Glorreiche Western Trio Band 3 Romane 7/2021

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John F. Beck, Pete Hackett

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Inhaltsverzeichnis

  Glorreiche Western Trio Band 3 Romane 7/2021

  Copyright

  Sattelwölfe

  Dein Mann muss hängen, Mary!

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  Ein Sarg für McQuade

Glorreiche Western Trio Band 3 Romane 7/2021
John F. Beck, Pete Hackett

Dieser Band enthält folgende Western:

Sattelwölfe (Pete Hackett) (Pete Hackett)

Dein Man muss hängen, Mary! (John F. Beck)

Ein Sarg für McQuade (Pete Hackett)

Vince McQuade parierte das Pferd, hob das rechte Bein über das Sattelhorn und ließ sich aus dem Sattel gleiten. Vor ihm lag ein schmaler Creek. Er führte nur wenig Wasser. Der Flussgrund war geröllübersät.

Hier führte die Spur des Mannes, der er seit Gila Bend folgte, in das Flussbett. McQuade überquerte den schmalen Creek trockenen Fußes, indem er von einem der großen Steine, die aus dem Wasser ragten, zum anderen sprang. Stephen Rawlett hatte den Fluss auf der anderen Seite nicht wieder verlassen. Er war im Wasser geritten, um seine Spur zu verwischen.

McQuade kehrte zum Nordufer zurück. Im Osten erhoben sich die bizarren und zerklüfteten Felsen der Sierra del Ajo, im Süden, in rauchiger Ferne, ragten die Schründe und Gipfel der Sierra Madre in ein Meer aus weißen Wolken hinein.

Der Kopfgeldjäger vermutete, dass Stephen Rawlett nach Mexiko wollte. In den Staaten war das Leben des Räubers und Mörders keinen rostigen Cent mehr wert. Auf seinen Kopf waren tausend Dollar ausgesetzt. Tot oder lebendig.

Hatte Rawlett bemerkt, dass er verfolgt wurde? Diese Frage stellte sich McQuade. Wenn ja, dann musste er davon ausgehen, dass der Bandit versuchen würde, den Verfolger auf die raue Art von seiner Fährte zu fegen. Dann konnte der Tod hinter jedem Fels und hinter jedem Strauch lauern.

Dass der Outlaw plötzlich versuchte, seine Fährte zu verwischen, ließ den Schluss zu. Ein Grund für McQuade, rundum zu sichern, nicht einen Augenblick in seiner Wachsamkeit nachzulassen, sich mit kalter Bereitschaft zu wappnen und sich auf blitzartige Reaktion einzustellen.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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Sattelwölfe

Western von Pete Hackett

Über den Autor

Unter dem Pseudonym Pete Hackett verbirgt sich der Schriftsteller Peter Haberl. Er schreibt Romane über die Pionierzeit des amerikanischen Westens, denen eine archaische Kraft innewohnt, wie sie sonst nur dem jungen G.F.Unger eigen war - eisenhart und bleihaltig. Seit langem ist es nicht mehr gelungen, diese Epoche in ihrer epischen Breite so mitreißend und authentisch darzustellen.

Mit einer Gesamtauflage von über zwei Millionen Exemplaren ist Pete Hackett (alias Peter Haberl) einer der erfolgreichsten lebenden Western-Autoren. Für den Bastei-Verlag schrieb er unter dem Pseudonym William Scott die Serie "Texas-Marshal" und zahlreiche andere Romane. Ex-Bastei-Cheflektor Peter Thannisch: "Pete Hackett ist ein Phänomen, das ich gern mit dem jungen G.F. Unger vergleiche. Seine Western sind mannhaft und von edler Gesinnung."

Hackett ist auch Verfasser der neuen Serie "Der Kopfgeldjäger". Sie erscheint exklusiv als E-book bei CassiopeiaPress.

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© 2012 der Digitalausgabe 2012 by AlfredBekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

Tex Foster war auf dem Weg zum Saloon. Der kleine Ort, in dem er Halt gemacht hatte auf seinem Weg nach Mexiko, hatte den Namen Warren. Die Grenze war nur einen Steinwurf entfernt. Sobald die Nacht vorbei sein würde, wollte er sie überqueren. Im Arizona-Territorium war ihm der Boden ziemlich heiß geworden unter den Füßen. Es sollte ein Abschied für längere Zeit werden.

