Generation Lobpreis und die Zukunft der Kirche

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Tobias Faix, Tobias Künkler

Generation Lobpreis und die zukunft der Kirche


Widmung

Wir widmen dieses Buch unserem ehemaligen Mitarbeiter

Tim Sandmann (1986–2017),

den wir schmerzlich vermissen.


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind

im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.


© 2018 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.sonnhueter.com,

unter Verwendung eines Bildes von © Cookie Studio (shutterstock.com)

Lektorat: Hauke Burgarth, Pohlheim

DTP: Q. Gute Grafik, Fabiola Quadflieg, Köln

Verwendete Schriften Innenteil: Milo OT, Milo Serif OT

Gesamtherstellung: BALTO Print, Vilnius

eBook: PPP Pre Print Partner GmbH & Co. KG, www.ppp.eu

ISBN 978-3-7615-6542-1 Print

ISBN 978-3-7615-6543-8 E-Book


www.neukirchener-verlage.de


Endorsements

„Sie suchen Gotteserfahrungen, gehen in ihre Gottesdienste und lieben Bibel, Lobpreis und Gebet, sie übernehmen Verantwortung und reden über ihren Glauben. Hochengagierte junge Erwachsene haben enormes Potential für Verantwortung in unserer ­Kirche, aber sie können mit herkömmlichen Formaten oder Mitgliedschaften wenig anfangen. Wo werden sie vorkommen? Dieses Buch ist ein Augenöffner für alle, denen die Zukunft der Kirchen nicht egal ist. Unbedingt lesen – und dann mit Leuten aus dieser Generation diskutieren.“

Hans-Hermann Pompe, Leiter EKD-Zentrum für Mission in der Region

Die Zukunftsgeneration der Kirche ist vielfältiger, widersprüchlicher und komplexer als gedacht. All jene, die an einer Kirche von Morgen interessiert sind, können in diesem Buch viel über deren maßgebliche Protagonistinnen und Protagonisten lernen.

Dr. Sandra Bils ist Pastorin der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und arbeitet bei Kirchehochzwei

Wieder einmal ein spannender, qualitativ hochwertiger „Thriller“ aus dem Hause Faix/Künkler: Auf jeden Fall gehört dieses Buch in die Hände aller Verantwortlichen in Kirchen und Gemeinden.

Dr. Michael Diener, Präses Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband,

Mitglied im Rat der EKD

Die Generation der 14- bis 29-Jährigen unterscheidet sich grundlegend von den Genera­tionen davor. Wann lassen wir es (endlich) zu, dass sie ganz aktiv auch unsere ­Kirche(en) grundlegend verwandeln dürfen? Ein absolut lohnenswertes Buch für alle, die noch immer versuchen, Jugendliche aus dem eigenen (begrenzten) Erfahrungs­horizont zu begleiten, zu deuten und zu verstehen.

Ilse-Dore Seidel-Humburger, Landesreferentin im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg

Wissenschaftlich belastbare Daten gewinnen aus dem, was junge Leute über Beten, Bibel, Gemeinde und Gottesdienst sagen – das mag so schwierig sein wie Wolken abheften und Pudding an die Wand nageln. Aber Künkler & Faix schaffen das. Gewohnt akribisch. Spannend spurensichernd und scharfsinnig schlussfolgernd. Dabei wunderbar flüssig lesbar. Wenn Ihnen die Sinusstudien, die Shell Jugendstudien, der ­Bertelsmann Religionsmonitor und die Kirchenmitgliedschaftsstudie der EKD zu grobkörnig waren – dieses Buch schießt ein gestochen scharfes, hochauflösendes Bild davon, welche jungen Leute was glauben, warum und wie sie das tun und was das für die Kirche von morgen bedeutet. Sagen Sie jetzt nicht „ach, so genau wollte ich das gar nicht wissen“. Doch, das sollten Sie! Es sind nämlich die Kita-Leiterinnen, die Lehrer, die Ausbilder, die Pfarrerinnen und Pfarrer Ihrer Enkel, die da gerade heranwachsen.

