Das Matthäus-Evangelium

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Ralf Mühe

Das Matthäus-Evangelium

anschaulich, verständlich, lebensnah

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www.bibellesebund.net

Impressum

© 2020 Verlag Bibellesebund, Marienheide

© 2021 der E-Book-Ausgabe

Bibellesebund Verlag, Marienheide

Alle Rechte vorbehalten

https://shop.bibellesebund.de/

Autor: Ralf Mühe

Lektorat: Burkhard Meißner

Coverillustration: © Kasey Stringer – lightstock.de

Covergestaltung: Gisela Auth

ISBN 978-3-95568-435-8

Hinweise des Verlags

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf - auch teilweise - nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des Textes kommen.

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Inhalt

Titel

Impressum

Liebe Leserin, lieber Leser

Einführung

Geboren von der Jungfrau Maria (Matthäus 1,1-25)

Heidnische Anbeter (Matthäus 2,1-12)

Asyl in Ägypten (Matthäus 2,13-23)

Kehrt um! (Matthäus 3,1-17)

Auf dem Prüfstand (Matthäus 4,1-25)

Leben, wie es Gott gefällt (Matthäus 5,1-48)

Liebe ohne Grenzen

Taten der Liebe und das Gebet (Matthäus 6,1-15)

Vergebung

Ein neues Lebensziel (Matthäus 6,16-34)

Leben mit guten Auswirkungen (Matthäus 7,1-29)

Ein Nichtjude als Vorbild (Matthäus 8,1-17)

Jesus ist stärker (Matthäus 8,18-34)

Dämonische Mächte im Leben von Menschen

Was hat Vorrang? (Matthäus 9,1-17)

Das ist neu! (Matthäus 9,18-34)

Verliehene Fähigkeiten (Matthäus 9,35–10,15)

Die Kosten der Nachfolge (Matthäus 10,16-42)

Unmündige und Kluge (Matthäus 11,1-30)

Jesus soll sterben (Matthäus 12,1-14)

Die Lästerung gegen den Geist (Matthäus 12,15-37)

Auseinandersetzungen (Matthäus 12,38-50)

Gleichnisse

Hört und versteht nicht! (Matthäus 13,1-43)

Am Ende ist (nicht) alles gut (Matthäus 13,44-58)

Johannes wird ermordet

Über die Bordwand hinaus (Matthäus 14,13-36)

Reine Heuchler (Matthäus 15,1-20)

Kein Wort von Jesus (Matthäus 15,21–16,12)

S wie Selig und Satan (Matthäus 16,13-28)

Höhen und Tiefen (Matthäus 17,1-21)

Notwendige Umkehr (Matthäus 17,22–18,14)

Wie er mir, so ich dir? (Matthäus 18,15-35)

Verliebt, verlobt, verheiratet – geschieden? (Matthäus 19,1-15)

Pluspunkte für den Himmel? (Matthäus 19,16-30)

Nutznießer von Gottes Großzügigkeit (Matthäus 20,1-34)

Prophetisches Reden und Handeln (Matthäus 21,1-22)

Frucht, wie sie Gott erwartet (Matthäus 21,23-46)

Eingeladen und abgelehnt (Matthäus 22,1-22)

Wem sich Gottes Kraft erschließt (Matthäus 22,23-46)

Offen gesagt (Matthäus 23,1-39)

Festbleiben, wenn alles sich ändert (Matthäus 24,1-28)

Jesus kommt wieder! (Matthäus 24,29-51)

Überrascht, aber vorbereitet (Matthäus 25,1-30)

Das habt ihr mir getan! (Matthäus 25,31-46)

Der neue Bund (Matthäus 26,1-30)

Ringen um den Gehorsam (Matthäus 26,31-56)

Der Leidensweg von Jesus in der Prophetie

Verleumdet und verleugnet (Matthäus 26,57-75)

Gelitten unter Pontius Pilatus (Matthäus 27,1-30)

Gestorben und begraben (Matthäus 27,31-66)

Auferstanden von den Toten (Matthäus 28,1-20)

Der Auftrag

Worterklärungen

Liebe Leserin, lieber Leser,

als ich zum Glauben an Jesus Christus fand, begann ich, wie bei Büchern allgemein üblich, auf den ersten Seiten zu lesen. So bildete die Taschenbuchausgabe meines Neuen Testaments die Grundlage, um Jesus kennenzulernen.

