Single – träumen, erleben, genießen

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Anna Bridgwater

Single
Träumen, Erleben, Genießen

Aus dem Dänischen von Kirsten Krause

Saga

Single – träumen, erleben, genießen

Aus dem Dänischen von Kirsten Krause

Originaltitel: Lyst – en kvindes intime bekendelser © 2015 Anna Bridgwater

Alle Rechte der Ebookausgabe: © 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen

All rights reserved

ISBN: 9788711472828

1. Ebook-Auflage, 2016

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt und Ringhof und Autors nicht gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com – a part of Egmont, www.egmont.com

Ich will die Geschichte meines Lebens erzählen. Jedenfalls von einem Teil meines Lebens. Einem Teil meines Lebens, der ich bin, der aber verborgen ist. Mein Sexleben. Dafür bin ich geschaffen. Das ist das, was ich kann.

Es ist Mittsommer in Kopenhagen. Ich bin fünfundzwanzig. In meiner Nachbarschaft ist die Luft dick von gelblichem Staub von den Fußwegen rund um die Seen. Die Firma, für die ich arbeite, veranstaltet ein Sommerfest. Ich ziehe ein enges, schwarzes Kleid mit großen Blumen an. Ich liebe dieses Kleid. Ich liebe es, wie ich darin aussehe. Ich bin schlank, habe lange, dunkle Haare, meine Brüste sind straff. Ich bin Kettenraucherin und innerlich unsicher wie eine Fünfzehnjährige, aber meine eigene Unsicherheit reizt mich. Ich fummle darin rum, fordere sie heraus, wie einen Mückenstich, den zu kratzen ich nicht lassen kann.

Ich gehe zu dem Fest. Ein gewöhnliches Fest mit Abendessen, Drinks, Bier, Zigaretten und danach in die Kneipe. Der Abend ist warm und trocken und ich stolziere in meinen hohen schwarzen Wildledersandalen und dem engen Kleid umher. Das, was ich erzählen will, ist, dass ich einen Kollegen mit nach Hause nehme. Er ist verheiratet, ich bin Single. Er ist groß, sehnig, hat ein Gesicht voller Sommersprossen und eine dunkle, weiche Stimme und ich bin scharf auf ihn. Er macht mich geil. Ich will, dass er auf mir liegt in meinem Doppelbett mit dem massivem Kopfende aus dunklem Holz. Ich will seine Hüften und seinen harten Brustkorb auf mir spüren und seine langen weißen Finger sollen meinen Körper berühren. Er soll mich küssen, meinen Hinterkopf umfassen und mich begehren. Er soll meine Knöchel und Kniekehlen und Achselhöhlen lecken.

Die Nacht ist hell und die Wände in meinem Zimmer sind grün gestrichen, so dass es ist, als ob man unter Wasser oder in einem Aquarium wäre. Er schmeckt salzig mit einer etwas bitteren Note. Ich zeige ihm meine hellbraunen Brustwarzen und biete ihm an, sie abzulecken. Mein eigener Duft wird stärker und übertönt seinen. Seine Oberschenkel sind genauso blass wie seine Hände und ganz fest. An seinem Hinterkopf ist ein kleiner, kahler Fleck, den ich sehen kann, wenn er sich auf mich legt. Dieser kahle Fleck weckt Fürsorge in mir, und ich ziehe seinen Kopf nach unten neben meinen eigenen, so dass wir Wange an Wange liegen und ich ihn sanft mit meinen Zähnen am Ohrläppchen ziehen kann. Die Sommersprossen in seinem Gesicht setzen sich über dem Brustkorb in einer dünnen Schicht fort. Ich habe nie einen so perfekten und hellen Körper wie seinen gesehen. Ich bin fasziniert und auch ein bisschen abgestoßen, weil es ist, als ob die helle Haut feucht wäre, als ob jemand Milch auf einem Tisch verschüttet hätte, ohne sie ganz aufzuwischen.

Ich finde, dass es mich nichts angeht, dass seine Haut feucht ist, und mache damit weiter, seinen Körper zu benutzen oder zu berühren, ihn zu spüren und mich an ihn zu pressen, bis er mich spürt. Ich will, dass er viele Stunden in meinem Bett bleibt, und hole Wasser und Wein und Zigaretten. Darin bin ich gut. Diese Art Mensch zu sein, das hab ich drauf.