Andreas Malessa, Hörfunkjournalist, Theologe, Buchautor

Wer „Generation Lobpreis“ gelesen hat, sieht mehr als vorher. Er bekommt aus erster Hand Einblick in ein Lebens- und Glaubensgefühl, dass viele „fromme Jugendliche“ heute bestimmt. Man versteht besser, warum manche Gottesdienstformen jüngere Menschen anziehen – und andere nicht. „Generation Lobpreis“ gibt der jugendlichen Sehnsucht nach einem authentischen und erfahrungsgesättigten Glauben verschiedene Stimme und Gesichter. Und es hilft beim einfühlsamen Verständnis und der kritischen Reflexion gleichermaßen.

Prof. Dr. Thorsten Dietz, lehrt Systematische Theologie an der Evangelische Hochschule Tabor und sitzt für die EKD in der Kammer für Theologie

Mit diesem Buch haben wir ein Ohr an der Jugend. Großartig. Eine wunderbar eindrückliche und präzise Beschreibung hochreligiöser junger Menschen. Nachdenklich machend, irritierend, ermutigend, herausfordernd.

Hansjörg Kopp, Generalsekretär des CVJM Deutschland

Generation Lobpreis ist ein weiteres, spannendes bis aufregendes, detailliertes Puzzle­teil zum Bild einer jungen Generation, die wir in Kirche mehr und mehr vermissen: das Puzzleteil zu den sogenannten Hochreligiösen. Es hilft verstehen und öffnet damit ein Stück weiter unseren Horizont.

Stephanie Schwenkenbecher, Theologin und Autorin von „Generation Y. Wie wir glauben, lieben, hoffen“

Das Autorenduo Faix & Künkler liefert eine aufschlussreiche und gründliche Sozialstudie über eine schwer greifbare aber oftmals etikettierte Gruppe junger Menschen in unseren Kirchen und Gemeinden. Hier wird das, was wir nur ahnen und vermuten, gründlich erforscht und bewertet. Eine inspirierende Lektüre für alle, die sich nicht auf ihre gefühlte Wahrnehmung verlassenwollen.

Jürgen Mette, Theologe und Publizist

Ein notwendiges Buch. Es öffnet die Augen für die unterschätzte Gruppe der jungen Menschen mit intensiven Glaubenserfahrungen. Dieses Buch hilft, die Ambivalenzen der Generation Lobpreis zu verstehen und deshalb verdient das Buch höchste Aufmerksamkeit von allen, denen es wichtig ist, mit jungen Menschen die lebensverändernde Kraft des Glaubens an Jesus Christus zu entdecken.

Dr. Roger Mielke M.A., Oberkirchenrat

Und wieder ein großer Wurf von Faix/Künkler. Als Vater von zwei Jugendlichen der „Generation Lobpreis“ freue ich mich ganz besonders über diese wertvolle Arbeit – eine gründliche und verständliche Analyse, viele hilfreiche Einblicke in die Glaubenswelt verschiedenster junger Menschen und abschließend einige Fragen an mich und die ältere Generation. Absolute Leseempfehlung!

Detlef Kühlein, Sprecher & Theologe aus Lörrach

Für mich ist das Buch auf zwei Weisen sehr bereichernd, einerseits bin ich altersmäßig noch fast Teil dieser Generation und zweitens bin ich als Hauptamtliche in der ­Gemeinde wieder herausgefordert meine Vorbildfunktion auch kritisch wahrzunehmen und gleichzeitig den Jugendlichen eine ganzheitliche Glaubenserfahrung zu ­ermöglichen. Genial, ist dass die Generation selbst mit einem Kommentar über die erhobene Darstellung zu Wort kommt.

