Zahlensprache

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Die Psychologie ordnet diese Schnittstelle zwischen Bewusstem und Unbewusstem dem Bereich der Seele zu. Im religiösen Sinn ist mit dem Begriff Seele der jenseitige Aspekt des Menschen gemeint, der ihn mit Gott verbindet. Beide Disziplinen betrachten im Grunde dasselbe, auch wenn sie Seele unterschiedlich definieren. Ist hier der Blick auf das praktische Leben ausgerichtet, fällt er dort auf das dahinter liegende Jenseitige. Um eine Vermischung dieser beiden Auffassungen zu vermeiden, kennt das Alte Wissen im Hebräischen 2 unterschiedliche Begriffe für Seele, einmal für den Bereich der Psyche und einmal in Bezug zum Absoluten.

Grundsätzlich ist die menschliche Existenz darauf ausgerichtet, das Unbewusste ins Bewusstsein zu holen und es im Licht der Erkenntnis zu betrachten. Neumann macht den Stellenwert der Bewusstseinsentwicklung deutlich: „Die Entwicklung des Bewusstseins, die vom fast völlig Enthalten-sein im Unbewussten beim Urmenschen bis zur abendländischen Form des Bewusstseins reicht, ist als das eigentliche Anliegen der gesamten Menschheit sichtbar geworden.“ Im selben Zusammenhang erwähnt er: „Die Richtung zum Licht, die C. G. Jung einmal den menschlichen Heliotropismus (= die „triebhafte“ Tendenz der Pflanze, sich zur Sonne zu drehen) genannt hat, hat sich auf die Dauer als stärker erwiesen als alle Verdunkelungskräfte, welche das Bewusstsein auszulöschen versucht haben.“

Auf dem Weg zum klaren Erkennen im vollen Licht des Bewusstseins stellt die zitierte abendländische Form wohl eine fortgeschrittene Etappe dar.

In „Erinnerungen, Träume, Gedanken“ sagt C. G. Jung: „Nur hier, im irdischen Leben, wo die Gegensätze zusammenstoßen, kann das allgemeine Bewusstsein erhöht werden. Das scheint die metaphysische Aufgabe des Menschen zu sein, die er aber ohne „mythologein“ nur teilweise erfüllen kann. Der Mythos ist die unvermeidliche und unerlässliche Zwischenstufe zwischen dem Unbewussten und der bewussten Erkenntnis.“

Die Erzählungen diverser Schöpfungsmythen sind symbolische Aussagen. Ihre Wahrheiten gelten zeitlos, jetzt und immer, auch wenn das für ein lineares Zeitverständnis kaum zu begreifen ist. Wenn es nicht gelingt, die Mitteilung eines Mythos in ihrem Kern zu erfassen, so liegt der Fehler meist im Versuch, ihn als geschichtlichen Bericht zu lesen. Die Mythen benutzen zwar historische Ereignisse zur Darstellung, sind aber selbst nicht historisch gemeint.

Als die Menschheit vor Tausenden von Jahren die Schrift entwickelte, war sie in der Lage, dieses ursprüngliche, mythologische Gedankengut erstmals aufzuzeichnen und damit festzuhalten. Das Alte Testament der Bibel und die Schriften des Judentums sind aus solchen Überlieferungen hervorgegangen. Die schriftliche Basis dieser Religionen ist also eine Sammlung von Wissen aus noch viel älterer Zeit. Der Mensch hat in diesen Überlieferungen mit Bildern seines Alltags, seines eigenen Erlebens auszudrücken versucht, was er an grundlegender, uralter Weisheit in sich trug. Und es war ihm gegeben, dies auch in einer Sprache zu tun, die darauf ausgelegt war, diese Weisheit unverfälscht zu transportieren.

Äußerlich wird in symbolischen Geschichten vermittelt, was an Wesentlichem erhalten bleiben sollte. Eigentlich aber zeichnen in diesen Erzählungen die Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben und Wörter ein klareres Bild vom Kern ihrer Aussagen.

Das Alte Testament und die darüber hinausgehenden jüdischen Texte wurden seit jeher als Heilige Schriften verstanden. Wie auch das überlieferte Wissen anderer Religionen berichten sie nicht über gewöhnliche Ereignisse, sondern von einem Unfassbaren und Jenseitigen. Die in diesen Büchern bzw. Schriftrollen angegebenen Zahlen beschreiben daher auch keine Zeitabläufe oder Mengenangaben im gewohnten, alltäglichen Sinn. Biblische Zeit drückt eine Zeitqualität aus und nicht eine Zeitfolge, und konkret genannte Zahlen sind nicht quantitativ, sondern qualitativ in ihrer Aussage.

