Lost & Dark Places OberbayernText

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Kapitel 23: Manchmal findet man versteckt im Wald die Überreste von Gebäuden, deren Geschichte fesselnd ist.

Anne Dreesbach | Laura Bachmann

Lost & Dark Places
OBERBAYERN

33 vergessene, verlassene und

unheimliche Orte


Inhalt

Vorwort

Einleitung

1Am Ort eines rätselhaften Verbrechens

Ein brutaler Sechsfachmord bleibt bis heute unaufgeklärt

2Die Pestkapelle von Pollingsried

Spuk am Starnberger See?

3Der Rüstungsbunker Weingut I

Kein Vergeben, kein Vergessen – Konfrontation mit unserer Geschichte

4Murnauer Moos

Ein perfekter Ort für mystische Wanderungen

5Die Pumpwerk-Ruine

Ehemaliges Pumpwerk Maxkron (Penzberg)

6Die Weiße Frau vom Ebersberger Forst

Eine geisterhafte Beifahrerin treibt ihr Unwesen

7Vom einstigen Glanz blieb kaum etwas …

Die Villa des Malers Gabriel von Max

8Auf dem Galgenberg

Urteil gefällt: Tod durch Feuer!

9Memento mori

Lebenssinn und Vergänglichkeit auf dem Alten Kirchenfriedhof von Flintsbach St. Martin

10Zauberwald und Hintersee

Hinter den sieben Bergen …

11Alle Beweise vernichtet?

Das Nazi-U-Boot vom Ammersee

12Die letzten Zeugnisse

Alte Ziegelei Oberföhring

13Mystischer Kraftort

Die Drei-Bethen-Quelle im Mühltal bei Leutstetten

14Errichtet zum Gedenken an …?

Das rätselhafte Denkmal an der B2

15Teuflisches Altmühltal

Energieorte rund um Riedenburg

16Eagle’s Nest

Eine Geschichtsstunde mit Ausblick

17Verlassen, verfallen, vergessen?

Die Ruine der Burg Hohenburg

18Die Geisterklinik am Starnberger See

Spuk in bester Gesellschaft

19Gesamtwerk Natur und Bau

Eine Wanderung zur Turmruine St. Georg und St. Elisabeth

20Die Burg der Schwarzen Magie

Hexenprozesse in der Grafschaft Werdenfels

21Tod im See

Der bayerische Märchenkönig Ludwig II.

22Lebensträume und Visionen

Der Traum vom Kloster Wessobrunn unter der Tassilolinde

23Die ehemalige Sprengstofffabrik Fasan

Ein explosiver Ausflug nach Schwaben

24Der bayerische Robin Hood

Räuber (Mathias) Kneißl

25Am Königssee ohne Touristen

Die unbekannten Seiten des beliebten Ausflugziels

26Moderne Kultstätte?!

Opfersteine Schöngeising

27Feuer, Wasser, Luft

Die legendenhafte Kraft der Elemente an den Tatzelwurmer Wasserfällen

28Ein Blutbad der etwas anderen Art

Am Alatsee

29Eine Kultstätte im Wald

Die Keltenschanzen Holzhausen 1 und 2

30Pähler Schlucht

Zwischen verwunschenen Felswänden

31Graf Raths glänzende Gebeine

Wallfahrtskirche St. Rasso

32Der Watzmann

100 Tote und ein blutrünstiger König

33Hinterrücks erschossen

Der Volksheld und Wildschütz Georg Jennerwein

Bildnachweis

Register

Impressum


Kapitel 9: Santa Muerte im oberbayerischen Flintsbach


Kapitel 23: Vergänglichkeit und Verfall in Bobingen


Kapitel 6: Mystische Wälder laden zu aufregenden Entdeckungstouren ein.


Kapitel 23: In den Gängen einer einstigen Sprengstofffabrik

KAPITELÜBERBLICK

1Am Ort eines rätselhaften Verbrechens

2Die Pestkapelle von Pollingsried

3Der Rüstungsbunker Weingut I

4Murnauer Moos

5Die Pumpwerk-Ruine

6Die Weiße Frau vom Ebersberger Forst

7Vom einstigen Glanz blieb kaum etwas …

8Auf dem Galgenberg

9Memento mori

10Zauberwald und Hintersee

11Alle Beweise vernichtet?

12Die letzten Zeugnisse

13Mystischer Kraftort

 

14Errichtet zum Gedenken an …?

