Buch lesen: «Satt statt stark»

Schriftart:

Petra M. Jansen

SATT STATT STARK

Dekadenztexte & Sozialkritik

Sozial- und gesellschaftskritische Essays,

eine zeitkritische Auseinandersetzung mit dem Appell

an Reaktivierung von Herz und Verstand

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2015

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2015) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte bei der Autorin

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Prolog

Die Wahrheit

Klare Worte

Fluchtort Himmel

Wähle 69 69 viermal die 6

Klinik Speed

Hausmannskost

Der Mythos lebt

Wohin des Weges?

Nein!

Verpackte Engel

Depressionen

Entmündigt

Sekten

Virtuelle Identitätsverluste

Mein Hirn, mein Sack, mein Konto

Schau dir deine Freunde an

Rudelficken

Toxic illusions

Von Spinnern und Nieten

100.000 Mal

Gestatten, sie halten einfach mal die Klappe!

Vergangenheiten

Lasst uns froh und munter sein

Scheiße, ist das schwer

Anderswelten

Gackernde Hühnchen

Rocker

Lilly ist tot. Es lebe Lil

Schämst du dich nicht?

Totenkult

Eingeigelt

Hab keine Angst

Alles Scheiße

Kaputte Seele

Menschenleben

Weg, weg

Gnadenlose Welt

Ich

Es ist, was war

Der Schriftsteller

Prost Wahlzeit!

Der Märtyrer

Stille Sehnsucht

Job und weg

(über)sinnliche Esorotik

Hippies

Wir sterben alleine

(ver-)arm(t)e Kunst

Der Schrei

Spiegelbilder

Der Haken hat keinen Haken

Der Schein

Sweet child of mine

Machen wir’s jetzt mal wie die Regierung

Zu viel Liebe

Irrtümlich gedacht

Vertrauen

Von Kuttenträgern, Althippies & Junkies

Lebensmut

Komische Gedanken

Seelennot

Verstehen

Vom Mann zum Depp

Zerrissenheit

Mäzen und Mäzenatin

Hoch stapeln

Maskenball

Rufmord

Ausgelaugt und rausgekotzt

Herdengeschlurfe

Tu mir nicht weh

Das Armband

Wolken

Petra M. Jansen

Prolog

„Ich schreibe ungern über den Senf, wenn ich nach der Beschaffenheit der Wurst gefragt werde.“

Dieses Buch widme ich der Gesellschaft und den wenigen Menschen, die sich nicht von den Medien und ihrer eigenen Egozentrik manipulieren lassen. Denen, die einen dringenden Handlungsbedarf sehen und ein Zeichen zum Umdenken setzen wollen. Sozialkritische Texte – und ich nenne sie in diesem Buch bewusst Dekadenztexte – sind oft hart, aber wahr. Erkennen sie doch die versteckten Wahrheiten hinter der maroden Fassade von Kommerz, Konsum, Mainstream, Volksverdummung oder ethisch verwerflichen Abgründen. Aufwachen! Schöne Künste begleiten unsere Kultur und die Künstler dieser Welt sind es, die niemals schweigen dürfen. Dieses Buch steht für Respekt, Wahrheit und Ethik und ich habe keine Angst vor der Provokation der Öffentlichkeit. Die reine Wahrheit scherzt nicht. Sie schmerzt!

Die Wahrheit

Ich werde mich so lange vor ihr verbeugen

stets zu Diensten sein

ihr freundlich begegnen

sie umarmen

so lange

sie keine Zweifel lässt.

Wenn dann

und dann

es sich bewahrheitet

was sie nicht ist,

wirft ein Schatten Asche auf ihre Spur

verbeugt sich der Satan

vor ihrer Fresse.

Sehe ich den Sternenhimmel.

Ohne Sterne.

