Die inneren Fesseln sprengen

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Die inneren Fesseln sprengen
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Epigraph

»Freiheit ist die Unabhängigkeit von äußeren Faktoren.

Jemand, der auf die Hilfe anderer Personen, Dinge oder Bedingungen angewiesen ist, wird zu deren Sklave.

Die perfekte Freiheit ist keinem Menschen auf Erden gegeben, weil der eigentliche Sinn des irdischen Lebens in der Beziehung zu und Abhängigkeit von anderen besteht.

Je geringer die Anzahl der Wünsche, desto größer ist die Freiheit.

Daher ist die perfekte Freiheit die absolute Wunschlosigkeit.«

Sri Sathya Sai Baba


Titel der Originalausgabe: Cutting the Ties That Bind

Erste Originalausgabe (in Englisch) durch Turnstone Press, Wellingborough, UK, 1982

Erste deutsche Ausgabe durch Walter Verlag, 1989 Neuauflage durch Sheema Medien Verlag, 2021

Bibliographische Information der Deutschen Bibliothek:

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliothek; detaillierte Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar

Neuübersetzung 1. Auflage

© Copyright 2021 Sheema Medien Verlag

Inh.: Cornelia Linder, Hirnsberger Str. 52, 83093 Antwort, Deutschland © Phyllis Krystal Foundation, Stradun 319A, 7550 Scuol, Schweiz

Paperback: ISBN 978-3-948177-09-6

Hardcover: ISBN 978-3-948177-10-2

E-Book: ISBN 978-3-948177-97-3

www.phylliskrystal.com

www.sheema-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in jedweder Form und Art vervielfältigt, verbreitet, genutzt oder auf jeglicher Form und Art von Datenträgern ohne die Genehmigung des Rechteinhabers gespeichert werden.

Übersetzung: © Phyllis Krystal Foundation 2021

Layout & Design durch Dominik Haf und Phyllis Krystal Foundation

Bild Seite 223 von Robert Niederhausen, © Phyllis Krystal Foundation

Druck und Vertrieb durch tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

Dieses Buch ist nicht gedacht als rechtlicher, medizinischer oder anderweitiger professioneller Ratgeber. Die enthaltene Information ersetzt weder Hilfe noch Rat aus professioneller Quelle. Wenn rechtliche, medizinische oder eine andere fachliche Beratung gewünscht ist, so sollte diese bei kompetenten Fachmenschen aufgesucht werden. Weder die Autorin noch die Verleger oder die Stiftung und deren Mitarbeiter*innen und Vertreter*innen können haftbar gemacht werden für eventuell auftretende Schäden durch oder bezüglich der Anwendung des Inhaltes des Buches bzw. den Verlass auf denselben.

E-Book-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

Ich widme dieses Buch Sri Sathya Sai Baba, der für mich das Höhere Selbst in allen Dingen und Wesen bedeutet.

Phyllis Krystal

Inhalt

Vorwort der Herausgeberin zur ersten überarbeiteten Auflage

Vorwort der Autorin

Danksagung

Einführung

Das Arbeiten mit der Methode

Der Kern der Arbeit

Vorbereitung für die erste innere Arbeit

Bindungen zu den Eltern

Anleitung zur Visualisierung der Figur Acht

Das Pubertätsritual – Ablösung von einem Elternteil

Möglichkeiten für Entspannungsübungen

Das Pubertätsritual

Das Arbeiten mit negativen elterlichen Archetypen

Positive und negative Eigenschaften der Eltern

Das Zerstören negativer Programmierungen

Die Verbindung zu den inneren Kosmischen Eltern

Der Baum

Die Verbindung zu den Kosmischen Eltern

Symbole für das Höhere Selbst

Das Innere Kind

Zurückweisung

Animus und Anima: männl. und weibl. Anteile in Frauen und Männern

Sirenen- und medusenhafte Frauen

Homosexualität

Ehe und menschliche Bindungen

Das Lösen von Bindungen zu anderen Beziehungen

Ablösung von anderen Familienmitgliedern

Ablösung von alten Beziehungen

Das Lösen von Bindungen für andere Menschen

Befreiung von negativen Kräften

Negative Macht – von Individuen oder Gruppen ausgeübt

Ererbte Familienwolken

Das Auflösen einer schwarzen Wolke

Der geerbte Tintenfleck

Der Innere Feind

Das Auflösen anderer negativer Gedankenformen

Das Innere Haus

Das Mandala

Kristalle

Träume und ihre Bedeutung

Die Türen im Korridor

Tod und Todesrituale

Symbole, Übungen und deren Anwendung

Schutzsymbole

Der Ball oder die Blase, später der Strandball

Die Glasscheibe

Der Lichtzylinder

Die Pyramide

Der Regen- oder der Sonnenschirm

Der fünfzackige Stern (das Pentagramm)