15Teuflisches Altmühltal

16Eagle’s Nest

17Verlassen, verfallen, vergessen?

18Die Geisterklinik am Starnberger See

19Gesamtwerk Natur und Bau

20Die Burg der Schwarzen Magie

21Tod im See

22Lebensträume und Visionen

23Die ehemalige Sprengstofffabrik Fasan

24Der bayerische Robin Hood

25Am Königssee ohne Touristen

26Moderne Kultstätte?!

27Feuer, Wasser, Luft

28Ein Blutbad der etwas anderen Art

29Eine Kultstätte im Wald

30Pähler Schlucht

31Graf Raths glänzende Gebeine

32Der Watzmann

33Hinterrücks erschossen


Kapitel 32: Verlassene Wanderrouten in den Berchtesgadener Alpen

Vorwort

Wir dürfen uns zwar sicher als erprobte Reiseführerautorinnen bezeichnen, die Arbeit an diesem Guide war allerdings etwas ganz Besonderes. Denn jetzt ging es mal nicht um die schönsten, beliebtesten und kitschigsten Ausflugsziele – hier durften wir uns auf ganz versteckte Pfade begeben und die verlassensten und düstersten Orte Oberbayerns zusammentragen!

Die Idee dazu lag eigentlich auf der Hand: Wir reisen unheimlich gern durch unsere Heimat und als Historikerinnen interessiert uns natürlich auch brennend die Geschichte der jeweiligen Orte, die wir besuchen. Die Erkenntnis, dass diese nicht nur immer äußerst spannend, sondern oftmals auch sehr schaurig ist, wollen wir hier gern mit den abenteuerlustigen Leserinnen und Lesern teilen.

Wir nehmen Sie mit auf eine Reise, die nicht nur die friedlichen Seiten des wunderschönen Oberbayerns erkundet. So führt sie uns beispielsweise ganz in den Norden des Regierungsbezirks, wo wir in Eichstätt einen Ort grausamer Hinrichtungen besuchen. Oder an den Starnberger See, der nicht nur die perfekte Kulisse für romantische Sommerabende bildet, sondern auch zahlreiche Geschichten über Tod, Verfall und Spuk zu erzählen weiß.

Mit bestem Wissen und Gewissen haben wir 33 Orte recherchiert, die Ihnen hoffentlich die Inspiration zu vielen aufregenden Ausflügen liefern, sodass Sie entweder eine ganz neue Seite Ihrer atemberaubenden Heimat erforschen oder Ihrem Urlaub in Oberbayern eine extra Portion Nervenkitzel verleihen können. Für tatkräftige Unterstützung und zahlreiche Tipps danken wir Eva, Isabel und Kathi von ganzem Herzen!

Drei der hier aufgeführten Orte liegen streng genommen in benachbarten Regierungsbezirken, aber wahre Entdecker lassen sich von ein paar Kilometern extra ja nicht aufhalten und wir versprechen: Es wird sich lohnen!

Jetzt bleibt uns nur noch, Ihnen viel Spaß beim Entdecken und Gruseln zu wünschen – mindestens so viel, wie wir beim Schreiben dieses Buchs hatten!

Anne Dreesbach und Laura Bachmann

Verhaltensregeln im Lost Place

1. Behandeln Sie die Orte mit Respekt

Jedes Bauwerk und jedes Gebäude erzählen eine Geschichte aus vergangenen Tagen. Dies gilt es zu schützen. Und auch wenn es teilweise nicht so aussieht, so hat doch jeder dieser Lost & Dark Places einen Eigentümer. Das sollte respektiert werden. Das beinhaltet vor allen Dingen, dass nichts zerstört oder gewaltsam geöffnet wird. Sind Fenster oder Türen verschlossen, sollte das auch so bleiben. Gehen Sie respektvoll mit dem Ort um – sei es eine Kultstätte im tiefsten Wald, eine baufällige Ruine oder eine prachtvolle Kirche.

2. Nehmen Sie nichts mit, lassen Sie nichts da

Wenn Sie etwas von einem Lost oder Dark Place mitnehmen, und sei es noch so klein, ist das Diebstahl. Wie bereits in Punkt 1 gesagt, alle diese Orte haben einen Eigentümer. Daher gilt die Regel: Alles bleibt, wie es ist – Sie möchten ja auch, dass andere Entdecker den Ort genauso schön vorfinden, wie Sie! Belassen Sie es bei den schönen Einblicken und Fotos, die Sie an dem Ort machen. Gleiches gilt auch umgekehrt: Lassen Sie nichts liegen. Keine Essensreste, keine Kaugummis, keine Kippenstummel.

