Hochzeit machen, das ist wunderschön...Text

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Hermann Gutmann

Hochzeit machen,

das ist wunderschön …

Hochzeitsbräuche und Hochzeitsessen –

dazu eine kleine Kulturgeschichte der Ehe, und was man in der Ehe

so alles erleben kann

1. Auflage 2008

Titelillustration: Peter Fischer

© 2008 Edition Temmen e.K.

Hohenlohestr. 21 – 28209 Bremen

Tel. 0421-34843-0 – Fax 0421-348094

info@edition-temmen.de

www.edition-temmen.de

Alle Rechte vorbehalten

Gesamtherstellung: Edition Temmen

Ebook - ISBN 978-3-8378-8057-1

Print - ISBN 978-3-86108-999-5

Inhalt

Statt eines Vorwortes

Heiraten? Ich nicht!

Der Blumenstrauß

Hochzeit machen, das ist wunderschön

Hochzeitsbitter

Die Aussteuer

Der Ring

Brautschleier, Brautstrauß und Brautschuhe

Bei der Suppe setzte es Prügel

Hochzeitssuppe

Geschmackssache

Der Vater der Braut hält eine Rede

Hochzeitstorte und Freud-und-Leid-Kuchen der Norddeutschen

Vor der Hochzeit wird gebadet

Kuchen gab es nur für die Oberschicht

Wer gut »schmiert« …

Trinkgeld

Kuss und Händedruck

»Adam« Lessing und der Apfel

Die Altländer Brauttür

Seid fruchtbar …

Männer

Traumhochzeit

Porzellanscherben bringen kein Glück

Bier- oder Ochsenhochzeit

Zweifelhafte Würde

Papierhochzeit

Nachtmusik

Baumwoll-, Leder- und Seidenhochzeit

Frauen gucken mit den Fingern

Windbeutel-, Bullen-, Fleiß- oder Rosenhochzeit

Paradiesapfel

Zinnhochzeit

Das verflixte siebte Jahr

Kleine Kulturgeschichte der Ehe

Blechhochzeit

Handschuhe

Keramik- oder Töpferne Hochzeit

Putzmittel

Hölzerne Hochzeit, Rosenhochzeit oder Gläserne Hochzeit

Socken

Stählerne Hochzeit

Zischen

Leinenhochzeit

Ein Schraubenzieher ist kein Schraubenschlüssel

Mittlere und Bronzene Hochzeit, Nickel- und Petersilienhochzeit

Krümel

Spitzenhochzeit

Schlüsselbund

Elfenbeinhochzeit

Arbeitszimmer der Männer

Kristall- oder Plünnenhochzeit

Schweigen

Bis 20 keine Feiern vorgesehen

Kuchen

Porzellanhochzeit

Zuhören

Silberhochzeit

Bügeln

Perlenhochzeit

Schweres Los

Die Zahl der Feiern nimmt etwas ab, die Zahl der Hochzeitstage aber nicht

Genuss

Rubinhochzeit

Schlafende Männer

Wir wollen jetzt wieder einen großen Schritt nach vorn machen

Goldene Hochzeit

Tanzt ihr noch?

Atemnot

Von der Weidenhochzeit bis zur Venushochzeit

Unvergessen

Diamantene Hochzeit

Flitzen

Eiserne Hochzeit

Gnadenhochzeit

Und am Schluss noch einmal Wilhelm Busch

Quellen

Weitere Titel von Hermann Gutmann:

Statt eines Vorwortes

O wie lieblich, o wie schicklich,

Sozusagen herzerquicklich,

Ist es doch für eine Gegend,

Wenn zwei Leute, die vermögend,

Außerdem mit sich zufrieden,

Aber von Geschlecht verschieden,

Wenn nun diese, sag ich, ihre

Dazu nötigen Papiere,

Sowie auch die Haushaltssachen

Endlich mal in Ordnung machen

Und in Ehren und beizeiten

Hin zum Standesamte schreiten,

Wie es denen, welche lieben,

Vom Gesetze vorgeschrieben,

Dann ruft jeder freudiglich:

»Gott sei Dank, sie haben sich!«

Wilhelm Busch

Heiraten? Ich nicht!

