ÜBERLEBEN

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ÜBERLEBEN
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Thomas GAST

ÜBERLEBEN

Tipps und Ratschläge für Journalisten und Reporter in Krisen- und Kriegsgebieten.

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

HAFTUNGSAUSSCHLUSS

IMPRESSUM

TITEL

ICH DENKE, DASS SIE VERRÜCKT SIND

ÜBER DAS BUCH

DEFINITION

EIN MANN OHNE KOPF

DIE OFFENSIVE BERICHTERSTATTUNG

WANTED

DAS PRINZIP

DEN AUGENBLICK ÜBERLEBEN

SCHUTZKLEIDUNG UND WEITERE VERHALTENSTIPPS

IHRE PERSÖNLICHE CHECKLISTE

TRAINING, KURSE UND VERSICHERUNGEN: WIE KANN ICH MICH VORBEREITEN?

WEITERE FRAGEN, DIE ES ZU KLÄREN GILT

ÜBER WAS SOLLTEN SIE SICH UNBEDINGT INFORMIEREN?

DIE GEFAHREN AUF EINEM BLICK

SNIPER ODER SCHARFSCHÜTZENFEUER. Was ein Journalist in Krisengebieten darüber wissen sollte.

ARTILLERIE UND MÖRSER-BESCHUSS

HINTERHALTE UND IED’S

MINEN (LANDMINEN)

EINIGE WEITERE TIPPS

IHR GRAB-BAG

JOURNALISTINNEN

KIDNAPPING

RICHTIGES VERHALTEN BEI ENTFÜHRUNG (KIDNAPPING) UND GEISELNAHME

DIE PSYCHOLOGISCHE BETREUUNG

WE SICH UNNÖTIG IN GEFAHR BEGIBT, IST EIN NARR.

ANGST UND WIE WIR SIE ÜBERWINDEN.

ANGRIFF IST DIE BESTE VERTEIDIGUNG

BUCHTIPP

Impressum neobooks

HAFTUNGSAUSSCHLUSS

Autor und Verlag übernehmen keinerlei Haftung für eventuelle Schäden, egal welcher Art, die durch das Anwenden oder das Nichtanwenden der im Buch beschriebenen Techniken im Allgemeinen oder durch das falsche und missbräuchliche Anwenden derselben im Speziellen entstehen könnten. Einige der in Wort und Bild gezeigten Maßnahmen und Erläuterungen beziehen sich auf ein angenommenes Krisenszenario. Sie stellen insofern weder eine Beratung noch eine Handlungsanweisung dar. Rechts- und Schadenersatzansprüche sind ausgeschlossen.

IMPRESSUM

© 2019 Thomas Gast. Autor.

https://thomasgast.com/

Mail – thomaslegion@rocketmail.com

Tel – 0921 4600 8002 (Bayreuth).

TITEL

ÜBERLEBEN: There is no story worth getting killed for - Tipps und Ratschläge für Journalisten und Reporter in Krisen- und Kriegsgebieten.

Heldentum zeichnet sich nicht durch ein Fehlen von Angst aus, sondern durch die Umwandlung dieser Angst in Taten.“ (Zitat von Doric Germain).

ICH DENKE, DASS SIE VERRÜCKT SIND

Sie ahnen, dass es nicht nur diese eine – UNSERE – Wahrheit gibt, sondern noch eine andere, die da draußen nämlich, ganz weit weg vom sauberen Parkett? Sie sollten daheim bei Ihrer Tochter, bei Ihrem Sohn, bei Ihrer Frau sein. Doch Ihr Leben ist ein gewollter Kreuzzug, um diese andere Wahrheit zu finden und zu verbreiten. Ihr Leben ist eine umherreisende Wundertüte, von der Sie nie wissen, was als nächstes daraus zutage gefördert wird: Kongo, Afghanistan, Pakistan, Irak, Elfenbeinküste, Somalia. Sie sind Journalist. Sie sind Kameramann. Sie sind Berichterstatter. Sie sind Kriegsreporter. Adrenalin ist Ihre einzige Droge? Schmuddelige Hotels, in denen sich nur Journalisten aufhalten, überfüllte, laute Flughäfen und staubige, unsichere Straßen – nur hier fühlen Sie sich zu Hause? Stellen Sie sich selbst folgende Frage: Warum will ich eine Story machen, den Konflikt mit meinen Filmen, Fotos und Berichten abdecken? Warum mein Leben für ein Foto, für eine Reportage, für einen Moment der demonstrierten und von mir, oder durch mich, anderen zugänglich gemachten Ungerechtigkeit riskieren? Liegt die Antwort in Ihnen selbst? Waren Sie als Kind eine Art E.T., ein Allien, scheu und introvertiert, und wollen nun beweisen, was in Ihnen steckt, zeigen, wie mutig Sie als Mann doch sein können?

