Montenegro Reiseführer Michael Müller VerlagText

Aus der Reihe: MM-Reiseführer
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Inhaltsverzeichnis

  Unterwegs mit Achim Wigand

  Orientiert in Montenegro Montenegro ist … … mehr Monte als Negro … mehr grün als negro … ein Schmelztiegel der Religionen … montenegrinisch, aber was ist das überhaupt? … großartig für Aktivurlauber … ziemlich gemütlich Erlebnis Kultur Die Altstädte an der Adria Ruinen und Relikte Cetinje, die kleine alte Hauptstadt Die orthodoxen Klöster Das Erbe von Titos Partisanen Erlebnis Natur Die Bucht von Kotor Die Schluchten Das Durmitor-Gebirge Biogradska Gora Wassern in Montenegro Baden auf der Halbinsel Viel Sand am Großen Strand Strand brutal Einsam am großen See Gumpenspringen an der Cijev​n​a Schwimmen in der Komarnica-Schlucht Ohne Schirm und Strandmatte

  Unterwegs in Montenegro Die Bucht von Kotor und das Hinterland Was anschauen? Was unternehmen? Und was sonst? Die äußere Bucht Herceg Novi Geschichte Sehenswertes Das Orjen-Gebirge Die kleinen Küstenorte Njivice Zelenika Kumbor Đenovići und Baošići Bijela Kamenari Lepetani Donja Lastva und Gornja Lastva Tivat Sehenswertes in Tivat und auf den Inseln in der Tivatski Zaliv Ausflug in die Grbalj-Ebene Praktische Infos Die Halbinsel Luštica Nordseite (Buchtufer) Zwischen Krašići und Rose Rose Žanjice/Mirište Plavi Horizont Luštica Bay Radovići Bigovo Die innere Bucht Radtour um die innere Bucht Zwischen Kamenari und Risan Kostanjica Donji Morinj Lipci Sopot Risan Geschichte Praktische Infos Perast Geschichte Stadtrundgang Praktische Infos Dobrota Kotor Geschichte Sehenswertes Prčanj Praktische Infos Stoliv Das Hinterland von Kotor Njeguši Der Lovćen-Nationalpark Cetinje Geschichte Ein Stadtrundgang Streifzug durchs Diplomatenviertel Ausflug zu den Höhlen von Lipa (Lipska pećina) Praktische Infos Die Adriaküste Was anschauen? Wo baden? Was unternehmen? Budva Sehenswertes Baden Bečići Rafailovići und Pržno Sveti Stefan und Miločer Petrovac (na Moru) Buljarica Čanj Sutomore Klöster zwischen Budva und Petrovac Bar Sehenswertes in Bar und Umgebung Baden Praktische Infos Küste zwischen Bar und Ulcinj Ulcinj/Ulqini Geschichte Sehenswertes Praktische Infos Valdanos Velika Plaža Ada Bojana Ulcinjska Solana Im Hinterland von Ulcinj Jenseits der Grenze – ein Ausflug nach Albanien Der Skadar-See und die Tiefebene von Podgorica Was anschauen? Was unternehmen? Und was sonst? Der Skadar-See Besucherzentren Am Westufer entlang Ostros Murići und seine Inseln Skje Godinje Virpazar Am nördlichen Ausläufer des Sees Lesendro Žabljak Crnojevića Rijeka Crnojevića Karuč Podgorica Geschichte Sehenswertes Die Bjelopavlićko-Ebene und das Kloster Ostrog Manastir Ostrog Nikšić Die Berge Was anschauen? Was unternehmen? Und was sonst? Das Durmitor-Gebirge Anreise ins Durmitor Route von Nikšić nach Žabljak Route über Plužine zum Piva-Stausee Aktivitäten im Durmitor Tara-Rafting Angeln Bergsteigen Klettern Jeep-Safari Mountainbike Skifahren Kletterpark und Flying Fox Wandern Žabljak Praktische Infos Hinter Žabljak Die Tara-Brücke Pljevlja Die Gebirge Bjelasica, Komovi und Prokletije Biogradska Gora Kolašin Sehenswertes Praktische Infos Sonst noch im Nordosten Berane Plav Gusinje Bijelo Polje Rožaje Ausflug nach Dubrovnik Was anschauen? Was unternehmen? Und was sonst? Geschichte Sehenswertes Stadtmauern und Befestigungsanlagen Der Stradun Um den Luža-Platz Sonst noch sehenswert