Frau Tünnermann wird von einer schweren Sorge heimgesucht.

Ihr ältester Sohn will nicht heiraten. Der hat nicht einmal eine Freundin.

»Heiraten gehört zum Leben«, spricht sie aus dem Schatz ihrer Erfahrungen.

Ihr Sohn sagt: »Du bist von gestern! Wer heiratet denn heute noch. Nur Verrückte, die sich nach ein paar Jahren sowieso wieder scheiden lassen. Nee, also, heiraten – ich auf keinen Fall.«

 

Frau Tünnermann seufzt heimlich in sich hinein. Sie versteht die jungen Leute nicht.

Ihr Sohn hat eine kleine Wohnung bezogen – nett eingerichtet, das muss sie zugeben. Geschmack hat er.

Die Wohnung besteht aus einer kleinen Küche, einem winzigen Schlafzimmer mit einem Bett

darin und einem etwas größeren Wohnzimmer, in dem sich ein Tisch mit vier Stühlen, ein bequemes Sofa, ein Bücherregal, eine Stereoanlage mit allem, was dazugehört, und ein Fernsehapparat befinden.

Während seiner Freizeit liegt er auf dem Sofa und hört Musik, natürlich keine Klassik. Gelegentlich liest er ein Buch. Meistens guckt er fern, häufig einfach nur gegen die Decke.

Kein Zweifel, der junge Herr Tünnermann genießt das Junggesellendasein.

»Der ist nicht normal«, sagt Herr Tünnermann, doch ein bisschen neidisch ist er schon auf seinen Sohn, der sich aufs Sofa legen und gegen die Decke gucken kann – und dabei von keinem gestört wird.

»Wie kannst du so etwas sagen?«, stellt sich Frau Tünnermann vor ihren Sohn. »Der ist absolut normal. Der ist nur bequem.« Und sie fügt hinzu: »Das hat er von dir!«

»Ich bin immerhin verheiratet«, erklärt Herr Tünnermann, und seine Frau sagt: »Hat aber auch lange genug gedauert, bis ich dich endlich in die Puschen gebracht habe.«

Herr Tünnermann lässt diese Bemerkung auf sich beruhen. Was sollte er dazu auch sagen?

Unlängst, an einem Sommersonntag, hatte der junge Herr Tünnermann Lust auf eine Fahrt ins Blaue.

Er ist mit dem Fahrrad durch die Landschaft gefahren, nicht wie ein Rennfahrer, dazu fehlt ihm auch die Kostümierung, sondern ganz gemütlich. An Fel­dern und Wiesen vorbei und durch ein Waldstück.

Unterwegs freute er sich schon auf die Rast in einer ihm bekannten Landgaststätte, die berühmt ist für ihre klodeckelgroßen Koteletts. Zu dem Kotelett gibt es Bratkartoffeln und Salat. Und natürlich trinkt er dazu ein frisch gezapftes Bier!

Tünnermann, was willst du mehr!

In dem kleinen Waldstück kurz vor seinem Ziel traf er ein junges Paar.

Die beiden waren verzweifelt. Die junge Frau hielt sich das Bein. Sie schien Schmerzen zu haben.

Tünnermann bremste und fragte, ob er helfen könne.

Die junge Frau war, wie ihr Freund berichtete, unglücklich über eine Baumwurzel gestürzt und hatte sich verletzt. Es war selbst für einen Laien nicht zu übersehen, dass sie sich ein Bein gebrochen hatte.

Und, wie das so ist, das junge Paar hatte ausnahmsweise kein Handy dabei, um nach Hilfe zu rufen.

»Wenn man es wirklich einmal braucht, hat man es vergessen«, klagte der Freund des Mädchens.

Der junge Herr Tünnermann konnte aushelfen. Er geht grundsätzlich nicht ohne Handy aus dem Haus.

Er rief den Notruf an, und nach etwa einer hal­ben Stunde wurde die junge Dame ins Krankenhaus gebracht.

