Geächtete Colthelden: Super Western Sammelband 7 Romane

Text
0
Kritiken
Leseprobe
Als gelesen kennzeichnen
Wie Sie das Buch nach dem Kauf lesen
Schriftart:Kleiner AaGrößer Aa

John F. Beck, Heinz Squarra, Glenn Stirling, Carson Thau

UUID: df96967e-c750-4119-ada5-0c3a97415519

Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://writeapp.io) erstellt.

Inhaltsverzeichnis

  Geächtete Colthelden: Super Western Sammelband 7 Romane

  Copyright

  Der Trail des Geächteten

  1

  2

  3

  4

  5

  6

  7

  8

  9

  10

  11

  12

  13

  14

  15

  Wolfsrache

  Der Witwenmacher

  Grainger jagt die Brasada-Brut

  Der Fluch des Don

  Moonhawk

  Der Büffelkiller

Geächtete Colthelden: Super Western Sammelband 7 Romane
Heinz Squarra, Glenn Stirling, John F. Beck, Carson Thau

Dieser Band enthält folgende Western:

Der Trail der Geächteten (John F. Beck)

Wolfsrache (Glenn Stirling)

Der Witwenmacher (Heinz Squarra)

Grainger jagt die Brassada-Braut (Heinz Squarra)

Der Fluch des Don (Carson Thau)

Moonhawk (John F. Beck)

Der Büffelkiller (Heinz Squarra)

Halbwolf Sam rettet ein Mädchen davor, von drei jungen Burschen vergewaltigt zu werden. Zwei von ihnen sind die Söhne des Gouverneurs, den Tom Cadburn bewachen soll, aber die Burschen wollen sich an dem Halbwolf rächen und planen ihn zu töten. Sie rechnen nicht damit, dass Sam schlauer sein könnte als sie.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: ALFREDBOOKS, CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

w ww.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Der Trail des Geächteten

Western von John F. Beck

Der Umfang dieses Buchs entspricht 135 Taschenbuchseiten.

Ist Ringo Pearson wirklich ein gewissenloser Bandit? Die schöne Liz glaubt es nicht und hilft dem Mann, der wegen Mord eigentlich auf sein Urteil wartet, aus dem Gefängnis. Er will mit ihr ein neues Leben anfangen. Doch schon bald muss sie erkennen, dass Ringo sich zu leicht von seinen alten Sattelkameraden auf die schiefe Bahn bringen lässt. Kann sie das Schlimmste verhindern? Denn die beiden Männer, die Ringo gnadenlos jagen, sind ihr Vater und Glenn, der Liz bis zur Selbstaufgabe liebt.

1

Zwei Revolver zielten auf Glenn Trafford, als er den Paradise Saloon betrat. Der eine Mann, groß und massig, hockte grinsend auf den Treppenstufen, die zum Obergeschoss führten. Der andere, ein sehniger Bursche mit einem schnurrbärtigen Piratengesicht, lehnte an der Theke und hielt ein halbvolles Whiskyglas in der linken Hand. Sie schwiegen. Die Kälte in ihren Augen verriet Glenn, dass bei der geringsten falschen Bewegung ihre Colts aufbrüllen würden. Sally Maine, die Saloonbesitzerin, stand steif wie eine Puppe vor dem gefüllten Flaschenregal. Eine hübsche, blonde Frau mit einem tief ausgeschnittenen Kleid. Der geschminkte Mund wirkte in ihrem kreidebleichen Gesicht doppelt grell.

Eine Weile war nur das Heulen des Windes in der Main Street von Red Hill zu hören. Staubschleier verdunkelten die Saloonfenster. Dann sagte eine lässige Stimme aus der dämmrigsten Ecke: „Hallo, Glenn, suchst du mich?“

Der schlanke junge Mann am runden Tisch hatte sich mit dem Stuhl zurückgelehnt. Seine nervigen Hände waren damit beschäftigt, eine Patience auf der mit grünem Filz bespannten Platte auszulegen. Glenn Traffords Rechte lag auf dem Coltgriff. Ruckartig setzte er sich in Bewegung. Die Revolverhähne der beiden anderen knackten bedrohlich. Glenn ging weiter, ohne den Blick von dem Mann am Ecktisch zu wenden.

