Zimmer für zwei - eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 3

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Aus der Reihe: LUST
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Anna Bridgwater

Zimmer für zwei
Eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 3

LUST

Zimmer für zwei - eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 3

Originaltitel: Værelse til to

Übersetzt von Mareike Zoege

Copyright © 2016, 2018 Anna Bridgwater und Lust

All rights reserved

ISBN: 9788711970928

1. Ebook-Auflage, 2018

Format: EPUB 2.0

Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit LUST und den Autoren gestattet.

Zimmer für zwei

– eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 3

Es war Zeit, nach Hause zu fahren. Ich hatte einen Sommer für mich allein verbracht, doch nun kehrte ich zu meiner Familie zurück. Ich hatte alles: Mann, Kinder, ein schönes Zuhause, einen tollen Job. Ich hatte mir meine Familie mit der Sicherheit und den Gewohnheiten, die sie mit sich brachte, selbst ausgesucht. Aber die Gefühle folgen nicht immer den Entscheidungen. Als ich nach einem Monat in Rom meine Wohnung aufschloss, war ich gleichzeitig froh und nervös angesichts des Alltags, der sich vor mir erstreckte. Die Tür fiel hinter mir ins Schloss und die Wände schienen näher zu rücken, als würden sie mich bewachen. Meine Sinne waren wach und aufnahmebereit und dasselbe galt für meinen Körper. Einen Sommer hatte ich meinen Gelüsten und mir selbst gewidmet und ausprobiert, nur in meiner eigenen Gesellschaft zu sein. Ich hatte in diesem Sommer ekstatischen Sex erlebt, aber die größte Freude des Sommers war es gewesen, Zeit mit mir selbst zu verbringen und die zu sein, die ich sein wollte.

Während des Fluges hatte ich darüber nachgedacht, ob mein Sommer auf eigene Faust eine Kostprobe davon war, wie es ist, ein Mann zu sein. Vielleicht gehen Männer durchs Leben, ohne permanent darüber nachzudenken, ob sie sexy sind? Vielleicht beschäftigt es sie nicht ständig, was andere Menschen über ihre Kleidung, ihre Haare und ihren Körper denken? Vielleicht haben Männer nicht dauernd Angst, als zu billig, zu hässlich oder zu alt beurteilt und verurteilt zu werden. Wenn eine unbekannte Frau mit einem Mann Blickkontakt aufnimmt, denkt er dann darüber nach, ob sie ihn zu dick findet? Oder zu misslungen? Während der Landung schaute ich aus dem Fenster und sah die Gepäckarbeiter, die um das Flugzeug herum wuselten. Die meisten von ihnen waren ein bisschen mollig, mit runden Bäuchen unter den Sicherheitswesten und straff sitzenden T-Shirts. Aber sie genierten sich nicht für ihre Körper. Sie zerrten und hoben das Gepäck und zeigten dem ganzen Flughafen den Speckwulst, der über den Gürtel hing, und die Falte zwischen den Pobacken. Ich wandte den Blick auf mein Handy und schrieb Rune, dass ich gelandet bin.

Ich freute mich darauf, meinen Mann wieder zu sehen und meinen Kindern zeigen zu können, wie sehr ich sie liebte. Ich war nur einige Wochen von ihnen fort gewesen, aber es war, als wäre mehr Zeit vergangen. Die Jungs waren gewachsen, Rune war etwas schmaler geworden und die Wohnung sah abgenutzter aus, als ich sie in Erinnerung hatte.

Die Jungs freuten sich, als ich nach Hause kam, aber waren etwas verhalten. Ich gab ihnen einen Kuss und merkte an ihrem Geruch, dass sie älter geworden waren. In den Duft von Waschmittel mischte sich statt der Süße der Kindheit immer mehr das Salzige und Bittere, das vom Schweiß und den Hormonen der Pubertät kommt. Unsere Zwillinge standen an der Grenze zum Erwachsenenleben und es war lange her, dass sie alle ihre Gedanken mit mir geteilt hatten. Sie nahmen die Fußballtrikots entgegen, die ich ihnen gekauft hatte, und verschwanden in ihrem Zimmer. Ich sah sie die Tür schließen und spürte einen Stich der Sehnsucht im Herzen. Sie waren auf einem Weg fort von mir und vielleicht hatte ich die Zeit nicht genug genossen, in der ich noch ein unzertrennlicher Teil ihres Lebens gewesen war.