Weitere Symbole

Der Maibaum

Die Figur Acht

Der Bienenstock für Energie

Yin Yang

Die schwarzen und die weißen Vögel

Weitere Übungen mit dem Dreieck

Die Wirkung starker Emotionen auf die Atmosphäre

Die Autoritätsfigur

Die Fackel

Die Flamme auf der Platte

Die Waagschalen

Die Wegkreuzung

Die Welle zur Entspannung

 

Umgang mit negativen Emotionen

Angst

Der Angststern

Schuld

Der Taucheranzug zum Befreien von Schuldgefühlen

Wut

Eifersucht und Neid

Der Wurm im Apfel

Gier

Lehrbilder

Das Maßband und die Schlange

Der knorrige Holzzaun

Die Schwenktür

Die zwei Uhren

Die Tulpe und die Chrysantheme

Die beiden Schlangen

Hund und Katze

Die drei Berge

Der menschliche Hund an der Leine

Schlusswort

Nachwort der Herausgeberin

Wichtige Symbole und Übungen in diesem Buch

Index

Anhang: Bindungen lösen zu einer Person

Über die Autorin

Die Herausgeberin

Vorwort der Herausgeberin zur ersten überarbeiteten Auflage

Als Phyllis Krystal mit der Methode »Die inneren Fesseln lösen« inspiriert wurde, verpflichtete sie sich, diese an so viele Menschen als möglich in exakt der Form, wie sie sie erhalten hatte, weiterzugeben. Die Phyllis Krystal Foundation freut sich, Ihnen hiermit die 1. überarbeitete Auflage des zuerst 1982 veröffentlichten Buches vorlegen zu können.

Bei den grau unterlegten Textpassagen handelt es sich um Anmerkungen der Herausgeberin, die zusätzliche Information enthalten, wie Phyllis sie seit der 1. Auflage 1982 gegeben hat.

Vorwort der Autorin

Es wird dem Leser dieses Buches leichter fallen, es zu verstehen, wenn er oder sie sich vor Augen hält, dass es in diesem Buch vorwiegend um die Arbeit mit Symbolen geht. Symbole bieten Mittel und Wege, um Botschaften wirksam an das Unterbewusstsein zu senden. Symbole sind deswegen so wirkungsvoll, weil die Sprache des Unterbewusstseins aus Bildern und Symbolen besteht.

Das Unterbewusstsein ist schlicht oder kindlich strukturiert und die Symbole, um mit diesem zu kommunizieren, sollten dementsprechend gewählt werden. Ebenso wie Kinder, die schnell und leicht in einer entspannten Atmosphäre spielerisch lernen, ist der kindliche Teil des Geistes aufnahmefähiger, wenn angemessene Methoden gewählt werden, um dem Unterbewusstsein klarzumachen, was unser bewusster Verstand möchte, dass dieses versteht und ausführt.

Auch Rituale mit den in ihnen enthaltenen Botschaften beeindrucken das Unterbewusstsein, ganz besonders dann, wenn sie mit Emotionen gefüllt sind und ernsthaft ausgeführt werden. Alle Techniken, Rituale und Symbole, die in diesem Buch vorgestellt werden, besitzen die Fähigkeit, positive Botschaften ins Unterbewusstsein einzuprägen und damit negative Konditionierungen auszugleichen, die möglicherweise vorher in unserem Leben stattgefunden haben.

