Eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse – Erotische Geschichten

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Anna Bridgwater

Eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse – Erotische Geschichten

Saga

Eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse – Erotische Geschichten ÜbersetzungLUST Translators Original Eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse - An erotic seriesCopyright © 2018, 2021 Anna Bridgwater und LUST, SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788728109762

1. Ebook-Auflage, 2021

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach

Absprache mit LUST gestattet.

Lust eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 1

Ich will die Geschichte meines Lebens erzählen. Jedenfalls von einem Teil meines Lebens. Einem Teil meines Lebens, der ich bin, der aber verborgen ist. Mein Sexleben. Dafür bin ich geschaffen. Das ist das, was ich kann.

Es ist Mittsommer in Kopenhagen. Ich bin fünfundzwanzig. In meiner Nachbarschaft ist die Luft dick von gelblichem Staub von den Fußwegen rund um die Seen. Die Firma, für die ich arbeite, veranstaltet ein Sommerfest. Ich ziehe ein enges, schwarzes Kleid mit großen Blumen an. Ich liebe dieses Kleid. Ich liebe es, wie ich darin aussehe. Ich bin schlank, habe lange, dunkle Haare, meine Brüste sind straff. Ich bin Kettenraucherin und innerlich unsicher wie eine Fünfzehnjährige, aber meine eigene Unsicherheit reizt mich. Ich fummle darin rum, fordere sie heraus, wie einen Mückenstich, den zu kratzen ich nicht lassen kann.

Ich gehe zu dem Fest. Ein gewöhnliches Fest mit Abendessen, Drinks, Bier, Zigaretten und danach in die Kneipe. Der Abend ist warm und trocken und ich stolziere in meinen hohen schwarzen Wildledersandalen und dem engen Kleid umher. Das, was ich erzählen will, ist, dass ich einen Kollegen mit nach Hause nehme. Er ist verheiratet, ich bin Single. Er ist groß, sehnig, hat ein Gesicht voller Sommersprossen und eine dunkle, weiche Stimme und ich bin scharf auf ihn. Er macht mich geil. Ich will, dass er auf mir liegt in meinem Doppelbett mit dem massivem Kopfende aus dunklem Holz. Ich will seine Hüften und seinen harten Brustkorb auf mir spüren und seine langen weißen Finger sollen meinen Körper berühren. Er soll mich küssen, meinen Hinterkopf umfassen und mich begehren. Er soll meine Knöchel und Kniekehlen und Achselhöhlen lecken.

Die Nacht ist hell und die Wände in meinem Zimmer sind grün gestrichen, so dass es ist, als ob man unter Wasser oder in einem Aquarium wäre. Er schmeckt salzig mit einer etwas bitteren Note. Ich zeige ihm meine hellbraunen Brustwarzen und biete ihm an, sie abzulecken. Mein eigener Duft wird stärker und übertönt seinen. Seine Oberschenkel sind genauso blass wie seine Hände und ganz fest. An seinem Hinterkopf ist ein kleiner, kahler Fleck, den ich sehen kann, wenn er sich auf mich legt. Dieser kahle Fleck weckt Fürsorge in mir, und ich ziehe seinen Kopf nach unten neben meinen eigenen, so dass wir Wange an Wange liegen und ich ihn sanft mit meinen Zähnen am Ohrläppchen ziehen kann. Die Sommersprossen in seinem Gesicht setzen sich über dem Brustkorb in einer dünnen Schicht fort. Ich habe nie einen so perfekten und hellen Körper wie seinen gesehen. Ich bin fasziniert und auch ein bisschen abgestoßen, weil es ist, als ob die helle Haut feucht wäre, als ob jemand Milch auf einem Tisch verschüttet hätte, ohne sie ganz aufzuwischen.

Ich finde, dass es mich nichts angeht, dass seine Haut feucht ist, und mache damit weiter, seinen Körper zu benutzen oder zu berühren, ihn zu spüren und mich an ihn zu pressen, bis er mich spürt. Ich will, dass er viele Stunden in meinem Bett bleibt, und hole Wasser und Wein und Zigaretten. Darin bin ich gut. Diese Art Mensch zu sein, das hab ich drauf.

