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Ascension-Saga: 1
Interstellare Bräute Programm: Ascension-Saga
Grace Goodwin


Ascension-Saga: 1

Copyright © 2020 durch Grace Goodwin

Interstellar Brides® ist ein eingetragenes Markenzeichen

von KSA Publishing Consultants Inc.

Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch darf ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Autors weder ganz noch teilweise in jedweder Form und durch jedwede Mittel elektronisch, digital oder mechanisch reproduziert oder übermittelt werden, einschließlich durch Fotokopie, Aufzeichnung, Scannen oder über jegliche Form von Datenspeicherungs- und -abrufsystem.

Coverdesign: Copyright 2020 durch Grace Goodwin, Autor

Bildnachweis: Deposit Photos: Angela_Harburn, EdwardDerule

Anmerkung des Verlags:

Dieses Buch ist für volljährige Leser geschrieben. Das Buch kann eindeutige sexuelle Inhalte enthalten. In diesem Buch vorkommende sexuelle Aktivitäten sind reine Fantasien, geschrieben für erwachsene Leser, und die Aktivitäten oder Risiken, an denen die fiktiven Figuren im Rahmen der Geschichte teilnehmen, werden vom Autor und vom Verlag weder unterstützt noch ermutigt.

Inhalt

Willkommensgeschenk!

Interstellare Bräute® Programm

Prequel

Königin Celene, Planet Alera, siebenundzwanzig Jahre zuvor

Trinity Jones, Gegenwart, Abfertigungszentrum für interstellare Bräute, Erde

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Willkommensgeschenk!

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Prequel


Vor siebenundzwanzig Jahren war Königin Celene gezwungen, mit ihrem ungeborenen Kind aus Alera zu fliehen. Erfahre von ihrer Flucht zur Erde im Prequel der Ascension Saga.

Königin Celene, Planet Alera, siebenundzwanzig Jahre zuvor


Die Dunkelheit der Nacht hüllte uns wie eine Decke ein, aber sie war nicht warm. Sie war kalt. Tödlich. Ich stolperte durch die finsteren Gassen, als ob ich eine tödliche Verletzung erlitten hatte.

Das hatte ich auch. Mein Herz schlug zwar immer noch und ich war äußerlich unversehrt, aber ich spürte nichts als Schmerz. Verlust. Und Wut. Eine so grässliche Wut, dass ich stundenlang geschrien hätte, wenn ich auch nur den winzigsten Laut von mir gegeben hätte.

“Kommen Sie, meine Königin. Wir sind fast da.” Der Garde hatte sanft aber entschlossen seinen Arm um meine Taille gelegt. Ich wusste nicht, wie er hieß. Das Familienwappen auf seiner Uniform war mir vertraut und für den Moment reichte das aus. Dieser junge Mann hatte mir das Leben gerettet, gerade als mein Liebster, der König, getötet worden war. Mit jedem unserer Schritte entfernte ich mich weiter von meinem Partner, von meinem Leben als Königin Celene und unserer gemeinsamen Herrschaft über Alera. Alles war plötzlich anders geworden. Der Planet steckte in der Krise und ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich würde nicht zulassen, dass sie die friedliche, jahrtausendealte Regierungsform stürzen würden. Ich würde nicht zulassen, dass meine Feinde die Kontrolle übernahmen.

“Die Zitadelle wird von Kriegern bewacht, die Ihnen nicht loyal sind. Sie werden Sie nicht einfach in den letzten sicheren Zufluchtsort des Planeten hereinspazieren lassen. Sie werden Sie entweder auf der Stelle ermorden oder Sie zu den Bastarden zurückbringen, die den König erstochen haben und die Sie ebenfalls töten wollen. Fast hätten sie es geschafft.” Der andere, ältere Garde war ein jahrelanger Freund und seine Worte ließen mich erschaudern. Aber er hatte recht.

Die Verräter würden sich die Kronjuwelen schnappen, die seit Urzeiten vom jeweiligen Oberhaupt des Planeten getragen wurden und sie für ihre eigenen Zwecke einsetzen wollen. Die schwarzen Juwelen um meinen Hals waren ein Attribut meiner Herrschaft und sollten eigentlich an meine Nachfolgerin weitergegeben werden, genau wie es seit Generationen und lange vor Anbeginn unserer Geschichtsschreibung der Fall gewesen war.