Birte Krumm, Jugendreferentin in der Ev. Kirchgemeinde Niederkaufungen

Endlich wird sich einmal mit dem nötigen Aufwand empirisch jenen jungen Menschen gewidmet, die sich und ihr Leben stark im christlichen Glauben verorten. Bedeutsamkeiten wie die Sehnsucht nach spirituellen Erfahrungen werden ebenso dargelegt auf wie eine bemerkenswerte Heterogenität in dogmatischen Fragen und Unsicherheiten im Umgang mit der Bibel oder bei ethischen Fragen, z. B. im Umgang Sexualität.

Die Sichtweisen der Befragten werden dabei in Beziehung gesetzt zu aktuellen ­jugendsoziologischen Erkenntnissen aus dem säkularen Bereich, dies bietet einmal mehr spannende Erkenntnisse. Hinweise für die pädagogische Arbeit finden sich

als Schlussfolgerungen in diesem Buch ebenso wie kritische theologische Wahrnehmungen und die Warnung vor einer seichten, sich an Seelenwellness orientierender Glaubenskultur. Das Buch ist ein Muss für alle, die in dieser Zeit verantwortlich in der Glaubensbildung tätig sind.

Diakon Tobias Petzoldt, Dozent für Jugendbildungsarbeit und Institutsleiter,

Ev. Hochschule Moritzburg

Danksagung

Diesem Buch liegt die Studie „Glaubens- und Lebenswelten von Jugendlichen. Wie hochreligiöse Jugendliche heute glauben“ zugrunde. Durchgeführt wurde diese Forschungsarbeit von einem Team des Forschungsinstituts empirica für ­Jugend, Kultur und Religion der CVJM-Hochschule, sie wurde im Jahr 2014 ­begonnen und im Jahr 2018 abgeschlossen. Solch ein langer, intensiver und ­komplexer Forschungsprozess ist nur möglich, wenn sich viele Menschen in unterschied­lichen Rollen auf unterschiedliche Weise daran beteiligen, was in dieser Studie zweifelsohne der Fall war. Bei all diesen Menschen wollen wir

uns hiermit ganz herzlich für ihren Beitrag bedanken. Ohne sie wäre dieses ­Forschungsprojekt nicht möglich gewesen.

Zuerst gilt unser Dank unseren Forschungspartnern, zum einen dem Amt für ­Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen. Namentlich haben Udo Bußmann und Silke Gütlich das Vorhaben von der ersten Idee bis zu diesem Buch maßgeblich begleitet und gefördert. Zum anderen dem Evangelische Bank Institut für Ethisches Management der CVJM-Hochschule, namentlich Prof. Dr. Stefan Jung (CVJM-Hochschule) und André Armbruster (Helmut-Schmidt-Universität), für die das Gleiche gilt. Um eine hohe wissenschaftliche Qualität zu gewährleisten, gab es für diese Studie einen wissenschaftlichen Beirat, der sich regelmäßig traf, den kompletten Forschungsprozess begleitete und uns in einzelnen Schritten beriet. Dies war von unschätzbar großem Wert, und wir sind allen Beteiligten sehr dankbar für die guten und kritischen Anmerkungen und Diskussionen. Der wissenschaftliche Beirat bestand aus Prof. Dr. Dieter Beese (Landeskirchenrat der Evangelischen Kirche von Westfalen, Ruhr-Universität Bochum), Prof. Dr. Petra Freudenberger-Lötz (Universität Kassel), Prof. Dr. Bert Roebben (Universität Bonn), Michael Freitag (Referent für Theologie, Bildung und Jugendsoziologie, Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland) sowie Udo Bußmann und ­Silke Gütlich (Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen). Besonders Silke Gütlich wollen wir zusätzlich dafür danken, dass sie sich immer wieder aktiv in die Forschungsarbeit eingebracht und das Manuskript inhaltlich gegengelesen hat.

 

Ein besonderer Dank gilt auch dem Neukirchener Verlag, der uns in vielfacher Weise unterstützt hat, besonders Herrn Siepermann, Frau Atkinson und Frau Heinz. Ebenso danken wir für die unkomplizierte und kompetente Zusammen­arbeit mit unserem Lektor Hauke Burgarth und unserer Grafikerin Fabiola ­Quadflieg.