Klare Worte

sprich Klartext,

dann wissen Menschen was los ist

sprich, was IST,

dann kann man es verstehen,

sprich die Wahrheit,

dann kann man sich entscheiden,

sprich alles aus,

dann hat jeder die Wahl

spreche,

wenn du sprechen magst,

sage nichts,

wenn du es nicht kannst

bist du frei

von Ängsten und Zweifeln,

bist du

ehrlich,

wahrhaftig und wahr.

Also sprich!

Und halt die Klappe,

wenn du nicht sprichst

und nur redest.

Fluchtort Himmel

Sei das Schaf in der Herde, Hirten sind wieder „in“.

Brave Herden brauchen keine Hunde, aber die sind doch so süß.

Dem Himmel sei Dank, es heilen alle Wunden.

So steht’s geschrieben!

Ja, da haut die hohle Hand vor die Stirn, doch es tut sich nichts.

Kein Ruck! Zückt die Intelligenz nicht sein Schwert?

Abgestumpft. Mensch macht sich untertan. Und das auch noch freiwillig.

Um Himmels willen! Fundamentalismus und Fanatismus reichen sich die Hand.

In einem bekloppten Land, einem Land des Untergangs.

Na klar. Wenn die Deppen höfisch kniend ängstlich vor dem verschlingenden Boden unter den Füssen zurücktreten und bloß keinen Schritt nach vorne wagen. Dann darf man sich nicht wundern über den desolaten Zustand unsere Welt. Herrje, was stand da geschrieben?

Das riesige Ungeheuer frisst gefräßig seine Beute, die unbedarft darüber latscht?

Nicht, dass die Gläubigen nun von ihrer Haltung abweichen, beileibe nicht.

Geht auch gar nicht, da hat Großes schon allergrößten Schaden angerichtet.

Außerdem war Maria ja Jungfrau. Diese aber hat tatsächlich ein Kind geboren und wie geht das? Retorte? Künstliche Befruchtung?

War die Wissenschaft schon weiter als wir alle dachten?

In einer Zeit, in der kräutersammelnde, emanzipierte Damen auf dem Scheiterhaufen verbrannten, weil der Aberglaube so allmächtig war?

In einer Zeit, die paradiesisch war mit all ihren Seuchen und Kriegen?

Grausam. Unfrei.

Richard Dawkins ist wohl ein Schwätzer, der Mann hat sicher den Pakt mit Satan geschlossen. Genau. Sodom & Gomorra im Jahre 2012 und auf einer Welt ohne Zukunft. Obwohl uns ja versprochen wurde, dass die Menschen Rettung finden, aber darüber bestimmt ja ein Monarch. Eigentlich ein König und der darf ja mit Macht gar nix an der Krone haben, oder wie? Beten wir mal alle, dass der Erdboden uns nicht verschlingt, aber dafür brauchen wir Verstand, Mut, Engagement und klare internationale Absprachen.

Versiegt unser Glaube, landen wir in der Hölle und schmoren vor uns hin.

So steht’s geschrieben!

Und das wird uns erwarten, wenn wir uns nicht sofort alle gefälligst der absoluten Gehirnwäsche unterziehen und uns in falsch verstandene Religiosität flüchten.

Wähle 69 69 viermal die 6

Augenringe weggetüncht, Spuren der Nacht zwischen Frühstücksspeck und Kakao. Das Telefon ist stumm. Der Schulbus kommt in zehn Minuten. So lange hatte er auch gebraucht. Heute Nacht am Telefon. Gleich geht’ s einkaufen! Gummibärchen, Puffreis und saure Zungen und vielleicht war noch ein kleines Mittagsschläfchen drin. Viel Zeit war nicht. Um halb elf musste die Tiefkühlkost eingeräumt sein und Frau Weber – von drei Straßen weiter – wartete dann auch. Zweimal pro Woche und schwarz, versteht sich. Nebenher Schreibarbeiten, Telefonakquise und Seitenpflege online.

Lisa und Simon hatten heute länger Schule. Eine Zigarette und ‘ne Tasse Kaffee, mehr ging nicht im Moment. Irgendwo hatte sie ihre Tabletten. Leben – den ganzen Tag und die ganze Nacht. Irgendwann wird es besser werden.