Zum ersten Mal in meinem Leben fürchtete ich, dass das königliche Blut in meinen Adern tatsächlich versiegen könnte. Meine Cousins waren alle getestet worden, aber sie waren nicht stark genug, um eine der heiligen Gaben geschenkt zu bekommen. Ich hatte erst kürzlich meinen Partner geheiratet und die Verräter hatten zugeschlagen, noch ehe ich einen Thronerben zur Welt bringen konnte. Ohne eine zukünftige Königin wären mein Volk gezwungen, mit der Tradition zu brechen und einen Herrscher zu wählen, der kein direkter Nachkomme der Ältesten war.

Heute Abend hätten sie es fast geschafft. Alera standen finstere Zeiten bevor und es war klar, dass sie die jahrtausendelange Herrschaft meiner Familienlinie und unserer heiligen Gaben stürzen wollten. Meine Feinde hatten sich schließlich gezeigt. Sie hatten meinen König, meinen Liebsten, getötet. Sie hatten versucht auch mich zu ermorden.

Sie wollten den Thron an sich reißen.

Das konnte ich nicht zulassen. Bis auf den Putschversuch heute Abend herrschte auf Alera Frieden. Und solange ich am Leben war, würde es auch so bleiben. In den falschen Händen aber … ich erschauderte, als ich mir vorstellte, was mit meinem Heimatplaneten geschehen könnte. An das, was eine finstere Seele mit der in der Zitadelle versteckten Technologie anrichten könnte.

Ich hörte laute Schritte und zog meine beiden Garden zurück in die Schatten, als eine Gruppe bewaffneter Söldner an uns vorbei über die offene Straße stürmte. Zweifellos suchten sie nach mir, um mich den Anführern des Aufstands zu überführen. Meine Lebenskraft war es, die es verhinderte, dass sie dieses Ziel auch erreichten.

Es war spät und die meisten Bewohner schliefen bereits tief und fest; sie glaubten, dass morgen ein sorgloser Tag wie jeder andere werden würde. Sie irrten sich, denn im Morgengrauen würden sie vom Tod meines Partners erfahren. “Wir müssen zum anderen Eingang gelangen,” flüsterte ich so leise wie möglich. “Beim Wasser.”

“Meine Königin, dort gibt es keinen Eingang.” Der junge Mann an meiner Seite sprach aus jugendlicher Überzeugung; vielleicht dachte er, dass ich verletzt worden war, dass ich mir beim Angriff den Kopf gestoßen hatte. Aber er irrte sich.

“Doch, es gibt einen,” entgegnete ich. “Vertrau mir.”

Meine Mutter hatte mir von dem Eingang erzählt; das Wissen darüber wurde von Königin zu Königin, von Mutter zu Tochter weitergereicht, und zwar seit die Zitadelle gebaut worden war. Vor Jahrtausenden. Niemand konnte sagen, wann genau die Ältesten die mächtigen Türme errichtet hatten oder woher die heilige Energie stammte, die den königlichen Nachkommen ihre Kräfte verlieh. Eine Sache aber war allgemein bekannt—die Zitadelle schützte sich vor Eindringlingen und erlaubte nur denjenigen mit königlichem Blut den Zugang zum Heiligtum.

 

Viele andere hatten versucht die Barriere zu durchdringen. Sie alle waren auf der Stelle umgekommen.

Ich hatte den geheimen Eingang seit dem Tag, an dem meine Mutter ihn mir gezeigt hatte nicht genutzt; es war nie nötig gewesen. Bis jetzt.

“Dann werden wir Sie dorthin geleiten, meine Königin.” Mein alter Freund blickte auf mich herunter, sein ernstes Gesicht war halb in Schatten gehüllt. Ich war froh, dass es so finster war, denn so musste ich ihm nicht in die Augen blicken. Ich konnte ihn nicht anblicken. Er war voller Blut. Das Blut des Königs und sein eigenes waren zu einem dunkelroten Cocktail vermischt, der seinen Rücken und seine Flanke besudelt hatte. Er würde einen ReGen-Stab benötigen, um die Nacht zu überleben.