„Ringo, dies ist der falsche Ort für dich. Steh auf, steig auf dein Pferd, und verlasse mit deinen Freunden auf der Stelle die Stadt!“

Ringo Pearson schob gemächlich die Spielkarten zusammen. „Eine seltsame Begrüßung für einen alten Freund, den man fast ein Jahr nicht mehr gesehen hat, nicht wahr, Glenn?“

Trafford schlug die Jacke über der Brust zurück. Das Abzeichen schimmerte matt im Halbdunkel des Saloons.

Ringo Pearson lächelte schief. „Hast es weit gebracht, wie? Deputy bei Sheriff Logan Kelly! Trotzdem gibt dir das nicht das Recht, so mit einem ehemaligen Sattelpartner umzuspringen. Komm sei friedlich, Glenn. Setz dich und nimm ’nen Drink mit mir.“

„Ich weiß, warum du hier bist, Ringo!“, sagte Glenn gepresst.

Zum ersten Mal bewegte sich die blonde Frau hinter dem Tresen. Atemlos stieß sie hervor: „Sie wollen Jeff töten! Sie wissen, dass er abends der erste Gast bei mir ist. Sie warten auf ihn. Trafford, Sie müssen ...“

Der Schnurrbärtige stellte mit hartem Ruck das halbvolle Glas auf die Thekenplatte. Sein Revolver zuckte halb herum. Sally Maine verstummte mit schreckgeweiteten Augen. Der massige Mann auf der Holztreppe lachte heiser.

Ringo zog die Augenbrauen hoch. Seine dunklen Augen wichen dem durchdringenden Blick des jungen Deputy nicht aus. „Und wenn es so wäre, Glenn?“

„Ich lasse es nicht zu!“

„Du weißt, wie viel ich Jeff Babcock und seinem Vater heimzuzahlen habe, Glenn. Kein Mensch bringt mich davon ab, kein Mensch. Glenn, du bist allein. Sheriff Kelly ist nicht in der Stadt. Er jagt ein paar Burschen, die die Postkutsche überfallen haben, nicht wahr?“ Seine Augen funkelten spöttisch. Der Mann auf der Treppe lachte erneut.

„Deine Komplicen?“, fragte Glenn.

Ringo schnippte mit Daumen und Mittelfinger. „Vielleicht! Glenn, du solltest dich jetzt aus dem Staub machen. Jeff Babcock wird gleich hier aufkreuzen. Ich habe erfahren, dass er jeden Tag so früh wie möglich zu Sally kommt. Er ist ganz vernarrt in sie. – Geh jetzt! Bob Slaughter und Dick Hadley werden langsam ungeduldig. Sie sind keine Männer, die besonders gut auf ’nen Sternträger zu sprechen sind, Glenn. Und man sagt von ihnen, dass sie immer genau ins Schwarze treffen. Nicht wahr, Amigos?“

Glenn hörte jetzt die schweren Tritte der beiden Banditen quer durch den Saloon von hinten auf sich zutappen. Er beugte sich leicht vor. „Du unterschätzt mich, Ringo. Wenn sie mich auch treffen – ich habe immer noch Zeit, dich zu erwischen. Bestimmt! Auf die Entfernung schießt auch ein todwunder Mann nicht daneben!“

Das Lächeln auf Ringo Pearsons scharf geschnittenem Gesicht gefror. „Hat Logan Kelly, der unerbittliche Banditenjäger, dich angesteckt? Glenn, keinen Bluff! Du würdest doch nicht auf einen Mann schießen, mit dem du so lange Bügel an Bügel geritten bist!“

„Diesen Mann gibt es nicht mehr. Ich sehe hier nur einen Burschen, der einen kaltblütigen Mord plant. Ringo, ich lasse es darauf ankommen!“

„Aus Sorge um Jeff Babcock?“, fragte Pearson gedehnt. „Oder hast du Angst um Liz?“