Ich will keinen Anstoß erregen oder verurteilt werden, wenn ich das hier erzähle. Ich will erzählen, wie es ist, ich zu sein, aber ich fürchte zurückgewiesen oder wegerklärt zu werden. Ich weiß, was andere über solche wie mich sagen: „Sie war sicher auch als Teenager wild.“ Als ob mein heimliches Leben als Erwachsene damit abgetan werden könnte, dass ich die Pubertät nie hinter mir gelassen hätte. Oder: „Ja, bei der Erziehung ist es nicht verwunderlich, dass sie rastlos geworden ist.“ Diese vereinfachten Erklärungen taugen nichts, und in meiner Kindheit ist nicht besonders viel falsch gelaufen. Ich habe das Leben gewählt, das ich jetzt lebe, obwohl ich weiß, dass natürlich viel mehr als das Hier und Jetzt auf dem Spiel steht. Aber es ist das Hier und Jetzt, was wichtig ist. Das Heute ist es, was mich erfüllt, nicht Dinge, die vor vielen Jahren passiert sind oder in der Zukunft passieren werden.

Ich weiß, dass viele sofort anfangen, Vergleiche zu ihrem eigenen Leben anzustellen. Sie wollen mir gerne erzählen, dass sie nicht im Traum ihre Ehe für einen Abend Spaß aufs Spiel setzen würden. Aber ich weiß ja genau, dass andere nicht wie ich sind. Das müssen die mir nicht erzählen. „Ich könnte ja nicht beruflich eine Woche nach Hongkong fliegen, das würde den Kindern schaden“, sagt eine Freundin vielleicht. Jedes Mal, wenn das passiert, werde ich ein bisschen weniger. Ich verkrampfe innerlich. Es ist, als ob die anderen urteilen und ein bisschen von dem, was ich bin, ablehnen. Aber ich bin nicht wie sie. Ich bin nicht sie. Ich glaube nicht, dass es viele gibt, die wie ich sind. Aber ich weiß es nicht, denn darüber sprechen wir nicht. Deswegen will ich von meinem Leben erzählen. Es ist sonderbar einsam, ein heimliches Leben zu haben, das niemand kennt. Außerdem ist meine Erzählung eine Art Versicherung: Ich denke ab und zu darüber nach, was passiert, wenn es schief geht. Es gibt viele Stunden in meinem Leben, in denen niemand weiß, wo ich bin oder was ich tue. Manchmal habe ich Erlebnisse, die so flüchtig sind, dass sie beinahe anonym sind.

Aber vielleicht treffe ich eines Tages einen Mann, der nicht so ist, wie ich glaube. Vielleicht versagt meine Urteilsfähigkeit. Vielleicht passiert ein Unglück. Vielleicht bin eines Tages ich diejenige, die mit entblößtem Unterleib und zerrissener Kleidung in einer Dünenkuhle an einem Strand liegt. Wenn das passiert, ist es wichtig, dass es ein Zeugnis von dem verborgenen Teil meines Lebens gibt.

Heute bin ich vierzig, verheiratet und habe eine Karriere. Es gibt da einen Mann bei meiner Arbeit. Magnus. Ein bisschen jünger als ich. Auf eine konventionelle Art anziehend und sehr durchtrainiert. Fähig in seinem Job, ohne hervorragend zu sein. Führungskraft auf mittlerer Ebene, ein bisschen faul, aber angenehme Gesellschaft. Aufmerksam und unterhaltsam. Und er ist scharf auf mich. Das habe ich jedes Mal, wenn wir zusammen bei einem Seminar oder einer Messe oder einem Teambuilding waren, gemerkt. Er hilft mir in meinen Mantel und streift dabei meinen Nacken mit dem Daumen. Oder er legt seine Hand auf mein Kreuz, wenn wir am Mittagsbuffet stehen, als ob er mich galant zu den Schüsseln mit Presswurst und Tomatensalat geleitet. Aber seine Finger gleiten so weit mein Rückgrat hinunter, dass ich weiß, dass es eine Liebkosung ist. Ich antworte ihm, indem ich zu dicht bei ihm stehe und meine Hüfte gegen seine drücke. Ich kann spüren, dass er zurückdrückt und sein Fleisch unter der dunklen Hose fest ist. Einige Sekunden stehen wir völlig unbeweglich vor den Salatschüsseln, bis sich die Muskeln entspannen und die Berührung aufgehoben wird. Mir wurden die Augen für die Möglichkeiten geöffnet, die er enthält. Ich liebe es zu küssen, einen neuen Körper zu kosten, zu erforschen und zu spüren. Ich bin auf einer neuen Mission. Einer neuen Entdeckungsreise.

