fantasy-Roman von Frank Rehfeld

Der Umfang dieses Buchs entspricht 574 Taschenbuchseiten.

Abgesehen von einzelnen Scharmützeln leben die Völker von Arcana friedlich miteinander. Jahrhundertealte Kriege zwischen den Elben und Barbaren der Südländer und Zwistigkeiten zwischen den Zwergen und Elben sind beendet. Nun bedroht Arcana eine neue, noch größere Gefahr, die alle Länder betrifft: Durch eine Weltenbresche sind furchterregende Ungeheuer nach Arcana gelangt, schwarze behornte Scheußlichkeiten, die geradewegs aus den Schründen der Hölle entsprungen zu sein scheinen, kommen, um alles Leben zu vernichten. Bereits tausend Jahre zuvor waren diese grauenhaften Kreaturen schon einmal in Arcana eingefallen. Seinerzeit hatten der Magierorden gemeinsam mit den Hexen Seite an Seite mit den Elben und Zwergen gegen die Invasoren gekämpft. Aber ohne den geheimnisvollen Kenran'Del wären sie verloren gewesen. Nun wurden die Damonen erneut zu Hunderttausenden durch eine Weltenbresche ausgespien und Arcana kann nur gerettet werden, wenn es gelingt, sie zu schließen ...




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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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Prolog


Der Wald wuchs besonders dicht hier im fruchtbaren Flachland rings um das Dorf, und die Kronen der knorrigen, uralten Bäume waren im Laufe der Jahrhunderte zu einem fast undurchdringlichen Dach zusammengewachsen, sodass es hier selbst am Tage nicht richtig hell wurde. Wie die Stützpfeiler eines gewaltigen Gewölbes ragten die Baumstämme in die Höhe. Das Unterholz darunter bildete eine düstere Wand aus dichtem, mehr als mannshohem Farn und ineinander verwobenen Schatten, die nicht nur das wenige herabsickernde Licht, sondern auch jeden Laut wie ein gewaltiger Schwamm aus gestaltgewordener Nacht zu verschlucken schien. Es war totenstill.

Selon verharrte.

Anfangs war er froh über den Wald gewesen, weil das Dickicht ihm Deckung bot, während er näher an das Dorf heranschlich, aber mit jeder verstreichenden Minute machte ihm die allgegenwärtige Stille mehr zu schaffen. Sie war unnatürlich, zu tief. Mit dem Säuseln des Windes in den Blättern waren auch all die Millionen anderen, einzeln kaum wahrnehmbaren Geräusche erstorben, die einen Wald gewöhnlich erfüllten. Kein Vogel sang, nirgendwo war auch nur das leiseste Rascheln im Unterholz zu hören. Es schien, als gäbe es kein einziges Tier mehr hier.

Noch vorsichtiger als bisher schlich Selon weiter. Er war einer der besten Späher der Elben, vielleicht sogar der beste überhaupt, und er verstand es, sich in den Schatten nicht nur fast unsichtbar, sondern auch nahezu lautlos zu bewegen. Allerdings eben nur nahezu. So behutsam er auch war, es ließ sich nicht verhindern, dass er gelegentlich Geräusche verursachte, und so leise das Rascheln der Pflanzen auch war, kam es ihm selbst vor, als müsste man es inmitten dieser Stille weithin hören können.

Dabei war eigentlich kaum zu erwarten, dass sich noch irgendwelche Feinde in der Nähe befanden. Es lag bereits Stunden zurück, dass er den Feuerschein am Himmel entdeckt hatte, und bereits vor weit mehr als einer Stunde war der Widerschein der Flammen vom intensiveren Rot des Sonnenaufgangs überdeckt worden. Wer immer das Dorf überfallen und niedergebrannt hatte - denn jede andere Erklärung für einen so gewaltigen Brand war kaum vorstellbar, vor allem nicht hier und nicht in der gegenwärtigen Situation -, war wahrscheinlich längst weitergezogen. Aus diesem Grund hatte er bis auf ein Messer seine Waffen bei seinem Pferd zurückgelassen, da ihn Schwert und Bogen beim Anschleichen nur behindert hätten. Gerade wenn die Angreifer sich wider Erwarten doch noch in der Nähe befinden sollten, war es wichtig, dass man ihn nicht entdeckte. Er war nur hier, um zu beobachten und Bericht zu erstatten, nicht um Rache zu üben. Ob mit oder ohne Waffen, er durfte sich auf keinen Fall auf einen Kampf gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner einlassen, wollte er nicht seine gesamte Mission gefährden.

