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Impressum

Satz & Gestaltung: Verena Kessel


ISBN Hardcover-Buch 978-3-86476-139-3
ISBN E-Book EPUB 978-3-86476-668-8
ISBN E-Book PDF 978-3-86476-669-5


Verlag Waldkirch KG Schützenstraße 18 68259 Mannheim Telefon 0621-12 91 5 0 Fax 0621-12 91 599 E-Mail: verlag@waldkirch.de www.verlag-waldkirch.de

© Verlag Waldkirch Mannheim, 2020

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Verlags.

Adax Dörsam

ODYSSEE

Ein Corona-Logbuch


„Nichts ist, wie es scheint“ Platon

Ein Danke an:

Kapitän Morten Hansen und Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka für ihren heldenhaften Einsatz.

Jörg-Peter Klotz, „Mannheimer Morgen“, Thomas Veigel, „Rhein-Neckar-Zeitung, Anna Springfeld, Julia Prosinger „Tagesspiegel“, Fran Rimrod, „Western Australien“ und an Diana & Heiko Nischan.

Danke Phoenix Reisen, danke Deutschland, danke Australien für die Evakuierung!

Danke an meine Frau Edith Unrath-Dörsam, die alles mit großer Gelassenheit mitgetragen hat – und mich mit „Stadt, Land, Fluss“ im Fluss gehalten hat …

Inhalt

LOGBUCH Sydney

LOGBUCH Seetage

LOGBUCH Fremantle

Was später geschah

Flugzeugstudien

Kreuzfahrt

Nach–Denkliches

MS Artania

Adax Dörsam Biografie


Im Anflug auf Sydney Foto: E. Unrath-Dörsam

LOGBUCH Sydney
Einführung

Am 5. März 2020 hatten wir noch ein großartiges Konzert in Deutschland: Mit der BluesRockBand „Rock Four“ rockten wir in Lampertheim vor gut besuchtem Haus kräftig ab. Danach begann es in Deutschland mit Absagen von Live-Events, die Gefährlichkeit von Corona wurde immer klarer. Schlechte Aussichten für Musikanten … Ich blickte voraus auf die anstehende Südsee-Reise und hoffte sehr, wir könnten Corona umschiffen! Und was ich so hörte, schien das zu bestätigen: Corona war kein großes Thema in Australien. Tom Hanks hatte sich zwar bei Dreharbeiten infiziert. Aber das war nur eine Randnotiz. Die Regierung wie auch die Bevölkerung demonstrierten Gelassenheit.

Mi, 11.3. – Fr, 13.3.2020

Unsere Reise „Südseeträume“ ist meine 13. Kreuzfahrt und startet mit dem Flug BA 911 von Frankfurt nach London; am Freitag, dem 13. März, landen wir nach einem Zwischenstopp in Singapur in Sydney. Nach dem Einchecken auf dem Schiff eine Kurzvisite im wunderschönen Zentrum von Sydney. Einfach herrlich, australische Luft zu schnuppern; ein sympathisches Volk im Feiermodus! Ein superfreundlicher Australier aus Schweden repariert meine Ray-Ban umsonst; trotz des regnerischen Wetters erscheint alles locker und heiter. Am Abend auf dem Schiff kommen dann allerdings unangenehme Meldungen in Serie: Ein Hafen nach dem anderen war geschlossen worden, unsere Südsee-Reiseziele sind jetzt unerreichbar. Bei unserem nächtlichen Stelldichein achtern an der Phoenixbar macht sich Galgenhumor breit.

Sa, 14. 3.2020

Sydney, Oxford Street

Ab heute wird es zur Routine: Kapitän Morten Hansen und Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka halten mehrfach am Tag eindringliche Ansprachen, dass man sich unbedingt oft und gründlich die Hände waschen und desinfizieren solle. Auch zu mehr Abstand zwischen den Passagieren wird eindringlich aufgerufen.


Shop in der Oxford Street Foto: E. Unrath-Dörsam


Adax in Darling Harbour Foto: E. Unrath-Dörsam


Edith in Darling Harbour Foto: A. Dörsam

Wir besuchen die Oxford Street, die Heimat der Individualisten und Sonderlinge Sydneys. Viele kleine Geschäfte, Graffitis, coole Freaks, ein bisschen wie die Neckarstadt in Mannheim oder die Neustadt in Dresden. Da kann man verweilen, herrlich! In einem gemütlichen Café treffen wir einen jungen Italiener, der nicht mehr in seine Heimatstadt Mailand zurückfliegen kann. Italiener haben schlechte Karten in diesen Tagen …