Eine Woche vergeht, bis sich die Möglichkeit ergibt, dass wir weitermachen können. Meine Abteilung hat den anderen Abteilungen die Halbjahresresultate präsentiert. Die Ergebnisse sind gut und wir servieren Sekt und anschließend Obst. Nicht viel, aber es ist Spätnachmittag, alle sind müde und die meisten kriegen rote Wangen und einen verschleierten Blick. Aber ich bin konzentriert. Ich weiß, dass er mich beobachtet, während er sich mit seinem Chef über ein IT-Problem unterhält. Ich sehe ihn nicht an, während ich aufräume, die benutzten Plastikbecher staple und Papier einsammle. Ich halte meinen Blick mit Absicht auf den Tisch gerichtet. Aber dann, die Hände voller leerer Flaschen, schaue ich hoch und sage zu ihm: „Die hier müssen in die Küche. Nimmst du welche?“

Ich gehe mit nach unten in die Küche. Die Flaschen stelle ich auf den Boden, dann lehne ich die Hüfte gegen den Küchentisch und warte. Ich muss nicht lange warten. Er kommt in die Küche, in jeder Hand eine leere Flasche. Er stellt sie weg, wendet sich mir zu und kommt ganz dicht zu mir. Fährt mit der Hand durch mein Haar, liebkost meinen Nacken und öffnet den Reißverschluss meines Kleides. Er legt seine Hand auf meinen Rücken und seine Haut verbrennt meine. Ich kann seinen Atem an meiner Wange spüren und mit seiner freien Hand nimmt er mein Kinn und dreht mein Gesicht zu seinem. Ich hefte den Blick auf seine Lippen und dann küssen wir uns. Es ist ein guter Kuss, untersuchend und zärtlich mit einem humorvollen Unterton. Wir knabbern uns an den Lippen, küssen mehr, und die ganze Zeit arbeitet sich seine Hand meinen Rücken hinunter. Ich registriere, dass die Eingangstür zugeknallt wird. Und dann ist die Stille so total, wie sie es nur in ganz leeren Räumen sein kann.

Wir haben es eiliger, er zieht seine Hand von meinem Rücken weg und greift unter mein Kleid, um meine Strumpfhose runterzuschieben. Verschämt denke ich an die Fettrolle, die sich über dem Gummiband wölbt und automatisch schubse ich seine Hand weg, um die Strumpfhose selbst runterzuziehen. Aber er besteht darauf, streift meine Unterwäsche ab und greift zwischen meine Schenkel. Das Blut rauscht in meinem Körper, ich bin flammend heiß und lechze nach ihm. Mit der Hand hinter meinem Rücken fummle ich an seinem Gürtel und Reißverschluss, öffne seine Hose und spüre seinen harten Schwanz durch den Stoff der Unterhose.

 

Was soll ich sagen? Viele haben wohl an irgendeinem Arbeitsplatz probiert, Sex im Stehen zu haben: Eine sonderbare Kombination aus ungeschicktem Fummeln und einer begeisterten, gierigen Suche nach Freude beim anderen. Er nimmt mich von vorne, dann leckt er mich, bis ich komme, während ich auf der Kante des Küchentischs sitze, den einen Fuß gegen den Kühlschrank gestützt. Dann dreht er mich um und nimmt mich von hinten mit kurzen, heftigen Stößen gegen den Küchentisch, auf den ich mich stütze, mit dem Gesicht gegen die Spüle und meinen eigenen verschwitzten Haarsträhnen in den Augen.

Danach bleibt er ein bisschen mit den Händen an meiner Taille stehen. Dann macht er meinen Reißverschluss zu und zieht mein Kleid runter, bevor er seine eigenen Klamotten zurechtrückt. Es ist diese Handlung, dass er Fürsorge zeigt und mich zudeckt, die mich froh macht, und ich presse meinen Hintern gegen seinen Unterleib.

Wir müssen beide nach Hause, ich bin mit dem Fahrrad da, er mit dem Auto. Am Ausgang nimmt er meine Hand, drückt die Fingerspitzen und sagt: „Wir sehen uns, oder?“ Langsam ziehe ich meine Finger aus seiner Hand, so dass ich seine Handfläche kitzle. Dann radle ich heim. Heim zu meinem Mann und meinen Zwillingsjungen.