 

Schließlich lichtete sich das Unterholz vor ihm, und als er durch eine Lücke in der grünen Wand spähte, sah Selon, dass seine schrecklichsten Befürchtungen sich bewahrheiteten. Vor Jahren, als er schon einmal hier in der Nähe gewesen war, hatte er Weidenau einen kurzen Besuch abgestattet. Es war nur ein kleines Dorf gewesen, kaum mehr als zwei Dutzend Häuser, bewohnt von einfachen Menschen, die selbst kaum genug zum Leben besaßen, ihn aber dennoch gastfreundlich aufgenommen hatten. Nun waren von dem Ort nur noch verkohlte Ruinen übrig; ausgeglühte und geschwärzt Skelette der Häuser und hier und da vereinzelte Balken, die wie Knochenfinger anklagend zum Himmel deuteten.

Mehr als eine Minute lang blickte Selon erschüttert auf das Bild der Zerstörung, das sich ihm bot. Trauer und Wut, die immer mehr in Hass überging, fochten einen erbitterten Kampf in seinem Inneren. Hass auf die mit so unglaublicher Brutalität vorgehenden Hornmänner, denn nur sie konnten für das Massaker verantwortlich sein. Der Überfall trug genau ihre Handschrift, auch wenn sie sonst noch nie so weit im Süden zugeschlagen hatten. Ihre Heimat war das Hügelland von Skant weiter im Norden, im Herzen der Nordermark, und dort besaßen sie mittlerweile eine beträchtliche Macht. Als sie vor einigen Jahrzehnten zum ersten Mal von sich reden gemacht hatten, hatte man noch geglaubt, sie wären nicht mehr als eine der vielen anderen in der Nordermark umherziehenden Räuberbanden, die Reisende, schwach geschützte Karawanen und abgelegene Gehöfte überfielen. Man hatte ihnen nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit gezollt, und das war ein verhängnisvoller Fehler gewesen, wie sich mittlerweile zeigte. Wenn man den spärlichen Berichten der ausgesandten Späher und Spione glauben durfte, handelte es sich um weit mehr als nur eine einfache Bande von Plünderern und Dieben. Die Hornmänner waren straff organisiert und wurden autoritär geführt, schlugen nicht willkürlich zu, sondern planten ihre Beutezüge mit militärischer Genauigkeit. Binnen kurzer Zeit war ein Großteil aller rivalisierenden Banden zu ihnen übergelaufen oder von ihnen zerschlagen worden. Schon dadurch stellten sie in den Hügeln von Skant eine gefürchtete Macht dar, der höchstens die wenigen größeren und stark befestigten Städte widerstehen konnten, und gerade deshalb hatten die Hornmänner dieses Gebiet bislang selten verlassen. Schon gar nicht hatten sie sich zuvor bis so weit in den Süden der Nordermark vorgewagt, fast bis zur Grenze zu den Barbarenländern, wo sie das Terrain nicht kannten und weit von jeder Verstärkung und ihrem Nachschub abgeschnitten waren.

Und doch konnten eigentlich nur sie für die gehäuften Überfälle in den letzten Wochen auf Gehöfte und kleine Dörfer hier in der Gegend verantwortlich sein, wegen denen man Selon und andere Späher hergeschickt hatte. Theoretisch war noch möglich, dass es sich um Raubzüge eines der kriegerischeren Barbarenvölker handelte, doch sprach die ungeheuere Brutalität dagegen, mit der die Überfälle ausgeführt wurden. Die Barbaren waren als harte und unnachgiebige Krieger berüchtigt, doch sie schlachteten keine Frauen und kleinen Kinder ab. Die Hornmänner hingegen hatten diesbezüglich keine Skrupel, denn ihr Ziel war es, nackten Terror zu verbreiten und durch die Kunde von ihrer Grausamkeit schon im Vorfeld jeden zu demoralisieren, der es wagte, ihnen Widerstand entgegenzusetzen.