3. Rauchen verboten

Das bringt uns zum nächsten Punkt: Rauchen verboten. Zollen Sie dem ehrwürdigen Ort Respekt und verzichten Sie für die Zeit, die Sie da sind, aufs Rauchen. Kippenstummel brauchen nicht nur 15 Jahre zum Verrotten (sie sollten übrigens nirgends achtlos weggeworfen werden), sondern können schnell ein Feuer verursachen.

4. Keine Graffitis

Dass Sie nichts hinterlassen sollen, gilt auch für Kunstwerke an den Wänden. Man sprüht einfach nicht auf fremdes Eigentum, sei es noch so schön. Lassen Sie die Wände, wie sie sind, sodass auch noch Menschen nach Ihnen den Ort so erleben können, wie er früher einmal war.

5. Seien Sie vorsichtig

Vorsicht ist besser als Nachsicht. Das gilt vor allem bei Lost Places oder Orten, die von rauer Natur umgeben sind. Marodes Holz, verrostete Geländer, einsturzgefährdete Decken, lockere Böden (teilweise befinden sich noch Kellergeschosse darunter), eingeschlagene Fenster – die Liste der Gefahren an solchen Orten ist lang. Auch Schluchten, Steilhänge im Wald oder die Tiefe eines Sees können gefährlich werden. Seien Sie daher immer wachsam. Begeben Sie sich niemals in Gefahr für das eine Foto. Das ist es nicht wert. Treppen und obere Etagen sind eine gängige Gefahrenquelle. Schauen Sie sich deshalb den Zustand der Treppe und der Decke in Gebäuden genau an. Nehmen Sie auch eine Taschenlampe für dunkle Räume und Keller mit.

6. Gehen Sie nicht allein

Es ist ratsam, immer mindestens zu zweit, besser noch zu dritt einen Lost Place zu besuchen. Da gilt die alte Regel: Ist eine Person verletzt, bleibt die zweite vor Ort und die dritte holt Hilfe. Zudem weiß man nie, wen man vor Ort trifft. Plünderer, Spinner und besoffene Jugendliche sind auch oft in Lost Places anzutreffen. Da ist es beruhigender, nicht allein unterwegs zu sein.

7. Erregen Sie kein Aufsehen

Da die Lost Places in Privatbesitz sind, gilt auch hier »Betreten verboten«. Auch, wenn das Tor angelweit aufsteht oder ein riesiges Loch im Zaun klafft. Ebenso ist es ratsam, sein Auto nicht direkt vor dem Gelände zu parken. Schauen Sie beim Betreten des Geländes auch immer, dass niemand Sie sieht.

Ausrüstung

Wir empfehlen Folgendes:

•Festes Schuhwerk, hohe Socken (Schutz vor Zecken)

•Reißfeste Kleidung, ggf. leichte Regenjacke

•Kamera inkl. Zusatzakku, Speicherkarten, Stativ

•Proviant und Getränke (nehmen Sie aber alles wieder mit)

•Kopf- oder Stirnlampe für freie Hände

•Taschenlampe mit weitem Winkel für Keller und dunkle Räume

•Taschenmesser

•Aufgeladenes Handy (ggf. Powerbank)

•Notizblock und Stift

•Pflaster und Taschentücher für Verletzungen

•Mücken- und Zeckenspray


Kapitel 10: Ein düsterer Morgen am sonst so idyllisch wirkenden Hintersee


Kapitel 28 Sind es Nebelschwaden oder vielleicht doch Geister, die auf dem Alatsee schweben?

1 Am Ort eines rätselhaften Verbrechens
Ein brutaler Sechsfachmord bleibt bis heute unaufgeklärt

Vor 100 Jahren befand sich hier nicht nur landwirtschaftliche Nutzfläche, sondern auch ein Hof, auf dem sich eine furchtbare Bluttat ereignete.