Ich kann dir ansehen, dass du denkst: „Wieso tut sie das? Was hat sie davon?“ Verstehst du, dass ich das tue, weil ich es kann? Weil ich von einer knisternden Energie erfüllt werde, wenn ich weiß, dass er, dieser Mann, den ich nicht kenne, mich haben will. Ich habe die Fähigkeit, ihn dazu zu kriegen, sich in Begierde zu entblößen. Ich tue das, weil ich es kann. Ich kann Ehefrau, Mitarbeiterin, Mutter und Freundin sein. Aber das sind nicht die Rollen, die ich am besten beherrsche. Ich bin am besten darin, Liebhaberin zu sein. Ich bin am besten in Sex. Andere können sich damit begnügen, eine Person zu verführen und sich ihr für lange Zeit zu verpflichten. Aber ich muss hunderte von Menschen verführen um zu spüren, dass ich am Leben bin. Die Anzahl beweist scheinbar, dass der Einzelne keinen Wert hat. Aber das stimmt nicht. Im Augenblick hat dieser Einzelne einen unendlich großen Wert. Was meine Lust weckt, ist nicht nur der Gedanke an die Verführung selbst, sondern die Möglichkeit zu sehen und zu schaffen. Möglichkeiten, wo keine zu sein scheinen, spornen mich am allermeisten an.

Als ich an diesem Abend heimkomme, ist es kurz vor sechs. Die Jungs sehen im Wohnzimmer fern, Rune brät in der Küche Hähnchenfilet und checkt Mails. Das ist mein Leben. Es gibt so viele Dinge in meinem Leben, die mit meinem Mann funktionieren: Unsere Freundschaft, unsere Kinder, zeitweise unser Sexleben, obwohl ich nicht mehr so oft scharf auf ihn bin. Erotisch geht es mir mit ihm am besten, wenn es einen anderen in meinem Leben gibt, mit dem ich guten Sex habe. Dann bin ich zu Hause schärfer und werde nicht deprimiert bei dem Gedanken, dass ich für den Rest des Lebens nur mit meinem Mann Sex haben soll. Denn das kann ich wahnsinnig deprimierend finden: Keinen unbekannten Mund zu küssen, nie mehr Sex mit einem neuen Mann zu haben. Ich sehe es vor mir wie eine lange, gerade Autobahn. Effizient und praktisch, aber ohne Spannung.

Der Fick mit Magnus ist weder der erste noch der letzte meiner Seitensprünge. Es ist auch nicht der abenteuerlichste, schönste oder gleichgültigste. Aber ich habe Lust auf mehr von ihm, auf seine hungrigen Küsse, den rohen Sex und seine beinahe galante Berührung. Ich weiß, dass ich wieder mit ihm zusammen sein werde.

An dem Abend, nachdem wir das erste Mal zusammen waren, hänge ich den Mantel in den Eingangsbereich, rufe Rune ein Hi zu und gehe ins Wohnzimmer. Ich lasse mich aufs Sofa fallen und küsse meine Jungs in den Nacken und atme ihren süßen, etwas salzigen Jungenduft ein, bis sie mich rausschmeißen, weil ich störe. Dann gehe ich in die Küche zu Rune. Er fragt, ob ich einen guten Tag hatte, und sagt, dass es gleich Essen gebe. Ich lege meine Wange an seine Schulter und er drückt mich leicht mit dem einen Arm und dem Handy in der Hand. Er ist mein bester Freund und wir sind gute Partner. Ich decke den Tisch, rufe die Jungs und dann essen wir Hähnchenbrust mit Nudeln und Salat.

Das, was so viel füllt, soll geheim bleiben, denn es würde andere verletzen, wenn sie wüssten, was ich mache. Ich lasse es nicht darauf ankommen. Mein Telefon liegt immer in meiner Tasche, mein Computer ist immer aus, und niemand kennt meine Zugangsdaten für Facebook oder etwas anderes. Ich will nicht das Risiko eingehen, dass die Jungs oder Rune neugierig werden und meine Nachrichten oder Mails lesen.

Ich weiß nicht, ob Rune einen Verdacht hat, dass ich ihm untreu bin. Ich weiß auch nicht, ob er eifersüchtig werden würde, wenn er je Verdacht schöpfen sollte. Selbstverständlich habe ich darüber nachgedacht und ich glaube, die Antwort ist: Er entscheidet, nicht misstrauisch zu sein. Er verschließt bewusst Augen und Ohren vor dieser Möglichkeit.

