Fantasie ‒ eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 4

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Aus der Reihe: LUST #4
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Anna Bridgwater

Fantasie
– Eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 4

LUST

Fantasie – eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 4

Aus dem Dänischem von Mareike Zoege nach

Copyright © 2017, 2018 Anna Bridgwater und LUST

All rights reserved

ISBN: 9788711970911

1. Ebook-Auflage, 2018

Format: EPUB 3.0

Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit LUST und den Autoren gestattet.

Manchmal ergreift mich mein Begehren derart, dass ich Angst habe, es ist mir mitten ins Gesicht geschrieben. Noch Monate nach meiner Affäre mit Karl brachte ich viele Stunden damit zu mir auszumalen, wie er über meine Nylonstrumpfhose strich, die Konturen meiner Muskeln mit den Fingern nachzeichnete und die Hand weiter hoch unter den Rock wandern lies, bis zu meiner Taille. In meiner Phantasie stellte ich mir vor, wie er den dunklen Hohlraum hinter meinen Knien untersuchte und spürte meine Wangen heiß werden. Ob auf Elternabenden, in der Kantine auf der Arbeit oder zu Hause in der Küche – mein Gehirn war wie besessen von einem Mann, der mit keinem dieser Orte zusammen gehörte. Ein Liebhaber, den ich allzu lang nicht gesehen hatte.

„Eine rollende Lawine ist mein Leib.“ So lautet eine Strophe in einem Gedicht, das ich in der Schule gelesen hatte. Den Namen des Dichters habe ich vergessen, aber es drückt ein Gefühl aus, das ich in dieser Zeit hatte. Ich musste mir einfach eingestehen, dass der Mann, der diese Lawine ausgelöst hatte, nicht der Mann war, mit dem ich zusammen lebte und bei dessen Körper ich nachts lag.

Trotzdem war mein Mann, Rune, weiterhin eine Quelle von Begehren und Lust. Die eine Art von Begehren, die so intensiv meinen Körper durchströmte, wurde vom Traum entfacht, einen neuen Mann zu erforschen. Die andere Art von Begehren wuchs aus dem geborgenen, wohlbekannten Alltag mit dem Mann, mit dem ich verheiratet war. Rune. An einem Abend lag ich im Bett und las, als er ins Schlafzimmer kam. Die einzige Lichtquelle war der gelbe Schein meiner Leselampe. In dem fast gänzlich dunklen Raum legte er sich neben mich, stützte sich auf einen Ellenbogen und zog mein Nachthemd bis über die Brüste hoch.

Ein paar Minuten lang lag er da und sah mich an, dann beugte er sich über mich und küsste meinen Bauch. Er betrachtete meinen Körper. Sein Blick folgte den Konturen der Hüfte und der Brüste. Mein Blick folgte seinem und auch ich betrachtete meinen Körper, die weiche Haut meines Bauches und den halb durchsichtigen, schwarzen Slip. Ich legte eine Hand über die Erhöhung des Venusberges, wo die Schamhaare sich gegen den dünnen Stoff pressten. Mein Geschlecht war verborgen, aber im Zentrum aller Aufmerksamkeit.

Als ich jünger war, nahm ich mein Geschlecht als eine Spalte war. Das war es, was ich sehen konnte, wenn ich auf dem Weg in die Badewanne war und mich selbst im Badezimmerspiegel betrachtete. Glatte Marzipanhaut mit einer geschlossenen Spalte zwischen meinen Oberschenkeln. Jetzt, nachdem ich viele Jahre lang mit meinem Körper gelebte hatte, wusste ich, dass die lockigen Haare, die mir als Teenagerin gewachsen waren, keineswegs eine Spalte oder einen Schlitz versteckten, sondern eine verborgene und geheimnisvolle Höhle, die einen Mann in einem engen, warmen, weichen Dunkel umschließen konnte. Wenn sich mein Geschlecht öffnete, war es nicht wie ein Schlitz, der sich öffnete, sondern wie eine enge und wandelbare Höhle aus Seide.