Gröbern, Waidhofen, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, Oberbayern Ort 86579 Waidhofen GPS 48.593215, 11.319441 Anfahrt Mit dem Auto auf der A9, Ausfahrt Langenbruck, dann weiter auf der B300 bis Waidhofen

Ein grauenerregendes Verbrechen kündigt sich an Auf den Feldern südwestlich des beschaulichen Örtchens Gröbern (Waidhofen) im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen erinnert heute nur noch ein Marterl daran, dass hier einst ein Einödhof stand. Der offiziell namenlose Hof befand sich hinter dem Hof »Kaifeck«, weshalb er im Volksmund bis heute den Namen »Hinterkaifeck« trägt. Traurige Bekanntheit erlangte das 1863 errichtete Gehöft durch einen brutalen Mord, der sich dort in einer eisigen Frühjahrsnacht im Jahr 1922 ereignete und eine ganze Familie auslöschte. Auf dem Hof wohnten das Bauernehepaar Andreas und Cäzilia Gruber, deren verwitwete Tochter Viktoria Gabriel, ihre beiden Kinder Cäzilia und Josef sowie die Magd Maria Baumgartner. Bereits Tage vor der Tat wurden auf und um den Hof seltsame Beobachtungen gemacht: So fand man zum Beispiel in der Nähe eine Münchener Zeitung, die kein Bewohner des Ortes abonniert hatte – waren also Fremde um den Hof geschlichen, um ihn auszuspähen, und haben sie dabei die Zeitung verloren? Zudem entdeckte Bauer Gruber Fußspuren im Schnee, die zu seinem Hof führten, jedoch nicht mehr von ihm weg – sind der oder die Täter bereits Tage zuvor in den Hof eingedrungen und hielten sich dort versteckt? Dies würde zumindest erklären, warum ein Rind losgebunden wurde, das Schloss einer Hütte aufgebrochen war und man Schritte vom Dachboden her vernehmen konnte. Bauer Gruber fand allerdings trotz einer gründlichen Suche keinen Eindringling und lehnte Hilfe von außen vehement ab – ein fataler Fehler, denn er und seine Familie befanden sich wohl bereits in größter Gefahr!


Die sterblichen Überreste der Grubers wurden auf dem Friedhof in Gröbern beigesetzt.

Die Schreckensnacht Über den genauen Ablauf der Ereignisse in der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 kann man nur mutmaßen. Irgendetwas muss die Bewohner des Hofes dazu bewegt haben, das Wohnhaus mitten in der Nacht zu verlassen und den Stadel zu betreten. Dort wurden Viktoria Gabriel, ihre Eltern sowie ihre siebenjährige Tochter Cäzilia mit einer Reuthaue erschlagen. Sie erlagen – nach qualvollem Todeskampf – ihren schweren Kopfverletzungen. Die Magd und der zweijährige Josef waren wohl im Haus gelblieben, konnten sich vor dem grausamen Mörder allerdings nicht retten: Beide wurden auf dieselbe bestialische Art und Weise ermordet. Es dauerte vier Tage, bis der Mord entdeckt wurde. Zwar wurde die kleine Cäzilia am nächsten Tag in der Schule vermisst und die gesamte Familie am Tag darauf im sonntäglichen Gottesdienst, jedoch schickte Ortsvorsteher Schlittenbauer erst nach zwei weiteren Tagen und erneuten Berichten über den totenstillen Hof seine beiden Söhne dorthin, um nach dem Rechten zu sehen. Die Jungen entdeckten dann die Leichen der Hofbewohner. Allerdings waren diese abgedeckt, und einige Hinweise deuteten darauf hin, dass der oder die Mörder sich noch eine gewisse Zeit auf dem Hof aufhielt(en): Das Vieh war versorgt und die Vorräte waren aufgebraucht.

 

Eine grausame Tat löschte die ganze Bauernfamilie aus.