Sollte die Zitadelle, wie er vermutete, streng bewacht werden—und zwar von denen, die mir nicht wohlgesinnt waren—, dann würde womöglich keiner von uns die heutige Nacht überleben.

Aber ich musste es schaffen. Es stand nämlich mehr als nur mein eigenes Leben auf dem Spiel.

Ich nickte ihm zu, richtete mich auf und befreite mich aus dem Griff des jüngeren Garden. Der Schock, mitanzusehen, wie mein Partner vor meinen Augen ermordet wurde, verblasste langsam und wurde von Entschlossenheit ersetzt. Ich würde nicht versagen. Nicht in dieser Sache. Ich musste leben, damit Alera nicht gestürzt werden konnte.

Ich legte meine Hand auf meinen Bauch, auf das ungeborene Leben dort und bedeckte unsere Tochter, die zukünftige Königin, mit der Wärme meiner Handfläche. Sie war noch ganz klein, aber ihr Herz schlug bereits kräftig. Sie würde ein starkes Wesen haben. Einen eisernen Willen. Sie würde sich nicht geschlagen geben, also würde ich mich auch nicht geschlagen geben.

Ich würde sie um jeden Preis beschützen.

“Lasst uns gehen. Bringt mich runter zum Fluss. Ich werde den Rest erledigen.”

“Jawohl, meine Königin. Hier entlang.”

Ich folgte lautlos meinem alten Freund, als er sich wie ein Gespenst von Schatten zu Schatten bewegte. Den jungen Garden hinter mir hatte ich so gut wie vergessen, als die glitzernden Silbertürme der Zitadelle in Sicht kamen. Die altertümliche Struktur war von einer Rasse Unsterblicher errichtet worden, von der seit langem nichts als ein Mythos übriggeblieben war und deren Geheimnisse von Generation zu Generation innerhalb der königlichen Familie weitergegeben wurden.

Die Nachfolgelinie war in den letzten Jahren stark ausgedünnt. Mein Cousin ersten Grades war ein Jahr zuvor bei einem Unfall getötet worden. Seine Tochter hatte ein paar Monate später Selbstmord begangen. Jetzt aber, nach dem Attentat auf mein Leben und dem Ableben meines Partners musste ich mich fragen, ob es denn tatsächlich Selbstmord gewesen war. So sehr es mich auch schmerzte, ich wusste jetzt ohne jeden Zweifel, dass man es auf die königliche Linie abgesehen hatte. Dass irgendjemand uns auslöschen wollte.

Heute Abend hätten sie es fast geschafft, allerdings wusste niemand, dass ich bereits schwanger war. Mit der Thronerbin. Meine Tochter würde meine direkte Nachfolgerin werden. Ich konnte ihren Geist in mir spüren, er war so lebendig, leidenschaftlich und weise, dass ich alles tun würde, um sie zu schützen; selbst, wenn ich dafür meinen Planeten verlassen müsste. Mein Zuhause. Ein stolzes Volk, über das ich herrschen durfte. Sie war das Licht, das diese Welt vor dem Untergang bewahren würde und diese Narren vor ihrer eigenen Dummheit.

Wenn es an der Zeit wäre, würden wir gemeinsam zurückkehren. Ich würde sie unterweisen und darauf vorbereiten, meine Nachfolge anzutreten. Und ihre Tochter nach ihr. Ich glaubte an sie und an die Liebe, die sie gezeugt hatte.

Und wenn mir etwas zustoßen sollte? Sie würde leben und nach Alera zurückkehren, um zu regieren. Sie würde nicht einfach nur zurückkehren und herrschen, sondern sie würde sich rächen. Für alle, die heute gestorben waren, darunter ihr Vater. Dafür würde ich sorgen.

Die Silberwände der Zitadelle funkelten Tag wie Nacht, als ob das Gebäude lebendig war. Vorne, in der Nähe der Treppe des Haupteingangs, erstreckte sich gleich einem Fächer aus grünem Gras, Bäumen und Seidenblüten ein großer Garten. Der Mond schien zu dieser späten Stunde auf die schimmernden, transparenten Blütenblätter der Aleranischen Blumen und sie sahen so schön und friedlich aus, selbst als die Nacht im Rest der Stadt mit Gewalt explodierte.