Glenn wurde fahl. „Nimm ihren Namen nicht in den Mund!“

„Tatsächlich!“ Ringo lachte leise. „Du hast Feuer gefangen. Jetzt verstehe ich auch, warum du diesen Job bei Kelly angenommen hast. Glenn, du armer Narr, du machst dir falsche Hoffnungen. Liz hat mich bestimmt nicht vergessen. Sie wird mir gehören, Muchacho. Lass mich nur erst mit Jeff abrechnen, dann wirst du schon sehen.“

 

„Ringo, sei still.“ Glenn stieß gegen die Tischkante. Seine Faust schoss über die Platte, packte Pearsons Hemdbrust und riss den Mann mit einem wilden Ruck vom Stuhl hoch. Gleichzeitig zog er mit der Rechten den Colt. Zu einer weiteren Bewegung kam er nicht mehr. Die Revolver von Ringos Begleitern fuhren ihm links und rechts in die Rippen.

Der bullige Bob Slaughter knurrte: „Ringo, ein Wort, und dieser Hombre verwandelt sich in ’ne Leiche!“

Einige Augenblicke war die Szene erstarrt.

Glenn hielt Ringo noch immer fest. Er hatte ihn halb über den Tisch gezogen. Langsam senkte sich Ringos Blick auf die schwerkalibrige Waffe in der verkrampften Faust des Deputy.

Er sagte mühsam: „Wir bleiben beide auf der Strecke, Glenn. Pass auf, ich mache dir einen Vorschlag. Wir spielen es mit den Karten aus. Wenn du gewinnst, verlassen wir die Stadt, ohne Babcock ’n Haar zu krümmen. Mein Wort darauf. Bob, Dick, zurück mit euch!“

Zögernd wichen die Banditen von Glenn zurück, behielten jedoch die Revolver im Anschlag. Glenns Faust löste sich von Ringo. Misstrauen verengte seine Augen. Ringo strich eine dunkle Haarsträhne aus der Stirn und nahm wieder auf dem Stuhl Platz. Stirnrunzelnd betrachtete er Glenn.

„Steck das Eisen weg. Es ist die einzige Chance, die ich dir lasse!“ Er deutete mit dem Kinn auf den Stuhl gegenüber und begann mit flinken, routinierten Fingern die Karten zu mischen, als sei nichts geschehen. Glenn Trafford zögerte. Dann setzte er sich und legte den 45er Frontier Colt vor sich auf den grünen Filz. Ringo hielt beim Mischen inne.

„So nicht. Eine faire Chance für uns beide, damit wir uns recht verstehen!“

„Und deine Freunde?“ Glenn ließ sein Gegenüber nicht aus den Augen. Ringo zuckte unwillig die Achseln.

„Halftert eure Eisen, Jungs. Überlasst das mir!“ Seine dunklen Augen funkelten. Er schien darauf zu warten, dass Glenn den Kopf drehte.

Der junge Deputy fragte: „Sally, alles in Ordnung? Sind ihre Revolver verschwunden?“

„Ja, Trafford!“, kam die tonlose Antwort.

Ringo presste die Lippen zusammen und ließ die Karten zwischen den geschickten Händen fliegen. Langsam schob Glenn seinen Colt in die Halfter.

Ringo legte das Kartenpäckchen vor sich auf den Tisch. „Eine Pokerrunde darum, wer den Saloon verlässt, okay?“

Glenns Gedanken arbeiteten.

Er hatte keine Wahl.

Ringo und seine Kumpane waren voll wilder Entschlossenheit. In einem offenen Revolverkampf konnte er gegen diese drei gefährlichen Burschen nicht bestehen. Doch wenn er verlor? Er hoffte verzweifelt, dass ihm dann noch immer die Möglichkeit blieb, Sam Babcocks Sohn vor der Stadt abzufangen.

Ringo wartete nicht auf die Antwort. Er teilte für jeden fünf Karten aus. Das Päckchen lag zwischen ihnen in der Tischmitte. Glenn nahm sein Blatt auf und fächerte es auseinander. Ein Bube, eine Zehn, zweimal die Acht und eine Sieben.