Er zahlte nichts, keine Kohle kam rüber und sie liebte ihre Kinder. Und wie sie die liebte! Sie waren jedes Kotzen wert, jede Sekunde, die sie zusätzlich heimlich machte, weil es gutes Geld brachte. Ein Scheißjob. Ohne Bezahlung vorab gab’ s gar nichts. Kein Wort, keine Silbe, kein Stöhnen. Letztens geilte sich einer daran auf, dass sie ihn in Windeln durch’s Wohnzimmer peitschte. Er pinkelte sich voll. Sie ekelte sich. So was hinterlässt Spuren, sie war nicht abgebrüht. War keine alte Hure, die das gewohnt war. Telefonwichser. Sie tat es wegen des Geldes. Er gegen seine Einsamkeit.

Nachts schliefen die beiden Engel, für die sie spermageilen Anrufern ihre Hotline öffnete. Das Telefon log ihm vor, was ihn kurzweilig erigieren ließ. Anonym, dreckig, alles ist erlaubt.

Wähle sechs neun sechs neun, viermal die sechs und die dralle, nasse, heiße Blonde, die in Wahrheit eine kämpfende Brünette ist, holt dich wieder runter. Für’ n paar Euro, fast umsonst …

Engel wollen fliegen, dafür darf der Teufel lachen.

Klinik Speed

Einbett-Belegung haben wir nicht. Blutdruckmessung fünf Uhr fünf. Um elf folgt der Rattenschwanz der Visite. Mittagessen, scheiße. Wir sind doch kein Hotel! Die Rezeption ist rund um die Uhr besetzt, Service am Kunden hat Priorität.

Es stöhnt der Nachbar auf der Pritsche, nachmittags die ganze Roma-Sippe. Schwester!!! Helfen sie mir mal auf’ s Klo, der Beutel an mir, der will nicht mit! Irvana und Jolanda eilen herbei, ein gehetzter Blick auf die Zeiger. Wo sind denn bloß die Tabletten? Ivana hatte sie doch heimlich hinterlegt?

Der Chefarzt ist schon fertig mit der Line – feiner, weißer Staub unter seiner Nase. Na, wer sagt’s denn? Speed, Crack, Koks, diverse Pillen.

Ganz im Sinne der Patienten. Rund um die Uhr. Schicht für Schicht beste Qualität!

Hausmannskost

Deftige Hausmannskost, da weiß man(n) was man(n) hat. Langjährig erprobt. Nicht ganz, der Herr – es wird sich gern woanders ausgetobt. Canapées serviert im attraktiven Schürzchen, auf nackter Haut. Nur die Hacken an den Hacken, die kauft er ihr!

Mediterrane Kost und vor allem Scampi, mit viel Knoblauch, für die Potenz. Schlaff hängt der Sack, da nützt auch kein schwarzer Frack. War wohl doch ‘ne Spur zu scharf?

Derweil die Gattin auf den Gatten wartet, schnippelt sie schon mal die Zwiebelchen für die Kartoffeln. Wie e r sie doch liebt! Herr-je!

Die hausgebackene Alltags(ge)mahlzeit ist zum Verzeihen seiner Fehltritte stets bereit. Die Gattin wartet also artig-brav wie ein Schaf, während ihr Gatte gerade fremd begattet. An der Latte hat er es nicht, aber sie einen an der Latte! Duldet sie sein umtriebiges Spiel mit hochgestecktem Haar, damit nichts in die Kartoffeln rutscht. Ihr Herz rutscht in die Hose, wüsste sie davon, die Edle.

Ihm rutscht das Hirn in die runtergelassene Hose, es scheppert das Metall an seinem Gürtel. Die Geliebte ist das Buffet auf dem Esstisch? 9 ½ Wochen in drei Minuten. Und der Spuk ist vorbei!?

