Marshals und Coltkiller: Wichita Western Sammelband 9 Romane

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Pete Hackett, Thomas West, John F. Beck, Wolf G. Rahn, Carson Thau

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Inhaltsverzeichnis

  Marshals und Coltkiller: Wichita Western Sammelband 9 Romane

  Copyright

  Blutspur nach Westen

  Dein ist die Rache, Carrie

  Thomas West: ​Süßes Gift

  Thomas West: Tötet Shannon!

  Der Marshal und die Kiowas

  Das Teufelskommando

  Carringo und der Sohn des Killers

  Greg Turner und das blutige Gold

  Höllennest in Arizona

Marshals und Coltkiller: Wichita Western Sammelband 9 Romane
Thomas West, John F. Beck, Wolf G. Rahn, Carson Thau, Pete Hackett

Dieses Buch enthält folgende Western:

Pete Hackett: Blutspur nach Westen

Pete Hackett: Dein ist die Rache, Carrie

Thomas West: Süßes Gift

Thomas West: Tötet Shannon!

John F. Beck: Der Marshal und die Kiowas

John F. Beck: Das Teufelskommando

Wolf G. Rahn: Carringo und der Sohn des Killers

Wolf G. Rahn: Greg Turner und das blutige Gold

Carson Thau: Höllennest in Arizona

Tom Shelby versucht, seinen Sohn von einem Trail abzuhalten, bei dem auf dem Land der Kiowas Büffel nur wegen ihres Fells gejagt werden sollen. Matthew Dunlop kommt zu spät, um den Mord an dem Rancher zu verhindern, und Cole Shelby weigert sich, den Trail zu verlassen. Aber welche Rolle spielt die früher in Bettys Saloon beliebte Jenny McLane? Welche finsteren Pläne verfolgt des Boss des Trails, Jim Scaranoe, wirklich? Alles sieht danach aus, als ginge es um mehr, als nur Büffelfelle. Dunlop muss sich gezwungenermaßen anschließen, um einen Krieg zwischen Weißen und Kiowas zu verhindern.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Alles rund um Belletristik!

Blutspur nach Westen

von Pete Hackett

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

Jim Hooker kommt nach jahrelanger Abwesenheit zurück nach Dalhart, um bei seinem Vater zu bleiben und erfährt, dass dieser kaltblütig von John Whiteman erschossen wurde. Das Gerichtsverfahren wurde eingestellt wegen Notwehr. Das aber kann Jim Hooker nicht akzeptieren. Um Rache zu nehmen, verfolgt mit Hilfe einiger Männer den inzwischen flüchtigen Whiteman bis nach New Mexiko.

Der Sheriff von Dalhart will verhindern, dass Hooker den Fehler seines Lebens begeht und verfolgt Hooker. Wird er es noch rechtzeitig schaffen?

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Jim Hooker lenkte sein Pferd in den Hof des Mietstalles und saß vor dem Tor ab. Über die Schattengrenze unter dem Tor trat der Stallmann, ein bärtiger Oldtimer, der einen Priem kaute. Er blinzelte ins Sonnenlicht, dann sagte er: „Du hast also nach Hause zurückgefunden, Jim. Es ist viel geschehen in den fünf Jahren, in denen du fort warst.“

Jim Hooker führte sein Pferd am Kopfgeschirr an dem Stallburschen vorbei in den Stall. Der Geruch von Heu und Stroh und von Pferdausdünstung stieg ihm in die Nase. Der Oldtimer folgte Hooker. „Die Stadt ist größer geworden“, murmelte Hooker. „Es gibt viele neue Gebäude. Die Eisenbahn führt von Norden herunter nach Dalhart. Ich denke, die Stadt hat Zukunft. Wie geht es meinem Vater?“

„Dein Vater ist tot, Jim.“ Die Worte fielen wie Hammerschläge.

Jim Hooker riss es regelrecht herum. Seine Brauen schoben sich zusammen, über seiner Nasenwurzel bildeten sich zwei senkrechte Falten. „Dad ist noch nicht mal sechzig“, murmelte er. „War er krank?“

Der Stallmann räusperte sich. „Dein Vater starb nicht an Altersschwäche, sondern an einer Kugel, Jim“, sagte er dann mit belegter Stimme. „Es geschah hier in der Stadt, im Saloon. Dein Dad kam in die Stadt, um ein paar Vorräte einzukaufen. Es ist drei Jahre her. Auch John Whiteman und einige Reiter kamen an diesem Tag nach Dalhart. Nachdem dein Vater seine Einkäufe erledigt hatte, wollte er im Saloon ein Bier trinken. Es kam zu einem Streit zwischen ihm und Whiteman …“

„Wer ist dieser Whiteman?“, fragte Jim Hooker.