In Warren gab es kein Gesetz. Niemand würde ihn erkennen. Der Bandit wollte sich noch ein saftiges Steak gönnen und einige Gläser Whisky trinken …

Die Abenddämmerung wob bereits zwischen den Häusern der Stadt. Die Alltagsgeräusche waren verstummt. Von Süden her wehte ein schraler Wind, der den Staub auf der Fahrbahn in kleinen Spiralen vor sich hertrieb.

Tex Foster bewegte sich auf dem Gehsteig. Dieser war manchmal unterbrochen, wenn es eine größere Baulücke zwischen den Gebäuden gab. Dann mahlten seine Sohlen im feinen Sand und riefen ein leises Knirschen wach. Bei jedem seiner Schritte streifte sein Handballen den Knauf des Revolvers, der an seinem rechten Oberschenkel hing.

Foster erreichte den Saloon und stieg die drei Stufen zum Vorbau hinauf. In einem Schaukelstuhl neben der Pendeltür saß ein Mann in einem braunen, zerschlissenen Staubmantel. Seine Stiefel waren verstaubt, ihr Leder war brüchig. Der Bursche hatte sich den schwarzen, flachkronigen Stetson über das Gesicht gelegt und schien zu dösen. Zu seinen Füßen lag ein großer, grauer Wolfshund, den mächtigen Kopf zwischen die Vorderpfoten gebettet, die runden, braunen Augen auf Tex Foster gerichtet.

Foster ging an dem Mann im Schaukelstuhl vorbei, ohne ihn zu beachten und erreichte die Pendeltür. In dem Moment kam Leben in den Burschen mit dem braunen Mantel. Mit der linken Hand schob er den Hut zurück, zugleich erhob er sich und zog mit der Rechten den schweren, langläufigen Coltrevolver. Ein Schritt brachte ihn an Tex Foster heran. Er drückte Foster die Mündung des Revolvers gegen den Hinterkopf. »Endstation, Foster!«, stieß er mit klirrender Stimme hervor.

Tex Foster war total überrumpelt und zu keiner Reaktion fähig. Die beiden Worte klangen in ihm nach. Seine Hände lagen auf den geschwungenen Rändern der Pendeltür. Er war wie erstarrt.

Dieser Zustand nahm drei – vier Sekunden in Anspruch, dann gelang es Foster, seine Lähmung abzuschütteln. In seinem Gesicht begann es zu arbeiten, in seine Augen trat ein lauerndes und zugleich tückisches Schillern. »Wer bist du?«

»Mein Name ist McQuade.« Der Kopfgeldjäger hatte während der Zeit, die Foster benötigte, um seine Erstarrung zu überwinden, den Revolver des Banditen aus dem Holster gezogen. Er schob ihn hinter seinen Hosenbund und trat zwei Schritte zurück. »Dreh dich um, Foster. Und keine Dummheiten! Du würdest es bereuen. Dir ist sicherlich klar, dass zu dem Gesetz auch tot sechshundert Dollar wert bist.«

 

Der Bandit mahlte mit den Zähnen. Sein fieberndes Hirn suchte nach einem Ausweg. Auf ihn fiel der Schatten des Galgens. Er hatte bei einem Postkutschenüberfall den Begleitmann des Kutschers getötet. Und auf Raubmord stand der Strang.

»Mach schon!«, gebot McQuade ungeduldig und mit stählern klingender Stimme. Gray Wolf hatte sich erhoben und schmiegte sich nun an das linke Bein des Texaners. Dessen Daumen lag auf der Hammerplatte des Revolvers. Sein Zeigefinger krümmte sich um den Abzug. Sein hohlwangiges, stoppelbärtiges Gesicht drückte Entschlossenheit aus, die Augen blickten hart.

Zögerlich, mit marionettenhaften Bewegungen kam Foster der Aufforderung nach. Er hatte die Hände in Schulterhöhe gehoben. McQuade sah einen dunkelhaarigen Mann Anfang dreißig. In seinem kantigen Gesicht hatten Lasterhaftigkeit und ein unstetes Leben jenseits von Recht und Ordnung unübersehbare Spuren hinterlassen. Das hinterhältige Glitzern in den Augen des Banditen blieb McQuade nicht verborgen. Es mahnte ihn zu Wachsamkeit und Vorsicht.