Tünnermann und der andere tauschten die Adressen aus, und Tünnermann machte sich daraufhin auf den Weg in seine Landgaststätte, wo er alles so vorfand, wie er es erwartet hatte. Die Bratkartoffeln waren besonders knusprig.

Am nächsten Tag erkundigte sich der junge Herr Tünnermann nach dem Zustand der jungen Frau.

Sie lag noch im Krankenhaus, und so schnell, hieß es, werde sie wohl nicht gesunden. Der Bruch war etwas kompliziert.

Der junge Herr Tünnermann weiß, was sich gehört.

Er besuchte die junge Frau, brachte ihr einen Blumenstrauß mit und unterhielt sich mit ihr. Als der Freund der jungen Frau erschien, kam es zu einem angenehmen und abwechslungsreichen Gespräch, das nur kurz durch eine Visite des Chefarztes mit Gefolge unterbrochen wurde.

Die beiden Männer warteten auf dem Gang und beschlossen, nach dem Besuch noch ein Bier in der Stammkneipe des jungen Mannes zu trinken. Es wurde ein langer Abend.

Der junge Herr Tünnermann ließ es sich auch in der Folgezeit nicht nehmen, häufiger ins Krankenhaus zu gehen.

Mal mit Blumen, mal mit Pralinen, mal mit einem Buch, weil er gehört hatte, dass die junge Frau eine Leseratte sei. Sie liebt historische Romane.

Und nach beinahe jedem der Besuche im Krankenhaus war der junge Herr Tünnermann guter Dinge.

Inzwischen ist die junge Frau aus dem Krankenhaus entlassen worden, und der junge Herr Tünnermann wird demnächst heiraten.

Seine Mutter, die sich das nun schon so lange

gewünscht hat, ist entsetzt, als sie erfährt, dass sich ihr Sohn im Krankenhaus verliebt hat.

»Man muss doch ein junges Paar nicht auseinanderreißen!«, sagt sie. »Das gehört sich einfach nicht.«

Der alte Herr Tünnermann sieht das nüchterner: »Wenn sich der andere das gefallen lässt …«, sagt er.

»Ich kenne keinen anderen«, sagt der junge Herr Tünnermann. »Wer soll das denn wohl sein?«

»Jetzt fängst du auch noch an zu lügen!«, stammelt Frau Tünnermann und ist verzweifelt über ihren miss­ratenen Sohn, der einem anderen die Frau wegnimmt.

»Wieso lügen?«, fragt der junge Herr Tünnermann. »Ich heirate Schwester Anna aus dem Krankenhaus. Ich werde sie euch am nächsten Sonntag vorstellen. Im Mai wird es eine Doppelhochzeit geben.«

Der Blumenstrauß

Sie waren sich einig.

Und sie wussten, dass ihre Eltern einer Verbindung mit freundlichen Gedanken entgegensahen.

Es war noch in einer Zeit, als ein junger Herr, der auf Freiersfüßen wandelte, an einem Sonntagmorgen, dem Anlass entsprechend fein gemacht, bei seinen künftigen Schwiegereltern klingelte, um einen Besuch zu machen. Ein bisschen aufgeregt, wie man sich vorstellen kann.

Ein solcher Heiratskandidat wickelte dann einen mehr oder weniger geschmackvoll zusammengestellten Blumenstrauß für die Dame des Hauses, die künftige Schwiegermutter, aus dem Papier, um ihn korrekt überreichen zu können, — wie er es in der Tanzschule gelernt hatte.

Denn der Anlass seines Besuches hatte hochoffiziellen Charakter. Der junge Mann wollte um die Hand der Tochter anhalten.

Dieser Schritt gehörte sich so, schon um dem Schwiegervater die Möglichkeit zu geben, dem jungen Mann ernsthaft in die Augen zu gucken und ihn zu fragen, ob er denn überhaupt in der Lage sei, eine Familie zu ernähren.

Die jungen Leute, von denen in dieser Geschichte die Rede ist, hatten durchaus die Absicht, sich an die Regeln zu halten. Doch wie das so ist, sie besuchten einander schon sehr früh zu Hause, mal kam er zu ihr zum Kaffee, mal blieb sie bei ihm zum Abendbrot – aber nie länger als bis 22 Uhr, denn dann musste sie zu Hause sein.