Ja?

Dann lassen Sie sich von mir die Frage gefallen, ob Sie außer Dienst, daheim und in Sicherheit (in der biederen Normalität) Ihr Leben im Griff haben. Oder schaffen Sie das tatsächlich nur, wenn Sie im Einsatz sind?

Stimmt?

Die Lust, den kleinen Koffer wieder zu packen und zu reisen, ist verlockender, als das Bedürfnis, einige unvergessliche Tage mit der Familie zu verbringen?

Ist das richtig?

Fühlen Sie sich am Einsatzort lebendig? Lebendig, weil Sie dem Tod ins Auge blicken? Setzen Sie sich selbst in Szene, wenn Sie filmen, fotografieren oder berichten?

Ist es so?

Wie viel Hauch von … ich liebe die Gewalt, den Tod und das Leiden, das der anderen und mein eigenes … steckt in Ihnen?

Nicht gerade wenig?

Gut. Ich denke, das ist ein Versagen Ihres Ich’s. Ich denke, dass Sie verrückt sind!

ÜBER DAS BUCH

Was wäre schlimmer als nichts über einen Konflikt zu erfahren? Die Zahl gewaltsamer Krisen und Kriege nimmt ständig zu. Viele Gebiete, in denen Krieg tobt, sind zur No-go-Area, zum militärischen Sperrgebiet erklärt worden. Zu einem Gebiet, das nur die untereinander rivalisierenden Faktionen betreten dürfen. Aber: Die Welt außerhalb dieser Gebiete dürstet nach Informationen, nach Bildern und nach Schreckensnachrichten. Wer kämpft gegen wen? Wie viele Menschen, teilweise unschuldig, sind auf Nimmerwiedersehen in dunklen Gefängnissen verschwunden und wie viele Tote (oder Verletzte), wie viele Explosionen und Anschläge hat es an einem Tag denn wirklich gegeben? Welches himmelschreiende Unrecht ist bereits geschehen oder noch im Gange? Diejenigen, die uns über die Geschehnisse aufklären und die uns mit Bildern, Fakten und Informationen versorgen, leben gefährlich: Unsere Journalisten! Die Angst ist ihr ständiger Begleiter, ihre Berufs-Ethik das Öl im ständig laufenden Motor. Ihre Drogen heißen Ungewissheit, Adrenalin, hartes Feldbett. Um zu ´sehen` und dann über den Ist-Zustand vor Ort zu berichten, setzen sie ihr Leben aufs Spiel. Manchmal betreten sie militärisches Sperrgebiet versehentlich, oft müssen sie illegal einreisen, erst Niemandsland und dann mit Stacheldraht gekrönte Grenzzäune überwinden, dazu stunden- ja tagelange brutale Fußmärsche hinter sich bringen. Die Risiken, die sie dabei eingehen, sind nicht immer kalkulierbar und so wird ihr Einsatz oft zum Horrortrip. Dieses Buch ist ein Ratgeber, wie ihre Risiken überschaubarer werden und wie sie mit der Angst umgehen können.

DEFINITION

Für den Laien ist die Abgrenzung der Begriffe Reporter, Journalist, Fotojournalist, Korrespondent, Auslandskorrespondent, Kriegsreporter, Berichterstatter oder Embedded Journalist nicht immer sichtbar. Zumindest sind die Begriffe oft unzureichend erklärt. Zur Vereinfachung nenne ich sie in dieser Abhandlung wiederholt einfach: Journalisten.