Ringo lauerte ihn über sein Blatt weg an. In seinem glatten Gesicht konnte Glenn nichts lesen. „Kaufst du?“

„Drei!“, nickte Glenn. Er legte die Achten und die Sieben ab und nahm neue Karten. Zur Zehn und zum Buben bekam er nun noch ein Ass und zwei Damen. Seine Erregung flaute ein wenig ab. Ringo kaufte nur eine Karte. Er lächelte Glenn siegessicher an.

„Decken wir auf!“ Glenn warf sein Blatt auf die Platte. Ringo betrachtete es, nickte anerkennend, sagte aber kein Wort. Schräg hinter Glenn scharrten wieder die Stiefelsohlen von Hadley und Slaughter näher.

Glenn rief scharf: „Bleibt, wo ihr seid!“ Eine raue Verwünschung antwortete, aber die Tritte verstummten.

Ringo warf lässig seine erste Karte auf den Tisch. Eine Zehn. Dann folgten eine Dame und ein Bube. Drei Karten, die gleich mit Glenns Blatt lagen. Glenn spürte das Hämmern seines Herzschlags in der Kehle. Ringos kaltes Lächeln erforderte seine ganze Beherrschung. Die nächste Karte wirbelte zu den anderen: Ein Ass!

Jetzt hing von der letzten Karte alles an. Und da war sie auch schon – noch ein Ass!

„Gewonnen!“, sagte Ringo lächelnd. Er wollte die Karten zusammenschieben. Doch da hatte Glenn schon sein rechtes Handgelenk umklammert.

„Falschspieler!“ Mit der Linken fasste er blitzschnell in Ringos Ärmel. Die heimlich abgelegte Karte rutschte über die Tischkante auf den Fußboden, eine wertlose Karo-Sieben.

Ringo warf sich mit einem Fluch vorwärts und stieß dabei den runden Tisch schräg nach oben. Im Aufspringen wurde der Deputy getroffen. Sein Stuhl kippte um, er stolperte darüber. Bevor er hart auf den Rücken krachte, bekam er seinen Fünfundvierziger aus dem Halfter. Da schleuderte sich Ringo mit einem Panthersatz auf ihn und hieb ihm die Faust mitten ins Gesicht.

Einen Moment konnte Glenn nichts sehen. Wieder erwischte es ihn. Die Zähne zusammengepresst stieß er blindlings mit dem Coltlauf zu. Er hörte Ringos Schmerzenslaut, und dann war das Gesicht über Glenn plötzlich weg. Er wälzte sich herum und stemmte sich auf die Knie. Stühle polterten, Stiefel dröhnten heran.

Ringo keuchte: „Drauf auf ihn. Macht ihn fertig!“

Das neblige Gewoge vor Glenns Augen zerriss. Er kam vollends hoch, und da waren Hadley und Slaughter bereits zur Stelle. Ein Stiefeltritt prellte dem Deputy den Colt aus der Faust. Eine Faust schmetterte ihm ins Genick. Er stürzte vornüber, klammerte sich an einem Mann fest und riss ihn mit sich zu Boden. Der andere zerrte ihn zurück und schlug keuchend und fluchend auf ihn ein. Glenn wehrte sich verbissen. Dann griff auch Ringo ein, kaltäugig, wild und gnadenlos. Glenn merkte, wie Benommenheit und Schwäche bleiern in ihm hochkrochen.

„Sally!“, krächzte er. „Laufen Sie …“ Ein Stiefel traf ihn brutal vor die Brust und warf ihn auf den Rücken. Die Gesichter über ihm verschwammen. Wie aus weiter Ferne hörte er jemand rufen: „Vorsicht, Babcock kommt!“

Die blonde Frau hetzte in panischer Furcht hinter dem Tresen hervor und versuchte die Tür zu erreichen. Der stämmige Bob Slaughter bekam sie am Arm zu fassen. Sally Maine schrie halb erstickt. Slaughters rücksichtsloser Schwung schleuderte sie gegen den langgestreckten Tresen. Der schnurrbärtige Hadley grinste verschlagen.

„Du solltest den guten Bob nicht reizen, wenn du dein hübsches Lächeln behalten willst, Süße. Er war noch nie ein besonders großartiger Gentleman.“

Die Frau brachte keinen Ton mehr hervor, atmete stoßweise und verkrampfte die Hände vor der wogenden Brust. Slaughter zerrte sie ungeduldig an das Tresenende.