McQuade griff in die Manteltasche und holte ein Paar Handschellen heraus. »Ich werde dich jetzt fesseln, Foster. Du solltest es geschehen lassen. Gray Wolf wird darauf achten, dass du vernünftig bleibst. Falls nicht, machst du Bekanntschaft mit seinem Gebiss.«

Foster versuchte Zeit zu gewinnen. Solange seine Hände nicht gefesselt waren, hatte er eine kleine Chance. »Bist du ein Sheriff oder gar ein Staatenreiter?«, fragte er schnell. Seine Stimme klang belegt. Er räusperte sich.

»Nein. Aber du bist ein niederträchtiger und skrupelloser Bandit. Und ich werde dich dem Gesetz ausliefern. Kerle wie du gehören hinter Schloss und Riegel. Ihr seid eine Gefahr für die Allgemeinheit. Dich bringe ich nach Tucson, Foster. Dort werden sie dir den Prozess machen und dich dann hängen.«

»Du bist also ein verdammter Mannjäger, einer, der für Geld die Seele seiner Großmutter dem Satan verkaufen würde.«

»Du täuscht dich, Foster. Aber über meine Beweggründe werde ich nicht mit dir diskutieren. Streck die Arme vor!«

»Verdammt, McQuade, ich wollte den Kerl nicht erschießen. Aber er griff nach dem Revolver, und ich …«

»Es war sein Job, zu verhindern, dass die Stagecoach überfallen wird«, unterbrach McQuade den Banditen mit klirrender Stimme. »Willst du dich etwa auf Notwehr hinausreden? Das klingt ja geradezu wie Hohn in meinen Ohren. Du hast die Postkutsche überfallen und den Begleitmann erschossen. Das ist Raubmord. Und darauf kennt das Gesetz nur eine Antwort.«

Foster zog den Kopf zwischen die Schultern. Seine Gestalt krümmte sich ein wenig nach vorn. Er wirkte jetzt sprungbereit. Das Flackern in seinen Augen verriet, dass er nicht daran dachte, aufzugeben.

»Gray Wolf!«, brach es scharf über McQuades Lippen. »Gib acht!«

Sofort ließ sich der Wolfshund auf die Hinterläufe nieder, stieß ein drohendes Knurren aus und seine Lefzen hoben sich ein wenig über den gefährlichen Fang.

»Zum Henker mit dir und diesem grauen Mistvieh!«, knirschte Foster. Er gab sich geschlagen, entspannte sich, seine Schultern sanken nach unten, und er streckte McQuade die Hände hin. Der Kopfgeldjäger stieß den Colt ins Holster, dann klickten die Handschellen.

*

Zwei Stunden später kamen McQuade und sein Gefangener in Bisbee an. Es war Nacht. Aus verschiedenen Fenstern fiel Licht. Der penetrante Geruch von Tierausscheidungen wehte von den Corrals, Koppeln und Pferchen am Stadtrand her zwischen die Häuser. Leise Klaviermusik war zu hören. Sie wies McQuade den Weg. Je näher er dem Saloon kam, desto deutlicher wurden die verworrenen Geräusche, die sich mit dem Klimpern des Klaviers vermischten und auf die Main Street trieben. Am Hitchrack standen über ein halbes Dutzend Pferde. Stoisch ließen die Tiere die Köpfe hängen.

McQuade saß ab. »Runter vom Pferd, Foster!«, kommandierte er. Und als der Bandit am Boden stand, leinte der Kopfgeldjäger die beiden Reittiere an. Er zog die Henry Rifle aus dem Scabbard. »Beweg dich, Foster.« Er dirigierte den Banditen in den Schankraum. Knarrend schlugen die Türpendel hinter ihnen aus. Gesichter wandten sich ihnen zu, interessierte, stechende Blicke fixierten sie. Der Pianist unterbrach sein Spiel. Das Stimmendurcheinander wurde leiser und verklang schließlich. Jetzt starrte jeder im Saloon auf McQuade, seinen Gefangenen und den grauen Wolfshund, der nicht von der Seite des Kopfgeldjägers wich.

»Ich suche das Sheriff's Office!«, erklärte McQuade, der zwei Schritte vor der Tür angehalten und den Banditen angewiesen hatte, ebenfalls stehenzubleiben.

