Radurlaub in Deutschland

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(HRSG.)

ARMIN HERB

DANIEL SIMON

RADURLAUB
IN DEUTSCHLAND

DIE SCHÖNSTEN

TOUREN VON

DER NORDSEE BIS

IN DIE ALPEN


INHALT

EINLEITUNGPlanung, Übernachtung, Erste Hilfe, Packliste

01OSTSEEKÜSTERund um die Schlei

02HANSESTÄDTEVon Hamburg nach Lübeck

03OSTFRIESLANDZwischen Dollart und Jadebusen

04MECKLENBURGER SEENPLATTEMüritz

05NIEDERSACHSENLüneburger Heide

06BRANDENBURGUckermark

07HARZZwischen Goslar und Stolberg

08RUHRGEBIETZwischen Dortmund und Duisburg

09SACHSEN Rundum Leipzig

10THÜRINGENSchiefergebirge

11EIFEL/HOHES VENNVon Aachen nach Trier

12RHÖNZwischen Bad Neustadt und Fulda

13RHEINLAND-PFALZRheinhessen

14SPESSARTZwischen Odenwald und Rhön

15SAARLANDZwischen Blies und Bostalsee

16FRANKENZwischen Rothenburg und Beilngries

17OBERPFALZRund um Neumarkt

18BAYERISCHER WALDDreiländereck

19SÜDOSTBAYERNVon Regensburg zum Wolfgangsee

20BADENOberrheintal

21OBERBAYERNZwischen München und Salzburg

22OSTALLGÄURund um Füssen

23OBERBAYERNZwischen Walchensee und Tegernsee

24ALLGÄUER ALPENZwischen Lech und Bodensee

25AMMERGAUER ALPENZwischen Lech und Loisach


Vom Leuchtturm bei Falshöft im hohen Norden Deutschlands …


… bis in den tiefsten Süden wie am oberbayerischen Walchensee findet jeder sein persönliches Tourenglück.

EINLEITUNG
RADURLAUB IN DEUTSCHLAND

Durch deutsche Lande zu radeln ist ein Genuss. Mit den Tipps in diesem Buch kann jeder seine Lieblingstour finden zwischen Ostsee und Allgäu.

Freizeitradler haben es gut in Deutschland. Kaum ein anderes Land bietet vergleichbar viele Fernradwege und Freizeitradrouten. Zurzeit stehen rund 50.000 Kilometer zur Verfügung. Kein Wunder, dass seit Jahren bei der Radreise-Analyse des ADFC mehr als 80 Prozent der Befragten angeben, dass sie am liebsten in Deutschland auf Tour gehen. Bei der Ausweisung von Radrouten wird auch stets darauf geachtet, dass gewisse Grundkriterien des ADFC eingehalten werden: von der durchgängigen Befahrbarkeit mit dem Fahrrad, auch mit dem Tandem oder Radanhänger, bis hin zu einer einheitlichen und durchgängigen Wegweisung, von einer möglichst geringen Belastung durch Kraftfahrzeugverkehr bis hin zu einer guten Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr.

Dass die Realität manchmal etwas anders aussieht, das wissen wir alle. Aber über unsere Freizeitrad-Infrastruktur können wir uns trotzdem nur wenig beklagen. Vor allem entlang der großen Flüsse wie Elbe, Donau, Rhein, Weser, Main, Mosel, Neckar usw. findet der Radreisende alles, was man so braucht, von der breiten, gut ausgebauten Fahrbahn über Service-Stationen bis zum speziellen Radfahrerhotel. Der Nachteil der exzellenten Infrastruktur: In der Hauptsaison kann es auf den populären Flussrouten auch ganz schön voll und rummelig sein, Hotelbetten sind dann lange im Voraus ausgebucht, das Radler-Café ist oft bis auf den letzten Platz besetzt.

Diese Situation war mit ein Grund, dass die MYBIKE-Autoren und -Fotografen andere interessante Routen inspizierten, weniger bekannte Radwege wählten oder sich ihre ganz persönliche Radreise mithilfe von Landkarten und Online-Routenplanern kreierten. So finden sich in diesem Buch attraktive Schnuppertouren für ein verlängertes Wochenende, z. B. im Alpenvorland südlich von München oder an der Schlei in Schleswig-Holstein, aber auch ausgeprägte Radreisen wie eine Woche lang durchs Saarland oder eine 330-Kilometer-Runde durch die Uckermark. Die Vielfalt des deutschen Radwegenetzes scheint nahezu unerschöpflich, und es kommen jedes Jahr noch neue Routen hinzu.