Der Mathematiker Friedrich Weinreb beschäftigte sich um die Mitte des 20. Jahrhunderts neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit eingehend mit alten Quellen der jüdischen Überlieferung. Er entdeckte darin auf Ebene der Zahlenwerte außergewöhnliche Zusammenhänge und hinterließ dazu ein umfassendes Werk. Für ihn bestätigte sich durch persönliche Einblicke, was dieses Alte Wissen von sich sagt, nämlich dass es immer da war und zum Menschen gehört wie die ihn umgebende Schöpfung.

Die jüdische Überlieferung weist wiederholt darauf hin, ihre Texte nicht historisch zu sehen, sondern als gegenwärtigen Bestandteil jeder menschlichen Existenz. Die Bibel beschreibt nicht, was einmal war, sondern was zeitlos ist, und Weinreb betont immer wieder, dass diese symbolischen Bilder in jedem Menschen leben, als seine eigene verborgene Wirklichkeit.

Wenn in den folgenden Ausführungen auf Altes Wissen Bezug genommen wird, dann ist dieser Begriff im Sinne von Friedrich Weinreb gemeint. Diesem Alten Wissen, wie es Weinreb für die moderne Welt erschlossen hat, entstammen auch die grundlegenden Informationen im folgenden 2. Kapitel, vor allem Weinrebs Buch „Zahl, Zeichen, Wort“ kommt dabei besondere Bedeutung zu.

Die nächsten Kapitel bauen in gedanklicher Konsequenz auf diesen Grundlagen auf und werden ergänzt durch neue Perspektiven. Dabei zeigen sich auch unabhängig von alten Überlieferungen Querverbindungen und Zusammenhänge, die Zahlen mit ihrer qualitativen Aussage zum Ausdruck bringen. Diese Zusammenhänge treten zwar unabhängig vom Alten Wissen in Erscheinung, zeigen aber einen Bezug dazu und klare Übereinstimmungen.

Insgesamt geht das Gedankengebäude dieses Buches weit über das hinaus, was Friedrich Weinreb hinterlassen hat.

Die Vertiefung des qualitativen Aspektes der Zahlen, der Bezug zu den Primzahlen sowie zu den aktuellen Zeitqualitäten, die Betrachtung der Dimensionen, die Querverbindungen zu Mathematik, Physik, Weltreligionen und griechischer Mythologie, das alles ist neu.

Der an Zahlen orientierte Blick auf biblische Begriffe und vor allem auf den Menschen durchbricht eine Denkbarriere, indem er konsequent und kompromisslos anwendet und zu Ende führt, was Friedrich Weinreb für die moderne Welt an Einsichten erschlossen hat. Er war und ist in der Betrachtung biblischer Texte und religiöser Symbole revolutionär. Sein Leben und Werk war darauf ausgerichtet, menschlichem Bewusstsein der Neuzeit Zugang zu grundlegender, uralter Wahrheit zu eröffnen.

Es ist im Sinne von Friedrich Weinreb, das von ihm Hinterlassene nicht zu der Weisheit letztem Schluss erstarren zu lassen.

Er motiviert dazu, individuell und eigenständig weitere Schritte zu setzen, wenn er sagt: „Ich war und bin nicht der Mensch, der Schüler sucht, eine Schule errichtet; ich nehme immer an, dass nur ein freier Mensch zu Gott finden kann. Ich ertrage keine Anhänger, Nachläufer, Schwärmer oder nur Schüler. Als freier Mensch komme man und als freier Mensch finde man Gott.“

Friedrich Weinreb bezog sich in seinen Büchern und Vorträgen gerne auf die Elberfelder Bibel als wortgetreueste Übersetzung aus dem Hebräischen. Ihr entstammen auch die Bibel-Zitate in den folgenden Kapiteln.

2. Kapitel: Hebräisch als Sprache des Alten Wissens

„Hebräisch“ bedeutet in dieser Sprache „von der anderen Seite“. Das Hebräische versteht sich selbst als von der anderen Seite kommend und als Ursprache. Die griechischen Buchstaben Alpha und Beta, aus denen sich das Wort Alphabet zusammensetzt, entstammen den hebräischen Zeichen Aleph und Beth. Der antike griechische Geschichtsschreiber Herodot, der vor fast 2.500 Jahren lebte, bestätigte diesen Zusammenhang. Er erwähnte eine mythologische Gestalt namens Kadmos als Übermittler phönizischer Buchstaben nach Griechenland. „Kadmos“ leitet sich ab vom hebräischen „kedem“ und ist zu übersetzen mit „früher, Ursprung“. Das Phönizische zeigt eine weitgehende Übereinstimmung mit dem Alt-Hebräischen, hat darin also seinen Ursprung und stellt den Übergang dar zum Griechischen.