 

  Nachlesen & Nachschlagen Montenegrinische Landschaften Die Boka Kotorska Die Küste Skadarsko Jezero – der Skadar-See Die Berge Klima und Reisezeit Fauna und Flora Geschichte und Politik Ur- und Frühgeschichte Byzantiner und Slawen Duklija und Serbien Türken, Venezianer und Montenegriner Die Fürstbischöfe Franzosen und Österreicher Balkankrieg, Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit Der Zweite Weltkrieg Die Volksrepublik Jugoslawien Die politische Lage in Montenegro heute Mensch und Gesellschaft Freunde und Familie Frauenbild und -selbstverständnis Die orthodoxe Kirche Anreise Individuell motorisiert Mit der Bahn Mit dem Flugzeug Mit dem Bus Mit der eigenen Jacht Reisen vor Ort Individuell motorisiert Mit dem Bus Mit der Bahn Mit dem Fahrrad Übernachten Zimmer/Appartements Hotels Camping „etno selo“ und „eko selo“ Essen und Trinken Wann isst man? Wo isst man? Was isst man? Was wird getrunken? Aktivurlaub in Montenegro Angeln und Jagen Baden und Wassersport Mit Ball Off-Road und MTB-Sport Wandern und Bergsport Im Winter Reisepraktisches von A bis Z Adressen Ärzte Diplomatische Vertretungen Dokumente Drogen Elektrizität Einkaufen Feiertage Fotografieren Geld Haustiere Hygiene Information Internet Karten Kriminalität Medien Meldepflicht Müll Notrufnummern Polizei Post Preise Telefonieren Verständigung Wasser Zoll

  Kleiner Wanderführer Wanderung 1: Rundweg im südlichen Orjen Variante zur Wanderung 1: Auf die Subra Wanderung 2: Über den Vrmac Wanderung 3: Von Dobrota nach Mali Zalazi Wanderung 4: Von Njeguši zum Njegoš-Mausoleum Wanderung 5: Obod und Obodska pećina Wandern im Durmitor Wanderung 6: Um den Crno Jezero Wanderung 7: Zum Zminje Wanderung 8: Savin Kuk Wanderung 9: Ćurevac und Tara-Schlucht Wanderung 10: Zur Crvena Greda Wanderung 11: Zur Ledena Pećina Wanderung 12: Grand Tour um den Međed Wanderung 13: Auf den Bobotov Kuk Wandern in der Bjelasica, im Komovi und im Prokletije Wanderung 14: Von Jezerine zur Crna Glava Wanderung 15: Die Mrtvica-Schlucht Wanderung 16: Zum Hridsko Jezero

 

  Etwas Serbisch

  Über dieses Buch Präambel Impressum In eigener Sache Was haben Sie entdeckt? Vielen Dank!

  Übersichtskarten und Pläne Zeichenerklärung Montenegro Übersicht Kotor Stadtplan

  Index

Alles im Kasten

 Porto Montenegro: Ein Parkplatz für Oleg, Roman und die anderen

 Ein Trip zu den Tintenfischen

 Alcatraz in der Adria

 Lichterprozession, Hühnertod und Seemannsgrüße

 Die Jugooceanija

 Das Beben von 1979

 Die drei Schwestern

 Wurst und Käse

 Des Königs schöne Töchter

 Der bürgerliche Petrović

 Sv. Nedelja und die SMS Zenta

 Die Helikopter-Kirche

 Der älteste Olivenbaum Europas

 Fruchtbarer Strand – plaža za žene (Plaža Dada)