Ich will keinen Anstoß erregen oder verurteilt werden, wenn ich das hier erzähle. Ich will erzählen, wie es ist, ich zu sein, aber ich fürchte zurückgewiesen oder wegerklärt zu werden. Ich weiß, was andere über solche wie mich sagen: „Sie war sicher auch als Teenager wild.“ Als ob mein heimliches Leben als Erwachsene damit abgetan werden könnte, dass ich die Pubertät nie hinter mir gelassen hätte. Oder: „Ja, bei der Erziehung ist es nicht verwunderlich, dass sie rastlos geworden ist.“ Diese vereinfachten Erklärungen taugen nichts, und in meiner Kindheit ist nicht besonders viel falsch gelaufen. Ich habe das Leben gewählt, das ich jetzt lebe, obwohl ich weiß, dass natürlich viel mehr als das Hier und Jetzt auf dem Spiel steht. Aber es ist das Hier und Jetzt, was wichtig ist. Das Heute ist es, was mich erfüllt, nicht Dinge, die vor vielen Jahren passiert sind oder in der Zukunft passieren werden.

Ich weiß, dass viele sofort anfangen, Vergleiche zu ihrem eigenen Leben anzustellen. Sie wollen mir gerne erzählen, dass sie nicht im Traum ihre Ehe für einen Abend Spaß aufs Spiel setzen würden. Aber ich weiß ja genau, dass andere nicht wie ich sind. Das müssen die mir nicht erzählen. „Ich könnte ja nicht beruflich eine Woche nach Hongkong fliegen, das würde den Kindern schaden“, sagt eine Freundin vielleicht. Jedes Mal, wenn das passiert, werde ich ein bisschen weniger. Ich verkrampfe innerlich. Es ist, als ob die anderen urteilen und ein bisschen von dem, was ich bin, ablehnen. Aber ich bin nicht wie sie. Ich bin nicht sie. Ich glaube nicht, dass es viele gibt, die wie ich sind. Aber ich weiß es nicht, denn darüber sprechen wir nicht. Deswegen will ich von meinem Leben erzählen. Es ist sonderbar einsam, ein heimliches Leben zu haben, das niemand kennt. Außerdem ist meine Erzählung eine Art Versicherung: Ich denke ab und zu darüber nach, was passiert, wenn es schief geht. Es gibt viele Stunden in meinem Leben, in denen niemand weiß, wo ich bin oder was ich tue. Manchmal habe ich Erlebnisse, die so flüchtig sind, dass sie beinahe anonym sind.

Aber vielleicht treffe ich eines Tages einen Mann, der nicht so ist, wie ich glaube. Vielleicht versagt meine Urteilsfähigkeit. Vielleicht passiert ein Unglück. Vielleicht bin eines Tages ich diejenige, die mit entblößtem Unterleib und zerrissener Kleidung in einer Dünenkuhle an einem Strand liegt. Wenn das passiert, ist es wichtig, dass es ein Zeugnis von dem verborgenen Teil meines Lebens gibt.

Heute bin ich vierzig, verheiratet und habe eine Karriere. Es gibt da einen Mann bei meiner Arbeit. Magnus. Ein bisschen jünger als ich. Auf eine konventionelle Art anziehend und sehr durchtrainiert. Fähig in seinem Job, ohne hervorragend zu sein. Führungskraft auf mittlerer Ebene, ein bisschen faul, aber angenehme Gesellschaft. Aufmerksam und unterhaltsam. Und er ist scharf auf mich. Das habe ich jedes Mal, wenn wir zusammen bei einem Seminar oder einer Messe oder einem Teambuilding waren, gemerkt. Er hilft mir in meinen Mantel und streift dabei meinen Nacken mit dem Daumen. Oder er legt seine Hand auf mein Kreuz, wenn wir am Mittagsbuffet stehen, als ob er mich galant zu den Schüsseln mit Presswurst und Tomatensalat geleitet. Aber seine Finger gleiten so weit mein Rückgrat hinunter, dass ich weiß, dass es eine Liebkosung ist. Ich antworte ihm, indem ich zu dicht bei ihm stehe und meine Hüfte gegen seine drücke. Ich kann spüren, dass er zurückdrückt und sein Fleisch unter der dunklen Hose fest ist. Einige Sekunden stehen wir völlig unbeweglich vor den Salatschüsseln, bis sich die Muskeln entspannen und die Berührung aufgehoben wird. Mir wurden die Augen für die Möglichkeiten geöffnet, die er enthält. Ich liebe es zu küssen, einen neuen Körper zu kosten, zu erforschen und zu spüren. Ich bin auf einer neuen Mission. Einer neuen Entdeckungsreise.