Hufschlag verstummte jäh vor der Saloonveranda. Ein Pferd wieherte leise, Sattelleder knarrte. Dann stampften schnelle Stiefeltritte die Stufen herauf. Auf Ringo Pearsons Wink verteilten sich die Desperados wortlos im dämmrigen Raum.

Glenn Trafford kämpfte verzweifelt gegen Übelkeit und Schwäche an. Mit einer Hand hatte er die Tischkante zu fassen bekommen. Er wollte sich schwitzend in die Höhe ziehen. Aber seine Hand rutschte ab. Er fiel auf den Rücken. Schwärze senkte sich über seine Augen. Der dumpfe Fall ging im Aufheulen des Windes und dem Quietschen der Pendeltür unter.

Jeff Babcock kam in den Saloon.

Ein Staubschwall begleitete ihn. Er schlug den Stetson gegen die mit silbernen Zierknöpfen gesäumten Chaps. „Hallo, Sally. So ein verteufeltes Wetter. Ich hatte nie einen Drink nötiger als ...“

Sporenklirrend war er zwischen den Tischreihen zu dem Tresen geeilt. Plötzlich stockte er. Der Stetson landete achtlos neben ihn auf den mit Sägemehl bestreuten Bodenbrettern. Die Augen in Jeff Babcocks jungem, etwas arrogantem Gesicht wurden groß und erschreckt.

„Ringo!“, flüsterte er tonlos. Die blonde Frau am Thekenende existierte für ihn nicht mehr.

Ringo Pearson lachte klirrend. „Welche Ehre. Der Sohn des großen, reichen Sam Babcock hat den Namen eines windigen, hergelaufenen Satteltramps nicht vergessen. Nicht wahr, Jeff, so hast du mich doch damals genannt!“ Er ging ein paar Schritte auf den Ranchersohn zu. Seine Hand krümmte sich über dem Kolben des tief gehalfterten Revolvers.

Jeff Babcock schluckte würgend. „Um Himmels willen, Ringo, sei vernünftig! Was damals geschah ...“

„Ist nicht vergessen!“, vollendete Pearson eisig. Tödlicher Hass glitzerte jetzt in seinen dunklen Augen, und sein kantiges Gesicht war beinahe so fahl wie das seines Gegenübers. „Ein Jahr lang habe ich mir diese Stunde ausgemalt, Jeff. Ich konnte es kaum erwarten ins Red Hill County zurückzukehren und dich wiederzusehen, Hombre!“

Schweiß perlte auf Jeff Babcocks Stirn. Unter seinem rechten Auge zuckte ein Nerv. „Was willst du? Geld? Ich habe nicht mehr als dreißig Bucks bei mir. Nein, nein, Ringo, bleib stehen. Du sollst erhalten, soviel du nur willst. Ich brauche nur zur Bank zu gehen. Dad hat dort jeden Kredit. Fünfhundert Dollar, Ringo, nicht wahr, fünfhundert Dollar, das ist …“

„He!“, sagte Bob Slaughter rau. „Will dich der Boy auf den Arm nehmen, Ringo? Lässt du dir das bieten?“

Rechts zischte Dick Hadley verächtlich: „Fünfhundert Bucks! Dass ich nicht lache!“

Babcock hatte im Zwielicht des Saloon die beiden anderen Banditen erst jetzt bemerkt. Das Zucken unter seinem Auge verstärkte sich. Er atmete abgerissen, während sein Blick mühsam zu Ringos wildem Gesicht zurückkehrte.

„Tausend! Ist das genug? Tausend Dollar bar auf die Hand. Ringo, Himmel, mach endlich den Mund auf. Sag mir den Preis, und ich werde ihn …“

„Dein Leben!“, erklärte Pearson kalt.

Jeff Babcock fuhr zusammen, prallte einen Schritt zurück. Einen Augenblick sah es aus, als würde er sich herumwerfen und die Flucht versuchen.