Die erste Nacht mit Rune war von der starken Intimität gefüllt, die von vielen Jahren Zusammenleben geformt wird. Ich tauchte in die geborgene, unkomplizierte, wohlbekannte Lust hinab. Er wusste genau, wie er sich bewegen musste, wann er in mich eindringen und wann er sich herausziehen und innehalten sollte. Er lag auf den Knien zwischen meinen gespreizten Beinen, legte meine Unterschenkel auf seine Schultern, beugte sich über mich und drang tief, tief in mich ein. Sein Körper bewegte sich über meinem, rhythmisch und routiniert. Seine Bewegungen wurden schneller und er schloss die Augen. Dann hielt er in der Bewegung inne, zog sich aus mir heraus und setzte sich auf. Er betrachtete mich durch halb geschlossene Augen. Dann befeuchtete er einen Zeigefinger in seinem Mund. Mit dem Finger liebkoste er mich und ich öffnete mich für ihn. Der Finger ging auf Entdeckungsreise und erforschte die Plätze, die mich nach Luft schnappen ließen. Er machte weiter, bis ich heiße Wangen hatte und schneller atmete. Dann legte sich Rune wieder auf mich, glitt in mich hinein und stieß zu, während kleine Laute, die ebenso nach Lust wie nach Angst klangen, aus seinem Mund drangen. Mit geschlossenen Augen stieß er härter und härter, bis er kam. Er begrub das Gesicht in meinem Haar und küsste meinen Hals. Ich spürte seinen hämmernden Herzschlag an meiner Brust. So lagen wir ein paar Minuten da, bis er sich halb aufsetzte, auf dem einen Ellenbogen abstützte und wieder begann mit mir zu schmusen. Ich war erregt und es brauchte nicht mehr viel, bis sich die Glut in meinem Geschlecht entfachen würde. Wie Wellen überschwemmte es mich und ich verschwand einige Sekunden lang von dieser Welt.

Er lag neben mir, sein schönes, jungenhaftes Gesicht mir zugewandt und mit dem Mund leicht geöffnet. Die ersten Zeichen des Alters waren sichtbar. Um die Augen war ein Fächer aus kleinen Fältchen aufgetaucht und seine Wangenknochen waren markanter geworden. Aber er war immer noch derselbe gut aussehende Mann, den ich mich entschieden hatte zu heiraten. Mit einer Hand drehte er mein Gesicht zu sich und küsste meinen Mund. Der Kuss war lang und tief. Nach ein paar Minuten schob ich ihn sanft weg. Er stand auf und ging aus dem Schlafzimmer. Ich hörte die Geräusche von Küchenschränken, die geöffnet werden, und das Klirren von Gläsern. Mit zwei Gläsern und der Flasche Grappa, die ich in Rom gekauft hatte, kam Rune zurück ins Schlafzimmer. Er goss uns ein und reichte mir ein Glas. Eigentlich finde ich, dass Grappa so schmeckt, wie Nagellackentferner riecht. Aber ich hatte die Flasche selbst gekauft und nahm das Glas entgegen und schnupperte daran.

Wir prosteten uns zu und tranken. Rune setzte sich nah neben mich, strich mit dem Rücken seines Zeigefingers über meinen Arm und küsste mich auf die Schulter und tief in mir drin erbebte ich und hoffte, dass Rune es nicht merkte.

Wir hatten es schön zusammen in den ersten Tagen, nachdem ich nach Hause gekommen war. Wir tranken Wein auf der Veranda, mit Decken um die Schultern gegen die Kühle des Spätsommerabends. Wie aßen Crêpes mit ein paar Freunden und gingen mit den Jungs in den Freizeitpark, und obwohl ich mich zusammen mit meiner Familie wohl fühlte, war es, als ob ich mich in einer Blase befand, die mich vom Rest der Welt abschirmte.

Eine Psychologin hatte einmal zu mir gesagt, dass Untreue nicht zwangsläufig moralisch falsch sei. Dies hinge ja von der Moral des Individuums ab. Aber die Psychologin fügte hinzu, dass Untreue in einer Beziehung ein Problem sei, da Untreue immer zu Lügen und Verschwiegenheit führe. Diese Worte kamen mir in der Zeit nach meinem Sommer in Rom wieder ins Gedächtnis. Von so vielen meiner Erlebnisse sollte Rune nichts erfahren. Wir hatten uns getrennt, als ich nach Rom gefahren war, und hatten daher im Prinzip kein Recht dazu, von einander Treue zu erwarten. Aber jetzt waren wir wieder zusammen und es würde uns nichts nützen, wenn er wüsste, was ich in Rom gemacht hatte. Meine goldenen Nachmittage mit dem jungen Paolo oder die lange, warme Nacht mit Mikael würden Rune nur verletzen. Er würde spekulieren, sich mit Gedanken und Vorstellungen plagen und Fragen über meine physischen Begegnungen mit der Lust anderer Männer stellen. Wenn ich antworten würde, würde dies unsere Beziehung verschlechtern oder zu noch mehr Fragen führen, und wenn ich mich weigern würde zu antworten, würde ich einen Nährboden für weitere Spekulationen legen. Daher schwieg ich über meinen Sommer in Rom und das Schweigen baute eine unsichtbare Mauer zwischen uns.