Das Hebräische ist sowohl Buchstabe als auch Zahl. Diese Eigenheit ist ein sehr tiefgründiger Hinweis und verdeutlicht die Tatsache, dass in der erlebbaren Welt alles 2 Seiten hat. Das irdische Leben ist geprägt von Widersprüchlichem und Gegensätzlichem. Jede Anschauung findet ihr Gegenteil, jeder Pol hat seinen Gegenpol. Nach jüdischer Überlieferung lebt in allem etwas Weibliches im Sinne von äußerlich Erscheinendem und etwas Männliches als hintergründiges Geistiges. Das Hebräische versteht sich als Sprache, die beides in sich trägt und zum Ausdruck bringt. Jedes Schriftzeichen als Kombination von Buchstabe und Zahl bildet diesen Doppelcharakter ab, ist weiblich und männlich zugleich.

Diese gleichzeitige Existenz von Erscheinendem und Geistigem gilt für jedes hebräische Wort. Jede Buchstabenfolge ist auch Zahlenkombination und daher sowohl irdisch als auch nicht-irdisch. Die hebräische Sprache, die „von der anderen Seite“ kommt, bildet eine Synthese von Dies- und Jenseits. Sie erfüllt von Anfang an eine Brückenfunktion zwischen beiden Seiten, was die Bibel mit der Aussage bestätigt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“

Das „Wort“ überbrückt eine Grenze und überwindet die scheinbare Unvereinbarkeit zwischen Dies- und Jenseits, zwischen Gott und der Welt. Über das „Wort“ kommt zum Ausdruck, was generell für jede Existenz gilt, nämlich dass eine Verbindung existiert zwischen dem Offensichtlichen und einem Hintergründigen. Die Seite des Hintergründigen wird vermittelt in Zahlen, die Seite des Offensichtlichen in Buchstaben. Das „Wort“, von dem die Bibel spricht und aus dem sie besteht, umfasst also beide Seiten, die bekannte und die „andere“.

Das hebräische Alphabet besteht aus Konsonanten, die nicht Buchstaben, sondern Zeichen genannt werden. Diese Zeichen zeigen etwas in dieser Welt, das aus einer anderen Wirklichkeit kommt und bilden die Schnittstelle zwischen beiden Bereichen. Für Vokale existieren keine Schriftzeichen, sie werden der Welt des Geistigen zugeordnet und haben daher keine festen Formen.

 

Die Überlieferung geht davon aus, dass eine Ursprache und ein Verständnis dafür in jedem Menschen angelegt sind. Sprache ist Teil des Menschseins, sie dient der Verständigung untereinander und bildet gleichzeitig eine Verbindung zum Ursprung. Eine verborgene Weisheit lebt in allen Sprachen, die sich erschließt, wenn man Aufmerksamkeit dafür entwickelt. Der Zusammenhang von zählen und er-zählen zeigt das. Ebenso besteht eine Verwandtschaft zwischen stehen und ver-stehen oder greifen und be-greifen. Es gibt dafür noch viele weitere Beispiele, besonders auch im Deutschen.

Im Hebräischen ist die Reihenfolge der Buchstaben identisch mit der Zahlenfolge; Buchstaben sind Zahlen, Zahlen sind Buchstaben und sich gegenseitig eindeutig zugeordnet. Zahlen sind dabei der primäre Faktor und geben die Reihenfolge vor, in ihnen ist der Sinn unverfälschter enthalten als in geäußerten Lauten. Konsonanten als Äußerungen der erscheinenden Welt sind ihnen untergeordnet. Manche Wörter können daher durch die Verwendung verschiedener Vokale ganz unterschiedlich klingen; wenn dieselben Zahlengruppen darin vorkommen oder andere Übereinstimmungen in ihren Zahlenwerten herrschen, dann ist eine grundlegende Sinn-Verwandtschaft gegeben. Buchstaben drücken eine Mitteilung aus für die diesseitige Wahrnehmung. Zahlen beziehen sich auf das dahinter liegende Ursächliche und sind aus diesem Grund auch das Primäre. Jedes hebräische Wort besteht aus diesen beiden Seiten, die sich gegenseitig ergänzen und gemeinsam etwas manifestieren. Rätselhafte Formulierungen in den Überlieferungen erklären sich oft über die Zahlenfolgen, die in ihrer Kombination eine Information transportieren.

Grundsätzlich sind die Texte des Alten Testaments keine Berichte über vergangenes Geschehen. Sie beschreiben etwas grundsätzlich Zeitloses, das in Form von Erzählungen in Raum und Zeit für das menschliche Bewusstsein erfassbar wird.