 Inselknast

 Weinbau in Montenegro

 Die stećci

 Milovan Đilas

 Einkaufen in Novi Pazar / Serbien

 Montenegro kompakt

 Ekoloska država Crne Gore – Ökologischer Staat Monteneg​ro

 Groß und ansonsten völlig durchschnittlich

 Dresscode in orthodoxen Kirchen und Klöstern

 Musik beim Essen: ein echter cultural gap

 Montenegro für Vegetarier

 Wein vs. Film

Kartenverzeichnis

  Bucht von Kotor

  Herceg Novi

  Tivat

  Perast

 Cetinje

  Adriaküste

 Budva mit Detailplan

 Petrovac

 Ulcinj

  Skadar-See

  Podgorica

  Die Berge

  Pljevlja

  Kolašin

  Dubrovnik Altstadt

  Übersicht der Wanderungen

  (GPS)-Wanderung 1: Rundweg im südlichen Orjen

  (GPS)-Wanderung 2: Über den Vrmac

  (GPS)-Wanderung 3: Von Dobrota nach Mali Zalazi

  (GPS)-Wanderung 4: Von Njeguši zum Njegoš-Mausoleum

  (GPS)-Wanderung 5: Obod und Obodska pećina

  (GPS)-Wanderungen 10, 11, 12: Zur Crvena Greda, Zur Ledena Pećina, Grand Tour um den Međed

  (GPS)-Wanderung 13: Auf den Bobotov Kuk

  (GPS)-Wanderung 14: Von Jezerine zur Crna Glava

  (GPS)-Wanderung 16: Zum Hridsko Jezero

  Stari Bar

  Zeichenerklärung

  Montenegro Übersicht

  Kotor Stadtplan

Tourenverzeichnis

 GPS-Wanderung 1: Rundweg im südlichen Orjen

 GPS-Wanderung 2: Über den Vrmac

 GPS-Wanderung 3: Von Dobrota nach Mali Zalazi

 GPS-Wanderung 4: Von Njeguši zum Njegoš-Mausoleum

 GPS-Wanderung 5: Obod und Obodska pećina

 Wanderung 6: Um den Crno Jezero

 Wanderung 7: Zum Zminje Jezero

 Wanderung 8: Savin Kuk

 Wanderung 9: Ćurevac und Tara-Schlucht

 GPS-Wanderung 10: Zur Crvena Greda

 GPS-Wanderung 11: Zur Ledena Pećina

 GPS-Wanderung 12: Grand Tour um den Međed

 GPS-Wanderung 13: Auf den Bobotov Kuk

 GPS-Wanderung 14: Von Jezerine zur Crna Glava

 Wanderung 15: Die Mrtvica-Schlucht

 GPS-Wanderung 16: Zum Hridsko Jezero

Unterwegs mit

Achim Wigand

Jahrgang 1968, mäanderte nach ausgedehntem Studium durch die deutsche Dienstleistungs­geographie und arbeitete als Gastrojournalist, Boxtrainer, Veranstaltungstechniker und in der Öffentlichkeitsarbeit eines großen Unternehmens. Ein ers­tes Reisebuch - Montenegro, 2006 - entstand als eher ungeplantes Beiprodukt eines Theater­pro­jekts. Die umfangreichen Recherchen für »München MM-City« diente als General­quali­fi­kation für seine heutige Haupt­beschäftigung: Achim Wigand ist Tourguide in der bayerischen Metropole.


Am Anfang stand ein Theaterprojekt und jemand im Weg: ein sinisterer Balkan­po­tentat, der uns, einer nun wirklich harmlosen Mimentruppe, kein Visum für den Rest­körper Jugoslawiens erteilen wollte. So fuhren wir dann halt nach Monte­negro. Das gehörte zwar eigentlich noch zu Ju­gos­lawien, aber so ganz dann eben doch nicht. Statt im no­to­risch verrußten Bel­grad landeten wir in einem Idyll - in Kotor und seiner gleich­na­migen Bucht. Und tatsächlich nur wir: Kurz nach dem Ende der Isolation durch das UN-Em­bar­go war Monte­negro zur Terra incognita des euro­pä­i­schen Tourismus geworden. Meine Schau­spielkollegen von damals fan­den die Episode nett, vergaßen sie je­doch bald wieder. Ich hingegen kam 2005 wie­der, nachdem mich einer der zahl­rei­chen Mäander meiner Biografie ziel­stre­big in eine sehr vertrocknete Ge­gend ge­führt hatte. Richtig Zeit hatte ich also und so kam ich auch in die hinteren und letz­ten Winkel eines Lan­des voller landschaftlicher wie ge­sell­schaft­licher Schönheiten und Bizar­rerien. Na ja, und darüber habe ich dann diesen Reiseführer geschrieben.