Ohne finanzielle Hilfe wäre solch ein großes Forschungsprojekt unmöglich. Wir sind daher dem Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Wertestarter Stiftung und der Deichmann Stiftung für ihre großzügige Unterstützung und das Vertrauen in unsere Forschungsarbeit sehr dankbar.

Auch danken wir dem Christival in Karlsruhe (stellvertretend dem Vorsitzenden Karsten Hüttmann) und dem Jugendkirchentag in Offenbach (stellvertretend dem Projektleiter Herrn Hans-Joachim Adolph) für die Möglichkeit der Datenerhebung auf besagten Events und die großartige Unterstützung, die wir dabei ­erfahren ­haben. Eine große Hilfe waren zudem alle Studierenden der CVJM-Hochschule, des mbs Marburg und der Evangelischen Hochschule Tabor, die sich auf dem Christival ehrenamtlich daran beteiligt haben, Jugendliche zu befragen. ­Darüber hinaus dankbar sind wir den vielen Vertreter*innen von Jugendverbänden, Kirchen und Freikirchen, die den Fragebogen unter Jugendlichen sowie ­Stakeholdern verteilt haben.

Große Dankbarkeit gebührt nicht zuletzt unserem umfangreichen Forschungsteam am Institut empirica: unserem ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter Tim Sandmann, den vielen Beteiligten wissenschaftlichen Mitarbeitenden ­(Daniel Beckemeier, Philipp Funke, Annika Hauschildt, Thomas Kröck, Pia Rennert, Julia Wassmuth) und den beteiligten studentischen Hilfskräften (Philipp Angelia und Annika Völker). Ein besonderer Dank gilt Annika Völker für ihre ­unermüdliche Hilfe als Korrekturleserin.

Dankbar sind wir zudem allen Jugendlichen, die einen Fragebogen ausgefüllt ­haben oder sich haben interviewen lassen, und die uns so einen Einblick in ihre Glaubens- und Lebenswelt gegeben haben.


Tobias Faix & Tobias Künkler

Sommer 2018

Geleitwort

Würden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich als „hochreligiös“ bezeichnen? Oder lieber doch als „normal religiös“? Oder ganz anders? Um solch eine Selbstzuschreibung vorzunehmen oder sich mit einer Etikettierung dieser Art versehen zu lassen, müssten Sie natürlich erst einmal wissen, was sich hinter diesem ­Begriff verbirgt und wie das religiöse Leben, der Glaube und das Selbstverständnis von „Hochreligiösen“ möglicherweise zu beschreiben wäre. Wenn Sie darüber etwas wissen wollen oder zumindest eine plausible wissenschaftliche Sichtweise zur Kenntnis nehmen wollen, dann sollten Sie diese Studie unbedingt lesen.

Mit diesem Band liegt eine Studie über „hochreligiöse Jugendliche“ vor. Es ist ­unseres Wissens die erste deutsche Studie, die sich speziell diesem Segment christlicher jugendlicher Religiosität widmet.

Hochreligiöse Jugendliche sind dem Verständnis der Studie zufolge keine religiös abgefahrenen Sonderlinge und sie sind, allermeist jedenfalls, keineswegs vornehmlich in irgendwie gearteten fundamentalistischen Zirkeln mit entsprechenden Ideologiemustern aufzuspüren. Es handelt sich hier um jugendliche Menschen, die in kultureller Zeitgenossenschaft stehen, für die aber ihr christ­licher Glaube inhaltlich und in ihrer Glaubenspraxis einen hohen, oft zentralen Stellenwert besitzt und spürbar lebensprägende Auswirkungen hat.