Es existiert in diesen Erzählungen nichts Zufälliges in dem Sinn, dass es ohne Bedeutung wäre. Jedes Zeichen ist im Zusammenhang präzise gesetzt und hat eine konkrete, präzise Aussage. Diese Texte lassen genauso wie die gesamte materielle Welt eine Struktur und Ordnung erkennen, die für das große Gesamte genauso gilt wie für das Kleinste.

Die hebräischen Schriftzeichen haben in diesen alten Dokumenten eine vergleichbare Funktion wie die chemischen Elemente der Materie, beide fügen Grundbausteine zu komplexen Konstrukten zusammen.

Die Heilige Schrift besteht aus Zeichen, von denen jedes einen Namen hat. Jedes trägt eine Bedeutung in sich und wird mit einem Bild beschrieben, das seine Aussagekraft symbolisiert. In Kombination miteinander bringen Zeichen etwas Neues hervor und etwas Gemeinsames zum Ausdruck. Sie tun das auf ähnliche Weise, wie sich etwa die chemischen Elemente Wasserstoff, H, und Sauerstoff, O, zu Wasser, H2O, verbinden.

Die Bibel zu ergründen ist also ähnlich komplex wie die Materie zu erforschen. Zum Verständnis beider Welten ist erforderlich, sich mit ihren Grundlagen vertraut zu machen.

Die Welt der Bibel basiert auf 22 „festen“ Elementen = 22 Konsonanten. Die Grundstruktur dieser 22 hebräischen Schriftzeichen bilden die Zahlen von 1 bis 10. Darauf aufbauend folgen 20, 30, 40 usw. bis 100. Dann wiederholt sich die Reihenfolge auf der Ebene der Hunderter, dort aber nur bis 400. 400 ist das letzte der 22 Zeichen.


Tabelle Hebräischer Schriftzeichen

(https://miunske.org/wp-content/uploads/2019/01/Tabelle_Hebraeische_Schriftzeichen.pdf)

Diese Tabelle gibt eine Übersicht über die hebräischen Zeichen, deren Schreibweise, Aussprache und über die Zuordnung der Buchstaben zu den jeweiligen Zahlen. Außerdem sind darin die Zahlenwerte der einzelnen Zeichen aufgelistet, die für das Verständnis der Aussagekraft wesentlich sind. Sie gliedern sich in Äußerer Wert, Voller Wert, Verborgener Wert und Atbasch-Wert. Was damit zum Ausdruck kommen soll, zeigt sich am besten anhand eines Beispiels. Dafür bietet sich das Wort „Adam“ an, der hebräische Ausdruck für „Mensch“.

Adam wird A D M geschrieben, die Aleph am Beginn wird berücksichtigt, das zweite A als Vokal nicht: A = 1, D = 4, M = 40, das ergibt in Zahlen ausgedrückt 1–4–40.

Der Äußere Wert von 1–4–40 ist die Summe dieser Zahlen, also 1 + 4 + 40 = 45. Dieser Wert steht für das Erscheinende, das Offensichtliche in der diesseitigen, physisch wahrnehmbaren Welt, in der Welt von Zeit und Raum. Diese Welt entspricht der linken Seite. Das ist im Schriftbild des Hebräischen die Schreibrichtung, es wird von rechts nach links geschrieben.

Der Volle Wert umfasst alle Zahlen der einzelnen Zeichen eines Wortes:

A – Voller Wert von „Aleph“ als Summe von 1–30–80 = 111

D – Voller Wert von „Daleth“ als Summe von 4–30–400 = 434

M – Voller Wert von „Mem“ als Summe von 40–40 = 80

625 ist die Summe daraus und damit der Volle Wert für Adam. Dieser Wert bildet das Absolute, Hintergründige, den Ursprung ab, die rechte Seite, aus dieser Richtung kommen die Zeichen.

Der Verborgene Wert drückt aus, wie der Mensch = Adam von der linken zur rechten Seite gelangt, wie er ausgehend vom Physischen das Immaterielle erreichen kann. Dieser Weg von links nach rechts ist in diesem Sinn ein sehr wesentlicher Faktor und wird beschrieben durch die Differenz zwischen Vollem und Äußerem Wert: 625–45 = 580. Der Verborgene Wert für Adam ist 580.