TOURENPLANUNG

Der Radroutenplaner Deutschland macht die Reiseplanung einfacher

Es funktioniert im Grunde genommen wie beim Auto-Navi: Start- und Zielort eingeben, und schon ermittelt der Rechner die passende Radroute, oft sogar mit mehreren Alternativen wie der schnellsten, der attraktivsten oder der naturnahsten Strecke. Zudem werden Fotostopps, Sehenswürdigkeiten, ÖPNV und Einkehrmöglichkeiten am Weg genannt. Die Infos lassen sich ausdrucken und der GPX-Track aufs Handy oder Outdoor-Navi laden. Bisher haben sich neun Bundesländer, vor allem im Süden der Republik, zum Radroutenplaner Deutschland zusammengetan. Für Teilbereiche gibt es auch Apps für die Routenplanung unterwegs.

www.radroutenplaner-deutschland.de



Historische Kulisse: Rothenburg ob der Tauber.

SCHÖNER SCHLAFEN

Unterkünfte für Radreisende und ihr Fahrrad

Fahrradurlauber haben es in Deutschland relativ leicht, ein passendes Quartier für sich und ihr Fahrrad zu finden. Unter der Vereinigung „Bett und Bike“ hat der ADFC fast 6.000 radfreundliche Unterkünfte für (fast) alle Ansprüche gelistet, vom Campingplatz über Jugendherbergen und Pensionen bis zu Hotels aller Niveaus. Dabei müssen alle Unterkünfte gewisse Kriterien erfüllen. Dazu zählen:

· abschließbare Fahrradgaragen

· die Bereitstellung von Landkarten und Tourenbüchern

· ein Raum zum Trocknen von Kleidung und Ausrüstung

· ein gesundes Sportlerfrühstück

· selbstverständlich muss auch die Übernachtung für nur eine Nacht möglich sein

www.bettundbike.de (Deutschland und Nachbarländer)

www.radsport-hotels.de (Europa)

www.radtouren.at (Österreich)

ERSTE-HILFE-SET FÜR RADTOUREN

Das sollte drin sein im möglichst wasserdichten Täschchen:

▪ 2 Verbandspäckchen (steril) mit nicht haftender Wundauflage

▪ 1 Rettungsdecke

▪ 1 Paar Einmalhandschuhe

▪ 1 Schere mit einem spitzen und einem stumpfen Ende

▪ 1 Splitter-Pinzette

▪ 1 kleine Rolle Leukoplast

▪ 2 größere sterile Pflaster mit nicht haftender (Alu-)Wundauflage

▪ 5 Pflasterstrips (z. B. Leukoplast oder Cutiplast)

▪ 1 Blatt Steristrips (Klammerpflaster)

ggf. noch ergänzen mit flüssigem Desinfektionsmittel (z. B. Octenisept), SAM-Splint + elastischer, selbstklebender Mittelzugbinde (sehr hilfreich bei Knochenbrüchen), Blasenpflaster (z. B. Compeed), Dreieckstuch, Signalpfeife

Da bei vielen Radlern der letzte Erste-Hilfe-Kurs lange zurückliegt, empfehlen wir zur Unterstützung kostenfreie Erste-Hilfe-Apps z. B. vom Roten Kreuz und ASB.


Deutschlands landschaftliche und kulturelle Vielfalt überrascht dabei selbst erfahrene Reiseradler immer wieder aufs Neue: lange Küstenabschnitte an Nordsee und Ostsee; ausgeprägte Seenlandschaften wie in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg; ebenes fahrradfreundliches Binnenland wie am Niederrhein und im Münsterland. Dazu waldreiches Mittelgebirge satt – vom Harz bis zum Schwarzwald, von der Eifel bis zum Bayerischen Wald. Nicht zu vergessen die sanft hügelige Bilderbuchlandschaft im Alpenvorland von Allgäu und Oberbayern. Und da mittlerweile das E-Bike auch längst die Radreisewelt erobert hat, kann (fast) jeder Tourenradler alle Strecken ohne Angst vor zu vielen Höhenmetern und Kilometern problemlos mit elektrischem Rückenwind erfahren.