Eine große Entdeckung hielt für mich die Bergpredigt mit den Seligpreisungen bereit. Hier erst lernte ich angesichts der scheinbaren Überforderungen, anerzogenes religiöses Leistungsdenken abzulegen. Ich lernte dabei, in der Abhängigkeit und Hilfe des Heiligen Geistes zu sein. Ein vollkommen neues Lebenskonzept! Aber auch die Worte über die Vergebung entfalteten ihre Wirkung. Als jemand, der vom Typ her nachtragend ist, übe ich bis heute immer wieder, innere Verletzungen nicht zu pflegen, sondern Groll und Vorwürfe hinter mir zu lassen. Wie heilsam für andere und für mich selbst!

Eine weitere Kostbarkeit enthält für mich die Bemerkung von Jesus gegenüber den Sadduzäern. Sie versuchten, die Auferstehung ins Lächerliche zu ziehen. Da heißt es, dass Gott nicht ein Gott der Toten sei, sondern der Lebenden. Ich habe diese Aussage in meiner Bibel markiert, um daran meine Hoffnung für mich selbst und für die festzumachen, die bereits von uns gegangen sind.

Meine Erwartung ist es, dass Sie bei der intensiven Beschäftigung mit dem Matthäus-Evangelium vieles entdecken, was Ihren Glauben fördert und Sie für die Bewältigung Ihres Lebens stärkt.

Ralf Mühe

In der Regel liegt den Textbezügen zur Bibel die revidierte Lutherbibel von 2017 zugrunde.

Einführung

Der Evangelist Matthäus

Der Name bedeutet „Geschenk Gottes“. Es gibt keinen biblischen Beleg dafür, dass Matthäus der Verfasser des ersten Evangeliums ist. Im 9. Kapitel wird die Berufung eines Zöllners mit diesem Namen erwähnt (9,9). Und in Kapitel 10,3 wird Matthäus als jemand genannt, der zum Kreis der zwölf Apostel gehörte. Die altkirchliche Überlieferung bezeugt Matthäus als Verfasser. Bereits Papias (gest. 160) und Irenäus (gest. 200), später auch Eusebius (gest. 339), alle drei bekannte Bischöfe, tun das mit klaren Worten.

Das Matthäus-Evangelium

Es stellt ein Bindeglied zwischen Altem und Neuem Testament dar. Durch die Liste der Herkunft in Kapitel 1 belegt der Evangelist, dass die Segenszusage an den Stammvater Abraham in Jesus erfüllt worden ist (1. Mose 22,18). Ebenso die an König David mit einem Nachkommen, der den Königsthron für immer innehaben wird (2. Samuel 7,12-14). Gegen Ende des Evangeliums wird diese Tatsache von Pontius Pilatus proklamiert. Am Kreuz ließ er eine Tafel mit der Inschrift anbringen: „Jesus, der König der Juden“, lateinisch: „Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum“, abgekürzt: INRI (27,37). Damit provozierte er die führenden Juden, denn sie lehnten Jesus ab.

 

Zielgruppe

Matthäus richtet sich an jüdische Leser, denen er aufzeigen will, dass Jesus der in den Schriften des Alten Testaments zugesagte Retter ist. Entsprechend ist das Evangelium nach dem Vorbild der Thora in fünf Einheiten unterteilt. Es handelt sich dabei um Reden, die nicht chronologisch, sondern inhaltlich geordnet dargestellt werden. Die Kapitel sind durch die fast gleichlautenden Wendungen leicht erkennbar:

5–7 „Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte“ (7,28)

10 „Und es begab sich, als Jesus diese Gebote an seine zwölf Jünger beendet hatte“ (11,1)

13 „Und es begab sich, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte (13,53)“

18 „Und es begab sich, als Jesus diese Reden vollendet hatte“ (19,1)

24–25 „Und es begab sich, als Jesus alle diese Reden vollendet hatte“ (26,1)

Die Ausführungen in den Kapiteln 5–7 werden landläufig als „Bergpredigt“ bezeichnet. Sie hat einen hohen Bekanntheitsgrad. Viele schätzen an ihr die Radikalität, andere betonen ihre hohe sittliche Norm. Sie enthält die Seligpreisungen, das Gebot der Feindesliebe, die „Goldene Regel“ und das Vaterunser.