Der Atbasch-Wert bringt zum Ausdruck, dass die erscheinende Welt nur eine Hälfte ist und der andere Teil im Absoluten liegt. Der Atbasch-Wert weist auf einen Spiegeleffekt zwischen beiden Hälften hin, denn er ist der Wert des genau gegenüber liegenden Zeichens, ausgehend von einer gedachten Mitte im hebräischen Alphabet nach 11 Konsonanten. Aleph spiegelt sich in der Taw, Beth in der Schin, Gimmel in der Resch usw. und hat deren Äußeren Wert als eigenen Atbasch-Wert. Aus dieser Gegenüberstellung A–T, B–Sch leitet sich die Bezeichnung Atbasch ab und stellt dar, dass Gegensätzliches sich zu einem Gesamten ergänzt.

Der Atbasch für Adam 1–4–40 ist also 400–100–10, in Summe 510. Gemeinsam mit dem Äußeren Wert 45 ergibt das die Zahl 555. Diese Summe steht für das zusammengefügte Ganze.

Das Alte Wissen sieht in den 22 hebräischen Konsonanten Urbilder, die als Erinnerung in jedem Menschen leben. Der Mensch ist davon in seinem Innersten geprägt, ohne es zu wissen. Er hat sie vorübergehend vergessen, um sich wieder daran er-innern zu können.

Im Schriftbild hängen diese Zeichen an einer unsichtbaren Linie, die sie leicht durchstoßen. Damit ist symbolisiert, dass sie etwas sind, das aus einer Sphäre des Unsichtbaren und Leichten in die Schwere des Materiellen herunterkommt. Sie bewegen sich aus der Einheit in die Zweiheit und zeigen auch in ihren Aussagen etwas Doppeltes. Jedes dieser 22 Zeichen trägt eine Information als Buchstabe und gleichzeitig als Zahl in sich, und die alten Überlieferungen geben Auskunft über ihre Bedeutung:

1 oder Aleph weist schon vom Zahlenwert her auf eine Einheit hin, die alles umfasst. 1 ist die Zahl des Absoluten. Dieses Absolute liegt allem zugrunde und enthält als 1 noch ungeteilt, in Ruhe und Harmonie, was später daraus hervorgeht. Was jemals er-zählt und ge-zählt werden kann, ist in der Gesamtheit seiner Varianten in dieser 1 schon da. In ihr gibt es kein Außerhalb, sie umfasst alles Sein, alle Möglichkeiten und alles Vorstellbare in einem Eins-Sein. Aleph bedeutet „Haupt“, sie ist die Haupt-sache.

Dass in diesem Ungeteilten aber bereits die Zweiheit angelegt ist, zeigt das Schriftbild der 1, die Aleph.

Es besteht aus zwei Jod, die sich gegenseitig über einer schrägen Linie spiegeln. Jod ist 10, eine Kombination von 1 mit 0. Die Aleph sagt damit aus, dass die 1 sich als gespiegelte 10 wahrnehmbar macht. Das Schriftbild der Aleph komprimiert in sich die Aussage, dass die 1 als etwas Doppeltes über die 10 in Erscheinung tritt und in ihrem Doppelcharakter Dies- und Jenseits umfasst, Abstraktes und Erscheinendes. Die Kombination von Geist und Materie kommt zum Ausdruck in der Aussprache dieses Zeichens, denn es ist praktisch Vokal und Konsonant zugleich. Aleph ist als Konsonant lautlos und kann in der Aussprache alle Vokale annehmen. Das in der Aleph vorbereitete Doppelte äußert sich im nächsten Zeichen.

2 oder Beth setzt diese Zweiheit im Sichtbaren um, macht die Einheit zur Dualität. Mit der Beth ist die Teilung abgeschlossen, die in der Aleph ansetzt. Das runde und alles umschließende Eine im Bild des Uroboros stülpt sich um in ein Außerhalb. Ein Spannungsfeld von Extremen bildet den Gegensatz zur Einheit, die sich zurückzieht und nicht mehr wahrgenommen werden kann. Aber das Prinzip der Einheit erlischt damit nicht, es existiert unerkannt weiter als Ursprung und Hintergrund der 2 und der ihr folgenden Vielheit.

Mit der 2, der Beth, tritt wie in einem „Urknall“ die sichtbare Welt in Erscheinung, die durch Polarität gekennzeichnet ist. „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“ sind die ersten Worte im Alten Testament und sie beginnen mit einer Beth als erstem Zeichen überhaupt in der Bibel. Es ist damit der Anfang für eine Gegensätzlichkeit gemacht, die die ganze erfahrbare Welt umfasst. Im hebräischen Wort für Vater, „aw“, 1–2, kommt dieser Ursprung der Schöpfung zum Ausdruck.