»Sheriff Buster ist nicht in der Stadt«, sagte der Keeper. »Viehdiebe haben von der Weide der Potter Ranch wieder einmal ein Rudel Rinder abgetrieben. Sam Buster ist seit zwei Tagen unterwegs. Sein Gehilfe, Charly Hobbs, dürfte schon schlafen. Charly ist ein alter Knochen, den das Rheuma plagt. Seine Hauptaufgabe besteht darin, den Boden des Sheriff's Office zu fegen und den Gefangenen drei Mahlzeiten am Tag zu servieren.«

»Ich brauche eine Zelle für meinen Gefangenen«, gab McQuade zu verstehen. »Kann mir jemand den Weg zum Haus Charly Hobbs' beschreiben?«

»Was hat der Kerl denn ausgefressen?«, fragte einer der Gäste laut.

»Raubmord. Sicher hängt an der Anschlagtafel des Sheriff's Office sein Steckbrief.«

»Ich kann keinen Stern an dir entdecken, Stranger. Bist du ein Menschenjäger?«

McQuade beachtete den Sprecher nicht mehr, sondern wandte sich wieder an den Keeper. »Wo wohnt Charly Hobbs?«

»Wenn Sie der Main Street nach Norden folgen, finden sie das Sheriff's Office an der Ecke der dritten Nebenstraße. Charly schläft, wenn es geht, in einer der Zellen. Sind alle Zellen voll, lässt ihn Sam Buster bei sich zu Hause nächtigen. Charly ist nicht nur sein Faktotum, er ist auch so etwas wie sein väterlicher Freund. Er hat Charly vom Alkohol weg gebracht.«

»Danke. – Kehrtwendung marsch, Foster!«

Sie verließen den Schankraum. Ihre Schritte pochten über den Vorbau. Lautlos strich Gray Wolf neben den beiden Männern her. Draußen banden sie die Pferde los und führten sie die Fahrbahn hinauf. McQuade entdeckte das Sheriff's Office und lenke seine Schritte darauf zu. Lose schlang er den langen Zügel um den Holm. Der Texaner, den ein unerbittliches Schicksal nach Arizona verschlagen hatte, wies Gray Wolf an, auf Foster aufzupassen, dann stieg er auf den Vorbau und schlug wenig später mit der Faust gegen die Officetür. Dumpf hallten die Schläge nach innen.

Es dauerte eine Weile, dann konnte McQuade durch das Fenster neben der Tür Lichtschein sehen. Gleich darauf ging die Tür auf, das Licht blendete den Kopfgeldjäger einen Moment, eine näselnde Stimme erklang: »Brennt es irgendwo in der Stadt, weil Sie fast die Tür eingeschlagen haben, Mister? Oder reitet Sie der Teufel, weil Sie sich wie ein Elefant im Porzellanladen gebärden?«

Charly Hobbs hielt die Laterne etwas in die Höhe. In Socken stand er vor McQuade. Er hatte seine Hose und das Hemd nicht ausgezogen, als er sich zum Schlafen niederlegte. Lediglich die Hosenträger hatte er sich von den Schultern gestreift. Sie hingen seitlich an seinen Beinen nach unten. Der Sheriffsgehilfe war bärtig und fast zahnlos. Seine blassblauen Augen waren wässrig. Die Runzeln und Furchen in seinem Gesicht erinnerten an die Rinde einer alten Flusspappel.

»Tut mir leid, wenn ich Sie aus dem Schlaf gerissen habe, Deputy«, entschuldigte sich McQuade. »Ich habe einen Gefangenen. Sein Name ist Tex Foster. Ich habe ihn in Warren gestellt und will ihn nach Tucson schaffen. Ich möchte Foster bis morgen Früh in einer Ihrer Zellen unterbringen. Ist das zu machen?«

Der Oldtimer blinzelte. »Was hat Foster denn angestellt?«

McQuade griff in die Manteltasche und zog den zusammengelegten Steckbrief heraus, faltete ihn auseinander und reichte ihn Charly Hobbs. Der Alte knurrte: »Ohne meine Brille kann ich nicht entziffern, was da geschrieben steht. Sagen Sie's mir: Was hat er verbrochen?«

»Postkutschenüberfall und Mord. Auf seinen Kopf sind sechshundert Dollar ausgesetzt. Werden Sie ihm für die Nacht – hm, Asyl gewähren?«

»In Ordnung, bringen Sie ihn herein. Wenn er hinter Schloss und Riegel ist, werde ich mir die Brille auf die Nase klemmen und lesen, was auf dem Steckbrief steht.«

»Foster, go on!«, befahl McQuade. Seine Stimme duldete keinen Widerspruch.