EIN MANN OHNE KOPF

Von 1985 bis 2002 war ich Berufssoldat in der Fremdenlegion. Als solcher rannte ich wie ein Verrückter von einem ´Schlachtfeld` zum Nächsten: Grenzkonflikt in Französisch-Guayana / Suriname 1986; Einsatz gegen Wilderer in der Zentralafrikanischen Republik 1988 und 1995; Bürgerkrieg in Dschibuti 1991 – 1994; Militäroperation Épervier im Tschad 1991; Krieg in Bosnien 1992; wieder Zentralafrikanische Republik 1996; Bürgerkrieg im Kongo 1997 … und ich erspare mir den Rest. Ständig mit Gewalt, mit Hass, mit unmenschlichen Dramen und menschlicher Misere, mit Recht, meistens aber mit Unrecht konfrontiert, forderte mein Beruf auf täglicher Basis das von mir, was auch auf dem Dienstplan eines Kriegsreporters stehen dürfte: die ständige Bereitschaft bis ans Limit des Erträglichen zu gehen. Und darüber hinaus! Eines nämlich, ist gewiss: der Beruf des Soldaten, und der, des Journalisten in Krisen- und Kriegsgebieten, sind sich ähnlich. Zumindest aber besteht eine direkte Abhängigkeit. Unsere Metiers üben wir mit gespielter Leidenschaft und mit einer nicht verhandelbaren Entschlossenheit aus. Wir, die harten Hunde, glauben fast verzweifelt an das Gute unserer Aktionen. Unser Handeln stärkt uns mit jedem Einsatz etwas mehr. Denken wir. Die Wahrheit aber ist, es stärkt nur unsere äußere, die sichtbare Fassade. Die Leere, die wir in uns tragen, füllt es nicht. Und wenn unsere Zeit in der Armee, und die, in den Redaktionsstuben rum ist, dann sind wir schrecklich allein. Es ist vorbei. Die Maske wurde uns für immer vom Gesicht gerissen.

 

FLASHBACK …

Am Straßenrand liegt ein Mann. Er war angezogen, recht schick sogar, doch etwas fehlte. Sein Kopf. Zulu-Rebellen hatten ihn mit einer Machete enthauptet. Etwas weiter an einem Checkpoint wird ein etwa siebzehnjähriger Junge brutal auf die Knie gezwungen und mit einem Schuss ins Genick exekutiert. Das geschieht, bevor wir eingreifen können. Angeblich, so erklärte man uns später, hatte er an der Plünderung eines Supermarktes teilgenommen. Der Hunger war sein Verhängnis. Hunger? Den hat hier jeder. Man hungert nach Frieden, nach Ruhe, nach einem Leben in Eintracht. Wir fahren weiter. Kurz vor einer Kreuzung, es ist die ´Carrefour De La Patte-d'Oie`, an der es entweder zum Flughafen Maya Maya oder in die Rue Makabana geht, einer Straße, in der später ein russisches Restaurant das Licht des Tages erblicken sollte, liegen zwei nackte Menschen, eine Frau und ein Mann. Ihre aufgedunsenen Bäuche und grotesk verdrehten Gliedmaßen schimmern weiß in der bleiernen Mittagssonne. Große grüne Fliegen haben sich darauf niedergelassen. Eine Ameisenkolonne krabbelt direkt darauf zu. Für sie ist es ein Festmahl. Der Geruch, den die Leichen verströmen, süß, schwer, unerträglich, ist harter Tobak.

Eine Szene aus einem Film?

Nein!

Alles ist echt!

Dem Journalisten und Haudegen Yves Debay scheint das nichts auszumachen. Kühl und professionell schießt er ein Foto nach dem anderen. Er war darauf vorbereitet, hat schon Schlimmeres gesehen. Es ist Mitte Juni, 1997. Meine Einheit ist im brodelnden Hexenkessel von Brazzaville (Kongo) direkt am Pool Malebo (früher Stanleypool, nach Henry Morton Stanley) engagiert. Dort herrschen kriegsähnliche Zustände. Wir sind jeden Tag in Scharmützel verwickelt, kurz: es ist ein gefährliches Pflaster. Wie üblich kommt es gleich zu Beginn zu einem regelrechten Ansturm durch die, in der Mehrzahl französischen Auslands- Krisen und Kriegsreporter: Alle wollen hautnah berichten. Yves Debay, über den das französische Magazin Marianne später schreiben sollte ´er liebte den Krieg, die Soldaten, den Geruch des Schießpulvers und das Bier`, ist einer von ihnen. Er ist embedded (eingebettet in unser Regiment, hat also direkten Zugang zu allen Kriegsschauplätzen), arbeitet aber in eigener Sache für das Magazin RAIDS, (Yves gründet im Jahr 2008 auch das Magazin ASSAULT.)