Beth trägt die Bezeichnung „Haus“. Damit wird symbolisiert, dass in allem, was durch die 2 in die Existenz kommt, die 1 wohnt und lebt. Die Welt des Sichtbaren ist gewissermaßen das „Haus Gottes“. Die 2 verbirgt die 1 gut getarnt in sich. In der Welt der Dualität äußert sich die Einheit durch ihr exaktes Gegenteil, nämlich als Zwiespalt. Denn in allem stehen sich nun Gegensätze gegenüber, ein Anderssein, ein Wahrnehmen von polaren Widersprüchen. Sobald es eine 2 gibt, hat die 1 sich geteilt und es ist etwas Neues entstanden. Und mit 22 Zeichen wird diese Welt der Zweiheit beschrieben.

3 oder Gimmel besteht aus 1 + 2, sie trägt in sich Einheit und Dualität. Das Sich-Bewegen in der Welt der 2 ist immer provoziert durch dieses Gegensätzliche, für das die 2 steht und außerdem durch ihren unbewussten Bezug zur 1, spürbar als Drang nach Harmonie und Einheit. Auf 2-fache Weise wirkt somit innerhalb der 3 eine Spannung, die Unruhe und Bewegung verursacht. Deshalb trägt dieses Zeichen in der Überlieferung auch den Namen „Kamel“. Dieses genügsame, ausdauernde Tier symbolisiert einen unermüdlichen Impuls, der fast pausenlos vorwärts treibt.

Dieser Impuls der 3 ist darauf ausgerichtet, die 3 als Ziel zu erreichen. Wenn im Widersprüchlichen eine verbindende Einheit erkannt wird, kommt die 3 aus 2 + 1 als Frucht, als etwas Neues. In diesem Sinn ist die 3 einerseits bewegender Faktor und andererseits Endzweck dieser Bewegung. Die 3 zielt darauf ab, Polares in ein Gleichgewicht zu bringen, indem sie eine Antwort darauf gibt. Das Alte Wissen sagt, dass aus jedem Widerspruch eine Frucht kommen soll, das ist der Sinn der Gegensätze.

4 oder Daleth als 2 x 2 steht für eine Dualität, die nur auf sich selbst bezogen ist, nur sich selbst wahrnimmt. Der bewusste Bezug zur 1 fehlt. Damit ist 4 die maximale Möglichkeit in der Welt der Gegensätze. Die Zahl 4 ist Ausdruck für das irdisch Erscheinende, die sichtbare Materie. Die Verdoppelung der 2 zur 4 ist ein grundlegendes Prinzip und seine Umsetzung in der Zellteilung lässt alle lebenden Organismen entstehen. Daleth trägt in der Überlieferung die Bezeichnung „Tür“. Eine geschlossene Tür trennt, eine offene verbindet zwei Welten. Durch die geschlossene Tür der 4 kann das Haus der 2 nicht verlassen werden, eine offene Tür ermöglicht freie Bewegung.

5 oder He ist das Ergebnis eines Zusammenwirkens von 1 und 4, von Einheit und Materie sowie von 2 und 3, Dualität und Antrieb. 5 oder He wird in der Überlieferung „Fenster“ genannt, sie bildet im Haus der 2 eine Öffnung. Durch dieses Fenster kann die 1 sichtbar werden, die außerhalb von 2 und 2 x 2 liegt. Ein verdunkeltes Fenster verhindert diesen Durchblick, und solange außerhalb des Hauses Finsternis herrscht, besteht auch kein Grund innen die „Vorhänge“ zu öffnen. Das geschieht erst, wenn es draußen hell wird, wenn die Sonne aufgeht und die 1 sich zeigt. Ein klares oder offenes Fenster lässt dann sehen, was sich außerhalb des Hauses befindet. Diese Symbolik veranschaulicht ein Geschehen im Bewusstsein des Menschen, dem es allmählich ‚dämmert‘ und der schließlich im vollen Licht der Erkenntnis durch das Fenster der 5 Einblick in Zusammenhänge hat außerhalb der Welt von 2 und 2 x 2. Dieser Blick nach draußen motiviert dazu, die Tür für die 1 zu öffnen und sie in das Haus der 2 zu lassen.

 

3 aus 1 + 2 motiviert im Haus der 2 zur Bewegung und bringt dazu die Vorhänge des Fensters zu öffnen. Dieses Geschehen ist die Aussage der 5 aus 2 + 3. Die 5 aus 4 + 1 hat freien Blick auf die 1, motiviert zum Öffnen der Tür und lässt die 1 ins Haus der 2 ein. 4 + 1 = 5 und 2 + 1 = 3 verlaufen synchron und definieren das Ein(s)sehen von Zusammenhängen zwischen dem Leben in der Materie und der Ebene, die es gestaltet.