Mein Partner war tot. Andere Familienmitglieder ebenfalls. Der royale Garde. Sie alle waren tot. Und doch, die Zitadelle stand weiterhin, eine Bastion der Stärke und Zuversicht. Ich musste nur die königliche Halskette verstecken, die so viel Macht in sich trug und mein Baby so weit wegbringen wie möglich. Irgendwohin, wo sie groß und stark werden konnte. Mächtig.

Ich musste zu einem Planeten fliehen, der so klein und unbedeutend war, dass sie gar nicht auf die Idee kommen würden, dort nach uns zu suchen. Sie würden nach mir suchen … und sie würden wissen, dass ich am Leben war. Das Leuchtfeuer der Zitadelle würde ihnen verraten, dass die Königin weiter regierte, selbst von ihrem Versteck aus. Der anhaltende Schein des Zitadellenturms würde Alera verkünden, dass ihre Königin noch lebte.

Ich stolperte über den Saum meines Juwelen-bestickten Kleides und mein treuer Freund fing mich auf und lehnte mich sanft gegen die kühle Silberwand. “Wir sind da, meine Königin, aber ich sehe keinen Eingang.”

Ich nickte und als ich schließlich die notwendige Stärke dafür gefunden hatte, blickte ich ihm in die Augen. Diese Ehre schuldete ich ihm. “Du hast mir und deinem König mit Ehren gedient. Du bist ein edler Krieger und ich bin stolz, dich zu meinen Freunden zu zählen.”

Seine dunklen Augen wurden schwermütig und er blinzelte feste, dann wandte er sich ab, damit ich nicht seine Tränen sah. “Ich habe versagt, Sie enttäuscht. Ich habe den König enttäuscht.”

“Nein.” Ich nahm seine Hand und legte sie auf die leichte Wölbung meines Bauches. “Nein. Er lebt weiter. Unsere Tochter wächst bereits in mir heran. Heute Nacht ist nicht das Ende unserer Familie. Wir leben weiter, solange das Licht des Turms erstrahlt. Und wir werden zurückkehren.”

“Wie kann ich Eure Majestät?” Er fiel vor mir auf die Knie und geriet ins Straucheln, als frisches Blut seine Flanke tränkte. Der jüngere Garde fiel ebenfalls auf die Knie.

“Wie können wir ihnen dienen?”

“Erzählt niemandem, dass ihr mich begleitet habt, dass ihr mich gesehen habt. Erzählt keinem von meinem Kind.” Ich richtete mich so gut wie möglich auf und hielt mein Kinn hoch, selbst als ich Schritte hörte. “Und ihr müsst am Leben bleiben. Haltet durch und helft meiner Tochter, sobald sie zurückkehrt.”

Beide senkten ihre Köpfe und ich nutzte den Moment, um in die Zitadelle zu schlüpfen. Der Eingang war ein unsichtbares Energiefeld; er sah aus wie jeder andere Teil der Wand. Diejenigen mit königlichem Blut in ihren Adern brauchten nur einen Schritt zu tun, um die Barriere zu durchschreiten und ins Innere Heiligtum zu gelangen.

Draußen hörte ich Klingen aufeinander schlagen und Gebrüll. Todesschreie. Aber ich wagte es nicht mich umzudrehen. Wenn der Feind bereits da war, würden mir nur Minuten bleiben, um die Halskette zu verstecken und zu entkommen, ehe einer meiner verräterischen Cousins die Barriere durchbrechen würde.

Als die Edelsteine sicher versteckt und ohne meine Anweisung nicht mehr auffindbar waren, blickte ich ein letztes Mal zu den heiligen Turmspitzen auf. Mehrere Stufen heiliger Steine, die mit Edelmetall verziert waren. Die Zitadelle war auf unerklärbare, wundersame Weise—die besten Wissenschaftler des Planeten hatten seit Jahren versucht herauszufinden, wie die Energie des Gemäuers mich und alle anderen Königinnen vor mir auserkoren hatte—mit meiner Lebenskraft verbunden und solange ich lebte, würde mein Turm weiter erstrahlen; ganz egal, wo ich mich aufhielt. Solange die Lebenskraft durch meinen Körper floss, waren die Steine und ich auf Quantenebene miteinander verbunden.