Der Leser wird umso mehr profitieren, wenn er Kritik und Bewertung zurückstellt: Die verschiedenen Techniken sollten nicht als zu kindisch verworfen werden, um effektiv zu sein. Ein bewusstes Zurückhalten von Be- und Verurteilungen gibt dem Unterbewusstsein der Leserschaft die Möglichkeit, teilzunehmen und von den positiven Konditionierungen, die die Symbole bieten, zu profitieren. Solange das Unterbewusstsein einer Person nicht beeindruckt ist, können keine Veränderungen im Leben dieser Person stattfinden – ganz gleich, wie sehr sie sich bewusst zu verändern oder weiterzuentwickeln wünscht.

Danksagung

Ich danke allen Menschen, die mit mir gearbeitet haben für ihre Hilfe, denn ihre Probleme und Fragen haben Antworten hervorgebracht, die in die Entwicklung der in diesem Buch beschriebenen Techniken eingeflossen sind.

Einführung

Dieses Buch präsentiert eine Methode, durch die eine Befreiung von all den verschiedenen Ursprüngen falscher Sicherheiten erreicht werden kann. Diese Methode befähigt eine Person, zu einem unabhängigen, selbstständigen Menschen zu werden, indem sie sich ausschließlich auf die innere Quelle für Sicherheit und Weisheit stützt, die allen Menschen, die diese suchen, zur Verfügung steht. Dieses Wissen bildet die Krönung eines mehr als zwanzig Jahre andauernden Experiments, das eine Frau und ich begannen. Zunächst trafen wir uns zu einer Zeit, in der wir beide damit beschäftigt waren, verschiedene Methoden zu erproben, die uns helfen sollten, mehr Sinn in unseren Leben zu finden.

Wir entdeckten, dass wir beide unzufrieden und enttäuscht darüber waren, dass wir keine überzeugenden Antworten auf einige unserer ernsthaften Fragen über das Leben erhielten. »Warum sind wir hier? Wer sind wir? Wohin gehen wir?«, fragten wir uns und waren sicher, dass es irgendeinen praktikablen Weg geben musste, weitere Antworten auf diese Fragen zu finden. Beide hatten wir eine Wachtraum-Technik erlernt und entschieden uns, diese zu nutzen, um für uns hilfreiche Erfahrungen und Lehren gezeigt zu bekommen. Wir trafen uns regelmäßig und wechselten dabei jeweils die Rollen; einmal führte eine von uns und die andere empfing die Eindrücke, beim nächsten Mal war es umgekehrt.

Eine der ersten Dinge, die wir gezeigt bekamen, war die Nutzung eines Dreiecks als Grundlage für die Arbeit, um uns mit dem Höheren Selbst zu verbinden und uns von dieser Weisheit in jedem von uns leiten zu lassen. Diese Quelle der Weisheit ist immer verfügbar, greift aber nicht in unser Leben ein, geht auch nicht gegen unseren freien Willen, solange wir nicht um dessen Unterstützung bitten.

Als Grundlage dafür visualisierten wir beide eine Lichtlinie auf dem Boden, die uns beide auf Bodenhöhe verband, wobei eine von uns bei Punkt A und die andere an Punkt B gegenüber war. Dann stellten wir uns jeweils eine Lichtlinie entlang unserer Wirbelsäulen vor, die oben an unseren Köpfen austraten und sich über uns an einem Punkt C – der Spitze des Dreiecks – trafen. Dieser Punkt C bedeutete für uns den Treffpunkt mit unserem Höheren Selbst, wo wir Eins sind. Mit der Zeit begannen wir, diesen Punkt das »High C« für Higher Consciousness [englisch für Höheres Bewusstsein] zu nennen und seitdem übergaben wir diesem die Führung der Sitzungen und baten darum, das zu erhalten, was wir brauchten und womit wir im jeweiligen Moment umgehen konnten.


Die Erfahrung in der Arbeit mit vielen Menschen hat gezeigt, dass der Begriff »High C« für alle annehmbar ist, was immer auch ihr Hintergrund sein mag. Die meisten Menschen, die nach einem Sinn des Lebens suchen, haben eine wie auch immer vage Vorstellung davon, dass es eine Kraft in jedem von uns gibt, die jenseits unserer persönlichen, begrenzten, bewussten Persönlichkeit liegt. Die Tatsache, dass Menschen Hilfe suchen, zeigt erst einmal, dass sie zu der Erkenntnis gelangt sind, dass ihr bewusster Verstand und ihr Gehirn nicht in der Lage sind, alle ihre Probleme zu lösen. Üblicherweise stimmen sie dankbar zu, weiterführende Hilfe von der uns innewohnenden Weisheit zu erbitten, wenn wir ihnen zeigen, wie sie damit in Kontakt treten können.