Die Krisen- und Kriegsberichterstattung hat er seit seiner Jugend im Blut und bei der Fremdenlegion war er ein Urgestein, denn er berichtete nicht zum ersten Mal über uns, besser gesagt aus unserer Mitte heraus, über einen blutigen Krieg. Wie eine Hyäne des Zeitgeschehens folgte er den Spuren menschlicher Perversität. Und pervers ist Krieg allemal. Der Zufall wollte, dass er diesmal mit mir und meiner Einheit unterwegs war. Ich war Zugführer (Einheitsführer) und Yves unterlag quasi meiner Aufsichtspflicht, und was soll ich sagen? Ich war gar nicht erfreut.


Foto: Brazzaville, Juni 1997. Fremdenlegionäre bilden einen Schutzring um Zivilisten, begleiten sie zum wartenden Flugzeug und somit in Sicherheit.

Ich war zu Recht empört, denn die Einsätze überschlugen sich. In diesen Tagen jagte eine Schreckensnachricht die andere und Tote und Verletzte hatte es in unseren Reihen bereits gegeben. Und jetzt sollten wir auch noch Aufpasser für einen Journalisten spielen? Obwohl Yves ein kompetenter Berichterstatter und ein angenehmer Begleiter war, wurden die Aufträge – gerade wegen seiner Präsenz – recht schwierig.

DIE OFFENSIVE BERICHTERSTATTUNG

Außerdem wusste ich aus Erfahrung vorausgegangener Konflikte, dass Journalisten in Krisengebieten immer bevorzugte Zielscheiben waren, sie die Probleme und somit eine bleihaltige Luft geradezu magisch anzogen. Und so war es auch diesmal. Sobald der Draufgänger Yves Debay sich offen mit seiner Fotoausrüstung auf meinem gepanzerten Fahrzeug zeigte oder zu Fuß neben uns auf Patrouille ging und dabei Fotos machte, wurden wir unter Beschuss genommen. Immer. In einer ruhigen Minute redete ich mit ihm. Er musste vorsichtiger sein. Mit seinem provokanten Gehabe, seinen Kameras und der ostentativ trotzig wirkenden Aufschrift PRESSE brachte er nicht nur sich, sondern auch meine Männer unnötigerweise in Gefahr. Seine Reaktion war, wie ich sie nicht anders erwartet hatte. Er lachte, verstand sofort, was ich meinte, wollte mir gar einreden, dass eine offensive Berichterstattung nötig sei und dass er gut selbst auf sich achtgeben könne. Ich lachte nicht. Nicht mehr. Yves war für mich wie ein rotes Tuch.

Mut hatte Debay, das musste man ihm lassen. 1991 wurde er mitten in der Wüste von Saddam Husseins Republikanischen Garden festgenommen, weil er, den US-Koalitions- Soldaten vorneweg, ganz einfach mal frech und unerlaubt mit seinem Toyota die Frontlinie allein überquerte. Husseins Schergen, die annahmen, er sei ein US-Spion, warfen ihn kurzerhand ins Gefängnis. Er hatte Glück, kam mit einem blauen Auge davon. Wieder einmal, müsste man sagen.

Als im Jahr 2003 amerikanische Panzer in Bagdad einrollten, war er natürlich ganz vorne dabei. Ihm ging auch das alles zu langsam.