Ich weiß auch nicht, ob er Sex mit anderen Frauen hat. Das wäre ja möglich. Er fährt zu Konferenzen und Verkaufsgesprächen und allem möglichen anderen, wo er irgendwo anders übernachten muss als zu Hause. Manchmal kommt er spät von der Arbeit, in gehobener Stimmung und mit Farbe in den Wangen. Dann kann ich an seinen Schritten draußen im Treppenhaus hören, dass er voller Energie und Lebensfreude ist, und manchmal streift mich der Gedanke, dass er gerade dicht neben dem Körper einer anderen Frau gelegen hat. Aber ich weiß es nicht. Ich habe beschlossen, den Gedanken nicht zu verfolgen, wenn er mich streift. Ich bremse den Gedanken, das Leben geht weiter und ich fülle das Gehirn mit Arbeitsaufgaben, Fußballspielen der Kinder, Sommerurlaubsplänen.

Das erste Mal war ich meinem Mann untreu, bevor wir verheiratet waren. Wir waren seit ein paar Monaten zusammen und dabei, uns in kleinen Schritten aufeinander einzuspielen. Wir hatten zusammen gekocht, Abende gemeinsam vor dem Fernseher verbracht und uns gegenseitig von Jugendsünden, Siegen, Ambitionen und Enttäuschungen erzählt. Aber wir hatten nicht gesagt, dass wir uns liebten, und wenn wir über die Zukunft sprachen, dann nur über Träume, nicht über gemeinsame Pläne.

Ich war nach Hause zu meinen Eltern gefahren, um Weihnachten zu feiern und Hausarbeiten zu schreiben. Meine Mutter erzählte, dass einer meiner Schulflirts vorübergehend zurück in die Stadt gezogen war, weil er in einer Scheidung steckte. Ich hatte die Information ganz hinten im Gedächtnis archiviert, aber nicht vergessen, drehte und wendete dieses Wissen gedanklich, wie ein Bonbon, das ich im Mund versteckte. Am ersten Weihnachtsfeiertag kam Rune. Wir aßen mit meiner Familie zu Mittag, gingen in den grauen und geschlossenen Straßen spazieren und hatten lautlosen, ungeschickten Sex in meinem schmalen Bett in meinem alten Zimmer. Am Tag darauf fuhr Rune, weil er arbeiten musste.

Als Rune abgereist war, ging ich zu meiner alten Flamme hinüber. Und wir waren vierundzwanzig Stunden zusammen. Wir lagen im Bett seiner Eltern, während sie bei einem Familienessen waren. Ich habe es getan, weil etwas Unterdrücktes in unserem Verhältnis lag, weil er in der Stadt war, weil wir nicht miteinander fertig gewesen waren. Und weil ich die Möglichkeit bekommen hatte. Er war der, den wir alle begehrt hatten, als ich ein Teenager war. Es war ein Sieg, als er und ich ein paar Nächte für eine kurze Zeit zusammen waren und eine Niederlage, als er aufhörte anzurufen oder bei Partys meine Hand zu halten. Es war ein neuer, aber geringerer Sieg, ihn wieder zu bekommen. Und er ist ein gut aussehender Mann. Damals, ich war siebzehn und er neunzehn, sagte er nie, dass er mich liebte. Von meiner Seite aus war es damals Liebe. Oder jedenfalls Verliebtheit. Aber ich wusste, dass ich das von ihm nie zu hören bekommen würde. Er würde diese Worte nie aussprechen, daher tat ich so, als ob es okay für mich wäre, seine Sex-Freundin zu sein. Bis er mich lieber als Freundin statt als Sex-Freundin haben wollte.

Über diese Dinge sprachen wir an jenem Weihnachten nicht. Als wir nach all den Jahren wieder zusammen waren, erkannte ich seinen Körper wieder, aber irgendwie auch nicht. Er hatte etwas von dem unbeschwerten Körperbau des Teenagerjungen verloren und war sehniger geworden. Seine Bartstoppeln waren dunkler geworden, seine Wangenknochen markanter. Es war, wie einen neuen Körper zu spüren und ich liebe es, einen unbekannten Körper zu küssen, zu erforschen und zu spüren. Ich selbst war weicher geworden und hatte mehr Kurven und einen großen Hintern bekommen. Er stand auf meinen neuen Körper, besonders auf meinen Po. Er hielt ihn fest in seinen Händen und formte ihn, drückte ihn, hielt sich an meinen Hüften fest und stöhnte laut, als er kam.