Auf diese Weise mit dem High C zu arbeiten, ist das grundlegende Element, welches diese Methode von anderen Methoden unterscheidet, in denen der bewusste Verstand eines Arztes oder Therapeuten normalerweise die Autorität bildet. Dort findet die Beratung auf der Ebene der Basislinie des Dreiecks statt – also von einem bewussten Verstand zum anderen.

In der Arbeit mit der Methode hat sich im Laufe der Jahre sehr viel Material zu verschiedenen Themen angesammelt. Es schließt auch Antworten auf Fragen und Techniken ein, um uns selbst und anderen bei persönlichen Problemen zu helfen.

Zu Beginn sprachen wir selten darüber, was wir taten, denn in den 50er und 60er Jahren wäre es als sehr seltsam empfunden worden. Aber jetzt, wo übersinnliche und spirituelle Themen explosionsartig in unseren Alltag drängen, ist es schick geworden, darüber zu sprechen. Seit den ersten Anfängen sind von Zeit zu Zeit andere interessierte Suchende zu uns gestoßen. Einige von ihnen arbeiteten eine Zeitlang mit uns, um ihre Probleme zu lösen, und zogen dann weiter, nachdem sie effektive Methoden gelernt hatten, sich weiterhin selbst zu helfen. Einige wenige tauchten tiefer in die Arbeit mit der Methode ein und halfen so, weitere Lehren und Techniken zu entdecken, indem sie Hilfe für ihr eigenes Leben suchten.

Jetzt gibt es viele Menschen, besonders jüngere, die ernsthaft interessiert daran sind, sich selbst zu entdecken. Einige von ihnen finden den Weg zu dieser Methode. Hoffentlich nutzen sie die Methode, die uns gelehrt wurde, um mehr Antworten und praktische Lösungen auf ihrer Suche nach Ganzheit zu finden. Sie können dann ihre Entdeckungen an andere weitergeben und so dazu beitragen, die Methode noch weiter zu verbreiten. Die Methode ist nicht statisch oder kristallisiert, sondern erweitert sich, je mehr Menschen sie nutzen.

Das Buch präsentiert die Methode, verschiedene Techniken und Rituale zur Befreiung von alten Mustern und Bindungen; es enthält auch einige der Lehren und Unterweisungen, die wir erhielten, so dass sie mehr Menschen erreichen als die, mit denen wir persönlich in Kontakt kommen. Somit ist es ein Buch sowohl für Laien als auch für professionelle Therapeuten, denn es ist absolut sicher, diese Methode zu verwenden, wenn die Anleitungen sorgsam befolgt werden und um die Hilfe des Höheren Selbst gebeten wird. Viele der Menschen, die von der Methode profitierten, haben mich immer wieder dazu gedrängt, ein Buch darüber zu schreiben. Zunächst war ich von der Vorstellung bestürzt, da ich ja keine professionelle Schriftstellerin bin und große Zweifel daran hatte, ein Buch schreiben zu können. So bat ich in einer unserer Sitzungen um Hinweise dazu. Mir wurde versichert, dass das Buch bereits durch die jahrelange Arbeit Form angenommen hatte und nur noch in eine fassbare Version in einfachem und geradlinigem Stil gebracht werden müsse.

Ich hoffe also, dass alle, die dieses Buch lesen und beschließen, den Inhalt anzuwenden, entdecken werden, dass dies ein großes Abenteuer bedeutet und auch feststellen werden, dass es ein großer Segen ist – wie für all diejenigen, die bisher bei seiner Entwicklung geholfen haben.

Phyllis Krystal

Das Arbeiten mit der Methode

Dieses Buch beschreibt eine Methode, die entwickelt wurde, damit zwei oder mehr Personen arbeiten können, um in Wissensbereiche einzutauchen, die jenseits des Bewusstseins eines jeden Einzelnen liegen. Der Zustand während der Arbeit mit der Methode wurde vielfach beschrieben als Wachtraum oder aktive Imagination, wobei keiner der beiden Begriffe den Zustand wirklich darstellt. Diejenigen, die Erfahrungen mit der Methode gemacht haben, beschreiben dies fast immer als einen Zustand erweiterten Bewusstseins und berichten, dass die erfahrenen Gefühle meist wesentlich intensiver sind als jene, die wir in unserem normalen Bewusstseinszustand erleben – auch sind die Bilder weitaus lebendiger.