Ich trat aus dem geheimen Raum heraus und blickte auf. Mein Turm, also der Beweis, dass ich am Leben war, war hell erleuchtet. Alle Türme waren meilenweit zu sehen, ihr Licht war seit Jahrtausenden ein Zeichen königlicher Stärke und Macht. Zu Anfang, als die königliche Blutlinie noch stark war, erstrahlten noch alle neun Türme. Eine unzerstörbare Thronfolgelinie.

Im Laufe der Zeit aber hatte sich das geändert. Es gab weniger Geburten. Kriege. Und jetzt? Jetzt war nur noch ich übriggeblieben. Aber solange die Lichtsäule des Turmes in den Himmel ragte, würde niemand meinen Thron an sich reißen. Der Turm log nicht. Sein meilenweit sichtbares Licht würde erst mit meinem letzten Atemzug erlöschen. Keiner meiner Cousins war von der geheimnisvollen Intelligenz der altertümlichen Steinstruktur als würdig erachtet worden.

Aber ich zweifelte nicht an der Lebenskraft und an dem Feuer, das meine Tochter in sich tragen würde. Bei ihrer Rückkehr würde ich sie hierher bringen, ihr Blut auf den heiligen Stein tröpfeln lassen und sie in die Arme schließen, sobald ihr Turm vor den Augen aller erstrahlen würde.

Jetzt aber musste ich von hier verschwinden und abwarten. Mich so unauffällig wie möglich machen, bis es für meine Tochter an der Zeit war zurückzukehren. Ich würde den Planeten inkognito verlassen müssen und nicht als Königin. Also zog ich meine Juwelen-bestickten Roben aus und ließ sie zu Boden fallen. Das schlichte Unterkleid und ein Schal würden mir erlauben, unbemerkt zu entkommen.

Wer auch immer die königliche Familie stürzen wollte, heute Nacht würden sie nicht triumphieren. Und die Lichtsäule des Turms würde meine Feinde beständig quälen, und zwar bis ich meine Familie rächen könnte. Bis meine Tochter den Thron übernehmen würde.

Wieder brach es mir das Herz, ich biss den Kiefer zusammen und zog meine Schultern zurück, als ich zum letzten Mal das Licht des Turms betrachtete. Ich würde nicht hier sein, um mein Volk anzuführen, aber sie würden wissen, dass ich sie nicht verlassen hatte und auf meine Rückkehr warten.

Ich blickte ein letztes Mal auf das Versteck der königlichen Halskette. Die heiligen Edelsteine würden sicher sein, und zwar bis meine Tochter zurückkehren würde.

Ich schluckte meine Tränen runter, machte mich zum geheimen Ausgang auf und verschwand.

Trinity Jones, Gegenwart, Abfertigungszentrum für interstellare Bräute, Erde


Der Wagen schlitterte und die beiden linken Reifen hoben vom Asphalt ab, als ich rasend schnell in die Kurve bog. Meine Fähigkeiten im Autorennen machten allerdings keinen Unterschied, denn der schwarze Geländewagen hinter uns wurde nicht einmal langsamer.

“Ich brauche mehr Fahrunterricht,” fauchte ich und umklammerte das Lenkrad.

Ich war aufs College gegangen, hatte Jura studiert und die Grundlagen der Selbstverteidigung gelernt, aber nichts davon hatte Stuntfahren beinhaltet. Mutter hätte wohl darauf bestehen sollen, als ich sechzehn geworden war.

“Meine Güte, Trin, du wirst uns noch alle umbringen.” Meine mittlere Schwester Faith—sie war ganze acht Minuten älter als ihr Zwilling—schimpfte vom Rücksitz aus, ihre weißen Knöchel klammerten sich im Todesgriff an den Vordersitz und das war das einzige, was sie davon abhielt, aus dem Auto geschleudert zu werden.