Zentrales Thema

Im Zentrum des Evangeliums steht das „Reich“ oder das „Himmelreich“. Nach jüdischer Sitte vermeidet es Matthäus, den Namen Gottes zu nennen. Dennoch kommt auch bei ihm der Begriff „Reich Gottes“ fünfmal vor, aber stets von Jesus zitiert (6,33; 12,28; 19,24; 21,31; 21,43).

Zweck und Ziel

Matthäus stellt seinen jüdischen Lesern vor Augen, dass die Aussagen des Alten Testamentes über den zugesagten Retter durch Jesus in Erfüllung gegangen sind. Die tun also gut daran, ihm zu vertrauen, weil er der angekündigte Messias (griech. Christus) ist. Zugleich lenkt der Evangelist das Augenmerk seiner Leser 7-mal auf Menschen heidnischen Ursprungs, die mit Jesus in Verbindung standen oder zum Glauben an ihn kommen sollen.

 In der Liste der Vorfahren von Jesus werden mindestens drei Frauen genannt, die ursprünglich nicht zum jüdischen Volk gehörten (1,3-6).

 Angehörige einer heidnischen Priesterkaste erkennen in Jesus den König der Juden (2,1-12).

 Jesus warnt davor, sich auf die Abstammung von Abraham zu verlassen. Sie allein rettet nicht (3,9).

 Jesus trifft bei einem römischen Hauptmann auf einen vertrauensvollen Glauben, wie er ihn bei keinem der Juden gefunden hat (8,5-13).

 Eine Frau aus dem syrisch-phönizischen Grenzland erkennt Jesus als Messias. Sie beharrt auf der Erhörung ihrer Bitte und erhält sie (15,21-28).

 Menschen in aller Welt sollen das Evangelium angeboten bekommen (24,14).

 Die Annahme des Glaubens soll unter den Völkern durch die Taufe bestätigt werden (28,19).

Grobe Gliederung

Wenn Sie mögen, dann können Sie das Evangelium nach Matthäus so gliedern, wie es sich aus dem Text selbst ergibt:

1 Die Vorbereitung auf den öffentlichen Dienst.

2 Ab Kapitel 4,17 der Hauptteil: „Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen …“

3 Die Vorbereitung auf das Ende des Dienstes ab Kapitel 16,21: „Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse.“

Der Begriff „Gemeinde“ bei Matthäus

Es gehört zur Besonderheit, dass nur in seinem Evangelium die Gemeinde erwähnt wird (16,18; 18,17). Im Griechischen steht dafür das Wort Ekklesía (wörtl. die „Herausgerufene“). Es wird im Neuen Testament erst wieder in Apostelgeschichte 5,11 gebraucht. In Bezug auf die jüdische Gemeinde finden wir es im Alten Testament, zum Beispiel in Micha 2,5.

Anweisungen zum Wohl der Gemeinde

In Kapitel 7 finden wir fünf Aussagen, die uns als Leitlinien für das Miteinander in der Gemeinde gelten sollten.

1 Hört auf, einander zu richten (1-6). Oft vergessen wir, dass sich jeder vor dem Herrn zu verantworten hat.

2 Ermutigt einander aufgrund dieser Versprechen, zuversichtlich zu beten (7-11). Mit dieser inneren Haltung zeigen wir Jesus, dass wir ihm ganz und gar vertrauen.

3 Diese „goldene Regel“ veranlasst uns, gegenüber anderen so zu reden oder zu handeln, wie es selbst als angemessen empfinden würden (12).

4 Es gibt gute Gründe, warum wir nicht allem folgen, was man für gut hält, denn wir haben ein klares Ziel vor Augen (13-14).

5 Die größte Gefahr lauert nicht außerhalb der Gemeinde. Sie droht vielmehr von innen von Leuten zersetzt zu werden, die verführen (15-23).

Qualifikationen für den seelsorgerlichen Dienst in der Gemeinde

In Kapitel 18 finden wir fünf wichtige Punkte dazu.