Nach der Rückkehr auf das Schiff um 18:00 dann Gegenwind der Australier: Wir sollen unverzüglich den Hafen verlassen und auf Reede gehen. Unser standhafter Kapitän Morten Hansen weigert sich – da müsse schon die australische Marine anrücken, freiwillig verlasse er den Liegeplatz nicht. Erst brauchen wir Ersatz für etliche Tonnen Nahrungsmittel, die in Auckland für uns bereit stehen und jetzt da versauern; alle neuseeländische Häfen sind gesperrt. Gestern noch beliebte Touristen – heute eine Seuchengefahr …

Unsere ursprüngliche Südseereise ist geplatzt. Wir haben die Wahl, gleich wieder zurückzufliegen oder mit der Artania nach Bremerhaven zu schippern. Eine ungeheure Anspannung liegt in der Luft. Hier die „worst case“-Überlegungen:

Variante 1:

Gleich wieder zurückfliegen, mit ungewissem Ausgang: Gibt es überhaupt einen Flug? Klappt der Transfer zum Airport? Wo ist die Zwischenlandung? Kommt man von da wirklich weiter nach Deutschland? Oder endet der Flug in der Transitzone irgendeines Flughafens …

Variante 2:

Mit der MS Artania direkt von Sydney nach Bremerhaven. Was ca. 28 Seetage ohne Landkontakt bedeutet. Die Risiken: Welche Route geht überhaupt noch – muss nachgetankt werden? Sind genug Getränke und Essen an Bord? Halten die Maschinen so lange Fahrten ohne Unterbrechungen aus? Was, wenn auf dem Schiff Corona ausbricht?

Ich bin wie Kapitän Morten Hansen Optimist; er hat versichert, dass eine Rückfahrt nach Bremerhaven kein Problem wäre – natürlich nur ohne Corona … Aber ich durchdenke auch gerne die ungünstigen Variationen und freue mich dann umso mehr, wenn es gut läuft! Wir haben uns – wie fast alle anderen Künstler an Bord auch – für das Weiterfahren auf dem Schiff entschieden.

So, 15. 3. 2020

Sydney, Darling Harbour

Wir hatten uns für zwei Tage angemeldet in Australien – heute ist der dritte. Die Sonntagssonne scheint über Sydney. Wir machen einen Ausflug zum Stadtteil „Darling Harbour“, ein großes Erholungsgebiet mit zahlreichen Hotels, Restaurants, Shoppingcentern, Theatern, Museen und Unterhaltungszentren mit einem historischen Hafen.

Abends auf dem Schiff lerne ich Leute aus Schannenbach kennen. Hier am anderen Ende der Welt treffe ich Odenwälder aus einer wirklich winzigen Ortschaft bei uns; unfassbar!

„Schannenbach ist überall!“

Dann neue Nachrichten: Es gibt einen Flug für die Reiseabbrecher. Und wir Weiterfahrer stechen am Mittwoch nach der Aufnahme von Nahrungsmitteln und Diesel Richtung Bremerhaven in See. Um 22:00 wechseln wir auf Anweisung der Australier den Liegeplatz, grade mal 500 m weiter legen wir wieder an. Komisch.

Mo, 16. 3. 2020

Sydney, Queen Victoria Building

Australien reagiert auf Corona: Die Titelseiten der australischen Zeitungen sind voll mit Meldungen wie „Ships banned“ oder „Corona Crisis: Two people died.“ Wir waren eines der letzten Schiffe, die noch in Sydney anlegen durften. Besonders bitter ist die Lage eines MSC-Schiffs: Direkt auf dem Premiumplatz vor der Oper – allerdings auf Reede, die Kaimauer ist 300m entfernt – guckten die Passagiere dieses Dampfers sehnsüchtig an Land zur berühmten Oper …

 

Sehr merkwürdig: an unserem neuen Liegeplatz gibt es keine australischen Kontrollen mehr. Trotz der beginnenden Coronakrise können wir uns auch heute noch frei im sonnigen Sydney bewegen. Wir flanieren durch die Innenstadt, auffällig ist das „Queen Victoria Building“: ein prachtvolles Gebäude im viktorianischen Stil aus dem Jahre 1898. Es besticht durch seine reich verzierte Kuppel von 60 Metern Höhe und seine auf vier Etagen verteilten Boutiquen, Restaurants und gemütlichen Cafés. Das Gebäude ist so groß, dass es einen ganzen Block zwischen der George Street, Market Street, York Street und Druitt Street einnimmt. Wunderschön sind auch die Mosaikböden. Früher war dieses Gebäude eine Konzerthalle, seit den 1980er Jahren ist es ein Einkaufszentrum.

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