Ein paar Tage später war mein Urlaub zu Ende und ich ging zurück zur Arbeit. Ich plante einen Kurs über Soziale Medien für Personalabteilungen im öffentlichen Sektor, lud zu Besprechungen ein und schielte zu meinem alten Arbeitsplatzflirt herüber, Magnus mit dem festen Hintern und dem aufgeblasenen Ego. So dachte ich über ihn, seit ich gesehen hatte, wie brüsk er in einen Konferenzraum hinein schneite, einen Stuhl hervor rückte, sich setzte und seine Kollegen anschaute, als ob er erwartete, Informationen, Referate, Kaffee, Tagesordnungen und alles andere, was zu einem Bürojob dazu gehört, serviert zu bekommen. Wir hatten ein paar Mal Sex gehabt, aber jetzt wollte ich ihn nicht mehr. Ich wusste, dass es sehr viel bessere Erlebnisse gab. In den ersten Tagen stellte er sich etwas zu nah neben mich, wenn wir auf den Fahrstuhl warteten, und berührte mich wie aus Versehen, wenn wir in der Kantine zufällig zusammen in der Schlange standen. Ich entzog mich ihm unwillkürlich und gereizt. Er hatte kein Recht dazu, mich zu berühren, wenn er mir nicht mehr bieten konnte als verborgene, schnelle Begegnungen und triste Ficks in seinem Ehebett. Ich hatte immer noch die Bilder seines erregten Glieds in meinem Handy. Aber ich löschte sie. Ich konnte sie niemandem zeigen, ohne aufzudecken, dass ich Sex mit ihm gehabt hatte, und obwohl icg mich dafür weder schämte noch es bereute, sollte diese Affäre mein Leben nicht beeinflussen. Die Erinnerungen an meinen Sommer in Rom wärmten noch immer mein Herz und ich wollte Magnus hinter mir lassen. Er sollte keine Rolle in meinem Leben mehr spielen.

 

Noch bevor ich meine erste Woche zurück auf der Arbeit hinter mich gebracht hatte, wurde Magnus zu einem Teil meiner Vergangenheit, und dies geschah auf eine Weise, die ich nicht vorausgesehen hatte. Ich wurde gefeuert. Sparmaßnahmen und Umorganisation war die Erklärung, die ich bekam. Aber ich konnte das Gefühl nicht unterdrücken, dass meine Affäre mit Magnus zur Ursache gehörte. Er hatte eine Leitungsposition, er war ehrgeizig und ich hatte eine Zeit lang zu sehr nach ihm gehungert. Er und ich wussten beide, dass hungernde Ex-Liebhaber manchmal völlig besessen werden können und das Besessenheit zu indiskreten Äußerungen und ungehemmtem Auftreten führen kann. Es würde vielleicht mit merkwürdigen E-Mails und SMS mit Anspielungen auf unsere gemeinsame Zeit beginnen. Dann würde vielleicht eine Bemerkung über Unterwäsche oder Magnus Wohnung folgen, bei der sich andere fragen würden, warum ich diese intimen Details seines Lebens kenne. Es hatte keinen Sinn, Magnus zu sagen, dass er mir inzwischen gleichgültig war, oder dass ich schöneren Sex mit anderen als ihm erlebt hatte. Er zog Nutzen daraus, dass ich verschwand. Und ich wollte ihm nicht die Möglichkeit geben, mich wie einen sexwütigen, verdammten Hund darzustellen, der sich durchs Leben fickt. Obwohl wir beide Menschen sind, die die sexuellen Angebote annehmen, die sich auf dem Weg ergeben, würde er nicht zögern, mir zu schaden, wenn er die Gelegenheit hätte, auf dem Weg durch die Tür oder am Kaffeeautomaten Kommentare fallen zu lassen wie: „Ea ist verrückt nach Sex. Ea ist notgeil. Ea ist ihrem Mann untreu. Ea ist unberechenbar“.

Als ich nach Hause kam, nachdem ich den Bescheid über meine Kündigung erhalten hatte, konnte ich mich so lange beherrschen, bis Rune frage, wie mein Tag gewesen war. Ich setzte mich an den Küchentisch und spürte meine Lippen zittern, obwohl ich mich anstrengte, nicht zu weinen, um nicht völlig in Auflösung zu geraten. Aber ich kam nicht dagegen an, und als ich sagte „Ich wurde gefeuert“, kamen die Worte wie ein undeutliches Schluchzen. Rune meisterte die Situation perfekt. Er war fürsorglich mit mir und auch mit den Jungs, die der Anblick ihrer Mutter mit Rotz und Tränen im Gesicht verschreckte. Rune öffnete eine Flasche Wein, holte Pizza für die Jungs, setzte sie vor den Film Saving Private Ryan und erklärte, dass dieser als Geschichtsunterricht diente, und wenn sie ihn bis zum Ende sehen würden, bräuchten sie heute keine Hausaufgaben zu machen. Wir saßen lange zusammen und redeten, Rune und ich, während wir zu viel Wein tranken, und Rune stimmte mir vollständig zu in allen unangemessenen und selbstgefälligen Dingen, die ich aus Wut über meinen Arbeitsplatz, meine Kollegen und meinen Chef sagte. Als die Jungs eingeschlafen waren, gingen Rune und ich zusammen ins Bett.

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