1 Übe dich in einer demütigen Grundhaltung (2-5). Hinter vielen theologischen Streitfragen steht in Wahrheit das Streben nach Geltung und Macht.

2 Wir geben immer auch ein Vorbild ab. Unter Umständen auch ein negatives. Ein laxer Umgang mit der Sünde ist deshalb nie eine rein private Angelegenheit (6-9).

3 Das Bemühen um den Einzelnen mag mühsam, mitunter auch aufreibend sein. Doch gerade damit erfüllen wir Gottes Willen (10-14).

4 Die Gemeinde ist kein Ponyhof, wo nur die eigene Befindlichkeit zählt. Sünde muss beim Namen genannt werden. Allerdings behutsam und nach Möglichkeit gewinnend (15-20).

5 Es kommt in einer Gemeinschaft unweigerlich zu Verletzungen. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Hier fällt unser eigenes Verhalten unweigerlich auf uns zurück (21-35).

Zitate aus dem Alten Testament

Immer wieder weist Matthäus seine Leser ins Alte Testament und erklärt Prophezeiungen für erfüllt. Jesus selbst hatte ihm und den anderen Aposteln dafür die Augen geöffnet: „Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden …“ (Lukas 24,44-45).

Leicht erkennbar sind solche Hinweise, weil Matthäus bevorzugt von „erfüllten“ Voraussagen spricht. Einige Beispiele dafür:

1,22: „Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14) …“

2,15: „… und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1) …“

2,17: „Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht (Jeremia 31,15) …“

2,23: „… und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten …“

4,14: „… damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1): „Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa ….“

8,17: „… damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 53,4): ,Er hat unsre Schwachheit auf sich genommen, und unsre Krankheit hat er getragen.’“

12,17: „… damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 42,1-4): ,Siehe, das ist mein Knecht, den ich erwählt habe, und mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat …’“

Weitere Beispiele finden sich in Kapitel 13,14; 13,35; 21,4; 26,54; 26,56; 27,9.

Geboren von der Jungfrau Maria

Matthäus 1,1-25

[no image in epub file]Erklärungen zum Text

Matthäus beabsichtigt keine lückenlose Aufzählung der Vorfahren. Zu offensichtlich übergeht er mehrfach die Abfolge der Generationen, so etwa von Joram zu Usija* (8). Vielmehr ordnet er seine Liste schematisch in drei Gruppen zu je 14 Namen. Für jüdische Zuhörer hat diese Art der Darstellung eine Signalwirkung. Dreimal erscheint die Zahl 14. Sie steht in der speziellen Auslegungsmethode mit dem Zahlenwert** eines Wortes für „David“ (17).

Maria ist durch einen Ehevertrag bereits für Josef bestimmt. Ein Ehebruch im Zeitraum vor der Hochzeit gilt als todeswürdig (5. Mose 22,20-21). Josef muss ihn vermuten (19). Die Erfahrung mit dem Engel hilft, als Gottes Weg anzunehmen, was der Verstand nicht erfassen kann (20). Aufgrund seiner göttlichen Natur ist Jesus nicht mit Sünde behaftet. Deshalb kann er vollbringen, wofür sein Name steht. Er bedeutet nämlich „Rettung“ (21). Jesajas prophetische Aussage erfüllt sich in ihm buchstäblich (22-23).

 

*Siehe Worterklärung zu Usija

**Siehe Worterklärung zu Zahlenwert

[no image in epub file]Fragen zum Text

1 In der Generationenliste erscheinen die Namen von vier Frauen (3-6). Was haben vermutlich alle, mindestens aber zwei von ihnen gemeinsam? Lesen Sie 1. Mose 38; Josua 2,1; 2. Samuel 11,3; Rut 1,4.

2 Im Stammbaum heißt es stereotyp, dass die Personen gezeugt wurden. Wie verhält es sich damit in Bezug auf Jesus und worin liegt die Bedeutung (16)?

3 Was spricht dafür, dass Jesus wirklich von einer unberührten jungen Frau zu Welt gebracht wurde? Lesen Sie dazu Jesaja 7,14.

[no image in epub file]Übertragung ins Leben

„Geboren von der Jungfrau Maria …“ Längst gilt diese Auffassung für viele Christen als überholt.