„Er war damals Vormann der Bar H Ranch. Also, wie gesagt, es kam zu einem Streit, in dessen Verlauf Whiteman deinen Vater herausforderte. Dein Dad lehnte es ab, mit dem Vormann zu kämpfen. Whiteman nannte ihn einen erbärmlichen Feigling und schlug ihm mit der flachen Hand ins Gesicht. Da griff dein Dad zum Revolver.“

Jim Hooker presste die Lippen zusammen. So hatte er sich seine Heimkehr nicht vorgestellt. Er wollte endlich Ruhe und Frieden finden und zusammen mit seinem Vater die kleine Ranch am Mustang Creek bewirtschaften.

„Befindet sich Whiteman noch in der Gegend?“

„Nein. Nachdem er deinen Vater erschoss, begann sich das Gesetz für ihn zu interessieren. Es war kein faires Duell. Jeder wusste, dass dein Vater mit dem Revolver nicht mal ein Scheunentor traf. Man munkelte damals, dass der Bar H sein Tod sehr gelegen kam. Der Sheriff schloss den Fall nicht einfach ab, sondern leitete eine Untersuchung ein und Whiteman musste befürchten, verhaftet und verurteilt zu werden, und er verließ den Landstrich. Man hat nie wieder etwas von ihm gehört. Vor zwei Jahren starb schließlich Wade Hastings, der Besitzer der Bar H. Er hatte keine Erben und die Ranch kam unter den Hammer.“

Jim Hooker ging zu einer Futterkiste und setzte sich darauf. Sein Kinn sank auf die Brust. „Es war also Mord“, murmelte er.

„Nun, dein Vater griff zuerst nach dem Revolver.“

„Du sagtest selbst, dass er keine Chance hatte.“

„Das ist richtig. Nachdem Whiteman aus der Gegend verschwunden war, wurde die Akte geschlossen. Die Bar H hat drei Männer auf eurer Ranch stationiert. Sie benutzt die Hooker Ranch gewissermaßen als Vorwerk.“

„Hat man Dad auf dem Boot Hill begraben?“

„Ja. Aber von dem Grab findest du nichts mehr. Es gab niemand, der es pflegte.“

„Wer hat die Bar H erworben?“

„Stanley Kilkeene. Er kam erst vor gut anderthalb Jahren ins Land, übernahm die Bar H, kaufte zusätzlich eine Menge Weideland von der Regierung und ließ tausende von Herefords kommen. Nun lebt das halbe County im Schatten der Bar H. Kilkeene hat diesen Namen nicht geändert.“

„Ich werde mit Kilkeene reden“, murmelte Jim Hooker.

„Du willst also das Erbe, das dir dein Vater hinterlassen hat, antreten, Jim?“

„Auf jeden Fall. Ich habe ein Recht darauf. Kilkeene wird es mir nicht streitig machen können.“

„Sicher, Junge“, murmelte der Oldtimer. „Das Recht hast du auf deiner Seite …“

 

Jim Hooker ritt zur Bar H Ranch. Im Hof der Ranch band er sein Pferd an den Hitchrack, dann stieg er auf die Veranda und klopfte gegen die Haustür. Es dauerte nicht lange, dann wurde sie geöffnet und das Gesicht einer jungen Frau zeigte sich. Sie war hübsch. Ein freundliches Lächeln gab ihre weißen, ebenmäßigen Zähne frei. „Was wünschen Sie denn?“, fragte sie mit einer wohlklingenden Stimme.

Jim zog den Hut und sagte: „Mein Name ist Jim Hooker, Ma'am. Ich möchte zu Mister Kilkeene.“

„Mein Vater ist oben“, erklärte die junge Lady. „Kommen Sie herein, Mister Hooker, und setzten Sie sich. Ich sage Dad Bescheid.“

Sie zog die Tür vollends auf und Hooker ging an ihr vorbei ins Haus. „Einen Moment“, sagte sie, dann lief sie die Treppe empor.

Hooker setzte sich in einen der Sessel, die um einen schweren Holztisch herum gruppiert standen und schaute sich um. Die Halle war teuer eingerichtet. Es gab einen offenen Kamin und an den Wänden hingen Ölgemälde sowie alte Waffen.