An diesem Abend im Doppelbett nahm ich meine Hand wieder zur Seite und zog Rune über mich, sodass ich seine warme Haut und seine Lust durch unsere Unterwäsche spüren konnte. Sein fester Druck gegen meinen Unterleib erregte mich und ich bewegte mich schneller unter ihm, Stoff an Stoff, zwei warme, eifrige Körper, für die es nichts anderes gab als einander. Er richtete sich auf, zerrte unsere Unterwäsche herunter und ich öffnete mich für ihn. Mit meiner Hand führte ich ihn in mich ein. Das weiche Halbdunkel des Raumes verschmolz mit meiner inneren Höhle und es gab nur unsere beiden Körper, die einander gierig verschlangen. Die kribbelnde Lust wurde intensiver und kulminierte in dem weichen Nichts, das alle Sinne übertönt. Als wir einschliefen, ruhte seine warme Hand auf meinem Bauch.

Viele Male in diesem Winter wiederholten Rune und ich diese schöne, intime Nacht miteinander. Aber morgens beim Aufwachen, dachte ich an Karl. Das tat ich auch in manchen Nächten, in denen ich nicht schlafen konnte. Es war der Gedanke an Karl, der die Lawine in meinem Leib auslöste. Der Traum einer Affäre mit ihm nahm mein Gehirn in Besitz. Ich dürstete danach, seine Geheimnisse zu erfahren. Meine Ehe band mich an einen Alltag mit Sicherheit, Stärke und Liebe, aber vier SMS eines Liebhabers lockten mit Abenteuer und Erotik.

„Ich will“, stand in der ersten SMS. Und „Dich wieder. Sehen. Das ganze Dich“, stand in den Folgenden. Mehr stand dort nicht. Ich antwortete nicht, da ich nicht wusste, was ich schreiben sollte.

„Heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen.“ So schrieb Søren Kierkegaard. Ich war unsicher, ob ich mich an den exakten Wortlaut erinnerte, und schlug das Zitat nach. Aber ich lag richtig. Und ich gab Kierkegaard recht, obwohl ich das Zitat insgeheim umformulierte in: „Lass dich scheiden oder lass dich nicht scheiden, du wirst beides bereuen“. Egal, was ich wählte, Ehe oder Scheidung, würde ich daran zweifeln, ob meine Entscheidung richtig gewesen war.

Meine Ehe mit allem, was sie an Partnerschaft und Alltag und auch Liebe mit sich brachte, war gut.

Auf der anderen Seite, wenn ich mit Rune weiter machen würde, würden alle anderen Männer verschwinden, die eventuell da draußen auf mich warteten, und ich würde sie vermissen, obwohl ich sie noch nicht kannte. Und ich fühlte mich zu anderen Männern hingezogen. Jetzt im Augenblick fühlte ich mich zu einem bestimmten Mann hingezogen. Mit Rune wollte ich Beziehung, Familie und Routinen haben, und mit Karl wollte ich Sex und neue Erlebnisse. Mein Begehren wurde vom Traum eines Abenteuers genährt, von dem Unbekannten, Rätselhaften und Unerreichbaren, das Karl verkörperte. Unaufhörlich kreisten meine Gedanken um ihn. Ich sehnte mich nach ihm. Der Treibstoff meiner Sehnsucht waren nicht die Mängel in meiner Ehe, obwohl es Mängel gab. Meine Sehnsucht wurde von der Trauer über meine verlorene Jugend genährt, den Verlust von Möglichkeiten und den Verlust des Abenteuers.

Trotzdem hatte ich Angst, dass jeder Kontakt mit Karl meine Beziehung mit Rune gefährden könnte. Daher antwortete ich nicht auf Karls SMS. Ich wartete, ohne zu wissen, worauf ich wartete. Ich trat auf der Stelle und ließ die Zeit verstreichen.

Diese Phase meines Lebens war vom Alltag dominiert. Der Herbst verging und der Winter begann. Der Alltag war eine Gedankenpause, eine Unterbrechung, in der ich mich fragte, wie mein Alltag den Rest meines Lebens meinen Wünschen nach aussehen sollte.

Dieser Winter war voll von regnerischen Tagen, geprägt von schweren Wolkendecken, die sich wie ein grauer Deckel über die Stadt legten. Ich verbrachte viele Stunden auf dem Sofa und las Romane, während die Jungen Computer oder Fußball spielten und Zeit mit ihren Freunden verbrachten und Rune über sein iPad gebeugt da saß und seine E-Mails las oder Sportsendungen sah.

Meine Tagträume waren lebendig, blühend und farbenfroh. Mein alltägliches Leben war eher einfarbig. Harmonische, neutrale Tage folgten aufeinander. Und gleichzeitig brannte ein Feuer in meinem Körper. Eine Lawine tobte in meinem Schoß.