Danach tranken wir in Bettdecken eingepackt in der Küche Earl-Grey-Tee. Wir redeten über unser Leben in leichten Tönen. Ich war rastlos und dachte die ganze Zeit daran, dass ich gleich gehen würde. Aber ich wollte ihn auch wieder erobern, ich wollte ihn dazu bringen alles zu erzählen, ich wollte ihm schmeicheln, ihn erfreuen, ihn mit Begierde erfüllen. Er war dabei, von einer französischen Frau geschieden zu werden, die heim nach Lyon gereist war, und ihre Wohnung war verkauft worden. Er war wehrlos und trug die Scheidung wie einen Speer durch die Brust.

Im Laufe des Abends kamen seine Eltern nach Hause, während wir auf dem Sofa lagen und einen alten Film im Fernsehen ansahen. Sie sagten bloß „Hallo“, „lange her“ und „Gute Nacht“. Dann gingen sie ins Bett. Ich dachte daran, dass ich in ihrer Bettwäsche gelegen hatte. Aber dann spürte ich eine Hand unter die Decke kriechen, die über mir lag. Die Hand fand meine Taille, strich weiter nach oben und legte sich wie eine Schale um meine Brust. Ich schloss die Augen und legte den Kopf zurück.

Am nächsten Morgen schlich ich mich durch die Waschküche hinaus und lief durch die Villenwege nach Hause zu meinen eigenen Eltern. Sie frühstückten und lasen Zeitung in ihren Morgenmänteln. Meine Mutter holte einen Becher für mich und sagte:

„Wie schön, dass deine alten Freundinnen in den Weihnachtsferien auch zu Hause sind.“ Ich nickte. Das war es. Am nächsten Tag fuhr ich zurück nach Kopenhagen und im Laufe des Frühlings wurden Rune und ich uns einig, dass wir zusammenziehen wollten. Aber ich kam nicht zur Ruhe.

Rune und ich wohnten zusammen in meiner kleinen Zweizimmerwohnung, wir stritten über die Sofafarbe und darüber, wo man in der Wohnung seine Schuhe hinstellen sollte und wie oft wir abwaschen sollten und wie viele Freunde Rune zum Handballgucken einladen konnte. Und wir hatten Sex. Viel Sex. Wir lagen auf dem Sofa und schauten DVDs und berührten uns, so dass ich nie den Schluss von „American History X“ mitbekam, obwohl wir ihn zweimal sahen. Wir hatten Sex in der Dusche, die in einer Ecke des Schlafzimmers eingerichtet war und deren Fugen knirschten, wenn Rune mich gegen die mattierte Plastikwand presste. Natürlich hatten wir auch Sex im Doppelbett, fast jede Nacht. Von vorne und von hinten, unter meiner weißen Bettwäsche, plain vanilla, aber schön. Ich ließ ihn mich unter seinem Körper begraben und einfach machen. Falls mich das passiv klingen lässt: Das stimmt nicht. Ich war gierig, ich verschlang ihn und nahm alles entgegen, was Rune zu bieten hatte. Er trieb es mit mir, mit seinem ganzen hellen, festen Körper, seine Hände gingen überall auf Entdeckungsreise, meine Lust war sein Projekt, sein Hobby, seine Mission. Aber dennoch, trotz all des Sex’, gab es eine Ecke von mir, die nie satt wurde. Ich war immer noch offen für die Umwelt und all ihre Möglichkeiten.

Ich hatte einen gut aussehenden Mann mit einer starken Antriebskraft und Optimismus gefunden, die ihn jeden Tag aufstehen und raus und hinaus in die Welt gehen ließ und der Gesellschaft und Feste und mich liebte. Und trotzdem war ich nicht zufrieden. Es fühlte sich an, als ob ich mir eine Schublade in einem Archivschrank ausgesucht hätte und hineingesprungen wäre, woraufhin der Schrank geschlossen worden war. Ergibt das einen Sinn? Vielleicht nicht. Aber so geht es mir. Genau wie damals, als ich meine Schwerpunktfächer im Gymnasium wählen sollte. Meine Lehrer empfahlen, dass ich mich auf Sprachen konzentrieren sollte, wie es damals hieß. Und ich nickte und füllte den Zettel aus. Aber in mir gab es eine Stimme, die rief: „Ich könnte auch Biologin werden! Oder Ärztin! Ich könnte in die dritte Welt reisen und ein Heilmittel gegen Malaria finden!“ Ich konnte einen Zug von all den Türen spüren, die sich schlossen, als ich mich für den sprachlichen Zweig entschied. Das gleiche Gefühl stellte sich ein, als ich mich entschied mit Rune zusammenzuziehen.