Selon hatte in der vergangenen Woche fünf niedergebrannte Höfe entdeckt, und überall waren ausnahmslos alle Bewohner mit beispielloser Brutalität niedergemetzelt worden. Er zweifelte nicht daran, dass es auch in Weidenau nicht anders sein würde. Zumindest aus der Ferne war nicht mehr das geringste Lebenszeichen zwischen den ausgebrannten Ruinen zu entdecken, weder von den Angreifern noch von eventuellen Überlebenden. Um ganz sicher zu gehen und vielleicht endlich irgendwelche Spuren der Mörder zu entdecken, die eindeutige Beweise für ihre Identität liefern würden, blieb ihm jedoch nichts anderes übrig, als sich selbst ins Dorf zu begeben, und dieser Gedanke behagte ihm gar nicht. Er hatte in den letzten Tagen bereits zu viel Schreckliches gesehen, hatte zu viele offen zum Fraß für die Tiere liegen gelassene Leichen beerdigt. Es war eine Sache, von solchen Gräueln nur zu hören, aber eine ganz andere, sie selbst zu sehen und zu erleben; so viele Tote zu beerdigen, dass man irgendwann aufhörte, sie zu zählen, und seine Bewegungen nur noch ganz mechanisch verrichtete, um nicht schlichtweg den Verstand zu verlieren.

Doch das war nicht der einzige Grund für Selons Unbehagen; es gab noch einen weitaus pragmatischeren. Um das Dorf zu erreichen, musste er rund einen Kilometer über völlig freies Land zurücklegen, das ihm so gut wie keine Deckung bot.

Nachdem er die Ruinen mehr als zehn Minuten lang beobachtet hatte, war er sicher, dass die Angreifer längst weitergezogen waren und sich kein lebendes Wesen mehr dort aufhielt, dennoch zögerte er. Die unnatürliche Stille, die immer noch im Wald herrschte, beunruhigte ihn. Es schien, als halte die Natur selbst den Atem an, was an sich unmöglich war, doch er nahm dieses Warnsignal ernst. Irgendetwas stimmte nicht, auch wenn er keinerlei Hinweis auf eine konkrete Gefahr entdecken konnte, so lange er auch beobachtete und lauschte.

Selon beschloss, sich im Schutz des Unterholzes zunächst in einem Halbkreis nach Westen zu wenden, wo der Wald näher an das Dorf heranragte, sodass das freie Stück dazwischen nur noch wenige hundert Meter betrug.

Er hatte bereits den größten Teil der Strecke bis zu der Stelle, die er sich zum Verlassen des Waldes ausgesucht hatte, zurückgelegt, als er nicht weit entfernt ein leises Rascheln hörte. Sofort erstarrte er zur Bewegungslosigkeit und lauschte noch angespannter. Nach einer knappen Minute wiederholte sich das Rascheln, und gleich darauf vernahm er auch ein leises Keuchen. Es konnte sich um ein unterdrückstes Schluchzen handeln, vielleicht aber auch nur um einen schweren Atemzug. Selon zog sein Messer. Mit äußerster Vorsicht, darauf bedacht, selbst keinerlei Geräusch zu verursachen, schlich er weiter.

Vor ihm schimmerte etwas Helles durch das Unterholz. Selon atmete tief durch, dann spannte er seine Muskeln an, sprang vor und warf sich mit einem weiten Satz auf die Gestalt, die vor ihm im Unterholz kauerte. Mit dem linken Arm presste er sie zu Boden und riss das Messer, das er in der rechten Hand hielt, zum Stoß hoch.

Ein heller, von panischem Schrecken erfüllter Schrei drang an seine Ohren, und im gleichen Moment erkannte er, dass er es nur mit einem vielleicht zehn- oder elfjährigen Mädchen zu tun hatte. Es trug ein schmutziges, schlichtes Gewand. Seine langen blonden Haare waren zerzaust und voller Erdklümpchen. Mit vor Angst und Entsetzen weit aufgerissenen Augen starrte die Kleine ihn an. Verlegen ließ Selon das Messer sinken.

Kaum hatte er das Mädchen losgelassen, sprang es auf und versuchte wegzurennen. Reaktionsschnell griff er zu, bekam ein Fußgelenk der Kleinen zu packen und brachte sie erneut zu Fall. Sie schrie, begann sich wie eine Wildkatze zu winden, trat und schlug blindlings um sich. Selon bekam einen schmerzhaften Tritt ins Gesicht, hielt sie aber weiterhin eisern fest. Er beugte sich vor, packte die Handgelenke der Kleinen und drückte sie zu Boden.

"Ruhig, ganz ruhig", sprach er auf sie ein. "Du bist in Sicherheit. Niemand wird dir mehr etwas tun."