Jeden Morgen stand ich auf, schmierte für die Jungs Pausenbrote mit Salami und schälte Karotten, sagte Rune Tschüss und radelte zur Arbeit. Die zwanzig Minuten auf dem Fahrrad widmete ich farbenfrohen Fantasien über Karl und die beiden Nächte, die wir gemeinsam verbracht hatten. In meinem Kopf wurden die Erinnerungen an Karl geputzt und poliert, sodass sie funkelten und vollkommener erschienen, als das wirkliche Erlebnis je gewesen war.

Jedes Mal, wenn ich einen Mann zum ersten Mal geküsst hatte, seine Lippen an meinen gespürt und meinen Mund seinem hingegeben hatte, hatte ich gedacht: „Vielleicht ist es jetzt. Vielleicht ist er es. Vielleicht ist es dieses Mal, bei dem alles gut wird“.

Meine Vernunft sagte mir, dass es nicht den einen Mann gab, der den Rest meines Lebens vollkommen machen konnte. Ich wusste, dass auch Karl und ich nicht perfekt zusammen passten. Aber ich wollte ihn haben. Ich trat in die Pedalen und dachte an seine langen, schlanken Finger, die sich über meine Haut bewegten und meine Lippen streiften. Das Blut floss wie süßer Honig in meinen Adern, wenn ich mir vorstellte, wie er mit den Fingerspitzen die Bluse über meine Schultern herunter zog. Vor meinem inneren Blick sah ich, wie er sich auf mich legte und ruhig wartete, mit seinen Händen auf meinem Gesicht, bevor er seine Stirn an meine legte, seine Hüften hob und in mich eindrang.

Mit seinen runden Formen und dem Kullerbauch ist mein Körper nicht elegant. Er ist üppig, freigebig und weich. Aber nicht elegant. Ich bin mehr Körper als Hirn. Niemand würde über mich sagen, dass ich intensiv oder tiefgründig aussehe. Aber Karl sah intensiv und tiefgründig aus. Er sah aus, als ob er über große Themen grübelte, aber ich wusste, dass es sein Körper war, der mich in Ekstase versetzen konnte.

Einmal las ich in einer Frauenzeitschrift, dass Sigmund Freuds jüngste Tochter Anna, die selbst Psychoanalytikerin war, gesagt hatte: „In unseren Träumen können wir unsere Speisen genau so zubereiten, wie wir es wollen, aber wir können sie nicht verzehren“. Die Bedeutung des Zitates war mir sonnenklar. In meinen Fantasien konnte ich Karl formen. Er war von meiner Fantasie erschaffen. Das war auch der Grund, warum ich zögerte, ihn zu kontaktieren. Ich hatte Angst, dass die Wirklichkeit meine inneren Bilder zerstören würde. Mein Mann Rune war allzu wohlbekannt, als dass ich ihn in meinen Fantasien formen konnte. Also benutzte ich Karl, um einen perfekten Traummann zu erschaffen. Wieder und wieder kehrten meine Gedanken zu seinen Händen zurück, die meinen Körper berührten, und zu seinen Beinen, die sich voller Erregung auf dem weißen Laken des Hotels ausstreckten.

 

Beim Mittagessen in der Kantine erfuhr ich zufällig, dass Karl jeden Mittwoch Nachmittag an der Copenhagen Business School unterrichtete. Am Mittwoch in der Woche darauf sagte ich zu den anderen im Büro, dass ich zum Zahnarzt musste, und schlich mich in die Vorlesung hinein. Ich setzte mich ganz nach hinten in den Hörsaal voller junger Studierender mit perfekter Haut und glänzendem Haar und versuchte, zuzuhören. Aber Karls Worte strömten für mich bedeutungslos zu einem Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus. Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf die Dinge, die mich an ihm erregten: Seine zarten Hände, die Silhouette seines schlanken Körpers vor der weißen Tafel, seine Ruhe und die Autorität, die ihm sein Platz ganz vorn im Raum verlieh. Ich sah vor mir, wie seine Hände über meinen Körper glitten und wie seine Hand mein Kinn hob, sodass er mich besser küssen konnte. Mein Schoß füllte sich mit Wärme und meine Wangen wurden heiß. Ich schüttelte meine inneren Bilder ab und starrte Karl an, um zu hören, war er sagte. Aber die Glut zwischen meinen Beinen hatte zu brennen begonnen. Feuchte Perlen sammelten sich auf meiner Oberlippe und der Kragen meiner Bluse juckte im Nacken.

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