*

McQuade wurde wach, weil ein Pferd trompetend wiehert. Er erhob sich und ging zum Fenster, schob es in die Höhe und beugte sich ein wenig nach draußen. Vor dem Sheriff's Office, das dem Hotel schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite lag, konnte McQuade zwei Pferde sehen. Einer der Reiter war schon abgesessen. Er schlang die Leine um den Haltebalken des Hitchrack. Der Kopfgeldjäger hörte eine dunkle Stimme. Was der Mann sprach, konnte er nicht verstehen.

Jetzt ging der Mann, der sein Pferd angebunden hatte, vom Hitchrack weg, umrundete sein Pferd und trat neben das andere Tier. Wieder war die raue Stimme zu vernehmen. Und plötzlich trat der Bursche auf dem Pferd nach dem Mann, der am Boden stand. Mit dem nächsten Atemzug warf er sich aus dem Sattel und stürzte sich auf den Burschen, von dem McQuade annahm, dass es sich um den Sheriff handelte. Die beiden Männer gingen zu Boden. Staub hüllte sie ein. Die Pferde tänzelten unruhig zur Seite.

Die beiden Kämpfenden rollten herum. Eine Verwünschung war zu hören, einer der beiden kam hoch. Im Mond- und Sternenlicht sah McQuade das matte Funkeln an seiner linken Brustseite. Er zog den Revolver. Auch der andere kämpfte sich auf die Beine. An der Art, wie er die Arme hielt, erkannte McQuade, dass seine Hände vor dem Bauch gefesselt waren.

Er kam nur halb in die Höhe. Der Sheriff schlug mit dem Revolver zu. Als hätte ihn die Faust des Teufels getroffen, ging der Bursche zu Boden. Über ihn gebeugt, die Hand mit dem Colt für den nächsten Schlag erhoben, wartete der Sternträger, ob sich sein Gefangener noch einmal aufzurichten versuchte. Aber der Bursche schien genug zu haben. Der Sheriff richtete sich zu seiner vollen Größe auf, und McQuade konnte wieder seine Stimme hören. Schließlich packte er den Kerl am Westenkragen und zerrte ihn auf die Beine, um ihn die Stufen zum Vorbau hinaufzubugsieren.

McQuade machte kehrt, zündete die Laterne an und begann, sich anzukleiden. Zuletzt legte er sich den Revolvergurt um, schlüpfte in seinen Mantel, stülpte sich den Stetson auf die sandfarbenen Haare und verließ das Zimmer. Gray Wolf trabte neben ihm her. Die lange Zunge hing dem Hund seitlich aus dem Maul. Er bewegte sich lautlos wie ein Puma.

Aus dem Fenster des Sheriff's Office fiel Licht. McQuade schritt über die Fahrbahn und klopfte gleich darauf an die Tür des Büros. Sogleich kam die Aufforderung, einzutreten, und der Texaner öffnete die Tür. Im Office befanden sich der Sheriff und Charly Hobbs. Beide starrten McQuade an. Der trat in den Raum, wartete, bis auch Gray Wolf durch die Tür war, dann schloss er sie und hörte Charly sagen: »Das ist McQuade, von dem ich dir eben berichtet habe. Er hat vor über zwei Stunden diesen Tex Foster bei mir abgeliefert.«

McQuade schaute auf den Regulator, der an der Wand hing. Es war fast zwei Uhr.