Ringos Hand klatschte auf den Revolverkolben. Babcock erstarrte. Der Schweiß lief ihm jetzt über Wangen, Kinn und Hals hinab in den offenen Kragen seines teuren Seidenhemdes.

Er schüttelte den Kopf. „Nein, Ringo, nein, das ist nicht dein Ernst. Nicht wahr? Sag, dass es nicht dein Ernst ist. Ich werde zur Bank gehen. Ich werde dir das Geld holen. Tausend, zweitausend, noch mehr, wenn du willst!“

„Spar dir das Geschwätz!“, herrschte ihn Pearson an. „Wenn du ein Mann bist, dann greifst du jetzt zum Eisen und kämpfst. Oder bist du nur mutig, wenn es darum geht, einen Wehrlosen die Peitsche schmecken zu lassen? Du hast einen Fehler gemacht, Jeff, mein Junge. Du hättest damals noch viel länger und härter zuschlagen müssen. Ihr hättet euch nicht mit einem halbtoten Ringo Pearson zufrieden geben dürfen.“

„Ringo, um Himmels willen, hör auf damit!“

„Angst, mein Junge? Schwache Nerven? Ein Jahr lang schleppe ich die Zeichen deiner Peitsche mit mir herum. Vielleicht brennen mich die Narben weniger stark, wenn das hier vorüber ist. Na, zeig endlich, dass du ein echter, großer Babcock bist. Ein würdiger Erbe deines Vaters. Als wenn es euch auf die paar Rinder angekommen wäre, die ich zur Seite schaffen wollte. Aber nein. Wie einen Banditen habt ihr mich behandelt. Und nur weil ich ein Jahr lang als braver Cowboy für euch geritten war, habt ihr auf den Strick verzichtet. Großzügig, was? Ihr habt mich zu dem gemacht, was ich heute bin, und das ist vielleicht noch schlimmer als die Peitsche. Was stehst du da und glotzt mich an wie ein Kaninchen die Schlange? Trägst du dein Schießeisen zur Zierde?“

„Ringo, ich – ihr seid zu dritt, ich habe keine Chance, wenn ...“

„Ein schlauer Junge, was?“, lachte Slaughter heiser. „Ringo, sag ihm doch, dass es für uns gar keine große Rolle spielt, ob er nun zieht oder nicht!“

Jeffs Kopf ruckte zu ihm herum, und Slaughter lachte noch lauter. Sein breitflächiges, unrasiertes Gesicht war abstoßend. In dieser Sekunde war Jeff Babcocks Begreifen endgültig.

Mit einem Schluchzen griff er zum Revolver. Ringos Rechte bewegte sich so schnell, dass man nicht mit den Augen folgen konnte. Gleichzeitig rissen Bob Slaughter und Dick Hadley ihre Waffen heraus. Ringo gab den ersten Schuss ab. Er feuerte von der Hüfte aus, als Jeff den Revolver noch nicht ganz aus der Halfter hatte. Der junge Babcock schrie auf und taumelte rückwärts. Dann zerrissen von zwei Seiten die Mündungsblitze Slaughters und Hadleys das Halbdunkel. Jeff wurde förmlich zu Boden geschmettert. Das Sägemehl unter ihm färbte sich rot. Mit einer zähen Bewegung wollte er noch die Faust mit dem Revolver heben, doch jäh erschlaffend fiel sie herab. Die Finger lösten sich vom Kolben.

Jeff Babcock lag still.

Pulverqualm stieg zur Decke. Slaughter grinste zu Hadley hinüber. Sie halfterten achselzuckend die Colts. Ringo ging steifbeinig zu Jeff und schaute ungerührt auf ihn herab. Sally Maine stürzte an ihm vorbei und warf sich neben dem jungen Babcock auf die Knie.

 

„Jeff!“, schluchzte sie. „Großer Himmel. Jeff, lieber Jeff …“

Babcocks weit aufgerissene Augen starrten blicklos in ihr verzerrtes Gesicht. Sally hatte ihn an den Schultern gepackt. Jetzt wichen ihre schmalen, weißen Hände zitternd von ihm zurück. Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie zu Ringo aufblickte.