 

Eine der Schubladen, die ich in meinem Leben geschlossen habe, ist die mit dem Traum zu schreiben. Heute schreibe ich Newsletter und Kundenmails und ich lese Bücher. Alle möglichen Bücher. Eine Strophe eines Emily Dickinson-Gedichts hat sich in meinem Kopf festgesetzt, denn genauso ging es mir in der ersten Zeit, nachdem ich mit Rune zusammengezogen war:

The soul has moments of Escape –

When bursting all the doors –

She dances like a Bomb, abroad,

And swings upon the Hours

Ich war eine verirrte Rakete, außer Kontrolle, die die Landschaft verwüstete und riskierte, Zerstörung mit sich zu bringen.

Als wir ungefähr ein Jahr zusammengewohnt hatten, waren Rune und ich bei einer Hochzeit. Einer von Runes Freunden würde heiraten, ein handballspielender ehemaliger Klassenkamerad mit perfekten Zähnen. Er würde eine große, blonde Frau heiraten, die irgendwas mit Marketing und Fluggesellschaften machte. Das erwähne ich um zu sagen, dass dieses Paar immer so aussah, als ob es gerade aus einem Sommerurlaub zurückgekommen wäre, die Koffer voller zollfreier Kosmetik. Bei dieser Hochzeit hatte ich einen sehr aufmerksamen Tischherrn. Er rückte mir den Stuhl zurecht, betrieb Konversation und schenkte Wein ein, viel zu viel Wein. Er war dunkelhäutig, er sah aus wie ein Zigeuner aus einem Kinderbuch von damals, als man noch problemlos Zigeuner sagen durfte und Zigeuner mit etwas exotischem, einzigartigem und echtem verbunden waren. Er sah aus wie ein Mann, der auf die Idee kommen könnte meine Hand zu nehmen und mich zu überreden durchzubrennen und zusammen mit ihm in einem Zirkuswagen zu wohnen.

Es wurden Reden gehalten. Nach dem Hauptgericht hatten drei der Freundinnen der Braut eine Power Point-Präsentation mit Fotos ihrer gemeinsamen Jugendurlaube zusammengestellt. Es waren fröhliche, blonde Teenager mit Drinks, im Bikini, hinten auf Mofas, am Strand, im Liegestuhl, in Hotelbetten. Die Vorhänge im Gesellschaftsraum waren zugezogen, damit wir die Bilder sehen konnten, und die Luft war warm und stand. Die Tische standen ein wenig zu dicht, die Akustik war schlecht, die kichernden Stimmen der Freundinnen undeutlich. Ich wurde dösig. Meine Lider waren schwer, mein Körper warm und schwer. Mein Tischherr rückte seinen Stuhl ein bisschen näher an meinen und ließ die Rückseite seines Zeigefingers langsam die nackte Haut auf meinem Unterarm hinuntergleiten. Ich legte die steife, weiße Stoffserviette über meine Oberschenkel, so dass sie auch einen Teil seines Schoßes bedeckte. Meine Hand kroch unter die Serviette. Ich kratze mit einem Nagel an dem warmen, strammen Stoff der Hose, dort, wo sie seinen Schritt bedeckte. Vor und zurück bewegte ich den Nagel, als ob ich ganz vorsichtig einen Fleck wegkratzte. Die Reibung des Stoffes gegen meinen Finger kitzelte und summte. Mein Mund war gesättigt von dem Rotwein, den ich getrunken hatte. Der schwere Klang meines eigenen Atems füllte meine Ohren. Die drei redenden Freundinnen und alle Hochzeitsgäste verschwanden. Die Braut verschwand, der Bräutigam verschwand, Rune verschwand. Mein Tischherr schob seine Hand runter zu meiner und öffnete ganz still und langsam seine Hose. Er flüsterte etwas, das ich nicht hören konnte, und meine Hand kroch unter die Stoffserviette. Ich konnte spüren, dass er steif und warm und seine Haut glatt wie Seide war. Vor meinem inneren Auge sah ich etwas Solides und Dunkles, das danach strebte, von dem Stoff befreit zu werden, der es unten hielt. Es gab nicht besonders viel Platz um meine Hand zu bewegen, daher streichelte ich ihn leicht mit drei Fingern, während ich mein Gesicht auf die Redner gerichtet hielt. Ich wurde davon erregt, ihn zu erregen, es pochte in meinem Schoss, mein Atem ging schneller und meine Lippen öffneten sich. Aber dann flüsterte mir mein Tischherr etwas zu und sein Atem war heiß an meinem Ohr:

„Willst du ficken?“ Seine Worte waren ein Ausweg. Meine Hand hielt inne. Wenn er auf eine andere Art gefragt hätte, wenn er vorgeschlagen hätte, dass wir zusammen auf Toilette gingen, dann hätte er eine Tür geöffnet. Stattdessen hatte er sie geschlossen. Ich ärgerte mich und war gleichzeitig erleichtert. Als die Reden und das Dessert überstanden waren, fand ich Rune. Wir waren beide voll, ich mehr als er. Ich zog ihn nach draußen auf Toilette, zog meine Unterhose aus und spürte kalte Luft an meiner Muschi. Es war eine der Toiletten, bei der das Waschbecken mit in der Kabine ist. Er schloss die Tür, beugte sich über das Waschbecken und presste seine Hand gegen meinen Scheitel, so dass ich in die Knie ging. Er öffnete die Hose und zog meinen Kopf zu seinem Schritt. Mir gefällt es, Männern einen zu blasen. Der Geschmack ist salzig mit einer organischen Note, die von Mann zu Mann verschieden ist. Rune schmeckt ein bisschen nach Wald, seine Schamhaare sind wildwüchsig und dicht und gekräuselt. Er streichelte meinen Hinterkopf und fuhr mit den Händen durch meine Haare, und bevor er kam, zog er mich hoch und drehte mich um, so dass er mich von hinten nehmen konnte. Ich konnte mich selbst mit ihm im Spiegel hinter mir sehen, als er in mich eindrang mit einer Bewegung, die uns beide ein Hohlkreuz machen ließ. Das Spiegelbild von ihm und mir, mit roten Wangen, halboffenen Mündern und zerzausten Haaren machte mich heiß. Ich schob den Arsch nach hinten, um so viel wie möglich von ihm zu spüren.

Wir kamen beide. Ich knüllte meine Unterhose zusammen, schmiss sie in den Papierkorb und ging hinaus zu der Feier mit von Sperma klebendem Schamhaar, und die Luft war kalt an meinen nassen Schenkeln.

Zwei Jahre nachdem ich mit der Ausbildung fertig war, kauften Rune ich die Wohnung, in der wir immer noch wohnen, und dann begannen wir, über Kinder zu reden. Aber bevor wir es zu Kindern brachten, reisten wir zusammen mit Freunden, Peter und Karin, nach Thailand. Wir wollten ein paar Tage in Bangkok bleiben und dann zu einigen Inseln rausfahren und dort ein bisschen schnorcheln gehen und am Strand liegen. Die feuchte Wärme und der Jetlag drangen in meinen Körper ein, machten mich benommen und seltsam manisch. Ich konnte nicht genug von den bunten Lichtern der Nacht bekommen, von dem Geruch gebratenen Fleisches, Staub und Benzin, dem Menschengewimmel und eiskaltem Bier, winzig kleinen Frühlingsrollen und dem Geschmack von Chili, der so stark war, dass mir Tränen in die Augen stiegen.

In einer Bar in der Gegend, in der alle Rucksacktouristen zusammenströmen, erfanden Rune und Peter einen Drink gemixt aus Mekong Whiskey, Mineralwasser, Limettensaft und Zucker. Rune und Peter waren stolz auf ihren Cocktail, sie mixten Drinks, schenkten Karin und mir ein, servierten anderen Bargästen Drinks, kauften eine weitere Flasche Mekong Whisky und noch mehr Mineralwasser. Karin lächelte still, sie war eine ruhige Person mit langsamen Bewegungen. In meinem Whiskyrausch fand ich alles an ihr hübsch. Ihre Stupsnase, ihren leichten, säuerlichen Schweißgeruch, ihre grauen Augen. Ihre Haut, die in dem Licht der bunten Lichterketten über der Bar feucht schimmerte. Mein Gesicht näherte sich ihrem, ich beugte den Nacken und leckte den Schweiß von ihrem Schlüsselbein. Sie schmeckte verblüffend gut, süßer als Rune. Ich biss leicht in ihren Hals und zog sie an mich. Das Gefühl eines anderen Frauenkörpers war merkwürdig. Sie war größer und weicher und plumper anzufassen, als ich mir vorgestellt hatte. Wenn Rune zu berühren war wie einen Greyhound anzufassen, war Karin wie ein Golden Retriever.