Der Sheriff ergriff das Wort. »Charly hat mir erzählt, dass Sie Foster nach Tucson bringen wollen. Sie werden drei Tage unterwegs sein. Der Weg führt mitten durch die Santa Rita Mountains.«

»Ich bin mit der Wildnis vertraut«, versetzte McQuade lächelnd. »Man hat mir erzählt, dass Sie ein paar Rustler jagen. Gehört der Hombre, den Sie in die Stadt brachten, zu der Bande?«

Der Sheriff nickte. »Sein Name ist Murdock – Bill Murdock. Ich habe den Kerl in den Swisshelm Mountains erwischt. Von Ihnen habe ich schon gehört, McQuade. Ihr Ruf eilt Ihnen voraus und hat einen Klang wie Donnerhall.«

McQuade winkte ab. »Ihr Gehilfe war so freundlich und hat mir für diese Nacht den Banditen abgenommen. Ich habe mit ihm vereinbart, dass ich ihn morgen gegen acht Uhr abhole.«

»Das ist in Ordnung«, knurrte der Ordnungshüter. »Ich werde hier sein. Denn ich werde den Rest der Nacht im Office verbringen. Möglicherweise tauchen in den nächsten Stunden die Kumpane von Murdock auf, um ihn aus dem Gefängnis zu holen. Charly hätte gegen diese Höllenhunde keine Chance.«

 

McQuade hatte sich ein Bild von dem Sheriff gemacht. Sam Buster war etwa vierzig Jahre alt, über sechs Fuß groß und hager. Er verströmte Ruhe und Besonnenheit, er war gewiss ausgesprochen hart und kompromisslos. McQuade hatte ihn in Aktion gesehen. Dieser Mann fackelte nicht lange. Er verschaffte seinem Willen Geltung – wenn es sein musste, auf die raue Tour. »Ich kann Ihnen Gesellschaft leisten«, erklärte der Kopfgeldjäger.

Der Sheriff zeigte ein grimmiges Grinsen. »Befürchten Sie, dass die Rustler ihren Kumpel Murdock befreien und Tex Foster auch gleich mitnehmen?«

»Nein, das ist nicht der Grund«, murmelte McQuade. »Doch ich vermute, dass es sich bei den Rustlern um eine ganze Bande handelt. Und Sie sind allein.«

»Zähle ich etwa nicht?«, begehrte Charly Hobbs auf. Er warf sich in die Brust. »Sie werden es nicht glauben, McQuade, aber ich kann kämpfen wie ein Löwe.«

»Ich wollte Ihnen natürlich nicht zu nahe treten, Charly«, lenkte McQuade ein.

Sheriff Sam Buster sagte: »Wir kommen allein zurecht, McQuade. Dennoch vielen Dank für das Angebot. Legen Sie sich wieder aufs Ohr. Sie haben drei harte Tage vor sich. Und ein unausgeschlafener Mann ist nur die Hälfte wert.«

»Wie Sie meinen, Sheriff«, murmelte McQuade, machte kehrt und verließ das Office.

*

Nach dem Frühstück holte er sein Pferd aus dem Stall des Hotels und ritt zum Sheriff's Office. Er saß ab, band das Tier an den Holm und klopfte wenig später gegen die Tür. Drin blieb es still. McQuade nagte nachdenklich an seiner Unterlippe. Ihm schwante plötzliches Schreckliches. Die Tür ließ sich öffnen. McQuade trat ein. Der Sheriff saß auf dem Stuhl hinter dem Schreibtisch. Sein Oberkörper war nach vorne gesunken und lag auf der Tischplatte. Die blonden Haare des Gesetzeshüters waren mit Blut verklebt.

McQuades Herzschlag beschleunigte sich, seine Atmung ging etwas schneller. Der Anblick brachte sein Blut in Wallung. Sich zur Ruhe zwingend trat er an den Gesetzeshüter heran, hob seine Hand in die Höhe und fühlte seinen Puls.

Der Sheriff war tot. Jemand hatte ihm den Schädel eingeschlagen. McQuade schluckte würgend. Wieder einmal wurde er mit dem Irrsinn brutalster Gewalt konfrontiert. Ein eisiger Hauch schien ihn zu streifen. Er wandte sich der Tür zum Zellentrakt zu. Sie war nur angelehnt. Der Kopfgeldjäger zog sie auf und trat in den Korridor zwischen den Zellen. Auf einer der Pritschen lag gefesselt und geknebelt Charly Hobbs. Die anderen Zellen waren leer.