„Mörder! Verfluchter Mörder!“ Plötzlich war sie auf den Beinen. Mit vorgereckten Händen ging sie ihn an, schluchzend, in ohnmächtiger, verzweifelter Wildheit. Ringo trat blitzschnell zurück. Ihre krallenden Finger stießen ins Leere. Dann hatte er schon ihre Handgelenke umklammert.

„Bob, bring sie zur Vernunft!“

Slaughter stapfte grinsend heran und zog die Frau von Ringo weg. Sie wirbelte herum und schlug nach seinem Gesicht.

Der breitschultrige Bandit lachte nur höhnisch.

„Schade, dass ich nicht mehr Zeit für dich habe, mein Täubchen. Du machst mir Spaß. Wetten, dass wir beide uns ganz prächtig verstehen würden!“

Sein Griff wurde so roh, dass die Saloonbesitzerin jede Gegenwehr aufgab und sich stöhnend zusammenkrümmte. Slaughter stieß sie so wuchtig hinter den Tresen, dass Sally das Gleichgewicht verlor und vor das Flaschenregal stürzte. Das hochgesteckte Blondhaar hatte sich gelöst und hing ihr zerzaust auf die verkrampften Schultern.

Ringo stieg über den Toten und ging zur Tür.

„Zeit zu reiten, Amigos. Tate und Hush warten. He, Bob, willst du hier Wurzeln schlagen?“

Erst als die Pendeltür hinter den Desperados zuschwang, erhob sich die Frau und lief zu Glenn Trafford hinüber. Glenn hatte die Augen aufgeschlagen und starrte sie benommen an. Sie half ihm, sich aufzusetzen.

„Trafford, hoch mit Ihnen. Sie müssen hinter diesen Schurken her. Mein Gott, Trafford, hören Sie nicht? Ringo hat Jeff umgebracht!“

Glenn kam keuchend auf die Füße und musste sich gleich an einem Tisch festhalten, um nicht zu stürzen. Sally lief zum Tresen und kehrte mit einer entkorkten Brandyflasche zurück. Glenn nahm einen kräftigen Schluck.

Die Benommenheit zerstob, und nun kam die Erinnerung wie ein eisiger Wasserschwall und brachte ihn endgültig zu sich. Sein Blick traf Jeff Babcocks reglos ausgestreckten Körper. Er drückte der Frau wortlos die Flasche in die Hand, bückte sich nach seinem Frontier Colt und rannte zur Tür.

Staub wehte ihm entgegen und biss ihm in die Augen. Hinter den wallenden Schleiern verschwammen die Konturen der Hausfassaden. Der Haltebalken vor dem Saloon war leer. Die Banditen ritten ohne besondere Eile über die Main Street dem offenen Land zu. Pearsons schlanke Gestalt zwischen den beiden anderen war deutlich auszumachen.

„Ringo!“, brüllte Glenn.

„Halt, Ringo! Zurück mit dir, oder ich schieße!“

Die Banditen drehten sich halb in den Sätteln. Glenn glaubte wieder Slaughters bissiges Gelächter zu hören, dann fielen die drei Pferde in Galopp. Glenn begann zu rennen.

„Ringo, halt!“, schrie er wieder.

Dann begann er zu feuern.

Pferde wieherten erschreckt, ein Fluch schallte, Mündungsblitze zuckten zurück. Kugeln pflügten neben Glenn die Erde. Er kümmerte sich nicht darum, hatte nur das Bild des toten Ranchersohnes vor Augen und hetzte schießend weiter. Dann war der Fünfundvierziger leergeschossen. Der Staub stellte sich wie ein Vorhang zwischen Glenn und die Reiter. Sie verschwanden in dem wabernden Staubschleier. Jetzt fühlte Glenn Trafford wieder Schmerzen und Müdigkeit. Einsam stand er mitten auf der Straße und lud den Colt nach.

Türen klappten entlang der Häuserfronten, zögernde Schritte schlurften auf Veranden und Gehsteigplanken. Sally Maines hell gekleidete Gestalt erschien schwankend auf der Saloonveranda.