Seit­dem hat sich in Montenegro vie­les verändert - allein ist man z. B. nur noch sel­ten -, aber immer noch staune ich über das Spektakel, das so ein klei­nes Land in seine engen Staats­grenzen packt.

Orientiert in Montenegro

Das Land im Profil

Montenegro ist ...

Von den ehemaligen Republiken Ex-Jugoslawiens ist Montenegro die kleinste. Wie klein? Das allwissende World Factbook der CIA nennt als Referenzgröße die ungefähr doppelte Fläche von Delaware. Das hilft aber auch keinem weiter, deshalb sagen wir einfach: ungefähr so groß wie Niedersachsen - 13.000 km².


Der Landesname ist abgeleitet von „montagna negra“. Das ist Venezianisch, also so etwas Ähnliches wie Italienisch, und heißt „schwarzer Berg“. Auf Monte­negrinisch (oder Serbisch?) heißt das Land Crna Gora. Was das bedeutet, haben wir beim besten Willen nicht rauskriegen können ...

... mehr Monte als Negro

Wenn es denn einmal in der Tages­pres­se auf­taucht, wird Montenegro gern als Küs­ten­staat an der Adria vorgestellt, und natürlich stimmt das auch: Im Wes­ten endet das Landes am Mit­tel­meer, ganz genau eben an der öst­li­chen Adria. Allerdings liegt der größte Teil der Lan­des­fläche auf mittel­ge­bir­giger (ca. 50 %) bis alpiner Höhe (ca. 10 %), schon bei etwas mehr als flüch­tiger Draufsicht ist Montenegro also eher ein Bergland. Die 293 km Küsten­linie fallen da in der topo­gra­fischen Bi­lanz kaum auf, zumal die Berge gleich hin­ter der Wasserlinie mächtig in die Hö­he schießen.

... mehr grün als negro

Klar, aus der Ferne betrachtet sehen die Berge ganz schön düster aus. Aber an­sons­ten über­rascht Montenegro mit im­mer wieder anderen Grüntönen - von den Ma­ger­wiesen auf den Hoch­ebenen des Dur­mi­tor über die fette Frucht­bar­keit um den Skadar-See bis zur immer­grü­nen Macchia auf dem Karst der Küs­ten­ge­birge. Alles andere ist blau: Das Meer natürlich und der Him­mel meis­tens auch.

... ein Schmelztiegel der Religionen

Seit Jahrhunderten begegnen sich an der östlichen Adria drei Glaubens­ge­mein­schaften, und während in an­de­ren Nach­folgestaaten Jugos­lawiens die reli­giö­se Diversität und Toleranz in den Häss­lichkeiten des Bürger­kriegs in den 1990er-Jahren weitge­hend unterging, ist das Zusam­men­le­ben von katho­li­schen Christen, Ortho­do­xen und Musli­men in Montenegro völlig problemlos. Wie jeder Staat hat natürlich auch die­ser seine inneren Kon­flikte - reli­giöse Spannungen ge­hö­ren aber sicher nicht dazu.

... montenegrinisch, aber was ist das überhaupt?