Eine Woche vergeht, bis sich die Möglichkeit ergibt, dass wir weitermachen können. Meine Abteilung hat den anderen Abteilungen die Halbjahresresultate präsentiert. Die Ergebnisse sind gut und wir servieren Sekt und anschließend Obst. Nicht viel, aber es ist Spätnachmittag, alle sind müde und die meisten kriegen rote Wangen und einen verschleierten Blick. Aber ich bin konzentriert. Ich weiß, dass er mich beobachtet, während er sich mit seinem Chef über ein IT-Problem unterhält. Ich sehe ihn nicht an, während ich aufräume, die benutzten Plastikbecher staple und Papier einsammle. Ich halte meinen Blick mit Absicht auf den Tisch gerichtet. Aber dann, die Hände voller leerer Flaschen, schaue ich hoch und sage zu ihm: „Die hier müssen in die Küche. Nimmst du welche?“

Ich gehe mit nach unten in die Küche. Die Flaschen stelle ich auf den Boden, dann lehne ich die Hüfte gegen den Küchentisch und warte. Ich muss nicht lange warten. Er kommt in die Küche, in jeder Hand eine leere Flasche. Er stellt sie weg, wendet sich mir zu und kommt ganz dicht zu mir. Fährt mit der Hand durch mein Haar, liebkost meinen Nacken und öffnet den Reißverschluss meines Kleides. Er legt seine Hand auf meinen Rücken und seine Haut verbrennt meine. Ich kann seinen Atem an meiner Wange spüren und mit seiner freien Hand nimmt er mein Kinn und dreht mein Gesicht zu seinem. Ich hefte den Blick auf seine Lippen und dann küssen wir uns. Es ist ein guter Kuss, untersuchend und zärtlich mit einem humorvollen Unterton. Wir knabbern uns an den Lippen, küssen mehr, und die ganze Zeit arbeitet sich seine Hand meinen Rücken hinunter. Ich registriere, dass die Eingangstür zugeknallt wird. Und dann ist die Stille so total, wie sie es nur in ganz leeren Räumen sein kann.

Wir haben es eiliger, er zieht seine Hand von meinem Rücken weg und greift unter mein Kleid, um meine Strumpfhose runterzuschieben. Verschämt denke ich an die Fettrolle, die sich über dem Gummiband wölbt und automatisch schubse ich seine Hand weg, um die Strumpfhose selbst runterzuziehen. Aber er besteht darauf, streift meine Unterwäsche ab und greift zwischen meine Schenkel. Das Blut rauscht in meinem Körper, ich bin flammend heiß und lechze nach ihm. Mit der Hand hinter meinem Rücken fummle ich an seinem Gürtel und Reißverschluss, öffne seine Hose und spüre seinen harten Schwanz durch den Stoff der Unterhose.

 

Was soll ich sagen? Viele haben wohl an irgendeinem Arbeitsplatz probiert, Sex im Stehen zu haben: Eine sonderbare Kombination aus ungeschicktem Fummeln und einer begeisterten, gierigen Suche nach Freude beim anderen. Er nimmt mich von vorne, dann leckt er mich, bis ich komme, während ich auf der Kante des Küchentischs sitze, den einen Fuß gegen den Kühlschrank gestützt. Dann dreht er mich um und nimmt mich von hinten mit kurzen, heftigen Stößen gegen den Küchentisch, auf den ich mich stütze, mit dem Gesicht gegen die Spüle und meinen eigenen verschwitzten Haarsträhnen in den Augen.

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