„Da bin ich ganz Theologin des 21. Jahrhunderts“, bekannte eine norddeutsche Bischöfin im Interview. „Ich glaube, dass Maria eine junge Frau war, die Gott vollkommen vertraut hat. Aber dass sie im medizinischen Sinne Jungfrau war, das glaube ich nicht. […] Ich denke, dass Josef im biologischen Sinne der Vater Jesu war.“

Glaube, der sich im Rahmen dessen bewegt, was wir uns vorstellen können, beugt sich der Herrschaft des Verstandes. Vom Wesen her drückt Glaube jedoch in erster Linie eine Beziehung aus. Sie ist auf Gott und sein Wort ausgerichtet.

Wir müssen uns nicht schämen, wenn wir wie Josef überfordert sind. Wenn auch wir persönlich erfahren, dass Gott in unser Leben hineinwirkt, erübrigen sich viele Wissensfragen.

[no image in epub file]Gesprächsimpulse

1 Welche Rolle nimmt in Ihrem Glauben das Denken sowie die persönliche Erfahrung mit Gott ein?

2 Warum ist es wichtig, dass Jesus tatsächlich von einer Jungfrau geboren wurde?

Heidnische Anbeter

Matthäus 2,1-12

[no image in epub file]Erklärungen zum Text

Matthäus beschreibt nicht die Geburt von Jesus, sondern die Ereignisse, die sich daran anschließen. Er datiert sie nach antiker Art anhand der Herrschaft des Königs. Das ist zu jener Zeit Herodes der Große*. Die Weisen**, die nach dem neugeborenen König suchen, sind Sternkundige aus dem Gebiet von Persien und des einstigen Babylon. Sie kommen nicht zum Gratulieren, sondern um anzubeten (2)! Herodes begreift sofort, dass das Zeichen am Himmel auf den Messias (griech. Christus) hindeutet (3). Sowohl die Priester als auch die Schriftgelehrten kennen die prophetische Aussage über den Ort der Geburt (5-6; Micha 5,1).

Die Weisen haben die Erscheinung am Himmel gesehen, als sie noch in ihrer Heimat waren (7). Das erklärt, warum sie zunächst in Jerusalem nach dem Kind gesucht haben. Erst auf dem Weg von Jerusalem nach Bethlehem entdecken sie den Stern erneut. Er navigiert sie zu dem Haus, in dem sie Jesus und seine Mutter antreffen. Die Geschenke werden oft symbolisch gedeutet: Gold steht demnach für die Herrlichkeit, die Jesus verlassen hat, der Weihrauch für ein Gott wohlgefälliges Leben. Die Myrrhe weist auf sein Leiden hin (11; Markus 15,23; Johannes 19,39).

*Siehe Worterklärung zu Herodes der Große

**Siehe Worterklärung zu Weise

[no image in epub file]Fragen zum Text

1 Angenommen, Sie würden die vorliegende Szene spielerisch darstellen wollen: Wie viele Personen benötigten Sie für die Weisen (1)? Und wie müsste die Kulisse aussehen?

2 Wie kamen die Weisen dazu, einen jüdischen König anbeten zu wollen? Und woher kannten sie „seinen Stern“? Lesen Sie dazu 4. Mose 24,17 und Daniel 2,48.

3 Was lernen Sie über Gott, wenn Sie Vers 8 und Vers 12 nebeneinanderstellen?

[no image in epub file]Übertragung ins Leben

Dreierlei finde ich in diesem Abschnitt bemerkenswert. 1. Da fällt mir auf, wie weit sich das Brauchtum rund um die Geburt von Jesus vom biblischen Bericht entfernt hat. Traditionen spiegeln nicht immer biblische Fakten wider. 2. Wie auch immer der Stern zu erklären ist: Er zeigt jedenfalls, dass Gott sich auf eine Art mitteilen kann, die manchen von uns eher Kopfzerbrechen bereitet. 3. Wie eindrucksvoll, dass heidnische Priester sich auf einen so langen Weg machen. Die religiösen Juden hingegen begeben sich nicht nach Bethlehem, obwohl der Ort nur knapp zehn Kilometer von Jerusalem entfernt liegt. Da wage ich die selbstkritische Frage, inwieweit auch wir dazu neigen, es bei bloßem Bibelwissen zu belassen.