Es dauerte keine zwei Minuten, dann erschien oben auf der Treppe ein Mann von etwa fünfzig Jahren. Er trug einen dunklen Anzug, über seinen Bauch spannte sich eine goldene Uhrkette. Seine dichten Haare waren von grauer Färbung. Hooker nahm an, dass es sich um Stan Kilkeene handelte. Er erhob sich.

Der Grauhaarige kam unten an, trat vor Hooker hin und reichte ihm die Hand. „Jenny nannte mir Ihren Namen. Ich glaube, ich weiß wer Sie sind.“

„Dann wissen Sie sicher auch, weshalb ich zu Ihnen komme, Mister Kilkeene.“

„Es geht um das Land am Mustang Creek.“

„So ist es. Ich werde die Hooker Ranch wieder in Besitz nehmen.“

„Das Land ist nach wie vor auf den Namen Hooker im Grundbuch eingetragen“, erklärte Kilkeene. „Sie sind der Erbe Ihres Vaters. Ich werde anordnen, dass die Rinder der Bar H von Ihren Weidegründen abgetrieben werden. Meine Leute werde ich von der Ranch abziehen. Ich hoffe, dass wir gute Nachbarn werden, Mister Hooker.“

„Diese Hoffnung teile ich“, murmelte Hooker.

„Trinken wir darauf“, sagte Kilkeene, ging zu einer Vitrine und holte eine Karaffe voll Whisky sowie zwei Gläser heraus.

2

Es war heiß und die Luft waberte vor Hitze, sodass die Konturen der Hügel verschwammen. Ein einsamer Reiter zog über das verstaubte Weideland. Über das Gesicht des Mannes rann Schweiß. Das Pferd ging mit hängendem Kopf und zog die Hufe müde durch das Gras. Rinderrudel standen hier und dort und weideten. Kühe muhten, Kälber blökten.

Der Reiter hakte die Wasserflasche vom Sattel, schraubte sie auf und trank einen Schluck. Das Wasser schmeckte abgestanden und brackig. Dennoch belebte es den Reiter ein wenig. Er schraubte die Flasche wieder zu und hängte sie an den Sattel zurück, knüpfte sein Halstuch auf und wischte sich damit Staub und Schweiß aus dem Gesicht.

Nach etwa einer Stunde erreichte er die Bar H Ranch. Die Hufe des Pferdes rissen auf dem Ranchhof kleine Staubwirbel in die heiße Luft. Einige Ranchhelfer hielten in der Arbeit inne und beobachteten den Reiter. Er saß beim Holm ab und schlang den langen Zügel lose um den Haltebalken, dann stieg er sattelsteif die vier Stufen zur Veranda hinauf und pochte gegen die Tür. Ohne eine Aufforderung, einzutreten, abzuwarten, öffnete er die Tür und trat in die Halle. Aus einem der Sessel erhob sich Stanley Kilkeene und musterte den Fremden mit einer Mischung aus Überraschung und Verärgerung. Er sah ein hohlwangiges Gesicht mit entzündeten Augen und tagealten Bartstoppeln. Der feine Staub, den der Südwind vom Llano Estacado herauftrug, bildete zusammen mit dem Schweiß eine feine Schicht auf der Haut des Fremden.

„Sie wünschen?“, fragte Kilkeene reserviert.

„Mein Name ist John Whiteman“, sagte der verstaubte Mann bei der Tür mit krächzender Stimme. „Bis vor vier Jahren war ich Vormann auf der Bar H. Allerdings war damals noch ein anderer Mann hier der Boss.“

„Ich habe die Ranch erworben, nachdem der Vorbesitzer starb“, versetzte Kilkeene. „Ihr Name ist mir bekannt, Mister Whiteman. Was kann ich für Sie tun?“

„Ich bin zurückgekehrt, um wieder auf der Bar H zu arbeiten. Über die Sache von damals dürfte Gras gewachsen sein. Jason Hooker griff zum Revolver und ich habe in Notwehr geschossen. Es war dumm von mir, zu fliehen. Das Gesetz hätte mir nichts anhaben können.“

„Die Stelle des Vormannes ist besetzt, Mister Whiteman“, gab Kilkeene zu verstehen.