Außerdem bildet das Segment der hochreligiösen Jugendlichen einen gewichtigen Teil derjenigen evangelischen Jugendlichen, die ein dezidiert positives ­Verhältnis zu Religion und christlichem Glauben aufweisen – und ein positives Verhältnis auch zu ihrer jeweiligen Kirche. Gerade Letzteres hat der Studie und ihrem Titel zufolge durchaus erhebliche Auswirkungen auf die „Zukunft der ­Kirche“. Genauer: auf die Zukunft der evangelischen Kirchen im Plural. Denn nicht nur die Volkskirche evangelisch-landeskirchlicher Prägung, sondern ­genauso die evangelischen Freikirchen beheimaten der Studie zufolge viele junge Menschen, die als hochreligiös einzustufen sind – und die, gerade weil sie mit ihrem christlichen Glauben hochidentisch sind, signifikante Mitarbeits-Bereitschaften aufweisen und ein erhebliches Potential für tragende und prägende ­Rollen in ihren Kirchen bilden – auch als zukünftige Hauptberufliche und Ehrenamtliche.

Der Titel der Studie „Generation Lobpreis“ überrascht zunächst. Natürlich vereinfachen und verschlagworten die Etikettierungen von Jugendgenerationen zwangsläufig. Aber wir kennen durchaus eine Vielzahl von Jugendlichen, die hochreligiöse Glaubensmuster aufweisen, aber dennoch keineswegs ihr geistlich-spirituelles Leben auf die Ausdrucksform des gottesdienstlichen und privaten Lobpreises fokussieren oder reduzieren. Auch unter Hochreligiösen dürfte die Vielfalt religiöser Gestaltungsformen groß sein.

Die vorliegende Studie trägt dieser Erkenntnis allerdings Rechnung und simplifiziert bzw. reduziert ganz und gar nicht. Sie differenziert die in sich unterschiedlichen Glaubensmuster und Typen der hochreligiösen Jugendlichen gewissenhaft. „Generation Lobpreis“ steht dabei nicht nur für eine unter diesen Jugendlichen fraglos auch verbreitete Anbetungspraxis als eine Art „Liturgie der Postmoderne“ – der Begriff kennzeichnet darüber hinaus auch ein viel weiter ­reichendes gegenwärtiges Glaubens- und Lebensgefühl, das religiöse Intensitäten übergreift und für eine Vielzahl junger Menschen gilt. Markierungen dieses Lebensgefühls sind vor allem Subjektivierung und Emotionalisierung, verbunden mit einer umfassenden Ästhetisierung von Leben und Glauben. Darüber ­hinaus deutet der Begriff eine tiefe Ernsthaftigkeit des Glaubens und der Gottes­beziehung an. Genau darum geht es!

Wir wünschen dem Band kritische, aber vor allem neugierige und für neue ­Erkenntnisse und Impulse aufgeschlossene Leser*innen.


Mike Corsa

(Generalsekretär) bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend

in Deutschland e.V. (aej)

Michael Freitag

(Referent für Theologie und Jugendsoziologie) bei der Arbeitsgemeinschaft

der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej)

Einleitung

Was von dem Buch zu erwarten ist

Mit diesem Buch möchten wir einen Einblick in das Glaubensleben von evangelischen hochreligiösen Jugendlichen geben und damit einen Diskussionsbeitrag zu einem aus unserer Sicht sehr wichtigen und oftmals unterbelichteten Thema liefern. Wir nennen diese Gruppe „Generation Lobpreis“ und werden in Kapitel eins genauer erklären warum. In diesem Buch stellen wir die wichtigsten Ergebnisse der empirica Jugendstudie 2018 vor und fragen danach, was diese für Kirche und Freikirche bedeuten. Dabei haben wir ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter*innen aus Kirchen und Freikirchen genauso im Blick wie Menschen, die sich für christliche Jugendliche oder Jugendforschung interessieren. Da wir nicht die Ersten und hoffentlich nicht die Letzten sind, die sich mit Jugendforschung und Religion beschäftigen, haben wir immer wieder unsere Ergebnisse mit anderen aktuellen Studien verglichen, damit unsere Schlussfolgerungen besser eingeordnet werden können. Denn manches wird erst im Vergleich mit anderen Jugend­lichen oder früheren Ergebnissen prägnant.