Man schnackte mit den Eltern, hielt guten Kontakt zu den Geschwistern, und irgendwann stand die Verlobung vor der Tür. Keine Feier, nichts. Sehr unüblich. Das junge Paar kaufte sich Ringe. Sie gingen an einem Sonntag im Park spazieren. Er steckte ihr den Ring an den Finger und sie ihm. Mehr nicht.

Die Eltern nahmen dieses ungewöhnliche Verhalten hin – die Zeiten ändern sich, da kann man nichts machen. Und kostengünstig war es letztlich auch.

»Wann wollt ihr denn heiraten?«, fragte der Vater des Mädchens.

Der junge Mann sagte: »Ich habe noch gar nicht bei euch um die Hand eurer Tochter angehalten. Und …«, er wandte sich an seine Schwiegermutter: »einen Blumenstrauß bekommst du auch noch von mir.«

»Na ja«, sagte sie. »Das ist ja nun wirklich nicht das Wichtigste.«

Im Übrigen hatten die beiden klare Vorstellungen. Die Hochzeit wurde für Mai angesetzt. Der Mai ist der Liebesmonat.

Die Zeit verging schneller, als man dachte.

Die Hochzeit wurde ohne großes Gewese gefeiert. Das junge Paar begab sich auf die Hochzeitsreise. Sie führte nach Bayern, oberhalb von Berchtesgaden, wo es regnete – aber nicht in dem kleinen Pensionszimmer, das die beiden bewohnten.

Sie kehrten fröhlich zurück. Der Alltag begann. Nach neun Monaten wurde ein Mädchen geboren.

Eines Tages, es mag der einjährige Hochzeitstag des jungen Paares gewesen sein, da meldete sich die Mutter der jungen Frau zu Wort. Sie sagte scherzhaft zu ihrem Schwiegersohn: »Weißt du was? Du hast noch gar nicht bei uns um die Hand unserer Tochter angehalten. Und einen Blumenstrauß habe ich von dir auch noch nicht bekommen, obwohl du ihn mir versprochen hast.«

Der junge Ehemann und frischgebackene Vater guckte ein bisschen verlegen, obwohl er wusste, dass seine Schwiegermutter das alles gar nicht so ernst gemeint hatte.

Dann sagte er: »Das wird nachgeholt! Die Hand eurer Tochter habe ich ja nun, wie auch den Rest. Darüber brauchen wir also nicht mehr zu sprechen. Aber die Blumen, die sollst du bekommen!«

Doch schon kurz nach diesem Gespräch gerieten die Blumen wieder in Vergessenheit!

Das hatte nichts mit dem Verhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwiegersohn zu tun. Die beiden verstanden sich prächtig, sodass die junge Frau manchmal fragte: »Mit wem bist du eigentlich verheiratet, mit mir oder mit meiner Mutter?«

Von den Blumen jedenfalls war nicht mehr die Rede.

Sie kamen erst wieder auf den Tisch in einer kleinen, scherzhaften Rede, die die Mutter der Frau aus Anlass der Silberhochzeit des »jungen Paares« hielt. Sie sagte beiläufig: »Die versprochenen Blumen habe ich immer noch nicht erhalten.«

»Um Himmels willen«, sagte der Schwiegersohn.

»Gleich morgen gehe ich zu einem Blumenhändler. Morgen Abend hast du den Blumenstrauß.«

Am nächsten Tag musste der Schwiegersohn an einer wichtigen Konferenz teilnehmen, die ihm eine Fülle von Arbeit einbrachte. Der Blumenstrauß wurde abermals vergessen.

Natürlich bekam seine Schwiegermutter zu allen möglichen Gelegenheiten Blumen, die aber stets von seiner Frau gekauft wurden.

Aber über diesen ganz speziellen Blumenstrauß ist die Schwiegermutter hinweggestorben.