„Ich bin bereit, als einfacher Cowboy für die Ranch zu arbeiten. Hauptsache ich habe wieder einen Platz, in dem ich bleiben kann. Die vergangenen vier Jahre waren ziemlich ruhelos.“

„Wenn Sie bleiben wollen, sollten Sie wissen, dass Jason Hookers Sohn vor einem Jahr auf die Heimatweide zurückgekehrt ist und die väterliche Ranch betreibt. Sie müssen damit rechnen, dass er den Tod seines Vaters zu rächen versucht.“

Whiteman verzog den Mund. „Das hört sich nicht gut an. Nun, ich will keine Schwierigkeiten. Meine Nachfrage nach einem Job hat sich damit erübrigt, Sir. Ich reite weiter.“

„Wahrscheinlich ein sehr vernünftiger Entschluss“, murmelte der Ranchboss.

Whiteman verließ das Ranchhaus, band sein Pferd los und saß auf, zog das Tier um die linke Hand und trieb es an.

Kilkeene stand am Fenster in der Halle und blickte hinter dem Reiter her, bis er hinter einer Bodenwelle aus seinem Blickfeld verschwand.

John Whiteman ritt nach Dalhart. Im Hof des Mietstalles ließ er sich vom Pferd gleiten und führte das Tier am Zaumzeug ins Stallinnere. Der Stallmann saß auf einer Futterkiste und fettete einen Sattel ein, damit das Leder geschmeidig blieb. Jetzt legte er den Sattel beiseite und erhob sich. In der Düsternis des Stalles erkannte er den Ankömmling nicht sogleich. „Hallo, Fremder.“

„Hi, Vince.“

Der Stallmann kniff die Augen zusammen. Zwischen den Lidern war ein Grübeln und Forschen zu erkennen, und plötzlich glitt der Schimmer des Begreifens über das runzlige Gesicht. „Ho, Whiteman! Welcher Teufel hat dich geritten, als du dich entschlossen hast, in diesen Landstrich zurückzukehren?“

„Ich wollte wieder auf der Bar H anheuern. Aber dort erfuhr ich, dass Jim Hooker im Land ist. Ich will keinen Ärger mit dem Burschen. Darum werde ich nach Westen verschwinden.“

„Hooker ist vor einem Jahr zurückgekehrt“, erklärte der Stallmann und nahm das Pferd am Kopfgeschirr.

„Ja, ich weiß. – Versorg den Gaul, Vince. Ich werde nach einer kurzen Rast weiterreiten.“

Whiteman zog sein Gewehr aus dem Scabbard und verließ den Stall.

3

Es war um die Mitte des Vormittags, als Jim Hooker nach Dalhart kam. Er saß auf dem Bock eines leichten Schlutter-Wagens und ließ von Zeit zu Zeit die langen Zügel auf den Rücken des Pferdes klatschen, das vor das Fuhrwerk gespannt war.

Vor dem Store stemmte sich Hooker gegen die Zügel und brachte das Pferd zum Stehen. Es peitschte mit dem Schweif nach den blutsaugenden Bremsen an seinen Seiten und prustete. Hooker wickelte die Leinen um den Bremshebel und sprang vom Bock.

Auf der Straße und den Gehsteigen bewegten sich einige Passanten. Ein Hund lag im Schatten unter einem Vorbau und schlief. Von irgendwo her ertönte Kindergeschrei. Helle Hammerschläge verkündeten, dass der Hufschmied bei der Arbeit war.

Jim Hooker ging in den Store. Die Türglocke bimmelte. Hinter dem Verkaufstresen befand sich der Storehalter. Er bediente eine ältere, grauhaarige Frau. Hooker grüßte und wartete, bis die Kundin bezahlt hatte und den Store verließ, dann legte er ein Blatt Papier auf den Tresen und sagte: „Ich hab alles aufgeschrieben, Dan. Richte das Zeug her, damit ich es nur noch aufzuladen brauche. Ich gehe in der Zwischenzeit in den Saloon und genehmige mir ein Bier.“

„Ist gut, Jim.“

Hooker verließ den Laden wieder, marschierte schräg über die staubige Straße und betrat wenig später den Saloon. An einem Tisch saßen vier Männer. Hooker sah bärtige, verwegene Gesichter und machte sich ein Bild von dem Quartett. Er kannte die Kerle nicht. Sie muteten wenig vertrauenerweckend an. Hooker fragte sich, wo sich wohl ihre Pferde befanden, denn am Holm vor dem Saloon standen sie nicht. Wahrscheinlich stehen sie im Mietstall, sagte er sich, beachtete die Burschen nicht weiter, ging zum Tresen und bestellte sich ein Bier. Er bekam es und trank einen Schluck, wischte sich mit dem Handrücken den Schaum von den Lippen und sagte: „Verdammte Hitze. Alles trocknet aus. Die Flüsse führen kaum noch Wasser.“