 

Ich muss von Anfang an zwei Dinge ganz klar stellen: Erstens nehmen die Beteiligten bei vollem Bewusstsein alles wahr, was sie erfahren, sie sind niemals in Trance und erinnern sich an jedes Detail, das während der Sitzung vorkommt. Zweitens ist es nicht notwendig, besondere Fähigkeiten zu besitzen, wie etwa übersinnlich zu sein, beispielsweise hellsichtig oder medial, um diese Arbeit zu machen. Die Anforderung an jede Person, die mit dieser Methode arbeiten möchte, ist, dass ein starker Wunsch danach besteht, Wahrheit und Ehrlichkeit sowie wahre Hingabe und innere Führung zu finden. Ebenso die Bereitschaft, das Ego sowie den persönlichen Willen und Wünsche, Glaubenssätze und Vorurteile beiseitezulassen, so dass die Lehren des Höheren Selbst unverfälscht von menschlichen Verfärbungen zu uns fließen können.

Während wir eines Tages zu zweit arbeiteten, erhielt ich ein interessantes Bild, das mir zeigen sollte, wie wichtig es ist, vollkommen offen zu sein und das Ego soweit wie möglich beiseitezulassen. Wie üblich baten wir darum, gezeigt zu bekommen, was immer für uns angemessen und an diesem Tag zum richtigen Zeitpunkt zu erfahren wäre. Das einzige Bild, das ich erhielt und das nicht weichen wollte, weder verblasste noch verschwand, war das einer Urne. Als ich mich darauf konzentrierte, erkannte ich, dass diese stark angebrochen und angeschlagen war und mir kam der Gedanke, dass sie beim Befüllen mit Wasser auslaufen würde. Ich fragte nach, warum mir dieses Bild einer alten, beschädigten Urne gezeigt wurde. Die Antwort kam wie ein Blitz und schockierte mich. Plötzlich erkannte ich, dass sie mich repräsentierte und dass wir alle gebrochen und angeschlagen sind. Mit Erleichterung stellte ich dann fest, dass dies unsere Fähigkeit, diese Arbeit zu machen, nicht beeinträchtigen musste. Da wir uns mit dem inneren Licht in jedem von uns in Verbindung setzen, um Dunkelheit und Ignoranz zu vertreiben, kann dieses Licht durch die Risse und Spalten sogar besser wahrgenommen werden und zu anderen Menschen strahlen. Von jenem Moment an hörte ich auf, mich zu sorgen, ob ich nun adäquat für diese Arbeit oder ein klarer Kanal sei.

Die Anforderung an zwei Menschen, die zusammenarbeiten möchten, ist zunächst eine Beziehung, welche die Basis des Dreiecks formt, das sie benutzen werden, um mit dem Höheren Selbst in Kontakt zu kommen. Es ist auch wichtig, dass sie diszipliniert genug sind, um regelmäßig zu arbeiten und vor allem, dass so wenig Wettbewerbsgeist oder Geltungsbedürfnis als möglich im Spiel ist. Hier geht es ja um die Suche nach innerem Wissen, nicht um das der einzelnen Partner. Es kann durchaus hilfreich sein, wenn die Partner unterschiedliche Persönlichkeiten haben, denn es sorgt für größere Polarität und verringert die Gefahr, zu stark vom Thema abzuweichen. Manchmal führen diese Unterschiede zu interessanten Situationen, wenn beide Partner auf den ersten Blick scheinbar widersprüchliche Bilder erhalten, die aber bei genauerem Hinsehen die gleiche Aussage nur unterschiedlich präsentiert enthalten; die Aussagen bestätigen sich gegenseitig. Es kommt auch vor, dass die Bilder der einzelnen Partner, sobald sie zusammengefasst werden, eine ganze Botschaft ergeben, von der jedes Bild einen Teil bildet.