6 oder Waw ist 2 x 3 und gleichzeitig das, worauf 1, 2 und 3 miteinander abzielen. Die 3 besteht aus 1 + 2 und verweist gemeinsam mit ihnen auf eine gemeinsame Absicht: 1 + 2 + 3 = 6. Die 3 verbindet 1 + 2 als Antrieb und gleichzeitig 2 + 1 als Ziel. Die 6 aus 3 + 3 summiert beide Varianten und betont auch die Funktion beider Varianten. Waw bedeutet im hebräischen Sprachgebrauch „und“, im Alten Wissen „Haken, Verbindungsglied“. Die Spiegelfläche der beiden Jod in der Aleph ist eine Waw. Die 6 ist generell der Ausdruck für die Verbindung von Getrenntem und beschreibt mit dem Erfassen von Zusammenhängen eine wesentliche Funktion menschlichen Bewusstseins.

7 oder Sajin setzt sich zusammen aus 1 + 6, 2 + 5 oder 3 + 4. In der 7 summieren sich paarweise alle schon existierenden Zahlen, 7 beschreibt die fertige Welt der 2. Diese Welt und der darin lebende Mensch sind von den Zahlen 1 bis 6 geprägt. Die 1 hat die Welt kreiert, um darin Zusammenhänge sichtbar zu machen. Die Zahlenpaare summieren sich zu 7 ohne offensichtliche Ordnung und demonstrieren damit, dass die Zusammenhänge und die Ordnung, auf der diese Welt basiert, nicht offensichtlich sind. Sajin hat in der Überlieferung die Bedeutung von „Waffe“, eine Art Schwert, und symbolisiert damit einen Alltag, der mit Kämpfen verbunden ist und mit einem Ringen um Einsicht. Die alte hebräische Hieroglyphe für Sajin ist das stilisierte Bild eines Schiffes mit Ruder und macht das Unterwegs-Sein im Zeitlichen bildhaft. Wie das Meer scheint es uferlos, die Orientierung ist schwierig und ein Ziel ungewiss.

8 oder Cheth ist die doppelte 4 und damit eine Verdoppelung der Qualität der 4. Die 8 betont damit einerseits das materielle Diesseitige und gibt andererseits auch einen deutlichen Hinweis auf die Funktion der 4 als Tür zwischen den Welten. Die Cheth ist in ihrem Schriftbild ein Zeichen, das der He sehr ähnelt, dem aber die Öffnung nach oben fehlt, es ist nur nach unten geöffnet, erdwärts. Dorthin ist die 8 primär ausgerichtet, auf ein angenehmes Leben im Diesseits. Das Wort Cheth hat die Bedeutung von „Umzäunung, Gitter“ und symbolisiert ein Dasein innerhalb der Begrenzung auf 2 x 4, eine Fokussierung auf die duale Welt der Materie.

9 oder Teth bildet sich aus 3 x 3 oder 3 + 3 + 3, es begegnen sich Antrieb und Ziel auf 3-fache Weise. Das bedeutet, dass die vorhandene Spannung zwischen 1 + 2 sich intensiviert und ein Maximum erreicht. Diesen Punkt markiert die 9 und er ist gleichzeitig der Kulminationspunkt, der zur Erfahrung der 3 aus 2 + 1 überleitet. 3 x 3 beschreibt die Begegnung beider Aspekte und betont, wie intensiv und eindrücklich die jeweilige 3 in der Phase des Aufeinandertreffens vom menschlichen Bewusstsein erlebt wird. Die 3-fache 1 + 2 genauso wie die 3-fache 2 + 1 bringen die Vehemenz zum Ausdruck, mit der die 9 beides in die Wahrnehmung dringen lässt.

In der Ver-3-fachung der 3 in der 9 sieht das Alte Wissen das Ende einer Phase und das Finden von etwas Neuem. In sehr alten Überlieferungen trägt die Teth den Namen „Gebärmutter“. Die 9 steht für eine Finsternis, die etwas Helles in sich verbirgt und das aus ihr heraus völlig unerwartet geboren wird. Auch zahlreiche andere Kulturkreise kennen die 9 als Todes- und Transzendenzzahl, die etwas in sich trägt und hervorbringt, das bisher weder erlebbar noch vorstellbar war.

Dieses unerwartete Neue ist eine andere Ebene der Erfahrung. Die Zahlen der hebräischen Schriftzeichen drücken diesen Sprung auf ein verändertes Niveau durch das Hinzufügen einer Null aus.