Einige Jahre später, im Januar 2013, ich hatte die Legion bereits verlassen, hörte ich, dass Yves – der battlefield junkie wie er auch genannt wurde – tot ist. Ein syrischer Scharfschütze hatte dem Leben des Tausendsassas ein Ende bereitet. Das zumindest war die offizielle Version. Eine andere, mir zu Ohren gekommene Darstellung, ist weniger schön. Angeblich wurde er aus nächster Nähe, in Sichtweite mit dem Zentralgefängnis, einfach niedergeschossen: Eine Kugel in den Kopf, eine weitere in die Brust. Gleichzeitig berichtete Al-Jazeera vom Tod des Freelance Korrespondenten Mohamed Al-Massalma (Mohamed Al-Hoorani). Beide Journalisten waren für ihren Mut und für ihre präzise offensive Berichterstattung bekannt. Zwischen Mut und Dummheit zu unterscheiden, ist eine Kunst, die nicht jedem Journalisten gegeben ist. In derselben Woche, in der ich Yves Debay in Brazzaville kennenlernte, musste meine Einheit zu einem sehr delikaten Einsatz raus in die Stadt, hinein in den brodelnden Hexenkessel. Umringt von nicht weniger als hundert, in Stellung sitzenden Kobra-Rebellen, sicherten wir mit nur einem gepanzerten Fahrzeug und acht Mann den ´Spot` ab, holten einige Französische Staatsangehörige aus ihrem, unter Beschuss liegenden Haus und luden sie mit ihrem tragbaren Hab und Gut – jeder hatte Recht auf eine hastig gepackte Reisetasche – auf unser bereitstehendes, ebenfalls gepanzertes Fahrzeug. Sie ließen an dem Tag alles zurück, hatten alles verloren, die Villa ihres afrikanischen Nachbarn, der tot, mit dem Gesicht nach oben im Garten lag, brannte bereits. Es musste schnell gehen, denn die Kobras schienen mir recht ungeduldig und nervös. Einige von ihnen waren betrunken, andere, die Augen blutunterlaufen, bekifft. Meine Einschätzung war nüchtern. Sollte es hier zu einer Konfrontation kommen, kämen wir nicht lebend weg. Keiner von uns! Es waren einfach zu viele. Und es waren zu viele verdammte Panzerfäuste Typ RPG7 vor Ort. Als einzige schwere Waffe verfügte mein Team über ein MG vom Typ Browning Kaliber 50. Das war nicht genug. Auf größere Distanz hatte diese Waffe eine verheerende Wirkung, es aber jetzt, im Gedränge effizient einzusetzen, dafür waren die Cobras einfach zu nahe dran. Die Mission fast erfolgreich ausgeführt, tauchte am Einsatzort plötzlich ein Toyota auf. Er brauste heran, hielt an, die Türen öffneten sich und ein halbes Dutzend Journalisten sprang heraus. Vermutlich rochen sie ´die Story` ihres Lebens. Sie führten eine ganze Palette von Kameras mit sich und begannen selenruhig Aufnahmen zu machen. Sie hatten weder eine Clearance (grünes Licht von den Behörden), noch wurden sie von einem Einheimischen Offizier begleitet. Unser Hauptquartier wusste von nichts. Es hätte nichts Schlimmeres passieren können. Die Cobras drehten plötzlich völlig durch. Mit einem Satz waren alle auf den Beinen und luden ihre Waffen durch. Mordlust stand in ihren schwarzen Augen. Einige RPGs richteten sich demonstrativ auf unseren VAB Schützenpanzer. Wild gestikulierend, waren sie sich noch uneins. Sie stritten, gifteten und schrien sich gegenseitig an. Doch dabei blieb es nicht. Einige von ihnen wurden den Journalisten gegenüber handgreiflich. Kurz: Die Kacke war mächtig am Dampfen!


Foto: Yves Debay (Dezember 1954 – Januar 20139). Bildquelle (Crédit: Karl Prost) - https://en.wikipedia.org/wiki/Yves_Debay.

Über Funk versuchte ich den Hauptmann zu erreichen, was mir jedoch nicht gelang. Er war plötzlich umringt von einigen Cobras, und, wie es schien, selbst in einem üblen Handgemenge. Plötzlich hagelte es die ersten Schläge für die Journalisten. Man begann, ihre Ausrüstung zu zertrümmern und mit Fäusten auf sie einzuschlagen. Mir ging der Arsch auf Grundeis, denn das rasch angefunkte Headquarter befahl, wir sollten auf keinen Fall einschreiten. Das war ja das Dilemma. Sollten wir zusehen, wie europäische Journalisten von blutrünstigen Afrikanern hingemetzelt wurden? Mein Fahrer, ein Pole, las wohl meine Gedanken und sagte: Verdient hätten sie es nicht, aber …“ Als er meinen Blick auffing, blieb ihm der Rest, von dem was er sagen wollte, im Hals stecken. Irgendwie ging alles nochmal gut, so gerade noch. Ein Fingerschnippen hatte gefehlt und die Journalisten wären umgebracht worden und wir mit ihnen. Diese Journalisten waren nicht mutig, sie waren nur dumm.