Für die Studie war uns wichtig, dass wir einen Einblick in das Glaubensleben von hochreligiösen Jugendlichen bekommen. So soll aufgezeigt werden, welche Bedeutung der Glaube auf den verschiedenen Ebenen ihres Alltagslebens hat, um diese neue Generation besser zu verstehen. Es geht also zunächst um einen Akt des Lernens, des Zuhörens und des Sich-darauf-Einlassens. Es sollen die Jugendlichen durch die Befragungen selbst zu Wort kommen. Aber der Reihe nach. Zunächst wollen wir die Gruppe, die hinter der Generation Lobpreis steckt, etwas genauer betrachten: Was verbirgt sich unter dem Begriff „hochreligiöse Jugend­liche“? Wie ordnen sie sich in die evangelische Landkarte ein und wie sieht ihr Glaube ganz praktisch aus? Abgeschlossen wird das erste Kapitel mit einigen Hinweisen, wie wir bei unserer Studie vorgegangen sind. Im zweiten Kapitel verorten wir die Generation Lobpreis auf der sozialen Landkarte und überprüfen, zu ­welchen sozialen Milieus sie gehören, was ihre Werte sind und wie sie sich im Kontext der heutigen Jugendgeneration verorten. Während so die Generation Lobpreis als Teil einer größeren Jugendgeneration eingeordnet wird, wollen wir im dritten Kapitel genauer auf ebendiese Generation schauen und sie nach innen differenzieren. Dafür haben wir acht Typen gebildet, die wir vorstellen werden. Im vierten Kapitel geht es dann darum, was diese Generation glaubt und wie ihre Glaubenspraxis aussieht, zum Beispiel das Gebetsleben. Es geht aber auch um das Gottesbild der Generation Lobpreis und ihre Vorstellung von Mission oder ihr Verständnis der Bibel. Daran schließt das fünfte Kapitel an, in dem wir fragen, was die Generation Lobpreis über Kirche denkt. Wie sehen ihre Wunschgottesdienste aus und was denken sie über ehrenamtliches Engagement? Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit einem Blick auf die Rolle der Hauptamtlichen im kirchlichen Kontext und die Frage: Können sich Jugendliche heute eigentlich noch vorstellen, Pfarrerin oder Jugendreferent zu werden? Nachdem wir das Glaubensleben der Generation Lobpreis ausführlich analysiert haben, gibt es in Kapitel sechs eine erste Reflexion und wir fragen, wie die von uns erhobenen Gesamt­ergebnisse zu verstehen und einzuordnen sind. Im letzten Kapitel gibt es vier verschiedene Gastbeiträge, die unsere Ergebnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln deuten. Diese setzen sich zusammen aus der Zielgruppe der jungen Erwachsenen, einem erfahrenen Lobpreisleiter, einem Kirchenmusiker und einem Theologen. Diese unterschiedlichen Interpretationen zeigen gut auf, wie viele unterschiedliche Zugänge es zu den Ergebnissen gibt und wie entscheidend der eigene Blickwinkel beim Lesen der Ergebnisse ist. Doch auch in die bloße Darstellung von Ergebnissen fließen immer auch schon der eigene Blickwinkel und eigene Deutungen mit ein – vor allem dann, wenn man versucht, sie unterhaltsam und lesbar zu präsentieren. Wir haben versucht, dies so gering wie möglich zu halten und so weit wie möglich nachvollziehbar zu machen.

Insgesamt hoffen wir, dass unsere Ergebnisse einen Auftakt für eine breite Diskussion in Kirche, Jugendarbeit und Forschung darstellen und somit eine wichtige kirchliche Gruppe mehr Aufmerksamkeit und Beachtung geschenkt bekommt. Denn diese Gruppe ist nicht nur gegenwärtig Teil der Kirchen und Gemeinden, sondern bildet auch deren Zukunft maßgeblich ab.