Für den Dichter­fürsten Petar II. Njegoš war das zu­mindest sprach­lich über­haupt keine Frage - für ihn war die Sprache sei­nes Volkes Ser­bisch. Damit machte es sich der Monarch aber schon etwas arg einfach: Auf dem größten Teil des Sied­lungsgebiets wurde die längste Zeit Türkisch ge­spro­chen, der lange Arm der Hohen Pforte reichte bis weit an die öst­li­che Adria. Allerdings nie so ganz: Die nörd­lichen Küsten­regionen stan­den vom späten Mittel­alter bis in die Neu­zeit unter der Fuchtel Venedigs, und da sprach man Italienisch, wovon bis heute der inter­national ge­bräuch­liche Name des Landes zeugt. Dann kamen die Öster­reicher mit ihrer ei­ge­nen Inter­pretation der deutschen Spra­che, und schließlich spricht man im Raum Ulcinj bis heute Albanisch. Amts­sprache wie­de­rum ist laut der 2007 ver­ab­schie­deten Landes­verfas­sung Mon­tene­gri­nisch, auf Mon­te­ne­gri­nisch: crno­gorski jezik. Das aller­dings ist - womit wir wieder beim mythisch überhöhten Dichter­fürsten wären - eindeutig eine Variante des Serbischen. Oder ist es umgekehrt?

... großartig für Aktivurlauber

Mit seiner spektakulären Natur offe­riert Montenegro ein riesiges Spektrum für Outdoor­sportarten. Oh­ne Hilfsmittel lässt sich das Land fast auf ganzer Län­ge und Breite erwan­dern, und wenn die ver­tikalen Höhepunkte auch noch da­bei sein sollen, packt man Seile, Steig­ei­sen und den ganzen Kletterkram mit ein. Ver­tikal nach unten geht aber auch: Besonders in der Bucht von Kotor ver­sinken seit Jahr­hun­derten Schiffe, und so findet auch die Pressluftfraktion ein reiches Betätigungsfeld. Kitesurfer flitzen am großen Strand von Ulcinj durchs Flach­wasser, und Paraglider schwe­ben von der Passhöhe über Bud­va ins Strandgewühl. Land­schaft­lich un­ver­gess­lich sind die Raftingtrips auf der Tara und, etwas fordernder, das Canyoning in der Mrtvica. Rennradler mit Ele­fan­ten­kondition wuchten sich über die Passstraßen, während sich die Grob­stoller auf ihren MTBs auf den Schot­ter­strecken austoben.

... ziemlich gemütlich

Ganz offensichtlich kann man also sei­nen Aufenthalt in Montenegro mit je­der Menge Schweiß begießen - die Mon­tenegriner werden da­bei interes­siert, aber auch ein biss­chen ratlos zu­sehen. Sie, wie die ab­so­lute Mehrzahl der Besucher des Landes, lassen es eher geruh­sam angehen. Morgens an den Strand, nachmittags ein Kloster oder einen Wasserfall anschauen und dann aber schnell in irgendeine Alt­stadt ein Bier trinken. Oder, wenn die Sonne in der Adria versinkt, den ge­grill­ten Tin­ten­fisch mit einer Flasche Vra­nac hinunterspülen.

Klöster und Festungen

Erlebnis Kultur

Die Küstenregionen Montenegros waren über Jahrhunderte der Wanderpokal unter den Großmächten des Mediterrans, im Binnenland beharkten sich die Osmanen und die Orthodoxie. Es ging lebhaft zu im Siedlungsraum Montenegro, und das kann man auch sehen.


Die Römer waren auch schon da: Bodendekoration im antiken Ferienhäuschen.

Die Altstädte an der Adria

Die Juwelen in der montenegrinischen Küs­tenkette sind die Ensembles der Altstädte, die - kleinen Trutzburgen gleich - die historischen Schnittstellen von Land und Meer bereitstellten. Eine Son­derrolle spielt, schon wegen der einzigartigen Lage am Ende der langen Bucht, das ehedem märchenhaft reiche Kotor. Besonders in den fast 400 Jahren unter venezianischer Herrschaft mau­serte sich die Kleinstadt am Fuß des Lovćen-Gebirges zu einem Schmuck­käst­chen der Renaissance. Verteidigt wurde Kotor vor allem gegen das Hin­ter­land, davon zeugen die mächtigen Mauern, die sich 4,5 km den steilen Berg­rücken hinaufziehen.

In Budva, auf einem vorgelagerten Fel­sen schon in der Antike ins Meer hin­ein­gebaut, ist das alles eine Nummer klei­ner und wahrscheinlich deswegen auch putziger. Ganz im Süden schließ­lich prangt das alte Piratennest Ulcinj hoch über einer Bucht.