10 oder Jod ist die 1 auf einer anderen Ebene und im Schriftbild der Aleph bereits sichtbar. Jod bedeutet „Hand“, es ist damit das Handeln durch den Menschen gemeint. Indirekt über die menschliche 10 zeigt die 1 in der Welt der 2 ihre Handlungsfähigkeit. Die Aleph bildet diese Information als abstraktes Prinzip ab, über die menschliche 10 wird es lebendige und wahrnehmbare Wirklichkeit. Die 1 wirkt durch die 10, was die 10 vorerst aber nicht erkennt.

In den Zahlen 1 bis 9 sind abstrakte Prinzipien angelegt, die ab 10 auf der Ebene des Menschen in die praktische Umsetzung gelangen. Im Schriftbild ist Jod das kleinste der Zeichen und symbolisiert nach dem Alten Wissen das Gehirn. Mit diesem Bild wird die mentale Fähigkeit des Menschen betont, über das Be-greifen besteht auch ein Bezug zur Hand. Dieses Be-greifen reduziert sich auf das Greifen mit einer Hand, solange für die 10 das Wirken der 1 nicht erkennbar ist.

Die Zahlen 11 bis 19 verfügen über keine eigenen Schriftzeichen, sondern werden gebildet durch eine Verknüpfung der 10 mit den ihr vorausgehenden Zahlen. Verschiedene Kombinationen beschreiben unterschiedliche Qualitäten des Handelns und Erlebens. Was in den Zahlen 1 bis 9 prinzipiell angelegt ist, verbindet sich mit der 10 des Menschen und wird dadurch lebendig. Alle Zahlen bis 10 enthalten jeweils spezifische Informationen, die vergleichbar sind mit Samen. Im menschlichen Bewusstsein keimen diese Samen und bringen ihr Potential gemeinsam mit der 10 zur Umsetzung.

Die Zahlen 1 bis 9 bilden grundlegende Aspekte ab, in den Zahlen 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19 liegen sie auf einer erfahrbaren Ebene. Die Zahl 9 zum Beispiel drückt das Prinzip der Erkenntnisfähigkeit generell aus, die Zahl 19 steht für die Umsetzung dieses Prinzips im menschlichen Bewusstsein. Genauso wie die 9 die Basis darstellt, die „Gebärmutter“ für den Sprung auf eine andere Ebene, nämlich die 10, gilt dies auch für die 19. Als individuell erfahrbare Einsicht gewährt 19 im wahrsten Sinne des Wortes Ein-Sicht, nämlich Sicht auf die 1. Dem menschlichen Bewusstsein, das als 19 für sich ganz persönlich den Bezug zur 1 erkennt, eröffnet sich eine neue Perspektive der Wahrnehmung. In Zahlen ausgedrückt verbinden sich 19 und 1 zu 20. Das unbewusste Erleben der 10 endet also mit der 19, die den Bezug der 10 zur 1 bewusst erfasst.

20 oder Kaf trägt die Bezeichnung „zugreifende Hand“. Die in der 10 bereits unerkannt vorhandene und in gewissem Sinn passive Hand wird damit aktiv. Der Mensch als 20 ist nun fähig, grundlegende Zusammenhänge zu be-greifen. Mit 2 Händen, mit 2 Jod, mit 2 x 10 wird es dem Bewusstsein möglich, den Sinn seiner Existenz in der Dualität aktiv zu er-fassen. Kaf steht für das lebendige Zusammenwirken beider Ebenen der 10, wie es sich bereits im Schriftbild der Aleph zeigt: Die 10 sieht sich selbst als 10.

Die 20 ist gleichzeitig auch 5 x 4, eine Kombination von „Fenster“ und „Tür“. Durch beide Öffnungen hat sie Zugriff auf einen Bereich, der die 2 umgibt und dem sie entstammt.

Die in den Grundzahlen angelegten Qualitäten kommen nun durch die 2 x 10 des Menschen in eine bewusste Umsetzung.

30 oder Lamed nennt die Überlieferung „Ochsenstachel“ und bringt damit zum Ausdruck, dass 30 vehement zur Bewegung antreibt. 3 x 10 ist das Erfahren der 3 durch den Menschen. Lamed bedeutet auch „lehren“ und das ist der Sinn des Unterwegs-Seins: ein Fort-schreiten im bewussten Wahrnehmen, Denken und Tun. Die 30 treibt die menschliche 10 an zum Erkennen von Zusammenhängen zwischen 2 und 1. Sie tut das auch als 5 x 6, indem sie dazu motiviert, durch das „Fenster“ zu schauen. Auch der Mensch, der gelernt hat, eine 30 aus 2+1 x 10 zu sein, wird durch 1+2 x 10 immer wieder dazu motiviert, neue Einzelheiten in der Verbindung zwischen 4 + 1 und 2 + 1 zu sehen.