“Halt einfach an, damit ich diese Arschlöcher abknallen kann. Dann können wir nach Alera gehen.” Und diese genervte Stimme gehörte meiner kleinsten Schwester Destiny, sie saß auf dem Beifahrersitz und streichelte ihre Knarre wie ein Schoßhündchen. Ich befürchtete schon längst nicht mehr, dass sie mich aus Versehen erschießen könnte; sie war viel zu geschickt. Sie sah zwar wie die Entspanntere meiner beiden Zwillingsschwestern aus, hatte aber seit ihrem vierten Lebensjahr nichts anderes getan, als zu jagen, zu stalken und zu töten. Ihr lila Haar und ihre riesigen, unschuldigen, babyblauen Augen waren eine totale Täuschung für jeden Mann, der gedacht hatte, dass er sie durchschaut hatte.

Nicht, dass sie vielen Typen eine Chance gegeben hätte. Wir alle hatten Beziehungen gehabt. Wir waren keine unschuldigen, abgeschotteten Jungfrauen. Wir waren Prinzessinnen. Nicht, dass irgendjemand darüber Bescheid wusste. Und es war auch nicht gerade so, dass wir es bis vor wenigen Stunden selber geglaubt hätten. Es gab zu viele Disney-Prinzessinnen, als dass wir wirklich geglaubt hätten, dass wir echte Royals von einem anderen Planeten waren.

 

Von einem verfluchten anderen Planeten.

“Schieß ihnen doch einfach in die Reifen. So wie sie es im Film immer machen.” Faith grinste wie wahnsinnig; sie liebte Abenteuer. Im Gegensatz zu Destiny sah Faith vollkommen unschuldig aus. Wie die Unschuld in Person. Langes, goldbraunes Haar. Warme, dunkle Augen. Sie sah wie das liebenswürdigste Mädel des Planeten aus. Und sobald es um Tiere ging, dann stimmte das auch. Sie schleppte jede kranke Kreatur in einem Umkreis von zehn Meilen mit nach Hause, Schlangen miteingeschlossen. Aber mit Leuten? Autsch. Eher weniger. Als Zwillinge hätten sie sich eigentlich ähnlicher sein müssen, aber sie waren eher wie Geschwister und ihre Persönlichkeiten waren genauso verschieden wie ihr Look.

“Wehe,” warnte ich und blickte weiter geradeaus auf die Straße. “Wir sind fast da. Ich kann schon den Parkplatz sehen.”

“Ich werde sie nicht verfehlen, Trin. Lass mich schießen.” Destiny beäugte bereits den Geländewagen, die Straße, die Winkel.

“Nein. Ich glaube gerne, dass du treffen wirst.” Ich warf einen Blick in den Rückspiegel. “Sie fahren zu schnell. Die dumme Karre wird sich wahrscheinlich überschlagen und einer dieser armen Bastarde wird heute Abend nicht mehr zu seiner Familie heimkehren. Nein. Für sie ist es nur ein Job.”

Mit einem tiefen Seufzen, das ich schon hunderte Male gehört hatte, lehnte Destiny sich in ihren Sitz zurück. “Na schön, Frau Diplomatin. Übrigens, sie jagen uns.

Faith drehte sich um und winkte den Sonnenbrillentragenden Men-in-Black in dem Wagen hinter uns zu. Ich musste grinsen, als der Fahrer den Kiefer verkrampfte. “Hör auf die Alien-Jäger zu ärgern.”

“Spaßbremse.”

“Hippie,” feuerte ich zurück.

“Und der Freak hat’s geschafft!” Destiny stieß einen Siegesschrei aus, als wir mit quietschenden Reifen auf den Parkplatz des Bräutezentrums einbogen. Wir waren aber keine Bräute. Wir kamen nicht, um getestet und einem außerirdischen Partner zugeteilt zu werden. Wir waren die Außerirdischen. Also irgendwie jedenfalls. Laut unserer Mutter war ich zu hundert Prozent ein Alien. Aber meine nervigen Schwestern waren es nur zur Hälfte.

Wir waren also keine Bräute. Und ins Militär würden wir auch nicht eintreten. In der Einrichtung wurden sowohl Bräute als auch Krieger für die Koalitionsflotte abgefertigt, aber auf keinen Fall wollte ich mich irgendeinem Soldaten hier erklären. Wir waren in gewisser Weise zwar weibliche Soldaten, aber ich hatte jetzt keine Zeit um mich mit einem Typen herumzuschlagen, sollte einer von denen gerade Dienst haben. Und den Warnungen unserer Mutter zufolge musste bei mir die Aleranische Gluthitze eingesetzt haben—das war eine lange Geschichte—, also war es im Moment nicht gerade die beste Idee einem Mann gegenüberzutreten.