Ein Sonderfall ist die Insel Sv. Stefan - das war zwar bloß ein Fischernest, mit sei­ner einzigartigen Lage auf einer In­sel im Meer vor den Paštro­vići-Hügeln aber wahrscheinlich das Premium-Foto­motiv der montenegrinischen Ad­ria.

Ruinen und Relikte

Ganz sicher trieben sich schon die alten Griechen an der östlichen Adria herum, davon lassen sich aber heute keine Spuren mehr finden. Von der römi­schen Herrschaft sind hingegen noch einige sehr anschauliche Überreste er­hal­ten. Die Mosaiken in Risan in der Bucht von Kotor sind wahr­scheinlich die bekanntesten, die Fund­stätten von Duklija die bedeu­tend­s­ten und größten.

Die eindrucksvollste Ruine Monte­ne­gros aber ist das Ensemble von Stari Bar oberhalb der Hafenstadt Bar. Vermutlich 2000 Jahre lang war der Ort besiedelt und wurde von allen mög­lichen Fremd­herr­schern im­mer wieder zer­stört und neu aufgebaut, bis Ende des 19. Jh. nur noch eine ver­wun­sche­ne Geisterstadt übrig blieb.

Cetinje, die kleine alte Hauptstadt

Die politische Klasse des Landes besorgt ihr Geschäft heute in der weitgehend ge­sichts­losen Groß­stadt Podgorica, für den längs­ten Teil der Geschichte Monte­ne­gros und seiner Vorstaaten war der ad­mi­ni­stra­tive Mit­tel­punkt Ce­ti­n­je im Hin­ter­land. Die Klein­stadt be­her­berg­te di­plo­ma­tischen Ver­tre­tungen aller euro­pä­i­schen Groß­mächte, was dem etwas ver­schla­fe­nen Ort eine un­er­wartet in­ter­nationale Fa­cet­te ins Stadtbild ge­schliffen hat. Au­ßer­dem ist Cetinje mit seinen Mu­seen und Aka­de­mien das künstlerische Zen­trum Mon­te­negros.

Die orthodoxen Klöster

Alle orthodoxen Klöster sind wichtig, man­che noch wichtiger, die meisten sind aber die allerwichtigsten - die Hierarchie unter den mönchischen Niederlassungen im Land ist mir auch noch 20 Jahren immer noch unklar. Klar ist aber, dass die intellektuelle und spirituelle Geschichte des Landes ohne die über das ganze Land verstreuten or­t­ho­doxen Klöster völlig unvorstellbar wäre. In vorsichtiger Näherung wage ich zu behaupten, dass man die Re­li­quien des spektakulären Felsenklosters Ostrog, die berühmten Ikonen des Bi­schofssitzes in Cetinje und die unge­heu­er malerisch in der Morača-Schlucht gebaute Anlage unter dem Drei­fal­tigkeitskreuz einfach einmal gesehen haben muss.

Das Erbe von Titos Partisanen

Der Raubtierkapitalismus Montenegros hat nur ein dünnes Fell, darunter schim­mert bei näherer Betrachtung immer noch stark das blutrote Fleisch des Sozialismus. Hier ein fünfzackiger roter Stern, dort ein nur teilweise über­wach­sener Lobpreis auf den Staats­grün­der Tito und Partisanendenkmäler in inflatorischer Menge. Die Ungetüme aus Spritz- und Waschbeton mögen oft von sehr zweifelhaftem künstlerischem Wert und von noch sehr viel mäßigerer hand­werklicher Qualität sein, aber wer sich nicht völlig ignorant durchs Land bewegt, wird auch noch im kleinsten Bergdorf daran erinnert, dass der Sieg der Arbeiterklasse einst unmittelbar bevorstand. Noch viel mehr sind diese Relikte aber bitteres Zeugnis der bru­ta­len Vehemenz und unfassbaren Grau­sam­keit der Auseinandersetzung zwi­schen Titos Partisanen und ihren ver­schiedenen Widersachern im Zweiten Weltkrieg: den deutschen und ita­lie­nischen Besatzern Jugoslawiens, den königstreuen Tschetniks und den Mi­lizen der faschistischen Ustascha.