„Jeff ist tot! Ringo Pearson und seine Freunde haben Jeff Babcock ermordet. Holt sie zurück!“ Ihre Stimme erstarb in einem gebrochenen Schluchzen.

Glenn zog wenig später seinen gesattelten Braunen aus dem Mietstall. Aus dem Durcheinander auf der Straße schälte sich eine schmale Mädchengestalt. Glenn krampfte die Faust härter um die Zügel, als das blasse, schöne Gesicht mit den dunklen Augen direkt vor ihm auftauchte. Die roten feingeschwungenen Lippen zuckten, ehe sie tonlos fragten: „Ringo? Ist er wirklich zurückgekommen?“

„Ja! Er hat Jeff erschossen.“

„Glenn!“ Das Mädchen trat ganz dicht an ihn heran und legte ihm impulsiv eine Hand auf den Arm. „Tu’s nicht, Glenn, ich bitte dich!“ Unverhohlene Sorge flackerte in ihren Augen. Glenn fühlte quälende Eifersucht.

„Er hatte also recht. Du hast ihn nicht vergessen!“

„Er hat von mir gesprochen?“, stieß sie atemlos hervor.

„Liz!“, sagte er rau. „Du verschwendest deine Sorge an einen Mann, der das nicht verdient!“

„Er war dein Freund, Glenn.“

„Das liegt ein Jahr zurück. Jetzt ist er ein Mörder und Bandit, den ich ...“

„Nein, Glenn, sag das nicht!“ Ihre helle melodische Stimme war verzweifelt. „Hast du vergessen, was ihm die Babcocks angetan haben? Wenn Ringo vom richtigen Weg abwich, dann ist es Babcocks Schuld. Warum willst du Ringo um die Chance für einen neuen Anfang bringen?“

„Neuer Anfang?“, wiederholte er bitter. „Das klingt gut. Aber ich fürchte, du täuschst dich in Ringo. Du hättest ihn im Saloon sehen sollen. Liz, es hat keinen Zweck. Dein Vater hat mich auf den Stern vereidigt.“

Ihre Hand glitt von ihm. Sie senkte den Kopf. „Sprichst du wirklich nur wegen des Sterns so? Oder meinetwegen?“

Eine Blutwelle schoss dem jungen Deputy ins Gesicht. Liz Kelly sagte hastig: „Es tut mir Leid, Glenn, ich wollte dich nicht verletzen. Aber ich ... ich kann nicht dagegen an, ich liebe Ringo noch immer. Die ganze Zeit habe ich nur darauf gewartet, dass er wieder in Red Hill auftaucht. Glenn, ich weiß, was du für mich empfindest, aber ich ...“

„Es geht nicht nur um mich!“, unterbrach er sie heiser. „Vergiss deinen Vater nicht, Liz. Logan Kelly, den sie Sheriff Eisenfaust nennen, ist bekannt dafür, dass er niemals Kompromisse mit Gesetzlosen schließt!“

„Ist das alles, was du mir zu sagen hast?“

„Yeah, Liz!“ Mit einem geschmeidigen Schwung zog sich Glenn Trafford in den Sattel. Das Tier stampfte unruhig.

Liz schaute zu dem Reiter auf. Einen Augenblick lang schien es, als wollte sie nochmals versuchen, ihn aufzuhalten. Aber die Entschlossenheit in seinem von Schlägen gezeichneten Gesicht war unverkennbar. Aufseufzend trat Liz zurück und lief schnell in Richtung Sheriff-Office davon.

Glenn starrte ihr nach. Sekundenlang stand das hagere, wettergegerbte Ledergesicht ihres Vaters vor seinen Augen.

Logan Kelly, der eisenharte Banditenjäger! Der Mann, der unter dem Namen Sheriff Eisenfaust bei den Gesetzlosen in Arizona gehasst und gefürchtet war. Die Pflicht, die der Stern ihm auferlegte, war ihm oberstes Gesetz. Er würde keinen Unterschied machen zwischen Ringo Pearson, dem ehemaligen Cowboy der Babcock Ranch, oder irgendeinem anderen Desperado.

Glenn Trafford presste die Lippen zusammen und jagte in die Staubschleier hinein.