In jedes Mal leicht abgewandelter Form wiederholte er die Worte wieder und wieder, bis sie schließlich aufhörte, sich gegen ihn zu wehren. Regungslos blieb sie liegen, starrte ihn aber weiterhin aus weit aufgerissenen und angsterfüllten Augen an, ohne ihn jedoch überhaupt richtig wahrzunehmen. Ihr Blick schien geradewegs durch ihn hindurch in weite Ferne gerichtet zu sein. Alle paar Sekunden stieß sie ein leises, panikerfülltes Wimmern und Schluchzen aus.

"Ganz ruhig", sagte er noch einmal. "Hab keine Angst, ich tue dir nichts. Ich bin keiner von denen, die euer Dorf überfallen haben."

Es gab für Selon keinen Zweifel, dass die Kleine aus Weidenau stammte. Irgendwie hatte sie den Überfall überlebt, war bis in den Wald geflohen und hielt sich seither hier versteckt. Was sie gesehen hatte, war zu viel für ein kleines Mädchen wie sie gewesen und hatte ihr einen Schock versetzt. Für ihn jedoch war sie ungeheuer wichtig, der erste lebende Zeuge, den er entdeckte.

"Du bist in Sicherheit. Niemand wird dir mehr etwas tun", redete er weiter auf sie ein. "Du brauchst keine Angst zu haben."

Er war sich nicht sicher, ob sie überhaupt hörte, was er sagte. Es war möglich, dass sich ihr Verstand durch den Schock soweit von der Wirklichkeit zurückgezogen und abgekapselt hatte, dass sie gar nicht mehr richtig wahrnahm, was um sie herum geschah. Vielleicht hatte sie aufgrund der erlittenen Schrecken ihren Verstand sogar verloren, und es gab keine Möglichkeit mehr, zu ihrem Geist vorzudringen. In diesem Fall wäre sie als Zeugin nutzlos, doch das war nicht der einzige Grund, aus dem dem er hoffte, dass es nicht so schlimm wäre.

Nach einigen Minuten schließlich begann sie sich zu seiner Erleichterung zu beruhigen. Selbst wenn sie nicht verstehen mochte, was er sagte, so verfehlte zumindest der sanfte Klang seiner Stimme seine Wirkung nicht. Ihr Wimmern verstummte, ihr verkrampfter Körper entspannte sich ein wenig, und schließlich klärte sich ihr Blick soweit, dass sie ihn nun direkt ansah.

"Die ... die Ungeheuer!", keuchte sie. Wieder flackerte für einen kurzen Moment Panik in ihrem Blick auf, und sie blickte sich gehetzt um.

"Sie sind fort", behauptete Selon. Er ließ sie los und setzte sich neben ihr auf den Boden. "Ich bin Selon vom Volk der Elben. Und wie heißt du?"

"Cara", antwortete das Mädchen. "Du bist wirklich ein Elbe?" Einen Moment lang musterte es ihn neugierig, sein fein geschnittenes Gesicht, das lange silbergraue Haar und seine spitz zulaufenden Ohren, doch gleich darauf ließ es seinen Blick wieder ängstlich umherwandern. Was die Kleine mitangesehen hatte, musste furchtbar gewesen sein, und es würde lange dauern, bis sie über dieses schreckliche Erlebnis hinwegkam. Wenn überhaupt. Vermutlich würde sie die seelischen Narben, die sie erlitten hatte, für den Rest ihres Lebens mit sich herumtragen.

"Das bin ich", bestätigte er. "Und du bist also Cara. Das ist ein hübscher Name. Hör mir gut zu, Cara, auch wenn du dich nicht daran erinnern möchtest, du musst mir erzählen, was passiert ist. Wer hat euer Dorf überfallen?"

"Ungeheuer!", stieß das Mädchen hervor. "Es waren ... Ungeheuer. Monster."

"Männer in Rüstungen aus schwarzen Hornschuppen?", hakte Selon nach.

"Nein." Cara schüttelte heftig den Kopf. "Richtige Ungeheuer. Ich ... ich habe so etwas noch nie vorher gesehen. Sie hatten ... viel zu viel Arme und Beinen, fast wie riesige Spinnen. Oder Ameisen. Aber sie ... sie sahen noch viel schrecklicher aus. Als wären sie direkt ... aus der Hölle gekommen."