Kurz gesagt, sollte ich einen Mann sehen, der mir gefiel, dann würde ich ihn aggressiv besteigen wollen und hinterher total enttäuscht, unbefriedigt und noch aufgebrachter als sowieso schon dastehen. Bei meinen Schwestern? Nun, das war noch nicht ganz klar. Aber mein Körper war gerade dabei mich in den Wahnsinn zu treiben und kein einziger Mann hatte mir bisher zugesagt.

Mutter hatte darauf gepocht, dass ich die heilige Energie eines Aleranischen Mannes brauchte, um meine Triebe zu befriedigen, aber das hatte ich ihr auch nicht wirklich geglaubt. Zumindest nicht, bis ich versucht hatte meinen Hunger mit einem meiner scharfen Arbeitskollegen zu stillen. Ein gewaltiger Fehler.

Ich hatte ihn geküsst und hätte schwören können, sein Mund hatte wie ein Aschenbecher geschmeckt. Und dabei war er Nichtraucher.

Außerdem war er bloß nach ein bisschen Knutschen zusammengeklappt und hatte für vier Stunden geschlafen. Ich hatte die ganze Zeit über ihn gewacht und war sichergegangen, dass er noch atmete. Und dann hatte ich mich damit abgefunden, dass ich nie mehr auf dem Planeten Erde Sex haben würde. Da ich jetzt diese Gluthitze stillen musste, brauchte ich einen Alien-Mann; einen, den meine Küsse nicht gleich auslaugen und umbringen würden.

Verdammt unpraktisch. Also musste ich schleunigst nach Alera oder ich würde sterben. Und wir mussten unsere Mutter retten. Wir mussten den Planeten verlassen. Jetzt sofort.

Aber erst mussten wir an dem riesigen Alien vorbeikommen—er war tatsächlicher größer als Mutters Volkswagen—, der den Eingang bewachte. Mit quietschenden Reifen brachte ich Mutters Käfer genau vor ihm zum Halten. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und machte finstere Miene. Er schrie regelrecht nach einer Kreuzung aus Alphatypen und Titanen—einem heißen Alien-Typen über den Weg zu laufen hatte mir gerade noch gefehlt, egal wie groß er war oder wie gut er aussah. Blöde Alien-Hormone.

“Heiliger Bimbam.” Destiny war total baff. “Ist das ein Atlane? Ich habe gehört, dass sie groß sind, aber—”

“Alle Achtung. Trinity, vielleicht kann er ja dein Problem beheben.” Faith winkte vom Rücksitz aus und hatte ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht.

“Auf keinen Fall,” konterte ich. “Vergiss es. Wir müssen da rein und jemanden dazu bringen, uns nach Alera zu transportieren. Sofort. Mir bleibt keine Zeit, um mein Problem zu beheben.” Ich war alles andere als froh über diesen Schlamassel und ich würde kein Risiko eingehen. Er war zwar echt prächtig, aber er war kein Aleraner. Ich fürchtete, dass ich ihn erledigen könnte, ganz egal wie groß und stark er aussah.

“Und wir wollen unseren besonderen Freunden hier auch kein Schauspiel liefern,” fügte Faith hinzu. “Lasst uns gehen!”

Als der Geländewagen fünf Minuten zuvor versucht hatte uns den Weg abzuschneiden, hatten wir beschlossen, im Bräutezentrum Zuflucht zu suchen. Das war unsere beste Chance. Den ersten Alien-Schmacko, der mir über den Weg lief zu besteigen gehörte aber nicht dazu. “Sieht nicht so aus, als ob er sich einfach von uns überrollen lassen wird.”

“Wehe du krümmst diesem Prachtstück von einem Alien auch nur ein Haar,” schimpfte Faith. Sie seufzte … übertrieben. “Verdammt. Ich glaube, ich brauche einen Atlanen.”

“Oh nein. Du gehst doch nicht auch in Hitze, oder?” Destiny war todernst. Und ich war besorgt. Sie waren nur drei Jahre jünger als ich, aber Mutter hatte mich seit ich zweiundzwanzig wurde, mit Adleraugen beobachtet und geschlussfolgert, dass ich ein Spätzünder war, weil keine Aleranischen Männer da waren um meinen Motor zu befeuern.