„Auf der Bar H hat man begonnen, Brunnen zu graben“, sagte der Keeper. „Gestern kamen zwei Dampfpumpen mit der Eisenbahn in Dalhart an. Kilkeene hat sie aus New York kommen lassen.“

„Der Grundwasserspiegel dürfte durch die anhaltende Trockenheit ziemlich gesunken sein“, murmelte Hooker und zuckte schließlich mit den Schultern. „Wir werden es sehen, ob Kilkeene Erfolg hat.“ Seine Stimme senkte sich, er deutete mit dem Daumen über die Schulter. „Was sind das für Kerle?“

„Landstreicher“, knurrte der Keeper. „Sie besitzen nicht mal Pferde. Denen möchte ich nicht in der Nacht über den Weg laufen. Das sind Strolche allerersten Ordnung. Bin neugierig, ob sie das Bier bezahlen können, das sie trinken.“

„Gegebenenfalls musst du sie beim Sheriff anzeigen“, versetzte Hooker.

Der Keeper winkte ab. „Ich will keinen Ärger mit den Kerlen. Vielleicht verschwinden sie bald wieder. – Ach ja, Jim. Du wirst es nicht glauben, aber gestern war John Whiteman in der Stadt. Er wollte wieder auf der Bar H anheuern. Als er hörte, dass du im Land bist, hat er es vorgezogen, wieder zu verduften.“

Ungläubig starrte Hooker den Keeper an. „John Whiteman war hier?“, wiederholte er dann gedehnt.

„Ja, gestern. Er kam am Nachmittag in die Stadt und ritt eine Stunde später weiter. Whiteman war hier im Saloon. Er meinte, er wolle keinen Ärger mit dir. Sein Ziel ist New Mexiko.“

Hooker knirschte mit den Zähnen, dann stieß er hervor: „Ich werde ihm folgen und ihn wegen des Todes meines Vaters zur Rechenschaft ziehen.“

„Nur nichts überstürzen, Jim“, murmelte der Keeper. „Du darfst Whiteman nicht unterschätzen. Er ist ein gefährlicher Bursche, und es war sicher nicht die Angst, die ihn veranlasst hat, wieder aus der Gegend zu verduften. Es war ausschließlich die Tatsache, dass er Ärger aus dem Weg gehen wollte.“

In Hookers Zügen arbeitete es krampfhaft. Plötzlich blitzte es in seinen Augen auf und er wandte sich den vier Kerlen zu, die die Köpfe zusammengesteckt hatten und sich unterhielten. „He, ihr!“

Sie unterbrachen ihr Gespräch und starrten Hooker an. „Meinst du uns, Mister?“, fragte einer mit schiefem Mund.

Stechende Augen musterten Jim Hooker. Er nickte. „Ich will euch einen Job bieten, Leute.“

„Was für einen Job? Sollen wir Kuhschwänze jagen?“

„Nein. Keine Kuhschwänze, sondern einen Mann. Ich stelle euch Waffen und Pferde zur Verfügung und zahle jedem von euch täglich einen Dollar, wenn ihr mit mir reitet. Habt ihr Interesse?“

Die vier berieten sich kurz. Dann erhob sich einer der Kerle, ein großer, breitschultriger Mann, auf dessen Kopf eine abgegriffene Melone saß. Er kam zum Tresen und sagte: „Mein Name ist James Delgado, Sir. Wir sind dabei. Allerdings bestehen wir auf der Zahlung eines Vorschusses von jeweils fünf Dollar.“

Hooker holte seine Brieftasche aus der Innentasche seiner Weste, öffnete sie und fingerte zwanzig Dollar heraus, die er Delgado gab. Er sagte: „Trinkt euer Bier aus. Dann gehen wir in den Store. Ich werde jedem von euch einen Revolver und ein Gewehr sowie die erforderliche Munition kaufen. Pferde bekommt ihr auf der Ranch. Wir werden keine Zeit verlieren.“

„Diese drei Gentlemen sind Hank Haggan, Bill Meacham und Lane Robins“, stellte Delgado seine Gefährten vor. Er stellte keine Fragen. Und auch seine Kumpane schien es nicht zu interessieren, weshalb sie einen Mann jagen sollten. Sie gehörten zu der Sorte, die für eine Handvoll Dollar in die Hölle geritten wäre, um dem Teufel ins Maul zu spucken.

Der Keeper schaute skeptisch drein. Aber er schwieg. Es war Jim Hookers Angelegenheit.