Selon überlegte blitzschnell. Er war nicht sicher, was er von der Schilderung halten sollte. In ihren monströsen Rüstungen mochten die Hornmänner wie Ungeheuer erscheinen, aber Caras Beschreibung passte absolut nicht auf sie, auf überhaupt keine Wesen, die er jemals gesehen oder von denen er gehört hatte. Aber anderseits war sie verwirrt und stand immer noch unter einem schlimmen Schock. Möglicherweise hatte sie die Angreifer gar nicht richtig gesehen und schmückte ihr Aussehen unbewusst mit dem irgendwelcher Fantasiemonster aus ihren Alpträumen aus.

"Und was ist dann passiert?", fragte er.

"Sie ... sie waren auf einmal da. Ganz plötzlich", berichtete sie stockend. "Ich habe schon geschlafen, aber meine Eltern ... sie haben mich mit einem Mal geweckt und aus dem Bett gezerrt. Wir ... sind ins Freie gelaufen, aber die Ungeheuer ... sie waren schon überall." Cara schluchzte, und Tränen liefen ihr über die Wangen. "Wir ... wir haben es irgendwie aus dem Dorf geschafft, aber kurz, bevor wir den Wald erreichten, haben sie uns eingeholt und ... ich bin gefallen und unter einen Busch gerollt", stieß sie weinend hervor. "Da haben sie mich wohl nicht gefunden ... oder sie haben mich für tot gehalten. Aber meine Eltern ..." Von einem erneuten Weinkrampf geschüttelt, brach sie ab und schluchzte nur noch.

"Arme Kleine", sagte Selon mitfühlend, strich ihr mit der Hand über das Haar und wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht. Obwohl es noch vieles gab, was ihn interessiert hätte, verzichtete er darauf, ihr weitere Fragen zu stellen, mit denen er sie nur quälen würde. "Ich werde ins Dorf gehen", sagte er stattdessen, als das Schweigen nach einiger Zeit unangenehm zu werden begann. "Ich muss ..." Er sprach nicht weiter, weil er es nicht fertigbrachte, ihr zu sagen, dass er vorhatte, die Leichen zu beerdigen.

"Nein!", keuchte sie entsetzt, packte mit beiden Händen seinen Arm und klammerte sich daran. "Nein, das darfst du nicht! Du darfst nicht hingehen!"

"Es geht nicht anders", behauptete er. "Aber ich komme so schnell wie möglich zurück, das verspreche ich dir."

"Nein!", rief Cara noch einmal. Ihr Blick flackerte. Obwohl sie nur ein kleines Mädchen war, drückte sie seinen Arm so fest, dass ihre Finger ihm wehzutun begannen. "Du darfst nicht weggehen!"

"Aber es muss sein", erklärte Selon eindringlich. Mit sanftem Druck löste er ihren Griff. "Aber es ist besser, wenn du hier wartest. Glaub mir, ich werde wiederkommen."

"Ich bleibe nicht hier. Eher komme ich mit", verlangte sie. "Du darfst mich nicht allein lassen!"

"Nur ein oder zwei Stunden höchstens", behauptete Selon. Er wollte nicht, dass Cara ihn begleitete, wenn er die Gräber aushob, doch er konnte verstehen, dass sie nicht allein zurückbleiben wollte. Dennoch musste es sein.

"Ich bleibe nicht hier", beharrte sie mit der Kindern eigenen Sturheit. "Wenn du gehst, dann komme ich mit. Versuch gar nicht erst, mich davon abzubringen. Ich gehe mit dir."

Selon erkannte, dass er sie nicht würde umstimmen können. Um sie davon abzuhalten, ihn zu begleiten, müsste er sie schon festbinden. Er mochte Kinder, aber er hatte wenig Erfahrungen mit ihnen und konnte nicht richtig mit ihnen umgehen, wie ihm jetzt überdeutlich bewusst wurde. Ihre ganze Art zu denken war ihm fremd, weshalb er sich hilflos fühlte. Aus diesem Grund verunsicherte ihn die ganze Situation, in der er sich jetzt befand.