Sie hat ihren Schwiegersohn mit einem schlechten Gewissen zurückgelassen. Denn immer, wenn er an

seine Schwiegermutter denkt, fallen ihm die Blumen ein, die sie nie bekommen hat.

Hochzeit machen, das ist wunderschön

Die Hochzeit ist der schönste Tag im Leben einer Frau.

Wir wollen diesen Satz mal ruhig so stehen lassen, obwohl es sicherlich auch noch andere schöne Tage im Leben einer Frau gibt. Sonst wäre das Leben ja gar nicht auszuhalten.

Im Übrigen ist die Rede von der Grünen Hochzeit, mit der der gemeinsame Lebensweg eines Ehepaares beginnt.

Warum: Grün?

Ganz einfach: Grün ist die Farbe der Hoffnung. Grün ist das neue Leben.

Und früher war für die Frau dieses neue Leben eben ein Leben als Frau.

Man darf ja nicht vergessen, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass sich eine weibliche Person am Tage ihrer Hochzeit von einem Fräulein in eine Frau verwandelte.

Das bedeutete, wenn man das mal so sagen darf, eine Aufwertung ihrer Stellung in der Gesellschaft. Schon deshalb war die Hochzeit etwas Besonderes. Das Fräulein kennt man heute nur noch in Gaststätten, wenn ältere Herren durch den Raum rufen: »Fräulein, bitte zahlen!« Doch damit ist das Wort »Fräulein« zu einer Berufsbezeichnung geworden, denn das »Fräulein« kann durchaus eine ältere verheiratete Frau sein.

Heute findet die Verwandlung der Frau unabhängig von der Hochzeit statt, aber nach wie vor steht die Frau am Tage ihrer Hochzeit im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses.

Der Mann, der Bräutigam, ist nur notwendiges Beiwerk. Das war so, und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Manchmal bleibt der Mann sein Leben lang Beiwerk, auch wenn er es vielleicht gar nicht merkt.

Und es ist die Frau, die im Allgemeinen den Ablauf »ihrer« Hochzeit bestimmt. In den meisten Fällen hat sie auch ganz bestimmte Vorstellungen. Und der Mann tut gut daran, nicht dazwischenzureden. Es sei denn, er sucht Streit.

Hochzeit machen, das ist wunderschön, heißt es. Und dieses Wort gilt besonders für die Frau.

Wir wissen von einer hochintelligenten jungen Frau, akademisch gebildet, Doktorin gar, die darauf bestand: »Meine Hochzeit muss so richtig schön kitschig gefeiert werden!«

Der Mann, ebenfalls ein Doktor, obendrein ein Jurist, verzog sein Gesicht, was ihm aber nichts nützte. Es guckte keiner hin. Schon gar nicht die Doktorin.

Die Hochzeit fand auch genauso statt, wie die junge Frau es sich immer gewünscht hatte. Sie war sehr glücklich, während der Feier und vor allem auch hinterher.

Schon die Vorbereitungen zur Hochzeit finden im Wesentlichen ohne männlichen Begleitschutz statt.

 

Unlängst musste ein Bräutigam zwei Tage vor seiner Hochzeit die bereits lange vor dem Ereignis bezogene gemeinsame Wohnung verlassen, um der Braut Gelegenheit zu geben, sich standesgemäß mit einem langen weißen Kleid zu schmücken, was nicht ohne zwei Änderungsschneiderinnen ermöglicht werden konnte – von der Friseurin, die auch für das dezente Schminken zuständig war, ganz zu schweigen.

Da hätte ein Mann nur gestört. Außerdem durfte er das Hochzeitskleid, wie es der alte Brauch vorschreibt, vor der Trauung nicht zu Gesicht bekommen. Diese Tradition ist offenbar auch in unserer nüchternen Zeit nicht vergessen worden.

Außerdem: Eine Braut ist immer schön. In ihren Augen erst recht und auch in den Augen anderer. Hässliche Bräute gibt es nicht.

Beiläufig haben die Frauen nichts dagegen, wenn auch der Auserwählte an ihrer Seite elegant einherstolziert. Das muss nicht sein. Aber es hat eben niemand etwas dagegen.