Die Ermittlungen laufen ins Leere Die grausame Tat erschütterte den ganzen Ort und selbstverständlich wurden die Ermittlungen umgehend und mit Hochdruck eingeleitet. Zunächst stand als Motiv Raubmord im Raum, allerdings wurden viele Wertgegenstände und auch Bargeld von dem oder den Tätern zurückgelassen. Und mussten wegen etwas Geld wirklich sechs Personen sterben, darunter ein Kleinkind im Alter von zwei Jahren? Die Familie Gruber war wohl in der Tat relativ wohlhabend, und sie war bei den Dorfbewohnern recht unbeliebt, da sie im Allgemeinen als geizig galt, sehr zurückgezogen lebte und ein schwerer Vorwurf der Blutschande im Raum stand – angeblich hatte der Vater eine inzestuöse Beziehung zu seiner Tochter Viktoria. Da wundert es nicht, dass die Polizei im Lauf der Zeit 100 Verdächtige präsentieren konnte. In den Fokus der Ermittlungen rückte beispielsweise Karl Gabriel, Viktorias Ehemann, der angeblich im Ersten Weltkrieg gefallen war – hatte er etwa doch überlebt und mitbekommen, dass er von seiner Frau nicht mehr gebraucht wurde, und hat er seine Ehre gerächt? Dann war da noch der Ortsvorsteher Lorenz Schlittenbauer, der ebenfalls ein Verhältnis mit Viktoria gehabt haben soll und offiziell als Vater des kleinen Josef galt – hatte er herausgefunden, dass Viktoria nie ganz zu ihm kommen sollte und sein vermeintlicher Sohn das Produkt des Inzests war? Nicht zu vergessen Josef Bärtl, ein geisteskranker Bäcker aus der Gegend, der im Jahr zuvor aus einer Anstalt geflohen und seither nie wieder aufgetaucht war. Aber egal wie viele Verdächtige man unter die Lupe nahm und egal welche Theorien man noch verfolgte, der Mord von Hinterkaifeck konnte nie geklärt werden. Selbst nachdem 100 000 Mark Belohnung ausgesetzt und spiritistische Sitzungen mit einem Medium abgehalten worden waren, blieb die Wahrheit bis heute im Dunkeln.


Mit einer solchen Hacke wurden die ahnungslosen Opfer erschlagen.

Bis heute ungelöst Bald jährt sich das schreckliche Ereignis zum hundertsten Mal und auch wenn der Fall in den 1950ern bereits abgeschlossen wurde, löst der Mord immer noch große Faszination aus. Auch 15 angehende Kriminalbeamte der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege nahmen sich vor ein paar Jahren noch einmal des Themas an und schrieben darüber ihre Studienabschlussarbeit. In der Schlussbemerkung dieses Berichts, der für die Öffentlichkeit online einsehbar ist, heißt es, die Mitwirkenden seien sich unabhängig voneinander schnell einig gewesen, wer der Täter gewesen sein müsse. Den Namen hielten sie zum Schutz eventueller Nachfahren unter Verschluss. So bleibt uns nichts anderes, als selbst an den Ort des Geschehens zu fahren, das Grab der Familie und das Marterl aufzusuchen, uns in die tragische Geschichte hineinzuversetzen und unsere eigene Wahrheit herauszufinden.

Das besondere Erlebnis

In den Wintermonaten werden vom Gasthof Bogenrieder in Waidhofen Führungen zum Tatort angeboten. Diese bestehen aus einer kleinen Wanderung mit Laternen – denn natürlich findet das alles im Dunkeln statt, um die richtige Stimmung zu erzeugen –, zahlreichen Infos von Experten, die die Tour begleiten, und einem leckeren Mehrgänge-Menü im Gasthof. Das Ganze ist zwar nichts für schwache Nerven, aber für jeden Hobbyermittler ein Muss!


Den Hof gibt es schon lange nicht mehr – heute erinnert an selber Stelle ein Mahnmal an seine einstigen Bewohner.

2 Die Pestkapelle von Pollingsried
Spuk am Starnberger See?

Das einsame Gotteshaus, umgeben von schaurigen Brunnen, lädt als Ziel eines schaurig-schönen Spaziergangs zum Gruseln ein.

Pollingsried, Seeshaupt, Landkreis Weilheim-Schongau, Oberbayern Ort 82402 Seeshaupt GPS 47.794538, 11.268305 Anfahrt Mit dem Auto auf der A95, Ausfahrt Seeshaupt, weiter auf St.-Heinricher-Straße, Bahnhofstraße und Hohenberger Str. bis zum Wanderparkplatz zur Pollingsrieder Pestkapelle

Schauerromantik in Bayern Versteckt im Lauterbacher Wald südwestlich des Starnberger Sees liegt die Pollingsrieder Kapelle. Pollingsried ist einer von 18 Gemeindeteilen von Seeshaupt im Landkreis Weilheim-Schongau und besteht tatsächlich nur aus besagtem Gotteshäuschen und fünf Brunnen, die in der unmittelbaren Umgebung zu finden sind. Was zunächst unspektakulär klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Ort, an dem sich gleich mehrere Ereignisse zugetragen haben sollen, die man eher bei Bram Stoker und Sir Arthur Conan Doyle anstatt in der oberbayerischen Idylle erwarten würde. Es beginnt schon bei der Anordnung der Brunnen, die verschiedenste Überlieferungen als Pentagramm beschreiben, das durch den sogenannten unterirdischen Teufelsbrunnen komplettiert wird. Aber wovor wollten die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner der Gegend sich schützen, hält ein Pentagramm doch das Böse fern und Dämonen in Schach? Selbst der mächtige Mephisto muss sich in Goethes Faust diesem Symbol geschlagen geben. Und zu welchem Zweck wurde der Teufelsbrunnen direkt unter der Kapelle errichtet? Fragen, über die man besser nicht allzu lange nachdenkt.