 

MITFAHRER GESUCHT

Die ADFC-Mitradelzentrale bringt Urlaubsund Freizeitradfahrer zusammen

Wer radelt schon gern allein? Gemeinsam auf Tour oder auf Radreise zu gehen macht viel mehr Spaß. Aber wo bekomme ich einen geeigneten Mitradler her? Mithilfe der Website des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs geht das relativ unkompliziert. Über ein einfaches Formular kann jeder eine Anzeige nach Wunsch aufgeben, und das ganz ohne Registrierung. Man gibt die Region oder das Land an, in dem man Fahrrad fahren möchte, und macht Angaben beispielsweise zur Fahrgeschwindigkeit und zum gewünschten Reisetermin. Interessierte Radfahrer können die Anzeigen gezielt nach diesen Kriterien durchsuchen.

www.adfc-radtourismus.de/mitradelzentrale


PACKLISTE

Diese Teile gehören auf einer Radreise in jede Packtasche

AM RAD

▪ wasserdichte Packtaschen hinten

▪ Packsäcke in verschiedenen Größen

▪ ggf. Low-Rider-Taschen vorn

▪ Lenkertasche mit Kartenfach

▪ Fahrradschloss

▪ Drahtschloss für die Packtaschen

▪ Halterungen für Trinkflaschen

▪ Halterung für Smartphone/Navi

▪ ggf. Satteltasche für Werkzeug

▪ ggf. Wende-Klickpedale

RADBEKLEIDUNG

▪ 2 kurze oder ¾-lange Radhosen

▪ 2 Paar Funktionssocken

▪ 2 Funktionshemden (kurzarm)

▪ Funktionshemd (langarm)

▪ 2 Funktionsunterhemden

▪ gepolsterte Radunterhose

▪ Radtourenschuhe

▪ leichte Windjacke/Windweste

▪ Regenüberhose

▪ Regenjacke mit Kapuze

▪ Multifunktionstuch (Buff oder HAD)

▪ Radhandschuhe (kurz)

▪ Fahrradhelm

▪ Sportsonnenbrille (bruchsicher) bei kühler Witterung zusätzlich

▪ leichte Isolationsjacke

▪ wasserdichte Socken oder Überschuhe

▪ Unterhelmmütze

▪ Funktionsunterhose (lang)

▪ ggf. Knielinge + Armlinge

▪ Radhandschuhe (lang)

BEKLEIDUNG

▪ kurze Hose

▪ lange Hose

▪ 2 Paar Socken

▪ 3 Unterhosen

▪ Polohemd oder T-Shirt

▪ dünner Fleecepullover

▪ Langarmhemd/Bluse

▪ Schlafbekleidung

▪ Badehose/Badeanzug

▪ ein Paar Schuhe/Sandalen

▪ Schirmmütze

RADREISEAPOTHEKE

▪ Erste-Hilfe-Set

▪ Erste-Hilfe-App für Smartphone

▪ Pflaster + Stretchverband

▪ Insektenschutz

▪ Fieberthermometer

▪ Desinfektionsmittel

▪ Aspirin (oder Vergleichbares)

▪ Anti-Durchfall-Medikament

▪ Wund- und Heilsalbe

▪ Gesäßcreme

▪ Sonnencreme

WASCHBEUTEL

▪ Zahnpasta

▪ Zahnbürste

▪ Zahnseide

▪ kleines Duschgel/Shampoo

▪ Kamm/Bürste

▪ Nagel-Necessaire

▪ Papiertaschentücher

▪ Mikrofaser-Handtuch

WERKZEUGTÄSCHCHEN

▪ Ersatzschlauch

▪ 1 Paar Reifenheber

▪ Luftpumpe

▪ Flickzeug

▪ Multitool mit Kettennieter

▪ Kettenöl (kleines Fläschchen)

▪ Schmutzlappen

▪ Kettenschloss

▪ Kabelbinder (diverse Längen)

▪ Textilklebeband

▪ Ersatzbremsbeläge

▪ Taschenmesser/Leatherman

▪ Einmalhandschuhe

NAVIGATION/DOKUMENTE

▪ Personalausweis/Reisepass

▪ digitale Kopien von Dokumenten

▪ Bahncard

▪ Geld/EC-Karte/Kreditkarte

▪ Smartphone mit Ladegerät

▪ Radtourenkarten/Radreiseführer

▪ ggf. Navigationsgerät mit GPX-Tracks

▪ Ersatzakkus

SONSTIGES

▪ Kamera inkl. Ladegerät

▪ Speicherkarten

▪ Leicht-Rucksack (komprimierbar)

▪ ggf. Ersatzbrille/Lesebrille

▪ Kerze

▪ Stirnlampe

▪ Kugelschreiber/Bleistift

▪ Notizbuch mit Adressen


Schier endlose Obst- und Weingärten in Südbaden.

WEGEBESCHAFFENHEIT

Das gut ausgebaute Radwegenetz in Deutschland erlaubt es, weitgehend jenseits des normalen Autoverkehrs unterwegs zu sein. Die MYBIKE-Autoren haben bei ihrer Tourenplanung darauf geachtet, dass die Routen möglichst auf separaten Radwegen oder auf Wald- und Wirtschaftswegen verlaufen. Allerdings sind nicht alle Wege asphaltiert. Falls sich gewisse Abschnitte auf der Straße nicht vermeiden ließen, wurden möglichst verkehrsarme Straßen ausgewählt.