Gelegentlich sieht man auch heute noch einen Bräutigam im Gehrock und mit einem Zylinder auf dem Kopf an der Seite seiner Braut den Weg ins neue Leben gehen, was manchmal nicht ohne Komik ist. Denn mitunter passt der Zylinder nicht. Er stammt noch von seinem Großvater, und der hatte einen dickeren Kopf.

Kaufmännisch denkende Herren sorgen auf jeden Fall dafür, dass sie sich unnötige Kosten ersparen.

Warum soll man sich einen Zylinder kaufen, den man ohnehin nie wieder aufsetzt? Und vor allem: Wo soll man so ein Ungestüm heute kaufen? In einem Fachgeschäft für Karnevalsartikel?

Wir wissen von einem Herrn, der am Tag der Eheschließung bemerkte, dass er gar keine Krawatte besaß. Er hatte sie irgendwann einmal in die Kleidersammlung gegeben und vergessen, sich für besondere Gelegenheiten eine neue zu kaufen.

Allerdings hat er seelisch nicht sonderlich darunter gelitten. Und der Braut hat es auch nichts ausgemacht. Sie jedenfalls trug ein hinreißend schönes weißes Kleid. Sie sah aus wie eine Prinzessin. Und das genügte ihr. Und wer sie ansah, dachte nicht daran, nach der Krawatte des Bräutigams zu suchen.

Hochzeitsbitter

In vielen Dörfern überall in Deutschland gibt es auch heute noch den »Hochzeitsbitter«. Manchmal heißt er auch »Kostenbitter« oder ähnlich.

Seine Aufgabe ist genau festgelegt: Er muss mündlich zur Hochzeit einladen.

Meistens übernimmt diese Aufgabe ein Nachbar oder ein Verwandter. Im Münsterland war es in alter Zeit der »Kiepenkerl«, der aufgrund seines Berufes – er schleppte seinen Laden mit Haushaltsgegenständen in der Kiepe mit sich – ohnehin ständig auf Achse war.

»Hochzeitsbitter« zu sein, das bedeutet oft tagelange Reisen – zu Fuß, hoch zu Ross oder mit dem bunt bekränzten Fahrrad. Das Auto wird am besten in der Garage stehen gelassen, wir werden Ihnen auch noch sagen, warum.

Aufgabe des »Hochzeitsbitters« war und ist es, die vielen Familien zu benachrichtigen, die zur Hochzeit eingeladen werden sollen und oft weit auseinander wohnen.

Der »Hochzeitsbitter« trägt ein schwarzes Gewand mit bunten Bändern am Hut, möglichst ein Zylinder. In der Hand hält er einen großen Stab, der ebenfalls mit Bändern geschmückt ist.

Wichtig ist außerdem, dass der »Hochzeitsbitter« ein beredsamer Mann mit Witz und Humor ist, und möglichst »dichten« können sollte:

»Goo’n Dag, goo’n Dag, dat ganze Hus;

Bring ick den Hochtiedsbittergruß …!«

Und danach folgt ein langer, langer Sermon: Wer mit wem und wann und wo.

In Ostfriesland wurde nicht nur zur Hochzeit geladen, es wurde auch mitgeteilt, was den Gast auf der Hochzeit erwartete:

»Hasen und Rebhühner,

Die sollen auch den Weg dahin zeigen;

Hühner und Schnepfen

Sollen auf dem Tische hüpfen;

Warmes Bier

Wollen wir haben zu unserem Vergnügen;

Lange Pfeifen und besten Tabak

Wollen wir haben zu unserem Behagen.

Eine Last Bier und ei’n Ohm Branntwein,

Dabei wollen wir fröhlich sein;

Violinen, Saiten und Spiel

Wollen wir haben nach unserem Belieben …

Und so ging das endlos weiter, selbstverständlich auf Platt, was im restlichen Deutschland kaum zu verstehen ist.

Und jedes Mal, auf jeder Station, wird der »Hochzeitsbitter« zu einem »Schluck« eingeladen.

Verständlich, dass er unter diesen Umständen besser auf das Auto verzichtet.