Er konnte höchstens selbst auch darauf verzichten, nach Weidenau zu gehen, sondern Cara stattdessen erst nach Ai'Lith, zur Hohen Festung der Elben bringen, oder zumindest in die nächste größere Stadt, und anschließend erst zurückkehren, um die Toten zu begraben und seine Nachforschungen fortzusetzen. Aber er hatte bislang noch keinen konkreten Hinweis auf die Identität derer, die für die Überfälle verantwortlich waren, und eventuelle Spuren könnten bis zu seiner Rückkehr von Wind und Regen verwischt worden sein. Außerdem würde es ihm zutiefst widerstreben, die Leichen tagelang einfach so liegen zu lassen, auch wenn die Lebenden für ihn in jedem Fall Vorrang vor den Toten hatten.

"Was du zu sehen bekommst, wird bestimmt sehr schlimm für dich werden", unternahm er einen letzten Versuch, sie umzustimmen, auch wenn er wusste, dass es nichts mehr nutzen würde. "Es gibt mit Sicherheit viele Tote in Weidenau, all die Menschen, die du kennst."

Cara schluckte schwer, dann nickte sie und senkte den Kopf. Ihr Gesicht sah kalkweiß aus. "Ich weiß", murmelte sie. "Aber ich ... ich halte das schon aus. Das ist nicht so schlimm, als allein hier zurückzubleiben."

"Also gut", sagte Selon seufzend. "Dann komm. Bringen wir es schnell hinter uns."

Er stand auf, und sie erhob sich ebenfalls. In einer rührenden Geste schob sie ihre Hand in die seine. Immer wieder blickte er sich aufmerksam um, als sie den Schutz des Waldes verließen. Ein paar dunkle Punkte am Himmel erregten für einen Moment seine Aufmerksamkeit; drei sehr hoch fliegende und anscheinend ziemlich große Vögel. Sonst war nirgendwo ein Lebewesen zu entdecken.

Sie hatten etwa die halbe Strecke bis zum Dorf zurückgelegt, als Selon erneut hochblickte und feststellte, dass die Vögel verschwunden waren, doch er schenkte dieser Tatsache keine weitere Beachtung. Seine Aufmerksamkeit galt in erster Linie den Ruinen vor ihm, wo es aber auch weiterhin keinerlei Anzeichen von Leben gab.

Wenige Sekunden später stieß Cara einen entsetzten Schrei aus. Selon fuhr herum. Pfeilschnell kamen die drei Wesen, die er zuvor hoch über ihnen am Himmel entdeckt hatte, vom Waldrand aus auf sie zugeschossen, doch anders, als er zunächst gedacht hatte, waren es keine Vögel. Es handelte sich um überhaupt keine Wesen, wie er sie jemals zuvor gesehen hatte. Sie waren nahezu mannsgroß, mit feingliedrigen, fast zierlichen Körpern, die von einem Panzer aus schwarzen Schuppen bedeckt waren und in einem peitschenartigen Schwanz endeten. Während des Fluges schlugen sie mit ihren dunklen, gezackten Schwingen, die doppelt so groß wie ihr eigentlicher Körper waren. Vier Extremitäten entwuchsen ihrem Leib; zwei kurze Beine und zwei noch kürzere, fast stummelartige Arme, die alle vier in furchteinflößenden, rasiermesserscharfen Krallen endeten. Ihre insektenhaften Gesichter entstammten geradewegs aus einem Alptraum. Sie schienen fast nur aus zwei rotglühenden, tückisch funkelnden Augen und einem riesigen Maul zu bestehen, aus dem zwei Doppelreihen spitz zulaufender Reißzähne herausragten.

Einen Moment lang starrte Selon den drei Kreaturen vor Schrecken wie gelähmt entgegen. Als er seine Erstarrung endlich überwand, warf er sich nach vorne und riss dabei auch Cara mit sich zu Boden, doch es war bereits zu spät. Noch während er fiel, spürte er einen reißenden Schmerz im Rücken, als die Krallen eines der Ungeheuer ihn streiften, sein ledernes Wams und das Hemd darunter aufschlitzten und sich tief in seine Haut bohrten.

Dennoch hatte er Glück im Unglück, während es Cara wesentlich schlimmer erwischte. Sie schrie erneut, diesmal nicht nur vor Schreck, sondern auch vor Schmerz. Während das Ungeheuer, das es auf ihn abgesehen hatte, ihn nicht richtig zu packen bekommen hatte, hatte eines der beiden anderen seine Krallen tief in Caras Schultern gebohrt und hob sie mit sich in die Höhe. Verzweifelt versuchte Selon sie festzuhalten, doch er war nicht stark genug. Ihre Hand wurde aus der seinen gerissen.