GPS-NAVIGATION

Immer mehr Radfahrer nutzen die Vorteile einer digitalen Tourenplanung mithilfe von Radroutenplanern im Internet (siehe Kasten). Für die geplante Strecke wird ein GPX-Track erzeugt, der dann auf ein spezielles GPS-Navigationsgerät oder in eine App im Smartphone (Komoot, Bikemap, Outdooractive u. a.) übertragen wird. Der Radler muss dann nur noch dem Pfeil auf dem Display folgen – fast wie beim Auto-Navi. Auch für dieses Buch haben die Autoren für alle beschriebenen Touren GPX-Tracks generiert. Diese Tracks kann man sich alle mithilfe des Webcodes (siehe Seite 160) auf der MYBIKE-Website herunterladen. Dann nur noch aufs Smartphone oder Outdoor-Navi übertragen, und schon kann es losgehen.

Viel Spaß auf der Tour – irgendwo zwischen Waterkant und Alpenrand!

FAHRRAD UND E-BIKE RICHTIG PACKEN

Weniger ist mehr

Selbst wenn ggf. der Elektromotor so manche Kraftanstrengung lindert, so beeinträchtigt jedes Kilo Gewicht das Fahr- und Bremsverhalten des Fahrrades und verringert beim E-Bike auch die Reichweite. Daher sollte man genau überlegen, was wirklich mitmuss.

Schwerpunkt tief halten

Wichtig für ein sicheres Fahrverhalten und bessere Straßenlage: Packen Sie schwere Sachen möglichst tief und mittig ans Rad. Platzieren Sie an Lenker und Sattelstütze nur leichtes Gepäck.

Zulässiges Gesamtgewicht einhalten

Halten Sie die Grenze für maximale Zuladung und maximales Gesamtgewicht unbedingt ein. (Die Werte sollten in der Bedienungsanleitung vermerkt sein.) Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Fachhändler oder den Hersteller.

01
OSTSEEKÜSTE
Rund um die Schlei
WUNDERBARE SCHLEI(CH)-WEGE

Weit im Norden Deutschlands lädt die Bilderbuchlandschaft der Schlei zu wunderschönen Touren. Der Ausblick reicht bis nach Dänemark.

TEXT: Sven Bremer

FOTOS: Henning Angerer

Mancher wähnt sich schon in Dänemark. Lakritzeis wie im Eiscafé in Kappeln gibt es sonst eigentlich nur bei den nördlichen Nachbarn. Dänische Hotdogs werden an jeder Ecke angeboten, und von Maasholm an der Schleimündung aus kann man die dänische Küste erkennen. Richtig „hyggelig“ ist es an der Schlei wie bei den Dänen drüben. Die Dörfer heißen Thumby, Brodersby oder Sieseby. Sieht aus wie Dänemark, hört sich an wie Dänemark – ist aber Deutschland. Und zwar ein sehr hübsches Stück Deutschland.

Rund 40 Kilometer hat sich die Schlei, Deutschlands längster Ostseefjord, ins Landesinnere gefressen. Entstanden ist diese Bilderbuchlandschaft in der jüngsten Eiszeit: Gletscherzungen formten ein Tal, Schmelzwasser wusch es aus, und schließlich füllte es sich mit Ostseewasser.

Vielen aus der Mitte und dem Süden Deutschlands gelten ja bereits die Menschen in Bremen und Hamburg als „Fischköppe“. Was will man da bloß über Kappeln sagen, noch mal zwei Autostunden nördlich von Hamburg gelegen, im äußersten Nordosten der Republik? Hier haben sie den letzten noch funktionierenden Heringszaun Europas, feiern alljährlich die Heringstage, halten eine Heringswette ab und küren dabei sogar noch eine Heringskönigin oder einen Heringskönig. Mehr „Fischkopp“ geht ja wohl nicht.

Ansonsten ist Kappeln ein idealer Ausgangspunkt für wunderschöne Radtouren. In der Nachbarschaft liegt Arnis, mit rund 300 Einwohnern nicht nur Deutschlands kleinste Stadt, sondern auch die mit den meisten Werften pro Einwohner. Der Ort besteht eigentlich nur aus einer langen Kopfsteinpflasterstraße, gesäumt von niedlichen Häuschen. Plötzlich dröhnt es gewaltig von einer der vier Werften herüber, so, als bräuchte es einen Beweis, dass hier wirklich noch gearbeitet wird. Gut, dass gerade die Fähre kommt, um uns hinüberzubringen nach Schwansen, in die Region südlich der Schlei.