Im Laufe der Arbeit wurde schrittweise immer offensichtlicher, dass die Arbeit auf viele verschiedene Arten angewendet werden kann. Von Anfang an wurden wir angewiesen, dass wir bereit sein mussten, das Erlernte mit all denjenigen, die offen dafür sind und es anwenden möchten, zu teilen. So ergab es sich, dass wir auch mit verschiedenen anderen Menschen arbeiteten, die uns um Hilfe und Rat für ihre Probleme baten. Dies geschah zusätzlich zu unseren regelmäßigen Treffen zur Erlangung innerer Führung und Unterweisung, die eher wie eine Schule des Höheren Lernens war.

Manchmal arbeitete eine von uns direkt mit dem Hilfesuchenden, entweder, indem beide sich mit dem Höheren Selbst verbanden, oder indem das, was wir schon erlernt hatten, mit ihnen geteilt wurde. Manchmal halfen wir auch Menschen dabei, ihre Träume zu entziffern oder fuhren mit dem fort, was immer bei der entsprechenden Person und dem Problem angebracht war. Sonst arbeiteten wir beide zusammen und baten darum, gezeigt zu bekommen, wie wir den Menschen, die innere Führung suchten, helfen konnten. Diese Methode wandten wir meist mit Menschen an, die weit entfernt wohnten oder aus anderen Gründen nicht direkt mit einer von uns beiden arbeiten konnten. In jenen Fällen teilten wir den Betreffenden das Ergebnis unserer Arbeit entweder telefonisch oder per Brief mit und erklärten ihnen empfohlene geistige Übungen oder Meditationen. Wir wurden immer wieder davor gewarnt, die gesamte Arbeit für andere zu tun und ihnen die Aufgabe abzunehmen, denn dies würde nur unsere geistigen und spirituellen Muskeln stärken, nicht aber deren.

Die vielen und vielfältigen Probleme, auf die unsere Aufmerksamkeit gelenkt wurde, waren oft der Weg zu neuen Lehren für eine große Anzahl vielfältiger Themen. Indem wir die uns gegebenen Lehren immer mehr anwandten, lernten wir, der Quelle zu vertrauen, besonders, wenn wir die vielen Beweise sahen, wie diese im Leben vieler anderer Menschen wirkten.

Immer mehr Menschen hörten durch Mundpropaganda von unseren Aktivitäten. Unter ihnen befanden sich auch Psychologen, die uns um Hilfe bei besonders schwierigen oder rätselhaften Fällen baten. Meine ältere Tochter ist Psychologin und benutzt verschiedene Übungen und Techniken mit ihren Klienten mit großem Erfolg. Zusätzlich treffe ich mich mit ihr regelmäßig, um das Höhere Selbst um weitere Einsichten und Anweisungen zu bitten, wie sie die Probleme ihrer Klienten diagnostizieren und effektiver mit ihnen arbeiten kann. Sie bietet es nur solchen Klienten an, von denen sie den Eindruck hat, dass sie offen für diese Arbeit sind, die ihr Einverständnis dazu geben und die einer derartigen Führung folgen wollen. Die meisten unter ihnen greifen nach dieser zusätzlichen Hilfe und Einsichtsmöglichkeit und das Ergebnis ist, dass meine Tochter ihnen helfen kann, sich besser selbst zu helfen, was der Schlüssel zu Heilung und innerem Wachstum ist. Sie sehen, wie diese Arbeit den inneren Heilungsprozess beschleunigt, und meist haben wir eine lange Liste von Anfragen, wann immer wir uns treffen.

Aus dieser Arbeit ergab sich eine Struktur, die von Psychotherapeuten und Beratern genutzt werden kann, so wie sie im weiteren Verlauf des Buches erläutert ist. Wir hoffen, dass sich mit der Zeit immer mehr Therapeuten dieser höheren Weisheit bedienen, indem sowohl sie als auch ihre Klienten das Höhere Selbst anrufen.

Eine immer wieder auftretende Situation bei Beratungen ist die Projektion oder Übertragung. Dies wird verringert, wenn sowohl Therapeut als auch Klient sich auf das Höhere Selbst als Autorität verlassen anstatt auf den Therapeuten und auch eine von uns erhaltene Visualisierungsübung benutzen, die speziell dieses Problem reduziert. Wir nennen diese Übung die »Figur Acht«, deren Benutzung später im Text beschrieben wird.