Aber die Zwillinge waren halb menschlich, also wer würde schon wissen, was mit ihnen los war? “Faith?” sprach ich.

Sie verdrehte nur die Augen. “Nein, meine Mumu steht nicht in Flammen. Mir geht’s gut.”

Destiny runzelte die Stirn.

“Im Ernst. Ich würde euch nichts vormachen. Nicht jetzt.” Über die Schulter blickte sie sich zu unseren Freunden um und grinste. “Sieht aus, als ob sie sich auch nicht sicher sind, was der große böse Alien tun wird.”

“Sie werden nicht ewig hier warten. Wir müssen aussteigen,” sprach ich. “Lasst uns zum Eingang rennen.”

Als ob sie mich gehört hatten, öffneten die Männer hinter uns die Wagentüren und stiegen aus; sie gingen hinter den Türen in Deckung. Der Gigant vor uns machte zwei Schritte vorwärts und blickte skeptisch, als er die beiden Männer aussteigen sah. Ich sah, wie das Duo sich einen Blick zuwarf und scheinbar überlegte, ob sie sich unseretwegen mit einem riesengroßen, fiesen Alien anlegen sollten.

“Wer sind die überhaupt und warum sind sie hinter uns her?” sprach ich.

“Ich kann sie kurz und klein schlagen,” erwiderte Destiny entschlossen. “Du brauchst es nur zu sagen.”

Ich schüttelte den Kopf. “Nein. Wir müssen von der Erde verschwinden. Das ist das Klügste im Moment.”

Ich blickte durch die Windschutzscheibe und entdeckte zwei weitere Krieger, die hinter dem Atlanen auf uns zukamen. Verstärkung. Wie es aussah, gab es unseretwegen bereits Zulauf.

“Los!” Mir blieb keine Zeit, um mir Gedanken zu machen, ob meine Schwestern nun zuhörten oder nicht. Unsere Mutter war verschwunden. Nein, nicht verschwunden. Sie war entführt worden. Und wir würden sie zurückbekommen.

Ich schnappte mir meinen Rucksack, öffnete die Fahrertür und stürzte so schnell ich konnte auf den Giganten zu. Destiny war natürlich schneller als ich und brüllte aus vollem Halse “Asyl!” als sie an mir vorbeistürmte. Ich rannte und war leicht außer Atem, als ich ihn schließlich erreichte, allerdings mehr vom Adrenalin als der Entfernung wegen. Faith aber …

“Verdammt, Faith! Komm schon oder ich werde dich eigenhändig erschießen.” Destiny stand zwischen zwei massigen Giganten und ich stand hinter dem ersten Alien, der unseren Wagen gestoppt hatte. Faith dagegen beeilte sich kaum, sie schwang ihre Tasche in die Luft und verspottete die Regierungs- oder Militäragenten—oder was auch immer zur Hölle sie waren—hinter ihr. Sie hätten sie schnappen können. Mühelos. Und sie wusste es. Aber sie mochte schon immer ein gutes Katz- und Mausspiel und sie wusste, dass diese Typen sich wegen der heißen Aliens hier nicht mit uns anlegen würden.

“Komme schon.” Sie lächelte. Strahlend. Der Gigant neben mir warf ihr einen aufmerksamen Blick zu. Mit einem Grinsen tätschelte sie ihm im Vorbeigehen den Bizeps, ihr Kopf allerdings reichte ihm nicht einmal bis zur Schulter. “Danke, mein Großer.”

“Ist mir ein Vergnügen, meine Dame.” Er verbeugte sich sogar leicht.

Die Agenten kamen herbeigelaufen, hielten aber vor unserem offenen Wagen an und spähten ins Innere. Vielleicht erhofften sie sich eine entschlüsselte Nachricht über das Alien-Raumschiff, das heute Morgen vor unserem Haus gelandet war. Wahnsinn, oder? Aber alles, was sie finden würden, waren verschwitzte Sportklamotten und ein paar Minz-Kaugummis, die Mutter im Getränkehalter aufbewahrte.