McQuade trat neben die Pritsche, auf der der Oldtimer lag, befreite ihn von dem Knebel und von den Fesseln und half ihm, sich aufzusetzen. Charly schwang die dünnen Beine von der Pritsche und hielt sich mit beiden Händen den Kopf. »Sie – sie kamen durch die Hintertür herein. Sie müssen einen Dietrich benutzt haben, denn sie kamen völlig lautlos. Ich schlief in einer der Zellen. Ehe ich mich versah, gingen bei mir die Lichter aus. Als ich erwachte, waren Foster und Murdock fort, und ich war verschnürt wie ein Paket. Was ist mit Sam? Er war im Büro. Er …« Der Oldtimer brach ab und starrte McQuade entsetzt an. »Ich kann es Ihnen von der Nasenspitze ablesen, McQuade. Es ist etwas Schreckliches geschehen. Sagen Sie's mir: Was ist mit Sam?«

»Sie haben ihn erschlagen«, murmelte McQuade. »Wie viele waren es?«

»Ich weiß es nicht. Gütiger Gott! Sie haben Sam ermordet. Diese – diese elenden Killer! Dafür soll sie die Hölle verschlingen.«

Der Alte erhob sich mit einem Ruck, wankte und setzte sich schließlich unbeholfen in Bewegung. Er taumelte zur Tür, hinaus auf den Flur, und durch die offen stehende Zellentrakttür ins Office.

Als McQuade das Office betrat, stand der Oldtimer neben der reglosen Gestalt des Sheriffs. »Sie haben ihn erschlagen wie einen tollwütigen Hund«, keuchte Charly Hobbs. »Was sind das bloß für gewissenlose Schufte. Joana wird daran zerbrechen. Seit langer Zeit bekniet sie Sam, den Stern abzulegen und ein geordnetes, ruhiges Leben zu führen. Aber Sam war mit dem Stück Blech wie verwachsen. Und nun …«

Die Stimme des alten Burschen brach. Er schluchzte trocken. Seine Augen füllten sich mit Tränen.

Eine Kladde, die auf dem Schreibtisch lag, stach McQuade ins Auge. Ein Tintenbleistift lag daneben. Der Kopfgeldjäger nahm das dünne Buch und schlug es auf. Es enthielt die täglichen Berichte des Sheriffs. Die letzte Eintragung lautete: … folgte den Rustlern in die Swisshelm Mountains und konnte Bill Murdock fassen, dessen Pferd lahmte und der zurückgeblieben war. Die Namen seiner Komplizen sind Dave Hanson, Brent Haywood und Ed Parker. Sie verkaufen die gestohlenen Rinder in Douglas an einen Viehhändler.

McQuade prägte sich die Namen ein. Er sagte zu Charly Hobbs: »Kümmern Sie sich um den toten Sheriff, Charly. Ich will keine Zeit verlieren.«

»Was haben Sie vor, McQuade?«

»Ich hole mir die Kerle. Und ich werde nicht eher ruhen, bis der letzte von Ihnen tot oder hinter Schloss und Riegel ist.«

Es klang wie ein Schwur.

McQuade machte kehrt und verließ das Office. Gray Wolf folgte ihm.

*

McQuade fand die Stelle, an der die Banditen die Pferde abgestellt hatten. Die Fährte führte nach Westen. Wahrscheinlich ritten die Kerle nicht nach Mexiko, weil sie die berühmt-berüchtigten Grenzreiter, die Rurales, fürchteten, die oftmals nicht viel besser waren als die Banditen, die das Grenzland unsicher machten.

McQuade sagte sich, dass die Bande etwa fünf bis sechs Stunden Vorsprung hatte. Ihm war auch klar, dass die Outlaws die Pferde nicht schonten, sondern dass sie so schnell wie möglich so viele Meilen wie möglich zwischen sich und Bisbee bringen wollten.

Auch McQuade ließ das Pferd laufen. Aber er verausgabte das Tier nicht. Die Hitze nahm schnell zu. Bald lag das Land unter einem flirrenden Hitzeschleier. Der Kopfgeldjäger zog über eine weitläufige Ebene, die im Norden und Süden von Bergketten begrenzt wurde. Auch im Westen, allerdings in rauchiger Ferne, stießen die Gipfel eines Felsmassivs in ein Meer aus weißen Wolken hinein.

Die Vegetation bestand in kniehohem Kreosot, hier und dort erhob sich ein knorriger Baum, zwischen dem Kreosot waren Inseln aus gleißendem Sand und Geröll zu sehen, auf denen Ocotillos und Comas wuchsen.