Die Aussteuer

Von der Aussteuer wird heute gar nicht mehr viel ge­redet. Wenn eine da ist, ist sie eben da. Wenn nicht, dann nicht!

Manchmal spielt die Aussteuer noch eine Rolle im Brauchtum.

In Scheeßel zum Beispiel, zwischen Hamburg und Bremen gelegen, wird der »Brautschatz« zum Haus des Zukünftigen gebracht. Dabei darf auf gar keinen Fall eine Wiege fehlen.

Am Niederrhein war und manchmal ist es noch üblich, die Aussteuer ein paar Tage vor der Hochzeit auf den Hof des Bräutigams zu bringen.

Oben auf dem gut gepackten Wagen sitzt die Braut inmitten der Mitgift, und irgendwo zwischen Geschirr, Möbeln und Wäsche liegt – in Leinen genäht – ein dicker Schinken, um den sich bald ein heftiger Kampf entfaltet.

Denn während sich die Braut mit ihrem Gefolge anschickt, Einzug auf dem Hof des Bräutigams zu halten, wartet die Sippschaft des Bräutigams kampflustig auf die Herannahenden. Denn ganz so einfach soll es die Braut nicht haben, Zutritt auf den Hof zu bekommen.

Sie soll erst einmal beweisen, dass sie ihren mitgebrachten Schinken verteidigen kann. Kaum ist sie auf dem Hof angekommen, entsteht eine wilde Rauferei um den Schinken, der in einem unbemerkten Augenblick von einem Brautbegleiter in ein Versteck gebracht wird.

Die Suche nach dem Schinken entpuppt sich anschließend zu einer wilden Lauferei durch Ställe, Scheunen und Kammern. Dabei lassen das Kichern der jungen Mädchen und das ausgelassene Rufen der Burschen vermuten, dass es den meisten gar nicht um den mitgebrachten Schinken geht.

Im Bersenbrücker Land im Landkreis Osnabrück wurde übrigens am Tage vor der Hochzeit der Brautschatz auf einem neuen Ackerwagen ins Hochzeitshaus gebracht.

Und ganz oben auf dem Ackerwagen saß die Schwiegermutter.

Der Ring

Höhepunkt der Trauung ist der Wechsel der Ringe. Der Trauring wird dem jungen Paar von wem auch immer, meistens ist es der Partner, an den vierten Finger der linken Hand gesteckt. Nach einer Überlieferung aus römischen Zeiten geht von diesem Finger eine Ader zum Herzen.

Der Hochzeitsring spielt bis heute eine wichtige Rolle. Denn immer noch hält sich die volkstümliche Vorstellung, dass mit dem Ring die Treue verbunden ist:

»Sie hat mir Treu versprochen,

gab mir ein’ Ring dabei,

sie hat die Treu gebrochen,

das Ringlein sprang entzwei.«

Dem Ring wird außerdem eine übersinnliche Kraft zugeschrieben.

Dabei spielt der Aberglaube früher wie heute eine große Rolle. Es bedeutet Unglück, wenn man einen Ring verliert. Und um Gottes willen darf man den Ring während der Trauung nicht fallen lassen.

So wurde im sächsischen Torgau Marie, die Schwester des Kurfürsten Johann Friedrich I., des Großmütigen, mit einem Herzog von Pommern vermählt.

Getraut wurde das Paar von Martin Luther. Indem nun aber das Brautpaar die Ringe wechselte, fiel einer der Ringe zu Boden.

Alle Anwesenden waren entsetzt über dieses Zeichen, das nur Unglück bedeuten konnte. Auch Martin Luther war im ersten Augenblick bestürzt.

Er fasste sich aber schnell und rief laut: »Hörst du, Teufel? Es geht dich nicht an. Du wirst nichts ausrichten können!«

In diesem Augenblick war der Bann gebrochen, und die Hochzeit nahm einen frohen Verlauf.

Brautschleier, Brautstrauß und Brautschuhe

Brautschleier, Brautstrauß und Brautschuhe gehören nach Ansicht vieler junger Frauen noch heute zu den wichtigsten Utensilien einer Braut.

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