Blickrichtung Dänemark: auf dem Radweg an der Geltinger Birk.


Gesäumt von Raps und Mohn: typischer Schlei(ch)-Weg.

Schon bald rollen wir direkt am Wasser entlang. Lärm machen hier nur ein paar Möwen, die Wellen plätschern sanft gegen das Ufer, und als die Sonne sich durch die Wolken bohrt, glitzert die Schlei wie eine Discokugel. Bisweilen führt der Radweg weg vom Wasser in die sanften Hügel. Auf den Feldern wiegt sich das Getreide, die Schlei ist eine windige Ecke. Mohn und Kornblumen blühen am Rand der Felder um die Wette, es duftet nach wilder Kamille. Immer wieder öffnet sich der Blick auf den Fjord, die Masten einiger Segelboote überragen das Schilf.

Bei Missunde nehmen wir die Fähre zurück auf die Halbinsel Angeln. Die Sträßchen, die sich durch das idyllische Bauernland schlängeln, sind von sogenannten Knicks gesäumt, uralten Wallhecken, die als Schutz gegen Wildtiere errichtet wurden, aber auch die steife Brise von der See abmildern sollen. So haben es die Angelner auch heute noch „hyggelig“ in den Gärten ihrer reetgedeckten Häuschen. Und wie es hier ansonsten so ausschaut, ist ja wohl klar: wie in Dänemark. So richtig verwunderlich ist das nicht so nah an der Grenze. Zudem wurde die Region, zumindest der nördliche Teil des heutigen Bundeslandes Schleswig-Holstein, über Jahrhunderte vom dänischen Königshaus regiert. Erst der Deutsch-Dänische Krieg im Jahr 1864 beendete die Herrschaft.

Die Geschichte der Angelner verbindet sich aber noch viel nachdrücklicher mit der Entstehung einer anderen europäischen Nation. Zahlreiche Angelner wanderten gemeinsam mit dem germanischen Volksstamm der Sachsen im fünften Jahrhundert ins damalige Britannien aus. Die Auswanderer vom Kontinent gewannen auf der Insel rasch an Einfluss und Macht, schon bald waren sie zur Volksgrupppe der Angelsachsen verschmolzen. Und so geht letztendlich der Name Englands auf diese kleine Halbinsel an der Schlei zurück.

 

Erkundungstour durch Maasholms Sportboothafen.


INFO 2 TAGESTOUREN

ANREISE

Auto Ab Hamburg gelangt man in knapp zwei Stunden ans Ziel. Man fährt entweder über die A 7 nach Schleswig und von dort aus auf der B 201 nach Kappeln oder via Kiel (B 404) und Eckernförde (B 76) auf der B 203 nach Kappeln.

Bahn Ab Hamburg mit dem Regionalzug/ICE nach Kiel, von dort mit dem Regionalexpress Richtung Flensburg, in Süderbrarup aussteigen. Die Busse nach Kappeln nehmen Räder nur mit, wenn Platz ist. Wer sichergehen will, bestellt ein Taxi (bei der Anreise mit eigenen Rädern ein Großraumtaxi). Die Kosten für die Strecke Süderbrarup–Kappeln liegen bei ca. 35 bis 40 Euro pro Strecke.

UNTERKUNFT

Pierspeicher Boutique Hotel Das 1936 erbaute backsteinerne Speichergebäude wurde 2006 zu einem empfehlenswerten Hotel umgebaut. Je höher im denkmalgeschützten Haus das Zimmer, desto besser der Ausblick über die Schlei. Am Hafen 19c, Kappeln, Tel. 04642/924780, www.pierspeicher.de

ESSEN & TRINKEN

Kappeln An der Hafenpromenade reiht sich ein Restaurant ans andere, Fischgerichte dominieren logischerweise die Speisekarten. Aber so wirklich zu empfehlen sind die meisten – außer der Alten Räucherei – erstaunlicherweise nicht. Am Hafen 16, Tel. 04642/5095, www.alte-raeucherei-kappeln.de

Beste Ware bekommt man in der traditionellen Aal- und Fischräucherei Föh, Dehnthof 28, Tel. 04642/2274, www.foeh.de

Auf der südlichen Seite der Kappelner Klappbrücke sitzt man nicht nur gemütlicher, das Essen im Restaurant Tauwerk-ASC des Arnisser Segelclubs ist auch richtig gut, egal ob Dorschfilet, Heringsteller oder Surf&Turf-Burger. Am Südhafen 4, Tel. 04642/2158, www.tauwerk-asc.de