Die Spur war deutlich wahrzunehmen. Die Banditen hatten sämtliche Waffen, die sie im Sheriff's Office finden hatten können, mitgenommen. Und sie rechneten wahrscheinlich mit Verfolgung. Daher ließ McQuade die gebotene Vorsicht nicht außer Acht. Jeder seiner Sinne arbeitete mit doppelter Schärfe. Er war angespannt bis in die letzte Faser seines Körpers.

Etwa drei Stunden nach seinem Aufbruch in Bisbee erreichte McQuade einen Ort namens Hereford. Das Nest war ausgesprochen mexikanisch geprägt. Die Häuser, meist aus Adobeziegeln erbaut und mit Adobelehm verputzt, waren um eine Plaza angeordnet. Dahinter waren Schuppen, Scheunen und Ställe errichtet. Außerhalb der Stadt waren die Corrals und Koppeln mit den Nutztieren der Bürger. Auf der Plaza gab es einen Brunnen mit gemauertem Rand, über dem eine Konstruktion mit einer Winde errichtet war, von der an einem Seil ein Ledereimer hing.

Helle Hammerschläge waren zu hören. Das Muhen von Kühen und das Meckern von Ziegen wehte an das Gehör des Kopfgeldjägers. Vor dem Store stand ein Gespann. Ein Mann trug einen Sack aus dem Laden. Am Rand der Plaza spielten drei Kinder von etwa sechs Jahren. Im Schatten eines der Wohnhäuser lag ein schwarzer Hund auf der Seite, alle viere von sich gestreckt, und schlief.

Die Ortschaft vermittelte Ruhe, Frieden und Beschaulichkeit.

McQuade lenkte das Pferd auf die Plaza und hielt beim Brunnen an. Etwas sattelsteif saß er ab. Die Winde quietschte erbärmlich, als er einen Eimer voll Wasser in die Höhe hievte. Er füllte seine Wasserflasche, dann wusch er sich Staub und Schweiß aus dem Gesicht, hievte einen weiteren Eimer Wasser hoch, ließ Gray Wolf trinken, und schließlich stellte er das Behältnis vor das Pferd hin, das sogleich seine Nase in das frische Nass tauchte.

McQuade schaute sich und nahm alle Eindrücke auf, die sich ihm boten. Hinter einigen der verstaubten Fensterscheiben sah er die hellen Kleckse von Gesichtern. Die Menschen beobachteten ihn. Auf der einen oder anderen Fensterbank stand ein Blumenkasten mit roten Geranien, die auffällige Farbtupfer an den meist schmutzig-weißen Fassaden darstellten.

Es gab keinen Saloon sondern eine Bodega. Zu ihr gehörte ein Stall. Einen richtigen Mietstall konnte McQuade nicht entdecken. Der Mann, der den schweren Sack auf die Ladefläche des Fuhrwerks geworfen hatte, stiefelte wieder in den Store. Der schwarze Hund war aufgewacht und trollte heran, strich um Gray Wolf herum und beschnupperte ihn. Der graue Wolfshund wedelte mit dem Schweif. Bei dem Tier, dessen Interesse er geweckt zu haben schien, handelte es sich um eine Hündin.

Als das Pferd seinen Durst gelöscht hatte, nahm McQuade das Tier am Zaumzeug und führte es zum Store. Gray Wolf blieb mit der Hündin zurück. Um ihn brauchte sich der Kopfgeldjäger nicht zu kümmern. Soeben kam der Mann, den er vorhin schon gesehen hatte, wieder heraus, und auch jetzt hing ein prall gefüllter Sack über seiner Schulter. Er war um die fünfzig und es handelte sich bei ihm wahrscheinlich um einen Farmer aus der Gegend. McQuade grüßte, ließ den Mann an sich vorbei und ging in den Laden. Die Türglocke bimmelte scheppernd. Hinter dem Tresen stand ein Mann, der sich eine grüne Schürze umgebunden hatte und auf dessen Nase ein Zwicker saß. Er musterte McQuade abschätzend.

»Guten Tag«, grüßte McQuade und der Storehalter erwiderte den Gruß. »Ich bin hinter fünf Kerlen her«, fuhr der Kopfgeldjäger fort. »Wahrscheinlich hatten sie es ziemlich eilig. Sind sie in Hereford aufgekreuzt?«