Ein schwarzer Hund und der schwarze Tod Auch die Geschehnisse, denen Kapelle und Brunnen als Schauplätze und stumme Zeugen dienen, sind allesamt schauriger Natur. Im Jahr 1625 beispielsweise soll dort ein junges Mädchen einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen und anschließend in einem der Brunnen »entsorgt« worden sein. Der Täter konnte jedoch nicht ahnen, dass sein Tod schon wenige Tage später gerächt werden würde, und zwar von einem großen schwarzen Hund, dem treuen Gefährten des Mädchens. Dieser positionierte sich so lange heulend vor dem Brunnen, in dem der leblose Körper seiner Besitzerin lag, bis er den Täter erneut zu Gesicht bekam: Es war der Pfarrer auf dem Weg zur Kapelle, die er nun aber nicht mehr erreichte, da ihm der Hund vorher an die Kehle sprang. Wohl um sein Gewissen zu erleichtern, beichtete der Geistliche den Mord nur wenige Augenblicke vor seinem Tod, und das grausame Verbrechen konnte aufgeklärt werden. Das Mädchen ist allerdings nicht der einzige Mensch, dessen letzte Ruhestätte der Brunnen ist. Auch etliche Opfer der Pest soll man dort hineingeworfen haben, als der Schwarze Tod in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts besonders stark in der Region wütete. Es ist die Rede von so vielen Leichen, dass sie den Brunnen quasi zum Überlaufen brachten, sodass man letzten Endes doch dazu überging, die Toten um die Kapelle herum zu vergraben.

Auf den ersten Blick macht das kleine Gotteshaus einen friedlichen Eindruck, aber dieser täuscht …

Alles nur Märchen? Diese beiden Geschichten sind wohl die bekanntesten, die sich um die Pollingsrieder Kapelle und ihre fünf Brunnen ranken. Und ja, es sind tatsächlich nur Geschichten, auch wenn sie durchaus ihren Reiz haben und sich der ein oder andere fragt, ob sie nicht vielleicht doch ein Fünkchen Wahrheit enthalten könnten. Die Fakten sprechen jedoch (leider) eine andere Sprache: Die fünf Brunnen sind bei genauer Betrachtung nur vier, für die Existenz des Teufelsbrunnens konnten bisher keinerlei Beweise gefunden werden, genauso wenig für etwaige Pestopfer, die dort in großer Zahl versenkt worden sein sollen. Und um in der Form der Brunnen jetzt noch ein Pentagramm erkennen zu können, braucht es doch sehr viel Fantasie. Ein Ausflug zur Kapelle von Pollingsried lohnt sich aber auf jeden Fall, denn zu besagten Geschichten kommt noch eine spannende Geschichte des Ortes hinzu: Das Gebäude wurde bereits 1162 urkundlich erwähnt. Und natürlich gab es vor einigen Jahrhunderten auch Bewohnerinnen und Bewohner in der Gegend, insgesamt standen dort sechs Höfe, die sich weitestgehend im Besitz des Klosters Polling befanden. Im Zuge der Säkularisierung wurden die Anwohner nach 1803 allerdings umgesiedelt, die Häuser abgetragen und das Gebiet aufgeforstet, sodass heute nur noch ein Hof in einiger Entfernung übrig ist. Das erklärt aber, wieso die Kapelle aus heutiger Sicht so abgelegen scheint: Es gibt sie schlicht und ergreifend schon länger als den Wald, der sie mittlerweile versteckt. Und wer weiß, vielleicht ist an den ganzen Mythen doch irgendwas dran?

Das besondere Erlebnis

Um den Geschichten, die sich um die Kapelle ranken, mal genau auf den Grund zu gehen, sollte man einen ausgedehnten Spaziergang dorthin unternehmen. Und das am besten nachts – da sind nämlich nicht nur alle Katzen grau, sondern auch alle verlassenen Orte im Wald besonders gruselig!