Hunger treibt jetzt den Geliebten, umtriebig tätschelt er sie lächelnd an den Herd.

Die Hacken hat sie anbehalten, gibt ihm damit einen Tritt in seinen Arsch. Schlaff hängt der Sack, immer noch – tja, Hausmannskost ist er halt gewohnt.

Die Gattin schmeißt die Kartoffelscheibchen in die Pfanne, Lady Chatterley schmeißt ihn im hohen Bogen raus. „Tausche Scampi gegen Bratkartoffeln“, denkt der alte Sack und rennt nach Haus’.

Bratkartoffelduft erwartet ihn, seine Gattin auf dem Esstisch. Der Nachbar kam nur kurz vorbei, es roch so gut nach Hausmannskost. Und bei ihm zu Hause gab’s ja nur Hummerschwänzchen, Wein und Wachtel-Ei.

Der Mythos lebt

Haarig, bissig, blutig nimmt er bei Vollmond seine grausame Gestalt an um zu morden. Blut steht für Fruchtbarkeit und Leben. Wehe, die Sonne geht auf und scheint ihm ins Gesicht. Dann ist es aus mit der Finsterkeit. Fell glätten, abstreifen und lächelnd in den Tag hinein. Fabelwesen, die mit einer Silberkugel „erlegbar“ sind. Oder es kommt tatsächlich noch ein Vampir. Scheiße, Mensch! Da wird bei Tageslicht aus der Bestie glatt ein Mensch. Na so was? Nachts findet sie statt, nur nachts. Die Verwandlung von Gut ins Böse, was für ein Stress. Nicht menschlich, nicht tierisch, was denn nun? Her mit den Vampiren, sie rammen die Zähne in den Hals und saugen das Vieh aus. Gut so. Denn das Mittelalter ist vorbei, ebenso die Sagen, die uns Menschen in früheren Zeiten in Angst und Schrecken versetzt haben. Klauen griffen nachts nach ihnen, die Jungfrau wurde im Schlaf vernascht. Raus das Blut aus den Adern, abgesaugt vom bösen Wolf. Pure Steel! “Only pure steel” – kann den Mythos töten. Aber wenn, dann wenigstens für alle Zeiten. So sagt es die Überlieferung.

Kraulen wir derweil dem Katzenweib die Tatzen, wer weiß? Vielleicht verwandelt sie sich des Nachts in ein keifendes, beißendes Ungeheuer? Katzen sind sowieso dämonisch klug und sagenumwobene Fellwesen. Hündisch sind sie nicht, aber ihre Seele ist fein rein. Katzenkrallen rammen sich dir exakt dann in deine Haut, wenn du nicht folgst und brav untertan bist. Ohne Vorwarnung erfolgt der Hieb der Katzentatzen. Fabelwesen waren sie auch schon immer. Heute quellen sie in jede virtuelle Community bis zum Erbrechen. Kotzen Formen, kacken Rosen, schnurren Hymnen. Echt jetzt? Ich glaube eher, wir haben alles was am Sträußchen!

Tiere sind Tiere, sie lieben genau den, der gut für sie sorgt. Sie lieben den, der ihnen Wohlergehen gibt und das Lebewesen respektiert. Keine Dämonen. Keine Fabelwesen. Keine Mythen. Einfach Tier. Seien wir einfach Mensch. Ohne Aberglaube und falschen Mythen. Realitätsfremd. Gebeutelt durch unseren eigenen Mist, den wir nicht verarbeiten können. Wenn’s dann ganz eng wird im Kopf, streicheln wir Katzentatzen und erfinden Gruselmonster. Tatsächlich jenseits von Gut und Böse. Mittendrin in der Psychiatrie.

€4,99

Genres und Tags

Altersbeschränkung:
0+
Veröffentlichungsdatum auf Litres:
23 Dezember 2023
Umfang:
80 S. 1 Illustration
ISBN:
9783960081012
Rechteinhaber:
Автор
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