[no image in epub file]Gesprächsimpulse

1 Wie können wir inmitten weihnachtlichen Brauchtums darauf hinwirken, dass eine Begegnung mit Jesus stattfindet?

2 Der Prophet Micha sagte 700 Jahre, bevor Jesus geboren wurde, korrekt dessen Geburtsort voraus. Welches Licht wirft das auf die Glaubwürdigkeit der Bibel?

3 Wie sehen die Geschenke aus, die wir Jesus heute geben können?

Asyl in Ägypten

Matthäus 2,13-23

[no image in epub file]Erklärungen zum Text

Viermal spricht Gott durch Träume zu Josef (1,20; 2,13.19.22). Stets sind die Anweisungen völlig klar. Herodes Absichten liegen aufgedeckt vor Gott. Die Wendung, „damit erfüllt werde“, macht Gott nicht zum Urheber des Bösen, denn er bezieht auch das abgründige menschliche Handeln in seine Pläne mit ein (15). Matthäus bedient sich beim Zitat von Hosea 11,1 der jüdischen Auslegungsmethode* „Remes“ (15). Sie erkennt hinter dem offenbaren Wortsinn (er bezieht sich auf das Volk Israel) eine weitere Bedeutung (auf Jesus hin). Das gleiche Prinzip gilt für das Weinen der Rahel in Rama** (17-18).

Herodes Archelaus*** war ein Sohn von Herodes dem Großen, der ihm als Fürst über ein Teilgebiet des jüdischen Landes auf den Thron folgte (22).

Matthäus beendet Kapitel 2 mit einem Wortspiel (23). Jesus wird in jüdischen Schriften „Jeschua ha Nozri“ genannt (Jesus der Nazaräer). Die Konsonanten Nzr sind die gleichen wie im hebräischen „Nezer“, dem Wort für einen pflanzlichen Trieb (Jesaja 11,1.10; 53,2).

*Siehe Worterklärung zu Jüdische Auslegungsmethoden

**Siehe Worterklärung zu Rama

***Siehe Worterklärung zu Herodes Archelaus

[no image in epub file]Fragen zum Text

1 Gott weiß, dass Herodes ein Massaker anrichten lässt, aber er verhindert es nicht. Was lehrt uns das über das Wesen der Prophetie? Lesen Sie dazu Matthäus 24,6; 26,54; Lukas 9,22; 24,44.

2 Wie viel Zeit ist seit dem ersten Erscheinen des „Sterns von Bethlehem“ und der Ankunft der Weisen in Jerusalem vergangen (16)?

3 Welche Bedeutung messen Sie der Tatsache zu, dass Josef hier zum letzten Mal als aktiv Handelnder erwähnt wird (21-22)? Lesen Sie dazu auch Matthäus 13,55.

[no image in epub file]Übertragung ins Leben

Der gewaltsame Tod der unschuldigen Kinder muss den Eltern und Geschwistern das Herz gebrochen haben. Viele werden fragen, warum Gott so etwas zulässt. Die Antwort ist sehr ernüchternd. Die Bibel zeigt uns die Welt, wie sie ist: im Aufruhr gegen Gott, denn sie befindet sich in der Gewalt des Bösen (1. Johannes 5,19). Dieser hat mit dem skrupellosen Despoten Herodes dem Großen eine willige Hilfskraft. Und nicht nur mit ihm. Auch unsere Gegenwart ist auf allen Gebieten von dem Durcheinanderbringer geprägt: in den Familien, beim Klima, auf politischer Bühne, …

Auf diesem Hintergrund leuchtet die Nachricht über die Geburt von Jesus umso hoffnungsvoller auf. Er kam, um allen, die ihm vertrauen, den Weg in das Himmelreich zu öffnen.

[no image in epub file]Gesprächsimpulse

1 Wie gehen Sie damit um, dass Gott schlimme Dinge zulässt?

2 Gott spricht auf unterschiedliche Weise zu uns. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

3 Josef wird von Gott geführt. Wie erleben Sie Führung bzw. wie haben Sie sie erlebt?